Julia Leeb reist als Fotojournalistin in Krisenregionen / Dirk Bruniecki

Fotografin Julia Leeb - Die andere Seite des Krieges

Die Fotografin Julia Leeb ist das Gegenteil des Stahlhelm-Reporters: Sie dokumentiert das Leben in Krisenregionen, aus denen andere Journalisten längst abgezogen sind.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München. 

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„Ich kann nicht mehr aufhören zu zittern. Das kleine Erdbeben hat sich auf meinen Körper übertragen. Dann zischt es wieder. Wo wird das nächste Geschoss einschlagen? Wird mein Körper zerschmettert? Werden wir überleben? Wie lange dauert es zu verbluten? Die Sekunden enden nicht.“ Es ist der 14. März 2011. Fast über Nacht ist aus den Protesten gegen den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi ein Krieg geworden. Die Fotojournalistin Julia Leeb ist mittendrin und bangt um ihr Leben. Erinnerungen wie diese lassen sich in ihrem Buch „Menschlichkeit in Zeiten der Angst“ nachlesen. Darin erzählt Leeb von ihren Reisen in die Konfliktregionen dieser Welt, nach Libyen, in den Kongo oder in den Sudan.

Leeb, die sagt, dass sie manchen NGOs „zu tussig“ sei, ist der Gegenentwurf zum Stahlhelm-Reporter, der sich als furchtloser Draufgänger an der Front inszeniert – und dadurch selbst zur Story wird. Starallüren scheinen weniger ihr Ding, aber Humor hat sie. Während Leeb für die Kamera posiert, zwinkert sie dem Journalisten zu und macht einen kurzen Catwalk in der seelenlosen Halle unterhalb eines Münchner Bahngleises, die der Fotograf als Kulisse gewählt hat. Dass keiner weiß, ob wir dort sein dürfen, interessiert sie nicht. „Falls wer fragt, sagen wir einfach, wir kennen den Hans“, sagt sie und lacht. 

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Rebeca Bok | Mo., 4. Juli 2022 - 13:55

- nicht als Abschluss, sondern als Präambel.
Die Künstlerin am Werk, Bestandteil des Geschehens, Bestandteil des Kunstwerks - so genießt man es bei Annie Leibovitz.
Bei Julia Leeb geschieht es komplementär: Die Künstlerin wirkt am Ergebnis des Geschehens mit, ein Kunstwerk dient hier vielmehr als Vehikel. Poiesis statt Poesie? Und trotzdem (oder gerade deswegen?) atemberaubend schön, auch jenseits allen historischen Dokumentargehaltes.
Ukraine - was ist das?
Aus gutem Grund gerade nicht auf Jagd im Präsentierwelt-Zoo.
Danke für dieses starke Porträt.