Rechtsextreme kommen in Charlottesville, USA, bei einem Fackelzug zusammen
Nationalisten in Charlottesville: Wer ist das größte Opfer? / picture alliance

Identitätspolitik - In der Sackgasse

Kolumne: Schöne Aussicht. Die Ereignisse in Charlottesville zeigen: Politik wird immer stärker von Identitätsgruppen dominiert. Denen geht es nicht um Verständigung, sondern um die Bekämpfung der „Anderen“. Das ist antipolitisch und spalterisch. Wir sollten lieber über Inhalte streiten

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (2015) sowie des E-Books „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ (2017). Seit Frühjahr 2018 steht Heitmann zudem mit seinem ersten Soloprogramm „Karla-Ingeborg auf Zeitgeisterjagd“, nur begleitet von einer KI, auf der Bühne. Infos unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Es gibt wenige politische Begriffe, die gleichermaßen so akzeptiert und verbreitet und dennoch mit so unterschiedlichen Inhalten aufgefüllt werden wie der Begriff „Identitätspolitik“. Der Schutz der eigenen Identität oder der anderer als schutzbedürftiger eingestufter Menschen ist neben dem Umweltschutz der zentrale Bereich des sozialen Engagements im 21. Jahrhundert: für die Belange von Frauen, von Homosexuellen, von Migranten, von ökologisch oder vegan Lebenden, von zivilisationsfernen. Die Liste ließe sich fast unendlich fortführen, die Identitäten können dann auch noch enger zugespitzt und beliebig kombiniert werden. Auf der Basis ganz ähnlicher Argumentationen engagieren sich aber auch Menschen, die sich rein kulturell betrachtet in ganz anderen Welten bewegen. Ihre Anliegen sind etwa der Schutz der deutschen oder europäischen Kultur, der „weißen Rasse“, der traditionellen Ehe- und Familienstrukturen oder aber des christlichen Abendlandes. Auch ihnen geht es um die Bewahrung und Stärkung konkreter Identitäten. Es ist diese inhaltliche Vielfalt, die den Identitätsbegriff so allgegenwärtig macht – und so nutzlos.

Reaktion gegen die Aufklärung

Identitätspolitik ist keine neumodische Erfindung. Ihre Ursprünge liegen im ausgehenden 18. Jahrhundert, und sie sind eng verknüpft mit dem, was wir bis heute als Politik der Moderne verstehen und mit der Herausbildung von linken und rechten Orientierungen verbinden. Die Aufklärung verfolgte das Ziel, das vergangenheitsorientierte, deterministische und gesellschaftlich hierarchische Denken durch die Entwicklung neuer universalistischer Ziel- und Wertvorstellungen abzulösen. Es ging darum, die eigene kleine Identität im humanistischen Sinne zu transzendieren.

Die frühen Kritiker der Aufklärung widersetzten sich aber der Idee, es gäbe so etwas wie universelle menschliche Werte. Sie lehnten die Annahme, dass alle Menschen in irgendeiner Form gleich seien, vehement ab und betonten stattdessen die Besonderheit bestimmter Menschengruppen und der ihnen vorbehaltenen spezifischen Wert- und Lebensvorstellungen. Bis heute bekannt ist der Ausspruch des Staatmannes und vehementen Kritikers der Französischen Revolution Joseph de Maistre, der betonte, zwar Franzosen, Italiener, Russen und Perser, „einen Menschen aber nie im Leben gesehen zu haben“. 

Dem aufklärerischen Verständnis folgend ist es gerade die Besonderheit des Menschen, bestimmte tradierte Lebens- und enge Sichtweisen überwinden zu können und darin Erfüllung zu finden. Demgegenüber vertrat die Gegenaufklärung den Standpunkt, dass der Universalismus Menschen entwurzelt und so ihrer lebenswichtigen Identität beraubt. So wurde „Identität“ gegen den revolutionären Werteuniversalismus in Stellung gebracht. Hieraus erwuchsen die uns bis heute bekannten partikularistischen Orientierungen nationalistischer und auch rassistischer Prägung, deren Konflikt mit universalistischen Orientierungen bis tief in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein die politische Landschaft prägte.

Nach Zweitem Weltkrieg nicht mehr mehrheitsfähig

Dieser Konflikt und damit auch die Rolle von Identitätspolitik veränderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg schrittweise, aber grundlegend: Offener Nationalismus, Rassismus und der traditionelle Glaube an die naturgegebene Überlegenheit des weißen Mannes waren in den Nachkriegsgesellschaften des Westens nicht mehr mehrheitsfähig. Die alten Ausprägungen der identitätsorientierten Politik wurden geächtet. Gleichzeitig schoben der Kalte Krieg und die daraus resultierende Teilung der Welt auch dem Glauben an die Erreichbarkeit großer universalistischer Ziele einen Riegel vor. In dem Maße, in dem dieser grundlegende optimistische Impuls aufklärerischen Denkens gerade auch im linken politischen Spektrum schwächer wurde und die Fixierung auf die Verteidigung eigener alternativer Lebensentwürfe zunahm, wurde „Identität“ zu einem neuen Argument im „linken“ Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit.

Sehr deutlich wurde diese Abkehr von großen universellen Zielen in der Entwicklung der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: Viele radikaler Kämpfer für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung kehrten den gemischten und für Gleichheit eintretenden Gruppierungen den Rücken und schlossen sich in rein schwarzen Gruppen zusammen. „Black Power“ hatte nicht mehr die unterschiedslose und universelle Gleichheit von schwarz und weiß zum Ziel, sondern formulierte offensiv „schwarze Interessen“.

Identität verdrängt Interesse

Dieser Trend zur Betonung von Partikularinteressen hat sich seither in der westlich geprägten Welt nahezu ungebrochen fortgesetzt. Identität als zentrale politische Kategorie ist heute auch im linksliberalen und linken politischen Spektrum tief verwurzelt – so tief, dass Versuchen, jenseits dieses Denkens übergreifende Ziele zu formulieren, mit großer Skepsis begegnet wird. Nicht selten wird das Überwinden von Partikularinteressen sogar als Indiz für eine unbewusste bis bösartige Verschleierung ebensolcher eigener Interessen gewertet. Auch die Kampagne „Black Lives Matter“ geht von einem quasi angeborenen Rassismus weißer Menschen aus. Deren „Weißheit“ führe dazu, dass ihnen kollektiv das Leben schwarzer Menschen als nicht so wertvoll gelte.

„Farbenblindheit“, wie sie der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King vor mehr als 50 Jahren in Bezug auf die rechtliche Gleichstellung aller US-Bürger vor dem Gesetz einforderte, gilt heute vielen als implizit rassistisch, weil es unterschiedlichen Identitäten vermeintlich ignoriert und über einen Kamm schert. Für eine fortschrittliche Entwicklung der Gesellschaft ist dieses heutige Denken fatal, weil die Vorstellung, Identitäten seien durch Tradition, Erziehung oder gar Biologie fest zementiert, Veränderungen als unmöglich ausschließt, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene.

Der über viele Jahrzehnte die Welt prägende Konflikt zwischen einer Politik, die auf starren und unveränderbaren Identitäten basiert, und einem Politikverständnis, das auf einer zukunftsorientierten Verständigung von Menschen in Form von Solidarität beruht, existiert so im 21. Jahrhundert nicht mehr. Politik heute wird nicht mehr von Interessengruppen, sondern immer stärker von Identitätsgruppen dominiert. Diese Gruppen pochen auf ihre spezifische Kultur, ihre Herkunft, ihre Anerkennung und ihre ganz eigenen Werte. In dieser Hinsicht sind sich Kontrahenten wie weiße Nationalisten und schwarze Separatisten erstaunlich einig: Es geht ihnen nicht um Verständigung und Konfliktlösung, sondern um die Bekämpfung der „Anderen“. Dies erklärt auch die zunehmende politische Gewalt, wie sie sich jüngst in der US-amerikanischen Stadt Charlottesville zeigte

Man sollte um Inhalte, nicht um Identitäten streiten

Der ursprüngliche Impuls von Politik, die eigene begrenzte und Menschen voneinander trennende Identität zu überwinden, um gemeinsame Standards sowie Lösungen für Probleme zu entwickeln, ist heute kaum noch anzutreffen. Die Natur des Menschen, so ist mittlerweile im kompletten politischen Meinungsspektrum zu hören, verhindere tatsächliche Problemlösungen. Deshalb sei die Trennung von als inkompatibel geltenden kulturell geprägten Großgruppen die einzige Möglichkeit, das völlige Chaos zu verhindern. Anders formuliert: Hermetisch voneinander abgeriegelte und staatlich überwachte Parallelgesellschaften erscheinen als die einzige Option. Wie weit dieses misanthropische Denken bereits fortgeschritten ist, lässt sich an der zunehmend verrohenden politischen Kultur ablesen, die sich in den vergangenen Jahren herausgebildet hat: Diese ist nicht etwa freier und authentischer, sondern verordnet den Menschen unverhandelbare Verhaltensmuster und Standards und sperrt sie in neue, kulturell und pseudo-biologisch legitimierte Gefängnisse.

Diesem rückwärtsgewandten Trend kann man nicht dadurch entgegentreten, dass man sich einseitig auf weiße Nationalisten, Populisten oder Neonazis einschießt. Nicht deren politische Positionen sind das Problem, sondern die Tatsache, dass sie viel zu oft im Kern unkonfrontiert bleiben. Dies liegt nicht an der „Überzeugungskraft“ identitären Gedankenguts, sondern daran, dass Identitätspolitik inzwischen Politik großflächig ersetzt hat. Wo dieser Prozess der Verdrängung von Politik abgeschlossen ist, herrschen Sprach- und Verständnislosigkeit. Daher gibt es auch keine gute Identitätspolitik, es gibt nur spaltende, und vor allen Dingen ist sie zutiefst antipolitisch. Lasst uns endlich wieder politisch werden, lasst uns offen debattieren und uns wie Erwachsene um Inhalte streiten – nicht um Identitäten oder darum, wer das größte Opfer ist.

Ulli Ramps | So, 20. August 2017 - 11:42

... ist aber insgesamt politisch unkorrekt und auch im Detail nach Gender-Studies sicher nicht umzusetzen.
Mal ganz abgesehen davon, dass sie ideologisch betrachtet zerstörerisch ist.

Auch müsste man sein Gehirn einschalten, und das resultiert bekanntermaßen in Kopfschmerzen.

Christa Maria Wallau | So, 20. August 2017 - 12:09

Identitität ist für die meisten Menschen keineswegs ein "kulturell und pseudo-biologistisch legitimiertes Gefängnis", sondern ein notwendiges Bewußtsein u. eine Bestätigung des eigenen, konkret u. vielfältig (vor)geprägten Daseins. JEDER MENSCH will sich seiner Identität versichern. Dies ist sein gutes Recht.
Das heißt n i c h t , daß er andere Identitäten ablehnen oder gar bekämpfen soll oder muß. Voraussetzung dafür ist, daß er das Gefühl der Sicherheit hat, seine eigene "Art" ohne schmähende Ein- und Angriffe von außen selbstbewußt leben zu können.
Eine gute Politik berücksichtigt dieses Grundbedürfnis und versucht nicht, etwa durch
Umerziehungsprogramme oder maßlose Stärkung von Randgruppen, den Staatsbürgern eine
künstliche, gemeinsame Identität zu verpassen.
Das muß schiefgehen.
Menschen mit dem Bedürfnis nach Weltbürgertum
sollten sich zusammentun u. erst mal eine starke
geistige Gemeinschaft gründen, bevor sie ihre
Wünsche konkret politisch durchzusetzen versuchen.

Karin Zeitz | So, 20. August 2017 - 14:32

Lieber Herr Heitmann, welche Inhalte halten Sie denn in diesem Zusammenhang für diskussionswürdig? Und glauben Sie ernsthaft, dass eine Diskussion gelingt, ohne dass bei einer vom verordneten Mainstream abweichenden Meinung sofort die Rassismuskeule geschwungen wird? Im Übrigen ist die Identität ein Wesenszug jeder Persönlichkeit. Sollte Ihre Aufforderung so zu verstehen sein, dass ich die Meinige ablegen soll zugunsten einer universellen, unbestimmbaren Weltbürgerschaft? Mir liegt jedes rassistisches Gedankengut gegenüber anderen Menschen fern. Selber möchte ich aber auch nicht wegen meiner Herkunft, der weißen Haut, der blonden Haare und blauen Augen benachteiligt oder beschimpft werden. Ist das im heutigen Deutschland zu viel verlangt?

an Diskussionen ist doch, Frau Zeitz, daß die Kontrahenten im Prinzip nicht diskutieren wollen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden, sondern jeder seine vorgefaßte Meinung als die alleingültige durchsetzen will.

Es ist so wie mit den Leuten, die andere um "Rat" fragen. Die wenigsten von denen wollen wirklich einen Rat hören, sie wollen nur die Bestätigung ihrer eigenen Meinung hören.

Ursula Schneider | So, 20. August 2017 - 16:29

Mit diesem Text - ich muss es gestehen - hatte ich die größte Mühe.

Identitätspolitik contra Politik? Identität gegen Werteuniversalismus? Schutz für Frauen, Homosexuelle, die Umwelt usw. etwas ganz anderes als Bewahrung der eigenen Kultur, der traditionellen Familie, des christlichen Abendlandes?

Und dann der Satz: "Der ursprüngliche Impuls von Politik, die eigene begrenzte und Menschen voneinander trennende Identität zu überwinden, um gemeinsame Standards und Lösungen für Probleme zu entwickeln, ist heute kaum noch anzutreffen." Wann und wo hätten wir das je angetroffen? So weit ich das beobachten kann, ging und geht es immer und überall um handfeste Eigeninteressen.
Wir sollen lieber über Inhalte streiten? Ja, gerne, aber über welche denn?

Früher hieß es im Deutschunterricht immer: "Was will uns der Autor damit sagen?"
Ehrlich gesagt ich weiß es nicht.

Peter Weih | So, 20. August 2017 - 18:04

und zwar zu folgender Behauptung:
"Auch die Kampagne „Black Lives Matter“ geht von einem quasi angeborenen Rassismus weißer Menschen aus. Deren „Weißheit“ führe dazu, dass ihnen kollektiv das Leben schwarzer Menschen als nicht so wertvoll gelte."

Christoph Kuhlmann | So, 20. August 2017 - 18:48

ethnischen Merkmalen einzuteilen, ist bei Themen wie Einwanderung natürlich festzustellen, wem sie materiell nützt und wem sie materiell schadet. In einer egoistischen Welt wäre alles andere unredlich. Man wird sehr schnell feststellen, dass es bei den Staatsbürgern des Ziellandes kaum ethnischen Schranken bei den Schaden/Nutzen-Kategorien gibt, sondern vielmehr soziale. Ein anderer Aspekt ist, dass Menschen nun einmal einen kulturellen Background haben, der sie prägt. In multikulturellen Gesellschaften birgt das ein erhebliches Konfliktpotential. Es hieße hier Ursache und Wirkung zuverwechseln, würde man Erscheinungen wie die Identitären als Ursache dieser Konflikte nennen. Sie sind die Folge einer verfehlten Einwanderungspolitik, welche das Thema kulturelle Integration und Transformation weitgehend ausblendet. Schlagworte wie "Willkommenkultur" und "Wir schaffen das", sind da wenig hilfreich, sondern verdeutlichen nur auf welchem unzureichendem Niveau diese Debatte geführt wird.

Erika Rojas | So, 20. August 2017 - 19:32

Eine Identität zu wollen bedeutet nicht notwendig andere Lebensweisen und Identitäten als mehr oder weniger wert zu betrachten. Warum soll ein Zulu aus Afrika mehr oder weniger wert sein als ein Friese oder ein Bayer.

Der Mensch ist ein Mensch, weil er auf hunderte oder sogar tausende von Jahren an Erfahrung und Wissen zurückgreifen kann, und zwar nicht nur intellektuell, sondern auch emotional. Ohne tradierte Identität verwandelt sich alles in einen geistlosen Einheitsbrei, der nur um den Preis permanenter Gehirnwäsche und umweltschädlicher Kompensationseffekte wie Konsum aufrechterhalten werden kann.

Luca Schütze | So, 20. August 2017 - 22:04

Sehr geehrter Herr Heitmann,
Besser hätte man das woran unsere Gesellschaft erkrankt ist nicht beim Namen nennen können. Ich lehne die Identitätspolitik sowohl rechts als auch links vonseiten jeglicher politischer Akteure vehement ab. Vielleicht haben Sie den Artikel von Mark Lilla in der NZZ gelesen, der genau jene Identitätspolitik verantwortlich für Donald Trumps Wahlsieg gemacht hat. In unserer Sache ist "das Private politisch" geworden, obwohl es umgekehrt sein sollte. Ich bekomme das als Student an meiner Universität täglich mit. Selbst unter Gruppen die sich eigentlich einig sein müssten, werden neue Feindbilder aufgebaut. Ich persönlich ertrage es nicht mehr in meinem Privatleben ständig unter konventioneller Überwachung zu stehen. Daher möchte ich nach dem Studium in ein Land auswandern, wo man in solchen Dingen privat in Ruhe gelassen wird. Thilo Sarrazin hat Recht behalten. Deutschland schafft sich ab. Aber nicht durch Migration sondern durch Identität.
MfG
Luca Schütze

Von wem werden Sie denn überwacht? Einem Überwachungsdienst?
Meine chinesische Untermieterin stöhnte immer, dass in ihrer Kultur nicht nur die Familie, sondern auch Freunde sich das Recht nehmen, sich penetrant in ihre Angelegenheiten einmischen, das sei in China normal. Sie sei froh, in D zu leben. In islamischer und indischer Kultur ist die soziale Kontrolle wie in einem Polizeistaat, der in vielen Ländern eh noch dazu kommt. Vielleicht ist man als Single auf Island unbehelligt, wenn man äußerlich nicht auffällt.
Hat man finanzielle Ressourcen, auf jedem Kontinent ein Domizil, auf das man jeweils ausweichen kann, ist das natürlich am besten. Trifft aber auf die wenigsten Menschen zu.

Robert Müller | Mo, 21. August 2017 - 08:43

Den Begriff kannte ich gar nicht. Ich habe recherchiert und ich glaube das ist etwas das aus der USA kommt. Ursprünglich wohl von den Linksliberalen und mir scheint, dass Frau Clinton auf diesem Ticket zur US-Präsidentschaft fuhr und verlor. Das mit den Identitären scheint die selbe Sache von Rechts zu sein.

Ich selber halte es dann doch mehr mit Kategorischen Imperativ von Kant: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." In Zeiten von Partikularinteressen ist ein solcher Ansatz in der Defensive, aber ist die Bündelung der Lobbyinteressen wirklich besser? In der USA hat Trump als Vertreter der stärksten Lobbygruppe (weiße Landbevölkerung) gewonnen, doch ist das ein Gewinn für die USA gewesen? Trump ist kein Staatsmann, sondern ein Lobbyist und deshalb handelt er wie ein typischer Imobilienverkäufer (der er ja auch ist).

Raimund Zoller | Mo, 21. August 2017 - 09:49

Indenditätsgruppen sind die logische Folfe globaler Multikulti. Je bunter und vielfältiger Gesellschaften warden, desto stärker ziehen sich Menschen auf die eigene Idendität zurück. In homogenen Bevölkerungen muss niemand die eigene Idendität explizit leben, da alle so sind.
In durchmischten Gesellschaften differenzieren sich Menschen mit idenditätrer Abgrenzung. Darüber sollte sich niemand wundern.

Linda Tegler | Mo, 21. August 2017 - 09:52

Ich war am Wochenende in der Buchhandlung. Dort lag das Buch "Eine Strategie gegen Rechts" von Heiko Maas. Man stelle sich mal vor, ein konservativer Politiker würde die gesamte andere Hälfte der Bevölkerung diskriminieren, alles was progressiv ist für schlecht halten, und eine "Eine Strategie gegen Links" vorschlagen. Wir würden das zumindest ideologisch und unnötig spalterisch finden. Vor allem, da sich Maas offiziell sogar in einer Koalition mit "Rechts" befindet. (Falls man die Merkel-CDU noch als rechts bezeichnen kann.)

Frank Unfrei | Mo, 21. August 2017 - 10:10

Für diese Bt-Wahl ist es schon zu spät, aber direkt nach der Wahl könnte man die 5%-Hürde kippen, und den inoffiziellen Fraktionszwang erschweren.
Wir brauchen ein Signal, und diese Maßnahme würde für mehr Demokratie sorgen.
Es gäbe 4 Jahre, um sich darauf vorzubereiten, und sich politisch zu orientieren.
Es könnte danach etwas chaotisch zugehen, aber die Menschen könnten verstärkt wieder für etwas wählen, statt nur gegen.

Ralf Schindler | Mo, 21. August 2017 - 10:43

Dem Artikel kann ich inhaltlich leider nur zustimmen. Was mich sehr mitgenommen hat, ist das Bild. Es erinnert mich an Zeiten, die in meiner Hoffnung längst hinter uns lagen, mit der hasserfüllten Fratze und der Art der Aufnahme. Da wurde mir spontan schlecht.

Bernhard Jasper | Mo, 21. August 2017 - 12:18

Herr Heitmann, Sie haben das große Feld der „Religionen“ ausgelassen, damit meine ich übrigens alle möglichen Erlösungstheorien. Eine funktional organisierte Gesellschaft benötigt eigentlich keine Religionen oder Sekten. So wird auch die „kulturelle Identität“ oft zum Kampfbegriff. Immer geht es dabei darum den eigenen Willen durchzusetzen. Es kommt jedoch nichts dabei heraus. In einer ausdifferenzierten Gesellschaft kann das auch gar nicht mehr klappen.

Man sollte einmal reflektieren, ob es nicht oft (auch beim zeitgenössischen Konservatismus) etwas mit dem Widerstand gegen die Zumutungen des Fortschritts zu tun hat, der natürlich oft kein Fortschritt ist. Es könnte eine Krise an den Glauben des Fortschritts sein. Also, wenn es um kulturelle Identität geht- geht es eigentlich auch immer um den zukunftsorientierten Entwurf und dabei machen egalisierende Konzepte keinen Sinn mehr.

Konrad Kugler | Di, 22. August 2017 - 00:26

Wer Religionen ausklammer(t)n will, ist ein Ignorant, ja sogar ein Menschenfeind.

Wie viele Menschen leben wirklich in einer absoluten Wurschtigkeit? Alle anderen sind Gläubige: Katholisch, konservativ oder neukatholisch, Lutherisch und 600 Denominationen, innerhalb des Islam Sunniten und Schiiten (untereinander tödlich verfeindet), Kommunismus (nur die Kommunisten und die katholischen Parteien verloren in der entscheidenden Reichstagswahl keine Stimmen), Evolutionismis mit seiner riesigen Gläubigengemeinschaft aus Wissenschaft und Einfalt und die Weltübermächtigungsreligion Genderismus.

Fred Anton | Do, 24. August 2017 - 09:34

Gewalt ist das Problem
Glücklicherweise wird aber Gewalt derzeit nur von einer ganz kleinen Gruppe in der Bevölkerung ausgeübt. Die Mehrheit stellt sich der Diskussion, so wie esder Autor fordert.
Insofern ist deine Analyse eine reine Schwarzseherei.
Wichtig ist, dass in einer Gesellschaft, die demokratisch verfasste ist, die Bürger eine gemeinsame Sprache haben oder zwei gemeinsame Sprachen. Nur dann ist selbst und Mitbestimmung in einem demokratisch verfassten Start möglich. Zum zweiten sollte es eine Allgemeinbildung geben, in Deutschland ist das die Schulpflicht, die zum Hauptschulabschluss führen soll.
Und ansonsten haben wir die Menschenrechte, aus denen auch diverse Verpflichtungen abgeleitet werden können, wie man sich zu verhalten hat.
Ein Recht haben heißt auch, das Recht des Anderen zu respektieren.
Und wir haben staatliche Gewalt, die Gesetze durchzusetzen hat. Insofern ist alles im grünen Bereich. Jedenfalls in den USA und in Deutschland.

Wolfgang Beck | Do, 24. August 2017 - 10:56

Identität heißt, daß etwas mit sich selbst in totaler Übereinstimmung befindet (Eigentlich müßte man sagen, Identität liegt dann vor, wenn etwas ist mit sich selbst identisch ist, was aber im Widerspruch zur Definitionsregel steht). Im Grund eine ausgesprochen banale Aussage. Bezogen auf Lebewesen bedeutet sie, ein solches hat zu sich selbst keine Alternative – kurz: Identität ist alternativlos. Das Individuum kann im Laufe seines Lebens alle möglichen Veränderungen an sich selbst vornehmen oder erleiden, äußerlich und/oder innerlich – die Identität bleibt immer dieselbe (nach christlicher Vorstellung sogar über den Tod hinaus); das Individuum ist ihr gewissermaßen gnadenlos ausgeliefert. Inwiefern besteht nun ein Zusammenhang zu einem an der Demokratie orientierten Politikverständnis?

Wolfgang Beck | Do, 24. August 2017 - 10:57

In der Demokratie ist der Staatsbürger Subjekt des Staates – im Obrigkeitsstaat ist er nur Objekt; der Bürger steht mit in der Verantwortung für das Gemeinwohl. Verantwortung ist hier der Schlüssel; denn mit Verantwortung verbinden wir automatisch eine moralische Anforderung, die nicht einfach abgestreift werden kann; denn wollten wir die Verantwortung für das Gemeinwohl abstreifen, wäre es letztlich eine Absage an die Demokratie. Kurz: Identität und Verantwortlichkeit stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Identität, genauer des Bewußtsein von ihr, sind demzufolge die unabdingbare Voraussetzung für ein demokratisches Bewußtsein. Demzufolge muß eine demokratische Politik immer auch Identitätspolitik sein.

Ralf Ehrhardt | Fr, 25. August 2017 - 02:03

Die Schlussfolgerung (letzter Absatz des Artikels), dass die ..."Identitätspolitik inzwischen Politik großflächig ersetzt hat", ist falsch.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Politik versucht gerade verzweifelt, die ´persönlichen Einzelidentitäten` der schon länger hier lebenden Deutschen sowie die ´Deutsche Identität` als Ganzes auszulöschen und durch einen ideologischen Multi-Kulti-Wischi-Waschi-Einheitsbrei zu ersetzen.
Der Begriff "Deutsch" wird heute ja schon zum rechtsideologischen Schimpfwort degradiert (Magot Käßmann auf dem Kirchentag( Deutsche Eltern, Deutsche Großeltern,... brauner Wind...) und kommt z.B. im aktuellen Wahlkampfprogramm der SPD schon gar nicht mehr vor.

Insoweit ist jeder ´schon länger hier lebende Deutsche` sogar verpflichtet, für die eigene Identität und die seines Landes vehement einzutreten und diese zu verteidigen (!)

Karla Bendt | Do, 31. August 2017 - 18:50

Was ist denn das "andere"? Ich glaube strukturell gibt es "andere" in jedem Lager. Und Exklusions und Auslöschungsfantasien sind manchmal stark verbreitet. Der brave Bürger will den Naziproll ganz gewiss aus der Gesellschaft drängen. Der Grüne den AfD Politiker keinen Raum geben. Der Fremdenfeind den "Fremden".

Normale Leute wollen einfach, dass sich alle vertragen und alles so bleibt wie's is, und schön ist. Also keine Massen reinlassen, keine Hetze, keine Panik, alle gut miteinander umgehen. Aber die besonnen Leute machen ja oft nicht Politik, sondern die, die fanatisch gegen ihre jeweiligen "anderen" gepolt sind.

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