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Gerngesehener Gast beim Christopher Street Day: Wolfgang Thierse / dpa

Die Queer AG in der SPD über Identitätspolitik - „Wolfgang, wir stehen hinter dir“

Für seinen kritischen Essay zur Identitätspolitik ist Wolfgang Thierse öffentlich abgewatscht worden – besonders von Mitgliedern der Queer AG in der SPD. Deren stellvertretender Bundesvorsitzender distanziert sich zwar von der Hetze. Trotzdem findet er, Thierse hinke der Partei hinterher.

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin bei Cicero.

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Antje Hildebrandt

Sascha Roncevic ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Queer AG in der SPD.

Herr Roncevic, Wolfgang Thierse ist für seinen kritischen Essay zur Identitätspolitik in der FAZ von Mitgliedern der AG Queer öffentlich abgewatscht worden. Er wurde als reaktionär und neu-rechts beschimpft, ohne dass das begründet wurde. Das alles kommt zu einem Zeitpunkt, wo der SPD-Kanzlerkandidat Respekt als Wahlkampfparole ausgegeben hat. Ist die AG Queer der Sargnagel der SPD?

Nein, und das ist sie schon deswegen nicht, weil die SPD Queer Wolfgang Thierse gar nicht öffentlich abgekanzelt hat. Das waren einzelne Mitglieder. Aber wir als AG haben nie ein Statement abgegeben, in dem es heißt, Wolfgang Thierse sei reaktionär.

Heißt das, Sie hatten mit dem Gastbeitrag keine Probleme?

Wir teilen diesen Beitrag nicht in allen Punkten. Aber wir würden niemals sagen, wegen dieses Beitrags muss Wolfgang Thierse aus der Partei gejagt werden. Er ist ein Sozialdemokrat durch und durch, der in seinem Leben immer wieder gezeigt hat, dass er sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einsetzt, auch für queere Menschen. Er war nicht nur einer der ersten Politiker, die beim Christopher Street Day gesprochen haben, er hat auch die Katholische Kirche für ihren Umgang mit queeren Menschen kritisiert.

Der ehemalige Bundestagspräsident warnt in seinem Text davor, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt, wenn Minderheiten ihre Partikularinteressen über das Allgemeinwohl stellen. Was ist daran auszusetzen?

Ich stimme ihm in dem Punkt zu, dass er sagt, wir leben in einer immer pluraler werdenden Gesellschaft, da gibt es nun mal Kämpfe um Ressourcen wie Aufmerksamkeit. Der Ton wird immer rauer. Das ist der Sache nicht dienlich. Ich glaube aber, er verwechselt das Anliegen der Leute mit der Art und Weise, wie einige Leute das kommunizieren. Aber das ist eben nur ein Teil der Community. Es gibt nicht die queere Community.

Woran machen Sie Ihre Kritik inhaltlich fest?

Mich hat etwa der Satz gestört: „Biographische Prägungen, und seien sie noch so bitter, dürfen nicht als Vorwand dafür dienen, unsympathische, gegenteilige Ansichten zu diskreditieren oder aus der Diskussion auszuschließen.“ Das ist eine pauschale Unterstellung, dass man seine persönliche Betroffenheit immer als Vorwand für etwas missbraucht. Dabei gibt es doch auch Situationen, wo es sinnvoll ist, diese biographische Prägung einzubringen. Eine Debatte lebt ja von verschiedenen Perspektiven.

Leider ist es in diesen identitätspolitischen Debatten aber doch oft so, dass die Opferperspektive das Argument ersetzt. 

Aber es ist doch ein Unterschied, ob man sich als Opfer fühlt oder ein Opfer ist. Wir werden immer wieder gefragt, was wollt Ihr denn noch, Ihr seid doch schon gleichgestellt? Kaum einer kann sich vorstellen, dass es da noch Opfer gibt. Dabei zeigen Statistiken, dass es Gewalt gegen Schwule und Lesben gibt. Warum darf man diese Gewalterfahrung nicht mit in den Diskurs einbringen? Man darf es bloß nicht als absolutes Argument hinstellen.   

Kritik ist das eine, der Ton macht aber die Musik. Ist es Ihnen als stellvertretender Bundesvorsitzender der Queer AG gar nicht unangenehm, wenn Sie sehen, wie ein Mitglied der Queer AG bei einem Online-Talk des SPD-Kulturforums und der Grundwertekommission mit Gesine Schwan und der FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel zu deren Kritik am Outing von Schauspielern im SZ-Magazin seine persönlichen Erfahrungen benutzt hat, um alle Andersdenkenden zu stigmatisieren?

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Peter Saulus | Mi, 10. März 2021 - 14:37

Zu diesem Thema fällt mir ein Artikel von Ludwig Marcuse ein. Es ging zwar um Blasphemie, passt aber zur heutigen allseitigen Aufgeregtheit über fast alles: "Ja, jeder könnte dauernd wegen verletzter Gefühle reklamieren, aber wenn alle es täten und staatlichen Schutz für sich forderten, wo sollte das enden? Marcuse plädierte für eine andere Lösung. Da Gefühlskränkungen unumgänglich seien, müsse man lernen, «nicht Anstoss zu nehmen» und Disziplin zu entwickeln in der Reaktion auf Verletzungen. Dies aber hatte für ausnahmslos alle Gruppen zu gelten: «Die Privilegien im Anstossnehmen müssen endlich aufhören!»
"Wo die Gefühle der einen Gruppe als unantastbar gelten, die Empfindungen der anderen aber geschmäht werden dürfen, lebt man in einem System, das «Privilegien im Anstossnehmen» verteidigt."
Leider werden die Diskussionen zu stark von subjektiver Einseitigkeit bestimmt. Irgendwann ist es mit reden auch genug. Akzeptieren ohne zu leiden kann die Lebensqualität signifikant verbessern.

Aber was ist so? Wie groß an Mitgliedern wohl diese Gruppierung (gemeint ist die SPD als ganzer Parteikomplex)noch ist.Was will diese Gruppierung? Wertschöpfende Politik ist das nicht.Der SPD steht ein richtig tolles Wahljahr bevor.Es tut gut und fühlt sich sehr angenehm an.Und so divers.Ich,Ich,Ich...bin Queer und was noch.Hauptsache ICH!

Yvonne Stange | Mi, 10. März 2021 - 15:52

In reply to by Sven-Uwe Noever

Ich sag nur "Lorem ipsum".... Ich denke, manchem fällt das nicht mal auf.... So tief ist das geistige Niveau der SPD schon gesunken.

Zum Thema: es läßt sich trefflich Minderheitenpolitik mit einer extrem lauten, aber absoluten Minderheit machen, die ihre sexuelle Präferenz wie eine Monstranz vor sich herträgt. Diese "Berufsschwulen" oder "Berufs-Queeren" sind gesichert und haben nichts zu befürchten. Sie kennen nicht mal ansatzweise die Probleme, die es gibt. Diese kreischbunte Minderheit, die die "Ehe für alle" ausgelassen im Bundestag feierte, hat nichts mit den alltäglichen Probleme am Hut, mit denen homosexuelle Menschen tatsächlich zu kämpfen haben (Haß z.B.). Im Gegenteil, sie schaden der Sache extrem, da die heterosexuelle Mehrheit zunehmend von ihnen nur noch genervt ist und ärgerlich wird! Noch dazu, wo man sich mittlerweile vor allem auch für die Anliegen von Behinderten stark macht, aber nur wenn sie LBGT, Roma oder "Flüchtlinge" sind. Der Rest kann sehen wo er bleibt.

wie Sie sehen, fremdelt der Wolfi doch noch ziemlich mit den Gästen der Street-Dingens. Sein Hemd hat er auch noch an, schüchterner Ossi? Da nützen auch die Anstrengungen der Dame neben ihm wenig. Obwohl die Ossis ja sonst sehr freizügig gewesen sein sollen, wie man hört. "Wir hatten ja nichts, dann lieber gar nichts".

Also für ein Wahlplakat nicht wirklich geeignet. Eher schon für die AfD, als vermeintlich inkriminierendes Foto.

erklärt: Nicht so viel Gewese um sich selbst machen.
Diese ganze LGBTIQ-Bewegung ist eine aufgesetzte Aktion, weil ... - es gibt Geld dafür, wird mit Steuermitteln gefördert, ergo müssen die sich beweisen, sich sehr präsent machen damit die Förderung nicht abreißt.
Keine Steuergelder und wir könnten ganz normal nebeneinander daherleben.
Wer hat etwas dagegen fragt man sich ... soll die Gesellschaft gespalten werden, im "Ameisenhaufen" herumgestochert werden, um von den wirklichen Konflikten abzulenken, damit sich keine Solidarität in Hinblick auf wichtigeres entfaltet, De-Politisierung?

Sie schreiben das, was mir zum klugen Marcuse auch einfällt. Aber Roncovic und Kühnert können das nicht mehr verstehen, sie sind schon weiter.

Kai Korrotes | Do, 11. März 2021 - 19:38

In reply to by Gerhard Lenz

Ihre zwanghafte Fokussierung auf die AfD nimmt langsam pathologische Züge an. Mich langweilt das, zuweilen bin ich auch mal belustigt, dann wieder geringfügig genervt, wie von einer Schmeißfliege, welche an einem frühen Sommerabend auf meiner Sonnenuntergangsterasse um den zum verzehrstehenden Obstkuchen kreist. Aber um Sie mache ich mir Sorgen! Das Gespräch mit einem Spezialisten könnte helfen.

Mir fällt auch wer ein, nämlich Konrad Lorenz, der in seinen "Acht Todsünden der modernen Menschheit" solche Formen innerhalb von Kulturen als "Luxusbildungen" bezeichnet hat.
Der gesättigte Mensch entzieht sich einem selektierenden Faktor nach dem anderen und erlaubt es sich gelangweilt unnützen Ballast aufzunehmen

Romuald Veselic | Mi, 10. März 2021 - 15:05

dass es Gewalt gegen Schwule und Lesben gibt. Wenn das seriöse Statistiken sind, Herr Roncevic, dann müssen in diesen Statistas auch Angaben darüber sein, in welchen kulturellen Kreisen diese Gewalt ihren Ursprung hat. Ansonsten sind es hören-sagen Traktate, die sich als amtliche Schriften ausgeben. Nicht nur A sagen, sondern auch B erwähnen.

Z >Im Sommer jährt sich zum 20. Mal der Satz von Klaus Wowereit: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“<

Äh... Beinahe hätt ich das zum 20-mal vergessen.
Was mich angeht: Ich bin nicht schwul, und das ist gleichwertig gut so.
MfG Ironicus

Tobias Schmitt | Mi, 10. März 2021 - 15:12

"Aber die gesellschaftliche Akzeptanz hat zugenommen"

Dem Widerspreche ich absolut. Eher das Gegenteil. Die Menschen reden nur öffentlich weniger darüber. Aber Schweigen ist nicht gleich Zustimmung. Den Grund für das Schweigen kennt auch jeder, das brauche ich hier nicht mal zu schreiben. Das Verhalten der queeren Gruppen und Menschen ist ein Bärendienst an der eigenen Sache.

Das ganze Gespräch kommt mir sehr inhaltslos vor. Die Fragen sind gut, aber als Antwort gibts nur Plattitüden.

Wilfried Düring | Mi, 10. März 2021 - 17:31

In reply to by Tobias Schmitt

Es gibt im Interview eine zentrale Aussage:
'Aber es ist doch ein Unterschied, ob man sich als Opfer fühlt oder ein Opfer ist.'

Und zu diesem Satz gibt es einen nun bereits 10 Jahren alten legendären Talk-Auftritt. Schauen und hören Sie die wunderbare Güner Balci, in der Diskussion mit dem damaligen gruenen MDB (Kreuzberg) Hans-Christian Stroebele:

https://www.youtube.com/watch?v=HO0ECyYoPoU

Güner Balci ist seit August 2020 Integrationsbeauftragte von Neukölln.
Diese kluge und engagierte Frau ist eine 'Hoffnungsträgerin'.

Nur wissen wir 10 Jahre später, dass Güner Balci eine marginalisierte Minderheit ist, zusammen mit Leuten wie Ates, Kelek, Mansour, Abdel-Samad und doch einigen anderen - aber eben eine kleine intellektuelle Minderheit. Wo gesellschaftliche Mehrheiten liegen, zeigen die Integrationsgipfel oder die Regierung in NRW zum Religionsunterricht etc., die als Regierung sich nunmal nach Mehrheiten und nicht nach Minderheiten richten muss. Herr Ströbele vertrat die weltoffene grüne Mehrheit, kam damals argumentativ nur nicht durch.

Das ist auch alles ok, natürlich geht es in einer Gesellschaft erstmal um Mehrheiten, um was sonst. Nur kann man nicht blind eine Vielfalt vergöttern und einen progressiven Fortschritt, wenn Vielfalt und Fortschritt real so aussehen, dass sich immer mehr Mehrheitsgruppen nur noch gegenseitig ankotzen in einem immer stärker vorgetragenen Anspruch, dass jeder die Menschheit vertritt. Auch den Respekt vor Minderheiten sollte man dabei nicht vergessen.

Sehr geehrter Herr Düring,
zunächst vielen Dank für den Link. Frau Güner Balci ist eine mutige Frau.Chapeau.
Allerdings ist es heutzutage schwierig so zu argumentieren...
Da kommt eine riesige Nazikeule oder schlimmeres.
Wenn Minderheiten der Mehrheit ihre Ideologie,natürlich im Sinne der höchsten Moral
aufzwingen wollen, wird`s gefährlich.
Nun ja,ich glaubte diese Phase meines Daseins nach 34 Jahren DDR hinter mir gelassen zu haben...
Übrigens hatte ich mal einen schwulen Chef,dem ich direkt unterstellt war,
Top Verhältnis und Zusammenarbeit.
Ich bin überzeugt das er diesen ganzen Quatsch abgelehnt hätte und sich auch nicht von so einer kleinen, wenn auch lauten Minderheit vereinahmen lassen.

Grüsse aus Thüringen

Günter Johannsen | Mi, 10. März 2021 - 16:11

Ich muss nun neu formulieren: Die SPD steckt nun in einer Zange zwischen der AfD und der
Linken-AG Queer fest. Gefangen in einer Großen Koalition der Versager bzw. Nach-links-außen- Modernisierer schlagen die hochbezahlten Partei-Funktionäre um sich und fürchten um ihre hochbezahlten Sessel. Inzwischen übernehmen die kommunistischen SED-Erben das Ruder. Wenn man sich auf die brachiale Gewalt von Antifa-indymedia stützt und sich nicht von Extremisten abgrenzen kann, muss die Not schon groß sein, denn es ist nur für in Panik geratene Verlierer typisch, dass sie genau in die Gefahr hineinlaufen, vor der sie eigentlich weglaufen wollen!
Herr Noever hat völlig recht: "Der SPD steht ein richtig tolles Wahljahr bevor. Es tut gut und fühlt sich sehr angenehm an. Und so divers. Ich,Ich,Ich...bin Queer und was noch.
Hauptsache ICH!"

Fritz Elvers | Mi, 10. März 2021 - 16:12

mit Anke Engelke, bei dem drei Lesben-Funktionärinnen im Rahmen einer Talk-Show nach deren Meinung und Eischätzung zu Tempo 100 auf Autobahnen befragt wurden.

Leuchtturmprojekt "Ehe für alle", in China ist es der 150 Mill. Grad Fusionsreaktor CNNC. So hat jedes Land seine Prioritäten.

Herr Elvers, vielen Dank für den TIPP!
Megakrass - der Sketch war mir unbekannt.

Hey ho, die lesbische Buchautorin ist doch "Nadeshda" (Friederieke Kempter) aussem Münstertatort, nicht wahr?

"Was haben Lesben mit dem Tempolimit zu tun? Da können Sie auch mit japanischen Walfängern über das Nichtrauchergesetz reden!"
"Lesben haben also keine Meinung zum Tempolimit?"

Klasse - nochmals vielen Dank!

Bernd Muhlack | Mi, 10. März 2021 - 16:36

"Der § 175 (a.F.) existierte vom 1. Jan 1872 (Inkrafttreten des RStGB) bis zum 11. Juni 1994.
Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Bis 1935 verbot er auch die „widernatürliche Unzucht mit Tieren“[1] (von 1935 bis 1969 war dies nach § 175b strafbar)[2]. Insgesamt wurden etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des
§ 175 verurteilt. Am 1. Sep 1935 verschärften die Nationalsozialisten den § 175, unter anderem durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Darüber hinaus wurde der Tatbestand von beischlafähnlichen auf sämtliche „unzüchtigen“ Handlungen ausgeweitet. Der neu eingefügte § 175a bestimmte für „erschwerte Fälle“ zwischen einem und zehn Jahren Zuchthaus.[3]

Bei Interesse in Wiki weiter lesen.

"Pass off, dat issen 175er; halt dich von dem Saukerl fern!"
"Wie dä schon guckt un schwätzt!"

Es gibt keine omnipräsente Toleranz, Akzeptanz; es wird sie nie geben!
Idioten sterben nicht aus - NIE!

Tomas Poth | Mi, 10. März 2021 - 16:47

... mit dem Kündigungsschreiben in der Hand, überleg es dir lieber noch mal. (Meine Quintessenz aus diesem Beitrag)
Solche Freunde braucht Wolfgang wirklich nicht! Durchhalten Wolfgang, scharre die deinen um dich, baue die SPD mit denen die zur dir stehen neu auf. Schieb die Geringst-Minorität (0,6%?) der Bevölkerung ab zu den Grünen. Das passt. Die Arbeiterbewegung sind eure Grundmauern, Menschen die arbeiten und Steuern zahlen, nicht jene die mit Steuergeldern gefördert Party feiern und sich dabei so wahnsinnig toll zu finden, der Nabel der Welt.
Mein Zeit noch mal, kennt ihr keine Grenzen in der Selbstverarsche.

Markus Michaelis | Mi, 10. März 2021 - 17:09

Natürlich ist das eigene Gefühl, auch das des Opferseins, wichtig in der Politik - was denn sonst. Politik würde zum Verwaltungsakt - mit welchem Ziel? Aber auch deswegen ist das eigene Gefühl eben kein besonderes politisches Argument. Andere haben ihre Gefühle.

Wo ich Herrn Roncevic zustimme ist, dass Corona nicht als Argument herhalten sollte andere politische Fragen zurückzustellen.

Wenn Queer 10% hat, ist es keine Minderheit, sondern eine der vielen gesellschaftlichen Mehrheitsgruppen und als Mehrheitsgruppe will man mehr Normen mitbestimmen - nur zum Sprachgebrauch und welche Verantwortung man mitträgt.

Was ich mir wünschen würde ist, dass Menschen, die einen etwas ruhigeren Standpunkt vertreten, wie Herr Roncevic, sich auch lauter politisch melden, gerade gegen Überziehungen aus dem eigenen Lager.

Ob die gesellschaftliche Akzeptanz zunimmt, weiß ich nicht. Ich denke, wir sind eher vor dem Platzen einer Blase, nach der jeder außer den eigenen Gefühlen nichts mehr akzeptiert.

Robert Hans Stein | Mi, 10. März 2021 - 17:14

Euer Anliegen hat bei weitem nicht die Bedeutung für die Gesellschaft, wie Ihr, liebe LBGTs, annehmt. Es gibt normale Lesben und Kampflesben (nicht meine Wortschöpfung, sondern die einer lesbischen Freundin meiner Tochter). Es gibt Schwule und militante Tunten. Es gibt "normale" Queere und Nervensägen. Es sind immer die an zweiter Stelle genannten, die meinen, sich mit schrill-aggressivem Auftreten Gehör verschaffen zu müssen. Indem sie sich zu wichtig nehmen, schaden sie ihrem Anliegen und verscherzen sich aufkommende Emphathie und Verständnis der Mehrheiten. Mir ist egal, wie herum jemand "gepolt" ist, Militanz hingegen ist mir lästig. Ich werde das Gefühl nicht los, es geht aufdringlichen Minderheitenvertretern nicht um Gleichstellung, sondern um Privilegien.

Hans Meiser | Mi, 10. März 2021 - 20:35

Warum gibt es eine "AG Queer" in der SPD?
Welcher Nutzen für die Wähler ergibt sich daraus?
Und: Warum gibt es keine "AG Angeln" in der SPD?
Die hätte doch deutlich mehr Anhänger und praktischen Nutzen!

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 11. März 2021 - 10:18

In reply to by Hans Meiser

ist es m.E. aber nicht.
Aus meinem "Tagebuch" meiner politischen Erfahrungen:
Angelvereine, Ihr Beispiel, bewegen sich nicht direkt im politischen Bereich, schon auch und es gibt vermutlich für deren Belange Lobbygruppen.
Das reicht (noch), denn sie werden (noch) nicht gesellschaftlich infrage gestellt.
Das sieht bei queeren Menschen wahrscheinlich völlig anders aus.
Sie werden eher ausgegrenzt als akzeptiert.
Entsprechend reicht Lobbyarbeit nicht, es braucht starker politischer Arbeit, ihnen Gehör und Frieden zu verschaffen. Diesen Schutz gewährten Obrigkeiten früher, gerne auch gegen klingende Münze.
Will sagen, es passt schon, dass es diese "AG Queer" in der SPD gibt, weil selbstbestimmt.
Der praktische Nutzen besteht auch darin, dass Mehrheiten lernen, respektvoll mit Minderheiten umzugehen.
Vor allem in Krisen sind Minderheiten meist nicht geschützt, weil sie per se zu schwach sind.
Der Furor von Mehrheiten ist aber gerade in Krisen nicht immer gerecht oder auch nur abwägend.
Nu?

Dieter Freundlieb | Do, 11. März 2021 - 09:33

Wenn es erlaubt ist, auch zu einem nicht-zentralen Aspekt des Interviews eine Bemerkung zu machen, möchte ich Folgendes sagen:

Wenn jemand den Ausdruck 'gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit' benutzt, gehen bei mir die Alarmglocken an. Das ist ein Kampfbegriff, der an semantischer Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist. Entweder man ist menschenfeindlich, oder man hat etwas gegen bestimmte Gruppen, aus welchem Grund auch immer. Erfunden ist der Ausdruck wohl deshalb, weil man glaubt, dass Menschenfeindlichkeit moralisch verwerflicher ist, als eine Gruppe abzulehnen. Wenn ich etwas gegen Bettwanzen habe und sie loswerden will, bin ich dann ein gruppenbezogener Insektenfeind? Das entspräche doch genau der 'Logik' des Kampfbegriffs. Jemandem, der eine Gruppe von Menschen ablehnt, Menschenfeindlichkeit zu unterstellen, ist eine Diskriminierung. Man täuscht einen logischen Zusammenhang vor, um dem Beschuldigten etwas viel schlimmeres vorwerfen zu können, als eine Gruppe zu kritisieren.

Heidemarie Heim | Do, 11. März 2021 - 17:06

In reply to by Dieter Freundlieb

Herrlich Ihre Begriffserklärungen lieber Herr Freundlieb! Ob Sie`s glauben oder nicht, gerade gestern erntete ich in einer Diskussion mit meinem Ehemann bezüglich inflationär gebrauchter "neudeutscher Begriffe" eine ziemlich unwirsche Reaktion, als ich das Wort Menschenfeindlichkeit in Zusammenhang mit Rassismus gebrauchte. Er konnte so gar nichts mit diesem Begriff im Zusammenhang/Thema unseres anfangen.
Außer man macht aus jedem Kritiker oder Skeptiker gleich einen Misanthropen. Was aber wiederum auch nicht schlüssig ist, denn ein unter Misanthropie leidender macht überhaupt keine gruppenspezifischen Unterschiede. Er hasst alle Menschen und ist mit seiner damit einhergehenden Sozialphobie von dem gescholtenen Herr Thierse so weit entfernt, wie wir vom Mars. Ob spinnefeind oder gruppenbezogener Insektenfeind;), ich glaube mit Logik kommen wir hier leider nicht weiter. Alles Gute!
MfG

Norbert Heyer | Do, 11. März 2021 - 10:11

Aus der klassischen Arbeiterpartei SPD wurde die „alles verstehende - duldende - tolerierende“ Einheitspartei der vorlauten Minderheiten. Wer arbeitet, eine Familie und Kinder hat, sexuell einseitig orientiert ist (Ehefrau), weiß und ohne Migrations-Hintergrund ist bei dieser SPD im
Grunde die große Minderheit. Das ist auch der Hauptgrund für den Niedergang der ältesten deutschen Partei. Aber - sie ist nicht alleine auf den Weg in die Bedeutungslosigkeit: Die Union und die FDP werden ihr nachfolgen, die AfD zerlegt sich selbst und wird verboten - der Weg ist frei für grün-links. Wir werden die vollkommene Beglückung erfahren - zumindest solange, wie die noch vorhandenen Realisten den Laden halbwegs am Laufen halten. Irgendwann sind die auch weg und dann ist das Werk vollbracht, alle -bis auf die Funktionäre- sind rechtlos, besitzlos und haben damit das Paradies auf Erden verwirklicht. Wollen wir diesem Irrsinn weithin tatenlos und devot zusehen oder diese Versager endlich abwählen?

Bernhard Mayer | Do, 11. März 2021 - 12:49

Wenn ich die SPD so betrachte würde ich eher sagen, die Queren sind der SPD ihren Mitgliedern und (ehemaligen) Wählern lägst enteilt :-(.

Johan Odeson | Do, 11. März 2021 - 16:27

Sehr lesenswerter Artikel von Sara Rukay in der Welt von heute dazu. "Die organisierte Weinerlichkeit" der angeblichen Opfer und Diskriminierten. Es wird Zeit das die Mehrheitsgesellschaft mal langsam den Opferkult als solchen identifiziert und in seine Schranken weist. Leider tröten nahezu alle ÖRR und sonstige woken Medien das ja immer wieder in alle Winde. Gut, dass wir keine anderen Probleme haben. Aber keine Sorge, wir werden diese bekommen.