68er - Die Rechtfertigungsideologie enthemmter Konsumkinder

Kolumne: Grauzone. In diesem Jahr jährt sich die Studentenrevolte von 1968 zum 50. Mal. Die medialen Lobgesänge sind bereits absehbar. Denn nicht nur haben sich die 68er mit ihrer Version der Geschichte durchgesetzt, sondern auch mit ihrem moralisch überhöhten Selbstbild

Sitzdemonstration von Frankfurter Studenten 1967
„68 ist eine Erfindung der 68er“ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Vor Kurzem erschien sein Buch „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ beim Claudius Verlag München.

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Alexander Grau

Nichts legitimiert kulturelle Diskurshoheit besser als moralische Überlegenheit. Wie gut das funktioniert, das werden wir wieder einmal in diesem Jahr erleben. Denn dann wird – jede Wette – anlässlich von 50 Jahren „68“ in den Medien wieder das altbekannte Lied angestimmt: wie befreiend 68 war, wir es den Mief der Adenauer-Ära hinwegfegte, wie es verkrustete Strukturen aufbrach, Autoritäten infrage stellte und uns alle emanzipierte: persönlich, sexuell und überhaupt.

Denn vor 68, so die offizielle kulturgeschichtliche Lesart, war die deutsche Gesellschaft ein Hort finsterer, lustfeindlicher und faschistoider Zwangscharaktere, verkniffen, bieder und provinziell. Erst mit 68 kam Licht ins Dunkel, und Deutschland wurde endlich locker, modern, weltoffen und demokratisch.

Ergebnis, nicht Auslöser einer Revolution

Das ist natürlich Unsinn. Denn zum einen setzen die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse, die mit 68 assoziiert werden, schon sehr viel früher ein. Im Grunde haben wir es mit einem Modernisierungskontinuum zu tun, das im ausgehenden 19. Jahrhundert einsetzte und von da an kontinuierlich die Wertmaßstäbe und Lebensformen der Menschen veränderte. Die Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre war daher alles andere als ein Dunkeldeutschland, sondern eine moderne Gesellschaft, die dabei war, Restbestände tradierter Gesellschaftsnormen zu überwinden – was immer man davon halten mag. Deshalb ist 68 nicht der Auslöser einer gesellschaftlichen Revolution, sondern deren Ergebnis.

68 ist eine Erfindung der 68er. Es das Produkt der größenwahnsinnigen Vorstellung, dass eine Handvoll Intellektueller und ein paar Hundert Studenten eine Gesellschaft revolutionieren können. Das können sie natürlich nicht. Nur Intellektuelle verfallen auf die narzisstische Idee, dass Intellektuelle in der Lage sind, eine Kulturrevolution auszulösen.

Doch gesellschaftliche Veränderungen werden nicht von Intellektuellen inszeniert. Sie finden statt, weil sich die Lebensbedingungen der Menschen verändern. Die Studenten vor 50 Jahren hätten das eigentlich wissen müssen – gerade sie. Denn immerhin war es Karl Marx, der trocken feststellte: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“

Der Freibrief zur schrankenlosen Selbstfindung

Doch die Studenten von 68 lasen nicht mehr Marx. Sie lasen Herbert Marcuse und Erich Fromm. Und dort fanden sie alles, was man als Sprössling einer prosperierenden Wohlstandgesellschaft braucht, um den eigenen Narzissmus und Hedonismus intellektuell zu rechtfertigen: die Idee, sexuelle Libertinage würde zu einer besseren Gesellschaft führen. Die Vorstellung, dass die Familie so etwas wie die Keimzelle faschistischer Gesellschaftsstrukturen ist. Und die Emanzipation von allen Bindungen eine Voraussetzung seelischer Gesundheit.

Mit kritischer Gesellschaftsanalyse hatte das nur auf den ersten Blick etwas zu tun. Tatsächlich war es der ideologische Freibrief für einen als antiautoritäres Selbstfindungsgetue getarnten Egoismus und grenzenlosen Konsum. Das war nicht links, das war als gesellschaftspolitische Subversion daherkommender Hedonismus.

Doch 68 wäre nicht zu der Chimäre geworden, die es heute ist, wenn es einfach nur die Rechtfertigungsideologie enthemmter und selbstverliebter Konsumkinder gewesen wäre. Mit dem Freibrief zur schrankenlosen Selbstfindung lieferten die Ideologen von damals gleich mehreren Generationen das Gefühl moralischer Überlegenheit. Denn egomane Selbstfindung – so die etwas infantile Formel – ist eben das Gegenteil von faschistoiden, autoritären Strukturen und somit ethisch wertvoll.

Moralisch legitimierte Machtansprüche

Es war diese moralische Selbstglorifizierung all jener, die den Marsch durch die Institutionen antraten, die aus den gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit erst 68 werden ließ. Denn der Kampf gegen das Böse und der Sieg des Guten brauchten einen symbolischen Ort, einen historischen Wendepunkt, der es erlaubte, die Geschichte in eine finstere Vergangenheit und eine helle Gegenwart und Zukunft zu teilen. Nur so lässt sich Diskurshoheit dauerhaft zementieren.

Das Narrativ 68 ist somit nichts anderes als der gelungene Versuch, durch historische Zuspitzung moralisch legitimierte Machtansprüche zu formulieren und die kulturelle Hegemonie der Neuen Linken zu untermauern.

Es wird Zeit, den Muff von 50 Jahren endlich zu beseitigen und gründlich durchzulüften. In ihrem Narzissmus haben die 68er und ihre geistigen Erben ein Klima geschaffen, das nicht zuletzt ihren eigenen Parolen Hohn spricht. Schon in der Mao-Bibel steht: „Wir müssen die Selbstzufriedenheit niederhalten und beständig an unseren eigenen Mängeln Kritik üben.“

Sven Kleb | Sa, 6. Januar 2018 - 08:44

wie immer ein brillianter und treffender Artikel. Ich warte schon regelrecht auf den Sonnabend, um Ihre Kolumne zu lesen.
Ich hoffe, dass auch die Wiedervereinigung nach nunmehr 26 Jahren dazu beträgt, um die Auswüchse dieser gesellschaftlichen Entwicklung zu beseitigen. Nur die westdeutsche 68iger Sozialisierung als den zukunftsträchtigen Weg zu sehen, scheint zunehmend eine Sackgasse, weil sich letztlich eine Moraldiktatur etabliert. Aber ich habe die Hoffnung, dass die Menschen aufwachen und dies erkennen.

Kostas Aslanidis | Sa, 6. Januar 2018 - 09:38

Fanatikern ist nicht möglich. Nur Hetze, plumpheit und wie sie es beschreiben, moralische Selbstüberschätzung.
Aber die Ideologie ist auf dem absteigenden Ast. Immer mehr Menschen lassen sich nicht in die Irre führen. Diese Ideologie wird nur noch durch die Mehrheit der Presse gefüttert, bei dem Menschen nagt sie am Hungertuch. Eine Gesellschaft erneuert sich in langsamen, verständlichen, logischen und akzeptierten Schritten, nicht von Propaganda.

Joachim Wittenbecher | Sa, 6. Januar 2018 - 10:07

Die 68er nehmen in Deutschland für sich in Anspruch, eine demokratische Gesellschaft erst ermöglicht zu haben. Das Gegenteil ist jedoch richtig: Demokratisierungsbewegung gab es längst vor 1968, man denke an die Spiegelaffäre, den beständigen Aufstieg der SPD und einen demokratischen antitotalitären Grundkonsens in der Gesellschaft; tatsächlich begannen die Studenten ( in jeder Gesellschaft die künftige Elite) sich durch eine völlig irrationale Protestbewegung ohne wirkliche Inhalte von der Mehrheitsgesellschaft abzulösen. Die heutige Kluft zwischen Elite und Bevölkerung hat hier einen wesentlichen Ursprung; diese Kluft wird gekennzeichnet durch den globalisierten Turbokapitalismus und den Ökowahn - scheinbar gegensätzlicher Natur haben Sie doch die Gemeinsamheit, den Wohlstand und die politische Teilhabe des Normalbürgers zu beschneiden und die Elite unberührt zu lassen. Die 68er haben also die demokratische Entwicklung beschädigt und teilweise abgebrochen. Kein Grund zum Feiern.

Gerd Steimer | Sa, 6. Januar 2018 - 11:08

Das moralische Überlegenheitsgetue verbunden mit einem Pseudo- Intellektualismus erinnert an religiösen Fanatismus und Fundamentalismus. Andersdenkende werden in der harmlosen Form als Dummköpfe gesehen, oder als Feinde bis hin zu Nazis. Die sogenannten "Autonomen" sind ihre nützlichen Idioten, selbst deren Gewalttaten werden mit klammheimlicher Freude betrachtet und massiv medial und juristisch unterstützt.
Letztendlich sind sie das, was sie am meisten fürchten: lustfeindliche bourgoise Spiesser.
Wie heisst es so schön:
"Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche"

in Österreich. Besonders enttäuschend für die Wählerschicht des Alt68igers zum Bundespräs. ist die Tatsache, dass er die demokratische Entscheidung der Wähler zur Kenntnis nehmen u. eine "rechts der Mitte - Regierung" unter BK Kurz u. VizeK Strache angeloben "musste". Da sich die grüne Partei in Ö sozusagen selbst demontiert hat, hat jetzt die "Riege" der in Opposition befindlichen SPÖ die Führungsrolle beim denunzieren, vernadern, verunglimpfen, sogar verleumden der neuen Regierung übernommen. LG aus Wien PS: VdB hat zus. mit seiner Gattin sz. gg. den Opernball demonstriert - heute ist er BP sitzt mit Anhang auf Kosten des Steuerzahlers i.d.Ehrenloge. Welch Ironie!

bzw. wurde von seinen grünen Parteigenossen mit Caterpillarn hineingeschoben und hat es in der FOLGE mit Zwicken, Beißen, Spucken und Kratzen "erorbert". Legendär waren seine Besuche auf dörflichen Zeltfesten, die er vorher als verabscheuungswürdige Brutstätten der Nazi-Renaissance und des Biertisch-Faschismus gebrandmarkt hatte.
Aber welch ein Schock, nach der erfolgreichen Wahl!, dann zu realisieren, dass der Portier (geschweig denn der Sicherheitsbeauftragte in der Hofburg) beträchtlich weitere Kompetenzen haben als der Unterschreiber vom Dienst.
Sein Monatsgehalt von 336.400 € ist ein tröstlicher Fels in der Brandung! Kein anderer westlicher Staatsmann verdient mehr als er: Austria est in orbe ultimo!
ABER: Welch eine Kernexplosion: Seine Partei fliegt aus dem Parlament, weit weg von all den schönen Millionen Parteienförderung! Hat sie sich an seinem Wahlkampf überhoben? Kann er sie wieder sanieren?
Nein, leider: Seine Frau hat ihren Job bei den Grünen verloren.
Tilt!

Nils Mittrach | Sa, 6. Januar 2018 - 11:19

Jahrelang war ich dem Eindruck erlegen, dass durch die Wende den Ostdeutschen vor allem die Würde genommen wurde. In den vergangenen Jahren zeigt sich aber ein erhaltenes und weiterentwickeltes selbstkritisches Selbstbewußtsein in meiner Wahrnehmung. Wir waren abgeschottet von den Entwicklungen in der BRD und einigermaßen irritiert von vereinzelten kommunistischen Sinnsuchenden aus dem Westen ob unserer gelebten Realität. Das ist lange her.

Julius Fischer | Sa, 6. Januar 2018 - 12:02

Ich bin jetzt dreißig Jahre alt und habe schon viele erlebt, die im Kontext dieser Jahre gelebt haben und ich habe den Eindruck, dass auch vieles kaputt gemacht worden ist. Die eigenen Eltern, die, so meine ich heute, gar nicht richtig gemerkt haben, dass auf ihrem Rücken diese gesellschaftlichen Umwälzungen ausgetragen wurden.
Auch hatte es oft den Anschein, dass man nach außen deutlich signalisieren wollte, dass man nicht zu den Spießern gehörte und dementsprechend auch mit der antiautoritären Erziehung wiederum diese gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen auf die Kinder abwälzte. Auf diese Weise, so kann man vermuten, konnten die Kinder durch das Umfeld und die Medien mehr geprägt werden, sodass sie zumindest teilweise von der eigenen Familie entfremdet wurden. So stellt es sich jedenfalls für mich manchmal dar.
Gab es aber auch hier nicht Beweise, dass die DDR (Rosenholzdateien) die Astas der Westunis unterwanderte, um sozialistisches Gedankengut unterzubringen?

es wäre zu wünschen, daß möglichst viele junge Menschen dasselbe klare Bild über die 68er haben, wie Sie. Ihr Eindruck täuscht nicht, es ist in der Tat sehr vieles kaputt gemacht worden und Deutschland wird darunter noch lange leiden. Der Verfall unseres einst auf der ganzen Welt bewunderten Bildungssystems ist eine der direkten Folgen der 68erBewegung. Auch daß man Kleinkinder heute (Kita) frühzeitig unter staatliche "Obhut" stellt. Die ganze 68er Ideologie ist eine Gehirnwäsche, die nach Meinung der Initiatoren nicht früh genug beginnen kann. Wenns geht schon im Mutterleib.

Merkel ist zwar der sichtbare Sargnagel Deutschlands, ohne die "Vorarbeit" der 68er wäre Merkel in der Form aber garnicht möglich geworden.

Die Brutalität dieser Sache ist aber, daß der sog. kleine Mann diese Entwicklung durch seine Steuern auch noch bezahlt hat. Denn produktiv gearbeitet hat noch kein 68er. Sie haben immer nur auf Kosten der Allgemeinhait gelebt.

Christa Wallau | Sa, 6. Januar 2018 - 12:05

Zum ersten Mal lese ich bei Ihnen, lieber Herr Grau,
im Zusammenhang mit den 68ern die Bezeichnung "Muff", den diese ja für den Geist von Professoren u. Honoratioren ihrer Zeit benutzten. Das ist eine wunderbare Retourkutsche.
"Muff" reicht aber bei weitem nicht aus, um das zu charakterisieren, was durch die Generation68 in den Köpfen angerichtet wurde. Das Klima ist heute schlimmer als muffig: Es ist zerstörerisch! Wie Sie richtig schreiben, geht es um arrogante Selbstverliebtheit, um Vernichtung gesellschaftlicher Strukturen (Familie z.B.), Vergötzung von Individualismus u. Libertinismus und - wie wir heute erkennen - Denkverbote (ZENSUR!) unter dem Deckmantel eines linken Moralismus.
Vielen Dank , lieber Herr Grau, für diese Kurz-Abrechnung mit 68er "Politikern" wie Fischer, Cohen-Bendit, Trittin, Ströbele usw., deren Ungeist bis heute in Schulen u. Redaktionsräumen herumwabert. Es ist allerhöchste Zeit für gründliches Durchlüften, nein mehr: für Desinfektionsmaßnahmen!

liebe Frau Wallau, da bin ich mir nicht so sicher. Es ist wie mit einer verschimmelten Wohnung. Wenn man Glück hat, besiegt man den Schimmel, indem man den Putz abschlägt, dann die Wände gut austrocknen läßt und neu verputzt. Ich fürchte jedoch, der 68er Schimmel ist schon im Mauerwerk, also in der Bausubstanz. Da wird es dann richtig aufwendig. Und teuer.

Das mit dem Durchlüften haben wir sicher schon verpaßt. Schauen Sie nach BW, was da an den Schulen passiert. BW war mal ein Vorzeigeland in Sachen Bildung.

Das haben die 68er von Anfang an gewußt, egal in welche Richtung man verändern will, man muß bei den kleinen Kindern anfangen. Die Richtung der 68er ist leider nicht zum Segen der Menschen.

Toni Röder | Sa, 6. Januar 2018 - 12:18

Die 68 waren in ihrer Zeit absolut notwendig! Unter der Ägide Adenauers waren VIEL zu viele Nazi-Verbrecher in gesellschaftl. relevanten Positionen verblieben. Auch wenn es aus der Not heraus so gemacht wurde - eine Korrektur dieses Missstands konnte aus dem Establishment selbst nicht erfolgen. Dazu bedurfte es dieser Protestwelle. Und sie war überfällig! 20 Jahre nach dem Krieg war es wirklich an der Zeit, sich gesellschaftl. von den "Entartungen" der Nazi-Diktatur zu emanzipieren. Und ja - die Proteste waren moralisch legitimiert. Es ist grundfalsch anzunehmen, politisches Handeln dürfe NICHT moralisch sein! Politik Ohne Moral ist ein Desaster.
Also: In dieser historischen Situation war die Haltung der 68er hilfreich und richtig.
Ebenso grundfalsch(!) ist jedoch die Idee, die damals richtige Haltung könne für alle Zeiten Leitbild für pol. richtiges Handeln sein. Genau diesem Fehlschluss unterliegen jedoch aktuell Grüne und Linke. Rezepte von vor 50 Jahren sind NICHT progressiv

Johannes Schneider | Sa, 6. Januar 2018 - 13:05

Ich bin auch ein sgn. 68iger! Habe mich in dieser Zeit auf mein Abitur vorbereitet, täglich Latein- und Griechischvokabeln gelernt und nebenher einige Ehrenämter betreut. Ich hatte keine Zeit für Demos und anderen Zeitvertreib. Mit der 68iger-Ideologie kann ich nichts anfangen.

Axel Kreissl | Sa, 6. Januar 2018 - 13:41

Wer sich selbst erhöht ... Die Wirklichkeit der 68er ist doch auf dem Bild zu sehen: es ist innere und äußere Verwahrlosung. Zwischen Selbstbild und Wirklichkeit klafft oft eine riesige Lücke, so auch hier. Nun werden aber die, die in großer Zahl zu uns kommen, die nicht Kinder des Konsums sind, die mehrheitlich noch Struktur haben, denen, die schon länger hier leben, zeigen, daß es Maßstäbe gibt und diese durchsetzen. Die abgebildeten Kleingeister können weder eine Hoch- und Leitkultur schaffen noch eine bewahren noch eine definieren. Sie werden bald eine Fußnote der Geschichte sein. Und die deutschen Konsumjünger werden vielleicht durch gläubige Muslime wieder an die Wirklichkeit herangeführt werden. Aus sich selbst heraus schaffen sie es nicht!

Oh oh.Sie scheinen wenig Kontakte zu unseren Neubürgern zu haben . Gerade Struktur haben die Wenigsten. Das ist nicht Teil der orientalischen Erziehung. Es gehen auch nur wenige regelmäßig in die Moschee. Genau deswegen sind diese jungen Männer, auch einige Mädchen anfällig für fanatische Prediger. Da können sie strikte und einfache Regeln einhalten. Das schenkt ihnen Befriedigung und Bestätigung und das Gefühl, dadurch bessere Menschen zu sein. Könnten sie heute Hochkulturen schaffen, müsste man das an den Herkunftsländern ja sehen. Tut man aber nicht. Im Gegenteil.

Oh oh.Sie scheinen wenig Kontakte zu unseren Neubürgern zu haben . Gerade Struktur haben die Wenigsten. Das ist nicht Teil der orientalischen Erziehung. Es gehen auch nur wenige regelmäßig in die Moschee. Genau deswegen sind diese jungen Männer, auch einige Mädchen anfällig für fanatische Prediger. Da können sie strikte und einfache Regeln einhalten. Das schenkt ihnen Befriedigung und Bestätigung und das Gefühl, dadurch bessere Menschen zu sein. Könnten sie heute Hochkulturen schaffen, müsste man das an den Herkunftsländern ja sehen. Tut man aber nicht. Das Chaos sieht man.

Karin Zeitz | Sa, 6. Januar 2018 - 15:15

wie stolz einige Ältere, die ich an der Frankfurter Uni kennenlernen konnte, auf ihre Zugehörigkeit zu den 68ern sind. Die Auswirkungen der Lehren von Adorno und Habermas haben es seinerzeit nicht über den eisernen Vorhang geschafft, so dass wir in unserer Jugend davon unberührt geblieben sind. Jetzt ist es gewiss an der Zeit, die Dinge neu zu bedenken, denn die Zeiten haben sich gewaltig geändert.

Bernhard Kraetzig | Sa, 6. Januar 2018 - 20:01

Lieber Herr Grau, ich bin entsetzt; ihr Text ist ein Ärgernis; dieses 68er bashing hätte ich Ihnen nicht zugetraut.
Möglicherweise hat die 68er Bewegung ihren Ursprung im Unbehagen an der Moderne, möglicherweise ihre Wurzeln in den alternativen Sinnfindungsversuchen wie z.B. der Lebensreformbewegung am Anfang des letzten Jahrhunderts. Ja und ? Ich möchte nicht wissen wo wir wären ohne die 68er. Warscheinlich in völlig in Formalismus erstarrten, den Nazi-Faschismus nur in mafiösem Ökonomiefaschismus überführten Gesellschaftsstrukturen. – Na, ich danke recht herzlich !

Gerd Steimer | Mo, 8. Januar 2018 - 18:02

In reply to by Bernhard Kraetzig

Es gehört einfach nur zur Legende der heute wohl etablierten Alt 68er sich den genannten Erfolg auf den Leib zu schneidern.
Merke: je älter ich werde, desto toller war ich früher...........
Die Bewegung gegen das Alte und Erstarrte gab es schon seit den 50er, und zwar aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die 68er haben sich nur drangehängt und das ganze in eine blödsinnig-verquaste Kommunistenkiste gepackt. Lächerlich, die Dödel die mit Mao Bibeln einem Massenmörder verklärten, völlig wahnsinnige gesellschaftlich Konzepte vertraten, zutiefst demokratiefeindlich waren und auch völlig versagten (Der Marsch in die Fabriken) Dann noch dieser Knabe der sein Erbe dem Vietcong vermachte, diesem Vietcong der rücksichtslos seine eigene Jugend massenhaft in den Tod schickte wie einst Stalin seine Soldaten.
Was sie schreiben, entspricht dem Bild, was diese Leute gerne von sich hätten, es propagieren. und heute so tun als gäbe es ohne sie keine Demokratie

Lieber Herr Steimer, mit dem was Sie schreiben bin ich fast komplett einverstanden; bis auf den letzten Satz....
Die 68er haben Dinge ausprobiert und Verkrustungen aufgebrochen. Das war m.E. sinnvoll und richtig. Dass dabei auch so manche Merkwürdigkeiten und Irrsinnigkeiten zutagetraten wie von Ihnen geschildert, gebe ich gerne zu. Dennoch bin ich (Jahrgang 65) den 68ern dankbar für den frischen Wind, für die Unkonventionalität, für die Intellektualität, die Experimentierfreude, die Offenheit, die Kritikfähigkeit, die Bildung, die Humanität, die Skepsis gegenüber Obrigkeitswahn und blindem Fortschrittsglauben. Diese Werte, oder wie Sie vielleicht sagen würden, dieser 68erLeim, hält immerhin mein Leben zusammen !

Josef Garnweitner | Mi, 10. Januar 2018 - 11:22

In reply to by Bernhard Kraetzig

eine Folge der 68er Ideoliogie ist, daß wegen einer Handvoll Lehrlingen - oder sind Studenten etwas anderes? - Vorträge an den Unis abgesagt werden, weil der Referent den Herrschaften nicht in ihr selbstgeschaffenes Weltbild paßt. Das auf allen Feldern zu beobachtende Einschränken der Meinungsfreiheit ist eine direkte Folge der 68er. Von den von Ihnen aufgeführten Pluspunkten kann ich beim besten Willen keinen einzigen erkennen, der auf die 68er zutreffen würde. Deren Credo war und ist die Zerstörung von Werten.

Ich komme aus einer Generation, in der es normal war, daß man sich selbst etwas erarbeitet hat. Die 68er dagegen haben sich von denen versorgen lassen, die sie bekämpft haben und tun das heute noch. Sie waren und sind Schmarotzer.

Fischer, Trittin, Roth usw. usw. haben immer gesagt, ihr Ziel sei die Zerstörung des Deutschtums, der Identität der Deutschen. Sie haben bis heute nichts von ihren damaligen Aussagen dementiert.

Herr Steiner,ich gebe Ihnen recht. Ich war 1968 20 Jahre alt und habe auch die Vor68iger miterlebt. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke war der intellektuelle Kopf weg. Viele aus dem SDS haben ganz normale Karrieren gemacht und sind kritisch der eigenen Vergangenheit gegenüber. Wer hat den Marsch durch die Institutionen angetreten?Leute wie Fischer?Ich finde heute nichts was die 68iger gut gemacht haben und die Gesellschaft positiv beeinflusst haben. Die sogenannte sexuelle Revolution kam durch die Pille, die es schon ab 1965 gab.

Michaela Diederichs | Sa, 6. Januar 2018 - 22:18

Die sich selbst abfeiern, sind die 68er. Inzwischen irgendwo zwischen 65 und 75 Jahren. Sie haben viel Unglück angerichtet. Orientierungslose Kinder haben sie herangezüchtet, die bei jeder Gelegenheit zum Psychologen laufen, weil sie mit dem Leben und sich selbst überfordert sind, nur weil die Eltern keinen Halt und keine Richtlinie gaben. Selbstverwirklichung war das Zauberwort dieser Generation. Daraus entstand: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ für ihre Kinder. Es wird Zeit, die 68er als muffige, selbstgefällige Spießer zu entlarven. Joschka Fischer, in vierter Ehe verheiratet, hält wohl doch nicht so viel von dem Spruch: „Wer 2mal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment.“ Turnschuhe und freche Sprüche machen noch keinen Revolutionär. Die 68er sind Establishment, reaktionär und nicht lernfähig. Guter Rotwein, Toscana, Brioni, den guten Flüchtling an der Seite - wie vor 150 Jahren die Edlen der Welt. Rückwärts gewandter und weltfremder geht es nicht.

Ursula Schneider | Mo, 8. Januar 2018 - 16:41

In reply to by Michaela Diederichs

Genau so! Eine pubertäre Revolution de luxe aus sicherem, meist wohlhabendem Elternhaus heraus, die nichts riskierte und vor keinerlei Extremismus zurückschreckte. "Macht kaputt, was euch kaputt macht!" Damit bekämpfte man sämtliche Autoritäten und den damaligen "Staatsterrorismus", spielte sich anmaßend zum Richter über die Elterngeneration auf, ohne je selbst eine Diktatur kennengelernt zu haben. Ich möchte nicht wissen, wie sich jeder Einzelne damals verhalten hätte ...

Martin Weismann | So, 7. Januar 2018 - 08:49

Völlig daneben. Das Institut für Sozialforschung mit seinen Multiplikatoren kam nach 45 nach Deutschland, um als Teil der schon während des 2. WK in den USA geplanter Umerziehung zu fungieren. Die ursprünglich US-amerikanische Bezeichnung Reeducation, später Reorientation bzw. Re-Orientation, war der Oberbegriff für die Programme im Zusammenhang mit der Entnazifizierung zur Überwindung des Nationalsozialismus. Jeden, den es interessiert, kann die heute selbst im Web verifiziert bekommen. Interessierten empfehlen ich den preisgekrönten Film Kokumentarfilm "Das Netz", von Dammbeck sich anzuschauen. Als "Aballprodukt" liefer dieser tiefe Einblicke

Ursula Schneider | So, 7. Januar 2018 - 10:45

"Das Narrativ 68 ist nichts anderes als der gelungene Versuch, durch historische Zuspitzung moralisch legitimierte Machtansprüche zu formulieren und die kulturelle Hegemonie der Neuen Linken zu untermauern." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Leider vergiftet dieser "Muff von 50 Jahren", der unsere Geschichte seiner einseitigen Deutungshoheit unterwirft, noch heute das politische Klima und spaltet mit seinen Lügen und seiner moralinsauren Besserwisserei die Gesellschaft.

Es ist wirklich Zeit, mal "gründlich durchzulüften", lieber Herr Grau!

Reiner Koester | So, 7. Januar 2018 - 10:55

Wer mit Mao-Bibel in der Hand und ho-tschi-minh auf den Lippen mit diesen stalinistischen Vorbildern für Demokratie und Freiheit demonstrieren will, ist einfach schizophren und leidet unter Realitätsverlust. Leider hält das bis heute an, siehe offene Grenzen, Energiewende usw..

Kathrin Siebert | So, 7. Januar 2018 - 14:30

konterkariert wirkliche Veränderungen, weil der Erhalt derselben verengt den Blick immer mehr und verhindert notwendige Selbstreflektion. Man selber sitzt in der Loge im Theater des Lebens und beurteilt,was die anderen machen. Verantwortungsübernahme wird als das Durchsetzen eigener ideologischen Vorstellung gesehen,deren Kosten andere tragen bzw. die Möglichkeiten dafür zur Verfügung stellen sollen.

Jacqueline Gafner | So, 7. Januar 2018 - 16:05

wer es durchs Abitur geschafft und einen Studienplatz erobert hat, ist ein verbreiteter Irrtum. Die Leistungsfähigkeit des Hardware sagt noch nicht viel über die Qualität der Software aus. Wer 1968 halbwegs erwachsen war und sich noch gut an die gesellschaftliche Stimmung im freien Teil von Europa und an die Wortführer und Mitläufer der studentischen Protestbewegung erinnert, kann sich über die "posthume" Glorifizierung dieser Zeit nur wundern. Abgesehen davon, dass diese aus den USA übergeschwappte Bewegung politisch pointiert links verortet war, fiel sie nicht vorab durch intellektuelle Brillanz auf, sondern durch eine rigorose Uniformität im Denken wie im Auftreten ihrer Anhänger. Kritisch war man nur innerhalb eines ideologisch fest umrissenen Bereichs, darüber hinaus übte man sich im Nachbeten von Weisheiten u.a. des Verfassers des Kleinen Roten Buches, das - heute kaum mehr vorstellbar - quasi zur Grundausrüstung des rechtgläubig bewegten Teils der (akademischen) Jugend gehörte.

helmut armbruster | So, 7. Januar 2018 - 16:38

zwei meiner damaligen Mitschüler haben die 68-iger-Sache ernst genommen, sind ausgestiegen, haben sich nicht mehr gewaschen, haben in Kommunen gelebt, haben gekifft und jede Art geregelter Arbeit und Broterwerb verachtet.
Sie sind mit der Zeit älter geworden und haben den Weg zurück in "ein geordnetes Leben" nie gesucht und folglich auch nie gefunden. Sie waren nie fähig ihr eigenes Geld zu verdienen. Seit Jahrzehnten brauchen sie staatliche Unterstützung. Fallen somit der Allgemeinheit zur Last. Sie selbst finden das ganz in Ordnung und verachten heimlich die Gesellschaft dank deren Unterstützung sie überhaupt leben konnten und können.
Andere 68-iger haben den Weg in die Politik gefunden - Joschka Fischer, Cohn-Bendit, Ströbele - und haben so das große Los gezogen. Heute beziehen sie satte staatliche Pensionen.
Auch diese Pensionen zahlt letztlich die Allgemeinheit.

Michaela Diederichs | So, 7. Januar 2018 - 22:15

Gerade Stalingrad auf Phönix gesehen. Die Kinder und Enkelkinder dieser verlorenen Generation hegen und pflegen gerade eine Heerschar junger, gesunder, sehr selbstbewusster Männer in unsere Sozialsysteme ein, fordern Psychologen für sie, weil die alle so traumatisiert sind. Mancher mag es wirklich sein. Unsere Großeltern und Eltern wurden nicht lange nach ihren Traumata gefragt. Sie packten an, weil es keine Alternative und keine Psychologen gab. Sie waren und sind vollkommen alleine mit ihren Erinnerungen. Niemand hat sie je eingehegt oder gar Mitleid mit ihnen gehabt. Die 68er sind für mich die Generation, die keinerlei Empathie empfindet. Selbstgerecht, selbstverliebt und von sich selbst überzeugt verkörpern sie den neuen Herrenmenschen. Früher hat die SS Steine geschmissen, das haben die 68er auch gerne gemacht und tut die sogenannte Linke bis heute. Verschlimmerbessern nennt man das wohl.

André Oldenburg | Mo, 8. Januar 2018 - 07:08

Es war zwar Zeichen der 68er Diskussionen zu führen, aber nur die eigene Meinung zu akzeptieren.
Ich denke, die 68er sind der Beginn des Niedergangs des Westens gewesen, nur so konnten wir von den Asiaten so abgehängt werden.

Karen Schwalbert | Mo, 8. Januar 2018 - 15:46

Sehr geehrter Herr Grau,
Aus Ihrem Artikel spricht leider genau die Art von Empörung und intellektueller Überheblichkeit, die sie den sog. 68ern vorwerfen. Natürlich schossen manche Hauptakteure dieser sehr heterogenen "Bewegung", unter der heute alles Mögliche subsumiert wird, teils übers Ziel hinaus, aber das ist bei gesellschaftlich notwendigen Umbrüchen meistens so. Da Sie erst 68 geboren wurden, haben Sie das damals herrschende gesellschaftliche Klima nicht bewusst mitbekommen, sondern konnten es nur nachträglich aus Zeitdokumenten rekonstrieren, so dass Ihre Wahrnehmung verständlicherweise gewisse Lücken aufweist. Einerseits herrschte damals ein von der Elterngeneration regelrecht zelebrierter Wohlstand, den viele Jüngere tatsächlich nicht kritisch hinterfragten, gleichzeitig aber auch ein höchst beklemmendes Maß an kleinbürgerlicher Engstirnigkeit, verlogener Sexualmoral, Geschichtsverdrängung und repressiver Intoleranz. Die Gegenreaktion war damals überfällig.

Als jemand, der sowohl das damals herrschende gesellschaftliche Klima als auch die 68er Bewegung an der Frankfurter Uni sehr bewusst miterlebt hat, stimme ich Herrn Grau voll zu. Weder in meinem Elternhaus noch in meiner Umgebung wurde "Wohlstand zelebriert". Die Kriegsjahre waren noch in guter Erinnerung und keiner von uns Jungen wäre auf die Idee gekommen, den bescheidenen Lebensstandard, der nach der Stunde Null hart erarbeitet wurde, "kritisch zu hinterfragen". Sicher gab es autoritäre Strukturen (wo in Europa gab es die damals nicht?) und eine andere Sexualmoral, die eben der Zeit entsprach und deshalb nicht "verlogen" sein musste (heute übertreibt man in die andere Richtung). Und was "Engstirnigkeit" und "repressive Intoleranz" anbetrifft, so scheint mir beides heute fast schlimmer ausgeprägt. Eine Gegenreaktion - da geben ich Ihnen recht - ist in solchen Fällen unbedingt nötig!

Bravo. Klasse Kommentar. Sie haben recht! Im Übrigen, was ist falsch an Autorität? Die meisten wünschten sich doch Autorität zurück. Für uns als damalige Kinder war es z.B. ganz normal für Erwachsene in Bus und Bahn aufzustehen und Platz zu machen. Es war ganz normal, beim Schulbeginn, wenn der Lehrer das Zimmer betrat aufzustehen. Was ist schlimm daran? Ist das schlimmer als heute(persönliches Erlebnis) als ich sah, wie vier junge Türken nebeneinander gehend eine alte Dame, die gebeugt gehen links und rechts zwei schwere Einkaufstüten tragend, anrempelten(sie war denen ohnehin schon aus dem Weg gegangen) und sie anschrieen, "du deutsche alten Schlampe, geh uns gefälligst aus dem Weg"...Das ist letztlich ein Beispiel für das, was uns die 68ziger 'eingebrockt' haben...mir ist es in diesem Zusammenhang auch egal, was Gutmenschen dazu sagen. Das sind Alltagserlebnisse, die beispielhaft für falsche Toleranz, für falsch Peuplierungspolitik sind.

Ruth Müller | Mo, 8. Januar 2018 - 18:22

Keiner der Protagonisten wäre ein Eckpfeiler einer Revolution, ausser man hätte zur Absicht den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Empirische Untersuchungen ergaben das dieses 68-Milieu nichts mit der "Arbeiterklasse" zu tun hatte und nichts mit Ihr zu tun haben wollte. Anti-Moral und Gewalt in der politischen Auseinandersetzung, finanziert von "Nazi-Papa und Nazi-Mama", in der Nachbarstadt in der keiner einen sieht und kennt - ist kleinbürgerlicher Hooliganismus. Mit der eigenen Mischpoke wollte man es sich nicht verderben, - das mögliche Erbe war dann doch zu verlockend.
Wenn es an dem so ist - waren die Revolutionäre einem dekadenten Milieu entsprungen und damit disqualifiziert für eine spätere Heiligsprechung.

Interessant ist, dass diese Revolutionäre sich in dem gehassten System gut selbst bedienten und alle Privilegien "genossen" - bis Heute.

Erst "Das große Fressen" und dann die Hypermoral - was für eine Farce für die Protagonisten und die unbeteiligten Arbeiter.

Bernd Rundfeder | Mo, 8. Januar 2018 - 22:38

zeitversetzte Abklatsch dessen, was die Entwicklung in den USA vorzeichnete. Vom Outfit bis hin zum Terror (weathermen). Da war nichts, aber auch gar nichts eigen. Doch: der Unterschied war, dass sie die "Revolution" in guter alter deutscher Art und Weise - also noch verbissener, verbohrter und selbstgerechter - durchzogen. Wer sich heute die Predigten des heiligen Dutschke anhört, kann sich nur mit Grausen abwenden. Meine Großmutter (*1903) hat als friedensbewegte, emanzipierte Akademikerin und fortschrittliche Pädagogin(in leitender Funktion) im Guten wahrscheinlich mehr bewegt als ganze Horden 68er, und mein Vater (*1929) demonstrierte schon in den frühen 50ern in der "ohne mich"-Bewegung mit Tausenden junger Menschen auf der Straße. Die 68er? Sich selbst überhöhende Nutznießer mit tatsächlichen, aber überschätzen Verdiensten, aber auch fatalen zerstörerischen Auswirkungen.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 9. Januar 2018 - 12:36

Andere haben während dieses Zeit 'ihre Köpfe hingehalten' damit diese Leute ihr 'Theater' abziehen konnten. Dafür wurden die, die ihren Kopf hinhielten, von denen für die sie es taten, als Schweine, Nazis, Faschisten, Revanchisten, Revisionisten etc. diffamiert...damals wurde vorgweg genommen, was heute mit der political correctness en vogue ist. Ein evidentes Beispiel, was 68ziger letztlich bewirkt haben, ist ein Justizminister Maas!!

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 9. Januar 2018 - 17:48

Die, wie wirklich etwas verändert haben, waren die Beatles, dagegen sind die sogenannten 68ziger Hanswurste!

Renate Genth | Di, 9. Januar 2018 - 17:55

Es tut mir leid zu sagen, aber der Mythos von 68n stammt nicht von den 68ern. Ich war seit 66 dabei, weil ich wie viele andere Kriegskinder empört war über den Vietnam-Krieg. Die ersten 68er, bzw. schon 66er waren Theoretiker und haben ernsthaft gearbeitet und geforscht. Erst als die "Bewegung" zusammengebrochen ist, wurde sie zum Mythos der Nachkommenden. Das was den 68ern angedichtet wird, stammt aus den späten 70er Jahren. Da waren die 68er schon längst auseinandergestoben und gingen individuell ihre eigenen Wege. In der Öffentlichkeit kommen nur die Ansichten aus den 70er Jahren vor.

Reinfrid Fischer | Di, 9. Januar 2018 - 18:20

ihre pointierten Kommentare lese ich immer mit Genuss. Der Philosoph und Historiker Grau müsste in einem Punkt aber eine Korrektur seiner Annahmen vornehmen. Der geschilderte Wandel der Wertvorstellungen wurde durch die Unkultur des Dritten Reichs in eine deutlich reaktionäre Richtung unterbrochen. Diese Veränderung setzte sich nach dem Dritten Reich fort. Z.B. qualifizierte der BGH in den fünfziger Jahren den Geschlechtsverkehr auch zwischen Ehegatten als Unzucht, wenn er nicht der Erzeugung von Kindern diente, der sog. schwarze Senat weigerte sich entgegen dem Gesetz, vollkommen zerrüttete Ehen zu scheiden und für Bundeskanzler Erhard waren kritische Journalisten "Pinscher". Insofern glaube ich schon, dass die 68er einen Bruch mit einer tendenziell reaktionären Gesellschaft bewirkten. Andererseits führte dieser Umbruch auch zu verheerenden Ergebnissen,wenn man nur an die armen Kinder denkt, die nach den hessischen Rahmenrichtlinien unterrichtet wurden.

... auch mal ein paar Fakten aus der Vor-68er-Zeit, ohne deswegen die 68er zu glorifizieren. Auch diesen irrwitzigen Vietnamkrieg, organisiert von der selbst zutiefst und immer noch gerne moralisch-überheblichen Führungselite in den USA, hat ein Kommentar zurecht angeführt. Das Niveau vieler anderer Kommentare erinnert mich dagegen an dasjenige von Diskussionen der älteren Bussi-Gesellschaft in München, in Edelgaststätten, Opernfoyers etc. pp. - hanebüchen und SO SEHR in die eigene Weltanschauung verliebt wie manche Alt-68er auch. So what ...

Maria Chladek | Di, 9. Januar 2018 - 19:33

für diesen treffenden Kommentar. Wir Österr. haben einen Alt68iger als Bundespräsident, der nur zu dem Zweck i.d Präs.Stuhl gehoben wurde,um eine Regierungsbeteiligung der FPÖ zu verhindern. Kurz vor Weihnachten hat VdB die schwarz(türkis)/blaue Regierung samt aller Minister ohne Zwischenfälle - sogar sehr locker - angelobt. Ein Zeichen dafür, dass auch Alt68iger lernfähig sind?? Wer vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ein Alt68iger, ehem. Grünparteivorsitzender u. gern gesehener Freund bei Fidel Castro, eine Regierung rechts der Mitte angeloben wird, wäre in die Psychiatrie eingeliefert worden. LG aus Wien

Kurt Hartmann | Sa, 13. Januar 2018 - 22:19

In reply to by Maria Chladek

hat noch im Wahlkampf ganz andere Töne gespuckt und sich sogar zur Behauptung verstiegen, er würde einen H. C. Strache, selbst wenn dessen FPÖ die stimmenstärkste Partei sein sollte, nicht mit der Regierungsbildung beauftragen: Eine eindrucksvolle Demonstration des Demokratieverständnisses eines Alt-68ers!
Dass er dann, wie Sie richtig bemerken, die schwarz-blaue Regierung "sogar sehr locker" angelobt hat (ganz im Gegensatz zu dem lächerlichen Klestil 2000 bei Schüssel 1!), ist wohl einzig und allein darauf zurückzuführen, dass ihm seine Juristen klar gemacht haben, dass er als Bundespräsident nichts weiter als ein (viel zu hoch!) bezahlter Frühstücksdirektor ist. Als er dann seinen Konkurrenten Norbert Hofer als Minister angeloben musste, ist ihm das Lächeln sichtlich gefroren, denn Hofer ist jetzt ein Mann, der gestalten kann; VdB dagegen kann weiterhin nur verwalten - und "seine mahnende Stimme erheben": Lächerlichkeit zum Quadrat!
LG aus der steirischen Provinz!

Peter Pascht | Di, 9. Januar 2018 - 21:10

Mehr braucht man nicht zu sagen, wie auch die sozial-historische Analyse im Artikel zeigt, die so auch von Hegel, Feuerbach oder Marx sein könnte. Sie verweist auf die Zwanghaftigkeit sozialer Prozesse, die vom Gesamtzusammenhang bestimmt werden und nicht vom Willen oder Wirken einzelner. Aber das haben die Grünen bis heute nicht kapiert, sie halten ihre Glaubens-Weltsicht für unumstößlich und unanfechtbar richtig. Das sind die sichersten Merkmale für die Nichtakzeptanz einer Weltsicht, die Starrheit der Unwandelbarkeit, die Berufung auf postulathafte Dogmen.

Dr. Lothar Sukstorf | Mi, 10. Januar 2018 - 12:36

Wer damals Mao, dem grössten 'Massenmörder aller Zeiten' huldigte, der folgte nur einem Trend, wie es z.B. mit dem Che-Look offenkundig war.

Frank Linnhoff | Do, 11. Januar 2018 - 09:29

"Und dort fanden sie alles, was man als Sprössling einer prosperierenden Wohlstandgesellschaft braucht, um den eigenen Narzissmus und Hedonismus intellektuell zu rechtfertigen: die Idee, sexuelle Libertinage würde zu einer besseren Gesellschaft führen." Der Author sollte selbst Schriften von Erich Fromm lesen, statt einen derartigen Unsinn von sich zu geben.

Urs Notz | Mo, 12. März 2018 - 08:18

Wir hatten damals noch Illusionen oder träumten von einer besseren Welt. Auch die Esoterik war noch ein Thema im Gegensatz zu heute, sich die Jugend kaum Probleme über die Zukunft macht. Der damalige Zeitgeist kann aus heutiger Sicht gar nicht verstanden werden, dies sieht man ja an den Kommentaren. Die heutige Jugend ist im Vergleich zu damals total abgestumpft, geschweige von Idealen zu sprechen. Dies kann man ja in der Musik beobachten, wenn man die Musik von damals und heute vergleicht, muss dies doch jeder begreifen, heute etwas nicht mehr stimmt, dekadenter geht es wohl nicht!

Urs Notz | Mo, 12. März 2018 - 08:19

Wir hatten damals noch Illusionen oder träumten von einer besseren Welt. Auch die Esoterik war noch ein Thema im Gegensatz zu heute, sich die Jugend kaum Probleme über die Zukunft macht. Der damalige Zeitgeist kann aus heutiger Sicht gar nicht verstanden werden, dies sieht man ja an den Kommentaren. Die heutige Jugend ist im Vergleich zu damals total abgestumpft, geschweige von Idealen zu sprechen. Dies kann man ja in der Musik beobachten, wenn man die Musik von damals und heute vergleicht, muss dies doch jeder begreifen, heute etwas nicht mehr stimmt, dekadenter geht es wohl nicht!

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