Manfred Weber - Der Anti-Seehofer

Lange galt Manfred Weber als Meister des Ungefähren. Inzwischen jedoch zeigt der CSU-Europapolitiker politische Qualitäten, die in Berlin und München aufhorchen lassen. Jetzt soll er sogar als EU-Kommissionspräsident kandidieren wollen. Lesen Sie hier nochmal das Porträt von 2017

Manfred Weber
Zu nett, zu leise, zu defensiv: So hat selbst CSU-Chef Seehofer seinen Parteivize Manfred Weber verspottet / picture alliance

Autoreninfo

Eric Bonse berichtet seit 2004 aus Brüssel über Europapolitik. Er betreibt auch den EU-Watchblog „Lost in Europe“.

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Kann es sein, dass ein deutscher Politiker in diesen Zeiten gleichzeitig vertrauensvoll mit Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz zusammenarbeitet? In Berlin undenkbar. In Brüssel jedoch gibt es einen, der diesen Spagat hält und daraus auch noch eine
Tugend macht: Manfred Weber.

So wie an diesem Wintertag in Brüssel, als der CSU-Politiker und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) seinen Bruch mit den Sozialdemokraten bekannt gibt. Jahrelang hat Weber mit den Genossen im EU-Parlament paktiert, bis zuletzt glaubte er an die Absprachen. Doch dann kündigten die Roten den Pakt, den Weber mit Schulz ausgehandelt hatte. Plötzlich sollte nicht mehr gelten, dass auf den SPD-Mann Schulz ein konservativer EVP-Politiker folgen und das Parlament leiten würde. Ein schwerer
Schlag für Weber, er fühle sich verraten, schimpfte er, die Sozis hätten sein Vertrauen gebrochen. „Nur einen möchte ich ausdrücklich ausnehmen: Martin Schulz.“ Typisch Weber. Ein Ehrenwort ist ihm wichtiger als ein Machtwort.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 31. August 2018 - 09:32

der politisch geräuschlos arbeitet und eher im Hintergrund aber stets transparent agiert, dann könnte ein Tandem Weber und Kurz, mit Kurz als Gallionsfigur interessante Politik machen.
Weiss der Cicero vielleicht auch, wenn die SPD ins Rennen schicken könnte?
Vielleicht Lars Klingbeil?
Für mich sehen die jungen Politiker oft wie Kinder aus, weil ich eben Kinder in dem Alter habe, aber seit Kurz ist dieser Altersklasse eine enorme politische Bedeutung zugewachsen und Klingbeil ist SCHON 40 Jahre alt.

Joachim Wittenbecher | Fr, 31. August 2018 - 09:50

Ein guter Artikel von Herrn Bonse. Letztlich bringt er aber keine abschließende Klarheit über die politische Ausrichtung von Manfred Weber, es kann auch gar nicht anders sein, denn in diesen Politiker kann jeder hinein interpretieren was er will: ist er einer der letzten Vertreter der klassischen bayrischen Liberalität in der CSU oder der erste potentielle Vorsitzende eines CDU-Landesverbandes Bayern? Wäre er ein CSU-Kandidat, der in den eher liberal und links orientierten bayrischen Großstädten das Bürgertum wieder enger an die CSU binden könnte oder ist er Merkels Mann in Brüssel? Öffnet er die CSU zu den Grünen hin und verwischt dabei deren Identität, ähnlich der CDU in Baden-Württemberg? Ist er das bayrisch sprechende Pendant zum Nordlicht Günther? Ist er die letzte Rettung der CSU vor dem Niedergang? Antworten auf solche Fragen erhält man nicht, schon gar nicht von Herrn Weber selbst. Also: Vorsicht mit voreiliger Zustimmung.

Die wahrscheinlichste Antwort auf Ihre Fragen scheint mir die Folgende zu sein:
Herr Weber verkörpert den Merkel-Flügel der CSU. Die Niederlage Seehofers im
Streit um Grenzzurückweisungen ist im Wesentlichen auf den Spalt in der CSU
zwischen dem konservativen und dem linkskatholischen Flügel zurückzuführen.
Die Wahl am 28. Oktober wird die innerparteiliche Auseinandersetzung entscheiden.
Meine Prognose: Der Söder-Flügel wird dem Weber-Flügel weichen müssen!

Mir ist überhaupt nicht klar, wofür dieser Mann inhaltlich steht. Wenn Menschen derart verwaschen daher kommen, drehen sie vermutlich ihr Mäntelchen nach dem Winde. Und da muss ich Ihnen recht geben: hier ist Vorsicht geboten. Bei WON: "Doch Weber verkörpert einen zurückhaltenden, ausgleichenden Politikstil. Zumindest vordergründig macht er um sich kein Aufhebens." Die männliche Variante von Merkel kann ich so wenig ertragen wie die weibliche. Ich denke, den Mitgliedstaaten geht es wie mir. Also wird man ihn zu verhindern wissen. Und das ist auch gut so!

Maria Fischer | Fr, 31. August 2018 - 20:03

"Kann es sein, dass ein deutscher Politiker in diesen Zeiten gleichzeitig vertrauensvoll mit Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz zusammenarbeitet?"

NEIN. Wo es keine vertrauensvolle Personen gibt, gibt es auch keine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

"Nach dem Wechsel ins EU-Parlament 2004 pflegte er den Konsens, sogar mit Grünen war er per Du."

UNWÄHLBAR