Möglicher Laschet-Nachfolger Hendrik Wüst - Stau als Chance

Nachdem Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden gewählt wurde, hat NRWs Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gute Chancen, ihm als Ministerpräsident nachzufolgen. Es wäre eine Karriere, die so nicht absehbar war.

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Bezwinger der Staus? NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (rechts) schiebt Investitionen voran / picture alliance

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Stefan Laurin ist freier Journalist und Herausgeber des Blogs Ruhrbarone. Im Spätsommer erscheint sein Buch „Versammelt - Das Ruhrgebiet ist am Ende“.

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Nach wie vor ist NRW das Stauland Nummer eins. Nirgendwo sonst haben Autofahrer in Deutschland so viel Gelegenheit, stehend die Landschaft zu genießen, wie an Rhein und Ruhr. Dabei war nach dem Wahlkampf 2017 neben der Schul- und Sicherheitspolitik der rot-grünen Landesregierung Nordrhein-Westfalens gerade der desolate Zustand der Autobahnen einer der wichtigsten Gründe für den Sieg von CDU und FDP.

Doch trotz aller Versprechen hat sich die Lage nicht verbessert. Und so ist es kein Wunder, dass sich die Opposition im Landtag erst im Februar wieder auf NRWs Verkehrsminister Hendrik Wüst einschoss. Genüsslich zitierte sie aus einer ADAC-Staustudie, nach der „Nordrhein-Westfalen, schon heute das Bundesland mit den häufigsten und längsten Staus“, auch künftig mit Abstand von Staus „am stärksten betroffen sein“ wird. Kein Tag für Wüst, um zu glänzen. Zwar hielt er in seiner Rede dagegen, verwies darauf, dass es 4 Prozent weniger Staus gäbe und dass die Landesregierung dabei sei, die Versäumnisse der Vorgängerregierung im Straßenbau abzuarbeiten. Eine „Operation am offenen Herzen“ sei das, sagte Wüst. Das führe erst einmal zu weiteren Staus, bevor es dann aber wirklich besser werde.

Ein Lücke namens Laschet?

Verkehrsminister Nordrhein-Westfalens zu sein, ist kein Spaß und gilt eigentlich nicht unbedingt als Karrieresprungbrett, geschweige denn als optimale Position, um Ministerpräsident zu werden. Bislang ist das zumindest niemandem geglückt. Doch ausgerechnet Wüst, so scheint es derzeit, könnte unverhofft infrage kommen. Dass Laschet nun zum CDU-Parteichef gewählt wurde, könnte in NRW an der Landesspitze eine Lücke reißen, vielleicht schon bald.

Dabei galt es vielen nicht als Sympathiebeweis von Armin Laschet, Wüst ausgerechnet zum Verkehrsminister zu machen. Doch Wüst hält sich erstaunlich gut. Sein Ministerium ist bislang skandalfrei; als der vorhergesagte Schleudersitz hat sich sein Posten nicht erwiesen.

Der Macht der eher ländlich geprägten CDU hat Wüst es zu verdanken, dass er überhaupt Minister wurde – und seinem Netzwerk. 2010 nämlich wäre seine Politikerkarriere fast beendet gewesen: Als Generalsekretär der CDU in NRW war Wüst dafür verantwortlich, dass Unternehmen am Rand des CDU-Parteitags Gespräche mit dem damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers buchen konnten. Unter dem Motto „Rent a Rüttgers“ skandalisierte die rot-grüne Opposition genüsslich diesen Fauxpas. Auch dass Wüst im damals beginnenden Landtagswahlkampf die SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft bei Auftritten beobachten ließ, um Patzer von ihr publik zu machen, gehörte sich seinerzeit zumindest noch nicht. Wüst musste drei Monate vor der Wahl von seinem Posten zurücktreten, blieb aber im Landtag und wurde Geschäftsführer der NRW-Filiale des Zeitungsverlegerverbands.

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Ernst-Günther Konrad | Mo, 9. März 2020 - 11:52

Nettes Personalkarusell Herr Laurin. Kann da auch noch ein paar Gedankenspiele beisteuern. Was wäre, wenn Laschet gar nicht nach Berlin geht? Was wäre, wenn AM doch bleibt? Was wäre, wenn Merz Vorsitzender und Kanzlerkandidat wird? Oder vielleicht doch der Maggus aus dem Süden?
Was wäre, wenn Laschet nach Berlin ginge und die CDU schmiert bei den Wahlen gründlich ab? Würde nur noch als Seniorpartner taugen oder eben RRG braucht die CDU gar nicht?
Angeblich sehen die neuesten Umfragen einen weiteren Verlust der CDU aktuell. Ja, wieder eine der Umfragen, wo die AFD immer stagniert und zwischen 13-14, manchmal gar 15 % hin- und herspringt, aber die Medien mal wieder das Heft in die Hand nehmen und durch "merkwürdige" Umfragen Hand an die Parteienlandschaft anlegt.
So bischen hat das was von "Wünsch Dir was". Nein, nicht Vivi Bach und Dietmar Schönherr im Samstagsabendprogramm. Übrigens? Was sagt die Kanzlerin eigentlich dazu? Man hört nichts von ihr. Hat sie sich Hausarrest auferlegt?

Günter Johannsen | Mo, 9. März 2020 - 13:58

In reply to by Ernst-Günther Konrad

"Ja, wieder eine der Umfragen, wo die AFD immer stagniert und zwischen 13-14, manchmal gar 15 % hin- und herspringt, aber die Medien mal wieder das Heft in die Hand nehmen und durch "merkwürdige" Umfragen Hand an die Parteienlandschaft anlegt." Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Es it genau so. Die Medien
haben sich zu Handlangern der Linken gemacht, manipulieren die Wahlen, indem sie Stimmung machen - Hofnachrichten wie zu DDR-Zeiten!

Günter Johannsen | Mo, 9. März 2020 - 12:15

Hat die Merkel-Administration schon - wie gewohnt - für sich entschieden, wer CDU- und Kanzler-Nachfolger wird? Es sieht so aus! Wenn das genauso läuft, wie bei der ätzenden Thüringen-Wahl, hat Friedrich Merz von vornherein keine Chance, weil die Kommunisten es nicht wollen und ihn zum Klassenfeind Nr. 1 erklärt haben. Hier muss sich die CDU-Basis endlich durchsetzen, sonst wird die frühere FDJ-Sekretärin ihr Comeback feiern: Mit Laschet als Marionette bleibt alles beim Alten!

Hubert Sieweke | Mo, 9. März 2020 - 15:08

wieder auf Laschet hinweist, er wird es nicht, denn die Basis der CDU und die Delegierten ticken anders. Mit Laschet wären zwar die Medien einverstanden, weil sie von ihm wenig zu befürchten hätten, aber die CDU wäre nach kürzester Zeit im einstelligen Bereich und die AFD würde die Wegläufer der CDU aufsammeln. Was die CDU derzeit benötigt ist doch nicht ein Mann OHNE JEGLICHE Prinzipien und ohne jeden wirtschaftlichen Sachverstand. Ein Weiterso wie Merkel kann sich niemand mehr erlauben, in der CDU. Der arme Laschet wird bei der nächsten Wahl in NRW sein Deja vue Erlebnis mit 25% der Stimmen haben. Der Zufall einer demoralisierten Rot/Grün Regierung wiederholt sich nicht.

August-Johann Müller | Mo, 9. März 2020 - 19:25

Sie haben meinen Wunschtraum ausgesprochen.
Hoffentlich wird es kein Alptraum. L G. AJM

Bernhard Weber | Mo, 9. März 2020 - 20:49

Laschet kommt über seine Qualitäten als Büttenredner nicht hinaus. Mehr geht nicht.