Orientierung ins Ausland: Geplante Chipfabrik des taiwanesischen Herstellers TSMC in Phoenix/Arizona / dpa

Taiwans Halbleiter-Industrie - Auf dem Trockenen

Taiwan ist der weltweit wichtigste Standort für die Produktion von Halbleitern. Aber nicht nur die geopolitische Situation rund um China bedroht die Industrie, sondern auch der Klimawandel. Das Wasser wird knapp. Und das führt zu neuen Verteilungskonflikten.

Autoreninfo

Felix Lill ist als Journalist und Autor spezialisiert auf Ostasien.

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In Taiwan macht sich gerade eine seltsame Sorge breit: „Es wird wahrscheinlich weniger Taifune geben“, erklärte ein Nachrichtensprecher des Fernsehsenders Formosa TV im Mai eine Prognose für den Rest des Jahres. „Die Trockenperiode könnte sogar bis in den kommenden Frühling reichen.“ Und das bedeute nichts Gutes. Wenn die starken Winde zwischen Mai und November normalerweise die Insel erreichen, kann es zwar schnell zu Straßenblockaden, Erdrutschen und anderen Gefahren kommen. Aber die Stürme hätte man in Taiwan trotzdem gern.

Seit drei Jahren hat kein Auge eines Taifuns mehr Taiwan erreicht. Was auch heißt: Die Niederschläge, die damit einhergehen würden, nehmen ab, sodass es seit Monaten tendenziell an Wasser mangelt. Und das wiederum könnte noch für eine nationale Katastrophe sorgen. In Taiwan, einem wohlhabenden Industriestaat, führt Wassermangel zwar nicht gleich zu Hungersnöten wie in einigen afrikanischen Ländern. Aber existenziell bedrohlich könnte das Ganze trotzdem noch werden. Denn ohne genügend Wasser trocknet die hier bedeutendste Industrie aus: die Chipproduktion.

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Ernst-Günther Konrad | Di., 13. Juni 2023 - 12:23

Taiwan ist eine Insel und hat um sich herum Wasser. Lässt sich da nicht das notwendige Wasser für die Industrie irgendwie aufbereiten? Ich verstehe von Halbleitertechnik nichts. Aber man kann doch Salzwasser in entsprechend großen Anlagen entsalzen und so aufbereiten, dass es möglicherweise für die Industrie brauchbar ist, oder etwa nicht? Wer im Forum hat davon Ahnung und kann mich da mal erhellen. Und vor allem erschreckt mich der Artikel etwas, weil Trinkwasser für die Menschen dort irgendwie nicht vorkommt. Da muss es doch Möglichkeiten geben mit Brunnen usw., diesen möglichen Mangel abzufedern zu egalisieren. Mir kommt das ganze Thema etwas seltsam vor. Was nutzt Taiwan eine gute Industrie im Halbleiterbereich, wenn das Volk verdurstet? Ohne Volk keine Produktion oder wird da schon nur nach mittels KI produziert? Übrigens ist D noch federführend in der Wasseraufbereitung/Wassergewinnungstechnik. Vielleicht mal dort nachfragen?

Hans Jürgen Wienroth | Di., 13. Juni 2023 - 12:47

Ich habe noch nie etwas von Wassermangel in Taiwan als Ursache der Chip-Krise gelesen. Bisher wurde da nur die Pandemie genannt.
Wassermangel gibt es auch in vielen anderen Ländern. Das stört unseren Wirtschaftsminister jedoch nicht, große Investitionen in Wasserstofffabriken zu veranlassen, natürlich abgesichert aus dem Bundeshaushalt. Rund um den Globus werden diese Fabriken geplant, vorrangig an den Küsten, wo es genug Meerwasser gibt. Dass muss dann nur noch gereinigt und entsalzt werden.
Auch in Deutschland entstehen Chip-Fabriken dort, wo bereits Wassermangel herrscht, in Sachsen und Brandenburg. Dort liegen auch die Vorzeigeprojekte der grünen Wasserstoffwirtschaft. Es ist Sommer, der Regen bleibt aus und in den bekannten Gebieten gibt es wieder Waldbrände. Das ist der Klimawandel, das hat nichts mit den vielen Windrädern in Meck-Pomm und Brandenburg, aber auch in Niedersachsen zu tun.
Wir bekommen nur das mitgeteilt, was wir wissen dürfen, der Rest ist Schweigen.

Hans Süßenguth-Großmann | Mi., 14. Juni 2023 - 09:14

Phoenix Arizona ist nun auch nicht als ein Ort bekannt an dem es dauernd regnet. Also scheint dieser Aspekt nicht so wichtig gewesen zu sein.