16.09.2019, Berlin: Robert Habeck (r) und Annalena Baerbock, die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, unterhalten sich zu Beginn der Sitzung des Parteirats zusammen.
Zwei, die gut miteinander, aber auch ohne einander können: Annalena Baerbock und Robert Habeck / picture alliance

Doppelspitzen - Multiperspektivisch, modern, machtlos

Doppelspitzen sind gerade angesagt – nicht nur in der Politik. Dabei hat man dort eher zwiespältige Erfahrungen mit Führungsduos gemacht. In Parteien sind sie kein Ausdruck von Pluralismus, sondern von schleichender Entpolitisierung

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Zuletzt erschien „Vom Wald. Eine Philosophie der Freiheit“ bei Claudius.

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Annalena und Robert, Alice und Alexander, Katja und Bernd, Bibi und Tina – der Trend geht in Richtung Doppelspitze. Und das nicht nur in der Politik. Auch in der Wirtschaft hat die Doppelspitze Einzug gehalten. Dort heißt sie dann natürlich Topsharing, damit es besonders dynamisch klingt. Topsharing ist Jobsharing auf höherer Ebene. Eingeführt wurde es aus vergleichbaren Gründen: veränderte Arbeitswelt, Familienfreundlichkeit, Fachkräftemangel. Entsprechend war Topsharing auch nicht für Unternehmensspitzen gedacht, sondern für die mittlere Managementebene, für Bereichsleiter oder Abteilungsleiter.

Durch Topsharing haben Unternehmen die Möglichkeit, sich ein zeitgemäßes Profil zu geben. Und Modernität, Diversität und Flexibilität sind das kulturelle Kapital, mit dem man heutzutage erfolgreiche Unternehmen zaubert. Ob Topsharing dann tatsächlich das bringt, was es angeblich verspricht, ist eigentlich egal. Hauptsache das Image stimmt.

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Heidemarie Heim | So., 10. November 2019 - 16:08

Bei den oben von Dr.Grau beschriebenen möglichen Auswirkungen solcher Doppelspitzen, kam mir sofort das Alltagsabbild vieler Ehepaare in den Sinn, die was "Machtfragen;-)" und gleichberechtigte Arbeitsteilung betreffen, ein oft völlig anderes Außenbild abgeben, als es die Realität hergibt.Allseits bekannt durch scherzhafte Fragen nach dem wahren Träger männlicher Beinkleider bei Entscheidungen oder den sehr unterschiedlichen Antworten der Partner wenn es um Hausarbeiten geht;). Weniger amüsant, jedoch ähnlich in der Wirkung was zu einem Gefühl des gespalten seins beitragen kann, ist das vielfach erlebte Dilemma nach der Scheidung einer solchen Doppelvertretung,das im politischen zwar keine zwischen der elterlichen Loyalität schwankenden Kinder hinterlässt,aber ähnliche Konflikte bei den Anhängern oder innerhalb einer Partei schaffen. Bei aller Pluralität braucht es m.E. den EINEN verantwortlichen Entscheidungsträger,
der deutliche Ansagen macht, der nach ich mich dann entscheide!

Johannes Renz | So., 10. November 2019 - 16:44

Ich kenne da so ein Magazin für politische Kultur, das inzwischen auch eine Doppelspitze hat...

Mehr als einer* ist immer eine Bereicherung, wenn diese im Konfliktfall kompromissfähig sind, im Normalfall aber mehr abdecken.
Alles, was mir als eine Bereicherung erscheint wird durch die fehlende Politik einer Person in gewisser Weise "diskreditiert".
Nirgendwo ist die Allein"herrschaft" von Influencern oder NGOs oder Linken, Rechten oder Konservativen vorgesehen, es kommt nur m.E. dazu, weil sich die "Leere" an dafür nicht vorgesehener Stelle immer mehr ausbreitet.
Für meine Begriffe evtl. ein absolutes Alleinstellungsmerkmal dieser Kanzlerin.
Sie wurde es nicht aus eigener Fähigkeit heraus, eher der des Sturzes.
Schon der war unnötig und dann funktioniert nur noch der "Schneider und der Friseur"?
Gleiches wirft man doch wohl auch Macron vor.
Er sollte sehr aufpassen, seine "Pflege" nicht mit der des ihm Anvertrauten zu verwechseln.
Ohne Macht geht es wohl nicht, siehe dazu auch Herr Prof. Saar im Gespräch mit "Sternstunden der Philosophie", aber es geht nicht um die Macht.

ihre Doppelspitze: Alice Weidel und Alexander Gauland. Bei der letzten Vorstands- bzw. Sprecherwahl versuchte ausgerechnet der Flügel, eine Kandidatin Sayn-Wittgenstein an der Parteispitze zu installieren - die Dame musste bekanntlich wegen extremistischer Tendenzen zwischenzeitlich die Partei verlassen.
Die AfD unterwirft sich also durchaus dem Zeitgeist, wenn es politisch opportun ist. Nur ist das angesichts der Politikschwäche der Partei vermutlich weniger folgenreich. Profil, wenn man das so nennen will, gewinnen AfDler leider häufig nur durch die Art des Auftretens - jüngstes Beispiel Herr Brandner - und fast nie durch Inhalte.

Bernd Muhlack | So., 10. November 2019 - 18:33

Rolf Kramer, einer der unvergesslichen ZDF-Sportreporter!
Wer ihm zuhörte brauchte keine Beruhigungsmittel, Baldrian. Sehr dosiert gesetzte Kommentare. Sehr sonor, monoton schlichen ab und an Worte aus seinem Mund.
"Overath könnte auch aus dieser Distanz schießen … wir haben das schon oft gesehen … Latte … schade. Nun ja liebe Zuschauer, auch im Fußball gibt es eben Imponderabilien! (sic!)
"Seeler und Müller, ein kongeniales Duo, die beiden verstehen sich blind … also so ungefähr."

Herr Grau, wenn ich das Bild oberhalb des Artikels sehe, das ist ein must-have als Wall-paper: 6,5 X 2,84m. (Hohe Räume sind etwas ganz tolles!)

Man hat sich ja oft ob Frau Schwan und Ralle lustig gemacht. Aber waren nicht gerade diese beiden kongenial im Sinne von Rolf Kramer?
"Die beiden könnten sprechen, wir haben sie schon oft gehört. Schade!"
In Zeiten der m/w/d/LGBT-Bewerbungen ist mindestens eine 3er-Spitze gefordert!

Wären nicht die Wildecker Herzbuben für alle Parteien eine Art deus ex macchina?

Günter Johannsen | So., 10. November 2019 - 18:35

Mir erschließt sich nicht, warum die Grünen sich für die besseren Menschen halten. Sie wollen Menschen ein weiteres Mal in ihr enges Denkkonzept zwingen. Die Urheber des Gender-Diktats haben sich schon einmal in den 68ern für viele Kinder sehr folgenschwer geirrt, in dem sie im Zuge der "sexuellen Befreiung" (in den einschlägigen Berliner Kinderläden) Sex mit Kindern fast salonfähig gemacht hatten. Viele der damaligen "Befreiungsopfer" leiden heute noch daran! Mehr Verantwortung, Nachdenken und Selbstkritik wäre angebracht und weniger Gesinnungsterror!
War diese selbsternannte grün-linke Moral-Elite nicht ursprünglich größtenteils RAF-Sympathisanten und linksradikale APO-Fans (Außer Parlamentarische Opposition), die von der DDR aus gesteuert und finanziert wurde? Heute sitzen die naiven Besserwisser in den Schlüsselpositionen der Justiz und Journaille und träumt von All-Macht und Weltfrieden, als wäre unser Planet ein Spielplatz für linke Aussteiger und Spätentwickler?!

Tomas Poth | Mo., 11. November 2019 - 00:46

Vergiß doch einer die Grünen.
Gegen Kohle darf der Wald stehen bleiben, für Windräder darf der Wald gerodet werden.

Klaus Funke | Mo., 11. November 2019 - 13:22

Antwort auf von Tomas Poth

Besser kann man es nicht sagen. Danke! Linksgrüne Doppelmoral - sofern von Moral in diesen Kreisen gesprochen werden kann.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 11. November 2019 - 10:04

Schöner Artikel Herr Grau. Da haben Sie aber ein Thema aufgerissen. Und das ausgewählte Bild erst. Schnatterinchen erklärt lachend dem fliegenden Robert die Koboldwelt. So ein Duo hat auch etwas für sich. Man kann gemeinsam die Ahnungslosigkeit teilen, gemeinsam Forderungen postulieren und von anderen die Durchführung fordern ohne selbst etwas zu tun. Man leidet gemeinsam, wenn der jeweils andere durch dümmliche Statements auffällt und fühlt sich geradezu gefordert, selbst eines oben drauf zu geben.
Insofern bleiben einem die Schoten der grünen Spitze noch viel besser im Ohr, weil eben im Doppelpack.
Das einzige was sie eben nicht hinbekommen ist, dass die Wähler ihre Schoten als spaßig empfinden. Menschen mit gesundem Menschenverstand begreifen, dass auch ein Duo Unsinn erzählen und machen kann. Nun, man sieht es inzwischen bei allen Parteien und die SPD will nachziehen. Zu zweit hat eben jeder die Gewissheit, der andere lacht mit ihm (oder über den anderen). Nur die Wähler nicht.

Joachim Kopic | Mo., 11. November 2019 - 12:39

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

...wie in meinem letzten Posting schon beschrieben ... der Rosenkrieg wird bei den beiden wohl erst dann beginnen, wenn sie sich um den besseren MinisterIn- oder gar KanzlerIn-Posten streiten werden ;)

Ich habe ernsthaft Zweifel daran, das einer von beiden wirklich ein Amt in einer Regierung anstrebt. Ihnen geht es doch derzeit so ganz gut. Sie können viel schwätzen und sich in Talksshows in Szene setzen. Selten bis gar nicht werden sie inhaltlich tatsächlich gefordert. Die beiden sind das "Gesicht" der Grünen zu Werbezwecken. Inhaltich haben nichts, aber gar nichts drauf. Das wissen die auch. Das meine Aussage zutrifft belegen ihre A"Ausrutscher" wenn sie es mal versuchen inhaltlich zu argumentieren. Nein, die beiden wollen kein Amt, die wollen nur "schön" sein. Schön blöd.

Joachim Kopic | Mo., 11. November 2019 - 18:14

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

... wobei das zu glauben mir schwer fällt - es widerspricht einem wichtigen Charakterzug namens PolitikerIn ;)

Günter Johannsen | Mo., 11. November 2019 - 18:57

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

"Nein, die beiden wollen kein Amt, die wollen nur "schön" sein. Schön blöd."
"Schön" ist Geschmacksache - rein Äußerlich gesehen … wie schon Heinz Rühmann erkannte. Von innerer Schönheit sind die Beiden weit entfernt. Dazu gehört ja Intelligenz; Persönlichkeit ruht in sich; menschliche Reife … !

Roland Völkel | Mo., 11. November 2019 - 19:09

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Werbe-Spruch des ZDF: "Mit dem Zweiten sieht man besser" Zeige & Mittelfinger auf dem "rechten" Auge. Ob das jetzt noch Zeitgemäß ist? Wo doch die "Rechten" überall aus ihrem Verlies kriechen und ihre "Ständige Vertretung" sogar im BT sitzt!
Oder heißt: Zeige & Mittelfinger auf dem "rechten" Auge, man ist einseitig(rechts) Blind? Daher also Doppelspitze, damit man wenigtens 2 Augen hat?
Oder doch das Vieraugen-Prinzip?
Fragen über Fragen.

Brigitte Simon | Di., 12. November 2019 - 23:31

Ich kenne so gut wie Keinen. Ich kenne so gut
wie Keine.
Aber nochmals ein Treffen bei dem verflixten Casting. Wie sind meine Haare, wie ist mein dickes
make up? Sehe ich wie 60 aus und nicht wie 70?"

Muß alles nicht sein. Es geht auch sparsamer, die schwarze 0 muß bleiben! Ganz einfach mit einem
Kinderreim:
"ene,mene mu
und raus bist du!

Nun muß die Politik ehrlich werden. Kein schummeln, keine Bestechung. Oder doch
mit einer winzigen Notlüge? Klappte doch
bisher!