Olaf Scholz
Hat anders als Annalena Baerbock Ahnung von Spieltheorie: Olaf Scholz / dpa

Ukraine-Krise - Spieltheorie für Anfänger

Wenn es um die Beurteilung der Handlungsmöglichkeiten des Westens gegenüber Russland geht, könnte Politikern und Journalisten ein Grundkurs in Spieltheorie nicht schaden. Denn dann könnten sie sich ausrechnen, dass der Westen beim Verhängen von Wirtschaftssanktionen eigentlich nur verlieren kann.

Bernd Lucke

Autoreninfo

Bernd Lucke war Mitbegründer und Vorsitzender der AfD, deren marktwirtschaftlichen und liberalen Flügel er bis zu seiner Abwahl im Juli 2015 vertrat. Nach seinem Austritt aus der AfD gründete der 58 Jahre alte Wirtschaftsprofessor die Partei Alfa heute Liberal-Konservative Reformer , für die er bis 2019 im EU-Parlament saß. Lucke lehrt Makroökonomie an der Universität Hamburg.

So erreichen Sie Bernd Lucke:

Russen sind gute Schachspieler. Das ist bekannt. Gute Spieler denken viele Züge im Voraus. Stets muss man bedenken, wie der Gegner ziehen könnte und was die eigene beste Antwort darauf wäre. Eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften ist die Spieltheorie, in der strategisches Handeln analysiert wird. Stellen wir uns ein besonders einfaches Spiel vor, in dem es zwei Spieler gibt: den Westen und Russland. Die Spieler ziehen abwechselnd. Der Westen hat zwei Züge, Russland hat einen. Bei jedem Zug gibt es genau zwei Möglichkeiten. Kein russischer Schachspieler dürfte von diesem Spiel überfordert sein.

Übrigens wird Spieltheorie auch auf Militärakademien gelehrt, in der Nato genauso wie in Russland. Aber zur Grundausbildung von Politikern und Journalisten gehört die Spieltheorie offensichtlich nicht. Deshalb hier ein wenig Spieltheorie für Anfänger:

Wie läuft das Nato-Russland-Spiel ab? Es geht natürlich um einen möglichen russischen Angriff auf die Ukraine. Der erste Zug des Westens besteht darin, Wirtschaftssanktionen anzudrohen, falls Russland einmarschiert. Wir wollen das Spiel ganz einfach halten, deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Nato droht (D=1) oder die Nato droht nicht (D=0).

Welche Züge gewählt werden, hängt von den „Auszahlungen“ des Spiels ab

Dann entscheidet Russland über seinen einzigen Zug: Einmarsch (E=1) oder kein Einmarsch in die Ukraine (E=0). Abschließend zieht wieder der Westen: Er verhängt Sanktionen (S=1) oder er verhängt keine Sanktionen (S=0).

Welche Züge gewählt werden, hängt natürlich von den „Auszahlungen“ des Spiels ab, und über diese haben wir noch nichts gesagt. Aber klar ist, dass jeder Spieler für sich das beste Ergebnis erzielen will. Nehmen wir Folgendes an: Wenn Russland am Ende die Ukraine besetzt hat, kriegt Russland 100 und der Westen -100. Wenn am Ende Wirtschaftssanktionen verhängt werden, kriegt Russland -200 und der Westen -50. Werden keine Sanktionen verhängt oder marschiert Russland nicht ein, sind die Auszahlungen null.

Die Zahlen könnten natürlich anders gewählt werden. Ich habe hier die günstigste Form gewählt, die man sich aus westlicher Sicht denken kann: Die Sanktionen fügen Russland mehr Schaden zu als der Einmarsch in der Ukraine an Nutzen stiftet. Gleichzeitig schaden die Sanktionen Russland viel mehr als sie dem Westen schaden.

Man kann sich das Spiel jetzt in einem sogenannten Spielbaum darstellen. Jede Verzweigung des Baums stellt eine Zugmöglichkeit für einen der Spieler dar. Am Ende sieht man die Auszahlungen, die die Spieler erzielen. Betrachten wir diesen Spielbaum einmal für den Fall, dass die Nato im ersten Zug Sanktionen androht:

 

                                          Nato        Russland

                    S=1                -150          -100

                 /

          E=1

         /       \

                    S=0                -100           100       

D=1

        \

          E=0

                  \

                    S=0                     0               0

 

Falls Russland nicht einmarschiert, wird es auch keine Sanktionen geben, also würde der Westen in seinem zweiten Zug S=0 spielen. Jeder Spieler erhielte null, und das ist das Ergebnis, das der Westen gerne hätte.

Allerdings wissen die Russen auch: Wenn sie in die Ukraine einmarschieren, dann hat der Westen die Wahl zwischen -150 und -100. In Worten: Dann wäre es für die Nato besser, keine Sanktionen zu verhängen. Denn die Nato weiß, dass Russland auf keinen Fall aus der Ukraine abziehen wird. Der Einmarsch ist eine endgültige Entscheidung. Russland wird sich nicht die Demütigung zufügen, aufgrund von Wirtschaftssanktionen klein beizugeben und seine siegreichen Truppen unter Spott und Jubel der Ukrainer wieder nach Hause zu holen. Wenn die Nato -150 akzeptiert, wird Russland -100 akzeptieren. Und wenn es Jahrzehnte dauert.

Die Strategie des Westens ist schlecht

Wir sprechen hier über die Strategie des Westens: Sanktionen androhen und Sanktionen im Falle eines Einmarsches verhängen (D=1, E=1, S=1). Diese Strategie ist schlecht. In spieltheoretischer Sprache sagt man, dass sie „nicht zeitkonsistent“ ist. Damit ist gemeint: Es gibt einen Zeitpunkt, wo diese Strategie aus Sicht des Westens nicht mehr optimal ist. Es ist der Zeitpunkt nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. Für den Westen wäre es unsinnig, nach einem russischen Einmarsch noch an seiner Strategie festzuhalten, denn er würde durch die Verhängung von Sanktionen nur seinen eigenen Schaden vermehren und im Übrigen nichts bewirken. Daher ist seine Strategie im Zeitablauf nicht konsistent.

Russland weiß das natürlich. Das ist elementare Spieltheorie. Deshalb schreckt die Androhung von Sanktionen Russland nicht von einem Einmarsch ab. Nach den Regeln unseres einfachen Spiels wird Russland einmarschieren, weil es weiß, dass es danach für den Westen optimal wäre, keine Sanktionen zu verhängen. Und dann hat Russland das Spiel mit 100 Punkten gewonnen.

Natürlich ist die Realität komplizierter. Natürlich wird der Westen nach einem russischen Einmarsch Sanktionen verhängen, und Russland ist sich dessen bewusst. Aber Russland weiß auch, dass der Westen die Sanktionen nur verhängt, weil er sein Gesicht nicht verlieren will; nicht weil er glaubt, damit irgendetwas erreichen zu können. Und beide Seiten wissen, dass es für beide Seiten am besten wäre, die wirtschaftlichen Beziehungen nach Ablauf einer Schamfrist baldmöglichst zu normalisieren. Man wird Wege finden, dies zu tun. Sanktionen sind langfristig kein sinnvolles Ergebnis, und deshalb wird ihre Zeit ablaufen. Sie sind nicht zeitkonsistent. Russland weiß das und wird entsprechend handeln.

Es ist belanglos, ob der Westen Sanktionen androht

Übrigens: Falls der Westen Sanktionen gar nicht erst androht, erhält man genau dasselbe Ergebnis. Betrachten wir noch einmal den Spielbaum und ändern den ersten Zug des Westens auf D=0. Alles Weitere ist unverändert. Es ist also völlig belanglos, ob der Westen Sanktionen androht oder ob er es nicht tut. Da der erste Zug des Westens irrelevant ist, gibt es de facto nur einen Zug für jeden Spieler, und den ersten Zug hat Russland. Mit diesem ersten Zug kann Russland bestimmen, was die beste Antwort des Westens wäre: das fait accompli zu akzeptieren. Ja, es ist eine völkerrechtswidrige Aggression und ein Angriff auf die europäische Friedensordnung. Aber mit Wirtschaftssanktionen werden wir ihn weder verhindern noch rückgängig machen können. Und einen Krieg ist uns die Ukraine nicht wert.

Kommen wir zu Scholz in Amerika. Da könnte man sagen: Joe Biden hat von Spieltheorie keine Ahnung. Anders als sein Gast Scholz. Joe Biden droht vollmundig Sanktionen an, die nichts bewirken werden. Scholz aber ist klug und schweigt vielsagend. Das Wort Nord Stream 2 kommt ihm nicht über die Lippen. Er sagt nur, dass der Westen einvernehmlich handeln werde. Oder: Sanktionen werden nur verhängt, wenn Deutschland es auch will. Besser hätte sich Scholz gegenüber dem Bündnispartner nicht schlagen können.

Biden befürwortet Sanktionen, die den USA nützen

Muss man sich über Joe Biden wundern? Hat nicht auch er Berater, die elementare Spieltheorie verstehen? Selbstverständlich hat er die. Und deshalb muss man sich auch nicht wundern. Denn zwar hat Joe Biden Sanktionen angedroht. Aber nur die, die Deutschland weh tun würden. Die USA kämen schmerzlos davon. Mehr noch: Die USA würden profitieren, wenn Deutschland ihr Flüssiggas kaufen müsste, weil es Nord Stream 2 nicht in Betrieb nimmt.

Es gibt nicht nur das Nato-Russland-Spiel. Auch in der Nato werden Spiele gespielt. Joe Biden befürwortet Sanktionen, die den USA nützen. Das ist ok. Scholz weiß, dass diese Sanktionen nichts nützen und Deutschland schaden. Das ist gut, und offenbar hat er Ahnung von Spieltheorie. Die Frau Außenministerin ist leider nur Expertin für Völkerrecht.

Gerhard Lenz | Mi, 9. Februar 2022 - 11:07

aber, wie Herr Lucke so richtig schreibt, ist die Wirklichkeit doch ein wenig komplizierter.

Und wer sich noch fragt, warum kaum jemand die letzte Finanzkrise voraussagte: Möglicherweise erbrachte die Spieltheorie eben nicht ein derartiges Ergebnis.

Militärische Gewalt, die sich direkt gegen Menschen richtet, hat eine andere Qualität als wirtschaftliche.

Die Folgekosten der Sanktionen sind in der Rechnung möglicherweise gar nicht enthalten; damit verbunden die Auswirkungen auf das kurz- und mittelfristige Klima in Russland. Putin hat ja in seiner Politikerlaufbahn keine besonderen Leistungen vollbracht: Er hat wirkliche Opposition abgeschafft, ermorden oder in enfernten Lagern verschwinden lassen. Er hat Oligarchen kaltgestellt oder sich mit ihnen arrangiert. Ansonsten hat er sein Land an den Rand eines Krieges geführt.

Das russische Volk ist sicher leidensfähiger, als wir Europäer es sind. Aber irgendwann wird auch Putin seinen bislang noch recht großen Kredit verspielt haben.

Christa Wallau | Mi, 9. Februar 2022 - 11:50

wenn Sie mit Ihrem enormen Wissen inlusive gesundem Menschenverstand, Ihrer Integrität und Ihrem ehrlichen Bemühen um das Schicksal unseres Landes doch nur einen Platz in der Regierung hätten!!!
Stattdessen holt man sich da Leute wie die Chefin von Greenpeace aus Amerika ins Boot ...
Was Sie über die Sanktionen berichten, welche die Amerikaner großmäulig verkünden, ist leider allzu wahr: Sie reden dabei nur von solchen, die ihnen selber nicht schaden, sondern im Endeffekt sogar nützen!
Wer sich informiert (Natürlich erfährt man darüber kein Sterbenswort in den ö. r. Medien!), der weiß längst, daß die bisherigen Sanktionen gegenüber Rußland a u s s c h l i e ß l i ch den europäischen Staaten - vor allem Deutschland - schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben, während die USA ihren Handel mit Rußland im gleichen Zeitraum ausgebaut haben.
Honi soit qui mal y pense!

Vielen Dank für Ihren klugen Beitrag, lieber Herr Lucke, und herzliche Grüße an Sie.
ich wünsche Ihnen alles Gute!

Peter Saulus | Mi, 9. Februar 2022 - 11:53

Danke für die kleine strategische Lehrstunde. Allerdings handelt es sich in diesem Fall nicht um eine Partie sondern um ein Turnier mit vielen Tischen. Und zusätzlich lässt das menschlich Emotionale Dummheiten bis zum Ruin zu. Wir hatten doch auch im Leben schon Ereignisse, an denen wir uns verhoben haben und das viel zu spät gemerkt haben. Nebenbei wollte Biden klarmachen das wir keinesfalls ein souveräner Staat sind. Unverschämt aber ehrlich.

Karl Kuhn | Mi, 9. Februar 2022 - 12:15

... ist es zur Verhinderung eines Einmarschs die einzig sinnvolle Strategie, die Kosten für Russland hochzutreiben. Und zwar Kosten, die wehtun. Geld ist das nicht. Russland tun zerstörte Panzer und Flugzeuge, vor allem aber gefallene Söhne weh. Dazu wäre eine konsequente Bewaffnung der Ukraine sinnvoll ...... gewesen - solange Putin noch an der Krim verdaut hat. Es jetzt auf die Schnelle zu tun, ist wieder ein Anreiz für Putin, jetzt zu annektieren, um die Kosten gering zu halten.

Tomas Poth | Mi, 9. Februar 2022 - 12:15

Die Nato/EU nutzen die derzeitige Ukraine Situation ausschließlich um gegen NS2 zu schießen. Hier sehen einige Mitglieder einen Vorteil für sich.
Geschädigte wären dann Russland, Deutschland und einige andere, aber besonders Deutschland.
Nur mal angenommen NS2 erhält keine Betriebsgenehmigung, dann liegt als Option der Weiterbetrieb der noch vorhandenen Kernkraftwerke auf dem Tisch. Das wird die Grünen sehr freuen. ;-))

Ernst-Günther Konrad | Mi, 9. Februar 2022 - 12:52

Nur eins. Es müssen mindestens zwei Spieler sein. Wenn einer nicht mitmacht, geht Ihre Theorie ins Leere. Dann geht es dem einen dabei, wie mir einmal im Monat. Sie haben gewonnen lese ich in Werbeschreiben oder Glücksmails als Spam verschickt. Man versichert mir sodann, ich hätte viel Geld oder einen tollen Sachpreis gewonnen. Nur dumme schreiben zurück oder melden Gewinnansprüche an. Wer aber nachdenkt und feststellt und sich die Frage stellt: "Wie kann man gewinne bei einem Spiel, wenn man doch gar nicht mitgespielt hat?" Der kommt dann leicht auf die Lösung. Da will mich doch jemand vera......

es gibt Spiele da wird man nicht gefragt ob man mitmacht oder nicht.
Das mit irgendwelchen Glücksspielchen zu vergleichen, die sie in ihrem Postkasten finden ist kindisch.

Überlegen Sie mal, es fällt Ihnen sicher ein Beispiel ein, wo jemand mit Ihnen spielen ( körperlich angreifen ) wollte und sie das Spiel annehmen mussten.

Russland ist der Aggressor und Angreifer und eine Nichtreaktion des Westens wäre nämlich auch eine Reaktion und zwar die der Kapitulation und Niederlage.

Juliana Keppelen | Mi, 9. Februar 2022 - 14:39

heißt das, wenn Russland einmarschieren wollte würde es das tun trotz dieser Drohszenarien und Drohungen aus dem "Westen". 2. Die Drohungen und Sanktionen die Russland treffen sollen, würden die EU und uns in großem Maße auch selber treffen, also wir würden uns ins eigene Knie schießen. Die USA wären eher die Nutzniesser der europäischen Sanktionen gegen Russland. Nun die Russen werden nicht einmarschieren (es sei denn die Kiewer würden den Donbas angreifen das wär der Hebel für die Nato doch noch einen Einmarsch der Russen zu erzwingen) denn dieses Milliardengrab Ukraine überlassen sie der EU. Was die Russen wollen ist keine Nato vor der Haustür das haben sie oft und deutlich zum Ausdruck gebracht wurde aber arrogant überhört. Man kann nur hoffen, dass jetzt endlich Gespräche in Gang kommen die die Belange beider Seiten berücksichtige das wäre vor allem im Interesse Europas. Denn Krieg und Sanktionen dienen nicht den Interessen Europas die Nutznießer säßen (wie immer) weit weg.

aber noch ärgerlicher als Ihre mgl. Verständnisdefizite ist hier die x-te Wiederholung solcher bewusst faktenwidrigen Propaganda-Phrasen wie: "Es sei denn die Kiewer würden den Donbas angreifen das wär der Hebel für die Nato doch noch einen Einmarsch der Russen zu erzwingen"
Die Nato ist also dabei, einen Einmarsch der Russen zu erzwingen?
Während alle westl. Politiker eine 'Gesprächsinitiative' nach der anderen starten & sich in Moskau & Kiew die Klinke in die Hand geben, werden aktuell immer noch weitere russische Angriffs-Truppen an die Ukrainischen Grenzen bewegt. Wer aktuelle Fakten braucht - statt Ihrer abstrusen Phantasie-Szenarien, findet sie z.B. hier: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-konflikt-nato-wegen…
Und wie hatte die Nato noch mal die Krim-Annexion 'erzwungen'? & den Abschuss von MH17 durch die russ. BUK-Einheit? o. den russ. Krieg im Donbass mit über 13000 Todesopfern bisher?

Annette Seliger | Mi, 9. Februar 2022 - 15:02

Bevor man eine Entscheidung trifft, dann sollte man die Voraussetzungen und Folgen überprüfen. Ich erklär das mal anhand eines Beispiels: Im Jahr 2015 stranden tausende Menschen am Bahnhof in Budapest. Es sind Migranten aus Syrien, die über Griechenland in die EU eingereist sind. Sie alle rufen "Asyl", aber stellen keinen Antrag in Griechenland oder Ungarn. Sie wollen alle weiter nach Deutschland wo die Vollalimentierung wartet. Es sind auch keine Flüchtlinge, weil sie vor ihrer Reise nach Deutschland mehrere sichere Länder durchquert haben. Als Merkel ihren Fehler bemerkt, will sie die Migranten auf Europa verteilen, aber die anderen machen nicht mit, weil es nicht deren Entscheidung war die Grenze zu öffnen.
Dann will Merkel die anderen Länder sanktionieren, weil sie nicht solidarisch sind oder die Werte Deutschlands teilen.

Zu Russland: Putin wird erst in die Ukraine einmarschieren, wenn er weiss dass seine Truppen willkommen sind, d.h. ein Umsturz vorbereitet wurde.

weil es überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat.

Reden wir doch zur Abwechslung mal wieder ein wenig über Migration und Migranten, die keine Flüchtlinge sind, weil sie lieber in Deutschland als in Griechenland Asyl suchen, und - Zitat - Vollalimentierung suchen?

Reden wir doch zur Abwechslung endlich mal wieder über das Lieblingsthema des rechten Randes, mit dem AfD, NPD und sonstige rechtsradikale Sektierer in der Bevölkerung zu punkten hoffen?

Herr Lucke hat da ja seine Erfahrungen gemacht und aufs falsche Pferd gesetzt.

Alles alte Geschichten, die nun wirklich - in diesem Zusammenhang - gar nichts zu suchen haben.

Auch wenn man am rechten Rand hofft, man könne das Thema ewig am Köcheln halten, wie man sieht.

Markus Michaelis | Mi, 9. Februar 2022 - 15:16

so muss ich etwa die Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen mit denen die Verzweigungen passieren. Wenn ich glaube mit 90% das 0/0 Ergebnis erreichen zu können und damit ein negatives Ergebnis verhindere, indem ich Sanktionen androhe ...

Am Wichtigsten dürfte aber die Punktezahl sein: der Westen redet zwar viel von allerhöchsten Werten, also unendlicher Punktzahl, aber real hat für ihn das Halten wie das Aufgeben der Ukraine eine nicht so überragende Punktzahl. Für Russland ist die Punktzahl VIEL größer. Für den Westen geht es um +-100 für Russland um +-1000. Daher weiß Russland, dass sich der Westen nie in einen Krieg um die Ukraine einlassen wird.

Interessant wäre es genau dasselbe Spiel mit Staat gegen Vebrecher zu spielen: Vebrecher droht Bankraub an, Staat droht Strafe an. Auch hier ist das bestmögliche Ergebnis für den Staat 0/0 (Verbrecher macht nix). Alles andere ist teuer. Aber die Punktzahl ist so hoch, dass der Staat das 0/0 durchpeitscht. Auf Russland past genau das nicht.

Norbert Heyer | Mi, 9. Februar 2022 - 15:37

Wir sitzen auch über 75 Jahre nach Kriegsende am Ende des Katzentisches. Vor kurzem noch hier gelesen, dass die EU ein gewaltiges Klimapaket über 700 Milliarden € schnürt. Davon werden wir 30% stemmen und erhalten einen Anteil von ca. 25 Milliarden. Darüber will unsere Regierung verständlicherweise keine Auskunft erteilen. Wenn Russland tatsächlich die Ukraine besetzt, treffen die westlichen Sanktionen Deutschland mehr als die EU. Die USA profitieren sogar, wir müssten teuer ihr Fracking-Gas kaufen, das unter höchsten Umweltschäden gefördert wird. Somit hat die geistlose deutsche Energiepolitik uns in eine ganz verzwickte Situation gebracht, die weder die Russen noch die USA juckt. Wir sind und bleiben der Fußabtreter der Welt, weil wir immer und alles mit Geld „geregelt“ haben. Der größte Gewinner eines Einmarsches wäre die USA, die praktisch einen gefahrlosen Logenplatz genießen. Deutschland soll anscheinend tatsächlich wirtschaftlich vernichtet werden und damit natürlich die EU.

Ja, die Russen sind die besseren Schachspieler (nebenbei: Ablösung bald von Schweden, einem Nichtnatoland). Danke für Ihren Kommentar, lieber Herr Heyer.
Rußlands Kriegsszenario ist für mich vergleichbar mit Chinas Taktik der Kriegs-führung. Keinen Krieg führen, sondern kriegerisch zermürben. Sollte dieses Zer-
mürben sich lange hinziehen, werden die Grenzen nach Deutschland geöffnet.
Der Schäferzug im Eilschritt setzt Deutschland "schachmatt".

Romuald Veselic | Mi, 9. Februar 2022 - 16:23

werden die weitere Ländern an die Reihe kommen, denn: Putin weiß, dass der Nato-Haufen, deshalb keinen 3WK riskieren wird.

Ein anderes Spiel sieht so aus:
Wenn du einmarschierst, werden wir dagegen A-Waffen einsetzen, denn konventionell, sind wir unterlegen.

Antwort darauf: Dann setzten auch wir die A-Waffen ein und vernichten euch für immer.

Folge: Europas Vernichtung und A-Winter als ultimative Inklusion. Denn, ein atomar vernichtetes Europa hat keinen Wert. Der Kontinent als Beute, verliert jeglichen Preis. Und wir nicht besetzt. Es gibt's hier NICHTS zu holen.

Vabanque Ende.

René Maçon | Mi, 9. Februar 2022 - 17:09

Früher haben waren es die Grünen, die irgendwie immer Verständnis für russische Potentaten hatten. Heute sind es bizarrer Weise die eher rechten Zeitgenossen, die irgendwie Putin cool finden.

Wie dem auch sei, Ihr Spielbaum endet zu früh Herr Lucke. Nach der Kombination Einmarsch / Keine Sanktionierung (also E=1 / S=0) wird sich der russische Potentat zu noch ein paar anderen Invasionen ermuntert fühlen und dann resultieren für den Westen sehr viel höhere Folgekosten von S=0, also noch viel kleinere Auszahlungen als -150. Und genau darum ist S=1 doch zeitkonsistent!

Bernd Muhlack | Mi, 9. Februar 2022 - 17:17

NATO: d2 - d4
Putin: d7 - d5
NATO: c2 - c4

Putin ahnt die nächsten 48 Züge voraus und gibt frustriert auf!

Schöne Woche

Bernhard Marquardt | Mi, 9. Februar 2022 - 19:44

Er kennt alle Finessen, eine geschickte Eröffnung, Offensivstrategien, Fallen und Bauernopfer.
Am liebsten spielt er Räuberschach mit getarnten Läufern (etwa im Donbas) oder mit weltweit höchst beweglichen Springern (der Schattenarmee „Wagner“).
Dagegen sind die außenpolitischen „Strategen“ der EU, insbesondere Deutschlands, Dilettanten, die das Spiel nicht im Mindesten verstehen, geschweige denn beherrschen.
Die Bundesregierung „droht“, bei einem Einmarsch würde Nord Stream 2 nicht in Betrieb gehen.
Das heißt, sollte Russland nicht angreifen, sähe sie sich quasi im Wort, die Leitung freizugeben. Dieses Etappenziel hat Putin bereits erreicht. Ohne einen einzigen Schuss.
Er wird bis zur Neige ausloten, welche der eigenen strategischen Ziele sich mit dieser Bedrohungslage noch erpressen lassen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 10. Februar 2022 - 12:47

aber ich spiele nicht mit Russland.
Fast unabhängig von meiner Präferenz für Ostpreussen/Prussen geht die und sei es Fürsorge Europas nicht hinein in die Bereiche, für die m.E. eher Russland Sorge trägt.
Ich habe eine andere Meinung als meine Partei in diesem Punkt.
Für mich gehört die Ukraine weder in die Nato, erst recht nicht in die EU.
Die Türkei hätte ich auch lieber raus aus der Nato und auf keinen Fall in der EU.
Es handelt sich evtl. sowohl bei Russland als auch bei der Türkei oder Prussen ff. um sogenannte "Hegemonialstaaten", die eine Staatenfeld organisieren können, nicht beherrschen, deshalb in Anführungsstrichen.
Die USA sind für mich eher kein Hegemon, Grönland liegt aber noch unter Eis.
Aber von daher verständlich, dass die Amis, wie auch die Bundesrepublik der Ukraine in diesem Konfliktfall beispringen.
Ich erwarte eigentlich von Polen, dass sie mit mehr Weitsicht "für" die EU und Europa denken.
Prussen spielt keine Rolle, ich hoffe aber auf die Klugheit der Russen.
Nu?

Jost Bender | Do, 10. Februar 2022 - 13:21

genau diese nüchterne Beschreibung des logischen Dilemmas, in das uns das moralische Pathos führt, mit dem Annalena & Co uns zu Geiseln der Entscheidung anderer Staaten machen, (indem sie z.B. NorthStream-II ausschließlich aus der Perspektive & Interessenslage anderer Staaten heraus bewerten & vorschnell zur Disposition stellten) - genau eine solch nüchterne + logische Analyse hat dieser Debatte bisher komplett gefehlt.
Ebenso wie eine Quantifizierung der wirtschaftlichen Konsequenzen dieser 'Strategie' einer irrational konzipierten Sanktionsandrohung, die unsere eigene Energieversorgung als Geisel für die Sicherheitsinteressen Dritter anbietet, ohne dass es ein Ausstiegs-Szenario gäbe im Fall von (D=1, E=1, S=1).
Und dass Herr Lenz bei diesem Autor wieder 'steil geht', ohne sich dabei auf Luckes Argumente zu beziehten, war irgendwie auch ein erwartbarer Reflex.
Karl Kuhn hat m.A.n. völlig Recht: Einfluss auf Putins Entscheidung hätte man wohl nur mit anderen Optionen gewinnen können