Wohneigentum in der Corona-Krise - Die Wohlstands-Party ist vorbei

Deutschland fühlt sich reicher als es ist. In der Krise schlägt vor allem die geringe Quote an Wohneigentum durch. Hohe Mieten bedrohen Existenzen. Die Not offenbart eine dramatische Schieflage von reichem Staat und relativ armen Bürgern.

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Hohe Mieten in Corona-Zeiten bedrohen Existenzen / picture alliance

Autoreninfo

Wolfgang Bok war Chefredakteur und Ressortleiter in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn Strategische Kommunikation. Regelmäßig schreibt er für verschiedene Medien Kolumnen zu gesellschaftspolitischen Themen und ist Buchautor.

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„Deutschland ist ein reiches Land. Wir können uns das leisten!“ Wie oft wurde diese Parole in den Jahren des steten Wachstums ausgegeben? Ob neue Sozialleistungen oder Flüchtlinge, ob uneffektive Energiewende oder teure Ökoauflagen, ob Hilfen für die Welt oder für Europa – die offene Geldbörse gehörte zur Grundausstattung des deutschen Politikers. Und jetzt?

Schon wenige Tage, nachdem die Conora-Epidemie die Welt in Schockstarre versetzt und der Shutdown den Wirtschaftsmotor gegen Null herunterbremst, herrscht Land unter. Ökonomen türmen die Ausfälle zu gigantischen Förderungsbergen auf, Zentralbanken treiben die Geldpressen auf Hochtouren – und Regierungen schnüren Hilfspakete, die alles Dagewesene in den Schatten stellen. Existenzielle Not, so wird uns vermittelt, wohin man blickt.

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Michaela 29 Diederichs | Di, 31. März 2020 - 12:25

Mit Prioritäten hatten es diese Regierungen unter Merkel nie so. Man hat immer aus dem Vollen schöpfen können. Vorausschauend und zukunftsorientiert habe ich die letzten Jahre nicht empfunden. Das wird nun in der Krise immer klarer erkennbar. Guter Beitrag.

dieter schimanek | Di, 31. März 2020 - 13:00

Offiziell 2,3 Billionen Schulden, dazu eine Merkel die laut Prof. Sinn Bürgschaften von geschätzten 7 - 9 Billionen € unterschrieben hat. Das ist mehr als alles was Deutschland besitzt. Dazu eine Massenmigration in die Sozialsysteme und den Wohnungsmarkt. Jeder Bürger der sich Prozentual derart verschuldet, wäre für den Rest seines Lebens absolut Schufatot. Wenn die Blase platzt war es Trump, Johnsen, Putin, Urban unter Führung der AFD.

Guter Kommentar!
Apropos: "Das Märchen vom reichen Land - wie die Politik uns runiniert" ist auch Titel des aktuellen Buches von Dr. Daniel Stelter, der u.a. im Cicero immer wieder Artikel veröffentlicht. M.E. einer unserer klügsten kritischsten und unabhängigsten Köpfe. Ergänzend dazu bereits aus dem Jahr 2016 "Eiszeit in der Weltwirtschaft - Die sinnvollsten Strategien zur Rettung unserer Vermögen" sowie Stelters täglich aktualisierter, wirtschaftspolitischerr Blog www.think-beyondtheobvious.com. Alles überaus lesenswert!

Norbert Heyer | Di, 31. März 2020 - 13:29

Hier wird einmal genau ausgeführt, wie dünn das Wohlstandsgefühl der Deutschen ist. Höchste Steuern, höchste Energiekosten und relativ geringe Renten bei geringem Eigenbesitz, da wird im Falle einer Krise ganz schnell der Bodengrund sichtbar. Wir haben mit unserer vermeintlichen finanzielle Potenz alles und jeden finanziert, ohne zuerst auf die Bedürfnisse des eigenen Volkes Rücksicht zu nehmen. Rettungsschirme, Rettung von Griechenland, Migrationskosten in steigender Höhe und Target-Konten für kostenlosen Wareneinkauf unserer europäischen Partner. Wir haben den Aufschwung der vergangenen Jahre praktisch mit unseren Überschüssen selbstfinanziert. Wenn wir jetzt noch weitere finanzielle Verpflichtungen für andere übernehmen, könnte das den Kollaps von Deutschland bedeuten. Es kann nicht sein, dass wir immer den Bierdeckel für alle fröhlichen Zecher übernehmen. Wir produzieren dadurch sozialen Sprengstoff von ungeheurem Ausmaß in unserem Land mit ungewissem Ausgang. Gnade uns Gott.

man erinnert sich an Merkels Worte, als es um die EZB-Umfrage zum Thema "Medianvermögen in der EU", die aufzeigte, dass die Deutschen fast als Schlusslicht beim Eigentum auftauchten, die Südländer jedoch ganz weit oben standen. Sie sagte sinngemäß, dass bei den Deutschen die Rentenansprüche dazugerechnet werden müssten. Hoppla, dafür zahlen die Bürger Beiträge – und bei den niedrigen Renten wird davon der größte Teil an den Vermieter gezahlt und von dem Rest kann man dann wohl nicht mehr von Vermögen reden.

genauso ist es.
Seit dem wir Rentner sind, und auch schon davor, fahren wir mit unserem Wohnmobil quer durch Europa. Seit 10 Jahren überwintern über 9 Monate im Jahr, in verschiedenen Ländern und haben wirklich sehr viele nette Freunde. Zu unserem Freundeskreis zählen Niederländer,Franzosen, viele Spanier, Belgier, Engländer, Skandinavier und viele mehr, die uns auch in Deutschland besuchen. ALLE schütteln nur den Kopf und fragen, was ist nur bei euch los.
Mit deren Renten kommen wir hier in Deutschland bei weitem nicht mit; außerdem arbeiten alle nicht so lange wie wir hier in D.
Unser niederländischer Freund lud uns letztes Jahr ein, mit den Worten:...meine Frau ist nun auch Rentner und bekommt auf ihre Rente 650 € obendrauf -- wie auch ich, wir laden euch ALLE zu einer großen Grillparty ein.
...Deutschland ist ein reiches Land...

Die Fehler und Versäumnisse sehen wir immer deutlicher wie unter dem Mikroskop oder dem Brennglas. Alles wurde und wird mit Geld zugeschüttet - auch jetzt wieder in der Coronakrise. Das ist immer der erste Reflex. Ob es diesmal helfen wird und wohin wird es uns und die EU führen?

Dr. Roland Mock | Di, 31. März 2020 - 13:30

100% Zustimmung. Zu Fratscher: Der - eher sozialistischer Agitator als Wissenschaftler - hat mit seiner Forderung, den Vermietern jetzt mal eben für ein Jahr de facto ihr Eigentum zu entziehen, seine Inkompetenz endgültig bewiesen. Zu den Banken: Der Regierung scheint nicht klar zu sein, welch gewaltige Risiken das Gesetz auch für die Kreditinstitute birgt: Es erlaubt ausdrücklich auch die Stundung von Zins und Tilgung. Ich weiß von Vermietern von Gewerbeimmobilien, die von Einnahmeverlusten von ca. einem Drittel der Mieten ausgehen. Und bereits jetzt kündigen erste Firmen außerordentlich ihre Mietverträge. Werden aber unter Verweis auf das neue Gesetz die angemieteten Flächen nicht räumen. Was werden die Vermieter wohl tun? Tun müssen? Ich bin sicher, daß die Drähte in den finanzierenden Banken schon glühen. Und so hat das unselige Gesetz nicht nur Vermietern einen Schlag in die Magengrube verpaßt. Nicht auszuschließen, daß es uns auch noch eine neue Finanzkrise beschert.

Wer nimmt denn dem Immobilieneigentümer sein Eigentum weg? Er darf es weiterhin wirtschaftlich verwerten, er darf sogar damit spekulieren. Die nächsten Mieterhöhungen kommen ganz bestimmt – die nächsten Gehaltserhöhungen müssen etwas länger warten ...

Irrtum. Zum Eigentum gehört die Möglichkeit, dieses auch verwenden zu können. Eine „pauschale Stundung der Mieteinnahmen bis zu 12 Monaten“, wie Fratzscher es fordert, würde dem Vermieter den Ertrag aus seinem Eigentum entziehen. Was schon in dieser Phase einer sukzessiven Enteignung gleichkäme. Spätestens aber dann, wenn die Zwangsversteigerung ansteht.

wo soll den das ganze Geld auch nur her kommen ?
Wir haben bereits schon so viel Pulver verschossen für viele unselige "Projekte" .
Ich denke, diese astronomischen Summen werden wohl nie wieder ausgelöst werden können. Der Schwur unserer Kanzlerin wird uns wohl auch nicht weiter helfen.

Heidemarie Heim | Di, 31. März 2020 - 13:46

Auf der hiesigen online-Seite sind dazu noch mindestens zwei Titelüberschriften, die zum Artikel von Herr Bok bestens passen: " Verpeilt ist das neue cool" und noch aktueller "Zeit für eine Demaskierung". In der Tat mochte und wollte sich niemand mit den wahren Begebenheiten, Fakten und Tatsachen beschäftigen, die am Image des deutschen Krösus und Weltenretters auch nur kratzen könnte. Was dem letzten König Lydiens seine scheinbar unerschöpflichen Gold-und Silberminen waren und ihn auf die Idee brachten als Zeichen seiner Macht daraus Münzen mit Löwenhaupt prägen zu lassen, so war bisher der deutsche Steuerzahler und eine prosperierende Wirtschaft dafür zuständig das verschwenderisch zu vergebende Füllhorn für die Parteipolitik und letztendlich die Regierung aufrecht zu erhalten. Von allen, auch der dahingehend überaus unkritischen Medien unterstützt wurde das Märchen von Reichtum und Überlegenheit unseres urdeutschen Systems der Schaffer,Sparer, Häuslebauer gepflegt. Now " Isch over!"

Albert Schultheis | Di, 31. März 2020 - 14:38

Ich lebe seit Jahren auf einer eigentlich ärmlichen Insel in Spanien. Die Leute hier haben prekäre Jobs bei der Kommune oder sie wurschteln sich sonstwie durch. Aber die meisten haben noch ihre kleinen Fincas mit einem einfachen Natursteinhäuschen drauf, die sie von ihren Eltern ererbt haben. In Zeiten der Krise zieht man sich dorthin zurück und fängt an Kartoffeln zu pflanzen. So einfach geht Resilienz in Zeiten der Krise.

Hans Jürgen Wienroth | Di, 31. März 2020 - 14:41

Unser Staat hat mit der Privatisierung von Kommunalunternehmen, dem Gesundheitswesen usw. das Tafelsilber „verscherbelt“, um den Mangel an Wirtschaftskompetenz in deren Management zu kaschieren. Bei den hoheitlichen Kernaufgaben (z. B. öffentl. Sicherheit) hat man das Personal kontinuierlich reduziert. Gleichzeitig hat man jede Maßnahme zur privaten Vermögensbildung (z. B. Eigenheime 7b) gestrichen.
In der Erziehung stand die Devise vorne: Lebe heute! Wir sind nicht umsonst „Reiseweltmeister“, es gibt kein exotisches Land ohne deutsche Touristen. Vorhandene Werte werden für eine Reise verscherbelt. Wer weiß denn, was morgen in unserer schnelllebigen, modernen Welt ist? Wozu also Vorsorge treffen. Damit ist die zunehmende Staatsverschuldung auch für immer weniger Bürger ein Problem. Irgendwer wird es zurückzahlen, zur Not die reichen Unternehmer. Deren Besitz ist jedoch oft das Betriebskapital, der Gewinn wird reinvestiert. Wirtschaftsdenken passt nicht zum „modernen“ Lebensmodell!

Ernst-Günther Konrad | Di, 31. März 2020 - 14:53

" Der fiktiv ausgerufene Klimanotstand scheint wichtiger als die tatsächliche Not vieler Menschen. Schließlich muss der Staat reich bleiben, damit er die arm gemachten Bürger generös unterstützen kann. Die sind dann so dankbar, dass sie auch noch einen Corona-Soli schlucken."
Herrlich klar und deutlich im Ergebnis. Für mich ist das alles richtig, was Sie schreiben Herr Bok.
Auch zum Ende hin beurteilen sie einen Teil der Wähler durchaus richtig. Die von Merkel's Politik sedierten berauschten Merkel-Wähler, sie würden sofort um die IBAN-Daten der Regierung bitten, um einen weiteren Soli zu zahlen. Ist ja für einen guten Zweck. D ist reich? Ja, das sind wir. Reich an phrasendreschenden Politikern, die uns auspressen bis nichts mehr kommt. Politikern die völlig den Bezug zur Basis und zur Realität verloren haben. Ich habe heute ein Haus, habein jungen Jahren zur Miete gewohnt. Ich kenne das Gefühl. Der Verlust der Wohnung ist existenziell und genau diese Ängste machen Menschen krank.

Ellen wolff | Di, 31. März 2020 - 15:55

„Schließlich muss der Staat reich bleiben, damit er die arm gemachten Bürger generös unterstützen kann. Die sind dann so dankbar, dass sie auch noch einen Corona-Soli schlucken.“

Super auf den Punkt gebracht;)
Sie haben aber noch vergessen zu erwähnen, dass dieser Staat auch sehr vielen Menschen recht gut dotierte Jobs gewährt. Viele sind wichtig und unverzichtbar, andere könnten mit einem ernst gemeinten Bürokratieabbau eingespart werden. Die Bürokratie wächst wie ein Krebsgeschwür immer weiter. Es wäre schon viel geholfen, wenn nicht jede Sozialleistung bei einer anderen Behörde beantragt werden müsste. Effizienz ist nicht die Stärke unseren Politiker und unserer Behörden.

Beate.weikmann | Di, 31. März 2020 - 17:15

Kann man es nicht darstelle. Es Weden Gesetzte gemacht, bei denen die großen Firmen mit Milliarden Gewinnen ihre Miete aufschieben können und die kleinen Vermieter sollen bis zu einem Jahr durchhalten. Wenn es bis jetzt 46,5 % Immobilien Eigentum gab, werden es danach nur noch 20% sein! Und wer wird sich wohl diese Immobilien unter den Nagel reißen. Gesetzte werden für die gemacht, die sie machen!

Gisela Fimiani | Mi, 1. April 2020 - 13:31

Der reiche Staat, der arme Bürger, der dann bei Vater Staat betteln muß. So wird der längst nicht mehr existierende Bürger als Souverän des Staates zu dessen Untertan. Der despotistische Paternalismus der Parteien gelenkten Demokratie ist verwirklicht. Die Abwahl einer Regierung ist wegen aller möglichen Koalitionsverrenkungen nicht möglich. Darüberhinaus sind die Parteiinteressen, als Interessen des Machterhaltes, weitgehend gleich. Der Staat ist der Parteien Beute, sie betrachten sich selbst als Souverän, der Bürger wird zum Untertan, dem ein Denken nur noch in „Parteien“ , anstatt in Bürgerinteressen, eingebläut wurde. Er wird dafür entertained mit Partei-Theater-Aufführungen und vielen wohltätigen Versprechungen. Brot und Spiele im 21. Jahrhundert.

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