- „Es wurde nahezu jeder Fehler gemacht, den man machen konnte“
Gerd Antes zählt zu den renommiertesten Medizinstatistikern Deutschlands. Im Interview erzählt er von den ungezählten Wissenslücken zu Covid-19, wettert über die Ahnungslosigkeit in Politik und Wissenschaft und erklärt, warum Deutschland mit seiner Corona-Politik auf dem Weg in den Irrationalismus ist.
Gerd Antes war Mitglied zahlreicher Wissenschaftskommissionen, unter anderem der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut sowie des Advisory Boards der International Clinical Trial Registry Platform (ICTRP) der WHO. Der Medizinstatistiker war Wissenschaftlicher Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung, die sich für wissenschaftliche Evidenz in der Medizin einsetzt. Antes ist Mitinitiator eines gestern veröffentlichten offenen Briefes an die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien zur Corona-Politik.
Herr Antes, Sie gelten als einer der Pioniere der evidenzbasierten Medizin in Deutschland. Ein entscheidendes Merkmal ihres Medizinverständnisses besteht darin, sich bewusst auch den Unsicherheiten in Bezug auf das derzeitige Wissen über Krankheiten zu stellen. Worin bestehen aktuell eigentlich die wesentlichen Unsicherheiten im Wissen über Covid-19?
Es gibt nahezu überall Unsicherheiten. An zahlreichen Stellen sind diese auch nicht wirklich behebbar. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben. An anderen Stellen aber könnte man auch größere Gewissheiten schaffen. Das Problem besteht indes darin, dass wir in den zurückliegenden 18 Monaten nahezu jeden Fehler gemacht haben, den man machen konnte.
An welche Fehler denken Sie?