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Sind Corona-Bonds der richtige Weg aus der Krise? / picture alliance

EU-Corona-Bonds - Der Künstlertraum von der Schuldenunion

Die Rufe werden lauter, krisengebeutelten Ländern wie Italien mit Corona-Bonds zu helfen. Unterstützung in der Krise ist zweifelsohne notwendig. Aber was ist, wenn aus der Bitte um Solidarität ein Imperativ wird, wenn Abwägung als Verrat ausgelegt wird?

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Zuletzt erschien „Vom Wald. Eine Philosophie der Freiheit“ bei Claudius.

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Es gehört zu den Absonderlichkeiten des aktuellen Kulturbetriebes, dass seine Vertreter – also all jene Schriftsteller, Künstler und Intellektuellen, die man im Jargon des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates als „Kulturschaffende“ bezeichnet – zwar permanent von Kreativität und der Infragestellung alter Gewissheiten reden, am Ende des Tages aber nur Althergebrachtes in der Endlosschleife reproduzieren.

Insbesondere ihre gesellschaftspolitischen Einlassungen sind so vorhersehbar und durchritualisiert, dass man sich wundert, dass die selbsternannten Kreativen sich dabei nicht selbst langweilen. Ein schönes Beispiel für die Berechenbarkeit unserer Querdenker lieferte das einschlägige Milieu am vergangenen Mittwoch, als man in der Süddeutschen Zeitung einen offenen Brief mit dem schmissigen Titel „Europäische Corona-Bonds jetzt!“ veröffentlichte.

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helmut armbruster | Sa., 4. April 2020 - 09:24

Den Italienern und Spaniern geht es nicht so schlecht wie man hier glaubt.
Sie haben über 90% Wohnungseigentum und mehr Vermögen als der Durchschnittsdeutsche.
Dem italienischen Staat dagegen, dem geht es schlecht. Warum?
Er hat genau so gute und so schlechte Gesetze wie wir auch, aber es hapert an der Umsetzung. Steuerhinterziehung ist ein allgemein praktizierter "Volkssport". Und es wird den Steuersündern auch leicht gemacht. Allein unter Berlusconi gab es 2 Steueramnestien. Wer bereit war 3% Strafe zu zahlen, wurde amnestiert.
Zur selben Zeit wurden bei uns die Steuer-CDs aus der Schweiz angekauft und bei uns kam kein Steuersünder mit 3% davon.
Jetzt ruft Italien nach unserer Hilfe. Und niemand fällt es auf, dass da mit unterschiedlicher Messlatte gemessen wird. Ich sehe z.B. nicht ein warum deutsche Steuerzahler jetzt zahlen sollen, während sich so viele Italiener erfolgreich (um mit Steueramnestien) davor gedrückt haben.

Die Westdeutschen haben schon Ostdeutschland mit 2 000 x Milliarden in den zurückliegenden 29 Jahren finanziert!

Es ist aber nicht die Aufgabe der großen Mehrheit der bundesdeutschen Erwerbsbevölkerung die EU-Krisenländer zu finanzieren! Die Bevölkerungen in Griechenland, Frankreich, Italien, Spanien, Bulgarien und Rumänien, müssten sich schon selber finanzieren. Auch für deren Finanzierung sind auskömmliche Mittel bereits in den westlichen Steueroasen und in der Schweiz geparkt.

Die jeweiligen Bevölkerungen müssten nur nachdrücklich ihre heimischen Oligarchen und korrupten politischen Eliten zur Kasse bitten!

Die Italiener hatten immer schon ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Staat. Sie haben ihn aber auch in Jahrzehnten nicht besser gemacht. Dafür sind weder die Deutschen, noch die Niederländer, oder sonst wer, sondern ausschließlich die Italiener verantwortlich. Die italienische Bevölkerung hat den Euro mit Begeisterung angenommen weil man sich davon erhoffte, dass damit eine Disziplinierung der eigenen politischen Klasse möglich wäre, was nicht funktioniert hat, weil man in Brüssel niemandem wegen fortgesetzter Misswirtschaft und haarsträubender Gesetzgebung über die eigenen Möglichkeiten hinaus ins Schienbein tritt, sondern ausschließlich aus ideologischen Gesinnungsgründen. Die Forderungen nach Eurobonds sind kriminell und unverschämt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 4. April 2020 - 09:29

Unser Cartoonist und Kulturschaffende fordern Eurobonds? ... und die kennen sich da aus?
Meinen Respekt.
Wenn dann Frau Merkel mit Verweis auf die Kulturschaffenden diesen Bonds zustimmt, dann können wir alle entspannen?
Ich verstehe hingegen nach wie vor die Verknüpfung von Hilfe mit Eurobonds nicht und erhoffe mir von einer rundum informierten Budeskanzlerin die sachkundige Klärung der Zusammenhänge und dann Vorschläge, die m.E. nicht von einem "Notparlament" oder Parlament in der Krise verabschiedet werden sollten.
Die beabsichtigten Weichenstellungen kann man vorstellen. Da beruhigt in der Tat.
Ich hätte dazu gerne noch unsere Finanz- und Wirschaftsexperten gehört und gerne mit Empfehlungen.
Transparenz dieser politischen Entscheidungen versteht sich von alleine.
Dass jetzt Solidarität und zwar mit allen Leidtragenden in allen Ländern - aber ersichtlich ausgewiesen - gefordert wird, verstehe ich sofort.
Ich bekomme Rente <#> Menschen im Arbeitsprozess werden zwangsweise beurlaubt.

schon gar keine plakativen Aussagen, aber Prof. Hüther (IW Köln) hat nach meiner "Recherche" Coronabonds mit einmaliger Fazilität (Bedarf) in einem Interview sehr wohl als sogar bessere Alternative zum ESM dargelegt.
Das IW Köln - egal wie ich dazu stehen sollte - ist eines der renommiertesten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt.
Zu lesen war, dass Herr Weidmann dagegen sei.
Aber was heisst das schon?
Hier streiten Wissenschaftler höchster Provenienz miteinander.
Es ist evtl. doch irreführend, den Cartoonisten einer geachteten Zeitschrift wie dem Cicero, mit dem Werben um Coronabonds zu beauftragen.
Herr Prof Hüther weiss, wovon er spricht und auf dem Niveau hätte ich auch gerne die Debatte darum.
Vor allem wüßte ich gerne, warum die Bundesregierung sich gegen einen Rat von Herrn Prof. Hüther stemmt?
Hätte das wieder zu schlechten Schlagzeilen geführt?
Einem Helmut Schmidt wäre das nicht passiert, weil er vom Fach war und sich äußern konnte.
Herr Altmeier erklären Sie sich bitte.

Ellen wolff | Sa., 4. April 2020 - 09:40

?

Jürgen Waldmann | Sa., 4. April 2020 - 16:51

Antwort auf von Ellen wolff

Gerne und oft war ich in Italien und habe wunderbare Urlaube mit Familie erlebt . Am Campingplatz in der Toskana verbrachte ich 4 Wochen mit Familie und Wohnwagen , am Ende kam die Rechnung . Der Wirt verlangte für nur 3 Wochen die Gebühr und ich bestätigte laut Quittung , dass ich 1 Woche am Platz war !! Mein Gewinn war eine Woche kostenloser Stand am Platz , sein Gewinn waren drei Wochen , die er keine Einkommensteuer zahlen musste . Da ich die Italiener mag , werde ich keine weiteren Beispiele aufzählen , denn nicht nur die Wirte sind liebenswerte Schlitzohren . Wenn dem Staat Italien jetzt das Geld fehlt , dann muss er es bei den eigenen Bürgern holen !

aber so ein Gebaren nicht.
Das wäre ein Gewinn?
Hat man eine Chance, sich NICHT daran zu beteiligen, wenn man in Italien wäre?
Aber auch daraus könnte man evtl. eine veränderte Form finden, Steuern einzutreiben, nach einer Art Rabattsystem, bzw. wohl einfach nur gestaffelt und man trifft sich in der Mitte, "sich" will sagen, der Italiener und sein Staat.

Jürgen Waldmann | Sa., 4. April 2020 - 17:41

Antwort auf von Ellen wolff

Gerne und oft war ich in Italien und habe wunderbare Urlaube mit Familie erlebt . Am Campingplatz in der Toskana verbrachte ich 4 Wochen mit Familie und Wohnwagen , am Ende kam die Rechnung . Der Wirt verlangte für nur 3 Wochen die Gebühr und ich bestätigte laut Quittung , dass ich 1 Woche am Platz war !! Mein Gewinn war eine Woche kostenloser Stand am Platz , sein Gewinn waren drei Wochen , die er keine Einkommensteuer zahlen musste . Da ich die Italiener mag , werde ich keine weiteren Beispiele aufzählen , denn nicht nur die Wirte sind liebenswerte Schlitzohren . Wenn dem Staat Italien jetzt das Geld fehlt , dann muss er es bei den eigenen Bürgern holen !

Ellen wolff | Sa., 4. April 2020 - 09:41

:))

W.D. Hohe | Sa., 4. April 2020 - 10:09

"Solidarität ist einer der missbrauchtesten und entwertetsten Begriffe des politischen Diskurses.
...und nur ein Wortwerte-Zerstörungs-Beispiel dafür, womit statt Aufmerksamkeit und Hellhörigkeit spontane Taubheit erzeigt wird.
Auch hier ist der Selbstapplaus ob des "Sehr her! Seht her! " eher das eigentliche Motiv.
Dafür wird schon jetzt über die "Ehrenauszeichnunen" nachgedacht mit deren Aushändigung sich der Aushändiger beglänzt.
Diesbezüglich haben wir auch in DE sehr umtriebige Persönlichkeiten.
Ehrung jenen, die Kapital & Solidarität Anderer zu eigenem Ruhme verteilen.

Jürgen Keil | Sa., 4. April 2020 - 10:25

Da mache ich doch auch einen Vorschlag: Sollen doch die Politologen, Geschlechterforscher und Soziologen erst einmal selbst einen angemessenen Betrag von ihren Konten abheben und nach Italien überweisen. Vielleicht an den Händler, von welchen sie sonst ihr Olivenöl und ihren Wein beziehen (ohne Ware) oder an die Vermieterin ihres Urlaubsdomizils. Dann veröffentlichen sie ihre Überweisungen, und dann werden schon andere Gute diesen Beispiel folgen. Ich teile Herrn Graus Standpunkt. Hilfe ja.
Übrigens helfen wir ja bereits, für Deutschland mit hohem Risiko. „Was ist der deutsche Target2- Saldo denn anderes, als „ein öffentlicher Überziehungskredit zwischen den nationalen Notenbanken des Eurosystems, der es anderen Volkswirtschaften (insbesondere der italienischen, meine Anmerkung) ermöglicht hat, ohne am privaten Kapitalmarkt Kredite aufzunehmen, einen Nettozustrom von Waren und Dienstleistungen … aus Deutschland zu bezahlen.“ Prof. W. Sinn. Politologen sind eben keine Ökonomen!

Gerhard Lenz | Sa., 4. April 2020 - 12:43

Antwort auf von Jürgen Keil

Eigentlich hätte die Target-Katastrophe nach Meinung der ganzen Euro-Kritiker schon vor Jahren kommen sollen...
Und was ist passiert?
Seltsam, dass man zu Zeiten eines Salvini im Gegensatz zu heute fast nur Gutes über Italien hier las...

Nun in erster Linie meinte mein Kommentar, das die Targetsalden, und die bestehen ja noch, eine Art Hilfeleistung sind. Der Anlaß ist nicht die Corona- Problematik, sondern die finanziellen Probleme der Südländer. Von einer "Target- Katastrophe" habe ich nicht gesprochen, nur vom Risiko. Ein solches besteht. Unser Geld wäre weg, so Prof. Sinn, und zwar dann, wenn der Euro scheitert.
Ob der scheitert? Der Eine sagt so, der Andere so. Fakt ist, das die Finanzwelt anfälliger ist denn je.

WD Hohe | Sa., 4. April 2020 - 13:18

Antwort auf von Jürgen Keil

Für Buchhaltung muss auch nicht studiert werden.
Für Finanz- und Geldtechnik schon.
Unsere Staatsverwaltung ist sowieso weder das Eine noch das Andere
Entspricht auch nicht den Einstellungskriterien.
Dort agiert man auf Zuruf = Lobbyismus
Auch "Berater" benannt
Was die dieserart Kundigen den Unkundigen ins Ohr flüstern - für viel Geld -
muss nur phonetisch = Sprache wiedergegeben werden.
Jetzt als Experte
Experte des Augenblicks.
Lateinisch klänge das sicher überwältigend.

Stefan Jurisch | Sa., 4. April 2020 - 10:29

Wie Sie schreiben, Herr Grau. Immer dasselbe herablassende Moral-Getue. Aber ganz ehrlich: sollen mich solche Leute ruhig einen Menschenfeind oder unsolidarisch schimpfen. Ich bin nicht einverstanden damit, Schulden anderer Staaten, die diese ganz allein gemacht haben, in meinem Geldbeutel zu vergemeinschaften. Hoffentlich bleiben unsere Politiker dieses eine Mal standhaft.

Das große Problem dabei: man haftet gemeinsam, jeder für alle, alle für jeden. Stellen wir uns das doch mal anhand von 3 Hausnachbarn vor: Giuseppe C. (lebt gern über seine Verhältnisse, Gelegenheitsarbeiter), Michel D. (Sparfuchs, fleißiger Mechaniker in der freien Wirtschaft) und Gerhard L. (Verträumter Ideologe, Staatsangestellter, braucht sich um sein Einkommen keine Sorgen machen). Dann trifft Wunschdenken auf Realität. Kein Nachbar kann kontrollieren, wofür der andere Nachbar das Geld ausgibt. Da wird dann auch irgendwann die beste Propaganda nicht mehr helfen, um Streit zwischen den Nachbarn zu vermeiden.

Wir konnten doch schon lesen wie es auch ohne Corona-Bonds möglich werden soll 100de Milliarden gen Süden zu transferieren. Natürlich unter Umgehung der in der Eurokrise vereinbarten Auflagen. Italien war es gelungen die Eurokrise erfolgreich auszusitzen und auch jetzt will man keine Änderung des eigenen Systems. Warum sollen auch die eigenen Leute zahlen, wenn man doch die anderen zahlen lassen kann? Und warum ist das so? Weil es alternativlos ist! Wenn man die EU so lassen will wie sie ist, ist es alternativlos, denn Italien ist am Ende der Fahnenstange angekommen, und Spanien und Frankreich eigentlich auch. Deutschland gelang es gegen den Widerstand der Südländer und der eigenen Umverteiler von SPD und Grünen die Staatsverschuldung zu reduzieren, man selber wollte das nicht. Jetzt, in der Not haben diese Leute nur noch bei der EZB Kredit.

Haben wir denn gleichen Artikel von Herrn Grau gelesen. Was ist da herablassendes Moralgetue. Doch nicht von ihm!?

Bernd Muhlack | Sa., 4. April 2020 - 17:38

Antwort auf von Piere Sals

Zitat:
"Ist doch immer dasselbe
Wie Sie schreiben, Herr Grau. Immer dasselbe herablassende Moral-Getue."

Piere Sals, Herr Jurisch bezieht das auf die Kulturschaffenden, welche in der Alpen-Prawda diesen Rettungsschirm gefordert haben.
Herrn Grau meint er damit erkennbar nicht!

gabriele bondzio | Sa., 4. April 2020 - 10:54

„hat uns alles geben, was wir sind“... solche schwülstigen Sätze entlarven die Verfasser und bringen mich auf die Palme. Hier soll, wie im schönsten Sozialismus, eine Diskussion von vorn herein ausgeschlossen werden. Als Totschlagargument zeichnet Solidarität ohne Abwägung. Es dürfte nicht unbekannt sein, dass Italiener und Spanier deutlich vermögender sind als Deutsche. Das Median-Vermögen deutscher Privathaushalte liegt bei 60.800 Euro, in Italien bei 146.200 Euro und in Spanien bei 159.600 Euro. Während bei uns, eine Frau Esken (Gerechtigkeitsfanatikerin?), lautstark eine Vermögensabgabe von 5% einfordert, hört man in Italien/Spanien nichts dergleichen. Corona-Bonds zu akzeptieren, ist aber gleichzusetzen einen Blankoscheck zu zeichnen. Mit Gültigkeit nicht nur für vergangenen Schulden, sondern für alle Zukunft. Kein Wunder, dass kein Ökonom unterzeichnet hat!

Hans Jürgen Wienroth | Sa., 4. April 2020 - 11:07

Es ist wie immer, lieber Herr Grau, jeder sucht seinen Vorteil. Diejenigen, die sich von einer Umverteilung einen Vorteil versprechen, fordern die Solidarität ein. Diejenigen, die dafür zahlen sollen, sehen Solidarität skeptisch, weil sie eine dauerhafte Alimentierung leistungsunwilliger Mitbürger befürchten. Ich nehme hier die von Globalisierung, Liberalisierung und weiteren Umbrüchen unverschuldet Betroffenen aus.
Nach dem Ende von Corona braucht es in Europa eine „Aufbruchstimmung“, wie sie nach dem Krieg geherrscht hat. Wie diese Stimmung jedoch einer wohlstandsgewohnten Gesellschaft vermittelt werden kann, wird entscheidend werden. Hier ist besonders die junge Generation gefordert, die Zukunft selbst anzupacken und sich nicht auf die „angesammelten Vermögen“ der Großelterngeneration zu verlassen. Das gelingt wahrscheinlich besser in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft (wie z. B. die soziale Marktwirtschaft Ehrhardts!) als im Sozialismus, auf den wir uns zu bewegen.

Wolfgang Tröbner | Sa., 4. April 2020 - 11:21

Antwort auf von Hans Jürgen Wienroth

Es wundert mich eigentlich nicht, dass es gerade die "Kulturschaffenden" sind, die Solidarität einfordern. Hängen sie doch oft auch am Tropf derjenigen, die Steuern zahlen. Für sich selbst haben sie die ja auch schon gefordert (sihe Ditfurth). Hilfen ja, wenn jemand unverschuldet in Not geraten ist. Bei Ländern wie Italien und Frankreich, die die letzten 10 Jahre von der EZB-Gelddruckmaschine profitiert haben müssten, bin ich eher skeptisch. Warum haben sie diese Zeit nicht genutzt?

Bernhard K. Kopp | Sa., 4. April 2020 - 12:24

Antwort auf von Hans Jürgen Wienroth

Der italienische Staat (stv. für alle anderen) wird solange miss-wirtschaften wie er Kredite bekommt. Er muss deshalb mit steigenden Zinsen für italienische Schulden davon abgehalten werden. Eurobonds sollen genau diesen Mechanismus ausschalten. Leviathan ist ein nimmersatter Parasit. Schon immer.

Wolfgang Tröbner | Sa., 4. April 2020 - 12:25

Antwort auf von Hans Jürgen Wienroth

Es wundert mich eigentlich nicht, dass es gerade die "Kulturschaffenden" sind, die Solidarität einfordern. Hängen sie doch oft auch am Tropf derjenigen, die Steuern zahlen. Für sich selbst haben sie die ja auch schon gefordert (sihe Ditfurth). Hilfen ja, wenn jemand unverschuldet in Not geraten ist. Bei Ländern wie Italien und Frankreich, die die letzten 10 Jahre von der EZB-Gelddruckmaschine profitiert haben müssten, bin ich eher skeptisch. Warum haben sie diese Zeit nicht genutzt?

dieter schimanek | Sa., 4. April 2020 - 11:27

Je schneller wir pleite sind um so besser. Gibt es kein Geld mehr von Old Germany, gibt es für die Nehmerländer auch keinen Grund mehr in der EU zu bleiben. Wo spart der Bürger als erstes ein, nicht beim Essen sondern bei der Kultur. Das steht in Notzeiten ganz hinten an. Diese angeblich Schlauen sägen sich den Ast ab auf dem sie sitzen.

Beate.weikmann | Sa., 4. April 2020 - 12:06

Warum Südtirol im Verhältnis gut da steht und je weiter südlich es nach Italien geht, es immer schlechter wird. Warum Italien immer noch so hinterherhinkt? Wo ist das ganze Geld der EU und der EZB gebliebene? Wo versandet es. Italien hat eine Autoindustrie, Stahlindustrie, Baustoffindustrie, Tourismus usw. warum kommen die nicht auf die Füße? Die Deutschen zahlen Steuern, das sich die Balken biegen das Systhem ist unfassbar ausgeklügelt. Es wird doch auch mal Zeit, die Menschen und Länder in Eigenverantwortung zu nehmen, sie sollten doch den Anspruch an sich selbst haben, ihr Land auf vernünftige Beine zu stellen. Natürlich sollen wir medizinisch helfen so viel und so gut es geht, aber jeder muss seine Schulden selbst bezahlen. Die Menschen n den Ländern wollen doch ihre Würde behalten. Es heißt doch auch, wer zahlt bestimmt. Bestimmen wir dann auch plötzlich über diese Länder?

Ernst-Günther Konrad | Sa., 4. April 2020 - 12:14

Ihr Artikel ein weiteres Puzzle europäischer Hilflosigkeit und Ignoranz der Tatsachen. Wir waren früher oft in Italien in Urlaub.(Toscana/Umbrien) Wir haben italienische Verwandte und Bekannte. Wir mögen ihre Art,, auch das theatralische Prozedere das Italiener an sich haben können, wenn sie wieder lamentieren. Ja, ich würde Italien helfen, keine Frage. Das wir deren Kranke aufnehmen völlig in Ordnung. Das wir Ihnen kurzfristig Geld leihen, auch noch in Ordnung. Das wir aber mittels Eurobonds bürgen, für deren bereits vor der Coronakrise am Boden liegende Wirtschaft? Nein, das will ich nicht mit deutschen Steuern bezahlt wissen.
Deren Wirtschaft ist doch nicht erst seit gestern fragil. Die haben, wie viele Südstaaten einfach in den Tag hineingelebt und sich auf Merkels Scheckbuch verlassen. So will ich das nicht mehr. Griechenland hat gereicht. Target 2 spricht Bände.
Die größte Hilfe, die sich Italien angedeihen lassen kann ist solide Finanzwirtschaft mit eigenen Steuern oder Itaxit.

Gerhard Weißenberger | Sa., 4. April 2020 - 12:25

Die Kulturschaffenden haben wohl die von den 68ern skandierte Losung “Hoch lebe die internationale Solidarität” noch in den Ohren. Das galt aber für die sozialistischen Entwicklungs-länder, in denen auch produktiv am Aufbau mitgeholfen werden durfte. Heute eine Zumutung für die selbsternannte rot-grüne Elite.
Solidarität zwischen Staaten gibt es nicht. Staaten haben Interessen. Und die der Mittelmeerstaaten zielen auf die Steuerzahler der Nordländer, was ja viel bequemer ist als Korruption, Mafia, Bürokratie und Steuerhinterziehung zu Hause zu bekämpfen.
Unverfroren genug der wiederholte Versuch, Maastricht ganz in die Tonne zu treten, und denen ein schlechtes Gewissen anzuhängen, die ganz "unsolidarisch" noch daran festhalten.

Christoph Kuhlmann | Sa., 4. April 2020 - 12:39

man weiß wo große Teile des Geldes landen ...

Gisela Fimiani | Sa., 4. April 2020 - 13:04

Es ist entlarvend, wenn sich eine selbsternannte „kreative Intelligenzija“ doch nur auf einen uralten moralischen Kollektivismus beruft, der den Egoismus des Individuums durch den eigenen Gruppenegoismus ersetzt. Die religiöse Prophezeiung: „Schließt euch rechtzeitig den Sanftmütigen an“, übersetzt die eigene (sozialistische) Agenda in die Sprache einer Psychologie der menschlichen Natur. Der Futurismus der romantischen Hordenmoral muss sich um die eigene Verantwortlichkeit nicht den Kopf zerbrechen, denn die „Sanftmütigen“ (die Solidarischen) sind gerechtfertigt, weil sie auf der richtigen Seite stehen. Das ist die Moral derer, die als Helden auf der Bühne der Geschichte stehen wollen. Die sich aber nicht um das „Volk“ kümmern, sondern vor allem den eigenen Status verteidigen. Diese Verlustangst, sowie die Verteidigung der sozialistisch-romantischen Agenda, muß sich durch übertriebenen, denkfeindlichen rhetorischen Nachdruck und eine (neurotische) Hysterisierung Gehör verschaffen.

Markus Michaelis | Sa., 4. April 2020 - 13:12

Ich sehe es auch so, dass die "Kulturschaffenden" leider die letzten Jahre mit dazu beigetragen haben wichtige Begriffe unserer Gesellschaft alle zu einem Brei zu verrühren, diesen Brei als alternativlos zu erklären und somit schleichend zu entwerten - samt all der wichtigen (aber oft auch in Konkurrenz stehenden) Begriffe.

Das Problem der Solidarität ist hier, dass sie wechselseitig ist und dadurch auch Mitsprache bedeutet. Kaum ein Italiener möchte beliebig für deutsche Sonderwege haften, bei denen er nichts mitzureden hat, und kaum ein Italiener möchte, dass Deutschland in Italien viel mitredet. Das muss abgewogen werden.

Hinter der unbedingten Forderung nach Solidarität steht (zu) oft die Hoffnung, dass sich alle in einem einzigen Denken, einer einzigen Weltsicht, einer einzigen Wertegemeinschft zusammenfinden - das doch aber selbstverständlich und bitte unsere Werte und unsere Welt ist.

Vielfalt ist nur schwer erträglich.

Dr. Roland Mock | Sa., 4. April 2020 - 13:42

Künstler rufen nach Eurobonds????Weil sie ja keine anderen Probleme und sooooooo viel Ahnung von Wirtschaft haben. Fast soviel wie unsere Bundeskanzler*in. Deren wirtschaftspolitisches Verständnis auf die linke untere Zacke einer Briefmarke paßt. Unsere Kulturschaff*end*Innen lassen wirklich keine Gelegenheit aus, sich lächerlich zu machen.

Bernhard K. Kopp | So., 5. April 2020 - 08:44

Antwort auf von Dr. Roland Mock

Tatsächlich schwebt ihnen eine poly-amore Wohngemeinschaft mit gemeinsamer Platin-Kreditkarte ohne Kreditlimit vor. Für die periodische Tilgung der Kreditsalden druckt die EZB.

Ferdinand von Bothmer | Mi., 8. April 2020 - 19:36

Antwort auf von Dr. Roland Mock

Wenn Sie mal lesen würden, wer den Brief unterzeichnet hat, dann würden Sie sofort feststellen, dass kein einziger Künstler dabei war---lediglich Autoren. Also Menschen aus der Zunft des Herrn Grau

Klaus Peitzmeier | Sa., 4. April 2020 - 14:42

Ach so, Italien braucht unsere Solidarität. Und Europa braucht nicht die Solidarität Italiens? Ist das eine Einbahnstrasse? Italiens Politiker hetzen hemmungslos gegen die EU u predigen übelsten Nationalismus. Nennt uns Geizhälse u Kriegsverbrecher. Das hebt die Solidaritätsmotivation enorm. Selbstkritik "0".
Und die Unterzeichner des offenen Briefes in der Süddeutschen Z. sind für mich hohle Phrasendrescher, solange sie nur von anderen materielle Solidarität fordern, aber ihren eigenen Beitrag nicht beziffern können.
Solidarität ist schön, aber nicht beliebig. Entweder jeder für jeden oder gar nicht. Ich sehe eine völlig vermurkste EU u nirgends Solidarität. Ich sehe nur Gier u Nationalismus. Nur Geldinteressen, Lobbyisten u korrumpierte Parlamentarier.

Gert Bartmann | Sa., 4. April 2020 - 16:07

Für akute Finanzierungsprobleme von Italien und Spanien gibt es schon Werkzeuge, mit denen geholfen werden kann. Was da jetzt versucht wird, ist einen moralischen Druck aufzubauen, um endlich diese EURObonds durchzusetzen. Unter Dragi hat die EZB schon eine ultralockere Geldpolitik betrieben. Italien hat alleine dadurch ca. 400 Millarden Euro an Zinsen gespart. Haben sie das für die Sanierung der Staatsfinanzen genutzt? Nein, einfach so weiter gemacht, wie bisher. Auch jetzt stellt die EZB wieder viel Mittel bereit. Auch der europäiosche Rettungsschirm steht zur Verfügung, von Salvini wütend abgelehnt. Also brauchen sie kein Geld sondern es geht darum, endlich Deutschland in die Gesamthaftung zu nehmen - das ist das Ziel! Die Target II Salden kommen noch oben drauf. Wenn sich eine - wie auch immer zustande gekommene Regierung - in Italien überlegen sollte, aus dem EURO auszusteigen, stehen wir mit einer Billion Forderungen dumm da - weg - einfach futsch.

Regina Müller | Sa., 4. April 2020 - 16:55

Immer wieder wird Solidarität eingefordert von den südl. Ländern. Was bekommen dort die Rentner? Was bekommen wir? Schwarzarbeit in Italien, 30% auf Rechnung, der Rest cash. Ich weiß wovon ich rede. Dann die Mafia. Dann der Vatikan. Der ist doch auch unermesslich reich. Sie sollten mal dort nachfragen nach Solidarität. Ich will nicht solidarisch sein mit nur 800,- Euro Rente nach 45 Arbeitsjahren als Frau

Gunther Gaida | Sa., 4. April 2020 - 20:21

Antwort auf von Regina Müller

Dafür durften Sie ja ohne Passkontrolle quer durch Europa reisen
und mußten meistens nicht mal Geld tauschen.
Wollen sie das aufgeben?
Ich schon.

Ingo Kampf | Sa., 4. April 2020 - 22:04

Zunächst erst mal mein Kompliment für diesen hervorragenden Beitrag mit dem feinen Florett.
Der Begriff „Solidarität“ ist über Jahrzehnte missbraucht und verhunzt worden. Ich hatte die Hoffnung mit dem Untergang der DDR hätte im deutschen Sprachraum „Solidarität“ erst mal ausgedient. Nein - mit der Währungsunion feierte er fröhliche Urständ. Dieser Begriff ist wohl immer nur aus einer Richtung über die Alpen zu hören. Nie rufen ihn die Skandinavier, Balten oder Niederländer. Die Polen haben mit diesem Begriff ihre Unabhängigkeit erkämpft und die kommunistischen Herrscher über die Weichsel gejagt.
Die Italiner haben genug Geld. Es gibt dort viele richtig reiche Familien, denen nach dem Krieg alles geblieben ist. Aber was es nicht gibt, ist eine funktionierende Infrastruktur. Die Brücke in Genua ist symbolisch. Wir können kurzfristig helfen. Wir übernehmen Patienten. Vielleicht haben wir bald sogar einen Impfstoff. Den könnten wir umsonst liefern und das würden wir sicher gern tun.

Ferdinand von Bothmer | Sa., 4. April 2020 - 22:59

Den Brief hat kein einziger Künstler unterschrieben. Hauptsächlich nur die üblichen besserwissenden Autoren. Ich hab es satt, dass Künstler immer als die vertrottelten Träumer dahingestellt werden. Dieser Brief wurde nicht im Namen von Künstlern verfasst.
Also Herr Grau: Passen Sie bitte auf, bevor Sie wieder auf eine Berufsgruppe mit dem Finger zeigen.

Norbert Heyer | So., 5. April 2020 - 07:11

Es ist nicht schwer zu erraten, was passieren wird: Deutschland zahlt und wird noch mehr finanzielle Belastungen auf sich nehmen. Die eigentlich finanziell schwächste Nation (gilt Förde Bürger)haftet für Länder, denen es bei Arbeitszeiten in Stunden und Jahren , Renten, Eigentum und Pro-Kopf-Vermögen wesentlich besser geht. Es reicht - wie im Falle Griechenland - die Nazi-Keule zu schwingen. Zusätzlich
unterstützen Ideologen mit widerspruchslosen Aussagen die Forderungen der Staaten ohne
Steuerdisziplin. Dabei sind wir Deutschen jetzt schon mit allen unseren Verpflichtungen sehr ins Risiko gegangen. Aber trotzdem - unser Staat, hart und unerbittlich gegenüber den eigenen Bürgern - wird den Wünschen unserer Freunde nachkommen. Schließlich entscheiden ja auch hier Ideologen und Phantasten und nicht Realisten und Fachexperten. Erst wenn die Melkkuh nichts mehr hergibt und wir Solidarität brauchten, werden wir feststellen, dass wir nur mit und wegen Scheckheft von allen geliebt wurden.

Rob Schuberth | Di., 7. April 2020 - 20:02

Nie im Leben..KEINE Euro- oder Corona-Bonds.

Die Länder die da um Hilfe "bitten" (also uns anpumpen wollen) sind selber Schuld an ihren Miseren.

In der Welt gab es einen guten Artikel dazu.
Wir sind im Vergleich der EU-Länder auf dem letzten bzw. vorletzten Platz beim Wohlstand.

Würden die Länder dafür endlich sorgen, dass ihre Bevölkerung mehr Steuern bezahlt, statt in unsere Taschen greifen zu wollen, dann hätten diese Länder auch weniger Probleme.

Aber an dieses Thema will in den Südländern niemand heran.

Da ruft man lieber nach EU-Hilfen (die überwiegend wir dann zahlen sollen).

NEIN danke.

Die Südländer müssen sich endlich reformieren.