Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang stehen bei der Zeichnungszeremonie bei den 5. deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen hinter Joe Kaeser (2.vr), Vorstandsvorsitzender der Siemens AG und dem Vorsitzenden der State Power Investment, Gian Zhimin.
„Wir dürfen das Feld nicht populistischen und nationalistischen Kreisen überlassen!“, sagt Joe Kaeser / picture alliance

Deutsche Spitzenmanager - Bloß nicht aus der Deckung wagen

Die Spitzenmanager vieler deutscher Großkonzerne fürchten die politischen Entwicklungen in Europa und der Welt. Doch nur wenige wagen es, sich wie Siemens-Chef Joe Kaeser Nationalismus und Protektionismus entgegenzustellen. Wohl aus Angst Kunden zu verlieren

Karl-Heinz Büschemann

Autoreninfo

Karl-Heinz Büschemann war unter anderem Chefreporter im Wirtschaftsressort der Süddeutschen Zeitung und arbeitet als Wirtschaftsjournalist in München.

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Joe Kaeser musste sich an diesem lauen Sommerabend nicht lange warmreden. Der Siemens-Konzernchef, der gerade von einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Berlin nach München zurückgekommen war, ließ es sich beim Münchner Wirtschaftspresseclub zunächst nicht nehmen, erst einmal die Medien zu loben: „Gehen Sie weiterhin der Wahrheit auf den Grund“, sagte er und wirkte dabei wie ein Schmeichler.

„Bringen Sie die Einordnung in die Unordnung! Und bleiben Sie objektiv und fair!“ Die versammelten Journalisten hatten auf ihrem diesjährigen Sommerempfang bestenfalls eine launige Wein- und Schampus-Ansprache des Siemens-Chefs erwartet, aber sie wurden überrascht.

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Joachim Wittenbecher | Fr., 7. September 2018 - 09:45

Ich kann dem Grundtenor von Herrn Büschemann nicht folgen. Herr Kaeser beklagt die politische Entwicklung im Land, konnte es als Siemens-Chef aber nicht vermeiden, durch Werkschließungspläne eine ganze Region (Görlitz) in Unruhe zu versetzten. Nur nach öffentlichem Druck hat sich eine tragbare Variante ergeben, das Werk weiterzuführen. Es wäre die Aufgabe des Siemens-Konzerns gewesen, eine solche Lösung ohne öffentlichen Druck anzubieten. Weiterhin darf man Herrn Würth, der sich neuerdings für das Asylrecht engagiert, einen Blick ins Grundgesetz - Art 16a - empfehlen: dann würde er erkennen können, dass dieses Recht Einschränkungen unterlegt, die es für die Zuwanderung billiger Arbeitskräfte ungeeignet machen. Als Privatleute können Unternehmer ihre Meinung äußern, wie jeder Bürger auch. Als Firmenchefs sollten sie sich politischer Äußerungen enthalten, die eine parteipolitische Zuordnung erlauben.

Wolfgang Tröbner | Fr., 7. September 2018 - 10:12

Joe Kaeser Nationalismus und Protektionismus entgegenzustellen." Aha. Klang aber schon mal ganz anders. Unter dem Titel "Trumps großer Huldiger in Davos" war in der "Welt" zum Auftritt Kaesers beim Weltwirtschaftsforum 2018 zu lesen: "Der gemeinsame Auftritt deutscher Konzernchefs mit Trump in Davos geriet zu einer Lobrede für den US-Präsidenten. ... Kaeser hatte ... den amerikanischen Präsident Donald Trump für dessen Steuerreform beglückwünscht und erklärt, angesichts der erfolgreichen Reform habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den Vereinigten Staaten zu entwickeln. ... Wie peinlich .." (https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article172931185/Joe-Kaeser-Trump….) Woher dieser plötzliche Sinneswandel Kaesers? Oder muss man sagen "Anbiederung"? Huldigt er jedweder Obrigkeit, egal ob Trump oder Merkel? Nur des schnöden Mammons wegen?

Konrad Perfeud | Fr., 7. September 2018 - 10:53

Habe/leite ich ein Exportunternehmen, bin ich natürlich gegen Protektionismus. Fürchte ich ausländische Konkurrenz, bin ich für Protektionismus. Für beide Seiten gibt es genügend Bespiele. Daneben können Manager auch eine politische Meinung haben. Dass gerade die regierungs- und mediennahe Haltung eher verheimlicht wird, klingt absurd. Und siehe da; neben Kaeser gibt es auch Daimler-Zetsche, Bertelsmann-Mohn ...

Dimitri Gales | Fr., 7. September 2018 - 14:49

Antwort auf von Konrad Perfeud

Die nimmt auf globaler Ebene ständig zu. Es wird für Unternehmen immer schwieriger, auf Sicht zu fahren. Dabei müssen Export-Firmen aufpassen, niemanden zu verprellen; die Chinesen beispielsweise sind ziemlich empfindlich aber auch pragmatisch. Auf jeden Fall hilft das Gerede bezüglich Protektionismus überhaupt nicht, obwohl es jetzt eine grundlegende Tendenz ist. Amerika würde auch ohne Trump protektionistisch handeln.

Armin Latell | Fr., 7. September 2018 - 14:57

solchen „Industriellen“ hat auch ein Österreicher seine Karriere zu verdanken. Leute, die sich aus Opportunismus den Falschen an den Hals warfen, in der irrigen Annahme, ihn schon irgendwie klein halten zu können, Hauptsache der Rubel rollt in die eigenen Taschen, Kollateralschäden mit eingepreist. Nicht eine Weidel schadet De, sondern
die inzwischen herrschende Recht- und Prinzipienlosigkeit, Nachrichten über zunehmende Gewalttaten, Zustände wie beim G20 Gipfel in Hamburg oder bei der Eröffnung der EZB in Frankfurt, ein Dieselskandal, ausgelöst von der
Berufsgruppe der Herren Kaeser und Würth, Skandale um die Deutsche Bank, das Gelächter in der Welt gilt der Dummheit dieser Flüchtlingspolitik, die nicht in der Lage ist, Straftäter abzuschieben, der Verächtlichmachung
der eigenen Bevölkerung, einer Energiewende, die für kein Land der Welt Vorbild ist, unter der auch die Industrie leidet und und und....Die Schuster sollten bei ihren Leisten bleiben, da haben sie genug zu tun.

Hendrik Tongers | Fr., 7. September 2018 - 16:19

Antwort auf von Armin Latell

Mit der Umbennung von Josef zu Joe, hat der Joe Doe hyperventilierender Moral sicher ein globales Fanal gesetzt. Wenn der Siemens Mann ernsthaft verstehen möchte, was die mörderischen Nationalsozialisten in ihrer Barberei ausmachte, dann sollte er vielleicht im Netz sich deren industiellen Unterstützer , unter vielen anderen auch die Familie Siemens , studieren. Mit dem "Nazi-Painting" heutiger Bürger, hat das nichts zu tun. Das ist mehr eine Verhöhnung der nationalsozialistischen Opfer.

wolfgang spremberg | Fr., 7. September 2018 - 16:16

hätte ich nicht den Wunsch, dass "meine Manager" sich zum Nachteil "meines Unternehmens" mit Statements in die Politik einmischen.

Thomas Nichterlein | Fr., 7. September 2018 - 18:08

Heisst doch wohl für einen Manager: primär für die Shareholder arbeiten, dann für die Zufriedenheit der Arbeitenden sorgen, zuletzt private Themen, z.B. die Rettung der Welt vorm Untergang, von denen er soviel Ahnung hat wie jedermann.

Ursula Edelmann | Sa., 8. September 2018 - 15:05

feige gegenüber der Regierung sind, habe ich bereits von RWE und EON bei der von Frau Merkel ausgerufenen Energiewende mit Zwangsabschaltung der KKWs mit Erstaunen feststellen müssen. Ich konnte es nicht glauben, dass so mächtige Energieversorger tatenlos zusehen wie die deutsche Regierungschefin ihnen in einer Nacht-und Nebel-Eingebung im Alleingang mit Gesetzesbrüchen die Existenzberechtigung abschnitt.

Hans Pauckert | Sa., 8. September 2018 - 20:41

Furcht ist kein guter Ratgeber, es ändert sich halt einiges, aber ich beobachte doch ein Gegensteuern.
Ob China, Kanada, Mexiko, ob der Wirtschftsrat Deutschland-Katar - es sieht so aus, dass die breite Aufstellung doch Vorteile bringt.