Politische Korrektheit - Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen

Die Debatte um eine geschlechtergerechte Nationalhymne zeigt, wie tief die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern einer politisch korrekten Sprache sind. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch reagiert in seinem neuen Buch auf die häufigsten Vorwürfe

Eine junge Frau hält am Mittwoch (13.07.2011) in Wien ein Notenblatt der österreichischen Nationalhymme, auf dem handschriftlich «Töchter» eingefügt wurde.
Kanada und Österreich haben ihre Nationalhymnen bereits geschlechtergerecht formuliert / picture alliance

Autoreninfo

Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin sowie Wissenschaftsblogger und Vortragsredner mit den Schwerpunkten Lehnwörter, Sprachpolitik und sprachliche Diskriminierung.

Foto: Bernd Wannenmacher/FU Berlin

So erreichen Sie Anatol Stefanowitsch:

Seitdem rechte Bewegungen und Parteien wieder Aufwind haben, drängt mit deren menschenverachtendem Gedankengut auch ein Sprachgebrauch in die Öffentlichkeit, der wegen seiner offensichtlichen Brutalität auf breite Ablehnung stößt. Wenn Flüchtlinge pauschal als Asylinvasoren und Rapefugees verunglimpft und als Teil einer Umvolkung dargestellt werden, die Deutschland zu einer Moslem-Müllhalde verkommen lässt, dann besteht Einigkeit, dass hier nicht nur abwertende Ideen geäußert werden, sondern dass dies auch in einer abwertenden Sprache geschieht. [...]

Diese Einigkeit steht in einem merkwürdigen Gegensatz zu den sonst üblichen Reaktionen auf Versuche, einem abwertenden Sprachgebrauch entgegenzuwirken. Als etwa Otfried Preußler 2013 in einer Neuauflage seines erstmals 1957 erschienenen Kinderbuchs Die kleine Hexe aus zwei kostümierten und im Original als N~lein bezeichneten Kindern zwei ethnisch unbestimmte Messerwerfer machte, sah das deutschsprachige Feuilleton darin den „Rotstift der Political Correctness“, dem unser „kulturelles Erbe zum Opfer falle“, oder gar eine „orwellsche Auslöschung unserer Vergangenheit“.

Der Vorwurf der Sprachverhunzung

Bei der jüngsten großen Reform der Straßenverkehrsordnung – einem trockenen Gesetzestext ohne Potenzial für nostalgische Kindheitserinnerungen – wurden, ebenfalls 2013, die seit dem ursprünglichen Erlass von 1934 ausschließlich männlichen Personenbezeichnungen weitgehend durch geschlechtsneutrale Formulierungen ersetzt: Statt von Fußgängern ist nun von zu Fuß Gehenden die Rede, statt Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren heißt es nun Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden, und aus jeder Verkehrsteilnehmer wurde wer am Verkehr teilnimmt. Auch hier gab es heftige Ablehnung: Den Verantwortlichen wurde politisch korrekte „Sprachverhunzung“ vorgeworfen, sie seien „gaga“ und vom „Gender-Wahnsinn“ befallen.

Ähnliche Reaktionen gab es, als die Universität Leipzig in ihrer Satzung die bis 2013 ausschließlich männlichen Personenbezeichnungen (Student, Professor usw.) durch ausschließlich weibliche ersetzte (Studentin, Professorin usw.), als die Grünen 2015 beschlossen, Personenbezeichnungen in Anträgen nur noch mit „Gender-Sternchen“ (Politiker*innen) zu schreiben, oder als aus der Heimat großer Söhne der österreichischen Nationalhymne die Heimat großer Töchter und Söhne wurde. [...]

Der Vorwurf der Bilderstürmerei

Wie erklärt sich die Heftigkeit dieser Reaktionen? Und worin genau besteht der Vorwurf der „politischen Korrektheit“? 

Das ist zunächst der Vorwurf der sprachlichen Bilderstürmerei. Einzelne Wörter in älteren Texten mögen aus heutiger Sicht problematisch scheinen, heißt es dann, aber das sei eben die Wortwahl der Autor/-innen, die dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit entspreche. In das so entstandene sprachlich-literarische Gesamtkunstwerk dürfe man nicht eingreifen. Wenn Preußler einmal N~lein geschrieben habe, solle er auch fünfzig Jahre später dazu stehen, und erst recht dürfe ein Text nicht verändert werden, wenn die Autorin – wie im Fall von Astrid Lindgren – bereits verstorben sei.

Diese Vorstellungen mögen auf den ersten Blick durchaus vernünftig klingen: Texte sind (auch) Zeitzeugnisse, die durch nachträgliche Eingriffe verfälscht werden. Allerdings darf bezweifelt werden, dass die Kritiker/-innen der politischen Korrektheit tatsächlich der Meinung sind, Kinderbücher fielen in die Kategorie schützenswerter zeitgeschichtlicher Dokumente: Kinderbuchverlage greifen bei Übersetzungen und Neuauflagen oft sehr viel tiefer in den Originaltext ein als in den oben beschriebenen Fällen, ohne dass im Feuilleton auch nur ein leises Murren vernehmbar wäre. In Enid Blytons 1941 erschienenem Kinderbuchklassiker „The Adventurous Four“ etwa entdecken die Arnold-Kinder während des Zweiten Weltkriegs einen geheimen U-Boot-Stützpunkt der Nazis vor der Küste Schottlands und werden von deutschen Soldaten mit Hakenkreuz-Armbinde gefangen genommen. Als das Buch 1969 ins Deutsche übersetzt wurde, machte man aus den deutschen Nazis Unpolitische und Waffenschmuggler ungenannter Nationalität, ließ die Geschichte aber weiterhin im Zweiten Weltkrieg spielen. Die Sorge des Feuilletons bezüglich der damit begangenen Verfälschung des literarischen Werkes oder der jüngeren deutschen Geschichte lässt bis heute auf sich warten. [...]

Der Vorwurf der Unverständlichkeit

Andere Kritiker/-innen der politischen Korrektheit halten sich nicht mit der Literatur und Kultur auf, sondern sorgen sich gleich um die deutsche Sprache insgesamt. Die, sagen sie, könne sich ausschließlich organisch aus sich selbst heraus weiterentwickeln und würde unwiederbringlich zerstört, wenn man von außen in die Entwicklung eingreife. Zum Beispiel seien neumodische Sprachverdrehungen wie die oben genannten Partizipien Studierende oder zu Fuß Gehende zur Schaffung von Personenbezeichnungen ungeeignet, da sie sich nicht auf allgemeine Eigenschaften, sondern auf konkrete Vorgänge bezögen. Der ansonsten klarsichtige Max Goldt argumentiert in einer häufig zitierten (und merkwürdig morbiden) Glosse, man könne nach einem Massaker nicht sagen: Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden. Man könne nämlich nicht „gleichzeitig sterben und studieren“. Auch hier ist die Kritik sehr selektiv: Diese Formen werden nur dann als unlogisch kritisiert, wenn sie der Geschlechtergerechtigkeit dienen sollen. Niemand stört sich an den Wörtern Vorsitzende/-r, Reisende/-r oder Anwesende/-r. [...]

Ernster zu nehmen ist der gelegentlich gegen die „politisch korrekte“ Sprache ins Feld geführte Einwand, sie störe die Kommunikation. In manchen Fällen ist eine solche Störung tatsächlich beabsichtigt: Radikale Eingriffe in die Sprache sollen dann die Aufmerksamkeit auf bestimmte sprachliche Strukturen lenken, zum Beispiel bei den „dynamischen“ Unterstrichen und x-Formen von Lann Hornscheidt (Hornscheidt ist einx ehemal_igx Professorx der Humboldt-Un_iversität). Aber im Allgemeinen soll die Sprache zwar gerechter, aber nicht weniger verständlich gemacht werden. Insofern dürfen und müssen sprachliche Reformvorschläge natürlich daraufhin überprüft werden, ob sie zu Missverständnissen führen können. [...]

Eine Frage der Moral

Es ist also weder die Unversehrtheit literarischer Texte und kultureller Traditionen (...) noch eine allgemeine Abneigung gegen Sprachverbote, die die Kritiker/-innen politisch korrekter Sprache antreibt. All diese Argumente werden immer nur dort ins Feld geführt, wo es darum geht, abwertende Bezeichnungen und Sprachstrukturen zu vermeiden, um eine sprachliche Gleichbehandlung bislang diskriminierter Bevölkerungsgruppen herzustellen.

Wenn wir alle Vorwürfe der Zensur und Geschichtsfälschung, Sprach- und Literaturverdrehung abziehen, bleibt eine Gemeinsamkeit der beschriebenen Beispiele übrig: dass sie sich gegen die sprachliche Herabwürdigung bestimmter Gruppen richten. Da daran eigentlich nichts kritikwürdig ist, wird es durch Wörter wie „Gutmenschen-“ oder „Moralaposteltum“ lächerlich gemacht.

Die Kritiker/-innen treffen damit aber unfreiwillig den Kern der politisch korrekten Sprache – sie ist tatsächlich eine Frage der Moral. 

Eine Frage der Moral

„Eine Frage der Moral“ von Anatol Stefanowitsch erscheint am 12. März im Duden-Verlag, 64 Seiten, 8,- Euro.

 

 

 

 

 

 

Joachim Wittenbecher | Mo, 12. März 2018 - 12:24

Ein Unwort wie "Moslem-Müllhalde" sehe ich heute zum ersten Mal, und es ist Ihr zweifelhaftes Verdienst, ihn breit in Umlauf gesetzt zu haben, Herr Stefanowitsch. Generell finde ich den Versuch, eine "politisch korrekte Sprache" zu kreieren beängstigend. Der Begriff "politisch korrekte Sprache" beinhaltet zwingend bereits die Parteilichkeit, kann also gar nicht im allgemeinen Interesse sein. Er kann nur Herrschaftsinstrument sein. Dass uns dies allen Ernstes zugemutet werden soll, zeigt die Absicht der geistigen Entmündigung des Normalbürgers; es demaskiert eine selbsternannte Führungsschicht - gerne auch als Kulturschaffende getarnt - als einem totalitären Machtanspruch folgend. Wer sich um eine etwaige sprachliche Verrohung aufrichtig sorgt, den kann ich beruhigen: Scharfmacher, Aufpeitscher, Einpeitscher, Berufserregte aller Couleur sind im täglichen Leben und in einem normalen sozialen Umfeld ganz schnell unten durch.

Christa Wallau | Mo, 12. März 2018 - 12:25

Sprache ist Ausdruck des Denkens und Empfindens, Kommunikationsmittel ersten Ranges und Gestaltungsraum für Kunst (Lyrik, Epik, Drama).
Was sie in meinen Augen absolut nicht sein darf, ist Mittel zur Volkserziehung! Denn dann verliert das f r e i e Denken seine Ausdrucksmöglichkeiten! Es wird in ein Korsett gezwungen, das
selbsternannte Moral-Apostel
ihm anlegen. Mit welchem Recht???
Ein Gemeinschaft (z. B. eine Glaubensgemeinschaft = Kirche) oder ein Club, der seine eigenen Richtlinien und Aufnahmekriterien hat, darf eine bestimmte Sprache fordern und benutzen, aber keineswegs der für a l l e Bürger zuständige Staat, der sich neutral zu verhalten hat - abgesehen von der Eindämmung gewisser Auswüchse, wofür aber die
Gerichte zuständig sind und nicht
die Politik.
Sprache muß ihre Natürlichkeit und Urwüchsigkeit behalten und sich
frei entwickeln können - genauso wie das Denken und Fühlen.
Sonst werden die Menschen zu
gleichgeschalteten Robotern.
Mir graust davor.

Benjamin Beldea | Mo, 12. März 2018 - 12:36

Gleich in den Eingangszeilen lese ich, dass rechte Bewegungen und Parteien automatisch auch brutal menschenverachtendes Gedankengut vertreten und verbreiten. Und das war´s dann für mich auch schon mit der Lektüre - ein Klick und weg.
Herr Stefanowitsch, Sie und viele andere, die sich auf der "richtigen" Seite der Geschichte wähnen, offenbaren in Wirklichkeit eine strukturell totalitäre Gesinnung. Denn es geht nicht um "links" oder "rechts". Es geht darum, ob ich mir Mühe gebe, den Andersdenkenden fair zu behandeln und ihn zu verstehen, ihm seine Fehlannahmen und Fehlschlüsse zu erklären. Es wird immer um das Ringen gehen, den Mitmenschen für die Wahrheit zu gewinnen und selbstkritisch für die Wahrheit offen zu bleiben.
Aber nein, bei Damen und Herren wie Ihnen, den neuen Engeln des Lichts, steht der Böse schon fest - und das können ja unmöglich Sie sein ...

"Rechte Bewegungen und Parteien" - gemeint sind doch wohl die AfD oder die Kandel-ist-überall-Bewegung - werden gleichgesetzt mit "menschenverachtendem Gedankengut". Wenn etwas menschenverachend ist, ist es diese anmaßende pauschale Unterstellung.
Gleichzeitig tun Sie etwas, was alle Linken und Grünen tun: Sie entziehen sich unter stillschweigender Berufung auf die wahre (!) demokratische Gesinnung jedweder Diskussion über Inhalte.

und anmaßendDiese pauschale Gleichsetzung ist selber im höchsten Maß menschenverachtend und anmaßend. wird geschickt an den Anfang plaziert, um nicht nur haarstäubend und in dem Maße menschenverachtend, wie Sie es ihren politischen Feinden vorwerfen. Gleichzeitig dieser Gleichsetzung enzihem Sie sich jeder Debatte über Inhalte Das ist

Markus Michaelis | Mo, 12. März 2018 - 12:46

Der ernste Punkt ist nicht bei der Verständlichkeit oder anderen oben angeführten Punkten.

Der Autor sagt zurecht: "dass sie sich gegen die sprachliche Herabwürdigung bestimmter Gruppen richten". Das ist der Punkt. Nur: das ist ein feiner Grat. Manche Menschen empfinden es so, dass zu oft zu einer Seite vom Grat heruntergefallen wird. Dass zwar einige Gruppen in der Gesellschaft jetzt besser geschützt werden oder auch eine gewisse Genugtuung für alte Verletzungen bekommen. Dass aber zu oft um den Preis geschieht, dass einfach eine neue Lufthoheit an neue Gruppen verteilt wird und andere Gruppen ausgegrenzt werden, weil ihr Denken, Leben, Wirken und Schreiben auf einmal verletzend sein soll.

Claus Bänsch | Mo, 12. März 2018 - 12:51

Grundsätzlich stimme ich dem Artikel in weiten Teilen zu. Wenn der Autor aber nicht einmal in der Lage ist, einen ursprünglich verwendeten Begriff ( hier: "N~lein" anstelle Negerlein) zu schreiben - aus Angst als Rassist bezeichnet zu werden? - zeigt sich sehr schön die Problematik dieses Themas. Wenn ich nämlich Angst habe durch eine wie auch immer geartete Aussage Repressalien erfahren zu müssen, bin ich nicht mehr frei. Das wiederum ist nicht wirklich gut. In diesem Sinne stehe solchen Änderungen von alten Texten sehr kritisch gegenüber.
Wir sollten also scharf darüber nachdenken, was wir mit solchen "Umgestaltungen" bewirken.

Jan Burgdorf | Mo, 12. März 2018 - 12:55

Bereits in seinem ersten Satz nutzt der Autor den ohnehin schon pauschalisierenden Begriff "rechts" als Synonym für "menschenverachtendes Gedankengut." Er zeigt dabei ungewollt auf warum politische Korrektheit Gift für die Gesellschaft ist. Ebenso wie für den Autor (links = gut, rechts = böse) gibt es in der politisch korrekten Sprache nur Schwarz und Weiß. Entweder man nutzt sie und zeigt damit die Zugehörigkeit zum verbalen System des Mainstream oder man tut dies nicht und ist im öffentlichen Leben schnell disqualifiziert und aussortiert.
Eine ergebnisoffene Diskussion, Grundlage der Demokratie, kann so nicht stattfinden. Der Artikel führt sich daher m.E. selbst ad absurdum.

Es wird als Beispiel angeführt, daß "Schutzsuchende" verallgemeinernd und abwertend als "Rapeugees" bezeichnet wurden. Wo kommt eigentlich der Ausdruck "Schutzsuchende" her. Den hat sich doch bestimmt eine Agentur ausgedacht, weil man einen positiv besetzten Begriff suchte. Wie wir inzwischen gelernt haben, sind die Leute, die zu uns gekommen sind, keinesfalls alles immer nur "Schutzsuchende", sondern wie wir seit den Silvestereignissen wissen, auch Leute, vor denen Schutz gesucht werden muß.
Mit dem Begriff "Rapeugees" wird also negativ verallgemeinert, mit dem Begriff "Schutzsuchenden" soll allgemein positives verallgemeinert werden.
Beides braucht der klar denkende Mensch nicht.

Herr Burgdorf, Ihrem sehr passenden Kommentar möchte ich noch etwas hinzu fügen. Ärgern wir uns wirklich über den Neusprech? Nein, eigentlich können andere gerne ihre Sprache ändern, solange sie nicht erwarten, dass ich dies auch tue. Genau das ist aber das Problem. Diejenigen, die versuchen, den Neusprech in die Köpfe anderer zu hämmern, offenbaren damit ihre autoritäre Grundhaltung. Sie tun dies auch, indem unliebsame Meinungen als rechts und damit als nicht diskussionswürdig diffamiert werden. Diese Bevormundung stört. Warum fragt sich keiner der Literaturwissenschaftler, warum der Begriff "Gutmensch" so negativ rüber kommt, obwohl die beiden Silben des Wortes positiv besetzt sind. Nun, ein Gutmensch ist keineswegs jemand, der Gutes tut. Es ist jemand, der meint, Gutes zu tun, indem er anderen vorschreibt, wie sie zu leben, zu sprechen und zu denken haben. Diese totalitäre Bevormundung schätzen vernunftbegabte Erwachsene nicht. Naja, Kinder auch nicht. Da ist es aber noch legitim.

Andreas R. Klenke | Mo, 12. März 2018 - 12:59

Schon der Begriff "politisch korrekte Sprache" ist grober Unfug. Und entsprechend sind die daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen!

ulrich pohl | Mo, 12. März 2018 - 13:09

Ärgerlich: Dort wo es eigentlich interessant wird, nämlich bei der Freage, welche Argumente denn für die sprachliche Correctness sprechen, endet der Artikel, bzw. verweist auf eine nicht näher entfaltete "Moral". Man sitzt da und begreift: Man muss das Buch kaufen, um das zu erfahren, worauf man eigentlich bei der Lektüre des Artikels gehofft hatte. Das ist nicht in Ordnung.

Wolfgang Tröbner | Di, 13. März 2018 - 09:27

In reply to by ulrich pohl

Ich fürchte, dass es kein Zufall ist, dass dieser Artikel keine Argumente enthält, die für politische Correctness sprechen. Und ich bin mir sicher, dass auch das Buch keine enthält.

ulrich pohl | Di, 13. März 2018 - 13:57

In reply to by Wolfgang Tröbner

Das kann gut sein ...

Michael Sander | Mo, 12. März 2018 - 13:11

Aufgabe der Sprache ist es einzig und allein, Gedanken zu formulieren und damit eine sinnvolle Kommunikation zu ermöglichen.
Daher darf Sprache selbstverständlich auch abwertend oder gar verletzend sein, wenn derjenige der sie gebraucht, abwerten oder verletzen möchte.
Sprache ist einem stetigem Wandel unterworfen. Dieser geschieht jedoch einfach durch den täglichen Gebrauch, durch das Ringen um Begriffe um eine treffendere und damit bessere Kommunikation, niemals jedoch durch ein administratives Erzwingen.
Der Staat hat nicht die Hoheit über die Sprache. Sprache kann nicht verordnet werden. Die Sprache gehört auch nicht den Professoren oder dem Duden Verlag. Sie gehört allen, die diese Sprache gebrauchen und sie, in einem gigantischen demokratischen Austauschprozess, stetig verändern.

Michael Sander | Mo, 12. März 2018 - 13:12

Das generische Maskulinum vereinfacht den täglichen Sprachgebrauch und hat niemals irgendjemanden abgewertet. Die angebliche Diskriminierung beruht ausschließlich auf der Behauptung selbsternannter Sprachwächter, die damit eine zweifelhafte politische Agenda verfolgen.
PC verhindert den freien Austausch von Gedanken und Argumenten, indem es bestimmte Argumente von vornherein nicht gelten lässt.
Wenn jedoch nicht mehr offen, im freien Diskurs, um die richtigen Lösung gerungen werden kann, bleiben Probleme unbearbeitet und ziehen weitere Probleme nach sich.
PC ist von seinem Wesen her daher antidemokratisch und totalitär.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass man Denken ändern kann, indem man eine bestimmte Sprache vorschreibt. Darum geht es auch letztendlich nicht.

Michael Sander | Mo, 12. März 2018 - 13:12

Es geht auch nicht wirklich darum, "Minderheiten" vor Diskriminierung zu schützen. Dazu wäre Sprache wirklich das am wenigsten geeignete Instrument. Es geht vielmehr darum, den politischen Diskurs in eine bestimmte Bahn zu zwingen, Gegenargumente durch moralische Diskreditierung unmöglich zu machen.
Denk- und Sprechverbote führen daher letztendlich zur Herrschaft einer umfassenden, antiliberalen politischen Ideologie, die durch die Herrschaft über das, was gesagt werden darf, keinen Widerspruch mehr zulässt und in diesem Schutz letztendlich eine beliebige politsche Agenda verfolgen kann.

Philippe Schannes | Di, 13. März 2018 - 09:44

In reply to by Michael Sander

Sehr guter (dreiteiliger) Kommentar. Sie sprechen mir aus der Seele und treffen den Nagel auf den Kopf. Vielen Dank!

ulrich pohl | Di, 13. März 2018 - 13:56

In reply to by Michael Sander

Ich finde es schon legitim, wenn es von Sprache Betroffene gibt, die sich etwa für "Krüppel" ein anderes Wort wünschen und auch versuchen. das gesellschaftlich durchzusetzen. Was nervt, ist, dass jede Menge Gender- und sonstwas-Beauftragte daraus eine Geschäftsidee gemacht haben. Und ja: Auf jeden Fall hat der Staat in diesen Fragen neutral zu bleiben, es sei denn, es geht in den strafrechtlich relevanten Bereich.

martin falter | Mo, 12. März 2018 - 13:14

das immer einseitig geändert werden soll.
Wo sind die Initiativen bei "Täter/innen"?
Hier ein Beispiel von vielen. Wenn Sprache Gruppen nicht herabwürdigen soll, dann muss auch so etwas geändert werden. Hier werden Männer alleine als Täter bezeichnet. Sehen Sie Herr Stefanowitsch das ist nicht so einfach und sehr anstrengend - gell.

Giesela Kramski | Mo, 12. März 2018 - 17:38

In reply to by martin falter

Besonders gut würde mir gefallen "liebe Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher."

Gregor P. Pawlak | Mo, 12. März 2018 - 13:15

Eine Autofahrende Person hat zwei straßeüberquerende Sutdierende überfahren, die auf dem Weg zu eine (r/m) vortragschwänzenden Abwesenden waren...
So etwa?

Albert Keller | Mo, 12. März 2018 - 13:26

Wenn klare Sprache eine Frage der Moral ist dann bin ich eben unmoralisch. Also wirklich.

Mathias Trostdorf | Mo, 12. März 2018 - 13:31

Ich denke, was viele an der politischen Korrektheit stört, ist die bevormundende Besserwisserlnnen-Attitüde ihrer Lobby. Da sitzen Kommissionen und Aberkommissionen von Leuten, die sich mit sowas beschäftigen, wobei die Mehrheit der Bevölkerung ganz andere Probleme hat. Die Political Correctness ist für mich ein Auswuchs der Überflußgesellschaft, denn mit der "Umbenennung" ändert sich ja praktisch oft gar nichts, sie ist nur Makulatur. Wenn alle Professoren in -Innen umbenannt wurden, sind dann nicht die Professoren benachteiligt?
Und wieviele Frauen- das wär mal interessant- stört es letzendlich tatsächlich, wenn man sie Verkehrsteilnehmer nennt statt Verkehrsteilnehmerlnnen?
Also: wird die Welt gerechter oder irgendein Problem behoben, wenn man die Sprache mit zumeist albernen Begriffen verhunzt?

Bettina Diehl | Mo, 12. März 2018 - 16:24

In reply to by Mathias Trostdorf

ich will Ihnen gerne meine Antwort auf Ihre, im letzten Absatz gestellte Frage geben: Diejenigen Frauen, die auf den ersten Blick als solche erkennbar sind, sich als Frau Wohlfühlen, die gerne ein Kompliment hören, die sich darüber freuen, dass ein Mann ihr die Türe offen hält etc. pfeift auf diesen Gender-Blödsinn.

Vielleicht ist dieser ganze Gender Wahn ja tatsächlich auch die Vergeltung der Mauerblümchen an den Schönen und Erfolgreichen.
Beachtet zu werden oder respektiert zu werden lässt sich nicht erzwingen.
PC führt zur weiteren Spaltung der Gesellschaft.

Benjamin Beldea | Mo, 12. März 2018 - 17:55

In reply to by Mathias Trostdorf

Sehr geehrter Herr Trostdorf,
eigentlich ist PC kein Wohlstandsproblem - ich wüsste nicht, dass etwa die Einwohner Monacos sich ihre Zeit mit solchen Selfmade-Problemen vertreiben.
Es ist ein Etatismusproblem: Ohne den aus dem Ruder gelaufenen Staat mit seinem Steuerraub und den davon lebenden Steuergeldverschwendern, auch Beamte genannt, hätten wir solche "Auswüchse der Überflußgesellschaft" nicht, sondern einfach eine tolle Überflußgesellschaft.

Tomas Poth | Mo, 12. März 2018 - 13:45

einer um seinen Lehrstuhl. Verständlich, lebt er doch schließlich davon. Eine Störung der Kommunikation ist gewollt, so wird hier geschrieben und genau so macht sich es auch bemerkbar. Die Lebensbedingungen in unserer Welt werden nicht, sei es in unserer kleinen deutschen oder weltweit, sei es in technologisierten Gesellschaftsystemen oder in solchen die noch steinzeitlich organisiert sind, durch Kommunikationsstörungen behoben. Es zeichnet Gesellschaftssysteme wie unseres aus, sich mit nutzlosem zu beschäftigen.

Chris Lock | Mo, 12. März 2018 - 13:54

Es geht doch nicht um syntaktische und sprachästhetische Themen, sondern um den Einsatz von Sprachvorschriften als Mittel für Denkvorschriften. Wer die falsche Sprache nutzt, soll sich als verachtenswertes Element outen.

Die Gedanken sind frei, und meine Worte in einer freiheitlichen Demokratie grundsätzlich auch. Und ich wehre mich gegen diese Form der Knebelung, denn ein Abweichen von Gedanke und Wort ist verlogen. Victor Klemperer hat das - natürlich in völlig anderen Maßstäben - aber doch im Prinzip vergleichbar seinerzeit sehr anschaulich herausgearbeitet.

Ich lasse mir nicht eine Sprachregelung aufzwängen, die nicht die meine ist. Da kann sich jeder seinen Teil dazu denken und mit dem Finger auf mich zeigen und für einen rücksichtlosen Macho und Frauenunterdrücker halten. Aber ich lasse mich nicht per STAATLICHER Verordnung zum Macho und Frauenunterdrücker stempeln.

Bettina Diehl | Mo, 12. März 2018 - 14:08

eröffnet seinen Aufsatz jedoch mit den Worten "rechten Bewegungen und menschenverachtendes Gedankengut". Wenn "rechte" Bewegungen die unübersehbaren Probleme benennen, haben sie also menschenverachtendes Gedankengut. Soso. Worte wie Rassisten oder Nazis finden im Text keinerlei Kritik. Ist es also in Ordnung die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten mit kritischen Bürgern gleichzusetzen. Über *innen muss man nichts weiter sagen. Diese benötigen ja schon Safe-Spaces, wenn sie einen High-Heel (auch Stöckelschuh genannt) sehen. Zum Begriff "Gutmensch" möchte ich dem Autor folgenden Text ans Herz legen: "Das deutsche Konzept „Gutmensch“ gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Die Idee selbst findet sich bereits bei Jesus:
„Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen“ (Mt 23,4). (Quelle Dushan Wegner Blog)

Ja, um die Deutungshoheit wird mittlerweile mit harten Bandagen gekämpft.
Vor der Leipziger Buchmesse hat gestern ja auch wieder eine Menge von 400 MenscherInnen" gegen "rechte" Verlage, aber auch gleichzeitig für "Vielfalt und Meinungsfreiheit" demonstriert. Wer findet den Fehler?

Philippe Schannes | Mo, 12. März 2018 - 14:24

Ich bin auch einer dieser vielen "Gegner" der "politisch korrekten" Sprache. Aus denen im Artikel genannten Argumenten. Die Gegenbeispiele sind m.E. nicht überzeugend (Kunstveränderung wg. Nazi-Thematik halte ich ebenfalls für falsch!; Vorsitzender ist man nur so lange man den Vorsitz hat, Reisender nur während der Reise; Gleiches gilt für Anwesende).

Das Problem ist, dass die bisher vorgeschlagenen Alternativen m.E. nicht gut sind. Das BGB macht es schon ganz gut und versucht Personenbezeichnungen durch Aktivitäten zu umschreiben. Das halte ich für richtig. Ich denke auch, dass es schon wichtig ist, eine genderneutralere (oder allgemein politisch korrektere) Sprache zu benutzen (Sprache ist ein Spiegel der Zeit und Kultur), aber es nicht unwichtig WIE das passiert. Ich selbst habe leider auch keinen idealen Vorschlag, aber die aktuellen Methoden (X_innen, /innen, *innen, etc) sind weder korrekt, sinnvoll, schön noch fair (femininum wird immer als erstes genannt).

Karin Zeitz | Mo, 12. März 2018 - 14:45

persönlich habe ich mich nie diskriminiert gefühlt, mit den Begriffen “Student“, “Patient“, “Fahrgast“, “Radfahrer“ o.ä. bezeichnet zu werden. Mich hat auch die Adressierung von Briefen noch nie gestört, die an die Familie unter dem Vornamen des Familienvaters gesendet werden. Für wichtiger als jede aufgesetzte, von oben verordnete political correctness halte ich den Respekt, den man mir als Frau entgegen bringt. Witzig ist die Sache mit den früher als “Zigeuner“ bezeichneten Menschengruppen,die man politisch korrekt jetzt als “Sinti und Roma“ bezeichnen soll. Die so bezeichneten sind aber damit nicht glücklich, wenn sie zufällig keinem dieser beiden Völkerstämme angehören. Früher bot unser Bäcker “Amerikaner“ an, die nach der Wende die Bezeichnung “Ammoniakscheiben“ erhielten.
Man sollte sich um die wirklichen Probleme kümmern, von denen es in Deutschland wahrhaftig genügend gibt, anstatt die Menschen mit solchen Nebenschauplätzen abzulenken und zu belästigen

Jacqueline Gafner | Mo, 12. März 2018 - 14:54

ist eine Frage, die jedes Zeitalter, jede Kultur, jede Gesellschaft, jedes Milieu etc. anders beantwortet (hat) und mutmasslich auch in Zukunft weiterhin unterschiedlich beanworten wird. Dass Sprache das Denken beeinflusst (und umgekehrt), liegt auf der Hand, ansonsten namentlich die Werbebranche ein ziemlich brotloses Dasein fristen würde, egal, was sie an den Mann und die Frau zu bringen sucht, eine bestimmte Seife oder ein bestimmtes politisches Programm. Beide Aspekte werden in der Kontroverse um die "political correctness" gerne unterschlagen. Wo die Grenze zwischen nach geltendem Recht fraglos untersagten Äusserungen verbaler (wie nicht verbaler) Art und einem als politisch nicht korrekt empfundenen Sprachgebrauch verläuft, entscheiden indessen weder Sprachwissenschaftler noch Politiker, sondern die Vertreter der Justiz, denen die Durchsetzung der demokratisch begründeten Spielregeln obliegt.

Christian Gohlke | Mo, 12. März 2018 - 15:07

Ein überaus schlauer Ansatz. Man kann diskriminierten Minderheiten dadurch zur Gleichheit verhelfen, indem es einfach kein Wort mehr dafür gibt. Das Denken kann ja immer nur so weit kommen, wie es einem die Sprache auch erlaubt. Ein Versuch der Moralwächter, zur Gedankenpolizei zu werden.

Thomas Glauninger | Mo, 12. März 2018 - 15:39

Sprache ist ein Bottom-up, kein Top-down-Ding. Sprachwissenschaftler sollen analysieren, nicht bestimmen.

Dennis Staudmann | Mo, 12. März 2018 - 15:41

eine Frage nicht beantwortet. Was unterscheidet "Political Correctness" von den Sprachdiktaten, die wir in den beiden totalitären Gesellschaften des vergangenen Jahrhunderts erleben mussten? In meiner Jugend, die ich in der DDR erleben musste, war es so, dass man sich immer genau überlegte, was man wo zu wem sagte. Dieses Gefühl ist heute ähnlich. Man muss gar nicht so merkwürdige Vokabeln wie "Asylinvasoren" und "Rapefugees" benutzen, was wohl die meisten Menschen ohnehin nicht tun würden. Es reicht heute schon zu sagen, dass der Drogenhandel und die Kriminalität im Berliner Görlitzer Park von Schwarzen ausgeht, um von einigen Gesprächspartnern als Rassist beschimpft zu werden. Es ist aber nun einmal so, dass es ein für jeden offensichtlicher Fakt ist, wer im Görlitzer Park dealt. Die Politische Korrektheit will mich also zwingen, etwas zu sagen, was nicht der Realität entspricht. Genau das kenne ich eben aus meiner Jugend in der DDR. Das hat sicher nichts mit Demokratie zu tun!

Herr Staudmann, es ist ja noch viel schlimmer geworden. Bereits Worte mt der Entsilbe ... ling werden als diskrimminierend empfunden .Der PC -Geschulte sagt des -halb Geflüchtete.Lehrling und Sträfling geht noch so ,wenn es nicht die vorhergenannte Personengruppe betrifft.

Wolfgang Dubbel | Mo, 12. März 2018 - 15:48

wieso jede Person zunächst einmal mit einem x- oder y- vozeichen versehen werden muss, um sie! überhaupt richtig beurteilen, einordnen zu können. Ob Bürger, Wissenschaftler, Forscher, Autor, .....allerwichtigst ist -tout d'abord- ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt. Das ist der wahre Sexismus.... !

Alfred Vail | Mo, 12. März 2018 - 15:50

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sprache sich ändert. Es passt mir zwar selten, aber so ist das wohl wenn man alt wird und sich in der neuen Gesellschaft immer weniger wieder erkennt.

Was ich absolut ablehne, ist:
1. Ändern der Kulturgüter vergangener Epochen (Texte, Musik, Theater, Bilder, Statuen...). So etwas macht die ISIS, wir sollte das nicht tun.
2. Sprache von "oben" ändern zu wollen. Das hat immer einen ekligen Beigeschmack.
3. Sprache als politische Waffe zu benutzen (siehe Punkt 2)

Fritz Kuhn | Mo, 12. März 2018 - 16:00

Fangen Sie doch bitte mit den logischen Änderungen an z.B. in der Mathematik

Warum gibt es die Zahlen zehn, elf, zwölf. Ab zwanzig geht es ja auch anders weiter. Und in der Reihenfolge werden sie wunderbar durcheinandergewürfelt.

113 sollte ein-hundert-ein-zehn-drei und 24 sollte zwei-zehn-vier heißen. Wenn man darüber nachdenkt, macht es mehr Sinn als dieser Genderquatsch.

Gundi Vabra | Mo, 12. März 2018 - 16:46

Politisch korrekte Sprache?
Wir reisen, wir sind Reisende statt Reiser. Hört sich nämlich schräg an
Sind dann in dieser Logik Metzger Metzgernde?

Oh je, dabei ist doch die deutsche Sprache so klar und Männern und Frauen gegenüber sehr gerecht.

DIE

Der weibliche Artikel wird vorangestellt, wenn das maskuline Substantiv im Plural gebildet wird.
Perfekt! Frauen sind doch da ganz klar auch gemeint. Ein bis vor kurzem noch nicht vorhanden 3.4. oder wer weiß welches Geschlecht hat natürlich Nachteile, vielleicht geht es ja den politisch korrekten Sprachwärtern um diesen Personenkreis.

Auch schön:
Ich spreche in meiner Muttersprache deutsch in meinem Vaterland.

Wolfgang Meister | Mo, 12. März 2018 - 17:13

Warum bei der Sprache stehen bleiben? Denken wir doch weiter! Sollen / dürfen wir Michelangelos David oder Botticellis Geburt der Venus heute noch betrachten. Handelt es sich doch offenkundig um sexistische Darstellungen. Wie halten wir es gar mit Gaugin oder Rubens? Verhüllen? Übermalen? Verbieten? Verbrennen?
Verbieten wir den "Faust, weil Goethe seine Gretchenfigur ganz eindeutig als begehrenswert, naiv und unterlegen dargestellt hat? Oder dürfen wir ihn künftig nur noch mit Begleittext erwerben, so wie Hitlers "Mein Kampf"?
Linke Überzeugungstäter sind von der Unfehlbarkeit ihres Urteils immer und überall in einer Weise überzeugt, die Grund zu Angst und Sorge gibt. Ich zumindest kann mich des Gedankens an die chinesische Kulturrevolution nicht erwehren.

Wolfgang Meister | Mo, 12. März 2018 - 17:14

"Ich weiß, dass ich nichts weiß". Ein kluges Motto großer Denker. Diese Bescheidenheit stünde auch so manchem selbst ernannten Apologeten gut zu Gesicht. So würde er vielleicht erkennen, dass seine Weisheit nicht der Endpunkt allen Denkens, sondern immer nur eine vorübergehende Vorstellung in einem gegebenen Kontext ist. Die Entstellung oder Vernichtung der Vergangenheit insofern Ausdruck maßloser Hybris und überragender Dummheit, das Werk tumber Tyrannen.
"Was ihr den Geist der Zeiten heißt, Das ist im Grund der Herren eigner Geist, In dem die Zeiten sich bespiegeln".

Gerhard Hellriegel | Mo, 12. März 2018 - 17:20

Der Autor steht ratlos vor der Tatsache, dass Einigkeit in der Ablehnung bestimmter Sprachformeln besteht, bei anderen aber offensichtlich nicht. Ja, und wie erklärt er das als Sprachwissenschaftler? Es erscheint ihm "merkwürdig" und das erscheint nun mir wieder merkwürdig. Ein Wissenschaftler sollte eigentlich erklärungsfähig sein. Tja, Fehlanzeige. Ich würde wetten, wenn er nur wollte, dann würde er mühelos den Unterschied erkennen. Aber wer nicht will, den kann man nicht zwingen. Hat er schon 'mal etwas von Bedeutungswandel gehört? Oder von Sprachökonomie? Von Kontext? Stattdessen setzt er sich mit den dümmsten Gegenargumenten auseinander. Gewonnen! Gratuliere! Und damit rückt er natürlich alle Opponenten in die Nähe dieser Deutschtümler. Kommt Ihnen dieses Argumentationsschema nicht auch bekannt vor?
Frage: Soll ich mich denn nun entsprechend MEINER Moral äußern oder etwa SEINER?
Für mich gilt jedenfalls: ich bin Schwabe und lasse mir von niemandem das Maul verbieten.

Hans-Jürgen Tech | Mo, 12. März 2018 - 17:37

... von Herrn Stefanowitsch, aber nur deshalb, weil er diese wunderbaren herzerfrischenden Gegenkommentare hervorgerufen hat. Besonders Herr Staudmann hat mir aus der Seele gesprochen.

Johannes Holmer | Mo, 12. März 2018 - 18:06

„Anatol Stefanowitsch ist Professor für die Struktur des heutigen Englisch“. Das ist okay. Er sollte sich m.E. jedoch eingehender mit dem Deutschen beschäftigen. Er schreibt befürwortend: „…weitgehend durch geschlechtsneutrale Formulierungen ersetzt: Statt von Fußgängern ist nun von zu Fuß Gehenden die Rede“
Ob er als Sprachwissenschaftler realisiert hat, dass dieses „generische Maskulinum“, wie es Michaels Sander in seinem Kommentar nennt, bereits hinlänglich „geschlechtsneutral ist“. Wenn von „dem Bürger“ oder „den Wählern“ die Rede ist, weiß jeder (und auch jede…, wobei hier schon eine andere grammatikalische Form Verwendung findet und dieses „Jede“ eigentlich sogar großgeschrieben werden müsste), dass hier nicht Männer gemeint sind, sondern alle, eben alle Wähler oder Bürger.
Mit dem Satz: „Niemand stört sich an den Wörtern Vorsitzende/-r, Reisende/-r oder Anwesende/-r. [...]“ widerlegt sich der Autor selbst. Natürlich nicht! Können „Anwesende“ doch tatsächlich...

Till Schneider | Mo, 12. März 2018 - 18:07

da waren Sie aber mehrheitlich recht ungnädig zu Herrn Stefanowitsch – wie, oder? Vielleicht sollten Sie noch mal in sich gehen. Und bedenken Sie: Wenn sich die Position von Herrn Stefanowitsch durchsetzt, gibt's noch viel mehr solcher schönen Anreden wie oben. Sogar noch korrektere, denn dort hätte es eigentlich heißen müssen: "Liebe Leserinnen- und Leserbrief-Schreiberinnen und Schreiber", aber das war mir nicht lustig genug. Zu schweigen von "Schreibende", das zusätzlich noch falsch gewesen wäre, denn Sie sind ja längst fertig mit Schreiben, wenn mich nicht alles täuscht. Anyway: Gendern kann so schön sein! Denken Sie nochmal in Ruhe drüber nach!

PS: Ich finde es großartig, dass der CICERO auch so etwas veröffentlicht. Mir erleichtert es die, ich sage mal unkorrekt: Feindbeobachtung ganz enorm. Danke!

Johannes Holmer | Mo, 12. März 2018 - 18:07

"...niemand stört sich..." - ...Natürlich nicht! Können „Anwesende“ doch tatsächlich nur als solche gelten, wenn sie tatsächlich anwesend sind. Selbiges gilt für Vorsitzende oder Reisende.
„Studierende“ aber gelten z.B. immer noch als Studenten, auch wenn sie gerade Reisende sind oder Spielende und eben nicht gerade studieren. Sie „Studierende“ zu nenne, wenn sie gerade etwas ganz anderes tun, ist absurd und verhunzt tatsächlich die Sprache, in der Partizipien eben genau dafür bestimmt sind, einen Menschen in einer augenblicklichen Tätigkeit zu benennen.
Das ganze Theater bleibt ein ideologische Herrschafts-Instrument, um eine bestimmte Sichtweise der Welt zu erzwingen!

Wilhelm Maier | Mo, 12. März 2018 - 18:26

„politisch korrekte Sprache“ wäre doch Esperanto.
https://www.esperanto.de/de/was-ist-esperanto Na klar, nur! als zweite Sprache. Aber: „Am englischen Wesen soll die Welt genesen?“
wirklich? https://www.freitag.de/autoren/luwunsch-rolshoven/warum-verbreitet-sich…
„sprachliche Gleichbehandlung?“ bei uns?. Zur Zeit unmöglich. Richtige Amtssprache verstehen doch nicht alle auch in der Amtsverwaltung. Und bei wirklich „Juristendeutsch“ bräuchte mal ein Dolmetscher. „Im bestimmten „Alter so wie so.
Da bringt Wolf Schneider den Leser auf den Weg zum guten Stil. Wir sprechen und schreiben heute oft ein seltsam verdrehtes Deutsch. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir in allen Medien ein seltsam verdrehtes Deutsch lesen und hören.
http://www.kulturbuchtipps.de/archives/843
Warum nicht auch Esperanto als „zweite-dritte Sprache“?
entschuldigung für mein schlechtes oder fehlerhaftes deutsch, war schon ziemlich lange her.
Alles Gute.

Christoph Ernst | Mo, 12. März 2018 - 18:30

Sorry, das mit der 'Moral' im letzten Absatz halte ich für Schwachsinn.
Statt in Zeiten wachsenden kulturellen und buchstäblichen Analphabetismus' Geld für gendergerechte Sprachbegradigungen auszugeben, wäre gleiche Bezahlung für Männer und Frauen erstrebenswert.
Astrid Lindgren hat sich zeitlebens gegen nachträgliche Veränderungen ihrer Texte gewehrt - sie sah sie als Zeitkapsel. Etwas Respekt vor der Autorin wäre da angezeigt. Obwohl sie "nur " Kinderbücher schrieb. Niemand käme auf die Idee, den 'Mohr' aus Schiller entfernen. Morgen wird Martin Luther King posthum dafür gesteinigt, 1963 noch die Worte 'Colored' und 'Negro' benutzt zu haben. Mark Twain muss zensiert werden, die Werke von Ambose Bierce verbrannt, so wie weiland Giordano Bruno.
Nota bene: Politisch korrekte Sprache hat der afro-amerikanischen Minderheit in den USA alles Mögliche beschert, bloß keine gesellschaftliche Teilhabe.
Übrigens: Das Trendwort "Islamophob" hat sich Chomeini ausgedacht.

wolfgang spremberg | Mo, 12. März 2018 - 18:36

Moralapostel.....warum glaubt der Autor das Gutmensch und Moralapostel abwertend gemeint ist ? Für Ihn nicht vorstellbar das es positiv gemeint seien könnte ? So wenig Selbstbewusstsein ?
Und "Negerlein" und "Zigeunerschnitzel" sind abwertend gemeint ? Sicher ?
Weshalb beschäftigt man sich so intensiv mit so einem Thema ? Wegen der Deutungshoheit und der damit zusammenhängenden Macht ?
Wegen des Jobs / Geldes ?
Und da fördert man dann schon mal den Weg in eine Gesellschaft (Multikulti.) die unsere Bundeskanzlerin als gescheitert bezeichnet hat ?
Die Leidtragenden haben dann halt Pech gehabt ?
Hauptsache PC ?

Wilhelm Maier | Mo, 12. März 2018 - 18:45

nicht in Oldspeak: Doppeldenk!
"Neusprech wird im übertragenen Sinne als Bezeichnung für Sprachformen oder sprachliche Mittel gebraucht, die durch Sprachmanipulation bewusst verändert werden, um Tatsachen zu verbergen und die Ziele oder Ideologien der Anwender zu verschleiern."
"Der fiktive? totalitäre Staat Ozeanien entwickelt diese Sprachform, um die Ideologie von „Ingsoc“ (English Socialism) im Unterbewusstsein der Menschen zu verankern."
https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech
Traurig aber war?

Rüdiger Meier | Mo, 12. März 2018 - 19:08

Ein Schreibender hatte Hunger und fragte eine Gärtnernde nach Nahrung. Die verwies auf das Geschäft des Schlachtenden. Dessen Messer aber war bei der Schmiedenden, denn der Handelnde hatte ihm kein neues Messer angeboten; seine Programmierende hatte den Computer nicht überreden können, Kontakt herzustellen zu dem Handelnden, dessen Fachverkaufende dem Schlachtenden sicher hätten helfen können...

Nun ja - man darf auch mal albern sein...

Ruth Müller | Mo, 12. März 2018 - 19:33

Voraussetzungen für Kommunikation ohne Diskriminierung ist Bildung. Voraussetzung für Bildung ist die historisch gewachsene Standardisierung der Sprach- und Lehrmittel. Alle Kommunizierende verstehen die Bedeutung des geäusserten sinngemäß - gleich. Somit ist Sprachraum ein geschlossener und erfahrener(!) Kultur- und Deutungsraum.

Würde man die Sprache hoheitlich (desuper), dem elitären auf Minderheiten bezogenen Zeitgeist, anpassen und ihr damit die gewachsene Verständlichkeit und wenn ich das so sagen darf - ihr die "organische Volkstümlichkeit" versagen, wäre dies gleichbedeutend einer Negierung von Evolution an sich.
Die Sprachentwicklung unterliegt kulturellen Selbst-Erfahrungen, dass wird eine alimentierte Gruppe von moralisierenden Aktivisten auch nicht ändern.

Literatur rückwirkend schön zu schreiben empfinde ich als unwissenschaftlich, anmaßend und pathologisch - ein Fall für den Psychiater.

Trotz alledem würde ich einen schwarzen Menschen niemals Neger nennen.

Dr. Roland Mock | Mo, 12. März 2018 - 21:33

Politische Correctness ist Sprachvergewaltigung, und die Vergewaltigung der Sprache ist gleichbedeutend mit der Vergewaltigung des Geistes. Das kennen wir ja nun spätestens seit dem Dritten Reich. Der völlig ahnungslose Autor sollte mal „ LTI“ von Victor Klemperer lesen. Und was Menschenverachtung betrifft: da sollte der Autor nicht bei den „ Rechten“ sondern bei der Vereinigten Linken gucken: Antifa, occupy, G 20 -Krawalle.... schon vergessen? Oder mal ins Moskauer Lenin-Mausoleum. Da sieht er einen Menschenverächter vom allerfeinsten. Oder waren Lenin, Stalin, Mao und Kobsorten etwa auch „rechts“? „Cicero“, was ist mit dir los? Weshalb veröffentlichst du ein solch geistig plattes ideologiegetriebenes Machwerk?

Michael Bahr | Mo, 12. März 2018 - 21:42

Liest man diesen Text, dann hat man ständig das Gefühl, dass dessen Autor jede berechtigte Kritik an dem zersetzenden Gift der politischen Korrektheit in einem ätzenden Säurebad aus Relativismus auflösen will. Natürlich hat er Recht, wenn er auf den guten Kern in den Anfängen der "PC" verweist: die krassen Diskriminierungen in der Sprache auszuschalten. In den 60ern war es in Westdeutschland nicht unüblich italienische Gastarbeiter als "Spaghettifresser" zu titulieren, Türken wurden noch in meiner Jugend der 80er Jahre immer wieder mit Kümmel oder Knoblauch in "stinkende" Zusammenhänge gebracht. Polen nannte man häufig "Polacken" usw. Das hat doch beträchtlich nachgelassen und das ist gut so.
Blöd nur, dass die PC, nachdem sie ein Feld beackert hat, weiter um sich greift und auf Felder sich ausdehnt, auf denen man sie nicht braucht. Sie ist zum Kampfmittel in Fragen gesellschaftspolitischer Deutungshoheit geworden: Es darf nur der reden, der sich der PC-Sprachkonstrukte bedient.

Monika Medel | Mo, 12. März 2018 - 21:51

"Politisch korrekte Sprache" lässt sich nicht erzwingen. Es mangelt diesem verkrampften Neusprech auch an genauem Sprachgefühl: Diese ach so beliebten substantivierten Partizipien sind doch entsetzlich schwerfällig, werden in der lebendigen Umgangsprache nie und nimmer gebraucht. Sie sind auch ungenau: Ein "Studierender" studiert gerade ein Fachbuch, seine Aufschriebe oder was auch immer. Ein Student kann im Moment auch ganz anderes tun. Auch Menschen, die nie eine Uni von Innen gesehen haben, können gerade Studierende sein, wenn sie sich mit dem Fahrplan, den Zeitungsanzeigen usw. auseinandersetzen. Lebendige Sprache ist renitent und wehrt sich gegen diese Verhunzung, da wird aus einem weiblichen "Auszubildenden" halt umgangssprachlich die "Azubine" .

Antonio Morello | Mo, 12. März 2018 - 22:37

Diese Neo-Sprachgeschwurbler

a) sind nicht in der Lage, zwischen natürlichem und grammatikalischem Geschlecht zu unterscheiden. Ab in die Grundschule.

b) setzen voraus, dass Sprache bis dato schlecht, ungerecht, unsachlich etc. gewesen sei. Ab in den Geschichtsunterricht – und ein paar Fremdsprachen außerhalb des Englischen schadeten auch nicht.

c) verhalten sich wie alle, die sich mächtig glauben, weil sie Sprache verbiegen können. Ab in die Klapse.

d) kennen keine einzige tragfähige Definition von "Moral", weil sie ja selbst definieren wollen, was das sein. Ab ins Philosophiepropädeutikum.

"Neue" Sprache? Auf den Müllhaufen der Geschichte!

Reiner Gehret | Mo, 12. März 2018 - 23:01

Wer von solchem lebt, so wie u.a. der Autor, der mag ja allerlei politisch Korrektes mit aller Macht durchzusetzen versuchen. Meine Abscheu hat er, mehr ist leider nicht drin.

Thomas Bingel | Mo, 12. März 2018 - 23:02

Wer (oder als Frau "Wie"?) sich undedingt diskriminiert fühlen will, die tut das. Und sie findet immer einen Anlass dafür.
Im Übrigen halte ich es mit Marius Jung – als farbiger Deutscher ja wohl über jeden Zweifel erhaben – der in seinem Buch »Moral für Dumme« (ich bitte um Verzeihung, aber so heißt das nun mal) schrieb: "Früher genügte das Wort "Schüler", um die Gesamtheit der Personen zu bezeichnen, die sich zum Zwecke der Wissensaufnahme in einer Lehranstalt aufhielten. Niemand wäre auf die Idee gekommen, daß die Durchsage „Wegen Feueralarm werden alle Schüler gebeten, sich sofort auf den Schulhof zu begeben”, nur für die Jungs galt. Irgendwann aber stellte jemand fest, daß die Mädchen bei dieser Durchsage von Rechts wegen hätten drinbleiben und verbrennen müssen. Also sagte und schrieb man ab nun emsig „Schülerinnen und Schüler”." Warum fällt mir da jetzt der Spruch ein: „Lieber politisch inkorrekt leben, als politisch korrekt sterben”?

Erich Virch | Mi, 14. März 2018 - 10:28

In reply to by Thomas Bingel

Danke für das Jung-Zitat. Ihre Einleitung ist übrigens ein schönes Beispiel dafür, daß "geschlechtergerechtes" Deutsch gar nicht konsequent anwendbar ist:
"Wer … will, die tut das" geht natürlich nicht.

Lilo Start | Mo, 12. März 2018 - 23:32

Sehr geehrter Herr
Auch in ihrem Text wird der Kern nicht berührt.
Wieder redet man aneinander vorbei. Es lässt sich feststellen anhand der Kommentare, dass sich ein Großteil bevormundet fühlt. Der Ton macht hier die Musik. Der Ton der PC ist behördlich autoritär hochtrabend, sich als etwas Besseres dünkend, in der letzten Zeit auf der politisch linken Seite verortet. Die Musik sollte sein, die Moral. Aufgrund der immer wieder angeschlagenen schrillen vorwurfsvollen Töne, ist aus der Moral-Musik nun eine keifende schrille Übermutter geworden.
Sicherlich kann man bei der Behördensprache ohne viel TamTam einiges Verändern. Behördensprache ist ein akzeptiertes autoritäres Abstraktum. Man klappt die Akte wieder zu und wendet sich dem Leben zu. Sprache leben ist Austausch, ist Kultur, ist Kollektiv, ist Erinnerung, ist fehlerhaft, allzu menschlich, ist Verhandlung, ist Spiel! Sie können nur apellieren mit Humor und Menschenliebe! Oder sollen Alle bei falschen Worten verklagt werden?

Holger Stockinger | Mo, 12. März 2018 - 23:37

kapiert offensichtlich weder Shakespeare noch englisch. Einmal Macbeth und zurück! Moralische Aufgeblasenheit (Pardon!) mit Notwendigkeit für korrekt zu halten, ist kokett!

Vielleicht (ohne Empfehlung) findet Herr Stefanowitsch aber in der Türkei seine politisch-moralisch richtige Heimat?

Kurt Schröder | Mo, 12. März 2018 - 23:44

Mit der böswilligen Unterstellung, dass rechte Bewegungen und Parteien menschenverachtendes Gedankengut hätten, verlässt der Autor selbst den Weg der Anständigkeit und daher "besteht Einigkeit, dass hier nicht nur abwertende Ideen geäußert werden, sondern dass dies auch in einer abwertenden Sprache geschieht." Der Autor stellt sich selbst an den Pranger, da sich seine Hetztiraden "gegen die sprachliche Herabwürdigung bestimmter Gruppen richten".

Ulrich Vogel | Di, 13. März 2018 - 00:01

Das moralische und emanzipatorische Anliegen politisch-korrekter Sprache ist ja nachvollziehbar, doch leider nicht immer so leicht umzusetzen, wie die Bemühungen um die geschlechterneutrale Sprache zeigen. Ihre Wortschöpfungen geraten in der Regel zu ungelenken Monstren, die die Lesbarkeit und Sagbarkeit erschweren. Mit ihr verliert eine Sprache ein gutes Stück ihrer Leichtigkeit, ihrer Lebendigkeit - und auch ihrer Poesie. Mit dem Zungenbrecher der "Mitarbeitenden" kommt das Personalbüro vielleich noch zurecht, Arbeiterlieder kann man damit aber nicht mehr singen. Und wenn man im Geschichtsbuch über die Zivilisation alten Ägypter*Innen liest, dann schaut die Gleichstellungsbeauftragte dem Leser die ganze Zeit über die Schulter, da gibt es kein Entrinnen. Das generische Maskulinum dagegen ist kurz und bündig, und mit etwas Fantasie kann man sich auch vorstellen, dass mit den sechzig Millionen Franzosen, die in Frankreich leben, auch die Französinnen gemeint sind.

Dagmar Kluth | Di, 13. März 2018 - 01:12

Der Autor hält ein beredtes Plädoyer für die korrekte Sprache, hat aber wahrscheinlich kein Rezept dagegen, wenn der kleine Türken-Junge einem anderen Kind entgegenbrüllt: "Isch f* Deine Mutta". Wir, die wir uns zeitlebens um eine ordentliche Sprache bemüht haben, sollen in ein sehr enges Korsett geschnürt werden und an anderen Orten findet eine Vergewaltigung unserer Sprache statt, der Einhalt zu gebieten das Gebot der Stunde sein müsste.

Richard Grünert | Di, 13. März 2018 - 05:58

Die Abschaffung des generischen Maskulinums rettet die Welt. Die Nummer ist bekannt.

André Oldenburg | Di, 13. März 2018 - 06:28

Düsterste orwellsche Ideen, wie Neusprech und Doppeldenk kommt einem da nur noch in den Sinn.
Warum soll etwas von einer Gruppe, egal ob Feministinnen, Politikern oder (eigentlich unnützen) Genderwissenschaftlern.
Das ist aus meiner Sicht einfach nur faschistoid.
Das sollte das Volk selber machen, einfach mal "dem Volk aufs Maul schauen".

Frank Domnick | Di, 13. März 2018 - 06:39

Den Inhalt halte ich für Unsinn. M. E. wird Sprache aktuell als kulturelles Kampfmittel zur Durchsetzung einer spezifischen - eben nicht inklusiven - Ideologie benutzt.

Jedoch - vielen Dank für die Veröffentlichung dieses Artikels. Cicero zeigt damit den sonstigen Medien, was Pluralismus, Meinungsfreiheit und Diskursivität bedeutet.

Fritz Friedl | Di, 13. März 2018 - 08:08

Die Qualität einer Zeitung zeigt sich auch an den Lesern. Und hier sind mehrere Kommentare eindeutig klüger geraten als der Artikel. Kompliment an Cicero!

Birgit Fischer | Di, 13. März 2018 - 08:50

Anatol, wer? Der Autor hat nichts begriffen. Das ist nicht schlimm aber offenkundig. Die Realität wird ihn überholen.

Olaf Langner | Di, 13. März 2018 - 10:43

In Enid Blytons 1941 erschienenem Kinderbuchklassiker „The Adventurous Four“ etwa entdecken die Arnold-Kinder (die Mädchen und Jungen erfüllen nach Ansicht der Kritiker stereotype Geschlechterrollenvorgaben) während des Zweiten Weltkriegs einen geheimen U-Boot-Stützpunkt der Nazis*tinnen vor der Küste Schottlands und werden von deutschen Soldat*innen mit Hakenkreuz-Armbinde gefangen genommen. Als das Buch 1969 ins Deutsche übersetzt wurde, machte frau/man aus den deutschen Nazis*tinnen Unpolitische (beiderlei Geschlechts) und Waffenschmuggler*innen ungenannter Nationalität, ...

ist leider nicht 100%ig korrekt hinzubekommen

Wolfgang Tröbner | Di, 13. März 2018 - 10:53

Beim Lesen dieses Artikels merke ich die Absicht des Autoren, mich als Leser erziehen zu wollen, und bin schon allein deshalb verstimmt. Mit Verlaub, wie kommt er darauf bzw. wer gibt ihm das Recht, mir vorschreiben zu wollen, wie ich etwas zu formulieren habe? Oder geht es ihm (und seinen Mitstreitern) primär nur darum, zu kontrollieren, was ich sage?
Deutsch ist eine wunderbare Sprache und es braucht niemand in diesem Lande, der diese Sprache "verbessert". Sprache ist zwar nichts Statisches und einem ständigen Wandel unterworfen. Aber die Impulse für den Wandel kommen immer aus dem Volk, das diese Sprache spricht. Nie durch eine Verordnung von oben. Da kommt nur grauenvoller Funktionärssprech raus, der den Ohren wehtut und den man allein schon aus diesem Grunde ablehnt. Der Autor sollte sich einmal damit befassen, wie Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung vorgegangen ist ("Ihr müsst dem Volk aufs Maul schauen").

Gerhard Weißenberger | Di, 13. März 2018 - 11:20

Gender-Studies sind genauso wie der wissen-schaftliche Sozialismus Pseudowissenschaften.
Diese ideologischen Tugendwächter versuchen zusammen mit den gesinnungsethisch aufgeheizten Medien, dem Volk die reine Sprache zu diktieren. In Schule und Wissenschaft können sie Werdegänge verhindern und zerstören. Öffentliche Verwaltung und Geschäftskorrespondenz folgen im vorauseilenden Gehorsam.
Nachdem das BVG das dritte Geschlecht erlaubte, dürfte das Verlangen dieser Minorität nach Einführung neuer Pronomen, Artikel und Deklinationen im Deutschen nicht lange auf sich warten lassen.
Denk ich an Deutschland in der Nacht....

Sven Bergmann | Di, 13. März 2018 - 12:56

Moral ist etwas Feines.
Kann man eine höherstehende Moral geltend machen, ist das der beste Egoschmeichler aller Zeiten.
Moralisten dieser Art genügt das aber nicht. Etwas Besseres zu sein, hat man erst bewiesen, wenn man damit anderen Menschen vorschreiben kann, was sie zu tun und zu lassen haben. Fängt man damit einmal an, gibt es kein Ende der Vorgaben.

Deswegen gehe ich in jeder Debatte verbal direkt auf solche Leute los, sobald sie anfangen, an mir herumzuzupfeln. Lustig, die sind an Gegenwehr meist gar nicht gewöhnt.

Die Sprache der verbalen Eskalation verstehen sie aber meist schnell.
Das verwundert nicht, ihre gesamte Zielgruppenauswahl beruht auf dem geringsten zu erwartenden Widerstand.

Monika Medel | Di, 13. März 2018 - 13:04

Fahrende sind etwas anderes als Fahrer. Ein Herr Ober ist etwas anderes als eine Oberin. Und herrlich und dämlich sollte man nicht erwechseln. Wie macht man das bei diesen Begriffen mit der politisch-gendergerechten Sprache? Ich brauche dringend Hilfe!

Peter Wagner | Di, 13. März 2018 - 13:40

Unser größtes Problem in Deutschland ist, dass immer mehr Menschen zu uns kommen, die weder politisch korrekt noch unkorrekt Deutsch sprechen! Wir hatten 2016 eine Zuwanderung von ca. 1,8 Millionen Menschen, aber eine Abwanderung von 1,3 Millionen gut ausgebildeter Deutschen. Die meisten haben wahrscheinlich dieses Land verlassen, weil sie die überkorrekte politische Sprache der Politiker und Medien und die daraus resultierenden unverantwortlichen politischen Entscheidungen, nicht mehr ertragen konnten!

Mathias Trostdorf | Di, 13. März 2018 - 15:53

In der "Welt" wurde heute berichtet, daß eine "kampferprobte SeniorIn" vor Gericht durchsetzen wollte, daß die Sparkasse sie mit KundIn statt mit Kunde anspricht. (wogegen ja auch nichts zu sagen ist, da eine entsprechende Anredeänderung in der Sparkassenpost doch auch aufwandstechnisch nur ein geringes Problem wäre).
Da sich viele FrauenrechtlerInnen einerseits sehr für ihre weibliche Identität engagieren, andererseits aber oft große Probleme mit kultureller Identität, Heimat und Vater-bzw. Mütterlnnenland aufzeigen, wäre es mal spannend, ob die Frau auch vor Gericht ziehen würde, um als DeutschIn bezeichnet zu werden?

Ulrich Vogel | Di, 13. März 2018 - 19:59

Natürlich transportieren historische Texte, wie etwa das "Lied der Deutschen", auch zeitgebundene patriarchalische Wertvorstellungen. Solche Zeugnisse der Vergangenheit sollte man aber nicht umschreiben, damit sie retrospektiv die heutigen Maßstäbe der Geschlechterneutralität erfüllen. Schließlich käme ja auch niemand auf die Idee, die Mona Lisa zu retuschieren, damit sie moderner oder emanzipierter wirkt. Dass Verlage in der Vergangenheit Texte verändert haben, macht die Sache nicht besser. Das im Artikel angeführte Beispiel liegt aber fünfzig Jahre zurück, und die Öffentlichkeit reagierte damals noch nicht so sensibel wie heute. Von all denen, die so gerne Gleichberechtigung und Multikulti predigen, wünsche ich mir mehr Gelassenheit und Souveränität im Umgang mit unserer Geschichte. Sie sollten wissen, dass es neben der Vielfalt in der Gegenwart auch eine Vielfalt in der Geschichte gibt. Beides kann für uns eine Bereicherung sein.

Erich Virch | Mi, 14. März 2018 - 10:08

Ein Sprachwissenschaftler sollte schon im ersten Semester begriffen haben, daß die Grammatik ein Gefüge ist, das nicht beliebig an einer Stelle verändert werden kann, ohne das dies Auswirkungen auf den Rest hätte. Herr Stefanowitsch ist aber kein Wissenschaftler, sondern Ideologe. Das belegt das moralische Credo, das er in entwaffnender Offenheit über jede Wissenschaftlichkeit stellt. Entsprechend albern lesen sich seine wissenschaftlichen Einlassungen. Man denke etwa an sein Plädoyer gegen das Wort Flüchtling. Das Suffix -ling, so Stefanowitsch, verleihe Wörtern eine negative Bedeutung, etwa dem Dümmling, Rohling, Sonderling, Wüstling, Schwächling, Kümmerling, Primitivling, Naivling ect. Stefanowitsch fällt nicht auf, daß all diese Wörter auch ohne die böse Endsilbe eine negative Bedeutung haben. An der Silbe liegts nicht, guter Mann. Das weiß jeder, der schon mal einen anderen Menschen Liebling genannt hat.

Cora Steinberg | Mi, 14. März 2018 - 10:46

Sprache -gesprochene und geschrieben - ist dazu da, Kommunikation zu ermöglichen und im Fluss zu halten. Selbstredend ist Sprache einer andauernden Veränderung unterworfen und passt sich dem Zeitgeist an. Schön zu sehen an der jeweiligen Jugendsprache.
Natürlich soll und darf Sprache keine Gruppen (Ethnie, Geschlecht, Religionszugehörigkeit) herabsetzen und entwürdigen. Aber es benötigt auch Fingerspitzengefühl, wie weit eine politisch und gender-gerechte Sprache überhaupt nötig ist. Und natürlich ist dieses Gefühl auch wieder weitgehend subjektiv. Während sich vielleicht manche Bürgerinnen durch Bezeichnungen wie "Friseur", "Bäcker", "Antragsteller" oder "Leser" nicht gewürdigt fühlen, empfinde ich dieses als so nebensächlich, dass ich es nicht einmal bemerke. Ich habe neuerdings natürlich gelernt, dass diese Bezeichnungen männlich dominiert klingen. In meinen Ohren klingen sie in sachlichem Zusammenhang geschlechtsneutral.

Eberhard Rademeier | Mi, 14. März 2018 - 15:08

wie dem Foristen Benjamin Beldea (Kommentar #3). Jeder der sich nicht der PC oder dem Genderismus unterwirft, ist automatisch rechts, rechtpopulistisch, Nazi oder Schlimmeres. Ich habe den Eindruck, der Autor möchte sich mit seinem Text für einen der rund 180 sinnbefreiten Lehrstühle für Gender Studies empfehlen, von denen etwa 90 % von Frauen besetzt sind.