Zur Zeit kann man den Fluss Ahr nur mit dem Schlauchboot der Bundeswehr überqueren / dpa

Katastrophenschutz per NINA-App - „Wissen, was kommt“

170 Menschen sind in der Flut in Rheinland-Pfalz und NRW gestorben, Hunderte werden noch vermisst. Dabei hatte es früh Warnungen gegeben. Auch über eine Warn-App des Katastrophenschutzes, die allerdings kaum jemand kennt. Schuld will keiner sein, am Ende muss wie so oft der Föderalismus als Sündenbock herhalten.

Autoreninfo

Uta Weisse war Online-Redakteurin bei Cicero. Von Schweden aus berichtete sie zuvor als freie Autorin über politische und gesellschaftliche Themen Skandinaviens.

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Vier Tage vor den starken Unwettern hatte die Europäische Flutwarnbehörde (Efas) schon Warnungen für die nun betroffenen Regionen Westdeutschlands herausgegeben. „Wer jetzt wann, wie, wo informiert wurde, da liegen mir jetzt keine Informationen vor“, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministerium, dem der Deutsche Wetterdienst untersteht, auf die Frage, warum die frühen Warnungen offenbar nicht weitergegeben wurden.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, ist sich dagegen sicher, dass der Informationsfluss einwandfrei funktioniert hat. Der Deutsche Wetterdienst habe recht präzise Unwetterwarnungen ausgesprochen, „Unsere gesamte Warninfrastruktur hat vollständig funktioniert.“ Zwischen Mittwoch und Samstag hätte das BBK etwa 150 Warnmeldungen absetzen können, sagte Schuster am Montagmorgen im Deutschlandfunk.

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Ingofrank | Di., 20. Juli 2021 - 20:07

Wo war denn unser, mit äußerst üppigen Zwangsabgaben finanzierter ÖRR?
Wo ist die Verantwortung der entsprechenden Regionalsendern? Waren die alle in Malle urlauben?

Vielleicht sollte wieder ein Gemeindediener angestellt werden, der mit Messingglocke leutete und „Bekanntmachung“ rief um der Bevölkerung das Neueste mitzuteilen. Ich habe das noch als Kind erlebt.

Armes Deutschland. Was ist aus dir geworden? Wenn noch nicht mal mehr die Sirenen flächendeckend funktionieren!

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

anstatt sich auf irgenwelchen windigen Internetseiten zu desinformieren.

Gestern abend bei Lanz: Einer der tatsächlichen Helden aus dem Osten, keins der sonstigen Widerstandsmännchen - sondern Matthias Berger, Oberbürgermeister der Stadt Grimma. Der aus eigener Erfahrung heraus vieles relativierte bzw. ad absurdum führte, was jetzt an Genöle auch in diesem Forum laut wird. Und erklären konnte, warum der Katastrophenschutz so schlecht formulierte.

Vereinfacht: Neben überforderten Behörden gibt es Menschen, die noch immer ihr Eigentum verteidigen (möchten), wenn ihnen das Wasser bereits zum Kinn steht. Die hätten auch bei heulenden Sirenen nicht anders gehandelt.

Oder andersherum: Es fehlt ein Bewusstsein dafür, dass Naturkatastrophen auch in Deutschland erhebliche Schäden verursachen können. Schliesslich sind wir doch hochtechnisiert!

Vielen Meckerern geht es natürlich nicht um die Katastrophe - die würden die Regierenden auch anklagen, fiele ein Eichhörnchen vom nächsten Baum.

Selten, aber diesmal muss ich Ihnen recht geben: Natürlich versucht man solange wie möglich, das Wichtigste zu retten ... und in der Hektik denkt man auch nicht unbedingt dran, dass ein überfluteter Verteilerkasten vielleicht nicht stromlos ist...

Herr Lenz, es auch sachlicher, wenn Mitforisten auf die mögliche Reaktivierung jahrhundertelang bewährte Warnmethoden hinweisen? Insgesamt muss Katastrophenschutz mitgedacht werden: In unserem Ort erlebten wir im vorigen Jahr eine vorbildliche Vorgehensweise unserer Verantwortlichen, als eine Kriegs-Bombe gefunden wurde. Sowohl vom Lokal-Radio, als auch von einem Gemeindebediensteten, der zuvor an jede die Haustür kam, bis hin zum Lautsprecherwagen, forderte man auf, in der Zeit der Entschärfung das Haus zu verlassen u. zu sichern. In einem entfernteren Ortsbereich konnten sich alle, die sich nicht zu Freunden oder Verwandten begeben konnten, in einem kirchlichen Gemeindezentrum einfinden und dort, sogar bei Bewirtung, die Zeit abwarten, bis Entwarnung gegeben wurde. Also eine funktionierende Organisation! Wenn, wie Herr Reul sagte, Sirenen wieder flächendeckend installiert werden sollen, die ja zuvor außer Kraft gesetzt wurden, ist man ja bereits aus Schaden klug geworden.

...werter Herr Lenz.

Wir haben hier noch die guten Sirenen und sie gehen öfter als mancher sich wohl in seinem urbanen, hippen Lebensumfeld so denkt.

Also wieder die guten Sirenen installieren.
Die erreichen jeden...auch ohne Strom, Handynetz, oder I-Net.

Und jetzt mache ich 3 Kreuze, da ich Ihnen zugestimmt habe, aber Sie haben vollkommen recht.

Norbert Heyer | Mi., 21. Juli 2021 - 06:55

Habe einige Pressekonferenzen verfolgt und bin - ehrlich gesagt, mehr als geschockt. Hier haben Männer und Frauen Auskunft über eine Katastrophe gegeben, die nichts, absolut nichts an fachlicher Kompetenz aufzuweisen hatten. Der Bildungsnotstand ist mittlerweile überall ersichtlich. Staumauer mit Ablauf? Die auskunftgebende Dame behauptete, das gäbe es bei dieser Staumauer nicht. Es gibt keine einzige Staumauer ohne Ablauf, allein für Revision der Mauer in vorgeschriebenen Abständen muss zwingend Wasser abgelassen werden. Jetzt ist natürlich Klima wieder das Thema, wir müssen Ausweisflächen und Schwemmgebiete schaffen und ich behaupte eines: Nach einer kurzen Pause des Nachdenkens wird wieder im Einzugsbereich von Flüssen gebaut, versiegelt und begradigt. Viele möchten gerne am Wasser wohnen, die Gefahren werden verdrängt - bis zum nächsten Knall. Für die Betroffenen brechen jetzt schwere Zeiten an, Politiker vor Wahlen versprechen gerne alles und nach den Wahlen ist alles vergessen.

Klaus-Peter Götze | Mi., 21. Juli 2021 - 08:55

Vorweg: ich wohne auf dem Land. Hier gibt es noch Sirenen. NINA habe ich seit Jahren. Warnungen sind meist unpräzise; aber der Landkreis ist groß. Vor Jahren hat unser Innenminister de Maizière den Bürgern empfohlen, sich für den Katastrophenfall ein Kurbelradio anzuschaffen, um informiert zu werden. Ich habe mich damals schon gefragt,welchen Sender sie dann hören sollen. Wir brauchen einen im Zentrum von D aufgestellten Langwellensender, betrieben vom Katastrophenschutz. Dieser ist, mit einer Leistung von 50kW und einer autarken Stromversorgung in ganz D Tag und Nacht zu empfangen, wie der Zeitzeichensender DCF77 zeigt. Nachrichten wären dann selbst bei Totalblackout zu hören, wenn UKW-Sender, Internet, Handynetz versagen. Stattdessen wurden die letzten LW-Sender gesprengt und verschrottet, weil sie zuviel Energie erfordern. Da waren wir mal wieder"Vorreiter". Hoffentlich gehen uns nicht die Pferde aus.

Heidemarie Heim | Mi., 21. Juli 2021 - 10:00

Bevor noch mehr ahnungslose, sich keiner Schuld bewusste Polit-Prominenz samt ihrem Medientross durch die Katastrophengebiete schreiten und immer gleiche Betroffenheitsbekundungen und Versprechen absondern, ladet den parteilosen Oberbürgermeister Matthias Berger der Stadt Grimma/Kreis Leipzig ein! Der ziemlich flott sprechende;) Gast gestern bei Lanz, der für diese Gästewahl dieses Mal zu beglückwünschen ist, kann anhand eigener und die seiner Stadt gemachten Erfahrungen mit Flutkatastrophen jedem in ca. 5 Minuten verklickern, was warum schief lief, und was man tun bzw. unternehmen kann um für Szenarien dieser Art besser gewappnet zu sein. Vom Bau einer Flutmauer in schwieriger Geländelage der Stadt bis hin zu einem wirksamen Warnsystem u.a. stromunabhängiger Sirenen. Übrigens befindet sich eine Abordnung Helfer aus Grimma und Colditz seit Tagen in Ahrweiler, die von den dankbaren Flutbetroffenen sehr gelobt werden wegen ihrem hoch "professionellen" Engagement und Einsatz. Danke!!!!!

Hans Page | Mi., 21. Juli 2021 - 10:43

Es würde reichen wenn Fernsehen und Radio Warnungen aussenden, kombiniert mit Sirenen. Wozu gibt es ÖRF. Die App wäre nur ein Komplement.

Es gibt unzählige Filme in denen das anschaulich gezeigt wird, normalerweise US Filme. Auch an der Küste oder Seen funktionieren Sturmwarnungen hervorragend.

Walter Bühler | Mi., 21. Juli 2021 - 10:53

Sehr geehrte Frau Weisse, Sie haben Recht, wenn Sie Schreiben "Aber wie so oft, wenn etwas nicht funktioniert in Deutschland, muss der Föderalismus als Begründung herhalten".

Der Schluss aus dieser Tatsache muss aber sein, dass die politische Struktur dieses Landes endlich genau so als Sanierungsfall erkannt wird die Brücken, Straßen, Häuser usw.

Die politischen Parteien drücken sich vor dieser Aufgabe, weil sie die gewohnte Personalversorgung für ihre Funktionäre nicht gefährden wollen. Daher arbeiten seine Verwaltungen nicht zusammen, sondern lähmen sich gegenseitig.
Hinzu kommt das fatale Verbandsklagerecht, das unzähligen "zivilgesellschaftlichen", nicht demokratisch legitimierten Organisationen ermöglicht, den Staat noch weiter zu lähmen.

Wie sich der Staat ständig selbst die Beine stellt, kann man im Land Berlin jeden Tag sehen.

Wären die Parteien tatsächlich an unserem Land interessiert, dann müssten sie schleunigst diesen Zuständ beenden. Sie tun es aber nicht.

Ernst-Günther Konrad | Mi., 21. Juli 2021 - 11:40

Man schaue sich im Netz die letzte Bundespressekonferenz an. Klare Fragen, keine Antworten, nur Gestammel, man wisse nichts zu den Meldewegen. Es hat schon seinen Grund, warum das nicht mehr bei Phönix übertragen wird. https://www.focus.de/politik/deutschland/gestammel-ausfluechte-worthuel…-
pressekonferenz-ist-die-bankrotterklaerung-der-regierung_id_13512482.html
Es gab mal eine Einrichtung für den Kriegsfall, unsere Region gehörte damals zum Warnamt VI., sprang zu Testzwecken alle zwei Monate angekündigt bei den Behörden in Hessen an und es wurden Testtexte verlesen. Abgeschafft. Sirenen größtenteils abgeschafft.
Die Diskussion wegen ausfallendem Strom ist eine Nebelkerze. Der Strom ging ja erst nicht mehr, während der Flutkatastrophe, davor ging er. Entsprechende Durchsagen die FW, THW, Polizei Tage vorher mit Handlungsanweisungen, über alle Radio-und Fernsender der Region wäre die Lösung gewesen. Wenn das Haus geflutet ist, kommt die Warnung zu spät.

Bettina Jung | Mi., 21. Juli 2021 - 12:54

die bereits bei normalem Gewitter, Unwetterwarnungen meldet. Das Wort Unwetter wirkt wie so manch anderer Begriff, der vor allem in den letzten Monaten verwendet wurde inflationär. Und wenn dann noch der WDR (wie man liest) Schlagermusik dazu spielt, wie soll der Bürger das einordnen? Tatsache ist doch wohl, das die rechte Hand des Katastrophenschutzes sich auf die linke Hand verlassen hat. Herr Schuster mit seinen 344 Mitarbeitern weiß nicht, was schiefgelaufen sein soll. Der aufgeblasene Apparat sollte durch gut funktionierende Apps ersetzt werden. Auch wenn die Nina App Schwächen hat (s.o.) so ist sie doch brauchbarer als diese Beamten. Insgesamt sehe ich die Flutkatastrophe als Sinnbild für Deutschland. Es fällt zusammen, läuft auf Grund und auf der Titanic spielt die Kapelle.

Edgar Timm | Mi., 21. Juli 2021 - 21:03

Der Digitalisierungswahn führt in eine Sackgasse. Auch ich habe zwar mehrere Alarm- und Wetter-Apps installiert, aber bei einem Stromausfall funktionieren alle Mobilfunk-Systeme ohnehin nur noch für wenige Minuten. Laufbänder im TV sind überflüssig, denn viele Menschen haben sich vom linearen TV verabschiedet. Und statt Rundfunk hören sie Netflix.

Ein Alarmierungssystem sollte sich daher auf Sirenen, leistungsstarke 12/24V-"Karaokesysteme", die auf jedem LKW betrieben werden können und UKW/DAB+ Radios, die in jedem Auto vorhanden oder batteriegespeist sind, stützen.

Nachdem Politik, Verwaltung und Medien sowohl bei Corona als auch bei den regionalen Hochwassern total gefloppt haben, steht in absehbarer Zeit die nächste Katastrophe ins Haus - ein flächendeckender Blackout, der die Opferzahlen und Schäden der oben genannten Ereignisse deutlich übersteigen dürfte.