Dokumenationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg / dpa

Bundestag berät über Neubau - Neues NS-Dokumentationszentrum in Berlin: glückliche Schuld

Während die Ukraine um Hilfe gegen russische Angriffe bittet, plant die Bundesregierung ein riesiges Dokumentationszentrum zur Besatzungspolitik der Wehrmacht mitten in Berlin. Mit knapp 15.000 Quadratmetern soll das Zentrum der mit Abstand größte Neubau in Deutschland zum Gedenken an NS-Verfolgte werden. Die Kosten des Projektes sprengen alles bisher Dagewesene, aber auch inhaltlich ist das Konzept in vielerlei Hinsicht problematisch.

Autoreninfo

Hubertus Knabe ist ehemaliger Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und Autor des Buches „Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen“ (Propyläen).

So erreichen Sie Hubertus Knabe:

Das Museum für die Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg hat eine neue Aufgabe: Seit der russischen Invasion am 24. Februar sammelt es hauptsächlich Artefakte des aktuellen Krieges. In einer neuen Ausstellung namens „Gekreuzigte Ukraine“ wird seit einigen Tagen die letzte blau-gelbe Fahne aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol gezeigt. Und in einem Gedenkraum, der an die bislang mindestens 272 getöteten Kinder erinnert, werden deren Habseligkeiten ausgestellt, die Museologen in der Nähe von Kiew fanden.

Auch die deutsche Bundesregierung will jetzt an die zivilen Opfer des Krieges erinnern – allerdings nicht an die des russischen Feldzuges gegen die Ukraine, sondern eines Krieges, der vor mehr als 77 Jahren zu Ende ging. Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, beschloss das Kabinett am 4. Mai bei einer Klausur, ein „Dokumentationszentrum Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in Europa (ZWBE)“ zu errichten. Damit solle die „Erinnerung an die deutsche Verantwortung für den furchtbaren Zweiten Weltkrieg und die Folgen der deutschen Besatzungsherrschaft“ wachgehalten werden, so Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Christoph Kuhlmann | Do, 23. Juni 2022 - 08:48

Politisierung des Wissenschaftsbetriebes. Es geht mehr um Schuldzuweisung als um Erkenntnisgewinn oder Aufklärung. Zudem wird bewusst mit zweierlei Maß gemessen. Orts- und zeitnah erfolgte Massenmorde werden selektiv je nach ethnischer Zugehörigkeit der Täter dargestellt. Man stellt die Kriterien des Nationalsozialismus auf den Kopf bleibt aber im Rahmen der ethnischen Differenzen, welche die Logik strukturieren. Die moralische Bewertung der Motive die Darstellung von Taten und Tätern. Wobei die Motive nicht hinterfragt sondern pauschal unterstellt werden. So wie das Dokumentationszentrum hier beschrieben wird, trägt es weder zu Aufklärung und Reflexion noch zum Erkenntnisgewinn bei. Andererseits besteht eine gewisse Notwendigkeit der Glorifizierung der Leistung der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg etwas entgegenzusetzen. Die prosperiert, ist finanziell unabhängig und bedarf keiner staatlichen Alimentierung. Die Schattenseiten für die Soldaten werden dabei regelmäßig ausgeblendet.

Helmut Bachmann | Do, 23. Juni 2022 - 09:15

in diesem Kult der Schuld steckt mehr Größenfantasie als zu ertragen ist. Germanozentriert eben. Holzschnittartiges Geschichtsbild statt echter Erforschung. Wieso nimmt das Niveau der Beschäftigung mit der NS -Zeit und dem 2.WK stetig ab?

Walter Bühler | Do, 23. Juni 2022 - 09:33

.... solche Einrichtungen zum wohligen Gruseln der Besucher wurden in meiner Kindheit und Jugend sehr geschätzt.

Ich glaube allerdings, dass solche Einrichtungen im jetzigen Zeitalter der Horror- und Monsterfilme sowie der unzähligen Weltuntergangsphantasien in den Medien, in den Streaming-Diensten und in der Kunst an Einfluss verloren haben.

Ich würde es daher heute für besser halten, wenn man in Berlin nicht mehr so stark auf den Grusel-Tourismus setzen würde. Berlin könnte auch auf viele positive Seiten seiner Geschichte rekurrieren, allerdings wäre dazu mehr kreative Phantasie nötig als beim wohlfeilen Wiederkäuen der bekannten deutschen Traumata.

Museen sollten sich nicht nur als Orte emotionaler, fast pseudo-religiöser Erinnerungskultur verstehen, die dem Besucher die richtige "Haltung" aufzwingen wollen. Sie müssen vielmehr auch rationale, wissenschaftsorientierte Zugänge bieten, die den Besucher über Emotionen hinaus zur Reflexion und zu eigenständigem Urteilen ermutigen.

Martin Falter | Do, 23. Juni 2022 - 10:10

geht ungebrochen weiter.

Man fragt sich warum eigentlich.
Natürlich braucht es Gedenkstätten ( die schon da sind ) und entsprechenden Unterricht in den Schulen.

Aber Deutschland und die deutsche Geschichte
sind nicht nur 12 Jahre.

Was aus einem/ uns werden kann wenn man
sich nur immer in Schuld suhlt, sieht man jetzt.

Wir sind unvorbereitet und letagisch in die neue Weltordnung rein gestolpert.

Es gab und gibt keine Strategie was und mit welchen Mitteln, Deutschland Aussenpolitisch erreichen will.

Wir haben uns in unserer Schuld eingekapselt.

Urban Will | Do, 23. Juni 2022 - 10:58

wundern, dass so ein Museum genau so geplant wird.
Ideologen lassen ein Museum über eine Ideologie und deren Auswüchse bauen und richten es eins zu eins nach ihrer Ideologie aus. Das hat irgendwie etwas Groteskes.
Für die hier erwähnten „offenen Gedanken“ zur Schuld, zur Mittäterschaft anderer, besonders aber die Erkenntnisse eines Haffner, einer Arendt, etc. hätte man den Autor bei einer links – grün dominierten Podiumsdiskussion als „Nazi“ aus dem Saal gejagt.
Die Deutschen sind schuld. Alleinig. An allem. Punkt. So einfach geht Geschichte.
Das ist einer der Eckpfeiler d links – grünen Weltsicht. Darauf lässt sich all der Irrsinn bauen, den sie beschließen, so etwa die Masseneinwanderung mit all ihren verheerenden Folgen, all die Politik gg das eigene, ihr verhasste Volk.
Und so lässt sich auch der politische Gegner ganz einfach niedermachen. Man schleudert ihm den „Nazi“ entgegen und fertig.
Leichter kann man lästige Diskussionen und politischen Streit ja nicht aus dem Weg räumen.

bringen können! Die ewige Schuld der Deutschen ist ein Instrument aus dem Macht- und Unterdrückungsbaukasten der Linken. Sie mißbrauchen diese Schuld genau so wie die Angst vor dem abstrakten Klimawandel, um Menschen zu manipulieren, zu unterdrücken, in ihr Lager zu „treiben“.

In unserer postchristlichen Gesellschaft ist es die Religion des 21 JH, wer es wagt zu widersprechen ist ein „Nazi“, ein Klimaleugner, Verschwörungstheoretiker, Querdenker, Aluhutträger etc. Die „Schuld“ der Deutschen, falls es diese kollektiv je gegeben hat, endet spätestens dann, wenn der letzte Täter nicht mehr am Leben ist. Der Klimawandel ist ein nebulöses Konstrukt der Links-Grünen den keiner schlüssig belegen oder widerlegen kann. Wie es die Kirche tat, nutzt man die Angst der Menschen vor Dingen die sie nicht verstehen und nicht kontrollieren können und davor aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, um sie gefügig/hörig zu machen.

Die Links-Grünen sind nichts anders als die „Kirche“ des 21JH!

Die Deutschen sind schuld. Alleinig. An allem. Punkt. So einfach geht Geschichte.

Sie mögen versuchen, das als stark vereinfachte Darstellung zu relativieren, der irgendeine Komplexität abgeht. Die gleiche vermutlich, die sie ja dem Überfall Russlands auf die Ukraine anheften wollen.

Und weil die Deutschen sich schuldig fühlen, tolerieren sie Masseneinwanderung gegen das eigene verhaßte Volk.

Mein lieber Scholli.

Das könnte sinngemäß von einem Herrn Hoecke sein. Der ja schon mal meinte, die Geschichtsforschung mache einen großen Fehler, wenn sie bei Hitler nur das Böse sehe. Und überhaupt eine erinnerungspolitische Wende forderte.

Wahrscheinlich sollten wir endlich aufhören, zu glauben, Deutschland trüge irgendeine Schuld an den Weltkriegen. Im Gegenteil, das waren doch Nazis, und das waren - so ein paar "Forenspezialisten" Sozialisten. Auch wenn sie bevorzugt Kommunisten, Sozialisten u. Demokraten vergast haben.

Aber wen interessieren schon die Fakten?

gabriele bondzio | Do, 23. Juni 2022 - 11:01

Das es in DE mal eine Nummer kleiner geht, ist scheinbar nicht zu realisieren in politischen Köpfen.
Groß, größer am Größten...hat geschichtlich gesehen und auch noch in der heutigen Zeit Unglück in die Welt getragen.

Es ist nichts gegen Erinnerungskultur zu sagen und erst recht nicht ihre Vermittlung an nachfolgende Generationen...

Doch wo bleiben, die welche jetzt leben? Wer kümmert sich um soziale Balance der Menschen, in der angelaufenen-wirtschaftlichen Krise. Im Baugewerbe sieht es zappenduster aus. Und wird die nächste Generation noch über Mittel verfügen Etwas zu ende zu bauen...dauert ja in DE unendlich bis mal was fertig wird.

Zudem ist einer der Gedanken „Verbrechen der Deutschen (kollektiv gesehen)“ nicht in meinen Sinne. Es gab auch Deutsche, die sich unter ständigen Einsatz ihres Lebens gewehrt und Verfolgte geschützt haben.

Die meisten Deutschen wurden erst geboren, als das „Reich“ schon Jahre lang nicht mehr existierte.Will man(n) diesen jetzt die Schuld anlasten...

Ernst-Günther Konrad | Do, 23. Juni 2022 - 11:05

Man kann es einfach nicht mehr hören. Die heute leben, mit wenigen Ausnahmen noch, haben keinerlei persönliche Verantwortung für diesen Krieg. Die Deutschen als Kinder noch während des Krieges geboren auch nicht. Kein Volk der Erde geißelt sich selbst so, wie es die Deutschen tun. Ich habe keine Schuld und ich nehme auch keine Kollektivschuld auf mich, die irgendwelche Vorfahren, die man meistens gar nicht mehr kennt, möglichewrweise auf sich geladen haben. Tragen die inzwischen hier integrierten Ausländer diese Schuld mit, wenn sie deutsche Staatsbürger sind? Das ist für mich hinausgeworfenes Geld. Die Menschen nach 1945, die mit ihrer Hände Arbeit dieses Land wieder aufgebaut haben werden mit Minimalrenten abgefunden. Wir haben genug Gedenkstätten und Erinnerungskultur etabliert. Und nicht nur die Deutschen haben im WK II Schuld auf sich geladen, da gab es unzählige weitere Kriegsverbrechen auch an Deutschen. Wie wird diesen gedacht? Und bei der Documenta werden die Opfer verhöhnt.

Markus Michaelis | Do, 23. Juni 2022 - 11:35

Die Gräuel der Nazizeit weiter zu erforschen und nicht zu vergessen halte ich für sehr wichtig.

Es gibt aber auch einen Punkt, dass sich unsere Gesellschaft eher davor drückt die schwierigen Fragen von heute anzugehen und versucht sich zu sehr über den Nationalsozialismus zu definieren, der auch heute große Fragen beantworten und die Trennung geben soll, welche heutigen gesellschaftlichen Strömungen zu verachten und auszuschließen und welche ein willkommener Teil der Vielfalt sind.

Ich glaube nicht, dass das so geht - bei aller negativen Perfektion: so toll waren die Nazis nicht, dass sie bis in alle Ewigkeit als Leitlinie einer Gesellschaft taugen könnten.

Aber doch gibt es immer interessante Punkte: ich sah letzt wieder ein Bild der sichtlich euphorischen Massen bei einem Hitlerbesuch in einer Stadt. Auch Sophie Scholl&Geschwister waren ja begeistert von dem Miteinander dieser Zeit (vor dem Krieg). Ist das die Begeisterung für ein gemeinschaftliches Miteinander?

Joachim Kopic | Do, 23. Juni 2022 - 21:21

AfD & Co groß sein, dass man einerseits bei solchen Projekten zu "Gigantismus" neigt und andererseits bei der (für mich linksgerichteten) documenta massive Judenbeleidigungen übersieht...