Der Unabhängigkeitsplatz in Kiew am Donnerstag, dahinter liegt der Präsidentenpalast / Moritz Gathmann

Situation in Kiew - Ein dumpfes Wummern in der Ferne

Über die letzten Tage drängen die Ukrainer die Russen an mehreren Stellen der Front bei Kiew zurück. Zu Beschüssen der nördlichen Innenstadt kommt es nur noch vereinzelt. Nach einem Monat Krieg kehrt in der ukrainischen Hauptstadt damit auch langsam wieder Normalität ein. Kriegsnormalität.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Sehr langsam rollt der Zug aus Richtung Lemberg gegen zehn Uhr am Mittwochabend in den Kiewer Hauptbahnhof ein. Kurz vor der Einfahrt ins Stadtgebiet wurden alle Lichter ausgeschaltet. Angespannt schauen die Menschen im Waggon durch die Zugfenster. Viele von ihnen waren seit Wochen nicht hier: Was hat der Krieg mit ihrer Stadt gemacht?

Darunter ist Emil, ein 32-jähriger Bauer aus dem Gebiet Schytomyr westlich von Kiew. Er hat die letzten Wochen mit seinen Eltern in Lemberg verbracht, jetzt kehrt er vorübergehend zurück. Säen will er in diesem Jahr nichts, denn 30 Kilometer nördlich seiner Felder wird gekämpft. Was, wenn irgendwann Panzer über seine Felder rollen? Arbeitskräfte gäbe es zwar, erzählt er, aber Diesel sei jetzt sehr teuer. Auch Düngemittel, die früher aus Belarus kamen, seien inzwischen unerschwinglich.

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Jochen Rollwagen | Sa, 26. März 2022 - 17:46

Das gefährlichste in Kiev sind die knapp 10.000 AK-47 (+ Munition), die von der "Regierung" an Hinz und Kunz einfach so ausgehändigt wurden. "Paß" oder sonstige "Papiere" waren ausreichend, danach hatte man ein voll-automatisches Sturmgewehr amerikanischer Herkunft.

Darüber würde ich mir in Kiev wirklich Sorgen machen.

Gerhard Lenz | Sa, 26. März 2022 - 21:57

In reply to by Jochen Rollwagen

Nö, die kann es doch nach Putins wirren Aussagen, die bei Ihnen offensichtlich absolute Zustimmung finden, in der Ukraine gar nicht geben!

Die Menschen sehnen doch die Befreiung vom Faschismus herbei - und Putin ist ihr Erlöser (Ihrer scheinbar sowieso...). Warum die Faschisten, die doch die unschuldigen Menschen unterdrücken, Munition verteilt haben, erschließt sich mir allerdings nicht. Sie wissen es sicher.

Man stelle sich nur vor, dass bislang angeblich harmlose Zivilisten (wahrscheinlich alles verkleidete Nazis), die vorgeben, ihr Land zu verteidigen, in ihrer unbegrenzten Aggression einen unschuldigen russischen Soldaten treffen könnten?

Wer da der Aggressor ist - nämlich auch schon mal der bösartige ukrainische Rentner - wer das Opfer - der unschuldige russische Soldat - ist ja wohl offensichtlich.

Schuld trägt sowieso die "Regierung" - die für Sie ja keine ist, eines Landes, das für Sie ja wahrscheinlich auch nicht existiert.

Putins Lautsprecher müssen es ja wissen.

Klaus Funke | Sa, 26. März 2022 - 18:45

Die Frage ist doch: Cui bono? Bis jetzt läuft es für den Cowboy-Staat USA prächtig. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die EU und Russland. Die Russen mit den Sanktionen und die EU und besonders Deutschland mit den Folgen derselben. Der Westen, voran die USA haben den Putin in diese Falle gelockt. Und er tappte selbstsüchtig und falsch kalkulierend hinein. Auch hat er den eigenen Schlendrian nicht bedacht - der selbst in seiner Armee herrscht. Seit 2014 laufen die Vorbereitungen seitens der USA. Die Ukraine ist das Zündhütchen. Russland wird von Europa abgekoppelt. Der europäische Energiemarkt wird von den USA beherrscht werden. Was Trump wollte, vollendet der senile Biden. Endlich kann die USA wieder richtig "Kohle" machen und die eigenen Löcher stopfen. Und wenn es gut läuft, wird man sich Sibirien einverleiben. Das ist das langfristige Ziel des Raubtierkapitalismus made in USA. Natürlich kann Putin dem noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Klaus Funke | Sa, 26. März 2022 - 18:48

Ich denke, Putin riskiert eher einen Atomkrieg als Russland den US-Amerikanern zu überlassen. Man sollte schon mal die tatsächlichen Ursachen aufdecken. Russland ist nur Objekt, kein Subjekt im Spiel der USA. Die Ukraine gibt man auf, wenn sie keinen Nutzen mehr bringt. Es gibt ja schon Pläne zur Aufteilung der Ukraine. Und das sind keine russischen Pläne.. Wir Deutschen werden in diesem Spiel wie seit 1914 wieder die Dummen sein. Kein Wunder bei diesem Personal. Ein Glück, dass ich schon so alt bin, dass mich das nicht mehr wirklich interessiert. Fakt ist, unseren Wohlstand und vielleicht auch den jahrzehntelangen Frieden können wir uns in die Esse schreiben... Qed.

Kai Hügle | So, 27. März 2022 - 09:04

...welches Echo die Berichte von Herrn Gathmann in diesem Forum verursachen: fast gar keines. Anfangs hieß es, er sei vor Ort zu nah dran und deshalb "zu emotional", um objektiv zu berichten. Da behauptete z. B. der stets desinformierte Herr Konrad, Russland greife nur in der Ost-Ukraine an, nicht auch im Norden und von der annektierten Krim aus.
Inzwischen werden Gathmanns Reportagen entweder völlig ignoriert (z. B. "Morgen war Krieg") oder offen diskreditiert. Wobei ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass man das Niveau der Beiträge von Funke, Poth und Konrad noch unterbieten kann - was mich zu Ihnen bringt, Herr Rollwagen: Vorgestern noch schrieben Sie, dass Gathmann den "Krieg in der Ukraine sucht aber einfach nicht findet". Und heute sollen die Bürger von Kiew keine Angst vor einer Armee haben, die u.a. Mariupol in Schutt und Asche gelegt hat, sondern vor den Waffen, die man ihnen gegeben hat, um sich und ihre Stadt zu verteidigen.
Unsäglich, was Sie hier absondern.

die von ihnen genannten Forumsmitglieder haben offensichtlich ein Problem mit der Realität und deshalb, glaube ich ist es vergebene Mühe sich mit ihnen zu beschäftigen.

Über die Motivation so eine Propaganda zu verbreiten,
kann man nur spekulieren.

Aber eigentlich ist es egal, denn sie werden am Ende als Gescheiterte da stehen.

Sie haben keine Ahnung von der Ukraine.
Stellen Sie sich das Chicago der zwanziger Jahre vor, und dann 10.000 voll-automatische Sturmgewehre, die an wirklich jeden verteilt wurden.
Die Russen sind da das kleinste Problem.

Gerhard Lenz | So, 27. März 2022 - 12:41

Zumindest in diesem Forum. D.h. eigentlich war es das die ganze Zeit. Und heute mit neuen Sensationen!
Jetzt wissen wir also, was für besonders "Aufgeklärte" schon immer klar war: Es gibt einen alleinigen Hauptschuldigen für den Krieg, und das sind die USA. Putins Panzer und Bomben? Nicht mehr als Mittel zum Zweck der amerikanischen Sache!
Die USA wollen also das rohstoffreiche Sibirien einkassieren! Das ist das ganze Ziel der "Ukraine-Trickserei". Und Putin, der Trottel, lässt sich auch noch vor den US-Karren spannen!

Dabei bezeichnete der Enthüllungs-Forist Putin kürzlich noch als besonders gebildet und intelligent!

Nun gut, der stets bestens informierte Forist wusste auch, dass in DE die BT-Wahlen verschoben oder es nur (manipulierte) Briefwahl geben würde - Merkel bliebe uns erhalten. Andererseits sah er schon vor Jahren den baldigen Sturz Merkels durch das erzürnte Volk voraus. Hängt wohl von der Tagesform seiner Glaskugel ab.

Autor, bleib bei Deinen Romanen! Da passt es...