Sozialdemokratie in der Krise - Linker Kosmopolitismus wird der SPD zum Verhängnis

Auch wenn mit Olaf Scholz jetzt der Kanzlerkandidat feststeht: Für die SPD sieht es düster aus. Um jeden Preis möchte die Partei progressiv sein und marschiert identitätspolitisch ganz vorn mit. Doch die Sozialdemokraten laufen der falschen Wählerschaft hinterher.

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Erscheint jüngst oft als Fähnchen im Wind: Die SPD / picture alliance/dpa

Autoreninfo

Michael Sommer lehrt an der Universität Oldenburg Alte Geschichte und ist Direktor des Instituts für Geschichte. 

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Michael Sommer

59,76 Prozent. Kaum etwas illustriert Glanz und Elend der deutschen Sozialdemokratie besser als diese Zahl. An der 60-Prozent-Marke kratzte die SPD bei der Bürgerschaftswahl 1983 in dem Viertel der Hansestadt Bremen, in dem ich aufgewachsen bin: kein bürgerliches, kein proletarisches Viertel, solider Durchschnitt damals, untere Mittelschicht. Lauter Familien, die sich in den 70ern und 80ern alles das leisten konnte, was eben dazugehörte: das eigene Haus, das Auto, den jährlichen Urlaub an der Nordsee, in den Bergen oder am Mittelmeer – mit einem Gehalt wohlgemerkt.

In vielen dieser Familien wählte man SPD, aus Tradition: Vater war Sozi gewesen, Opa auch. Die Partei hatte den Aufstieg aus dem Arbeitermilieu in die bescheidene, nicht selten auch bessere Bürgerlichkeit nicht nur begleitet, sondern maßgeblich gestaltet und ermöglicht. Das dankte man ihr mit Loyalität, fast überall in Bremen. Der Bürgermeister damals hieß Hans Koschnick. Er verkörperte mit Wohlstandsbauch und akkuratem Seitenscheitel geradezu das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen, ein großer Integrierer. So konkurrenzlos war die Koschnick-SPD in Bremen, dass sie in allen Schichten und Milieus ihre Wähler fand.

Von den Neuen erreichen die Sozis kaum jemanden

Man kennt das Phänomen aus Bayern und von der CSU: eine Staatspartei, die eigentlich aus mehreren Parteien besteht. Das funktioniert, wenn das Personal als Kümmerer wahrgenommen wird und der Laden leidlich läuft. In Bremen lief der Laden nicht. Trotzdem fuhr die SPD im Stadtstaat bis in die Nullerjahre Ergebnisse über 40 Prozent ein. Lang ist’s her. Bei der Bürgerschaftswahl 2019 hat sich das SPD-Ergebnis im Ortsteil meiner Jugend auf 30 Prozent halbiert. Dabei hat sich das Milieu für eine Partei der kleinen Leute eher verbessert: Etliche der Bewohner von einst sind in bessere Stadtteile abgewandert, Teile des soliden Mittelstands sind Menschen in eher prekären Lebensumständen gewichen, darunter viele Zuwanderer aus Russland, dem Balkan und dem Nahen Osten. Von den Neuen erreichen die Sozis kaum jemanden. Die Wähler, die ihr die Treue halten, sind überaltert, wie ein Blick auf die Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zeigt: Nur noch 17 Prozent der 16- bis 29-jährigen Bremer machten ihr Kreuz bei der nun tatsächlich alten Tante SPD.

Godesberger Programm eröffnete neue Wählermilieus

Hundert Jahre lang, seit Bismarcks Kulturkampf, waren drei Konfliktlinien prägend gewesen für das Parteiensystem in deutschen Landen: arm vs. reich, Stadt vs. Land, protestantisch vs. katholisch. Bis in die 1950er Jahre galt: Wer Arbeiter war und nicht katholisch, dazu in der Stadt wohnte, der machte sein Kreuz bei der SPD oder ihrer verlorenen Tochter, der KPD. Schon der kleine Angestellte oder Selbständige wohnte politisch auf einem anderen Planeten und wählte bürgerlich. Wer katholisch war, er mochte Arbeiter sein oder nicht, wählte das Zentrum, später die Union.

Das änderte sich mit dem Wirtschaftswunder ab den 1950er Jahren. Das Godesberger Programm, 1959 beschlossen, öffnete neue Wählermilieus für die SPD. Zugleich wandten sich die Arbeiter im rheinisch-westfälischen Industrierevier, viele von ihnen Katholiken, der Sozialdemokratie zu. Nordrhein-Westfalen wurde zur „Herzkammer“ der SPD. Der „Genosse Trend“ führte Willy Brandts SPD auf Augenhöhe mit der Union. Die Sozialdemokratie blieb Arbeiter-, wurde aber zugleich Arbeitnehmerpartei. Sie vertrat damit auch die Kinder ihrer einstigen Wähler, die dem Malochermilieu entwachsen waren. SPD-Landesregierungen bildeten die Speerspitze der Bildungsexpansion der 1960er und 70er Jahre. „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ war keine leere Formel, sondern ein Versprechen, für dessen Einlösung niemand glaubwürdiger stand als die SPD.

Konkurrenz im linken Lager 

Seit den 1970er Jahren verlieren die alten Milieus rapide an Bindungskraft. Wertewandel und Individualisierung setzten ihnen und den sie vertretenden Parteien arg zu. Neue Konfliktlinien überlagerten die alten, „postmaterialistische“ Themen liefen den überkommenen, vorzugsweise ökonomischen den Rang ab. Als erstes bekam das die SPD zu spüren, der mit den Grünen und später der PDS/Linken neue Konkurrenz im linken Lager erwuchs.

Seit Mitte der 80er Jahre befindet sich die SPD in einer Art babylonischer Gefangenschaft der Grünen, ohne die sie Mehrheiten links der Union nicht mehr zustande bekommt. Große Teile der Partei haben daraus bereits um 1990 den verhängnisvollen Schluss gezogen, dass man der Partei einen grünen Anstrich verpassen müsse, um die an die Grünen verlorenen Wähler zurückzugewinnen. Das hat bereits damals nicht funktioniert, doch anstatt aus ihrem fatalen Fehler zu lernen, haben die SPD-Funktionäre ihn nach dem Ende der Schröder-Ära gleich noch einmal begangen, als sich infolge der Hartz-IV-Reformen abermals ein namhaftes Wählersegment von der Partei ab- und der neuformierten Linken zugewandt hatte. 

Die Neuordnung der politischen Arena 

Heute dominieren wieder drei Hauptkonfliktlinien die politische Arena. Der ökonomische Antagonismus besteht noch immer, nur lautet er nicht mehr arm vs. reich oder Arbeit vs. Kapital, sondern prekär vs. etabliert. Er teilt damit ziemlich sauber auch die Jungen, deren Traum von der eigenen Immobilie immer unerfüllt bleiben wird, von den Alten, von denen viele über diese Schlüsselressource ökonomischer Sicherheit verfügen.

Der Stadt-Land-Antagonismus hat als Zentrum-Peripherie-Konflikt ebenfalls das 20. Jahrhundert überlebt und feiert gerade, dank Corona-Krise und Klima- wie Mobilitätsdebatte, ein unerwartetes Comeback, auch im Gewand der noch immer spürbaren Ost-West-Teilung. Die dritte Konfliktlinie ist die zwischen den kosmopolitischen Anywheres, denen Deutschland nicht bunt genug sein kann, und den ökonomisch, sozial und emotional an ihre Heimat gebundenen Somewheres.

Im durch diese drei Konfliktlinien gebildeten Koordinatensystem haben die Parteien, jede für sich, mehr oder weniger klar ihre Claims abgesteckt. Je besser es ihnen gelingt, Programm, Personal und Klientel in Kongruenz zu bringen, desto loyaler halten ihre Wähler zur Stange. Je unterscheidbarer ihre Position im Koordinatensystem ist, desto effektiver halten sie sich lästige Konkurrenz vom Leibe.

Schulterschluss mit Prekären und Anywheres 

Die Union bedient ihre etablierte, ländliche Klientel hauptsächlich aus Somewheres, die Grünen sind für die städtischen, westdeutschen, ökonomisch bessergestellten Anywheres da. Sie haben das Kunststück vollbracht, dem Bürgertum in Form eines modernen Ablasshandels ihre bürgerlichen Interessen diametral zuwiderlaufende, aber vermeintlich moralische Politik schmackhaft zu machen. Die Linken machen Politik für das ostdeutsche, zunehmend aber auch westlich-städtische Prekariat und die AfD für die Somewheres besonders im Osten.

Die SPD hat in der Post-Schröder-Ära je länger je mehr den Schulterschluss mit den Prekären und den Anywheres gesucht. Ihr intensives Werben um das Prekariat plausibilisiert sie mit großzügigen finanziellen Wohltaten für alle vermeintlich Zukurzgekommenen, mit einer üppigen Prise sozialer Gerechtigkeitsfolklore und nicht zuletzt mit einem politischen Personal, das neuerdings ungestraft von der „Überwindung des Kapitalismus“ schwadronieren darf. Schizophrenerweise kann die SPD ihre Sozialagenda deshalb durchsetzen, weil sie seit 2005 fast ununterbrochen als Juniorpartner der Merkel-CDU im Bund Regierungs- und damit Gestaltungsmacht hat.

Progressiv, aber stets zu spät 

Dass sie es mit den Anywheres halten, zeigen viele, nicht alle, Sozialdemokraten auf migrations-, integrations-, europa-, klima-, bildungs- und kulturpolitischem Gebiet. Um jeden Preis möchte man Teil des „progressiven“ Lagers sein und marschiert deshalb identitätspolitisch ganz vorn mit. Die Weichen für diesen Kurs des linken Kosmopolitismus hat die SPD vor vielen Jahren gestellt, als Folge des Grünen- und des Linken-Schocks, und sie hat seitdem unbeirrt an diesem Kurs festgehalten, und das, obwohl er die Sozialdemokratie Brandts und Schmidts erst zu einer 30-, dann zu einer 20- und künftig wohl zu einer 10-Prozent-Partei verzwergt hat.

Die in ihrer Erfahrungswelt gefangenen SPD-Funktionäre haben bis heute nicht begriffen, dass es ihnen so geht wie dem Hasen, der sich vom Igel immer wieder sagen lassen muss: „Ich bin schon da“. Denn die von der Post-Schröder-SPD anvisierten Milieus der Prekären und der Kosmopoliten sind genau die Wählersegmente, die Grüne und Linke seit Jahrzehnten mit großem Erfolg beackern. Sie sind dort längst die Platzhirsche, die SPD nicht mehr als die blasse Kopie.

Es braucht einen Kurs der Mitte für die Mitte 

Wo es auf dem unübersichtlich gewordenen Wählermarkt etwas zu holen gibt, hat in den letzten Jahren die AfD vorgemacht. Sie nämlich hat die Somewheres gesammelt, die von der Union nicht mehr erreicht werden, weil sie entweder bereits zu Modernisierungsverlierern geworden sind oder fürchten, es noch zu werden. Weil vielleicht zwei Gehälter nicht mehr reichen und eines schon gar nicht. Diese Gruppen sind durchaus heterogen und sie stehen längst nicht alle weit rechts. Prekär sind sie nur zum Teil, „abgehängt“, wie das gängige Narrativ es will, schon gar nicht. Gemeinsam ist ihnen, dass ihnen die Vertretung in der Parteienlandschaft abhandengekommen ist.

Hier hätte der Weizen der SPD blühen können: Ihr optimistisches Aufstiegsversprechen hätte bei den Somewheres womöglich besser verfangen als das Abstiegsgeunke der AfD. Die SPD hat durchaus Köpfe, die glaubwürdig für eine Wende weg von einer Politik für Prekäre und Randgruppen und hin zu einem Kurs der Mitte für die Mitte stehen. Die Funkionärselite müsste sich entkevinisieren und dem abschwören, was viele von ihnen tatsächlich für progressiv zu halten scheinen. Erst wenn die SPD nicht mehr für genderneutrale Toiletten und verfassungswidrige Paritätsgesetze haftbar gemacht werden kann, erst dann marschiert die neue, komplizierte Zeit wieder mit den Sozialdemokraten. Als Belohnung für diesen Kurs winken wohl nicht mehr 59,76 Prozent wie einst, wohl aber respektable Ergebnisse jenseits der 20 Prozent.

Klaus Funke | Di, 11. August 2020 - 08:26

Die Begeisterung um Olaf Scholz ist eine künstliche. In Wahrheit erinnert mich die SPD an einen Ertrinkenden, der sich verzweifelt ums Versinken in den Fluten wehrt. Paradox ist, dass die SPD auf diese Weise das CDU-Lager stärkt. Merkel ist, wie man sagt, der lachende Dritte. Im Übrigen bin ich mir fast sicher, dass die LINKE der SPD unter Scholz eine Absage erteilen wird. Allzulange hat der bekanntlich gegen die LINKE gewettert. Also nichts als Theater. Was soll eine Funktionärspartei auch machen, deren Themen beliebig sind und der es nur um die Posten für ihre Protagonisten geht? Die SPD sollte sich in der außerparlam. Opposition an Haupt und Gliedern erneuen. Dann schaffte sie es vielleicht in 8 Jahren wieder nach oben, allerdings nur, wenn sie nicht versucht die Grünen und die LINKEN zu kopieren. Scholz gleicht der Ratte, die zum sinkenden Schiff hinschwimmt. Der Satz ist nicht von mir, sondern von Rolf Miller, aber er ist treffend... er meinte zwar den Merz, aber das ist egal

gabriele bondzio | Di, 11. August 2020 - 08:27

Zuwanderer aus Russland, dem Balkan und dem Nahen Osten werden die Partei nicht retten. „Die bei Zuwanderern beliebteste Partei ist nicht länger die SPD mit 25 Prozent, sondern die CDU bzw. die CSU mit 43,2 Prozent. Es folgen Die Linke (10,1 Prozent), Die Grünen (10,0 Prozent) und die FDP (5,2 Prozent). „(Zahlen aus 09/2018)
Die SPD hat vor allem auch bei den Türkeistämmigen, im Laufe der Jahre, ihre Platzhirsch-Stellung verloren. Das dürfte viel mit Gender-Positionen zu tun haben, da gebe ich ihnen völlig recht Herr Sommer. So „modern“ ist man halt in diesen Zuwanderer-Milieu nicht. Da spielen viele mitgebrachte Vorurteile eine Rolle.

Joachim Brunner | Di, 11. August 2020 - 08:29

Exakt in der Aufdeckung der Widersprüche dieses Ablasshandels und dessen Sinnlosigkeit (weil global wirkungslos) kann sich die SPD glaubwürdig gegen den antimodernen Zeitgeist profilieren! Argumente sind reichhaltig vorhanden!
Das begreift man leider wohl erst unterhalb von 10% (...stattdessen bekommt man von Frau Ministerin Schulze zu hören, es sei "am besten gar kein Auto" zu besitzen und ähnliches)

Hervorragende Analyse Herr Sommer, Danke!

Manfred Bühring | Di, 11. August 2020 - 08:45

Sehr treffende Analyse des Autors. Historisch betrachtet war der größte Fehler der Nachkriegs-SPD die Verunglimpfung der Post-68er und der Ökologiebewegung mit Sprüchen wie "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen". Damit hat man diese junge Bewegung aus der SPD ausgegrenzt und das Feld der grünen Bewegung überlassen, mit der nachfolgenden Verzwergung der Partei.

Bernhard Jasper | Di, 11. August 2020 - 09:40

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Herr Sommer, ich finde, das war eine sehr gute Zustandsbeschreibung, die ohne die üblichen und hoffnungslos veralteten Anschauungsformen wie „links und „rechts“, „konservativ“ und „progressiv“ auskommt. In der heutigen Zeit sind das inzwischen überbeanspruchte Klischees.

Die SPD, die in der Wirtschaftspolitik eigentlich nie den Sozialismus propagiert hat, hatte einmal eine kulturelle Mission. Unabhängig von der Lebensstellung, sollte den Menschen Kultur erschlossen werden, d.h. durch Bildungspolitik sollte man einen sozial/gesellschaftlichen „Aufstieg“ schaffen können.

Der Kurs zur heutigen „Mitte“: Die soziologische Mitte der Gesellschaft, zeichnet sich ja durch Fortschritt oder Regress aus. Sie ist in dieser ständigen sozial-dynamischen Flugbahn, die niemals statisch ist. In diesen Aufstiegs- und Abstiegsphasen befindet sich die „breite Mitte“ permanent. Diese Kurve in ihrem Gesamtverlauf muss man zunächst begreifen.

Paul Hulot | Di, 11. August 2020 - 10:31

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das sind doch gerade die "Progressiven " denen die SPD hinterher hechelt- "Wer Visionen hat der soll zum Arzt gehen" der Spruch stammt von Helmut Schmidt, der stand damals schon etwas außerhalb seiner eigenen Partei, heute würde die SPD wohl ein Ausschlussverfahren gegen ihn in die Wege leiten.

Für ein Ausschlußverfahren aus der SPD kämen da schon eher in Betracht:
- Gerhard Schröder,
- Franz Müntefering und
- Otto Schily.
Der frühere SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ist einem Ausschluß zuvorgekommen, sonst wäre er längst aus der Partei entfernt worden.

Bernhard Jasper | Di, 11. August 2020 - 10:50

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Wir müssen zunächst eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft durchführen. Dann lassen sich Betrachtungen unterscheiden. Auf- und Abstieg ist nicht mehr eine Frage der Herkunft, sondern der Bildung. Darüber hinaus pflegt die Mitte einen eigentümlichen Lebensstil, nicht den der ruinösen Verschwendung, oder des unbekümmert Vor-sich-hin-Leben. Die Mitte hält den Laden zusammen. Die Mitte ist systemrelevant. Die Mitte glaubt an den Aufstieg, auch wenn es oft der öffentliche Dienst ist.

Der technologische Wandel, mit seinen Widersprüchen und Konflikten, wird jetzt für einen Teil der Mitte zur Bedrohung. Die moderne Gesellschaft ist wie ein komplexes Muster geworden. Eine sozial differenzierte Gesellschaft, wobei Daten alleine keine Gesellschaft abbilden können, so wie sie wirklich ist. Was macht die Digitalisierung mit der Gesellschaft? Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung? Das sind die Zukunftsfragen, die sich eigentlich jeder stellen muss.

Yvonne Walden | Di, 11. August 2020 - 11:41

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Wenn es zutrifft, daß das Wohlstandsniveau infolge Arbeitsplatzabbau sinken wird, eröffnet sich für die SPD ein neues Wählerreservoir.
Wenn es der SPD-Führung glaubwürdig gelingt, die vorhandene Arbeit künftig gerecht und gerechter zu verteilen (etwa über eine 35- oder 30-Stundenwoche, gemeinsam mit den Gewerkschaften), könnte diese Partei wieder etwas mehr Glaubwürdigkeit gewinnen.
Führende Funktionäre wie Schröder, Clement, Münfefering und andere haben diese letzte Glaubwürdigkeit als Arbeitnehmerpartei und Partei der Kleinen Leute verspielt.
Ob allerdings ein Mitglied der Alten Garde wie Olaf Scholz als künftiger Repräsentant der Partei die dringend notwendige Wende (zu einer echten Partei der Kleinen Leute und des Demokratischen Sozialismus) einleiten kann, dürfte eher zweifelhaft sein.

Die 4-Tage-Woche bei VW war richtig und hat 20% Einkommensverlust für alle bedeutet. Seitdem wurde die Arbeitszeit für die davon betroffenen Mitarbeiter stetig ohne Lohnausgleich erweitert, so dass man konkurrenzfähig wurde.
Wer verzichtet für die 30h-Woche auf 15% seines Lohns (und später seiner Rente!)?
Bei einer Arbeitszeitreduzierung mit Lohnausgleich nimmt die Konkurrenzfähigkeit von Deutschlands Industrie weiter ab, Arbeitsplätze gehen verloren. Wollen wir das?

Genau das ist das Problem der Sozis: die kleinen fleißigen Leute wollen nicht 30 Stunden arbeiten, sondern 40 + Überstunden. Die SPD hat von der Arbeitnehmerpartei zur Verweigerer- und Arbeitslosenpartei gewandelt. Und davon gibt es lediglich um die 5%. Und genau da wird die SPD mal landen, wenn sie nicht kapiert, was die ursprüngliche Stammwählerschaft will. Denn die müssen die Zeche zahlen. Von 30 Stunden?

Ja,arbeiten für andere wollen die Deutschen.60 Stunden am Tag-Verhausschweint und fleißig sein für die Steuergarotte.Oh,mann... Etwas sehr bizarr.

Frau Walden, und überkommenes noch dazu, soweit Sie von der 35- oder gar 30-Stundenwoche für alle Arbeitnehmenden träumen. Ein Blick über die Grenze zum Beispiel nach Frankreich würde an sich schon genügen, um mindestens Zweifel an Ihrem Rezept zu wecken. Kommt hinzu, dass die Welt nicht nur aus Europa besteht, das sich zunehmend mit Konkurrenz auch aus ganz andern Erdteilen, namentlich Asien, konfrontiert sieht, wo solche Wochenarbeitszeiten schlicht kein Thema sind. Und zu guter - oder schlechter - Letzt: Wer bitte traut der mit der äussersten Linken flirtenden SPD denn (noch) ernsthaft Wirtschaftskompetenz zu? Im Umverteilen von Steuergeldern und im Fordern von zusätzlichen Einnahmequellen mag sie ja sackstark sein, damit hat es sich dann aber auch weitgehend. Arbeitsplätze schafft sie, wenn überhaupt, höchstens im öffentlich-rechtlichen Bereich, und die kosten erst einmal, bevor - vielleicht - auch ein geldwertes Rendement bringen. Nein, die heutige SPD "hat ziemlich fertig".

Zitat: „Ob allerdings ein Mitglied der Alten Garde wie Olaf Scholz als künftiger Repräsentant der Partei die dringend notwendige Wende (zu einer echten Partei der Kleinen Leute und des Demokratischen Sozialismus) einleiten kann…“

„Echte Partei des Demokratischen Sozialismus“? Ich glaube, Sie verwechseln die alte SPD mit der SED. Sozialdemokratie ist kein „Demokratischer Sozialismus“ (ein Widerspruch in sich), das sollten Sie auf der Kaderschule gelernt haben. Aber mit den aktuellen Tief-„Größen“ der SPD, wie den Salonkommunisten Kühnert, Esken & Ihrem paritätischen Schoßhund Borjans etc. könnte es in der SPD mit dem „Demokratischen Sozialismus“ à la DDR doch noch was werden, wobei dann „demokratisch“ mit dem Präfix „pseudo-„ zu ergänzen wäre und „Sozialismus“ mit „ökonomisch gefährlich bildungsdefizitär aber dafür 100% ideologisch“ gleichbedeutend ist. Dann kann sich ja die SPD mit der kommunistischen Die Linke ein zweites Mal zur SED vereinen… spart auch die Koalitionsverhandlungen.

Die neuen SPD-Emporkömmlinge haben zu viel Glaubwürdigkeit verspielt!
Extremisten haben sehr ähnliche Vorstellungen von der Beherrschung der Menschen durch eine gnadenlos (Reiche erschießen!) unduldsame Ideologie mit Allmachts-Anspruch (allein wir Genossen sind das Volk!), der mit brutaler Gewalt gegenüber Andersdenkenden durchgesetzt werden muss. Das durften wir schon in der untergegangenen DDR erfahren. Der Sozialdemokrat Kurt Schumacher sagte sehr treffend (als die SPD noch demokratisch und sozial war): "Kommunisten sind nur rotlackierte Nazis. Denen ist gemeinsam der Hass auf die Demokratie und der Hang zur Gewalt!" Linksextremisten und Rechtsextremisten müssen verboten und geächtet werden. Da bin ich ganz ihrer Meinung, Frau Walden!

Ernst-Günther Konrad | Di, 11. August 2020 - 09:01

ein ausgestopfter Teddybär, sagt ein altes Kindersprichwort. Alles was Sie da schreiben Herr Sommer ist eine klare Analyse einer SPD, die es so nicht mehr gibt.
Die SPD hat auf das falsche Pferd gesetzt und humpelt nun hinter dem Rennen auf einen Platz in der großen Regierungspolitik hinter her. Nur ihre sozialistischen Schuhe drücken.
Wer seine eigene Parteigeschichte aus dem Auge und dem Sinn verliert, gibt seine Identität auf. Wer mit Genderthemen, wer sich gegen die innere und äußere Sicherheit stellt und mit Sozialismusgedanken glaubt, weiterhin bestehen bleiben zu können, wird die Quittung der Wähler dafür bekommen. Da die SPD niemand der "alten>" Garde mehr hat oder einen wie Sarrazin rauswirft, keine Politiker mehr für die Somewhers duldet, wird die Partei zum Anywheres und damit beliebig und vor allem nicht mehr wählbar.
Ich sehe nichts, was den Untergang dieser einstmals stolzen Partei aufhalten kann. Ich sehe auch niemand, der das erkannt hat.
Tief, tiefer, SPD.

Sarrazin ist mit der vertretbaren Begründung eines antimuslimischen Rassismus' in seinen öffentlichen Äußerungen ausgeschlossen worden. Die "Somewheres" als eine Gruppe zu charakterisieren, die einem antimuslimischen Rassisten nachrennt, ist beleidigend. Und die SPD kann selbstverständlich, wie jede andere Partei, Positionen in ihren Reihen nicht tolerieren, die ihrer Programmatik und Weltanschauung eklatant widersprechen. Rassismus war nie Teil der SPD-Identität.

Zitat: „…antimuslimischen Rassisten…“

Muslime sind keine „Rasse“ sondern Anhänger einer Religion, daher ist der Vorwurf „Rassist“ maximal unsinnig.
Es ist vollkommen legitim, anti-religiös zu sein, was eine Ablehnung des Islam als Religion einschließt. Gerade die Linken haben sich immer vehement gegen Religion gestellt und Religionsvertreter angefeindet. Dass die Linken nun ausgerechnet Moslems zur Provokation als Mitstreiter gegen Rechts für sich ausgemacht und okkupiert haben, macht die linke Heuchelei weder besser oder logischer, noch macht es den Islam als Religion oder den (orthodoxen) Muslim demokratischer, weltoffener, toleranter oder „linker“. Wer den Islam als Religion oder die Gruppe der (kultur)imperialistischen Vertreter unter den Muslimen ablehnt ist nicht per se Rassist! Nebenbei; „Rassist“, „Nazi“ etc. sind doch nun wirklich ausgelutschte Begriffe für Totschlag- und Stohmannargumente, welche auch noch echte Rassisten und Nazis verharmlosen.

ich kann Ihrem Kommentar nur hundert Prozent zustimmen und einfach nur sagen, klasse. Ihren Worten ist aber auch gar nichts hinzuzufügen. Danke

Sie haben das gut argumentiert. Der Islam ist integrationsverhindernd. Wir hatten nie Probleme mit Migranten aus christlichen Ländern. Die fanden wenigstens ihre Kirche hier, wenn von uns Einheimischen auch immer weniger dort hingingen. Den Kirchenfrieden hat eigentlich die Säkularisation gebracht.

nicht um eine halbwegs ernsthafte Auseinandersetzung mit einer bestmmten Religion. Es geht darum, dass er Angehörigen dieser Religion durch die Bank gewisse Einstellungen und Ziele anheftet, die - soweit geht er -angeblich den gesellschaftlichen Frieden in der BRD gefährden. Sichtbar wird das u.a. durch die von ihm beobachtete massenhafte Zeugung "kleiner Kopftuchmädchen".
Natürlich ist das blanker Rassismus, der bekanntlich nicht nur die Herkunft betrifft.

abgesehen von Ihren ideologischen Scheuklappen habe ich keine Ahnung, warum Sie mir jetzt mit Sarrazin kommen. Schon der Header meines Ausgangskommentars kündigte an, um was es darin geht: Die sogenannte „Islamophobie“ (welch ein unsinniger neulinker Kampfbegriff) ist in sich kein Rassismus! Das sollte selbst dem letzten linken Genossen ganz hinten im Bus spätestens dann klar werden, wenn er mal kurz die Kombination „biodeutsche“ Konvertiten überdenkt. Wenn die Seiten so verhärtet sind, sollte man exakt auf Begrifflichkeiten achten, wenn man nicht nur polemisch demagogische Lagerpropaganda absondern möchte und nicht darauf besonnen ist, durch ewige Strohmann- und Totschlagargumentationen jeden Diskurs zu ersticken!
Was Sie über einen Autoren und dessen Werk denken, welches Sie nicht rezipierten, hat mich nicht zu interessieren.

Zitat: "...angeblich den gesellschaftlichen Frieden [...]gefährden."

Das der Islam in Verbindung mit (defizitärer) Integration/Integrationsbereitschaft und politischem wie kulturellem Imperialismus weltweit, so auch in Deutschland, für einen gewissen gesellschaftlichen Unfrieden sorgt, welchen es in DE mit KEINER anderen Religionsgemeinschaft gibt, ist unabstreitbar, sonst gäbe es seit mittlerweile 14 Jahren auch keine jährliche Islamkonferenz!
Es bedarf weder der Aussage die Mehrheit der in Deutschland lebenden Moslems seien Unruhestifter oder der Behauptung es hätte was mit „Rasse“ zu tun, noch muss man Sarrazin gelesen haben, geschweige dessen Ansichten teilen, um diesen gesellschaftlichen Unfrieden zu erfahren. Btw, gäbe es diesen Unfrieden nicht, gäbe es weder diese gesellschaftliche Spaltung, die Berichterstattungen (im ÖRR!) über Gesellschaft+Politik+Islam, noch hätten wir beide jetzt und hier einen Austausch.

Hallo Herr Korrotes, habe Ihre Kommentare mehrfach gelesen und kann nur sagen, brillant und Chapeau! Intelligenz versus Ideologie und still ist der Frühling, vielen Dank!

Mit Geschichtsklitterung kennen sich die Linksextremisten, aber auch die SED-Erben besser aus! Das wissen sie doch, oder etwa nicht???

Ich glaube die immer größer werdende Differenz zwischen Wählern und SPD - Führung liegt daran, dass die Führung noch die selben Leute aus der Kohl-Zeit sind. Die Ebene darunter und damit auch jünger sind die Leute, die auch bei den Grünen und der Linkspartei sein könnten. Warum das so bei der SPD ist? Keine Ahnung? Übrigens, bei der Union ist das so viel anders auch nicht. Söder ist schon ewig dabei und Merkel war Ministerin bei Kohl. Die beiden anderen sind auch nicht erst gestern in die Politik eingestiegen. Lindner ist glaube ich schon bei Westerwelle gewesen. Also auch da nichts anderes.

Ernst-Günther Konrad | Di, 11. August 2020 - 09:02

ein ausgestopfter Teddybär, sagt ein altes Kindersprichwort. Alles was Sie da schreiben Herr Sommer ist eine klare Analyse einer SPD, die es so nicht mehr gibt.
Die SPD hat auf das falsche Pferd gesetzt und humpelt nun hinter dem Rennen auf einen Platz in der großen Regierungspolitik hinterher. Nur ihre sozialistischen Schuhe drücken.
Wer seine eigene Parteigeschichte aus dem Auge und dem Sinn verliert, gibt seine Identität auf. Wer mit Genderthemen, wer sich gegen die innere und äußere Sicherheit stellt und mit Sozialismusgedanken glaubt, weiterhin bestehen bleiben zu können, wird die Quittung der Wähler dafür bekommen. Da die SPD niemand der "alten>" Garde mehr hat oder einen wie Sarrazin rauswirft, keine Politiker mehr für die Somewheres duldet, wird die Partei zum Anywhere und damit beliebig und vor allem nicht mehr wählbar.
Ich sehe nichts, was den Untergang dieser einstmals stolzen Partei aufhalten kann. Ich sehe auch niemand, der das erkannt hat.

Gerhard Schwedes | Di, 11. August 2020 - 09:57

Metaphorisch gesehen ist die SPD sehr wohl der unteren Schicht der Gesellschaft treu geblieben. Sie hat die Schicht nur vom materiellen ins mentale Lager gewechselt, von den ärmeren Bevölkerungsschichten, die einst eine respektable Kultur mit respektablen Werten und Zielen besaß hin zu einer einer intellektuellen Schicht, die ich als geistiges Lumpenproletariat bezeichnen würde - ein Geist der Realitätsblindheit, linker Romantik und absurden Wunschdenkens. Dennoch trifft die Analyse im Wesentlichen sehr gut das wahre Kernproblem der Sozis. In einem aber gibt sich der Autor selbst als ein Willfähriger dessen zu erkennen, was er selber kritisiert. Wenn er nämlich von der AfD und ihrem Abstiegsgeunke spricht, macht er nichts anderes als eine tiefe Verbeugung vor dem Geßlerhut unserer Zeit, um ja nicht in einen falschen Verdacht zu geraten. Das ist einfach nur Feigheit. Den Abstieg unserer Gesellschaftzu leugnen, ist realitätsblind. Vermutlich sieht der Autor nur den eigenen Geldbeutel.

dieter schimanek | Di, 11. August 2020 - 10:09

Sehr gut analysiert, die SPD hat aber nicht das Personal es inhaltlich zu begreifen. Eine halbe Kopie von grün und eine halbe Kopie von links ohne eigenes Profil. Die Grünen und die Linken sind aus der SPD entstanden, Selbstverstümmelung aus Dummheit,

Maria Arenz | Di, 11. August 2020 - 10:09

Etwas unglaubwürdigeres als die Kombination Olaf Scholz /WoBo-Esken-KK - SPD kann man sich wohl kaum vorstellen. Und diese Mißgeburt dann noch am Ende in einer Koalition mit Grün- Links.. Zum Fremdschämen Olaf Scholz, daß Sie sich dafür hergeben.

August Klose | Di, 11. August 2020 - 15:20

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Olaf war nach der Wahl der charismatischen Saskia und des Finanzgenies Nowabo so am Boden zerstört, dachte er doch SEINE Partei wählt IHN, das er nun glaubt, gewissermaßen als Gegengewicht für das als zu leicht empfundene Führungsduo, die Lage reißen zu können. Seine Hoffnung, auch nach 2021 mit einem Ergebnis um die 20% Viezekanzler unter Merkel bleiben zu können, wird spätestens am Wahlabend platzen.

Ingo Kampf | Di, 11. August 2020 - 22:59

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Das Zitat eines Forum-Teilnehmers hier, daß die Ratte zu sinkenden Schiff schwimmt, ist zwar har aber trifft den Kern.
Das sich Scholz dazu hergibt mit diesen von Kühnert nach vorn gebrachten Hinterbänklern mit scharfer Linksausrichtung (NOWABO/ESKEN) zu kooperieren, zeigt daß er entweder machtbesessen oder ungebildet ist. Mir zeigt das, daß ein Jura-Studium allein nicht wirkliche Bildung vermittelt. Hanseatisch ist anders!

Hans Jürgen Wienroth | Di, 11. August 2020 - 10:33

Den meisten Parteien ist die Authentizität verloren gegangen, nur Linke und Grüne haben noch einen „Markenkern“. Seitdem die CDU unter Kanzlerin Merkel alle konservativen Grundwerte im Zuge ihrer „Modernisierung“ verloren hat, ist links der Mitte der Platz eng geworden. Spätestens seit dem Ende der Kohl Ära streitet die CDU mit der SPD um den „sozialen Markenkern“.
Dabei hat man übersehen, dass die Industriearbeitsplätze Deutschlands Aufstieg und Wohlstand begründet haben. Statt sich um diese Klientel zu kümmern hat man sich der „sozialen Hängematte“ für alle zugewandt. Mit der Migration seit 2015 hat man auch die Wähler mit Pass und Migrationshintergrund verloren, weil viele von ihnen Konkurrenz um ihren Arbeitsplatz bekamen.
Die etablierten Parteien konkurrieren um ein modernes, umweltfreundliches Europa in einer globalisierten Welt und übersehen dabei ihre Wähler. Man kann sich fragen, wo wäre die AfD ohne „Meinungskorridor“ und geballte (nur tw. berechtigte) Verunglimpfung?

Holger Jürges | Di, 11. August 2020 - 10:43

machen der früheren Wählerschaft Angst. - Bei Prioritäten, welche langfristig Deutschland zum Agrastaat werden ließen (Verdammung des Autos u.v.m.; Industriefeindlichkeit gilt mittlerweile als Schick und wird fast zur Ideologie erhoben). - Da wird dem arbeitenden Menschen des Mittelstand Angst und Bange. - Ich höre das Zähneknirschen der Esken bei der Nominierung von Scholz, der wohl zur unglücklichen Figur werden wird. - Was schwebt ihr, Klein-Kevin und den anderen Fantasten der ehemaligen Volkspartei wohl im Kopfe: Die Einsetzung eines Innenministers, rekrutiert aus den Reihen der Antifa ?: - Na dann: gute Nacht Deutschland; ich bin aber optimistische und denke eher: GUTE NACHT SPD.

Romuald Veselic | Di, 11. August 2020 - 10:43

bestimmter Politkaste, die sich damit berauscht, wie man sich für eigene Sache begeistert, die sehr wenige außerhalb des Politvereins interessiert. Oder noch besser, einen Irrgarten aus den Spiegelwänden produziert. Da kann man sich darin unzählig Vorkommen, nur die Welt da draußen, ist eine andere. Die politische Monokultur mit geschützten Politslogans, greift nicht mehr. Das praktische Leben spielt sich auf den Straßen und in den Betrieben, was nicht ohne Konflikte geschieht. Die nicht abgenommen haben, sondern zugenommen. Dies zu verhindern, wäre fast so gut, wie der Impfstoff gg. Covid19 zu erfinden.
Oder: bevor man MWst um 3% senkte, wurden die Nährmittel Preise sehr diskret angehoben, damit man im Plus bleibt...
Ich lache trotzdem.
MfG Isarius Wuhansky ✔

Urban Will | Di, 11. August 2020 - 10:44

im Bremen der 80er, Herr Sommer,
klingt wie ein Märchen aus einer anderen Welt, aber es war so, nicht nur dort.
Mein kriegsversehrter Nachbar, kleiner Verwaltungsbeamter i d Südpfalz, konnte fünf Kinder ernähren, ihnen eine gute Ausbildung zukommen lassen, hatte ein Haus, ein Auto und war „Alleinernährer“. Die Frau eine zufriedene Vorzeigehausfrau, wie würde man sie heute bezeichnen?

Wer heute die Lebenswirklichkeit in vielen Problemzonen D's beschreibt, gilt als Rechtsradikaler.

Neben ihrer Vergrünung und der Aufgabe fast aller Prinzipien im Rahmen der mainstream - Gesinnungspflicht und der völligen Verkennung der Lebensrealitäten im Volke, war der Hauptfehler der Roten das geteilte Bett mit Merkel.
Die erste Groko mit Münte war noch nachvollziehbar und der war auf Augenhöhe mit der Dame.
Die zweite war mehr als gewagt und die letzte war der reine Selbstmord.

Daran wird auch Scholz nichts ändern. Der ist nur aufgestellt, dass sie nochmal vier Jahre weiter wursteln können.

Damit meinen Sie natürlich jene, die nicht mit einem ausgeprägten rechten bzw. rechtsextremen Weltbild harmonieren.

Ihre Lebenerfahrung im Deutschland dieser Tage unterscheidet sich offensichtlich fundamental von dem der meisten Landsleute - zu beobachten bei praktisch jeder Wahl, beonders im Westen, sehr schön auch und gerde in Bremen.

Wer allerdings Argumentation mit dem Abspulen längst ausgelutschter Hilfsvokabularien des rechten Randes verwechselt ("mainstream-Gesinnungspflicht") demaskiert sich selbst als demagogischen VERturner, der sich über ständige eigene Pleiten nicht zu wundern braucht.

Gisela Fimiani | Di, 11. August 2020 - 11:00

Die SPD mag „durchaus Köpfe“ haben, was für andere Parteien ebenso gelten könnte. Unglücklicherweise haben diese „Köpfe“ weder den Mut noch die Kraft und Weitsicht besessen, den Zeitgeist eines neuen „Jacobinertums“ zu verhindern. Das Land ist zur Beute fragwürdiger, intellektuell und moralisch unredlicher politischer Akteure geworden. Diesen ist nicht um ein Gemeinwohl zu tun. Ich behaupte, dass es der Mehrzahl der staatsabhängigen (politisch, medial, usf.) Kämpfer darum geht, ihr eigenes Prekariat zu verhindern. Wer sich nur noch als Berufspolitiker, als Parteisoldat ein überaus wohlversorgtes Leben sichern kann, wird sich jedem Zeitgeist, wie zerstörerisch auch immer dieser sein mag, unterwerfen. Gleiches gilt für s.o.Leider finden sich auf manche Fragen schlichte Antworten.

Christa Wallau | Di, 11. August 2020 - 11:13

"Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein" - Dieser Spruch fällt mir ein, wenn ich an die SPD denke. Wer soll sich denn überhaupt noch für sie begeistern?

Die LINKEN decken alles ab, was mit UMVERTEILUNG zu tun hat: Erfolgreich gerieren sie sich als Retter d. Abgehängten. Kaum einen stört dabei noch die Nähe zur DDR-Diktatur bei vielen unter ihnen.
Die GRÜNEN sind d i e Umweltpartei.
Neo-Liberale (= Vorfahrt für's Kapital) haben weiterhin ihre Heimat in der FDP.
Von der Merkel-CDU bitter enttäuschte Konservative, Patrioten u. Rechte aller Art wählen die AfD.
Und die CDU/CDU, d i e ehemals große, konservative Volkspartei (Einst Antagonist der SPD!) ist zum Sammelbecken all derer geworden, die selten selber nachdenken bzw.nichts anderes wollen als "Weiter so!"/"Wir schaffen das!". Zum Kanzler-Wahlverein ist diese Partei verkommen, die sich auch mit einem neuen Vorsitzenden nicht groß ändern dürfte.
D a z w i s c h e n die SPD.
Verloren im Nirwana...
Selbst schuld!

Vor allem Ihre Analyse der CDU/CSU.
Ihr nach wie vor – im Vergleich zu den anderen – hoher Zuspruch zeigt zumindest – das ist ja fast schon „beruhigend“ - dass es Vielen im Lande noch so gut geht, dass sie sich nicht veranlasst sehen, etwas am Zustand zu ändern. Oder sich genauer umzuschauen, was los ist um sie herum.
So lange alles irgendwie passt...

Man müsste sich mal den Spaß machen, zu untersuchen, wie viele CDU – Wähler noch heute quasi nicht im Netz unterwegs sind und jeden Abend Heute schauen. Oder die Tagesschau.
Und sich nur dort informieren, was so los ist im Lande. Nebenher halt noch die Tageszeitung.

„Man hat halt immer CDU gewählt“ ist deren einziges Kriterium nach dem sie ihre Wahlentscheidung treffen, aber das ist zu akzeptieren.

Manchmal kommen Zweifel, so etwa im Spätsommer '15.
Ich kenne viele, die das komplett verurteilten und 1 zu 1 blau dachten, aber alle hielten brav zu Merkel.
„Man hat halt immer...“

Heinz-Dieter Willke | Di, 11. August 2020 - 11:44

Eine brillante und treffende Analyse. Besser kann man es nicht machen!

Manfred Schmidt | Di, 11. August 2020 - 12:54

Dem Autor ein uneingeschränktes Lob für diese SPD Zustandsanalyse.
Eine Partei, deren linken Protagonisten jede Wirtschaftskompetenz abzusprechen ist landet dort wo sie hingehört. Dies gilt im Grunde auch für die Grünen und Die Linke. Die Grünen haben das Copyright in den Themen der Anywheres, die sie selbst propagieren haben und wo ihnen
die wirtschaftlich noch gut versorgte Mittelschicht nun in der 2. Generation folgt.
Die Linken sind das Sammelbecken und neue Heimstatt der alten neuen SED und von Kommunisten.
Was die drei Parteien eint ist die Vorstellung
man könne alle Ungleichheiten, auch die im Sein des Menschen angelegten, sowie die kulturellen und wirtschaftlichen in der Welt durch entsprechendes Handeln überwinden.
Die Ausschließlichkeit im Denken und Vorgehen, speziell bei Grünen und SPD, trägt bereitsreligiöse Züge. Wenn dazu Verstand und Vernunft vollends einer gefährlichen Selbstüberschätzung weichen endet das nie gut. Man sollte dieser Entwicklung Einhalt gebieten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 11. August 2020 - 13:13

unglaubwürdig, wenn sie die teils durch sie selbst, sprich Hartz 4 Politik entstandenen Prekären links liegen liesse.
Schröder wurde viel zu früh abgewählt und die Hartz-Gesetzgebung fiel damit in die Hände von Frau Merkel, die dann evtl. noch sprach, überspitzt gesagt "Fördern und Fordern".
Das war in den letzten Jahren das Schlimmste für mich überhaupt, wie mir in Frau Merkel die verzerrte, vor allem aber unvollendete Sozial- und Arbeitsmarktpolitik der SPD ins Gesicht "lachte".
Ich halte Scholz für einen, der diese riesige Ungerechtigkeit und Grund für Überarbeitung und Verarmung in dieser Gesellschaft, vielleicht nicht "lachend" weiter vor die Wand fährt, sondern in der "Nachfolge" Schröders bereit ist, Sozial-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Bundesrepublik zu gestalten, nicht sich "briefen" zu lassen.
Ich gebe mir jetzt seit Jahren die Mühe - nett ist es trotzdem - die zur AfD-Gewanderten zur SPD zurückzuholen.
Das wird nicht das Hauptaugenmerk der SPD sein.

bereit ist, Sozial-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Bundesrepublik zu gestalten" – Ist das ernst gemeint? Es war die SPD, die 2004 (zusammen mit Horst Seehofer) beschloss, dass in bestehende Verträge eingegriffen wurde und die doppelten Krankenkassenbeiträge auf Direktlebensversicherungen eingezogen werden, ebenso auf Betriebsrenten. Und warum? Weil die Krankenkassen damals klamm waren. Man schröpfte lieber hier die Arbeitnehmer und Rentner (zusätzliche Absenkung des Rentenniveaus), anstatt vielleicht mal das Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei auf den Prüfstand zu stellen. Möchte man liebend gern beibehalten, weil es so schon kosmopolitisch ist? Hier wird die SPD keine Korrekturen vornehmen, auch nicht unter einem Kanzler Scholz.

Im Kabinett Schröder 2 war natürlich kein Horst Seehofer, wieso auch?
Vielleicht verstehe ich nicht, was Sie damit meinen.

Ansonsten haben Sie vollkommen Recht!

Anstatt dieses unsägliche Gesetz aufzuheben (Kanzlerin Frau Dr. Merkel würde sagen "rückgängig machen") hat man einen eher lächerlichen Freibetrag eingeführt;
dieser gilt jedoch nicht für freiwillig gesetzlich Versicherte sowie für privat Versicherte.
Es ist Business as usual: alles Unbequeme wird stekum erledigt, en passant.
Bei Theaterstücken nennt man das "bei Seite gesprochen, psst!"
Für solche Aktionen bieten sich Fußball-WM oder Olympia an = das "Volk" ist abgelenkt!

Gesetze beschließt bekanntlich das Parlament.
Wer es dorthin geschafft hat, braucht sich grds. über seine Altersversorgung keine Gedanken mehr zu machen.

"Ich verstehe (auch!) dieses Gesetz nicht, aber ich stimme zu."
Die Hände zum Himmel ...

Das SVA mit der Türkei (u.a.) ist eine Büchse der Pandora - man sollte sie nicht öffnen!
Dikkat!
(Vorsicht!)

war natürlich nicht im Kabinett Schröder, jedoch hat Horst Seehofer an diesem "Krankenkassenmodernisierungsgesetz" mitgestrickt. Er kommentierte dies als "den schönsten Tag meines Lebens". Von den Grünen war ebenfalls jemand beteiligt, ich weiß aber nicht, wer das war.

Jens Spahn wollte dieses ominöse Gesetz aufs Trapez bringen, die Kanzlerin pfiff ihn umgehend zurück. Er gehorchte – was blieb ihm anderes übrig? Geld, das dem Bürger (in dem Fall dem gesetzlich Krankenversicherten) einmal abgenommen ist, bekommt er nicht zurück – wenn man dem lächerlich geringen "Freibetrag" absieht. Zehn Jahr lang werden den Betroffenen Summen abgebucht, für die er gespart hat.

die zur AfD Gewanderten zur SPD zurückzuholen.“
Ein aussichtsloses Unterfangen! Dazu müssten erstmal alle Salonkommunisten, Deutschlandhasser, SED-Anbiederer, Gender-Ideologen, Kopftuchbefürworter, No-States-No Borders-Aktivisten, Antifa-Beschöniger und Wutpropagandisten wie Kühnert, Maas, Chebli, Esken, Stegner, Özoguz, Müller, Oppermann, Schwesig, Schulz etc aus der Partei raus. Anstelle dessen werden aber die letzten Realpolitiker wie Buschkowsky rausgeekelt. Was sich an Nachwuchs bei den Jusos in Stellung bringt, ist wie Alpha-Kevin nur in weniger eloquent. Die ersten Worte auf der Jusos-Site, „Sozialistisch. Feministisch. Internationalistisch.“, lassen erkennen, wohin die gender-kommunistische Reise geht.Und Scholz; Eine Wahlkampfmarionette mit den Glanzpunkten G20, Cum-Ex & Wirecard, die die schwarze Null schreddert und als Politik-Ersatz mit einem Wumms Steuergelder über DE & EU verteilt. Es tut mir leid für Sie, Frau Sehrt-Irrek, aber sie wollen auf einem toten Gaul galoppieren

Kernkompetenzen.
Die große politische Aura wird es evtl. nicht mehr für Parteien geben, da es jetzt doch sehr viele gibt, vielleicht aber noch für besonders überzeugende Politiker.
Ob Scholz für auch nicht SPD-Orientierte etwas zu sagen hat?
Ich würde aber meinen, für die SPD schon und auf sehr angenehme Weise.
Hier beim Cicero vermute ich vor allem eine politik-kritische Leserschaft, eine, die selbst denken/lenken will.
Auch das ist nicht der Hauptpunkt einer SPD.
Vielleicht eher das Bündeln und Verwirklichen von Interessen und notwendigen Weichenstellungen dafür, für friedliches und solidarisches Zusammenleben.
Wenn Scholz FRIEDEN liebt und achtet, an und für sich, und so wirkt er auf mich, dann bleibt die SPD meine Partei und wird damit auch zum Vorbild für die anderen Parteien.
Um welchen Preis wurden kriegerische Auseinandersetzungen geführt, die nicht auch durch Verstehen, Diplomatie und Entschlossenheit-zum-Frieden hätten verhindert werden können?
Sanfter Mut, denn ihrer...

das ist verständlich. Wenn es Ihnen als Anspruch an eine Partei genügt, dass Scholz den „FRIEDEN liebt und achtet“, dann ist das doch schön für Sie. Der Mehrheit der ehemaligen SPD-Wählerschaft scheint diese Simplifizierung auf Frieden als politische Ansage offensichtlich nicht ausreichend. Scholz als Bundeskanzler wäre im „besten“ Falle die Fortsetzung Merkels Politik, wobei die sozialistisch/kommunistischen Strippenzieher seiner Partei in Verbindung einer RRG- Koalition noch Schlimmeres ahnen lassen. Persönlich möchte ich auf beides verzichten. Wie Sie im Kontext jetzt auf die Verhinderung von Zitat „kriegerische Auseinandersetzungen“ kommen, wird wohl Ihr Geheimnis bleiben. Die SPD ist nicht weichenstellend für ein Zitat „friedliches und solidarisches Zusammenleben“, sie diffamiert, grenzt aus und spaltet damit die Gesellschaft seit Jahren. Das der Zitat „Hauptpunkt einer SPD“ nicht „politik-kritische Leserschaft, eine, die selbst denken/lenken will.“ ist, unterschreibe ich sofort!

das die SPD nicht links liegen lassen dürfe, wenn sie nicht unglaubwürdig werden wolle? Alle, die von Hartz IV leben, mit oder ohne sogenannten "Minijob"? Und wie hoch ist deren prozentualer Anteil an der Gesamtbevölkerung von Deutschland? Nach meinem Stand des Irrtums lebten in den letzten 10 Jahren noch nie mehr als etwas über 6 Millionen Menschen von Hartz IV, das sind entsprechend viele Einzelschicksale, doch nicht einmal 10% der Gesamtbevölkerung der BRD, davon rund 60% mit einem deutschen Pass, sprich Wahlberechtigte, soweit über 18-jährig. Und mit einer stärker auf diese Gruppe fokussierenden Politik soll die SPD die weitere Erosion ihrer Wählerbasis nicht nur aufhalten, sondern eine eigentliche Trendumkehr bewerkstelligen? Und das, obwohl es links von ihr auch noch eine Konkurrenz gibt, die dasselbe Feld beackert? Wie realistisch dieser Plan im Blick auf eine Neuausrichtung der SPD in Richtung einer sogenannten Volkspartei ist, überlasse ich gerne Ihrem Urteil.

"Ich gebe mir jetzt seit Jahren die Mühe - nett ist es trotzdem - die zur AfD-Gewanderten zur SPD zurückzuholen."
Das ist ein aussichtslosen Unterfangen, denn wie soll das gehen: Sehend gewordene
in die Blindheit zurück zu holen? Das kungeln mit den Kommunisten macht euch kaputt … "Lasst euch nicht zu Lumpen machen!" (W. Brandt). Umgekehrt wird ein tragfähiger Schuh draus: Den immer noch in dieser nach links abdriftenden SPD verweilenden Blinden muss man endlich die Augen für die verheerende Wirklichkeit ihres "Elite-Vereins" öffnen!
Die SPD steckt in einer Falle zwischen der LINKEN und der AfD. Und sie ist
gefangen in der Großen Koalition. Bewegungslos, denn wenn sie sich aus der GroKo zurückzieht, wird es über lange Jahre keine Regierungsbeteiligung mehr geben. Aber
in der Machtlosigkeit liegt auch eine Chance: sich rückbesinnen auf die Werte, Überzeugungen und und Ziele einer einst wirklich Sozialdemokratischen Partei Deutschlands unter Schumacher, Brandt und Schmidt!

Rainer Mrochen | Di, 11. August 2020 - 13:47

... Herr Sommer. Ihr Artikel hätte allerdings vor der Kür von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten erschienen sein müssen. So haben sie es schon wieder nicht verstanden und somit vergeigt.

Gerhard Weißenberger | Di, 11. August 2020 - 13:57

war die Negierung der unumstößlichen Wahrheit, dass Wohlstand nur durch produktive Arbeit geschaffen werden kann.
Die Absetzbewegung von der produktiven Klasse begann kurioserweise schon früh mit der heftig bekämpften Mitarbeiterbeteiligung am Kapital.
Heute schuften Millionen in deutschen Unter
nehmen für ausländische Pensionsfonds während für sie bittere Altersarmut wartet.
Die Agenda 2010 schuf zusätzlich Millionen von Minijobbern, denen das selbe Schicksal blüht.
Die Hinwendung zur alimentierten Klasse mit ihren Tagträumen und ihrer Illusion, dass es immer genug Geld vom Staat geben wird, liegt in den Genen der SPD-Funktionäre, so wie jeder Sozialismus dem Untergang geweiht ist.

Sehr gut, dass Sie, Herr Weißenberger, die kaum vorhandene Mitarbeiterbeteiligung am Kapital nennen und deutsche Arbeitnehmer für ausländische Pensionsfonds bzw. Aktionäre schuften.
Die Mehrheit der DAX-Aktien, ca. 55 %, gehören ausländischen Investoren (Stand 2019). Bei 5 DAX-Konzernen sind mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand: Adidas, Dt. Börse, Linde, Infineon, Bayer. 19 Konzerne sind mindestens zu 50 % im Besitz ausländischer Aktionäre. Die Gewinne aus diesen Konzernen fließen damit überwiegend ins Ausland. Irgendwie doch schade ... Oder?
Neidvoll schaue ich auf den Gesellschaftsvertrag in Norwegen in Gestalt des Norwegischen Staatsfonds (Zukunftsfond) = größter Staatsfond der Welt, der auch in Aktien investiert.

Markus Michaelis | Di, 11. August 2020 - 14:58

Auch bei den "Anywheres" gäbe es etwas zu holen - vielleicht nicht für diese SPD.

Die Anywheres haben in sich auch Widersprüche. Zum einen ist es oft ein spezifisch deutscher Kosmopolitismus. Global sind auch Rechte, nur anders vernetzt. Auch viele Islamisten sind dezidiert globalistisch und gerade gegen nationales Klein-Klein. Für Kosmopoliten gehört das nicht zum Kosmos es sind aber sehr viele Menschen. Aber auch innerhalb des "eigenen Lagers" reißen schnell Bruchlinien auf, weil es eben keinen einheitlichen Kosmopolitismus gibt.

Ein identitärer SPD-Kosmopolitsmus versucht starke Somewhere-Bewegungen oder konkurrierende kosmopolitische Bewegungen einzubinden - solange sie nicht deutsch sind. Das hat teilweise eine Komik.

Eine SPD, die sich mit den realen Menschen und diesen anliegenden Fragen beschäftigte, könnte auch einen Beitrag leisten. Im Moment kämpft man mehr in einer konstruierten Somewhere-Umgebung gegen konstruierte Gegner - und hält das für kosmopolitisch.

Fritz Elvers | Di, 11. August 2020 - 15:50

verzweifel ich nunmehr an der SPD,
Wie konnte man nur
- die eigene erfolgreich Sozialreform anstatt zu verbessern inwischen verleugnen
- diese Vorsitzende wählen und zudem absurderweise ein Doppelpack zu verordnen, ohne jeden Parteitagsbeschluß
- in die Flüchtlingspolitk anstatt moderierend einzugreifen, diese noch völlig kopflos ausdehnen zu wollen
u.s,w.
Für Genderabsurditäten etc. sind nur die Grünen zuständig, Die SPD muss sich auf das konzentrieren,was von Herrn Sommer treffend analysiert wurde.
Die SPD muss sich wieder für das moderne Deutschland und Friedenspolitk einsetzen, sie braucht für die kommende Krise einen Karl Schiller und ganz bestimmt keinen Kevin.

Kurt Walther | Di, 11. August 2020 - 16:24

Eine sehr gute Analyse des Zustandes der SPD, aber auch des gesamten deutschen Wählerspektrums nebst Konfliktlinien. Es liest sich irgendwie nach höherem wissenschaftlichen Niveau, aber durchweg verständlich, stets nachvollziehbar. Nun gut, das kann man auch von Geschichtswissenschaftlern erwarten. Insofern bin ich als Ostler - noch "Kriegskind" -, der die Entwicklung im Westen bis 1990 nur von der Seite über die Medien beobachten konnte/durfte, für Analysen vorliegender Art immer sehr dankbar. Der Artikel von Herrn Sommer schafft für mich ein Mehr an Klarheit, denn hier wird nicht Standpunkt oder Haltung suggeriert, sondern solides Wissen in gut strukturierter Form vermittelt. Ohne Seitenhieb auf die AfD geht es allerdings auch hier nicht, ist wohl dem staatlichen Arbeitgeber geschuldet. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich wohl zu den "Somewheres" gehöre, die im tiefen Osten wiederum zur AfD tendieren. Warum auch nicht. Die SPD vertritt meine Interessen kaum.

Michael Sommer | Di, 11. August 2020 - 19:51

In reply to by Gast

Vielen Dank für Ihren Kommentar, lieber Herr Walther, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Tatsächlich kann man meinen Seitenhieb auf die AfD so lesen wie Sie: als Kotau vor dem Mainstream. So war es tatsächlich nicht gemeint. Ich habe im Zweifel keine Angst, mich in die Nesseln zu setzen. Dass es die AfD gibt, ist für mich, wie ich in dem Artikel deutlich mache, eine logische Folge gerade auch der Fixierung der SPD auf das, was sie für progressive Politik hält. Nun besteht allerdings ein großer Teil der AfD-Rhetorik darin, mit beständigen Kassandrarufen den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes anzukündigen. Was ich an der Partei vermisse, sind Ideen und Konzepte, die über das obligatorische "Grenzen dicht" hinausgehen. Insofern ist die AfD nicht die Alternative, die sie im Namen führt. Das unterscheidet sie von der "alten" SPD, die bei allem Pragmatismus stets den Träumen der Menschen von einer besseren Welt Nahrung gegeben hat.

Werner Baumschlager | Mi, 12. August 2020 - 13:33

In reply to by Gast

Ich denke, die Träume vieler Menschen bestehen heute hauptsächlich im Erhalt unserer über Generationen aufgebauten westlichen Zivilisation. "Grenzen dicht" ist lediglich die Operationalisierung dessen.

Gerhard Schwedes | Di, 11. August 2020 - 17:33

Die vielen klugen Kommentare lassen eigentlich nichts mehr zu wünschen offen. Und doch quält mich eine Bemerkung des Autors, die ich nach meinem ersten Kommentar noch eigehender interpretieren möchte. Was verbirgt sich hinter der Aussage vom "Abstiegsgeunke der AfD"? Ich habe bereits davon gesprochen, dass die Geringschätzung, die in diesem Begriff zum Ausdruck kommt, der Realität Hohn spricht. Und außerdem vermute ich wieder einmal einen Kotau vor dem linken Mainstream, der auch für viele kritische Autoren oft bezeichnend ist. Bei allem Respekt für M. Sommers sicherlich guten Artikel, zeigt sich wieder einmal eine weit verbreitete Feigheit, die für unsere Gesellschaft geradezu tödlich ist. Es gibt nur noch wenige, die ihr Herz in die Hand nehmen und etwas wagen. Die Polizei wirft sich vor "Black lives matter" auf die Knie, ein Offizier, dem falsche Likes vorgeworfen wurden, entschuldigt sich, ein CSU-Politiker macht mea culpa trotz wahrer Aussagen. Wo bleiben die Mutigen?

Es g i b t kaum Mutige !!!

Mut (fortitudo) gehört zu den vier Kardinal-Tugenden, zusammen mit Gerechtigkeit, Klugheit (Weiheit) und Maß.
Wo finden Sie diese (seit der Antike) hoch-gepriesenen Eigenschaften noch bei einem unserer Politiker od. anderen Menschen, die große Verantwortung tragen, Banker etwa oder Manager?
Nein, lieber Herr Schwedes, bei denen ist auf breiter Front nichts zu holen -
weder Mut noch Gerechtigkeit, Klugheit oder rechtes Maß.
Tugenden gelten als altmodisch.
Bei uns herrschen Individualismus, Egoismus u. Feigheit.
Nur von a n d e r e n fordert man Altruismus bis zum Geht-nicht-mehr, indem man z.B. eine grenzenlose Einwanderung in unser Land postuliert - unter dem Deckmäntelchen d. "christl. Nächstenliebe".
Bezahlen soll das die Gemeinschaft. P e r s ö n l i c h hält man sich bedeckt u. bringt sein Schäfchen ins Trockene.
Wohlfeile Heuchelei allerorten - bei Politikern, Kirchenführern u. allen, die sich zur Elite gehörig fühlen. Es ist schlicht zum Ko...n!

AliceFriedrich | Di, 11. August 2020 - 17:44

Für mich ist die Person Olaf Scholz eng mit zwei Skandalen der Superlative verknüpft , mit Cum-Ex und jetzt mit Wirecard .

Bereits in seiner Eigenschaft als OBB von Hamburg hat Olaf Scholz ja schon auf die Rückforderung der betrügerisch erlangten Steuerrückzahlungen verzichtet, 47 Mios der ortsansässigen Warburg Bank. Nach entsprechenden Gesprächen mit dem Bankchef.
Und das zu einem Zeitpunkt, als die Verjährung noch nicht gegriffen hat.
Wie es dazu passt, dass jetzt in einem neuen Gesetz zwar für künftige Vergehen der Art Rückforderungen auch über die Verjährung hinaus möglich sind, aber ausdrücklich nicht für Altfälle, ist doch leicht durchschaubar.Ein zweites Mal die schützende Hand über Betrügern!
Zu Wirecard brauche ich nichts mehr zu sagen , weil noch hochaktuell, aber, wie das so ist beim Kampagnenjournalismus: Im Moment herrscht Stille im Blätterwald.
Nein, das fehlte noch: ein solcher Mann als Bundeskanzler!

Bernd Muhlack | Di, 11. August 2020 - 18:08

hat immer Recht!

Okay, das war die SED, jedoch sind die Unterschiede inzwischen marginal; pantha rei - alles fließt.

Damals gab es diesen Wahlaufkleber "Zieht mit - wählt Schmidt".
Aktuell wäre eher "Olaf Scholz- das Ergebnis schmolz" angesagt.
Wobei es sicherlich nicht am Vizekanzler liegt, sondern an der ihn umgebenden Entourage.

Der sehr trefflichen Analyse des Herrn Sommer ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Somewheres - Anywheres?
Bedeutet nicht beides "irgendwo"?
Was ist mit den Everywheres?

Kürzlich las ich, dass die Bevölkerung in Frankfurt zu fast 60 % Migrationshintergrund hat, people from x-where.
Warum auch nicht?
Solange man nicht am HBF etwa durch die Ebene 2 will - das ist eine No-GO-Area; dazu ab und an sehr gute Berichte bei der FAZ.

Wahl im SEP 21 - es wird noch viel passieren und es wird "brutalst möglich" werden

In diesem Sinne:
"Reih dich ein in die Saskia-Kevin-Ralle-Einheitsfront wenn du auch ein Loser bist!
Reih dich ein, dann bist du nicht allein!"

Zunächst, die Kommentare zu dem Beitrag von Herrn Sommer, spiegeln eine große Lebenserfahrung. Dafür meinen Respekt.

Ausblick: Die Unsicherheit in der Bewertung bleibt (auch bei mir), schon im Hinblick auf die ökonomische und kulturelle Substanz, also den zukunftsorientierten Entwurf der Gesellschaft. Die Lücke zwischen der Funktion der „globalen“ Ökonomie und den notwendigen und wichtigen „lokalen“ Funktionen scheint zu groß, als dass sie in einem größeren Konsens geschlossen werden könnte (ökonomische und soziale Struktur). Diese Lage, also die funktionale Gewichtigkeit, spiegelten in der Vergangenheit, in gewisser Hinsicht, die Parteien. Das war unterscheidbar. Da gab es klare „Werte“-Unterschiede. In dieser Hinsicht kommt von allen Parteien sehr wenig, bis nichts. Wenn die zukünftige Entwicklung jedoch vor allem auf „Besitz“ und „Besitzlosigkeit“ (Max Weber) reduziert werden sollte, dann werden wir (leider) einen Niedergang oder „Klassenkampf“ mit unabsehbaren Folgen bekommen.

Gunther Gaida | Di, 11. August 2020 - 19:49

Es war einmal in Deutschland 2021,das ein SPD
Kanzler Kandidat tatsächlich Kanzler einer RRG
Regierung wurde(lol)
Was sagte Helmut Schmidt ca 1982 seiner Partei?
"Was ihr wollt geht nicht mit mir und was ich will geht nicht mit euch"
Noch Fragen Herr Scholz?
Sie werden dafür gebraucht im bürgerlichen Lager zu fischen,welches ihre Partei jahrelang abgelehnt hat.Immer grüner immer linker.
Parteivorsitzender nein aber Kanzler,verlogener geht's nimmer.
PS Die Maskenpflicht macht Frau/Herr Eskens manchmal symphatischer.

Günter Johannsen | Di, 11. August 2020 - 19:49

Für mich im Zentrum: "Die Funkionärselite müsste sich entkevinisieren und dem abschwören, was viele von ihnen tatsächlich für progressiv zu halten scheinen. Erst wenn die SPD nicht mehr für genderneutrale Toiletten und verfassungswidrige Paritätsgesetze haftbar gemacht werden kann, erst dann marschiert die neue, komplizierte Zeit wieder mit den Sozialdemokraten."
Ich erweitere: Und als erstes muss sich diese SPD an Willy Brandt und seinen programmatischen Satz erinnern und ihn wieder zu ihrem Leitsatz machen: "Wer sich auf die kommunistische Einheitsfront einlässt, geht daran zugrunde … !"
Distanz halten zu den SED-Erben ist oberstes Gebot für eine Akzeptanz beim Souverän!

Hanno Woitek | Mi, 12. August 2020 - 08:49

immer wieder verblüffend, wie schnell sich, kaum kommt mal eine neue, vielleicht gute,Personal-Idee aus der SPD, legen die ganzen versammelten Klugscheißer wieder los.

Günter Johannsen | Mi, 12. August 2020 - 15:10

In reply to by Gast

sind Klugscheißer? Früher hießen die doch Klassenfeinde, die es zu vernichten galt?!
Was ist das denn für ein Demokratieverständnis? "Es muss wie Demokratie aussehen, aber wir müssen alles im Griff haben!" (Walter Ulbricht, SED)

Norbert Heyer | Mi, 12. August 2020 - 08:53

Eigentlich wollte ich mich zu zwei Themen nicht mehr äußern: Schalke 04 und die SPD. Sie verbindet eines - beide werden untergehen, beide haben unfähiges Personal und träumen seit Jahren vor sich her und belügen sich selbst. Jetzt haben sie einen stramm-links orientierten Vorsitz, da wollten sie den biederen Olaf Scholz nicht, jetzt machen sie ihn zum Kanzlerkandidaten. Wie soll der sich denn öffentlich verkaufen? Wie bekommt der den Schwenk hin von (noch) sozialer Marktwirtschaft zu sozialistischer Verteilungspolitik? Die noch treuen SPD-Wähler werden diesen Schwenk zum Großteil nicht mittragen. RRG ist für die meisten Bürger nicht vorstellbar, es wäre auch das Ende für Deutschland. Frau Merkel und ihre Abnicker haben ganze Arbeit geleistet und einen freiheitlich-demokratischen Staat auf Abwege geführt. Jetzt kann der Traum der grünen Kanzlerin wahr werden: Schwarz-grün beseitigen gemeinsam die Reste unserer Demokratie zugunsten der Alternativlosigkeit in alle Bereiche unseres Lebens.

helmut armbruster | Mi, 12. August 2020 - 08:57

Aus vaterlandslosen Gesellen (Wilhelm II) sind anhangslose Gesellen geworden.
Und das ist kein Wunder. Dafür gibt es eine Erklärung.
Im Kaiserreich war die SPD eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie war die einzige Stimme der Millionen Unterprivilegierten.
Heute leben wir in einem Sozialstaat mit sozialer Absicherung rundum.
Niemand kann mehr so tief fallen wie noch vor 120 Jahren.
Niemand steckt mehr wirklich bis zum Hals im Elend.
Die SPD hat ihre geschichtliche Aufgabe eigentlich erfolgreich erfüllt. Sie wird nicht mehr wirklich gebraucht.
Denn heute geht es nur noch um "soziale Peanuts" und um Sozialneid.
Es geht nicht mehr um wirklich existentielle Probleme (niemand erleidet einen sozialen Absturz wegen 2 Tagen Urlaub mehr oder weniger und niemand ist wirklich unglücklich, weil er nicht ein Millioneneinkommen hat wie ein paar wenige Privilegierte).
Ein ehrenvoller Rückzug wäre das beste für die SPD. Sie hätte ihn wahrlich verdient.

weil es wieder eine AfD gibt. Auf die CDU ist sowenig Verlass, wie seinerzeit auf das Zentrum. Sozialdemokraten inkl. Grüne sind das Bollwerk im Volke, das die Feinde der Demokratie in ihre Grenzen weist. Deswegen werden sie von den Neufaschisten und "Andersdenkenden" auch so gehasst. Demokratie ist kein Otto-Katalog, wo man sich irgendwas aus Wahlprogrammen, die nur bis 1 Tag nach der Wahl gelten, zusammenstellen kann. Demokratie braucht gefestigte Demokraten, das ist viel mehr, als politischer Kleinkramstreit. Demokratie muss wehrhaft sein gegen Faschisten, Kommunisten, Islamisten und andere Irre, die sich ihrer bedienen wollen.

Wir haben die Notstandsgesetze. Um diese nicht als Ermächtigungsgesetze zu mißbrauchen, müssen sie in der Hand von Demokraten bleiben.

Dafür brauchen wir Sozialdemokraten.

Robert Friedrich | Mi, 12. August 2020 - 14:58

Wie recht sie haben. Ich habe meiner Tochter zu einem Thema eine witzige Bemerkung schreiben wollen und schrieb: ohne Schuld schuldig. Sie antwortete mir klug: Naja,wer still hält und zuschaut und schweigt? Beim Lesen wurde ich rot, wieviel müßten eigentlich erröten? Ist doch bequemer im Mainstrem mitzuschwimmen, die Faust in der Hosentasche ballen als die Errungenschaften wie Einkommen, Altersicherung und ein Dienstwagen der gehobenen Mittelklasse mit einem Kleinwagen zu tauschen. Sicher nur ein Teil des Daseins aber eben bequem.
Ich danke allen Gleichgesinnten, soviel laufen doch noch nicht auf der Schleimspur.