Antisemitismus in Deutschland - Empathie gibt es nur für tote Juden

Der Echo-Preis an Kollegah und Farid Bang, religiöses Mobbing an Schulen oder Angriffe gegen Juden auf der Straße – Fälle von Antisemitismus scheinen sich zu häufen, und Deutschland gibt sich plötzlich empört. Tatsächlich aber hat man viel zu lange weggesehen

Menschen nehmen am 02.07.2016 auf dem Kurfürstendamm in Berlin an einer Demonstration eines Bündnisses "Kein Al Quds-Marsch 2016! Gemeinsam gegen jeden Antisemitismus!" teil. Zum Bündnis gehören deutsch-israelische, jüdische und andere Organisationen.
Deutsche begegnen Juden oft wie fremdartigen, unheimlichen Wesen, zu denen man besser auf Distanz bleibt / picture alliance

Autoreninfo

Alex Feuerherdt ist freier Publizist. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Antisemitismus, Israel, Nahost und Fußball und schreibt regelmäßig für verschiedene Medien, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, n-tv.de, Konkret und die Jungle World. Zudem ist er der Betreiber des Blogs Lizas Welt.

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Die Reaktionen auf die Verleihung des „Echo“ an Kollegah und Farid Bang sind überraschend heftig ausgefallen. In vielen Medien werden die beiden populären Rapper auf einmal für judenfeindliche Liedzeilen kritisiert. Dabei verbreiten die beiden schon seit Jahren antisemitischen Unflat, ohne jemals nennenswerten Anstoß erregt zu haben. 

Kollegah, mit bürgerlichem Namen Felix Blume, verwendet beispielsweise antisemitische Verschwörungstheorien in seinen Texten. In seinem Lied „Apokalypse“ etwa kämpft „die letzte Bastion der Menschheit“ in Jerusalem gegen „eine endlose Übermacht auf dem Tempelberg“, sprich: die Juden. Im dazugehörigen Video sieht man, wie die Rothschilds, eine jüdische Bankierdynastie, zu jenen 13 Familien gezählt werden, die als Illuminaten angeblich die Welt beherrschen. Blume bewahrt als Held den Planeten schließlich vor dem Untergang und singt: „Die Menschen auf der Erde leben friedfertig zusammen, man sieht, wie Buddhisten, Muslime und Christen gemeinsam die zerstörten Städte wieder errichten.“ Juden gehören nicht dazu, sie sollen die Zerstörungen schließlich vorher angerichtet haben.

Deutsche „Vergangenheitsbewältigung“

Doch solche antisemitischen Phantasmen ließ man Kollegah durchgehen, erst die Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ sorgte jetzt für einen Skandal. Antisemitismus beginnt für allzu viele erst beim Holocaust, bei sechs Millionen toten Juden. In Berlin hat Deutschland das größte Mahnmal der Welt gebaut – allerdings weniger für die ermordeten Juden, als vor allem für sich selbst. Der Historiker Eberhard Jäckel sagte dazu freimütig: „In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal. Wir können wieder aufrecht gehen, weil wir aufrichtig bewahren. Das ist der Sinn des Denkmals, und das feiern wir.“ Wer gegen diese „Vergangenheitsbewältigung“ verstößt, muss daher mit einem Shitstorm der Wiedergutgewordenen rechnen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die nicht-jüdischen Deutschen deshalb Empathie für lebende Juden übrig hätten. Wenn sie überhaupt welche kennen, begegnen sie ihnen oft wie fremdartigen, unheimlichen Wesen, zu denen man besser auf Distanz bleibt. Sie bekommen, wie der Unternehmensberater Gabriel Yoran bei Übermedien schreibt, „nicht mal das Wort ‚Jude‘ über die Lippen, ohne zu zögern, weil sie es nur als Schimpfwort kennengelernt haben, weil ihr erster Kontakt mit Juden die Schwarzweißfotos ausgemergelter KZ-Häftlinge sind, die man ihnen pflichtschuldig in der Schule zeigt.“ Dann bemühten sie „Verrenkungen wie den ‚Menschen jüdischen Glaubens‘, selbst wenn er gar nichts glaubt. Oder die ‚jüdische Herkunft‘ als maximal gut gemeintes Distanzierungsgeschwurbel.“

Wunsch der Auswanderung nach Israel

Geht es um Antisemitismus, der sich keiner nationalsozialistischen Terminologie bedient und nicht von Rechtsextremisten kommt, hält man es in Deutschland für normal, dass sich Juden und jüdische Organisationen selbst darum kümmern. Hasserfüllte Demonstrationen gegen Israel, wie sie vor allem Muslime nach der Entscheidung der US-Regierung, Jerusalem als Hauptstadt des jüdischen Staates anzuerkennen, veranstaltet haben, lassen deutsche Politiker allenfalls kurz mahnend den Zeigefinger heben. Gleiches gilt, wenn es zu verbalen und körperlichen Übergriffen auf Juden durch Muslime kommt

In Deutschland und Europa herrscht ein gesellschaftliches Klima, das immer mehr Juden über eine Auswanderung nachdenken lässt. Eine Studie zu antisemitischer Gewalt in Europa, die Johannes Due Enstad von der Universität Oslo im Juni 2017 vorgelegt hat, unterstreicht das. Er dokumentiert und analysiert darin gewalttätige antisemitische Vorfälle, die sich zwischen 2005 und 2015 in sieben europäischen Ländern ereignet haben: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Russland. Enstad stellt fest, dass die Zahl antisemitischer Gewalttaten dort im untersuchten Zeitraum beständig zugenommen hat. Etwa zehn Prozent der französischen Juden gäben inzwischen an, schon einmal aus antisemitischen Gründen physisch angegriffen worden zu sein, in Deutschland und Schweden sind es 7,5 Prozent, in Großbritannien fünf Prozent.

Vermeiden jüdischer Symbole

Zudem vermeiden es 64 Prozent der in Deutschland lebenden Juden nach eigenen Angaben manchmal (32 Prozent) oder sogar immer (32 Prozent), Symbole oder Gegenstände wie beispielsweise eine Kippa zu tragen oder einen Davidstern zu zeigen, durch die sie als Juden erkennbar sein könnten. In Frankreich liegt dieser Wert bei 74 Prozent (23 Prozent manchmal, 51 Prozent immer). Fast die Hälfte der Juden in Frankreich erwägt nach Israel auszuwandern, während es in Deutschland 25 Prozent sind.

Auch in Erhebungen zu antisemitischen Einstellungen in der Bevölkerung zeigt sich eine alarmierende Entwicklung. Dem Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus zufolge, der im Mai 2017 dem Deutschen Bundestag vorgelegt wurde, ist die Zustimmung zum klassischen Antisemitismus in Deutschland zwar gesunken. Die Werte beim sekundären Antisemitismus sind jedoch nach wie vor hoch. So stimmen beispielsweise 26 Prozent der Aussage zu: „Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen.“ Der israelbezogene Antisemitismus kommt auf noch höhere Zustimmungswerte, die Expertenkommission beziffert sie auf 40 Prozent: So viele können beispielsweise „bei der Politik, die Israel macht, gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat“, und glauben, Israel führe „einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“.

Angriff von allen Seiten

Es ist vor allem diese Form des Antisemitismus, die verschiedene Milieus und politische Strömungen zusammenführt. Der Gazakrieg im Sommer 2014 hat diesbezüglich wie ein Katalysator gewirkt. Als es in ganz Europa zu teilweise gewalttätigen Demonstrationen gegen Israel kam, begegneten viele linke Organisationen dem antisemitischen Treiben der überwiegend muslimischen Teilnehmer mit Verständnis. Sie warfen dem jüdischen Staat ihrerseits vor, Massaker zu verüben, Kriegsverbrechen zu begehen und das Völkerrecht zu brechen.

Auch in den Medien habe „eine systematische Asymmetrie in der Darstellung der Akteure“ zulasten Israels vorgeherrscht, wie der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch schreibt. „Die jüdische Gemeinschaft in Europa wird von ganz rechts, von ganz links und von radikalen Islamisten angegriffen“, sagt Moshe Kantor, der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses. Wie immer sei „die einzige Verbindung zwischen diesen Gruppen der Hass gegen Juden“.

Es ist ein Hass, der hierzulande von einer großen Empathielosigkeit der vielbeschworenen gesellschaftlichen Mitte gegenüber den Juden und dem jüdischen Staat begleitet wird. Die Reaktionen auf die „Echo“-Verleihung waren deshalb auch keineswegs eine Parteinahme für die Juden – also für diejenigen, die der Antisemitismus meint und trifft. Vielmehr dienten sie der Selbstvergewisserung.
 

wolfgang spremberg | Di, 24. April 2018 - 17:39

Die Zahl der Antisemiten in Europa vergrößert sich durch die Zuwanderung aus islamischen Ländern. Das ist wohl Fakt.
Durch eine entsprechende Sozialisation in Problemvierteln vergrößert sich wohl auch die Zahl der einheimischen Antisemiten.
Ist der Zentralrat der Juden eigentlich gegen eine weitere Zuwanderung von Muslimen ? Oder erwartet er das unsere Gesellschaften das Problem durch "Aufklärung" löst ? Wie lange mag das dauern ? Und bis dahin haben die Opfer Pech gehabt ? Ich denke man muss hier pragmatisch denken und handeln und zwar bald.

Olaf Voß | Di, 24. April 2018 - 18:08

In reply to by wolfgang spremberg

Das der Antisemitismus proportional zur vermutlich gelenkten Masseneinwanderung aus vorwiegend islamischen Ländern zunimmt, ist in der Tat ein Faktum; ein mögliches Faktum ist auch, dass Europa vielleicht bald ohne Menschen jüdischen Glaubens sein wird, so Hendryk Broder. Wenn der Zentralrat der Juden das Nichttragen der Kippa empfiehlt, ist dies eine weitere Kapitulation vor dem Islam, der sich in seinen Plänen in naher Zukunft Europa zu beherrschen nur bestätigt sieht.

Michaela Diederichs | Di, 24. April 2018 - 22:49

In reply to by wolfgang spremberg

„Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern, wo der Hass auf Juden und Israel staatstragenden Charakter hat. Da ist es klar, dass mit ihnen ein großes Potenzial an Judenhass nach Deutschland kommt.“ So Rabbiner Daniel Alter in WON. Schon im November 2015 forderte der Zentralrat der Juden eine Obergrenze, weil Integration sonst nicht gelingen und man den Menschen nicht gerecht werden könne. Dafür wurde er dann gleich parteipolitisch instrumentalisiert. Anstatt zu handeln, wird weiter geschwurbelt. Wie lange noch? Bis der letzte Jude das Land Richtung Israel verlassen hat? Und wo bleiben wir Christen? Hat jemand einen Plan? Langsam wird es einem gruselig in Deutschland.
https://www.berliner-zeitung.de/politik/fluechtlingskrise-zentralrat-de…

Miriam Fuchs | Mi, 25. April 2018 - 08:31

In reply to by wolfgang spremberg

Meine muslimische Kopftuch tragende Freundin wird andauernd beleidigt. Ist das wiederum nicht schlimm? Weil es Deutsche tun...? Oder gar Juden? Ich bin gegen jegliche Diffamierung egal welcher religiösen Gemeinschaft oder ethnischer Herkunft. Zumal diese beiden doch den gleichen Ursprung finden ist es noch trauriger. Das wäre doch mal was, in alle Richtungen zu schauen!! Diese Unterscheidung muss aufhören! Einmal Emphatie für alle!

Für welches Frauenbild steht das Kopftuch ? Muss ich das mögen ? Nein. Muss ich nicht.

wenn Ihre kopftuch-tragende Freundin beleidigt wird. Und nun? Was ist Ihr Argument? Weil ein Moslem beleidigt wird, darf dieser auch einen Juden beleidigen, oder angreifen, oder was soll ich aus Ihren Worten schliessen?

Wo ist das 'Doppelmoral'?
Ausserdem ist noch ein Unterschied zwischen 'beleidigen' und 'körperlich angreifen' bis hin zu Folter und Mord; so wie wir es in den letzten Monaten mehrfach aus Frankreich hören mussten.

Wenn Sie, Ihre Tochter oder Ihre Enkelin bei Wegen im Wohngebiet unter den Rufen von "Alahu Akbar" o.ä. mit Eiern und anderen Gegenständen beworfen oder einfach nur angespuckt wurden, hält sich Ihre Empatie für ALLE sicher in Grenzen!

Mit dem Kopftuch wird sehr viel Negatives assoziiert (in etwa alles was in den muslim. Ländern schiefläuft). In jedem System wird das Verhalten bevorzugt, das systemerhaltend (in der westl. Welt: freiheitlich-fortschrittlich) ist. Hier geht alles in Richtung Säkularismus und nachweisbarer Wissenschaft; sogar Gentechnik und künstl. Intelligenz. Gott ist deshalb nicht weg, bleibt Schöpfer des Universums, aber das richtige Denken (über Frau, Mann, Ernährung, Kleidung) sollen wir selbst finden, dabei Unrecht und Nachteile minimieren.
Auch erfordert die notwendige Aufnahme von Vitamin-D weniger Kleidung; wir sind hier nicht im Süden.

... wird andauernd beleidigt. Ist das wiederum nicht schlimm?"
Falls es sich tatsächlich so verhalten sollte wie Sie`s schildern ist das selbstverständlich schlimm.
Doch liebe Miriam, Sie werden es möglicherweise bereits bemerkt haben. In dieser Sache hier und heute gehts allein um Juden in Deutschland die wegen des Tragens jüdischer Merkmale, in der Mitte einer Großstadt, angegriffen und geschlagen wurden und werden.
Also auch nicht um z.B. Schwarze, die möglicherweise allein wegen ihrer Hautfarbe angegriffen werden oder z.B. Christen, die in muslimischen Ländern nicht toleriert, dafür aber in Extremfällen gerade wegen ihres Christentums mit dem Tod zu rechnen haben.

Alfred Kastner | Di, 24. April 2018 - 18:35

Die Verbreiter von juden-feindliche Parolen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren Unterstützung erhalten.
Viele Muslime und Juden sind über Jahrzehnte in einem Klima des gegenseitigen Hasses aufgewachsen.
Dieses Klima bildet auch den Hintergrund für das, was sich derzeit an antisemitischen Übergriffen in unserem Land abspielt.
Über Generationen hinweg wurde jungen Muslimen das Gefühl vermittelt, dass sie überall auf der Welt unterdrückt würden.
Schuld daran sei „der Jude“, denn er tue angeblich alles, um den Islam zu bekämpfen.
Man müsste sich nur einmal die Geschichtsbücher ansehen, mit denen Muslime oft unterrichtet wurden, bevor sie nach Deutschland kamen.
In der üblichen Lektüre tauchen Juden höchstens negativ auf. Die über viele Monate währende Willkommenskultur in Deutschland war unangemessen, weil übertrieben und undifferenziert.
Selbst Leute, die bereits in ihren Herkunftsländern als Straftäter auffällig waren, wurden hier wie „Superstars“ empfangen.

"Viele Muslime und Juden sind über Jahrzehnte in einem Klima des gegenseitigen Hasses aufgewachsen."
Ich möchte dieser Gleichsetzung widersprechen. Es ist im Wesentlichen der Hass der Muslime auf die Juden, der ein friedliches Zusammenleben unmöglich macht.
Muslime haben in der Vergangenheit versucht, den jüdischen Staat Israel auszulöschen und nicht umgekehrt.

Gerhard Hellriegel | Di, 24. April 2018 - 19:59

Wie unterschiedlich doch die Reaktionen auf das Tragen einer Kippa bzw. eines Kopftuchs sind?
Wenn nun "hasserfüllte Demonstrationen" gegen die Annexion der Krim stattfinden würden, was wäre denn dann? Könnte es auch sein, dass diese geschilderte Sprachlosigkeit damit zusammenhängt, dass die sich bewusst sind, sich auf vermintem Gelände zu befinden und dass die Moralkeule ganz nah ist? Könnte es auch sein, dass die Ausfälle dieser Rapper auch Protest gegen political correctness ist? Was ist "israelbezogener Antisemitismus"? Ach, antiamerikanisch, antisemitisch, antifeminsitisch, antidemokratisch -
das ganze Arsenal an Schlagetotwörtern. Wieso erinnert mich das an Zeiten, wo jede Kritik mit einem Bekenntnis zur fdGO gekoppelt sein musste,
um nicht in Verdacht zu geraten? Tucholsky konnte noch schreiben: "Soldaten sind Mörder", heute käme das nicht durch die Zensur, heute ist "Israel befindet sich auf dem Weg zum Apartheidsstaat" antisemitisch.

Armin Latell | Mi, 25. April 2018 - 14:37

In reply to by Gerhard Hellriegel

Heute darf man offiziell Deutsche als Köterrasse bezeichnen, als Pack, als Armleuchter, Nazis Rassisten.... Soldaten dürfen immer noch als Mörder bezeichnet werden. Keine Folgen, wenn öffentlich skandiert wird "Deutschland verrecke, Deutschland, du mieses Stück Sch..." u.s.w. Wo ist Ihr Problem? Sollten Beleidigungen und Volksverhetzung tatsächlich ein Ausdruck von Protest gegen pc sein? Das glauben Sie hoffentlich selbst nicht. Was ist gegen ein Bekenntnis zur fdGO zu sagen? Frau Schröder hatte es damals (zu recht) eingefordert, Schwesig als erste Amtshandlung wieder abgeschafft. Die daraus folgenden Auswüchse können wir Bürger jeden Tag in den Nachrichten bestaunen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Israel JEDES Recht hat, sich zu verteidigen.

Gerhard Hellriegel | Mi, 25. April 2018 - 18:37

In reply to by Armin Latell

Hallo Herr Latell, also Ihren ersten Teil kann ich nicht nachvollziehen. Da mag 'mal der eine oder andere etwas Unflätiges geäußert haben, aber Sie erzählen mir nicht, dass sei ein Tenor wie z.B. Lügenpresse oder Merkeldiktatur. Ich möchte in der Diskussion jedenfalls nicht auf die Dörfer kommen.
Toleranz gegenüber Meinungen, denen ich nahe stehe, ist keine Toleranz, das ist eine Nullnummer. Toleranz beginnt erst dort, wo mir das absolut gegen den Strich geht. Wie Ihnen Tucholsky.
Schließlich glauben Sie doch nicht im Ernst, dass ein Bekenntnis zur fdGO etwas ändert. Das ist eine Unterwerfungsgeste und sonst nichts. Durchaus vergleichbar mit "Haben Sie überhaupt Abitur?"

Christoph Kuhlmann | Di, 24. April 2018 - 20:31

mindestens ebenso geschlagen wie die Christen. Sie verlangt halt ein gewisses Maß an Selbstverleugnung und Rücksichtslosig gegenüber den eigenen Interessen. Für mich ist Antisemitismus ja eine Unterform des Rassismus, obwohl es beim Genepool des jüdischen Volkes sachlich jeder Grundlage entbehrt, aber das hat die Rassisten auch nie gestört. Insofern treffen wir auf dasselbe Phänomen wie beim Rassismus, der leugnenden Projektion und Imputation, die krampfhaft versucht die eigene Toleranz unter Beweis zu stellen indem man sich bis zur totalen Ignoranz gegenüber den Interessen der eigenen Gruppe versteigt. Nun haben sich die Israelis nun mal entschieden nicht ständig Opfer zu sein und eröffnen damit der leugnenden Projektion Tür und Tor, die sich hier wieder voll moralischer Entrüstung mit den Schwächeren identifiziert, ohne die Ursache für diese Schwäche, die zumindest teilweise im Hass zu finden ist zu berücksichtigen.

1. Für mich ist Antisemitismus eine Unterform des Rassismus
2. Dies entbehrt jeder sachlichen Grundlage
3. Das hat die Rassisten aber noch nie gestört
Also, mich würde dieses Argumentationsschema schon stören.

Mathias Trostdorf | Di, 24. April 2018 - 20:59

"Die Reaktionen auf die „Echo“-Verleihung waren deshalb auch keineswegs eine Parteinahme für die Juden – also für diejenigen, die der Antisemitismus meint und trifft. Vielmehr dienten sie der Selbstvergewisserung."

Das glaube ich nicht. Vielmehr ist es so, daß man die allgemein Schwulen-, Frauen- und generell menschenverachtende Attitüde dieser Texte endlich auch mal mit kritisieren konnte, weil es offenbar ein mediales ok dafür gab, die antisemitische Haltung zu thematisieren. Es ist ja imzwischen so, daß nicht nur Juden, sondern genauso häufig auch "Ungläubige" Opfer muslimischer Verachtung werden, das aber kaum thematisiert wird, weil die Deutschen allgemein keine "Opfergruppe" sind. Es war also an der Zeit, auch mal für sich selbst aufzustehn, und die eigenen Ängste, für die es gar keine Lobby mehr gibt. "Rassismus" ist immer ein großes Thema hier, während der Haß auf (nichtgläubige) Deutsche zumeist totgeschwiegen wird.

Daniel Wischer | Di, 24. April 2018 - 21:19

Der Antisemitismus in Deutschland nach 1945 war nie weg,nur unter der Decke öffentlicher Wahrnehmung. Man denke nur an Fassbinders Stück "Die Stadt, der Müll und der Tod" aus den frühen Siebzigern oder die linke Begeisterung für die palästinensische Sache. Rechte hatten nach wie vor klare Ansichten über "die Juden". Hinzu tritt nun der islamisch befeuerte Judenhass. Infolge dessen kann man immer und überall das Kopftuch oder traditionelle "islamische" Gewänder tragen,doch besser keine Kippa. Daran wird auch der Sturm im politischen Berliner Wasserglas nichts ändern. Es fehlt augenscheinlich der Wille und sicher die Kraft, dem muslimischen Antisemitismus entgegen zu treten. Der "Gürtelschläger" von letzter Woche wird sicher weder ausgewiesen noch eine empfindliche Strafe zu befürchten haben. Von einer Akzeptanz unserer viel beschworenen Werte kann sicher auch kaum die Rede sein. Da hier kein politisches Konzept erkennbar ist, wartet man wahrscheinlich,bis wieder etwas Ruhe einkehrt.

Renate Aldag | Di, 24. April 2018 - 21:54

Durch die von Regierungsseite verordnete Zuwanderung (direkt in unsere von Generationen von Deutschen unter harter Arbeit erarbeiteten Sozialkassenbeständen,) die aber von der Mehrheit der deutschen und europäischen Bürger abgelehnt wird. Wer wählt diese Deutschen-, Frauen- und Judenhasser- Pro-Parteien? Welche Medien unterstützen diesen Trend? Wer will diesen Rückschritt ins Mittelalter? Aktion Ist gefordert!

Michaela Diederichs | Di, 24. April 2018 - 22:18

"Wir haben nichts davon gewusst." Irgendwie bekannt der Ausspruch in Deutschland? Heute sind es in erster Linie Politiker und vielfach leider auch Journalisten, die relativieren, ignorieren und tolerieren bzw. gar leugnen und schön reden. Sie machen sich schuldig.

Gisela Fimiani | Di, 24. April 2018 - 22:21

Gleichgültigkeit, Feigheit, zur Schau Stellung der eigenen Moralität.....letztlich die Relativierung der eigenen Schuld....seit langer Zeit in Deutschland zu sehen.....wenn man es sehen will.

Martin Wienand | Mi, 25. April 2018 - 00:11

Cicero ist ein notwendiges Korrektiv zu SPIEGEL, ZEIT & Co.

Dort erscheinen pflichtgemäß einige Artikel, die sich mit dem neuen Antisemitismus in Deutschland beschäftigen um sie anschließend in weiteren Artikeln zu relativieren. Wie z. B. heute Abend in dem ZEIT-Video »Das ganze Land macht sich in die Hose«
Vorspann: "Der deutsch-jüdische Politikwissenschaftler David Ranan findet die Debatte über muslimischen Antisemitismus übertrieben. Viele Muslime fühlten sich missverstanden."
Sorry, was soll ich damit? Alles nur Anti-Zionismus? Nur die Deutschen kennen echten Antisemitismus? Alles halb so schlimm? Unerträglich.
Daher Danke an Cicero und Danke an Herrn Feuerherdt.

Jan Gruneberg | Mi, 25. April 2018 - 00:25

Bedenklich in dieser Debatte ist meines Erachtens, dass eine sachliche Kritik an der Politik des Staates Israel bzw. dessen Regierung mit Antisemitismus verwechselt bzw. schlimmer noch gleichgesetzt wird. Es ist jedoch eben jene vernunftwidrige Politik in Sachen Jerusalem, Palästina und Gaza, mit welcher sich Tel Aviv seine Gegner selbst schafft und bei Laune hält. Und ich neige dazu, hier einen gewissen Vorsatz zu unterstellen. Denn ohne Feinde keine Verbündeten, welche Waffen liefern und politische Rückendeckung hinterher schieben. Die Kriegstreiberei Israels zu verachten ist keineswegs Antisemitismus. Es ist erlaubte politische Meinungsfreiheit. Die Geschehnisse des 3. Reichs sind keine Rechtfertigung für Angriffskriege unter dem Deckmantel der Landesverteidigung.

Sie erwarten das Israel in Übereinstimmung von Moral und Vernunft die eigene Existenz riskiert ? Die meisten Israelis wollen dieses Risiko offensichtlich nicht eingehen obwohl Sie und viele andere es ihnen, den Israelis, immer wieder nahe legen.
In Europa sehen Sie es wahrscheinlich ähnlich ? Einfach mal probieren ob wir mit Arabern, Türken, Kurden, Sunniten, Schiiten, Alawiten usw. usw. "ohne Obergrenze" klarkommen. Versuchen wir es doch mal. Wenn es nicht klappt ? Dann haben wir (auch meine Kinder und Enkel.) eben Pech gehabt. Das ist in Nahost (Israel) und Europa so eine Art Menschenversuch. Ich mag keine Menschenversuche. Sie ?

Hallo, Herr Gruneberg, gerade weil Ihr Beitrag n.m.M. einen wichtigen Aspekt hervorhebt, doch eine nachdenkliche Frage: Wieso soll eigentlich an der Politik Israels nur "sachliche" Kritik geäußert werden dürfen? Wollen wir unsachliche Kritik verbieten? Wir könnten auf unsachliche ablehnend reagieren, einverstanden. Sind Sie sicher, dass Ihre Kritik als sachlich eingestuft wird? Das wird davon abhängen, von wem? Gibt es jetzt einen Katalog von Themen, bei denen nur sachliche Kritik geübt werden darf? Dann wäre ich interessiert. Verstehen Sie mich bitte richtig: ich wende mich dagegen, dass ein Zensor entscheidet, ob eine Kritik sachlich ist oder nicht. Ich habe nichts dagegen, wenn er entscheidet, ob etwas strafwürdig ist oder nicht. Aber dann wäre ein Mindestmaß an Rechtskenntnissen doch hilfreich. Aber alles andere ist politische Zensur und sonst nichts. Auch unsachliche Meinungen sind vom GG gedeckt.

Holger Stockinger | Mi, 25. April 2018 - 01:05

Wo das "Moralische" regiert, hat die "Vernunft" nichts zu sagen.

Die Scheinheiligkeit, mit der 2015 unter Bruch geltender Gesetze mehr als 1 Million Muslime unter "Refugees welcome" ins Land fast betanzt worden sind und die Heuchelei, wenn es um den Staat Israel geht, der anders als Hitler-Deutschland oder Stalin-Russland keine Vernichtungslager (KZ ist britisch in Afrika für concentration camp und GULAG für sowjetisch "Arbeitslager") betreibt oder betrieb, ist verlogene Doppelmoral.

Die "Erbsünde" (Sieferles "Finis Germania") auf sich genommen zu haben, die Juden ausrotten gewollt zu haben, ist exakt die Doppelzüngigkeit, mit der die politischen Machthaber unter weiter einer Ex-FDJ-Propagandeurin sich ent"schulden" möchten und keine "Steuer"zahlungen für zu gering erachten für Integrationskurse für teilweise schutzsuchende Analphabeten ...

Alex Preiss | Mi, 25. April 2018 - 07:22

Die ganzen Betroffenheitsrituale und Sonntagsreden der Politiker kann man sich sparen, solange der ungezügelte Import von Antisemitismus dank offener Grenzen weiter geht.

Das Märchen, dass man diese Leute hier anders sozialisieren könnte, träumen nur absolute Naivlinge. Leider haben diese offenbar das Sagen in einem Land, aus dem sich der gesunde Menschenverstand schon 2015 verabschiedet hat.

Karsten Paulsen | Mi, 25. April 2018 - 07:25

Leider kann ich Ihre Feststellungen bestätigen, selbst die WELT Redaktion veröffentlicht keinen meiner pro jüdischen Leser-Kommentare.

Und leider kommt keiner auf die Idee, dass der scheinbar "gute Rat", keine Kippa mehr zu tragen. Es verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, die Religionsfreiheit, und als Antisemitismus generell gegen die Achtung der Menschenwürde und das Recht auf Unversehrtheit. Kurzum, es geht um die Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Man kann Juden selbstverständlich nicht das verwehren, auch als guter Rat getarnt, was man anderen Minderheiten und Religionsgemeinschaften zubilligt. Deswegen findet sich das Thema völlig zu recht in einer Publikation über politische Kultur.

Dr. Armin Schmid | Mi, 25. April 2018 - 10:14

Ja, so sind wir Deutschen. Auf einmal muss auch noch der letzte Schlagerfuzzi seinen Echo-Award zurückgeben.
Erinnert mich an folgenden Witz: London 1933. Ein weibliches Mitglied des Königshauses gibt ein Bankett fürs diplomatische Corps. Da entfährt ihm ein unfeines Tönchen. Peinliches Schweigen, da steht der Franzose auf und verbeugt sich: "Pardonnez-moi, Madame!" Alle begeistert: Was für ein Diplomat, was für eine Nation!
Nächster Gang, selbe Situation. Da springt der deutsche Botschafter auf, knallt die Hacken zusammen und schnarrt: "Neue deutsche Reichsregierung übernimmt die Verantwortung für diesen und sämtliche folgenden!"

Heidemarie Heim | Mi, 25. April 2018 - 10:21

und mit Mahnmalen für die Nachwelt versehen. So sehen Vergangenheitsbewältigungen in Europa und speziell in Deutschland aus. Wie es in den Köpfen und damit im (Ge)-wissen ausschaut, interessiert wie Autor Feuerherdt hier gut und richtig beschreibt lediglich, wenn die verordnete politische correctness und deren ideologisch angewandte "Zukleisterei" jedweder Problematik mal wieder versagt hat. So was könnte man auch als Tatsachenverleugnung großen Stils bezeichnen, von ganz oben bis tief unten, von ganz links durch die Mitte bis äußerst rechts. Ob Kippa , Kopftuch oder Kruzifix, new 3 K`s? Es wird m.E. endlich Zeit, das wir alle! unser Hirn auf Verstand umschalten, um befreit von politischen oder irgend welchen religiösen Ideologien sowie verbrämten Verschwörungstheorien, den Fakten ins Auge zu schauen. Einer(?) sagte mal:" Es gibt nur 2 gute Menschen auf dieser Welt. Der Eine ist schon gestorben, der Andere noch nicht geboren."
Wenn ich mir den Planeten aktuell so anschaue..,
MfG

Andreas Bastelberger | Mi, 25. April 2018 - 10:54

So weit sind wir schon wieder. Ein Christ kann sein Kreuz tragen, ein Muslim seinen Halbmond oder Spruch in arabischen Lettern, ein Sikh seinen Turban, aber ein Jude die Kippa nicht. Ich denke, man muss insbesondere unseren arabisch-stämmigen Mitbürgern in Deutschland klar machen, dass Angriffe auf Juden kein Kavaliersdelikt sind. Es ist strafbar, es ist geächtet und jeder der anständig behandelt werden will soll gefälligst auch andere Menschen anständig behandeln und nicht attackieren. Wer das nicht versteht sollte schnellstmöglich gesiebte Luft atmen.

Wichtig ist, dass Juden in unserer Gesellschaft keine "Sonderbehandlung" erhalten, denn das erinnert, wie Hendryk M. Broder immer wieder zu recht betonte, zu Assoziationen solcher Behandlungen in den 30er Jahren. Wer Kippa trägt, kann dies selbstverständlich tun und hat den Anspruch auf Sicherheit in Deutschland. Das muss im Zweifel auch durchgesetzt werden.

Rudolf Steger | Mi, 25. April 2018 - 15:31

Im Koalitionsvertrag steht selbstverständlich wieder die (theoretische) Verantwortung Deutschlands für Existenz und Sicherheit Israels. Dies ist wohl unserer Vergangenheit geschuldet.
Aber für die Gegenwart wird dann gleich von einer „Zweistaatenlösung“ mit der Gründung eines arab.-paläst. Staates fabuliert.
Dass dies in völligem Widerspruch zum Existenzrecht und der Sicherheit Israels steht, wird nicht wahrgenommen. Wie ein friedliches Nebeneinander eines von Hass und gewalttätigen Terrorgruppen geprägten „Palästinenserstaates“ mit Israel möglich sein soll, ist das Geheimnis der GroKo.
Gegen die „aktuelle Siedlungspolitik“ Israels muss dann selbstverst. auch gelästert werden.
Kein einziges Wort jedoch über das Verhalten und die maßlosen Forderungen der „paläst.“ Gegenseite.
Das nennt sich dann gerechtfertigte „Israelkritik“. Verbreitet über einen Großteil der Medien, braucht man sich über die israel- und judenfeindlichen Einstellungen in der Bevölkerung nicht zu wundern.

Tobi Werlander | Mi, 25. April 2018 - 15:53

Der Zentralrat der Juden sollte fuer eine bessere Einwanderungspolitik sein. Man sollte den besorgten AfD Wählern (Millionen) nicht in den Rücken fallen, denn die sehr grosse Mehrheit ist judenfreundlich; sie wollen einfach nur sichere Grenzen, wie auch Israel. Ich kenne in meinem Umfeld nur Menschen, die Israels Politik verstehen als Schutzreaktion. Wo gegensätzl. Interessen aufeinanderstossen, hilft vorerst nur eine highTech-Grenze.