Peter Altmaier
Nicht der richtige Mann: Der letzte CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier / dpa

Wirtschaftskompetenz - Was ist noch da vom Markenkern der CDU?

Zwar trauen immer noch mehr Wähler der CDU eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und sichere Arbeitsplätze zu als den anderen Parteien. Inhaltlich lässt sich das aber kaum begründen. Auch die Union hat sich weg von Ludwig Erhard und hin zu mehr Staat bewegt. Das geplante neue Grundsatzprogramm bietet der Partei die Chance, sich wieder auf ihre einstige Stärke zu besinnen.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z.

So erreichen Sie Hugo Müller-Vogg:

„In der Union wächst die Sorge um das wirtschaftspolitische Profil der Fraktion. (…) Es geht um Strukturen, aber natürlich auch um Personen. Die Partei, die einst mit Ludwig Erhard Wahlen gewann, ist wirtschaftspolitisch flügellahm geworden.“ Diese Analyse der FAZ bezieht sich nicht auf das CDU-Debakel an der Saar. Sie ist mehr als acht Jahre alt, aber unverändert aktuell. Erst kürzlich haben die saarländischen Wähler die Wirtschaftskompetenz der Sozialdemokraten höher eingeschätzt als die der Union. Wenngleich viele regionale Besonderheiten bedeutsam waren: Die CDU tut sich auf dem Feld der Wirtschaft, ihrem eigentlichen Markenkern, zunehmend schwer.

Dass die CDU besser „Wirtschaft kann“ als die Sozialdemokraten, stand für die meisten Wähler immer fest. Mit der CDU, so die einst zu Recht vorherrschende Meinung, brummt die Wirtschaft. Das kommt dann auch der Mittelschicht zugute: mehr Arbeitsplätze und ordentliche Sozialleistungen. Dabei zehrte die Union von dem Nimbus eines Ludwig Erhard und den Wirtschaftswunderjahren. Dabei wird gern übersehen, dass man schon über 70 Jahre alt sein muss, um sich noch persönlich an den „Dicken mit der Zigarre“ erinnern zu können. Seitdem haben viele Unionspolitiker versucht, sich als „Mister Marktwirtschaft“ zu positionieren. Gelungen ist das keinem.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Tomas Poth | Di, 5. April 2022 - 17:25

In welcher Partei soll die sein, wenn man auf vergangenen Jahre zurückschaut?
Der SPD höhere Wirtschaftskompetenz zuzuschreiben, zeugt allenfalls davon daß in der Umfrage nur Leute befragt wurden die ebenfalls keine Ahnung von Wirtschaft haben.

Karl-Heinz Weiß | Di, 5. April 2022 - 17:25

Die SPD hat die Bundestagswahl wegen ihrer sozialpolitischen Kompetenz gewonnen-eine gewagte These. Nein, die CDU hat die Wahl verloren, weil sie von einer Person ihres Markenkerns beraubt wurde: zu allen Zeiten eine Riege kompetenter Politiker mit unterschiedlichen Profilen aufzuweisen. Jetzt musste sie einen Politiker mit 16 Jahren Politikpause reaktivieren, der keineswegs als Teamplayer auftritt.

Norbert Heyer | Di, 5. April 2022 - 17:33

Die CDU ist am Ende, sie ist ausgebrannt und hat nach Merkel nichts, wirklich nichts mehr, wofür sie steht. Die Kommunistin hat diese einst staatstragende Partei so zerstörerisch verändert, dass sie niemals wieder ihre alte Stärke zurück gewinnt. Merz ist ein begabter Dampfplauderer, der immer dann, wenn Entscheidungen anstanden, sich dezent zurückzog. Es gibt aber noch einen entscheidenden Faktor, für mich, diese Partei niemals wieder zu wählen: Wie gestandene Männer sich von der kleinen Frau aus dem Osten zum Hampelmann degradieren ließen und jede Katastrophe dieser Frau noch wohlwollend unterstützen. Jetzt werden die ganzen
Fehleintscheidungen mit voller Wucht unser Land in die schwerste Krise dieser Republik stürzen. Zum allen Unglück haben wir auch noch eine Regierung, die an Dilettantismus nicht mehr zu überbieten ist. Wir sind jetzt schon zum Problemfall für die EU geworden, nur noch zu gebrauchen als Zahlmeister, ansonsten sind wir komplett isoliert - ohne jede Unterstützung.

habe ich nichts hinzuzufügen, lieber Herr Heyer.
Sie haben die Lage dieser Partei exakt auf den Punkt gebracht.
Danke.

Genauso ist es. Und wann wollen die denn ihr Grundsatzprogramm veröffentlichen? Zu den nächsten BT-Wahlen? Die machen ja nicht mal richtige Oppositionspolitik. Das Geständnis Steinmeiers zu seinem Fehler in der Einschätzung Russlands wäre doch für jede wirklich Opposition ein gefundenes Fressen, den Rücktritt zu fordern und mal richtig auf den Putz zu hauen. Warum machen die das nicht? Genau. Weil sie dann unweigerlich auf die Hauptakteurin dieser Politik seit 16 Jahren stoßen würden. Die Frau, die derzeit in Italien urlaubt und ihre Politik gegenüber Selenskij verteidigt hat mit den üblichen Phrasen. Eines scheint sie jedoch gelernt zu haben, sie hält ihr Portemonnaie jetzt in der Hand (Foto in BILD), damit es nicht wieder geklaut werden kann. Der Dieb seinerzeit hätte besser sie mitgenommen und das Portemonnaie zurück gelassen. Aber gut, das wäre eine schwere Straftat gewesen und für was? Da hätte er nicht mal einen Hehler gefunden oder jemand der Flaschenpfand zahlt.

...ich einen Kommentar schreiben werter Herr Heyer, wäre dieser ein Plagiat
des Ihrigen geworden und mein eventueller Doktortitel sofort aberkannt.

Ingo Frank | Di, 5. April 2022 - 18:30

Nein Herr H. M-Vogg, flügellahm kann nur ein Vogel sein, der Flügel hat. Die CDU hat sich ihre Flügel, bleibt man im Bild, sich von Merkel amputieren lassen. Bis auf einige grüne und einige rote Federn rechts und links ist nichts mehr wo einst, große schwarz weiß melierte Flügel, den Adler in die Höhen trug. Jetzt ist der einst stolze Adler, zu einem kranken, am Boden lebendes Tier mutiert , den der rote Fuchs sich bald zu eigen machen wird weil eben kompetente vor allem „wollende“ Tierpfleger fehlen, die die Art wieder aufpäppeln wollen.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Andreas Büggeln | Di, 5. April 2022 - 18:38

Die CDU sollte sich weiterentwickeln, denn wir haben die letzten Jahre sehen können, was "die Wirtschaft" macht, wenn überwiegend angebotsorientierte Politik gemacht wird: Es bilden sich Monopole, Preise steigen, Arbeitsbedingungen werden schlechter, usw.
Wie wäre es, wenn die CDU Kompetenz darin zeigt, gewisse Spielregeln zu etablieren, die einen Wettbewerb schaffen, der nachhaltigen Wohlstand für möglichst alle bringt?
Zum Beispiel: Unternehmen, die viel und solide ausbilden, erhalten gewisse Vorteile.
Und natürlich muss die Politik bei Bürgern und Unternehmen zeigen, wofür sich Steuern zahlen auch lohnen kann!
Die Ausschreibungen führen oft dazu, den falschen Anbieter zu wählen. Man könnte auch den Anbieter mit dem zweitgünstigsten Angebot wählen, da dabei die Chancen besser stehen, dass seriös kalkuliert wurde.
Ich vermute, darin kann die CDU schnell glänzen und auch Angestellte und Arbeiter gehen da mit!
Dann noch die gesetzliche Rente stärken und das Rentenniveau heben.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 5. April 2022 - 18:51

gleiche nur den Text mit der Realität ab, die aber auch schon der Text aufzeigt.
Danach war die CDU nie die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz, sondern eher diejenige mit der höchsten Führungskompetenz und dem höchsten Ansehen als staatstragende Partei.
Erhard war wohl der Vater der sozialen Marktwirtschaft, aber nicht so sehr gelitten in der CDU und hätte evtl. besser in die FDP gepasst?
Es war aber nicht die Zeit einer sozusagen freien Marktwirtschaft in den Aufbaujahren der Bundesrepublik.
Nach meinem Dafürhalten wird die CDU punkten können mit staatstragender Präsenz und Perspektive, die evtl. gerade in den Jahren mit Frau Merkel als Kanzlerin der CDU geschleift wurde.
Andererseits werden sich wohl leider - von der SPD her gesehen - sowohl die Grünen als auch die FDP der CDU anbieten, ihren Führungsanspruch zu komplettieren, es sei denn, den Wähler überzeugt explizit sozialdemokratische Politik, wie mich...

Frau Merkel hätte nicht geführt, wo doch Frau Neubauer sprach, dass sie sich mit ihr sicher wußte?
Ich würde dennoch meinen, nicht unbedingt in dem Sinne von staatstragender Politik der CDU und deren Perspektiven.
Ob Frau Merkel es nun gewahr war oder nicht, eine Kanzlerin losgelöst von Partei und Parlament kennt unser Grundgesetz evtl. nicht.
Nein, da hat sie sich meines Erachtens nicht versprochen, als sie sagte über die CDU, die Partei, die ihr nahe stand, umgekehrt gab es das sicher auch und so gesehen fehlt jetzt schon so etwas wie ein Profil der Partei.
Wenn ich aber über 16 Jahre lang sehen konnte, dass es evtl. eine "freischwebende" Kanzlerin gab und war das denn unter Kohl so viel anders, dann kann ich die CDU guten Gewissens Niemandem mehr empfehlen, es sei denn, diese bekennt sich ganz klar zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.
Okay, Macht kann nicht jeder, sie kann Menschen "verleiten", andere wiederum fühlen sich zu ihr berufen, berufen sich selbst.
IRRWEGE

"Danach war die CDU nie die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz, ..."

In einer Ausgabe der "Anstalt" konnte man sehr gut erkennen, warum die CxU den Ruf hat, besonders gut "Wirtschaftspolitik" zu können.
Sie dominiert schlicht alle relevanten politischen WirtschaftsInstitutionen und war/ist deshalb sowohl willens als auch fähig der Wirtschaft gern mal mit Subventionen oder politischen Entscheidungen/Rückendeckungen zur Seite zu stehen.

Ansonsten hat sie mit Wirtschaft nicht wirklich etwas am Hut. Gut zu erkennen an den "Erfolgen" der Regierungszeit Kohl. Der konnte sich auch nur über die Runden retten in dem er ein paar Monate vor der nächsten BT-Wahl behauptete, die Wirtschaft springe wieder an und der sich abzeichnende positive Einfluss auf die Arbeitslosigkeit sei schon spürbar, käme aber erst nach der Wahl so richtig in Fahrt. Die "Erfolge" waren aber nur die Folge zusätzlicher Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen.

Interessant: Die Wähler glaubten ihm das immer wieder!

Christoph Kuhlmann | Di, 5. April 2022 - 19:18

Wer etwas werden wollte hat mit der Politik aufgehört. Das war nicht nur Merz. Auch Mappus und Klöckner hat sie mit ihrem Atomschwenk und der Migrationspolitik die Wahlen versaut. Es blieben nur weichgespülte Mitläufer auf dem Zug nach nirgendwo. Ich finde Merz macht eine gute Figur und die CDU lernt langsam wieder das Politik mehr ist als Verwaltung des Programms der SPD.

Hans Jürgen Wienroth | Di, 5. April 2022 - 19:31

Die „Wirtschaftskompetenz“ beschränkt sich in diesem Lande bei allen Parteien darauf, eine gute Infrastruktur für die Wirtschaft bereitzustellen. Das reicht vielleicht für das Transport- und Logistikgewerbe, nicht jedoch für die Industrie. Dort werden qualifizierte Wissenschaftler mit Engagement benötigt. Allerdings gibt es da den Konflikt mit der für die junge Generation so wichtigen Work-Life-Balance, Abi für alle statt Hauptschule und Handwerk, Soziologie- statt Ingenieursstudium, Parteikarrierist statt Manager mit 60h-Woche. Dazu passt die staatl. Vollversorgung, auch für die Müßiggänger. Der Sozialstaat wurde ausgebaut, ohne auf Kosten zu achten. Kindergarten, Ganztagsschule, Rente und Pflegeheim wollen finanziert werden. Früher war vieles Aufgabe der Familie, heute organisiert der Staat es mit hohen Verwaltungskosten, man hat ja Anspruch darauf. Die Steuern müssen alles finanzieren, bis sich Arbeit nicht mehr lohnt. Da gibt es viel zu tun in dieser Gesellschaft.

Urban Will | Mi, 6. April 2022 - 09:27

den Grünen „ökologische“ und den Roten „soziale“ Kompetenz zuschreiben, oder gar den Schwarzen „wirtschaftliche“, zeigt doch nur, dass diese Umfragen nichts wert sind.
Es wird Stimmung gemacht und die Leute geben entsprechend ihr Votum ab.
Die Grünen werden, wenn der Windrad – Wahn durchgezogen wird, zur größten Umwelt – Vernichtungs – Partei werden, die es je gegeben hat. Der Oberwitz: nun mit dreckigem, teurem, über weite Strecken hergeschafften Fracking – Gas betriebene Gas – KWs.
Die Roten, zs mit allen anderen weiterhin kraftvoll für unkontrollierte Zuwanderung i d Sozialsysteme eintretend, werden binnen weniger Jahre diese komplett an die Wand fahren. Millionen droht die Verarmung.
Die Schwarzen, zu dumm und zu feige, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen, machen bei all dem mit, sind also als „Wirtschaftspartei“ der reinste Witz.
Der Krieg hat den Eisberg – Kurs des Narrenschiffs D immens beschleunigt. Historische Dummheit wird abgelöst durch noch größere Dummheit.

Gerhard Lenz | Mi, 6. April 2022 - 09:43

die Schlichtheit der Argumentation.

Oft überlegt man, welche möglicherweise komplizierten Gedankengänge die Denke am rechten Rand dominiert. Schließlich betont die Foren-AfD ständig, wer nicht die Rechtsextremisten wähle, sei dumm, ein Michel, ein Untertan, gehöre (neuestes Argument) in den Kindergarten..

Und dann sowas:

Da schreibt ein als treuer AfD-Gefolgsmann bekannter Forist:

"Wie gestandene Männer sich von der kleinen Frau aus dem Osten zum Hampelmann degradieren ließen...!"

Und die bekannten Gefolgsleute jubeln!

Tja hätten JENE doch mal durch ihre "gestandene Männlichkeit" der kleinen Frau gezeigt, wo der Hammer hängt!

Auch sonst nur Altbekanntes, das die Realität ausblendet. Die Union hat zwar nach "links" verloren, was aber angeblich daran liegt, dass sie ihren konservativen Markenkern verloren hat.

Dumm nur: Die Rechtsextremisten, die sich zu Wahlen immer gerne als "wahre Konservative" verkaufen möchten, verlieren ständig an Stimmen.

Manchmal ist es sooo einfach..

Hans Schäfer | Mi, 6. April 2022 - 11:44

Anne Spiegel verlangte für ihr Ahr Managementversagen, das Tote & Mrd. an Schäden verursacht hat, ein Wording, um es vertuschen & einem anderen Ministerium zuschieben zu können.
Der Markenkern der Politik ist, wir brauchen keine Kompetenz zur Führung von Ministerien, wir brauchen New-Wording, um die Unfähigkeit kaschieren zu können.
Sollte die AfD dass monieren, kein Problem, wir haben dafür gesorgt, dass der Schmuddel Partei keiner glaubt. Damit weiß wie die Partei tickt, gell Frau Hachenberg.

Fritz Elvers | Mi, 6. April 2022 - 19:20

Schon wieder?

Ludwig Erhard hatte da ein paar gute Ideen für 1949.

Vielleicht sollte die CDU auf ihr Ahlener Programm zurück greifen: Die Zukunft Deutschlands muss sozialistisch sein!