100. Geburtstag von Sophie Scholl - Eine nahbare Heldin

An diesem Sonntag vor 100 Jahren kam Sophie Scholl zur Welt. Lange Zeit wurde das Mitglied der „Weißen Rose“ zur Heldenfigur verklärt. Dabei war sie vor ihrem Widerstand gegen das NS-Regime selbst glühende Nationalsozialistin. Dennoch bleibt sie ein Vorbild und eine Ausnahmeerscheinung.

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Ein nationaler Mythos: Hans und Sophie Scholl / dpa

Autoreninfo

Ulrike Moser ist Historikerin, Journalistin und Autorin. Sie lebt in Berlin.

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Da ist dieses Foto, tausendfach abgedruckt: Sophie Scholl, konzentriert und sehr ernst, in Strickjacke und mit Margeritenblüte in der Hand, zwischen Christoph Probst und ihrem Bruder Hans am Münchner Ostbahnhof.

Da sind all die anderen Bilder. Sophie im Profil, die Augen gesenkt, das Haar fällt ihr ein wenig ins Gesicht. Ihr Gesicht von vorne, die großen dunklen Augen, ihr fein geschwungener Mund. Fotos, die längst zu deutschen Andachtsbildern, die ikonisch geworden sind. Wie Sophie Scholl selbst. 

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Ernst-Günther Konrad | So, 9. Mai 2021 - 08:57

Gerade dieser Wechsel von einer glühenden Verehrerin des Nationalsozialismus hin zu einer wach gewordenen Gegnerin dieses Verbrechersystems, macht erst für mich dieses Mädchen zu einem wahrhaftigen Vorbild. Damals wie gegenwärtig, nur mit anderen technischen Mitteln waren die Kinder und Jugendlichen vom Umfeld, dem Zeitgeist und dem Elternhaus geprägt. Es ist keine Schande, dass sie anfangs sich ebenso, wie viele andere Menschen hat blenden lassen und sich dem System angeschlossen hat. Die Wahrheit hätte ihrer "Legendenbeschreibung" besser getan, als die jetzt nachträglich aufgedeckten Vertuschungen, Verklärungen, Lügereien. Im Gegenteil. Gerade diese Einsicht, den Mut zum Sinneswandel, das eigene Überdenken des eigenen Handelns, das macht doch einen Menschen aus. Jeder macht Fehler und kann sie korrigieren. Sie hat es getan. Und ja, auch unsere Jugend wird derzeit links-grün geblendet, gegen die eigenen Eltern aufgehetzt und wenige beginnen zu zweifeln, aber das wird auch noch kommen.

Sophie Scholl beginnt evtl. aufzuwachen, als die ersten ihrer Generation auf den Schlachtfeldern sterben.
Ich weiss noch, dass ich lange Zeit fix und fertig war mit den Nerven, weil ein Klassenkamerad eines meiner Kinder in Afghanistan war.
Krieg, auch wenn man das evtl. als Kinder spielt, ist kein Spielplatz.
Wir als Gesamtgesellschaft tragen dafür Verantwortung und deshalb bin ich froh, dass dort jetzt unsere Truppen abgezogen werden und die Hilfskräfte mitkommen dürfen.
Das kann und darf man nicht anders handhaben.
Ich widerspreche Ihnen jedoch bei den Grünen.
Diese Partei kenne ich seit ihren Kindertagen, auch teils deren Mitglieder.
Sie sind unbequem und ich bin vor allem gegen Klimanotstandsgesetze, aber gehypt haben sich die Grünen nicht selbst.
Zum einen gab es nun mal die Zeichen eines Klimawandels, ist grün schon so schön, dass ich deshalb gerne Fussball sehe, aber ich denke, dass man in die Grünen investierte.
Allen voran m.E. Frau Merkel.
Was hätten die Grünen tun sollen?

Danke für Ihre Antwort. Wann letztlich der Sinneswandel, welches Ereignis es war, das Sophie Scholl anfangen ließ umzudenken, mag man vermuten, aber wirklich wissen, werden wir es nie. Und was Merkels Rolle beim derzeitigen Aufwuchs der Grünen anbetrifft, sind wir durchaus einer Meinung. Die derzeitigen Umfrageergebnis, wenn sie denn so stimmen, sind Ergebnis nicht der "guten" Politik der GRÜNEN, sondern Ergebnis des Versagens der übrigen Altparteien. Sie haben die GRÜNEN erst aufgeputscht, so wie sie auch Geburtshelfer bei der Geburt der AFD waren, weil man Merkel schalten und walten ließ. Ein schönen Sonntag noch.

Lieber Herr Konrad, jedes Wort von Ihnen findet hier meine Zustimmung. Das Schönste daran ist - es gibt immer Hoffnung! Auch in dieser, so hoffnungslos erscheinenden Welt gibt es das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Meine Hoffnung ist: Wenn wir durch dieses Tal, das noch viele Zerstörungen bereit hält, gewandert sind, wird die menschliche Vernunft und Tatkraft siegen. Ideologien sind kurzlebig. Auch die grüne, die in Deutschland nur ein Übertünchen der Fehler der Merkel-Zeit darstellt, hat ihr Ende. Ob ich dies indes noch erlebe (Jg. 1947) bleibt abzuwarten. Meine Kinder und Enkel werden es gewiss erleben. Dies stärkt mich.

wenn aber Günther Grass , Dieter Hildbrandt und Gräfin Dönhoff älter werden und ihre Jugendsünden vergessen ( wollen ) dann schon . Grass hätte nie den Nobelpreis bekommen , wenn seine Jugend Begeisterung für Hitler bekannt gewesen wäre .

Und ausgerechnet die sogenannten öffentliche Helden & wahrhaftigen Demokraten von Heute beten die von früher an & heiligen diese, die gesellschaftliche Verhältnisse hinter fragt haben. Damals nannten die Nazis diese nur nicht Querdenker & Verschwörungstheoretiker. Der Umgang mit anderen Meinungen hat sich aber nicht geändert & wenn such keiner mehr an die Wand gestellt wird, die Methoden werden immer perfider (zu DDR-Zeit wurden sie eben mit Radioaktivität eliminiert). Heutezutage gibt es so was ähnliches wie Corona. Gleich als Beweis für die Aussage der Obrigkeit.
Und wie man mit Meinungen umgeht, die nicht in das Strickmuster der Clique passt, egal welches Strickmuster:

Ich sage nur Biermann, Sarazin, Palmer, Wagenknecht &&&

JA, IHR SCHAFFT DASS, werte sogenannte DEMOKRATEN,
eure ehrenwerten Schlösser vom Unrat zu beseitigen.

Herr Lehmann. Sie vergleichen die Covidioten, die sich jedes Wochenende trotz gerichtlicher Verbote zu Demonstrationen in verschiedenen Städten Deutschlands treffen, und anschliessend in komfortablen, extra für den Anlass angemieteten Reisebussen nach Hause gekarrt werden,

mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die gefoltert und bestialisch ermordet wurden? Mit Minderheiten, Oppositionspolitikern, Behinderten, die vergast wurden?

Einzige Ausnahme: man "nannte sie nicht Querdenker & Verschwörungstheoretiker", aber Umgang und Methoden hätten sich nicht geändert, würden nur noch "perfider"?

Wissen Sie überhaupt noch, was Sie so zurechtschreiben?

Aber ansonsten gerne ein Bibelzitat zur Hand!

Erbärmlich.

an die ganz wenigen Widerstandskämpfer, nur mit dem Wort als Waffe, nimmt kein Ende. Links-grün = NSDAP heisst die Losung nun. Früher galten die Kämpfer der Weißen Rose noch lange nach '45 als Volksverräter.

Urban Will | So, 9. Mai 2021 - 09:58

Bewegung möchte ich anführen, dass nach meiner Auffassung die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise eingeschränkt wird, die meinem inneren Wesen widerspricht.“
Starke Worte.

Der Dreh- und Angelpunkt jeglicher Vernunft. Die geistige Freiheit.
Die Abkehr vom System, die Verurteilung all der Verbrechen, des Krieges. Nur wer geistig frei ist, frei denken kann und, dies auch will, kann all dem widerstehen, all den Verführungen eines „gelenkten Lebens“. Niemand, der frei denkt, wird „nur seine Pflicht tuend“ Verbrechen begehen oder, andere ans Messer liefern, die sich einem System widersetzen. Oder ohne zu hinterfragen jeden von oben verordneten Blödsinn blind befolgen.
Und gerade deshalb ist dieses Gedenken an Scholl so wichtig.
Sie wusste, dass sie ihr Leben riskiert, wenn sie Widerstand leistet. Heute sind es der Ruf, die Akzeptanz, die Karriere. Und daher braucht es auch heute Mut, seine geistige Freiheit offen zu leben und auch nach außen zu tragen.

Yvonne Stange | So, 9. Mai 2021 - 10:24

„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ,regieren‘ zu lassen“
Und:
„hauptsächlichen Grund für meine Abneigung gegen die Bewegung möchte ich anführen, dass nach meiner Auffassung die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise eingeschränkt wird, die meinem inneren Wesen widerspricht.“

Wer jetzt immer noch keine Parallelen zur Gegenwart sieht ist blind!

Christa Wallau | So, 9. Mai 2021 - 10:41

macht ihre Größe aus!
Sie e n t w i c k e l t e sich durch ständiges, scharfes Beobachten u. Reflektieren - genau d a s ist es, was einen geistig wachen Menschen nicht nur in seiner Jugend, sondern sein ganzes weiteres Leben lang prägen sollte.

Immer wieder sollte das eigene Handeln der Realität angepaßt werden. Neue Erkenntnisse müssen zur Distanzierung bis hin zur Umkehr führen.
Nur ein Mensch, der dies leistet, kann "das Antlitz der Erde erneuern", so, wie es sich echte Christen vom "Heiligen Geist" erbitten.

Nicht jeder kann und muß den Mut (lieber möchte ich sagen "Todesmut") aufbringen, den Sophie und Hans Scholl bewiesen haben, aber j e d e r von uns
sollte sich fragen:

Wo ist h e u t e mein vernünftiges Denken, mein Bekennen zu meinen Überzeugungen und mein Mut, mich anfeinden zu lassen, gefragt?
N o c h haben wir ja keinen Volksgerichtshof und keinen grün-linken Freisler zu befürchten ...

Helmut Bachmann | So, 9. Mai 2021 - 11:38

ein Held ist eben nur ein Mensch. Wer hätte das gedacht. Held bleibt sie trotzdem. Und dies nicht, weil sie „ein Zeichen“ gesetzt hat. Das reicht nur heute zum Heldentum. Sondern weil sie für ihre Überzeugungen ihr Leben riskierten, statt zu kuschen.

Bernd Muhlack | So, 9. Mai 2021 - 16:07

Die Wolfsschanze war eine große militärische Anlage etwa 25 km östl. von Rastenburg; meine Großeltern (Vattern) stammten von dort.

Wiederholend: 1980 waren wir im Rahmen unserer Polenfahrt (Geschichte-LK) auch dort zur Visite.
Das Attentat am 20.7.1944.
Hitler überlebte fast unverletzt u in kürzester Zeit wurden die Attentäter "der Gerechtigkeit zugeführt". Gemeuchelt im Bendler-Block;
dort residiert inzwischen das VerteidigungsMin, Frau AKK (von ihr hört man gar nichts mehr, oder?)
An diesem Tag waren Sophie Scholl et Co. bereits mehr als ein Jahr tot.

Die "Geschwister Scholl" möge ein jeder für sich selbst beurteilen.
Im Zweifel ist die Lektüre des Tagebuchs von Anne Frank mMn hilfreicher; solange man nicht auch daran "herumfummelt"!

Es ist angenehmes Wetter, Muttertag und gestern der Tag der Befreiung/Kapitulation.
Jour fixe auf dem Balkon.
Mutterns Erzählungen von damals sind immer wieder beeindruckend!
"Dat Zigeuner-Marie hat zom Glück üwerlebt!"

Darf Muttern das sagen?
JA!!!!