Russische Güterzüge in Kaliningrad
Russische Güterzüge fahren wieder nach Kaliningrad / dpa

Streit um Kaliningrad - Litauen beendet die Blockade der russischen Exklave

Litauen hat die Blockade der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad, des früheren Königsberg, auf Drängen der EU aufgegeben. Die Stadt kann jetzt wieder uneingeschränkt mit Gütern aus Russland beliefert werden - auch solchen, die auf der EU-Sanktionsliste stehen. In Vilnius ist man darüber nicht glücklich. Man ist besorgt, dass Moskau in Kaliningrad seine militärische Infrastruktur weiter ausbaut.

Autoreninfo

Thomas Urban ist Journalist und Sachbuchautor. Er lebt in Polen. Kürzlich erschien sein Buch „Verstellter Blick. Die deutsche Ostpolitik“

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Ganz glücklich wirkte die litauische Premierministerin Ingrida Szymonite nicht, als sie die Entscheidung der EU-Kommission im Konflikt um die angebliche Blockade der russischen Exklave Kaliningrad kommentierte: „Es wäre nicht vernünftig, nun unsere Zeit und Aufmerksamkeit der Debatte zu widmen, ob eine Kilotonne Stahl mehr oder weniger von Russland in das Kaliningrader Gebiet geliefert werden kann.“ Weitaus wichtiger sei es, die „transatlantische Einheit“ zu bewahren. Es war aus litauischer Sicht ein Rückzug in dem Konflikt, nicht aus Überzeugung, sondern aus Solidarität zu den Nato-Partnern. Eigentlich hatte man in Vilnius auf Rückendeckung für einen harten Kurs gegenüber Moskau gehofft.

Mitte Juni hatte der litauische Zoll die Weiterfahrt eines russischen Güterzugs blockiert, der Zement und Stahl von Belarus in das Gebiet Kaliningrad transportieren sollte. Die Exklave hat Landgrenzen nur mit den Nato-Staaten Litauen und Polen, die Eisenbahntrasse, über die die meisten Versorgungsgüter herangeschafft werden, führt 100 Kilometer über litauisches Territorium, die Transporte unterliegen somit der Zollkontrolle. 

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Edgar Timm | Fr., 15. Juli 2022 - 12:14

"unter polnischer Verwaltung"?
"Manch ein Kommentator würde sich auch wünschen, dass die Deutschen von Putin lernten, historische Argumente anzuführen. So wie Putin Ansprüche auf Kiew und die ganze Ukraine erhebe, weil diese einst zum Imperium Moskaus gehört hatte, könnten die Deutschen mit Kaliningrad, nämlich dem alten Königsberg, doch dasselbe tun." - Diese Dose der Pandora sollten alle Europäer auf alle Zeiten dicht lassen.

Die Ostgebiete waren meiner Erinnerung nach vor allem NICHT DEUTSCH. Der deutsche Orden war nur gewissermaßen recht erfolgreich, fiel aber nicht ein, sondern wurde von Polen gerufen? Das Deutsche Reich war dann sehr stark.
Etwas anderes wäre zugegeben das ehemals pre/ussische Siedlungsgebiet.
Darüber könnten dann Polen und Pre/ussen verhandeln, wenn beiderseitig Bedarf bestünde, wovon ich nicht ausgehe.
Für die Enklave Kaliningrad werden es Pre/ussen und Russen sein
Land um einen Immanuel Kant herum muss nicht groß, um bedeutend zu sein...

Wolfgang Borchardt | Fr., 15. Juli 2022 - 12:50

... war weder abgesprochen, noch sinnvoll. Bestenfalls geeignet, Russland zu provozieren und den Krieg auszudehnen. So bemerkenswert wie ungewöhnlich, dass in diesem Fall die Vernunft gesiegt hat.

Christa Wallau | Fr., 15. Juli 2022 - 13:08

Grundeinstellungen aufeinander:
Hier die Russen und Litauer, welche die geschichtlichen Zusammenhänge und frühere Besitzverhältnisse sehr stark betonen und deren mögliche Wiederherstellung niemals aus den Augen verlieren, und dort die Deutschen, die genau das Gegentiel tun, nämlich
die eigene Schuld am Verlust von Territorien stets neu bekennen und nicht im geringsten daran denken, irgendein Gebiet zurück zu gewinnen, das einmal zum deutschen Reichsgebiet gehörte.

Das paßt halt gar nicht zusammen!

Insofern sind die Deutschen tatsächlich absolute Außenseiter, was Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet anbetrifft; denn auch alle anderen europäischen Länder sind in dieser Hinsicht nicht mit Deutschland vergleichbar. Da würde kein französischer, italienischer oder griechischer Politiker auf irgendeinen historischen Anspruch endgültig verzichten, sondern sich die Option auf einen Rückgewinn für den Fall einer entsprechend günstigen Verhandlungslage offenhalten.

Ingo Frank | Fr., 15. Juli 2022 - 13:34

War vielleicht die „Absprache“ zwischen Germany und Russland den Gashahn wieder aufzudrehen. Weiß man‘s? Nichts ist im Leben umsonst, auch nicht der Tod, denn der kostet das Leben.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

kostet bis zu 10.000,00 € zzgl. Sterbehilfe, falls die Erben dies wünschen.

Ich glaube eher, dass die Russen Germanski noch brauchen und deshalb BASF&Co. nicht sterben lassen werden, die für gigantische Großprojekte am Armur unverzichtbar sind. Deren Handel mit China ist so wichtig, dass die Oligarchen Putin hier eine Grenze setzen werden. Die Ukraine muss als Rumpfstaat weiter existieren und wird von der EU durchgefüttert. Die großen heroischen Sprüche werden sich in Luft aulösen, Brot und Spiele für das verblödete Publikum. Dieses kann sich dann wieder seiner freien Geschlechterwahl zuwenden..

Wolfgang Böhm | Fr., 15. Juli 2022 - 13:45

... bin ich immer wieder mit welcher Gewissheit einige Medien immer verkünden dass Putin, das ganze Baltikum und die ganze Ukraine ... und danach Polen u.s.w. "einnehmen" will ... woher hat man dieses "Wissen" ... irgendwelche Fakten/Belege ? So entsetzlich und völkerrechtswidrig der Ukraine Krieg auch sein mag ... in meiner Wahrnehmung hat Putin seit Jahren immer wieder rote Linien aufgezeigt und danach gehandelt.Man sich überlegen a) ich nehme Russlandssicherheitsinteressen ernst und versuche beidseitige Interssen irgendwie zu berücksichtigen. Oder b) Ich sage dass mich Russlands Sicherheitsinteressen nicht interessieren, expandiere mit der Noto entgegen der Versprechen immer weiter nach Osten, Rüste die Ukraine auf, halte dort jahrelang provokative Nato-Manöver direkt an Russlands Grenze ab, gehe auf Konfrontationskurs und drangsaliere noch ein wenig die russisch stämmige Bevöklerung. Wenn ich mich für b) entschieden habe wirkt es verlogen zu behaupten "Wir wollten den Krieg nicht"

Jens Böhme | Fr., 15. Juli 2022 - 19:50

Antwort auf von Wolfgang Böhm

...um Kunden zu generieren. Dass dieselben Medien vorm Überfall auf die Ukraine nix wussten, ist doch bezeichnend. Dass die Russen genug in der Ukraine zu tun haben, ist offensichtlich. Vom anfänglichen Drei-Fronten-Krieg sind die Russen zum Ein-Fronten-Krieg übergegangen (die Südflanke ist derzeit auf Eis gelegt und Nordfront wurde aufgegeben).

Manfred Bühring | Fr., 15. Juli 2022 - 17:49

Gott sei Dank ist dieser brandgefähliche und überhebliche Alleingang einer völlig desorientierten Regierung in Litauen nun gestoppt. Ansonsten hätte die große Gefahr bestanden, dass dieser Ministaat einen Flächenbrand in Europa entfachte.

Albert Schultheis | Sa., 16. Juli 2022 - 13:54

die das Bein selber nicht heben können, aber in Gegenwart der großen Kampfhunde gerne dem angeschlagenen stärkeren Gegner in die Waden beißen. Jetzt hat man sie endlich zurückgepfiffen, weil die Sache anfing, brenzlig zu werden. Mit jedem Tag des Krieges wird zunehmend klar, dass dieser Krieg ein fatales Lose-Lose-Spiel ist, das man eigentlich nie hätte beginnen dürfen. Denn mit jedem weiteren Tag vermehren sich allein die irrsinnige Zerstörung, Tod und Vertreibung. Und wer sagt, Putin hätte diesen Krieg begonnen, der lügt ganz einfach. Zu tief sind veraltete, amerikanische geostrategische Interessen in diesem Konflikt virulent, ja, zu tief sind der US-Präsident und sein krank-missratener Sohn mit persönlichen Interessenskonflikten in diesen Krieg involviert. Dass die gesamte westliche Presse diese Zusammenhänge systematisch und verleumderisch unterdrückt - ganz besonders die sog. deutschen Qualitätsmedien, allen voran ARD und ZDF - beweist das Versagen von Demokratie und Rechtsstaat.