Kultur im Lockdown - Was wir verlieren

Ein weiterer Lockdown gefährdet die Kultur. Dabei geht es nicht nur um Honorare und um ein gesichertes Auskommen für Künstlerinnen und Künstler. Längst geht es um den Unterbau unserer Gesellschaft. Ein Warnruf.

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Ein Mann und ein Junge besuchen eine Ausstellung im Akropolis-Museum / dpa

Autoreninfo

Ralf Hanselle leitet das Kulturresort von Cicero.

So erreichen Sie Ralf Hanselle:

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Die Empörung ist groß. Wieder ein Lockdown, wieder eine Breitseite gegen die Kultur. Und damit hier kein Missverständnis aufkommt, sei es gleich zu Beginn gesagt: die Schauspieler und Musiker, die Literaten und Künstler, die Designer, Fotografen, Regisseure, Tänzer, Artisten, sie wollen keine Extrawurst, sie sind Stellvertreter in einem existenziellen Drama. 

Seitdem die Bundeskanzlerin zusammen mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am vergangenen Mittwoch den Teil-Lockdown verkündet hat, sind die Künstler in ihre angestammte Rolle als Leidensmänner der säkularen Gesellschaft zurückgedrängt worden. Sie sind die Auserwählten qua Profession, denn sie wird es wieder am härtesten treffen - nicht nur in den kommenden Wochen, vermutlich über die nächsten Jahre hinweg. Denn die Narren und der Bürgerschreck haben immer schon finanziell am Limit gelebt, und ihr Feingefühl für die Sprache hat ihnen längst offenbart, dass mit dem Wort „Existenzangst“ eine ähnliche Schwellensituation zwischen Sein und Nicht-Sein beschrieben ist, wie mit dem Wort „Corona“.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 30. Oktober 2020 - 16:57

PUNKT
Pause...
Trotzdem, Herr Hanselle, schauen Sie einmal wie oft in Überschriften des Ciceros das Wort Krieg oder Kampf vorkommt.
Vielleicht einmal erinnern, wie gut es die Bundesrepublik hier geschafft hatte, obendrein auch noch den Nachbarn etc. zu helfen.
Ich bin doch viel im Internet, z.B. um die Niederländische Bachgesellschaft zu hören und zu sehen, meine e-paper zu lesen.
Wir werden viel verpasst haben JA und zwar ALLE.
Wichtig ist, dass Strukturen nicht zusammenbrechen und die je Einzelnen aufgefangen werden.
Wir alle hatten einen Sommer, und schauen Sie mal rein in die TÄGLICHE Pressekonferenz des OB von Halle Saale, Herrn Dr. Bernd Wiegand, er erklärt heute, warum es sich lohnt, die Mühen und Beschränkungen auf sich zu nehmen und dass wir zuversichtlich sein sollen und er sagt, dass der Oberbürgermeister einer Partnerstadt an Covid 19 gestorben ist.
Finden wir zurück zu unseren Tugenden und trauern wir, ohne das Leben aus den Augen zu verlieren.
Wir werden wiedererkennen!

Bernd Muhlack | Fr, 30. Oktober 2020 - 17:14

Vorab Herr Hanselle, ich habe sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass Sie von Künstlerinnen und Künstlern sprechen und nicht von "Kunstschaffenden" - ein mMn furchtbares Wort.
Sind Schreiner etwa Möbelschaffende oder Maurer Hausschaffende?

Zu dem Bild des Artikels fiel mir ein oller "Sturm-&-Drang-Urlaub" in den 80ern ein.
Wir waren zu viert, machten das schöne Florenz unsicher. Wir waren mehrmals in den Uffizien, in der Tat sehr beeindruckend.
Auf dem großen Platz davor fand eine absolut geile Silvesterparty statt.
Die Uffizien sind sehenswert, einfach mal nach Florenz fahren.
Der Dom ist ebenfalls klasse, ich würde aktuell die vielen Treppen nicht mehr schaffen, wie auch beim Hamburger Michel.

Ich bin kein Kunstexperte, kann mit vielem nichts anfangen.
Beim Deutsch-Abi (Stifters Bergkristall) schrieb ich den "Stuss" den man hören wollte, na und?

Der Lockdown ist mMn weniger existenzgefährdend, gefährlich als die cancel-culture, Denkmal-Bücherstürmung!

WIR sind die GUTEN!

gerhard hellriegel | Fr, 30. Oktober 2020 - 17:16

Ich habe herzlich gelacht und gedacht: "Jetzt lassen Sie doch mal die kirche im dorf". Er weiß also nicht, wo man filme ansehen kann außer im kino? Er weiß nicht, wie man sich das nocturne anhören kann ohne einen konzertsaal? Unglaublich, alles erzeugt aus lauter "Einser und Nullen"? Kultur am ende? Wieso wird es nicht das jahrzehnt des buches? Die kann man ganz allein lesen, doch das geht. Ja, schön, bilder dann nur noch per bildband. Museen nur noch per virtual reality? Ach ich kunstbanause. Man stelle sich das vor: bis vor etwa 300 jahren lebte der größte teil der menschheit ganz ohne diese "kultur". Womit wir bei der frage wären, was wir eigentlich unter "kultur" verstehen wollen. "faust", "jive", "fc bayern" oder gar alle drei?

Noch nie sind Menschen ohne Musik, Malerei, Verschönerung von Bauwerken,ect. ausgekommen. Angefangen von steinzeitlichen Höhlenmalereien bis hin zum einfachsten, selbst gemachten Instrument einer Weidenflöte oder einer aufgespannten Rindersehne, zu der ein meditativer Gesang ertönte, eine Wandmalerei, ein kunstvoll geflochtener Korb mit der in einer Jurte vor tausenden Jahren das Dasein verschönt wurde . Kultur gehört zum Menschen wie das Leben selbst. Strassentheater, festliche geschmückte Kampfspiele, Haarkämme und Schmuck der Frauen, all dies gab es von Anfang der Menschheit an in allen Kulturen und sind Ausdruck von Gefühlen, von Spannung, Freude und Wärme, die ohne dies alles verkümmern würden.

Manfred Sonntag | Fr, 30. Oktober 2020 - 18:49

Ein sehr nachdenklich stimmender Artikel. Wegen eines vermeintlich für die Zukunft vorhergesagten Problems wird den Menschen auch die Kunst und Kultur entrissen. Aber wie sagte doch Frau Özoguz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung unter Frau Dr. Merkel am 16.05.2017 : "Die Deutschen haben außer ihrer Sprache keine Kultur." Es zeigt die Verachtung der Eliten für Kunst und Kultur. Diese Aussage ist so entlarvend für unser Establishment, so dass die Lockdown-Entscheidung der Kanzlerin dazu passt. Übrigens wurde Frau Özoguz damals weder von den Mainstreammedien noch den linken und linksliberalen Politikern wegen dieses Statements gescholten. Der Kreis schließt sich. Wer Weltoffenheit predigt sollte auch Weltoffenheit praktizieren. Sonst ist diese Person/ Gesellschaft unglaubwürdig.

Margit Buchholz | Fr, 30. Oktober 2020 - 20:48

... was man loslässt und aus den Augen verliert. Wenn wir uns besinnen, uns zu unseren Werten, unserer Kultur wieder bekennen, dann kann man am Ende diese Krise vielleicht sogar als Chance verstehen.

Michaela 29 Diederichs | Fr, 30. Oktober 2020 - 23:37

Unsere Kultur kann weg. Das meine ich ernst. Kulturschaffende, die sich den Islamisten andienen, haben für mich ausgedient. Die solidarisieren sich pausenlos. Keinen Cent für diese Klientel, wenn die sich nicht distanzieren und zwar schnell. Weg damit. Im Übrigen haben wir doch gar keine Kultur, die es zu verteidigen gilt. Wir müssen unser Leben täglich neu verhandeln. Da bleibt Kultur auf der Strecke.

Stefan Jurisch | Sa, 31. Oktober 2020 - 07:01

Absolut ins Mark getroffen. Ich sehe diese Entwicklung nicht nur in Corona, sondern auch in der sogenannten Cancel Culture etc.! Es gibt viele Ecken, in denen wir unsere Vergangenheit gern vergessen wollen. Leider egal, ob negativ oder positiv. Dabei wird vergessen, dass ein nicht kleiner Teil unserer Vergangenheit durchaus auch unsere Zukunft positiv zu beeinflussen vermag.

Urban Will | Sa, 31. Oktober 2020 - 09:53

Stellt man doch offensichtlich seitens der Politik hinsichtlich der Ansteckungen immer nur die Frage nach dem Wo und Wie.

Und dann kommen als Resultat behördlichen Denkens abstruse Verbotsorgien heraus.

Wir leben in einer Zeit, wo es vielen Menschen nicht mehr reicht, immer nur zu hören: es ist so, weil es so angeordnet wurde.
Bürokraten einerseits und kritiklose Unterwürfige andererseits können das System prägen, sie haben einerseits die Macht und – noch – die Mehrheit.

Ein Fragewort, um oben anzuknüpfen, und zwar das entscheidende, fehlt: WARUM stecken sich die Menschen an?
Mir fällt da nur eines ein: WEIL SIE LEBEN.
Und dieses Leben ließen sie sich im Frühjahr angesichts des Schocks noch leicht verbieten, aber nun tun sie es in großer Zahl nicht mehr. Sie denken nach.
Und daher wird dieser Lockdown viele ins Graue treiben und weitestgehend wirkungslos bleiben, es wird – Lauterbach hin und Söder her – nicht zu kontrollieren sein, der Wunsch und Drang nach LEBEN.
Und dann?

Wolfgang Jäger | Sa, 31. Oktober 2020 - 10:00

Das sind zutreffende Überlegungen. Wir haben zwei Probleme: Einmal die materiell-finanzielle der betroffenen Künstler und Kulturinstitutionen. Dazukommt der Entzug der Kultur für die Menschen, denen sie noch etwas bedeutet. Die Corona-Maßnahmen werden mittel- bis langfristig aber ein großes Vakuum hinterlassen, denn die nötigen Geldmittel werden nicht kommen. Sie werden in die Sozialkassen fließen. Das entstandene kulturelle Vakuum wird einen kulturellen Traditionsbruch zur Folge haben. Die nachkommenden Generationen werden wahrscheinlich nichts mehr vermissen. Sie freuen sich schon heute über diejenigen, die das Vakuum füllen werden. Sie kommen über das Mittelmeer. Manchen mag der Corona-Kahlschlag also gerade gelegen kommen. Die von Corona angestoßene "Transformation" soll auch den Bereich der Kultur nicht verschonen. Eine, wie ich glaube, nicht ganz unrealistische Vision.

Ernst-Günther Konrad | So, 1. November 2020 - 15:43

Wo ist denn die Gesamtheit der Künstler oder Kulturschaffenden, aller derjenigen die unmittelbar oder mittelbar davon betroffen sind? Zu denen zählen auch Schauspieler und im Fernsehen tätige Menschen, Solokünstler des Kabarett usw. Wer schon früh kritisierte wurde von den anderen als Verschwörungstheoretiker und was alles öffentlich "gebrandmarkt". Jetzt trifft ausnahmslos alle und wo ist der konzertierte öffentliche Aufschrei? Mal hier eine Jammergeschichte mal dort. Am Tag der Lockdown Entscheidung soll es von Euch eine Demo vor dem Kanzleramt gegeben haben. Bild berichtet knapp 30 Minuten im Live-Ticker, dann war die Meldung weg. Gab es die Demo? Nehmt Euer Recht in die Hand, klagt dagegen und geht auf die Straße. Ich stimme ja dem Artikelinhalt zu, nur jammern reicht nicht. Und lasst Euch nicht mit ein paar versprochenen Ausgleichzahlungen mundtot machen. Ihr habt das Geld noch nicht und was kommt danach? Wie lange soll das gehen? Warum gerade Ihr trotz guter Hygienekonzepte?