Serie: Exilliteratur - „Deutschland war immer der Ort meiner Träume“

Der syrische Dichter Mohamad Alaaedin Abdul Moula kam vor zwei Jahren als Stipendiat der Hannah-Arendt-Stiftung nach Hannover – und kann sein Glück immer noch kaum fassen. Er schätzt den geistigen Reichtum im Land seiner literarischen und philosophischen Vorbilder

Hannah Arendt (Barbara Sukowa) in einer Szene des Kinofilms „Hannah Arendt“
Szene aus dem Kinofilm „Hannah Arendt“: Die jüdische Philosophin inspiriert Mohamad Alaaedin Abdul Moula / picture alliance

Autoreninfo

Mohamad Alaaedin Abdul Moula, geboren 1965 in Homs, Syrien, schreibt mit seinen Texten über Politik, Religion und die Würde des menschlichen Körpers gegen Tabus seines Landes an. In den letzten drei Jahrzehnten veröffentlichte er dreizehn Gedichtbände, sechs Literaturkritikbände und eine Anthologie syrischer Dichtung. In Kooperation mit dem International Cities of Refuge Network (ICORN) lebte er 2011 bis 2015 in Mexiko, ehe er mit ICORN als Stipendiat der Hannah-Arendt-Stiftung nach Hannover kam. Bild: picture alliance

So erreichen Sie Mohamad Alaaedin Abdul Moula:

Abdul Moula

Viele Syrer spielten schon lange mit dem Gedanken, ihrem Land den Rücken zu kehren – auch ich zählte dazu. Als oppositioneller Dichter litt ich sowohl psychisch, als auch sozial und kulturell unter dem Assad-Regime. Es begann, als ich fünfzehn Jahre alt war, und zwei meiner Brüder 1981 im Wüstengefängnis von Tadmur hingerichtet wurden. Seitdem sah man auch in mir einen Oppositionellen, ich war ständiger Beobachtung ausgesetzt, was sich noch verschärfen sollte, als ich zu schreiben begann und im Kulturbereich aktiv wurde.

Während ich Gedichte schrieb und philosophische Texte las, begriff ich, dass der Geist der eigentliche Hort der Freiheit ist. Denn Freiheit ist in erster Instanz eine innere Haltung sich selbst und in zweiter Instanz der Umgebung gegenüber, angefangen bei der Familie bis hin zum Präsidenten! Während dieser langen Zeit war ich von der Wirklichkeit in dem Sinne abgeschnitten, dass ich mich ihr nicht anpasste. Wie das? Nun, die philosophischen Untersuchungen Heideggers und seine Überlegungen zur Dichtung haben mich dazu ermutigt. Sein berühmtes Diktum „Die Sprache ist das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der Mensch“, wurde zu meiner Methode zu fühlen, zu schreiben und zu träumen.

Die Mauern der Wirklichkeit in Syrien

Ich bezog Position zu meinem Land, zu meiner Wirklichkeit, zu meiner Gesellschaft und lebte gleichzeitig in der Sprache. Ich flüchtete in die Sprache. Ja, ich sah mich selbst als jemanden, der in einem großen Gefängnis namens Syrien eingesperrt war. Ich begriff, dass Gefangene durch ihre Meinungen und Gedanken, ihren Intellekt und ihre Vorstellungskraft zum Ausdruck bringen und so Formen des individuellen Widerstands gegen Willkür und Unterdrückung entwickeln können. Und so wie Gefangene in einem echten Gefängnis gegen die Mauern stoßen und von Foltertermin zu Foltertermin geschleppt werden, stieß ich in dem Gefängnis namens Syrien an die Mauern der Wirklichkeit, der Ethik, der Herrschaft, an die Mauern seiner Sprache, seiner Institutionen und seiner Ideologen.

Meine Seele hat sich daran aufgerieben und der Schmerz darüber erfüllte mein ganzes Sein, weil ich in einem Land lebte, in dem es kein Leben gibt, außer für eine widerspenstige Phantasie, deren Krallen sich in dich hineinbohren und deine Beziehungen zu allem und jedem um dich herum vergiften. Willst du dich wirklich durch deinen Verstand, das heißt durch dich selbst von dir selbst befreien? Dann wirst du dies teuer bezahlen. Eines Tages sagte ich mir: Ich will es nicht mehr, ich werde mich nicht weiter opfern. Ich will hier nicht mehr leben.

Über Mexiko nach Deutschland

So beschloss ich, einen Weg zu suchen, um aus Syrien herauszukommen. Den hatte ich gefunden, als ich das erste Mal mit der Organisation Icorn (International Cities of Refuge Network) in Kontakt trat, die Schriftsteller aus Diktaturen in ihre Obhut nehmen. Diese Organisation hilft Betroffenen, ihr Land zu verlassen, und bringt sie in Länder, in denen sie eine Geschäftsstelle unterhält. Anfangs hatte man mir Schweden vorgeschlagen. Schließlich landete ich in Mexiko, wo ich von einer Organisation namens Casa Refugio Citlaltépetl aufgenommen wurde. Dort blieb ich viereinhalb Jahre, bis ich einem hohen Verantwortlichen von Icorn begegnete. Dieser eröffnete mir, dass man mich nach Deutschland schicken werde. Ich schaute ihn mit aufgerissenen Augen an: „Deutschland? Ich gehe nach Deutschland?“ Er nickte.

Deutschland war für mich nicht nur das Traumland, in dem ich leben wollte, es war so viel mehr. Spanien, Frankreich, Brasilien, all diese Länder hätte ich mir vorstellen können. Aber Deutschland, der Gipfel philosophischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Denkens? Der Gipfel dessen, was ein Schriftsteller sich nur wünschen kann, um sich literarisch und kulturell zu bilden, um sein ästhetisches Empfinden und logisches Denken weiterzuentwickeln. Doch so kam es, obwohl ich nicht einmal im Traum gedacht hatte, dass ich jemals den Boden dieses Landes betreten würde.

Hannah Arendt als maßgebliche Instanz

Ich bin als Hannah-Arendt-Stipendiat nach Deutschland eingeladen worden. Hannah Arendt wurde in der Nähe des Hauses, in dem ich gerade diese Zeilen schreibe, geboren. Ist es ein Zufall, dass gerade ein syrischer Autor ein Stipendium erhält, das den Namen dieser berühmten deutschen Theoretikerin trägt; einer Denkerin, die vor allem über Begriffe wie Exil, Flüchtling, Revolution, Freiheit und Totalitarismus nachgedacht hat, und die als Jüdin vor dem Holocaust nach Amerika geflohen war? Hannah Arendt wurde im politischen Diskurs der arabischen Länder, insbesondere während des arabischen Frühlings und angesichts seiner Begleitumstände Gewalt, Mord, Demonstrationen und die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Militär zu einer maßgeblichen Instanz.

Das Schicksal musste es gut mit mir meinen. Es wäre gar nicht möglich, dass ich Hannah Arendt keine besondere Beachtung schenkte, als Syrer, der vor Unterdrückung und Verfolgung aus seinem Land geflohen ist, vor einem Regime, das den totalitaristischen Regimen, die Arendt in ihren Forschungen beschreibt, genau entspricht. Die Parallelen zu den Analysen meiner jüdischen Nachbarin in Hannover sind unübersehbar. Ich kann nicht mehr an ihrem Haus vorbeigehen, ohne in Gedanken mit ihr zu reden und ihre damalige Lage mit meiner und jener anderer Flüchtlinge aus Syrien zu vergleichen. In der Folge habe ich einen Gedichtband begonnen, der 42 Gedichte enthält, die meine Gefühle und Gedanken, die ich in der Auseinandersetzung mit Hannah Arendt entwickelt habe, zum Ausdruck bringen. Soviel ich weiß, ist es das erste Mal, dass ein arabischer Dichter ein Buch schreibt, das dem poetischen Dialog mit einer europäischen Philosophin gewidmet ist.

Krasse Unterschiede zwischen den Kulturen

Doch die Rede von den Gemeinsamkeiten schließt nicht aus, dass man auch die objektiven und historischen Unterschiede genau bestimmt. Die Deutschen, die in andere europäische Länder oder nach Amerika flohen, sind nicht einfach gleichzusetzen mit den syrischen, irakischen, afrikanischen oder aus anderen islamischen Ländern kommenden Flüchtlingen. Die meisten deutschen Flüchtlinge, die in eine andere Gesellschaft flüchteten, stießen sich nicht besonders an den Eigenheiten der Aufnahmegesellschaften und ihrer Kulturen. Zumindest waren Deutsche – als Teil einer europäischen Identität – Bürger eines Landes, das sehr unter den aktuellen gesellschaftlichen Problemen und Krisen litt, die in den arabischen und islamischen Ländern aber bereits chronisch geworden sind. All diese arabisch-islamischen Länder vereint nämlich der Umstand, dass sie nicht fähig sind, eine funktionierende, laizistische und an Gesetze gebundene Zivilgesellschaft aufzubauen.

Damit sich Menschen, die in einem anderen Land sesshaft werden wollen, anpassen und integrieren können, müssen sie die Kultur und die Lebensweisen des sie aufnehmenden Landes sehr gut kennenlernen. Sie müssen in gewisser Hinsicht bereit und fähig sein, sich geradezu neu zu definieren, ein erneuertes Bewusstsein von sich selbst, der Welt um sie herum und ihren Werten zu entwickeln, damit sie sich in die neue Gesellschaft integrieren können. Wie viele Flüchtlinge sind dazu in der Lage?

Wie gelingt Integration?

Normalerweise wählt ein Flüchtling ein sicheres und stabiles Land, in dem im Vergleich zu anderen Ländern ein höherer Grad an Wohlstand herrscht. Und er fragt sich: Was muss ich tun, um an diesem Wohlstand auch teilzuhaben? Reicht es, die Sprache zu erlernen? Eine Arbeit zu finden? Soziale Kontakte zu knüpfen? In Lokale zu gehen, wo man sich vergnügt und sich zerstreut? Tun das die meisten Flüchtlinge nicht schon? Warum verüben aber auch einige Flüchtlinge terroristische Akte? Warum ersticht ein Flüchtling einen anderen Flüchtling? Warum belästigt ein Flüchtling ein deutsches Mädchen sexuell unter dem Vorwand, sie hätte ihre körperlichen Reize offen zur Schau gestellt? Warum geschieht so etwas, obwohl die Flüchtlinge den vorgesehenen Integrationsprozess ordnungsgemäß durchlaufen haben?

Für mich ergibt sich daraus die dringende Notwendigkeit, darüber nachzudenken, was Integration eigentlich bedeutet. Diese grundlegende Frage wird bei der Planung von integrativen Prozessen zu wenig berücksichtigt. Sie legt die krassen Unterschiede zwischen den beiden Zivilisationen und Kulturen offen, die nicht auf die Schnelle beseitigt werden können. Diese zeigen sich in unterschiedlichsten Zusammenhängen und um sie zu verstehen, muss man psychologische und soziologische Perspektiven einnehmen.

Deutsche Geistesgeschichte als Inspirationsquelle

Nun aber wieder zu mir: Wenn ein Flüchtling Schriftsteller, Dichter, Künstler, Musiker, Maler oder Romancier ist, dann gehört er natürlich zu den Privilegierten. Ich profitiere auf ideeller, literarischer und geistiger Ebene, denn ich kann auf die poetischen, erzählerischen, philosophischen, musikalischen und malerischen Erfahrungen von anderen zurückgreifen.

Ich lese deutsche Dichtung in Übersetzung wie zum Beispiel von Goethe, Hölderlin, Rilke, Georg Trakl, Paul Celan, Ingeborg Bachman, aber auch zeitgenössische Dichter wie Joachim Sartorius. Unablässig verfolge ich neu erschienene Übersetzungen deutscher Dichtung. Ich erfreue mich an der Lektüre deutscher Romane von Thomas Mann, Hermann Hesse, Günter Grass, Patrick Süskind und Herta Müller. Von deutschen Philosophen habe ich nahezu alles gelesen, was übersetzt wurde, angefangen bei Kant und Hegel bis hin zu Nietzsche, Husserl, Heidegger, Arendt und Habermas.

Als Schriftsteller wurde ich in meinem Land nicht geachtet. Ich werde der Frage weiter nachgehen, was meine neue Situation in Deutschland, meine Dichtung und mein Schreiben mit mir macht, denn ich finde hier ideale organisatorische und rechtsstaatliche Bedingungen vor. Ich habe die Gelegenheit, mich durch die Teilnahme an Literatur- und Poesiefestivals und ähnlichen Veranstaltungen in deutschen Städten mit der hiesigen Gegenwartsdichtung vertraut zu machen. Auch die vielen Gespräche mit deutschen Dichtern und Lesern, die an Dichtung interessiert sind, inspirieren mich sehr. Ich schrieb Dutzende Gedichte, die das Ergebnis einer neuen Phase in meinem Denken und meinem Dichten sind. Ich versuche, die Eindrücke des neuen Ortes auf mich wirken zu lassen, so dass Gedichte entstehen, die dieser neuen Situierung gerecht werden. Denn der Ort spricht zu mir mit seiner ganz eigenen Philosophie, seiner Art, sich zu äußern und seiner Kultur. Was ich hier tue, wäre in Syrien nicht möglich gewesen.

Deutschland ist kein Neuland

Ich kann nicht verhehlen, dass mich die deutsche Philosophie und Dichtung in den Bann geschlagen hat. Ich verheimliche nicht, dass ich als Verfasser von Gedichten mehr von Hegel gelernt habe als von Literaturkritikern. Als ich das erste Mal mit dem Zug in Deutschland unterwegs war und aus dem Fenster die grüne Landschaft betrachtete, war ich zutiefst berührt und es traten mir Freudentränen in die Augen. Ich konnte nicht fassen, dass ich durch jene Landstriche fuhr, in denen einst Hegel, Nietzsche, Hölderlin, Rilke und Heidegger wandelten.

Ich bin kein Flüchtling, der in ein Land gekommen ist und es jetzt kennenlernen muss. Dieses Land war für mich schon immer ein unendliches Feld voll von Wissen, Ideen und ästhetischen Genüssen. Ich bin ein Flüchtling, der sich wie ein Kind an der Kreativität und den Kreativen erfreut, der all diese Geister umarmen und mit ihnen losfliegen will. Ich bin kein Deutscher, aber Deutschland ist Teil meiner Identität.

Aus dem Arabischen übersetzt von Hakan Özkan. Lektoriert von Bettina Baer.

Dieser Text wurde im Zusammenhang des Projekts „Ankunft. Literarische Reportagen von geflüchteten Autoren“ der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. geschrieben. Damit soll Autoren, die in den vergangenen Jahren aus Krisengebieten nach Deutschland gekommen sind, aber bis jetzt nicht oder nur wenig in Deutschland publizieren konnten, ein Forum in der deutschen Öffentlichkeit gegeben werden. Ausschnitte der Reportagen wurden beim diesjährigen internationalen literaturfestival berlin gelesen.

Auf Cicero Online präsentieren wir die Texte in einer Serie. Dies ist der zweite Teil, den ersten und dritten Teil finden Sie hier und hier.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 3. November 2017 - 14:00

So habe ich empfunden als ich in Dresden leben durfte, überhaupt die ehemalige DDR betreten durfte.
Für meine Kinder wird es Normalität sein, ich weiss nicht wie oft ich Tränen des Glücks in den Augen hatte.

Dr. Roland Mock | Sa, 4. November 2017 - 10:59

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

Als Sie „die ehemalige DDR betreten durften“????? Ja dann muß ich doch noch einmal mein Geschichtsbild überdenken und nachforschen, wer die Mauer gebaut hat und von welcher Seite man dort erschossen wurde.

Claudia Martin | Fr, 3. November 2017 - 15:39

Es scheint mir eine Frage der Zahl zu sein. Ab einer nennenswerten Größenordnung ist Integration nicht mehr notwendig. Es bilden sich Parallelgesellschaften die auch wiederum das Einwanderungsland beeinflussen. Natürlich spielt hier auch der Faktor Zeit eine Rolle. Neu ist das natürlich nicht. Die aktuell wichtige Frage für eine Gesellschaft ist, an welchem Punkt sie sich gerade befindet. Auf D bezogen kann man sicherlich sagen, dass es hierzu momentan keine einheitliche Einschätzung gibt. Schafft sich D ab? Hat es sich schon abgeschafft? Oder alles nur Quatsch?

Christa Wallau | Fr, 3. November 2017 - 16:06

Dieses Bekenntnis eines syrischen Autors/ Poeten
macht deutlich, wo es die von unseren Gutmenschen so vielgepriesene "Buntheit" der Menschen geben kann: N U R in einem geistigen Raum, der Sprachgrenzen überwindet, Kulturen und musische Tätigkeiten (Poesie, Musik, Malerei usw.) pflegt und in dem ein ergebnisoffener, Gedankenaustausch stattfindet.

Jeder weiß, daß es stets nur eine kleine Minderheit der Menschen ist, die es auf ein geistiges Niveau schaffen, auf dem sie sich als Weltbürger begegnen können.
Die meisten Menschen brauchen den Schutzraum der Heimat, in der sie sozialisiert wurden und in der jeder ohne freies, selbständiges Denken und Arbeiten sich unter seinesgleichen wohlfühlen kann. Sonst droht Entwurzelung!
Und diese "Heimaten" passen eben nicht zueinander, was die Migration zu einem
Problem für alle werden läßt, die nicht zur Schicht derer gehören, die geistig miteinander kommunizieren.
Von solchen Leuten ist unser Land - dank Merkel -
leider geflutet worden!

wolfgang spremberg | Fr, 3. November 2017 - 16:39

mit dem Herren könnte ich stundenlang "quatschen", über Gott und die Welt.
Sind seine Probleme gelöst wenn er bleiben darf ? Die wichtigsten wohl schon. Haben wir ein Problem mit ihm ? Ich jedenfalls nicht.
Und wie geht es jetzt weiter ? Die Netten kommen, die Fiesen bleiben ? Und wenn ganz, ganz viele Nette kommen (es gibt sehr viel Nette), nicht nur aus Syrien, nicht nur aus der arabischen Welt, was machen wir dann ?
Und die arabische (islamische) Welt ist quasi gescheitert ? Ich fürchte da hat er auf absehbare Zeit recht. Und nun ?
Schotten dicht ? Das ist zwar vernünftig, aber pöse....

Renate Genth | Fr, 3. November 2017 - 17:54

Nicht zu fassen, daß es so etwas noch gibt. Die Haltung findet sich auch unter den zeitgenössischen Deutschen selten. Diesen Herrn würde ich gern kennenlernen. Denn mich bewegen die gleichen Vorlieben und Gedanken. Und Hannah Arendt ist auch für mich ein Kompaß geworden.

Karin Zeitz | Fr, 3. November 2017 - 19:14

die Deutschland als das sehen, was es ist: das Land der Dichter und Denker, ein Land mit einer Kulturlandschaft und vielen fleißigen Menschen. Leider sind viel zu viel von den anderen gekommen, denen nur die materiellen Werte wichtig sind und die weder willens noch in der Lage sind, sich mit diesem Lande zu identifizieren.

Benjamin Beldea | Fr, 3. November 2017 - 20:03

Sehr geehrter Herr Moula, Sie sind ein Gelehrter und mir als Hegel-Fan ein Bruder im Geiste. Aber genießen Sie das Deutschland, das Sie bewundern, so lange es noch besteht. Denn zu viele derer, die als "Flüchtlinge" hergekommen sind oder in dritter Generation aus dem islamischen Kulturkreis hier leben, haben weder Ihre Sozialisation noch Bildung. Über die ständigen Nachrichten von Kriminalität barbarischen Ausmaßes kann man nur noch weinen. Wer schlau ist, flüchtet bald von hier ...

Brigitte Hesse | Sa, 4. November 2017 - 07:30

Ach bitte schicken Sie doch diesen Artikel dringend an die Staatsministerin Özoguz, die da behauptet hat, wir, die hier immer schon hier leben, hätten keine eigene Kultur.
Und wenn machbar, auch Herrn Yüzel, der bedauerlicherweise in der Türkei in Haft ist, dem ich aber seinen Beitrag in der taz: Super, Deutschland schafft sich ab! mit dem Satz: "Der baldige Abgang der Deutschen ist Völkersterben von seiner schönsten Seite" und "deren Sprache nur verklemmtes, grobes oder klinisches Vokabular zu bieten hat" niemals verzeihen kann.

Bernhard Kraetzig | Sa, 4. November 2017 - 10:54

Bei allem Respekt; Größtenteils erscheint mir ihr Text wie eine Lobhudelei auf ein Land, in dem anscheinend kulturelle Milch und ästhetischer Honig fließen. - Durch die von Ihnen beschriebenen Landschaften taperten aber eben auch Hitler, Göring, Heydrich, Dr. Freissler, Dr. Goebbels und Co...
Was ist die Kultur als Ergebnis von Kultiviertheit, von Zivilisiertheit, von der Freiheit und Relevanz eigener und kollektiver Gedanken und Empfindungen und der daraus resultierenden Vielfalt aller „Selbst-Verständlich-keiten“ im täglichen Leben denn noch wert, wenn jede eigenverantwortlich grundierte Selbstverständlichkeit durch eine Vielzahl von Vorschriften entwertet, zertrümmert und anschließend in der Ökonomie entsorgt wird ?
Nein, nein, in Deutschland hat die Kultur keine gesellschaftliche Relevanz mehr, das haben Verwaltungsvorschriften übernommen; machen Sie sich bitte keine Illusionen. Fack ju Göhte !

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 4. November 2017 - 11:07

unseres Landes erklären, ALLE Verehrer unserer Kultur hierherzuholen.
Auf der Ebene des Wohlstands tun dies die Migranten auch.
Mit-Entscheidend bleibt dann doch wie hoch die anderen Anteile der Identität des Autors sind, was sie ausmachen?
Wohin also geht seine Reise?
Der Großteil der Bevölkerung möchte hier auch kein durch unsere Kultur bereichertes Syrien.
Die Schaffung des Staates Israel war trotz der jetzt folgenden Schwierigkeiten der Beginn der Befreiung der Juden wieder zu sich selbst anstelle des Überwintern in der Diaspora mit allen Risiken.
Hochzivilisierte Länder bieten nun quasi Inseln des Selbst statt Not der Diaspora?
Ist das wirklich so oder wären diese Länder nicht interessiert daran, zu einer Gesellschaft zusammenzuwachsen?
Deutschland als Pension oder Hotel ist wirtschaftlich kein Beinbruch, aber die Kosten sind durchaus eine Frage.
Wir entschärfen Konflikte unbezahlt UND alimentiert bei uns.
Ich halte es für unrealistisch.
Bequem für das Machen Anderer

Ursula Schneider | So, 5. November 2017 - 10:01

Ein Syrer, der sich in die deutsche Philosophie und Literatur verliebt hat und den Geist als "eigentlichen Hort der Freiheit" entdeckt - der sich in die Sprache flüchtet und sich so trotz Unterdrückung und Verfolgung, Schmerz und Verlusten den Sinn für das Schöne, die Freude und das Humanum bewahren kann. Ein arabischer Dichter, der erstmalig einen poetischen Dialog mit einer europäischen Philosophin unternimmt ...

Moula sieht auch klar die "krassen Unterschiede" zwischen den Kulturen und muss konstatieren, dass es den arabisch-islamischen Ländern bisher nicht gelungen ist, eine laizistische, an Recht und Gesetz gebundene Gesellschaft aufzubauen. Das macht Integration zu einem schwierigen Problem.

Ich musste dabei unwillkürlich an unsere Bundesbeauftragte für Integration, Aydan Özoguz, denken, welche die Existenz einer speziellen deutschen Kultur schlichtweg bestreitet und "Leitkultur" für einen ideologischen Kampfbegriff hält.

Da liegen wahrlich Welten dazwischen!

Juliana Keppelen | So, 5. November 2017 - 18:49

viele Menschen träumen von Deutschland. Zum Beispiel viele Frauen in Bangladesh die für einen Hungerlohn und quasi rechtlos so tolle Kleidung für uns nähen. Allerdings ich gebe zu mit Hanna Arendt haben sie nicht viel am Hut nicht weil sie nicht wollten sondern weil sie nicht können nach einem 12 Stunden Tag 7 Tage die Woche dazu noch Haushalt und Kinder (und unterdrückt vom Mann und dessen Familie). So gesehen gehört unser syrischer Autor der Hannah Arendt liebt zu den privilegierten.

Frank Reichelt | Mo, 6. November 2017 - 05:15

Wie andere bereits schrieben: Solche Worte der Wärme und Verbundenheit, der Wertschätzung und Sehnsucht, liest oder hört man nur selten.
Aber wenn, am ehesten von jenen Menschen, welche, wie Herr Moula, die von uns selbst so häufig vergessenen, ignorierten oder verlogenen Schätze, Kleinode und Werte unserer Kultur, unserer Geschichte und unseres Erbes für sich entdeckten.
Das was und wie Herr Moula es hier schreibt, müsste so viele meiner Landsleute - Deutsche - vor Scham in Grund und Boden versinken lassen. Jene nämlich, die noch nicht einmal im Ansatz um den Wert dessen wissen, geschweige denn verstehen, welch Unersetzlichkeit ihnen in die Wiege gelegt wurde. Stattdessen, dem "letzten Menschen" gleich, höhnen sie, treten mit Füßen darauf, lassen dem Gift der Beliebigkeit freien Lauf.
Herr Moula möge die letzten Funken dieser schwindenden Glut hüten und bewahren. Wir selbst scheinen dessen weder fähig ... noch würdig.
- Finis Germaniae -

Bernhard Jasper | Mo, 6. November 2017 - 11:52

Wer das würdigen kann, der kann ja nur aus der arabischen Welt fliehen. Der Autor hat die Freiheit von Kunst und Wissenschaft erkannt und schätzen gelernt. Gibt es eigentlich Individualität und Persönlichkeit im arabischen Raum? Darf man dort die Wahrheit kritisieren? Die Würde des Menschen ist unantastbar, wie es in unserem Grundgesetz steht.

Dank an den Autor für seine Worte

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 6. November 2017 - 15:07

Mittlerweile ist mein Heimatland zum Land der Alpträume geworden...es wird mir immer fremder. Ich fühle mich nicht mehr 'heimisch' im eigenen Land. Das Gefühl der Vertrautheit, des Aufgehoben seins geht abhanden...

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 7. November 2017 - 12:24

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

eine Weile in den USA gelebt haben?
Da bekommt man doch - zwar weit hinter sich gelassen, aber immerhin - jede Kultur der Welt als Zipfel noch mit und Sie fühlen sich im Ernst fremd hier?
Ich glaube die Verbitterung über die m.E. politische Unverfrorenheit Merkels resultiert evtl. daraus, dass Merkel weder Inhalte, s. den niedlichen Cartoon noch wirklich eine Kultur erkennbar werden lässt, aber hier in Deutschland selbst der `Geringste der Brüder und Schwestern´ ein Teil von einer ist, die sich sonst nirgendwo zeigt.
Man kann über alle Schattierungen Teil dieser Kultur werden, nicht aber nur durch Lesen, Mitlaufen etc.
Die Deutschen verfügen über eine hohe gesellschaftliche Intelligenz, weshalb man ihnen nicht auf Dauer ein X für ein U vormachen kann. Das ist im Übrigen so überhaupt nicht Deutsch alike, wenn ich so sagen darf.
Es wurde arg deutlich in der Flüchtlingskrise, die immer mal etwas anderes war.
Politisch könnte Merkel so nur schwer ankommen, wohin sie auch will.

Bernhard Jasper | Mo, 6. November 2017 - 15:57

Ich bestehe auf meiner Individualität. Ich bin ich. Sie sind sie. Ich bestehe auf Unterscheidung, denn erst durch die Unterscheidung kann ich andere respektieren. Ich unterscheide mich ebenso auch von z.B. Holländern; Franzosen, Italienern etc..
Nur wenn wir das können, diese Differenz sehen und herausarbeiten, haben wir unsere Identität (die natürlich auch kulturgeschichtlich betrachtet europäisch ist) erarbeitet.

Politik will alles Gleichschalten mit ihrer Dummheit und ihrem Wahnsinn und zerstört dadurch eine vielfältige Kultur.

Wie wahr...und ich ergänze; ich bestehe auf meiner (deutschen) uneingeschränkten Identität.

Wann hat, Ihrer Meinung nach, unsere Zivilisierung begonnen? Und wie erfolgt Zivilisierung? Wie geht das vor sich? Vor 100 Jahren sah man die Grundlagen UNSERER Zivilisation ganz anders - jüdisch-christlicher Geist - das ist nach meinem Dafürhalten eine Erfindung des postmodernen Feuilletons und der politisch Hyperkorrekten. Vor 200 Jahren sah man die Grundlagen wiederum anders... usw. usw..

Bernhard Jasper | Di, 7. November 2017 - 11:07

Zivilisation - das ist Befriedung und Zähmung der Kulturen. Wann hat das begonnen? Mit dem alten oder neuen Testament, oder mit der Aufklärung? Darüber kann man streiten.

Nur in Deutschland sagt man „Kultur“ und meint „Zivilisation“. In der englischen und französischen Tradition bevorzugt man den Begriff der Zivilisation, meinte damit aber alles, was zu kulturellen Phänomenen gehört. "Cultivation", ist dort die individuelle/ persönliche Bildung.

Zivilisationen sind das Rechtssystem mit der Idee der Menschenrechte, Institutionen, öffentliche Verkehrsformen, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsversorgung, innere und äußere Sicherheit. Zivilisationen sind ebenso Infrastruktur, Technologie und Wissenschaft. Die Kunst, wiewohl in anthropologischer Hinsicht religiösen Ursprungs, kann ebenso zu einer zivilisatorischen Ordnung beitragen.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 7. November 2017 - 12:36

In reply to by Bernhard Jasper

Hallo, Ihre Antwort stellt mich nicht zufrieden. In D. bedeuteten Kultur und Zivilisation zwei unterschiedliche Inhaltsbereiche.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 7. November 2017 - 13:05

In reply to by Bernhard Jasper

Wenn Sie im Mittelalter den damaligen Zeitgenossen gesagt hätten, ihre Kultur und Zivilisation beruhe auf jüdisch-christlichen Werten, man hätte Sie durch die 'Stadtore gejagt'...jüdisch hätte man abgelehnt...

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 7. November 2017 - 12:41

zivilisiert waren Babylon, Ur, Sumerer, die Hethiter und Ägypter, die Maya, Azteken etc. auch...nur Menschenrechte in unserem Sinne... kannten die nicht. Also, ist diese retrospektive Sicht/Beurteilung aus heutigen Moralstandards gesehen, methodisch falsch. Das ist, was der postmoderne Feuilleton und die Grünen z.B. gerne tun... und dennoch grundfalsch machen.

Bernhard Jasper | Di, 7. November 2017 - 12:56

Hallo Herr Dr. Sukstorf,

ja, im Begriffs- und Sprachgebrauch. Der Begriff "Leitkultur" zum Beispiel, führt dabei in die irre. Friedrich Merz hat das später auch einmal präzisiert und meinte eigentlich als ausgebildeter Jurist "Zivilisation".

Ich bin zwar kein Jurist, aber ebenso ein Anhänger unseres Rechtssystems (Wertesystem)

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 7. November 2017 - 17:33

In reply to by Bernhard Jasper

Ich bin weder ein Anhänger des Begriffes Leitkultur, noch unseres Rechtssystemes, weil letzteres geradezu überliberalisiert wurde, um nicht zu sagen, an manchen Stellen geradezu 'pervertiert'. Ich könnte viele Beispiele anführen, um dies zu belegen; nur eins sei angeführt, Sozialisierung (nach dem Prinzip: Chancen geben zur Wiedereingliederung), Erziehung ist keine genuine Aufgabe der Justiz - und dritte, vierte, fünfte Chancen einzuräumen ist auch nicht Sache der Justiz - all das halte ich für unangebracht, um es höflich zu umschreiben. Die Justiz versagt in der Rechtsprechung gegen z.B. so etwas wie No-Go Areas...usw...Oder im privatrechtlichen Bereich, das Thema 'Haftung' ...mein Fazit...seltsam, absonderlich, fremd...kurzum, es gibt zu viel Juristen

Bernhard Jasper | Di, 7. November 2017 - 15:52

Juden als religiöse und soziale Gruppe sind im Gebiet des deutschen Reiches seit dem 11. Jahrhundert in größerer Zahl nachgewiesen. Als Freihandelskaufleute mit Beziehungen nach Osteuropa und in den Mittelmeerraum- damals der wichtigste Treffpunkt der Religionen und Kulturen. Juden lebten schon in den im Aufschwung befindlichen Städten wie Köln, Mainz, Worms, Speyer und Regensburg. Ihr Beitrag war bedeutend. Mit Ausnahme von Goslar kommen Juden erst in Norddeutschland ab dem 13. Jahrhundert vor.

Juden galten als Fremdgruppe und wurden 1236 zu kaiserlichen „Kammerknechten“ erklärt. Auch entstand seit dem 1. Kreuzzug von 1096 eine bedrohlich werdende Judenfeindlichkeit von Seiten der christlichen Bevölkerung. In der Folgezeit, also das späte Mittelalter, erfolgt die Vertreibung aus den Städten, bis fast alle Juden aus deutschen Städten verschwunden waren. Es gab aber nicht nur Verfolgung und Leid, sondern auch der gegenseitigen Beeinflussung und Bereicherung.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 7. November 2017 - 17:23

In reply to by Bernhard Jasper

wenn Sie die Menschen im MA hätten fragen können, ob die etwas jüdisches in ihrem kultur- und zivilsatorischen Empfinden haben, die hätten Sie ausgelacht...

Bernhard Jasper | Di, 7. November 2017 - 16:36

Ist es nicht ein Witz der Geschichte, dass „der Westen“ erst jetzt wieder damit beginnt (auch bedingt durch die Flüchtlinge) die Frage zu stellen, woher komme ich und wohin gehe ich?

Damit möchte ich zunächst dieses Kapitel schließen und bitte von Rückfragen abzusehen, denn ich weiß es abschließend auch nicht. (weiterführende Forschung ist erforderlich).

Lena Naumann | Mo, 13. November 2017 - 11:56

Der Beitrag dieses syrisches Dichters zeigt, wie wichtig eine innere Integrationswilligkeit für eine gelingende äußere Integration in das Gastland ist. Dieser Mann war schon in Deutschland erfolgreich "integriert", noch bevor er unser Land überhaupt betreten hat - weil er unserer Kultur eine sehr hohe Wertschätzung entgegenbringt. Solche Menschen sollten wir unbedingt willkommen heißen!
Doch frage ich mich, wie äußere Integration gelingen kann, wenn aufgrund einer in Kindheit und Jugend erfahrenen "Gehirnwäsche" durch den Koran innere Ressentiments gegen Gesellschaft und Kultur westlicher Staaten vorhanden sind. Muslime, die nicht wirklich aktiv an der Überwindung dieser Ressentiments arbeiten, sind möglicherweise in unsere Gesellschaft nie ganz integrationswillig und -fähig.

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