CO2-Steuer - Solche Klimapolitik ist Nonsens

Seit Mitte des Jahres wird in Deutschland über eine CO2-Steuer diskutiert. Dabei ist die Steuerungswirkung eines solchen Unterfangens alles andere als klar. Auch der deutsche Anteil an den weltweiten Emissionen ist gering

Svenja Schulze
Svenja Schulze (SPD) hat eine mögliche Form der CO2-Steuer vorgeschlagen / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Politik geht in etwa so: Wenn es irgendwo ein Problem gibt – ein eingebildetes oder ein wirkliches –, dann nimmt der Politiker „Geld in die Hand“. Da das Geld aber nicht vom Himmel fällt, erhebt der Politiker Steuern oder erhöhte irgendwelche Abgaben. Das nennt er dann „Zukunft gestalten“ oder auch „Verantwortung übernehmen“.

Das jüngste Beispiel für diese beliebte Praxis ist die Diskussion um die sogenannte CO2-Steuer. Mit ihr will man erzwingen, dass Deutschland die verschiedenen Reduktionsziele erreicht, die man in den vergangenen Jahren formuliert hat. In Zahlen: Eine Reduktion des Kohlendioxidausstoßes im Jahr 2030 gegenüber 1990 um 55 Prozent bedeutet eine Absenkung von seinerzeit 1.200 Millionen Tonnen CO2 auf 540 Millionen Tonnen beziehungsweise von 1.251 auf 563 Millionen Tonnen sogenannter „Klimagase“ (CO2 plus Methan und Stickoxide). Das von der Bundesregierung formulierte Ziel einer 40-prozentigen Reduktion bis 2020 entspräche 751 Millionen Tonnen Treibhausgase insgesamt beziehungsweise 720 Millionen Tonnen CO2.

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Ernst-Günther Konrad | Sa, 20. Juli 2019 - 11:51

betteln die Klimaretter lautstark und ein Teil des Volkes macht mit. Selber denken, hinterfragen oder gar kritisch beäugen, es geht ja um's Geld, Fehlanzeige. Warum auch? Gilt ja dann für alle.
Sie haben wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen Herr Grau. Habe gerade wieder den Bericht des Dipl. Ingenieurs Schrag auf Focus gelesen, der die ganze Klimamessungen fachlich auseinander nimmt. Nur will ihn keiner hören. Auch uns will niemand hören. Willkommen im Club der Verdächtigen Herr Grau.
Noch bezahlen wir keinen Vereinsbeitrag. Er wird aber kommen, denn auch Frau von der Leiden präferiert diese Steuer und will dafür in der EU werben.
Darf die Regierung eigentlich ohne EU- weite Einführung, einfach mal eine nationale Steuer so erheben? Ist das nicht diskriminierend, wenn alle in D zahlen, die anderen EU-Staaten aber nicht? Es geht tatsächlich nur um's Geld, das wissen wir doch alle. Bekommen wir CO² Messgeräte, um unseren individuellen Ausstoss zu messen? D = Absudistan 2019.

Das Einreden von Schuld hat eine lange Tradition, wenn man dem Volk etwas abknöpfen will.
Nach dem Motto: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“
kauft man sich dann von Klima-Sünden frei.
Was ändert das dann an der Realität, dass das bisher übliche Leben so weitergeht? An vielen Stellen in der Welt, aktive Umweltvernichtung betrieben wird.

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 20. Juli 2019 - 12:29

Eine perfekte Zusammenfassung zum Sinn einer CO2-Steuer. Wie kommt aber so eine große Zustimmung in der Bevölkerung zu dieser Steuer zustande? Haben die wenigen großen Medienkonzerne hier kräftig zur Meinungsbildung, Neudeutsch „Framing“, beigetragen?
Sie sagen richtig, dass der Einfluss der CO2-Steuer auf das Verhalten der Menschen gering sein wird. Wenn wir wirklich zu einem großen Teil auf das Fliegen verzichten und mit der Bahn fahren, unser Auto zu Hause lassen und mit den „Öffentlichen“ zur Arbeit fahren, haben diese dafür überhaupt die notwendigen Kapazitäten?
Sie verweisen auch auf den geringen Anteil unseres Landes an den Gesamtemissionen. Was hilft es der Erde, wenn Produkte statt umweltfreundlich in Deutschland mit hohen Emissionen in Asien hergestellt und um den halben Globus transportiert werden?
Für mich soll diese neue Steuer nur von den Bürgern gern akzeptierte neue Einnahmen des Staatshauhalts erzeugen.

Klaus-Peter Götze | Sa, 20. Juli 2019 - 15:14

Von einem deutschen Denker (Goethe?) stammt der Satz: "der Kampf gegen die Beschränktheit ist ein langwieriger Belagerungskrieg". In diesem Sinne, sehr geehrter Herr Grau, für Sie ein dreifaches "BRAVO". Für unsere Regierenden hingegen ein dreifaches "HELAU" - ta tieht, ta tieht, ta tieht, ratsch bumm.

Von unserem anderen großen Dichter der Klassik, Friedrich von Schiller, stammt der Ausspruch:
"MIt der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."
(Jungfrau von Orleans)

Wer aber beschäftigt sich heute noch mit Goethe und Schiller?
Allenfalls die Alten, einige "uncoole" Außenseiter und kluge Ausländer, z. B. Japaner und Chinesen.

Unsere deutschen Jugendlichen (größtenteils inklusive ihrer Eltern) haben - wie man jeden Freitag beobachten kann - "BESSERES" zu tun!

Freundliche Grüße
C. Wallau

Christa Wallau | Sa, 20. Juli 2019 - 15:56

wenn es um Ideologie geht, lieber Herr Grau.

Da mag man sich abstrampeln, so sehr man kann,
sogar Kopfstände machen - es nützt alles nichts.
Es sind derer zu viele, die an die positive Wirkung von Maßnahmen wie eine CO2-Steuer g l a u b e n (bzw. glauben w o l l e n) und vor allem derer, die daran verdienen.
Immer mehr bestätigt sich das, was mein Mann schon seit Jahrzehnten sagt: "Die Grünen sind
die Erfinder einer neuen Religion."
Alles, was wir jetzt im Umfeld der sogenannten "Klimapolitik" erleben, erinnert fatal an mittelalterliche Prozesse, bis hin zum Kinderkreuzzug. Schon oft stand Deutschland im
Mittelpunkt ideologischer Auseinandersetzungen und bildete eine Speerspitze inmitten erbitterter Kämpfe. Meistens nicht zu seinem Vorteil.
Aber daran kann offensichtlich kein rationales
Argument und kein Hinweis auf geschichtliche
Prozesse etwas ändern: Die Mehrheit der Deutschen w i l l glauben - wenn schon nicht an Gott, dann doch wenigstens an die eigene Allmacht.

Frau Wallau,

ich stimme Ihnen u. Ihrem Mann in Bezug auf die Grünen vollkommen zu.
Leider, möchte ich noch anfügen, denn auch ich habe die mal gewählt. Da ging es noch darum den Bau weiterer AKW zu verhindern.

Heute möchte man sich die beinahe wieder herbeisehnen.

Das Klima ist global.
Ergo helfen nationale Alleingänge so gut wie nichts, denn es wird immer mind. ein Land geben, das die Vernunft des eines anderen Landes für sich als zusätzlichen Gewinn zu nutzen wissen wird.

Besser wäre es Geld in vernünftige Vorsorgemaßnahmen zu stecken (Deiche erhöhen, mehr Bäume anpflanzen, weniger konsumieren uvm.).
Aber dazu müsste man sich eingestehen gegen den Klimawandel (und primär auch die Macht der Wirtschaft) machtlos zu sein.
Das wird aber nie eingestanden werden.

Von mir volle Zustimmung, liebe Frau Wallau.
'Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der (falschen) Propheten - und sie kommen in Scharen.' (Gilbert Keith Chesterton)
Besonders gut scheint es zu funktionieren, wenn den 'neuen Glauben' mit dem Totschlag-Argument '... das hat DIE WISSENSCHAFT längst bewiesen ...' modernistisch verbrämt.
Das wußten schon Lenin und dessen Nachfolger und Bewunderer!

Martin Böhm | Sa, 20. Juli 2019 - 17:29

Eine Vertreuerung von fossilen Energieträgern was soll das nutzen? Wohnungen, Wasser muss meist mit Öl, Gas erwärmt werden, da gibt es keine kurzfristige Alternative. Ebenso wie die Fahrten zur Arbeit, da werden wohl auch nur wenige auf andere Verkehrsmittel umsteigen wenn nicht die Kosten exorbitant steigen würden. Sinvvoler wären Auforstungen wie von der ETH Zürich vorgeschlagen, das Recht auf Heimarbeit wo möglich, Föderprogramme für Solaranlagen etc. .

herbert binder | So, 21. Juli 2019 - 15:41

In reply to by Martin Böhm

Ihren Begriff "Vertreuerung" finde ich zwar toll - aber wäre
für das ganze Gehampele auf der deutschen Politbühne
"Veruntreuerung" nicht angemessener? Zwei Fliegen mit
einer Klappe (Klatsche).

Ingo Kampf | Sa, 20. Juli 2019 - 19:44

Ich war in diesem Jahr in Australien, China und den USA. Es ist interessant zu beobachten, daß es Nationen gibt, die sich unsere Gedanken , bzw. die der Bundes-Regierung nicht machen. In Singapur wurde gerade das 4. Terminal in Changi fertig. China baut Flughäfen in Serie. Und in den USA sind Hunderttausende von Motorbooten auf dem Wasser. Von Maine bis Florida und Washington bis LA wird im Moment voll mit AC gekühlt. Da stecken die anschaulichen Beispiele für unseren Alleingang, der - nichts aber auch gar nichts bringt. Unsere Klimakanzlerin ist in hohem Maße unglaubwürdig. Sie holt sich mit dem Regierungsflieger einen Doktorhut bei Harvard ab. Geht‘s noch?
Wir verpflichten uns zu Maßnahmen die unnütz sind aber viel Geld kosten. Ich nenne das Frechheit und Dummheit. Dieser ganze Klimazirkus ist gemessen an dem, was auf der Welt abgeht, polit-religiös motivierter Ablasshandel. Dafür dürfen dann im Herbst 20.000 Teilnehmer aus aller Welt zum UN-Klimagipfel nach Chile fliegen.

Klaus Peitzmeier | Sa, 20. Juli 2019 - 20:50

Lieber Herr Dr. Grau, ich erwartete von einem promovierten Philosophen eigentlich eine schlaue Lösung. Einfach so weitermachen ist doch auch NONSENS. Also setzen Sie bitte nochmal zur Conclusio an oder wollten Sie nur mal etwas Destruktives zum Besten geben?

helmut armbruster | So, 21. Juli 2019 - 08:41

Diese Frage stellt sich hierzulande niemand. Das Volk nicht, die Medien nicht und die Politiker auch nicht.
Selbst eine CO²-Steuer berechtigt wäre und die Klimaveränderung tatsächlich verlangsamen oder gar stoppen könnte, dann taucht dahinter sofort die Frage auf, macht es überhaupt einen Sinn, dass D das im Alleingang durchzieht?
Es gibt nur eine richtige Antwort. Es macht keinen Sinn im Alleingang.
Das stört niemand bei uns. Sehr, sehr merkwürdig.

Bernd Schiebener | So, 21. Juli 2019 - 11:14

So isses, Herr Gau !

Josef Olbrich | So, 21. Juli 2019 - 17:34

Das Gesicht der Umweltministerin, hier im Vorspann, spricht mehr als uns Worte sagen könnten. Endlich!!!! wir können eine neue Steuer einführen und da Steuern nicht zweckgebunden sind - wen können wir damit beglücken bei der Umverteilung? (Ironie Ende) Das Ganze ist ein Trauerspiel ohne gleichen. Die Deutschen haben noch immer nicht verstanden, dass am deutschen Wesen die Welt nicht genesen wird. Leider haben wir eine Regierung, die unfähig ist sich mit den Fakten, die weltweit betrachtet werden müssen, auseinander zu setzen, und, nur dann, eine für die Menschen in Deutschland eine Politik zu generieren, die verständlich und glaubhaft ist.