Italien nach dem Lockdown - „Das Schlimmste steht noch bevor“

Italien ist das von der Pandemie am härtesten getroffene Land Europas, nach dem monatelangen Lockdown steht die Wirtschaft vor dem Kollaps. Der grassierende Rechtspopulismus erscheint da noch als das geringste Problem – manche befürchten soziale Unruhen. Ein Lagebericht.

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Italien: Warten auf das Dolce Vita und bange Angst vor dem Herbst / picture alliance

Autoreninfo

Julius Müller-Meiningen arbeitet seit 2008 als freier Journalist in Rom. Er berichtet auf seiner Homepage 
www.italienreporter.de

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Der Ex-General wartet schon am Tisch. Mit Mundschutz, eigentlich ist das nicht seine Art. In der Brusttasche seines grauen Anzugs hat er ein Einstecktuch in den italienischen Nationalfarben platziert. Am rechten Handgelenk trägt Antonio Pappalardo ein orange­farbenes Band, seine orangefarbene Brille liegt auf dem Tisch in der Lobby des Parkhotels an der Schnellstraße nach Perugia. Vor Tagen war er in Bergamo. „Ich habe Hunderte Leute umarmt, von wegen Virus!“, sagt Pappalardo. 

Der Ex-General behauptet, Covid-19 sei das Fantasieprodukt einer internationalen Verschwörung. Der Anführer einer neuen Protestbewegung in Italien fordert den Rücktritt der Regierung von Giu­seppe Conte, die das wirtschaftliche und soziale Desaster zu verantworten habe. Außerdem ist er für den Austritt Italiens aus dem Euro. Für alle ist in seinem Zornpaket etwas dabei: für Verschwörungstheoretiker, für Impfgegner, für Regierungskritiker und Eurohasser.

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Christa Wallau | Mo, 13. Juli 2020 - 12:33

Natürlich gibt es unter ihnen viele, die unseren Durchschnittsbürgern ähneln, aber politisch haben Italiener wenig gemein mit uns Deutschen. Wie sollten sie auch?
Die gesamte Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg verlief anders bei ihnen:
Italien hatte i m m e r äußerst unsichere politische Verhältnisse (64 Regierungen in 72 Jahren!), die Parallelstrukturen der Geheimgesellschaften im Süden des Landes waren u. sind mächtiger als die Zentralregierung in Rom u. Korruption an der Tagesordnung.
Die Menschen müssen sehen, wo sie inmitten dieses Chaos bleiben - das ist eine logische Folge.
Also handeln sie - so gut sie können u. vernetzt sind - zu ihrem (vermeintlichen) Nutzen u. folgen dabei ihrer "Nase".
Kaum ein Italiener nimmt die Politik(er) noch ernst.
Wie sagte unser Vermieter schon in den 60er-jahren in Südtirol zu uns: "Des Kaschperl-Theater in Rom kannscht vergessen!"

Aber viele Deutsche glauben fest daran, daß unsere Geldgeschenke dort sinnvoll verwendet werden...

".. viele Deutsche glauben fest daran, daß unsere Geldgeschenke dort sinnvoll verwendet werden..."

Klar doch. Sind ja nur Südländer. Können nicht ordentlich mit Geld umgehen...sieht man doch. Besonders von Deutschland aus.

Wunderbar. Auch Vorurteile scheinen ein fester Bestandteil deutscher Kultur zu sein (und bleiben).

Hallo Herr Lenz!

Schön, dass Sie wieder an Bord sind, ich habe einige Zeit nichts mehr von Ihnen gelesen.
Die Demokratie lebt vom Disput, der Vielfalt der Meinungen, gell?

Ob Südländer mit Geld umgehen können, lasse ich einmal dahin gestellt.

Die geplante Umverteilung (Kredite, Geschenke und Haftung) hat ja angeblich die Milderung der Folgen des Lockdowns zum Ziel.
Soweit so gut.
Dass diese Mittel auch zielgerichtet eingesetzt werden, ist wohl zu bezweifeln.

Im übrigen: wieso sollte ein "Pandemie-Missmanagement" eines Staates von anderen Staaten finanziell "korrigiert" werden?

Das erinnert stark an den Länderfinanzausgleich:
Die Kitas in Berlin sind kostenlos.
Warum?
Weil sie de facto von Bayern, Ba-Wü und Hessen finanziert werden.

Es geht nicht um "den Südländer", sondern um diese katastrophale Administration!

In diesem Sinne nochmals:
FORZA ITALIA!

Gerhard Lenz | Di, 14. Juli 2020 - 11:44

In reply to by Gast

Hallo Herr Muhlack!

Das "Pandemie-Mismanagement" war doch wohl eher Ausdruck eines höchst mangelhaft entwickelten Gesundheitssystems.

Besonders auffällig dabei: Die von Salvinis Partei regierte Lombardei.

Was mich zu der Erkenntnis bringt, dass zu Zeiten, in denen ein Salvini noch Innenminister und die Lega Teil der italienischen Regierung war, die gleichen Foristen - die jetzt höchst gönnerhaft über unsere südlichen Nachbarn urteilen - damals für die gleichen Menschen voller Lob waren!

Ja man bescheinigte Ihnen gerne, sie wären den Deutschen voraus - und das alles (natürlich) hauptsächlich wegen eines Salvini!

Wie dem auch sei: Bei Kritik an Polen oder Ungarn wird oft zur Zurückhaltung geraten- bei Südländern, die nicht (mehr) von Rechtspopulisten regiert werden, darf man kritisieren...

Ist wohl eine besondere Art von Fairness ?

Egal - ich wünsche Ihnen einen schönen Tag im wahrscheinlich sonnigen Badischen!

Praktisch nirgendwo wird unser Geld sinnvoll verwendet, mittlerweile nicht mal mehr in Deutschland. Es geht darum sich Wohlwollen und Macht zu kaufen, nämlich die Politiker für sich. Da das gemeine steuerzahlende Volk nicht laut genug protestiert - 87% sind ja die Mehrheit - geht es immer so weiter.

Die „Next Generation EU“ wird nun eingeläutet.
Um den Einsturz des brüchigen Ladens (die gesamte EU) hinauszuzögern, werden nun die Milliarden, bald wohl Billionen, verbrannt.

Italien wird sich nicht ändern.
Es ist nun Fakt, man braucht nur laut genug zu jammern und schon fließt das Geld, das wird so weiter gehen.

Auch nach Merkel, das steht zu befürchten.
Uschi in Brüssel bläst in das selbe Horn und die ist noch ein paar Jahre da, eingesetzt vom großen Edelprinzen aus Paris, der wohl auch bald zu den Bittstellern treten wird.

Man kann nur hoffen, dass dieser schrottreife Karren bald ganz im Dreck liegt und ersetzt wird durch ein wirkliches Europa. So wie es die Gründerväter damals wollten.
Keine Geldverteilungsbürokratie mehrheitlich zu Lasten des kleinen Michel, dem man seit Jahren vorlügt, von dieser EU zu profitieren.
Er wird das auch noch glauben, wenn er bis 75 schuften muss und dann von der Minirente nicht mal leben kann.

werter Herr Will, wird nur der deutsche Michel und seine Micheline. Da geniesst der Südländer schon 13 Jahre seinen Ruhestand bei höherer Eigentumsquote und höherem Vermögen.
Aber der Deutsche will's so.

Norbert Heyer | Mo, 13. Juli 2020 - 19:11

Die Menschen, die herrliche Landschaft, die einmaligen Bauwerke und Kunst und die Küche, unerreicht und wunderbar. Zwei Dinge sind so nicht das Ding unserer südlichen Nachbarn: Politik und Finanzen. Man hat lieber gut gelebt, als vernünftig zu wirtschaften. Jetzt besteht die große Gefahr, dass die weitere Entwicklung das Land in die größte Krise nach dem 2. Weltkrieg führt. Die EU wird kurzfristig über weitere Milliarden-Hilfen für Italien entscheiden müssen. Das gilt auch für Frankreich, Spanien und eigentlich alle anderen EU-Staaten, wenn auch in geringerem Umfang. Wer hier in erster Linie Geberland sein wird, ist uns allen klar. Wenn Italien aber aus dem EURO aussteigt, sehen wir ganz alt aus: Aus Target-Konten haben wir Italien gegenüber eine Forderung in Höhe von 435 Milliarden EURO. Nicht auszudenken, wenn Italien tatsächlich der EU den Rücken kehrt, doch diese Drohung ist auch gleichzeitig ihr größter Trumpf gegenüber den anderen EU-Staaten. Wir sehen dann ganz, ganz alt aus ...

Bernd Muhlack | Mo, 13. Juli 2020 - 19:30

Wir hatten einmal italienische Nachbarn, die F´s.
Sie leben seit Mitte der 70er Jahre hier, stammen ursprünglich aus Lecce, ganz unten am Absatz des Stiefels.
Das war eine sehr schöne Zeit. Gemeinsame Ausflüge, Kochen, Grillen.
Roberta und Simone trennen drei Tage, sie wurden im selben KH geboren. Sie waren "ein Kopp und ein Arsch", ein kongeniales Dreamteam.
Jede Zeit hat ihr Ende.
Ja, natürlich hat man sich auch gegenseitig geholfen.
Aber eine gemeinsame Kasse, Konto hatten wir natürlich nicht.

Ach der Vergleich hinkt?
Wieso?

Wurde irgendein EU-Bürger bei Wahlen befragt, ob es eine Umverteilung, eine gemeinsame Haftung innerhalb der EU geben soll?
Eurokraten tauchen vor den Wahlen kurzfristig auf, versprechen das Blaue vom Himmel, ziehen sich dann qua garantiertem Listenplatz wieder in den save haven zurück: DANKE!

Zitat:
"Dann lachen beide und laufen Arm in Arm in die Altstadt zurück."

Aha, soso. Nach Greta jetzt also 16j Italiener.

Es ist nicht mehr zu fassen!

FORZA ITALIA!

Klaus Peitzmeier | Mo, 13. Juli 2020 - 19:47

Ich würde sagen: "Das Schlimmste steht UNS noch bevor".
Mal ehrlich, wie kann man ernsthaft in Erwägung ziehen einem Land 170 Mrd. € zu schenken, dessen Chefökonom uns versucht deutlich zu machen, daß Italien europ. Gelder in der Vergangenheit nicht ordungsgemäß verteilte und daß mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft die Kompetenz in den Regionen fehlt, dies besser zu machen? Warum werden die Geizigen 4 (DK,A,S,NL) als Dummerchen hingestellt, die aber offensichtlich die einzig richtige Frage stellen: Welche Maßnahmen ergreift Italien, daß sich künftig an der Situation etwas ändert? In einem Land, in dem nur die Mafia über eine effiziente Organisation verfügt u der es auf jeden Fall zuzutrauen ist, den naiven EU Beamten in Brüssel mit ausreichender Fantasie "sinnvolle" Projekte zu präsentieren. Daß Herr Pappalardo auch noch Sizilianer ist, beunruhigt eher. Er wird sicher erst aus dem € aussteigen wollen, nachdem die 170 Mrd rübergereicht wurden. Alles andere wäre Papparlapapp

Ernst-Günther Konrad | Di, 14. Juli 2020 - 06:35

Wie es Frau Wallau schreibt. 64 Regierungen in 72 Jahren. Ständig irgendwelche Koalitionen, immer nur für den Moment regieren, wenig auf lange Sicht. In Italien hat sich keine dauerhafte politische Richtung stark entwickelt, sondern erfolgten immer wieder Abspaltungen hier, Abspaltungen dort, keine Kontinuität. Interessant ist schon, das Salvini plötzlich als das kleinere "Übel" dargestellt wird. Also sollen es im Falle eines Falles Rechtspopulisten richten?
Solange keine vorausschauende und nachhaltige Finanzpolitik in Italien sich durchsetzt, werden die Italiener "auf Sicht" fahren, das Geld nehmen, das man ihnen gibt und weiter wurschteln. Ob man den General ernst nehmen sollte? Nun, Eurokritik kann auch schnell zu EU-Kritik ausarten und wenn an der richtigen Stelle gezündelt wird, dann kann es zu einem Flächenbrand werden. Obwohl ich die Italiener mag, ihre Politik mochte ich noch nie. Ständig auf Kosten anderer Leben und am Tropf der EU hängen, kann nicht sinnerfüllend sein.

Schön gesagt, das Credo der Merkelregierung.
Schau´n mer mal wann wir auf dem Niveau ankommen.
Friedrich II der Staufer hat zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus dem Süden Italiens das Reich regiert.

Tomas Poth | Di, 14. Juli 2020 - 14:50

Der italienische Süden wird seit Jahrzehnten subventioniert, alimentiert.
Diese Senke der Arbeitskraft, der Arbeitsleistung der vielen Fleißigen im Norden Italiens und anderen europäischen Ländern, diese Region der Leistungsversenkung/- erschleichung muß vom Tropf genommen werden.
Entweder sie schaffen es aus eigenem Willen, in eigener Verantwortung oder sie scheitern.
Gebt ihnen diese Chance aus eigener Kraft auf Augenhöhe aufzuschließen.