Jüdisches Leben in Deutschland - Wir Juden gehören dazu

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren in Deutschland. Dennoch werden sie noch immer als Fremde, als Opfer, als Israelis wahrgenommen. Mit anderen Worten: als Exoten.

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Juri in Berlin, 2004. „Nicht die Erinnerung, sondern Menschen sind die Basis jeder Gemeinschaft“ / xxpool

Autoreninfo

Rafael Seligmann wurde in Israel geboren und lebt seit 1957 in Deutschland. Er schrieb die Familien-Biographie „Lauf, Ludwig, lauf!“ und „Hannah und Ludwig. Heimatlos in Tel Aviv“, LangenMüller Verlag. Im Frühjahr 2022 wird der abschließende Roman „Judenbub. Der Wiederaufstieg der Seligmanns in ihrer Heimat“ erscheinen.

So erreichen Sie Rafael Seligmann:

Deutschland zelebriert derzeit 1700 Jahre jüdische Geschichte. Altbekannte Vorbild­hebräer werden aufgerufen: Heinrich Heine, Albert Einstein, Max Liebermann, Fritz Haber, Samuel Fischer, Regina Jonas, Nelly Sachs, Hannah Arendt. Kein Zufall, dass sie allesamt tot sind. In Bezug auf ihre Juden gleichen die Deutschen Schmetterlingssammlern. Sie sind fasziniert von dem Objekt ihres Interesses, haben alles Wissen darüber zusammengetragen. Doch sie gehen damit am besten um, sobald die Spezies fixiert, also tot ist. 

Die heutigen Deutschen betrauern die jüdischen Opfer ihrer Großeltern. Ihre harsche Kritik richtet sich indessen gegen die Israelis als Besatzer Palästinas. Die Solidarität der bußwilligen Deutschen gilt den Palästinensern. Sie werden als gegenwärtige Opfer der einstigen jüdischen Opfer angesehen. Quasi als „moderne Juden“. Über diese politisch korrekte Umwertung aller Werte – auch jene des gesunden Menschenverstands – wird vielfach übersehen, dass in Deutschland ein Dreivierteljahrhundert nach Ende des Völkermords jüdisches Leben wieder aufblüht. 

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helmut armbruster | Di, 11. Mai 2021 - 12:22

denn es ist voll geladen mit Sprechverboten, Tabus, Vorurteilen, vorgefassten Meinungen, Schuldzuweisungen sowie Schuldgefühlen.
Ich glaube nicht, dass es noch zu meinen Lebzeiten möglich sein wird aus diesem Dschungel heraus zu kommen um über dieses Thema unvoreingenommen und sachlich reden zu können.

Das mit den 1700 Jahren ist zwar für das römische Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln ) historisch zutreffend. Nur kann man im 4. Jhdt. noch nicht von irgendetwas wie Deutschland sprechen. Auch das Jüdische Museum in Berlin beginnt die jüdische Geschichte in Deutschland im deutschen Mittelalter - Trier, Köln, Worms Mainz. Seitdem kann man tatsächlich von jüdischen Minderheiten im christlichen Deutschland sprechen. Das Drama des Zusammenlebens mit der Minderheit, die kulturell eigenständig bleiben wollte, ist nur zu bekannt. Das Christentums hat zu der Position gefunden, dass die Juden die älteren Brüder der Christen sind. Wir sprechen auch von einer jüdisch-christlichen Kultur, weil wir das Alte Testament und die Zehn Gebote als Teil unserer Kulturtradition sehen. Wir haben keine andere.

Rob Schuberth | Di, 11. Mai 2021 - 12:35

Als Exoten nehme ich Juden weder wahr, noch würde ich sie so bezeichnen.

Sie sind, wie so einige Gruppen bei uns, einfach eine Minderheit.
Das ist auch per se nichts Schlechtes.

Die Journaille sollte nicht so sehr darauf anspringen wenn sich Minderheiten zu einer angeblich unterdrückten Minderheit erklären, um mehr Aufmerksamkeit (u. Rechte) zu erlangen.

Es ist doch normal u. ok das bei uns auch Minderheiten leben.
Warum muss das so gehypt werden?

mit Formulierungen wie

"wenn sich Minderheiten zu einer angeblich unterdrückten Minderheit erklären".

Das liest sich so, als wollten sich "die Juden" mal wieder Vorteile erschleichen. So, wie man den Deutschen das 1933 erzählt hat.

Fehlt dann nur noch das präventive, übliche Gegröhl vom ewigen "Schuldkult!". Und der Hinweis auf die große Weltverschwörung, hinter der natürlich der ewig lauernde "Jude" steckt.

Auch Begrifflichkeiten wie "Journaille" sprechen nicht unbedingt für Sie.

Aber gut, gehen wir mal davon aus, dass Sie sich lediglich mißverständlich ausgedrückt haben...und alles ganz anders gemeint haben.

Weil die selbsternannte linke Moral-Elite in Deutschland Antisemitismus der Marxisten gern verschweigt, der islamistische Hass auf Juden verharmlost wird, muss die Wirklichkeit immer wieder neu dargestellt werden. Es war Karl Marx, der an Engels über den Juden Ferdinand Lassalle schrieb: „Es ist mir völlig klar, dass er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von den Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen …. Diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen … niggerhaft.“ Der linke Antisemitismus wird gern verschwiegen. Aber: Wer aus dem Islam den neuen Judenhass mit den Flüchtlingen importiert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, selbst Antisemit zu sein!

Auch ich will freundlich zu Ihnen sein und nehme daher an, dass Sie mich lediglich missverstanden haben, und dies eben nicht mit Absicht taten.

Es gibt in D jede Menge Minderheiten. Das ist eine Tatsache.
Der jüdische Bev.anteil ist dabei nur eine von mehreren.
Diesen Begriff habe ich nur deshalb ins Spiel gebracht weil ich es nicht für i. O. halte dafür den Begriff Exoten zu verwenden(wie der Autor).

Ich versäumte es deutlicher zu schreiben, dass ich das mit >den sich zur Minderheit selbst erklärenden...<,nicht auf die Juden bezogen habe (Sie aber sind voll darauf abgefahren).
Die "Journaille" ist bewusst abwertend gemeint. Der Cicero und einige wenige andere Formate sind seltene Ausnahmen.

Was Sie meinen daran zu erkennen bleibt Ihnen überlassen...mir ist es egal.

Alle IHRE anderen Unterstellungen sind nicht meins.
SIE sind es der oft darüber schreibt.

bedeutet der Begriff Journaille u.a.: Gesamtheit der Journalisten, besonders der für die Boulevardpresse arbeitenden Journalisten.
Sie dichten natürlich Herrn Schuberth den negativ besetzten Teil an. Passt ja wieder mal zu ihren Unterstellungen!
Ich vermisse aber den Bezug zur AfD? Fiel ihnen dazu nichts ein?

gehöre ich auch einer Minderheit an.

Bei meinen jüdischen Freunden, Bekannten und Kollegen ist es allerdings unumgänglich, mitzudenken, dass sie in diesem Land wegen ihrer Abstammung unter den Augen meiner deutschen Vorfahren millionenfach verschleppt und ermordet worden wären.

Es gehört zum nationalen Erbe, dass man damit leider leben muss.

Bei orthodoxen Juden würde ich schon von Exoten sprechen. Diese Leute sind mir so fremd wie die anderen Orthodoxen. Was soll das bsw mit den Speisevorschriften? Ist vielleicht auch kein Wunder, dass das Reformjudentum in Deutschland entstand. Ich glaube Deutschland ist ziemlich unreligiös, dafür aber esoterisch (wo dann bsw wieder Speisevorschriften rein kommen, zB vegan essen). Man vergleiche mal DE und USA, wo das Religöse überall ist. Übrigens, mir scheint heutzutage vieles eine säkulare Religion zu sein und viele Sprachjakubiner sich ähnlich wie religöse Eiferer zu benehmen. Also vielleicht doch keine Exoten????

Dominik Roth | Di, 11. Mai 2021 - 12:40

Geboren in den 80ern, bin ich noch nie wissentlich einem Juden in Deutschland begegnet. Einmal habe ich in den USA einen getroffen und der hat mich, the German, komisch angekuckt und wollte nicht mit mir reden.

Als nicht religiöser Mensch ist mir ziemlich egal, woran jemand glaubt, solange man einen anständigen Umgang miteinander haben kann und Andersartigkeiten nicht zu stark nach außen getragen werden.

Was die Geschichte angeht; es wurden ja nicht nur Juden millionenfach umgebracht, das letzte Jahrhundert war voller Massenmord in vielen Ländern.

Es kann noch so oft mit moralischem Zeigefinger gesagt werden, das dürfe nie wieder geschehen, aber alle Worte sind nutzlos, wenn nicht das ergebnisoffene eigenständige Denken sowie Wissen von klein auf gefördert werden. Autarke, unabhängige Menschen lassen sich nicht von Menschenfängern gegen bestimmte Gruppen vereinnahmen.

Aber das werden nach m.E. in Deutschland immer weniger...

Der Ausdruck Antisemit wird inflationär verwendet , wenn es gegen den politischen Gegner geht , was der Debatte um politischen Kultur schadet :

§ 188 StGB
Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung
(1) 1Wird gegen eine im politischen Leben des Volkes stehende Person öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) eine Beleidigung (§ 185) aus Beweggründen begangen, die mit der Stellung des Beleidigten im öffentlichen Leben zusammenhängen, und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. 2Das politische Leben des Volkes reicht bis hin zur kommunalen Ebene.
(2) Unter den gleichen Voraussetzungen wird eine üble Nachrede (§ 186) mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren und eine Verleumdung (§ 187) mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Und dass ist gut so !

Die Juden erfahren Diskriminierung und Angriffe nicht vorrangig wegen ihres Glaubens, sondern als Angehörige des Volkes Israel. Sie hören sich aber so an, Dominik, als wenn Sie nicht nur jeden Glauben, sondern auch jede Ethnie achteten. Das sollte für uns alle gelten.

Dr. Hermann-Josef Stirken | Di, 11. Mai 2021 - 13:26

Es ist ein elementarer Punkt, dass Deutsche jüdischen Glaubens als solche wahrgenommen werden. Wenn ich in Frankfurt Westend sehe, wie jüdische Bürger bzw deren Einrichtungen geschützt werden müssen, ist das ein Armutszeugnis. Wer Alys Europa und die Juden gelesen hat, weiss wie wichtig es ist , dass eine Normalität dringend geboten ist und dies kann nur durch Solidarität und Einbeziehung in unseren Kreis gesehen. Die Begleitumstände des Zeitgeschehens lassen aber Zweifel aufkommen, ob das bei den Politikern angekommen ist.

Ernst-Günther Konrad | Di, 11. Mai 2021 - 13:33

Es ist mir egal, welchen Glauben meine Mitmenschen haben. Mir sind Fanatiker jeglichen Glaubens zuwider, die anderen das Gläubig sein absprechen. Die Deutschen nach dem Krieg geboren, sind weder Antisemiten noch gegen Israel. Erst, wenn sie politisch ideologisiert sind oder von einer judenfeindlichen Auslegung ihres Glaubens gelenkt, werden sie zu Antisemiten. Wobei? Wann ist man ein Antisemit? Sicherlich, wenn man das Existenzrecht Israels verneint. Ist man das auch schon, wenn man es sachlich begründet in Frage stellt? Sicherlich sind Neo-Nazis antisemtisch eingestellt. Sind nicht auch links-grün indoktrinierten Menschen, die alles und jeden als Rassist und Antisemit beschimpfen, die nicht ihre Meinung vertreten und Menschen aus Kulturkreisen ins Land holen, die von Kindesbeinen antisemitisch erzogen wurden, nicht auch Antisemiten? Was ist mit den Politikern, die alles und jeden ins Land holen und nicht die aussortieren/fernhalten, die Israel und damit auch judenfeindlich sind?

Christa Wallau | Di, 11. Mai 2021 - 14:45

wie können Sie von der Mehrheit heutigen Deutschen ein "normales" Verhältnis zu Juden erwarten? Diese hat ja ein völlig "unnormales" Verhältnis zu sich selbst!
Durchschnittsdeutsche, vor allem jüngere Leute, sind durch bruchstückhafte Geschichtsbildung fixiert auf 12 Jahre "Drittes Reich". Sie kennen die fruchtbare Zusammenarbeit von Juden u. Deutschen vom 18. bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts kaum.
Außerdem schätzen sie ihre eigene Geschichte und auch ihre Sprache nicht, sonst wüßten sie, wie sehr gerade jüdische Schriftsteller diese bereichert haben. Christliche und jüdische Intellektuelle haben über Jahrhunderte das Geistesleben in Deutschland in Diskursen bzw. in fruchtbarer Zusammenarbeit maßgeblich geprägt.
H e u t e liegt der Fokus in D (wie auch in anderen europ. Ländern) auf einem ganz anderen Thema: Wie lassen sich Muslime, die immer zahlreicher werden, bei uns integrieren? Dieses schwierige Problem überdeckt alles andere. Man schaue nur nach Frankreich!

Günter Johannsen | Di, 11. Mai 2021 - 14:51

Man muss über ALLES reden, sonst sucht sich die Dummheit und der Hass im Untergrund seinen schändlichen Weg! „Die jüdische Gemeinschaft in Europa wird von ganz rechts, von ganz links und von radikalen Islamisten angegriffen“, sagt Moshe Kantor, der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses. Der neue Judenhass in Deutschland ist islamischer Import – mit den Asylanten und Zuwanderern aus islamischen Ländern importiert … also auf dem Boden von Merkels Flüchtlingspolitik gewachsen. Wenn man in unserem Land etwas dagegen tun will, muss die ganze Wahrheit zum Islam endlich auf den Tisch. Das Judentum gehört selbstverständlich zu Deutschland. Das Christentum wurzelt im Judentum. Das Judentum gehört selbstverständlich zu Deutschland. Der Islam gehört nicht zu Deutschland und will auch nicht dazu gehören. Der Islam hat in unseren Breitengraden auch keine Tradition und Wurzeln. Zudem lehnen Muslime Christen und Juden und unsere Lebensweise und demnach folgerichtig unser Grundgesetz ab!

Markus Michaelis | Di, 11. Mai 2021 - 15:01

die Kritik an Steinmeier (und der politischen Klasse) kann ich nachvollziehen. Man will die ganze Welt umarmen, verliert in der großen Geste aber den Kontakt zu den realen Menschen mit ihren Widersprüchen, die sich der ganz großen Umarmung und Vereinheitlichung sperrig widersetzen.

Die Ansprüche (oder Wünsche?) an Deutschland kann ich nur teilweise nachvollziehen. Ich erlebe Deutschland zu sehr im Umbruch, zuviele Gruppen tragen ihre Ansprüche heran, immer mit sehr guten Begründungen und höchsten Werten unterlegt. Die Ansprüche wachsen, die Zahl der "verantwortlichen Deutschen" schrumpft, die Gesten und guten Ziele sind groß, die Bereitschaft (der "Mitte") die Buntheit auch wirklich wahrzunehmen dagegen mäßig.

Für mich gehen die Ansprüche immer mehr ins Leere - wer steht da noch auf der anderen Seite? Ich versuche eher vom Spielfeldrand (zugegeben bis auf die vielen Kommentare hier) zu sehen, was daraus wird, und ob hier oder woanders in Zukunft bessere Bedingungen herrschen.

Bernd Muhlack | Di, 11. Mai 2021 - 15:27

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle.
Das dürfte wohl Allen noch in bester Erinnerung sein.
Ich hatte damals etliches gepostet; nur eines nochmals:
An diesem Tag hatte der Partner eines sehr guten Kumpels Geburtstag. Die Fete fiel aus verständlichen Gründen aus - er ist gläubiger deutscher Jude.
In 2020 fiel die Party Corona zum Opfer.

Juden und Israel
Vor ewiger Zeit war u. a. der Holocaust ein Abi-Thema im Geschichte-LK; ich entschied mich für die Weltwirtschaftskrise in 1929.
30 Jahre später abiturte Tochtern.
Sie schrieb eine Seminararbeit "Palästina im Laufe der Geschichte."
Ich war "entsetzt" über den Inhalt des Lehrbuches!
Hat das die Hamas geschrieben?
Unglaublich!
Tochtern verwendete zahlreiche meiner Bücher:
15 Punkte u eine Auszeichnung!

& in Berlin darf man am al-Quds-Tag die Flagge mit dem Davidstern verbrennen - die Polizei schaut tatenlos zu!
Seit SO wissen dank Frau Neubauer dass gar Herr Maaßen ein Antisemit ist!
& Frau Will lächelt!

Mein lieber Scholli!!!
Shalom!

Klaus Funke | Di, 11. Mai 2021 - 15:48

Antisemitismus gab es auch in der DDR. Während meiner Oberschulzeit wurde ich, weil ich zu dieser "Minderheit" gehöre, massiv beleidigt und auch von Mitschülern tätlich angegriffen. Man hielt mich fest und malte mir mit Kreide Hakenkreuze auf Handflächen und Stirn. Wiewohl mein Vater versuchte dagegen vorzugehen, wurde das Ganze rasch unter den Teppich gekehrt. Alltagsantisemitismus gibt es heute jeden Tag, in Witzen, in Redewendungen, in verbalen Angriffen auf den Staat Israel, wie jetzt wieder von den sog. Klimaaktivsten. Dennoch sehe ich im jetzigen Staat BRD keine echte Haltung gegen den Antisemitismus, die Grünen haben sie nicht, auch nicht die SPD oder die Linke. Es ist nur Heuchelei und ein Kampfbegriff gegen den politischen Gegner geworden. Insofern bin ich entsetzt wie leichtfertig und flapsig der Begriff, wie jetzt auch wieder bei Anne Will, verwendet wird. Die davon schwätzen, wissen nicht, was Antisemitismus oder ein echter Nazi ist. Die Begriffe werden verwässert.

Heidemarie Heim | Di, 11. Mai 2021 - 17:38

Persönlich, wahrscheinlich auch meiner Erziehung geschuldet, hatte ich nie Scheu gegenüber Mitbürgern, egal welchen Hintergrunds bzw. Glaubens aufzutreten. Und bin zum Glück auch nie in meinem nun über 60jährigen Leben auf Misstrauen oder Ablehnung aufgrund irgend eines angenommenen "Täterhintergrunds" wegen meiner deutschen Nationalität gestoßen. Vielleicht weil ich diese Unterscheidungen, insbesondere was deutsch-jüdisches Leben betraf nie machte. Jeder der deutsche Staatsangehörigkeit hat ist Deutsche/r. Was sonst? Wie eventuell naiv ein solches Denken und Handeln ist, merkte ich eigentlich nur, wenn ich auf meinen Reisen die Synagogen ebenso wie Kirchen oder Moscheen besuchte wegen der Sicherheitsvorkehrungen. Unmöglich, das es so was heute überhaupt noch braucht! Erst der aktuelle Zeitgeist bzw. die m.E. Unkultur jeden kritischen Geist oder eine ganze Gesellschaft des strukturellen Rassismus/ Antisemitismus zu bezichtigen, erschwert leider wieder die Überwindung all dessen! MfG

Romuald Veselic | Di, 11. Mai 2021 - 18:35

Der Antijudaismus (Antisemitismus) wird mit dem Islam nach D aggressiv importiert. Und man schaut dem untätig (D-Politiker) zu.

Der Beweis dafür:
Mit einer Fluggesellschaft aus dem Nahen Osten und Umsteigeverbindung nach Thailand fliegen – was so viele Deutsche bereits tun, wurde einem in Berlin lebenden Mann nicht erlaubt. Er hatte über ein Online-Reisebüro im Juni 2016 einen Flug mit Kuwait Airways via Kuwait nach Bangkok gebucht. Doch die Fluglinie stornierte sein Ticket. Der Grund: Er hat einen israelischen Pass.
Aero Telegraph/25Okt2017

Wo blieb der deutsche Aufschrei?!
Und der D-Präs FWS beglückwünscht die Faschokleriker im Iran zum 40 Jahre Jubiläum (2019) der "Revolution...!" Wie kann man klerikale Diktatur/Unterdrückung als Revolution nennen?! Wobei diese Islamische Republik in ihrer Schariaverfassung die Israels Vernichtung kanonisierte.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 11. Mai 2021 - 21:10

meine aber in Erinnerung zu haben, dass ich auch schon Texte von Herrn Seligmann gelesen habe, die mir nicht gefielen, sehr grob gesagt.
Interessant fand ich immer Texte von Prof. Micha Brumlik und Prof. Wolffsohn, neuerdings von Herrn Broder, den ich ziemlich und zwar in einem sehr hochstehenden Sinne auch für witzig halte.
Diesen Artikel hier des Autors halte ich aber für geradezu ausgezeichnet.
Er würde lieber von Hebräern sprechen als von Juden?
Als Israelis habe ich die hier lebenden "Juden" nie gesehen, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Menschen im Alltag diese "neue" Bezeichnung schnell adaptieren werden, aber die kunstvolle Geschichtsarbeit des Autors, um der Würde von "Juden" in Deutschland Willen, vlt. auch anderswo, gepaart mit dem Wunsch eines respektvollen Zusammen, also das beeindruckt mich sehr.
Der Bau der Synagoge in München ist wunderbar beschrieben und genau so habe ich das damals empfunden, als "würdevolle Wende". Es wurde doch übertragen?
Ein toller Artikel

"Juden" und Israelis in den letzten Jahrzehnten überwiegend als Opfer gesehen wurden, Opfer Deutschland, wenngleich ihre Geschichte im europäischen Raum eine schon sehr lange und fruchtbare ist.
Der Schock des Holocaust ist immer noch da und er wird nie schwinden.
"Juden" waren in Europa immer eine Minderheit, aber eben eine sehr kulturträchtige, vielleicht auch geschäftstüchtige.
im Vordergrund stand jedoch die theologische Verbindung von Judentum und Christentum.
Nun stehe ich auf dem Thesen-Standpunkt, dass Jesus evtl. eher Europäer als Hebräer war, so wie Moses in Ägypten aufwuchs und vieles dort lernte, die Verbindung zwischen Judentum und Christentum durch das AT und NT jedoch unauslöschlich ist.
In Zeiten der Globalisierung, des weltmenschlichen Miteinander, sollte jedenfalls spätestens die Zeit reif sein, ein gesellschaftliches Zusammen in Europa SICHTBAR! auszubauen.
Ich hatte Herrn Seligmann so verstanden: Hebräer in Europa als selbstbestimmte Gruppe im europäischen Konzert.

Urban Will | Di, 11. Mai 2021 - 21:26

dahingehend, dass Juden in D primär als „Opfer“ angesehen werden, verwundert nicht. Ein Land wie Deutschland, dessen Bürger seit sich Jahrzehnten von sich selbst entfremden, bzw. entfremden lassen, ein Land, wo viele nicht mehr unterscheiden können und auch nicht wollen zwischen gesundem Patriotismus und verbrecherischem Nationalismus, ein solches Land hat auch verlernt, sich seiner Geschichte offen zu stellen.
Die Kunst des Gedenkens. Still und in echter Demut, nicht Unterwürfigkeit.
Zelebriertes Gedenken, ein sich Überbieten – Wollen im Formulieren von Schuld, ein oft so rüber kommender „Phrasenwettbewerb“... Die Juden selbst, so mein Gefühl, wollen und brauchen derlei nicht.
Schuld kann man nicht erben, wohl aber die „Geschichte“. Und aus dieser heraus leitet sich die Verantwortung dafür ab, dass Juden in D ein normales, freies, unbelastetes Leben führen können.
Bereits hier gäbe es für unsere Gesellschaft u Politik noch viel zu tun, v.a. auf dem Gebiet der Redlichkeit.