Charles de Gaulle und Konrad Adenauer stehen am 05.09.1962 vor dem Bonner Rathaus. Ein Jahr später wurde der Elysée-Vertrag unterzeichnet / dpa

Élysée-Vertrag - Ein Vertrag gegen die Geschichte und für die Zukunft eines einigen Europas

Vor 60 Jahren unterzeichneten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag. Doch in den Ländern selbst sowie jenseits des Atlantiks traf die neue deutsch-französische Partnerschaft damals nicht nur auf Gegenliebe.

Ulrich Schlie

Autoreninfo

Ulrich Schlie ist Historiker und Henry-Kissinger-Professor für Sicherheits- und Strategieforschung an der Universität Bonn.

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Der Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 bildet bis heute das Fundament der deutsch-französischen Beziehungen. Er ist ein großer Wurf, weil er eine gemeinsame Vision beider Länder aufzeigte und er einer wechselvollen Geschichte abgerungen gewesen ist – gewissermaßen ein Vertrag gegen die Geschichte. Bis Januar 1963 war unklar, ob eine Vereinbarung über die deutsch-französische Freundschaft in Form eines Regierungsabkommens, wie Adenauer dies gerne gehabt hätte, oder als ratifizierungspflichtiger völkerrechtlicher Vertrag abgeschlossen werden sollte.

Konrad Adenauer, der deutsche Bundeskanzler, sprach gerne von einem Gentlemen´s Agreement, General de Gaulle hingegen schmiedete Pläne für eine viel weitgehendere Zweierunion, die gemeinsame Institutionen, eine gemeinsame Außenpolitik, möglicherweise eine gemeinsame Staatsbürgerschaft vorsah. Als dann Adenauer bei den Verhandlungen in Paris seine Zustimmung gab, waren die deutschen Delegationsteilnehmer überrascht. Nicht einmal für Pergament hatten sie gesorgt. Dieser ungenügenden Vorausschau ist es zu verdanken, dass die deutsche Fassung des Vertrages auf französischen Doppelbögen getippt ist.

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Walter Bühler | So., 22. Januar 2023 - 12:19

... ist 2023 die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich wichtiger denn je.

Das betrifft auch den "Wumms". Herr Schlie hat dazu ein treffendes Zitat von de Gaulle gefunden: "„Alles, was wir (Franzosen und Deutsche) auf dem Gebiet der Verteidigung schaffen, bringt uns zusammen und voran. Wenn wir auf diesem Gebiet nichts tun, werden wir uns bald auch politisch nichts mehr zu sagen haben.“

Und man darf heute ergänzen: Wenn wir uns trotz Brexit weiterhin nur sklavisch an die angelsächsischen Vorgaben in der Außenpolitik halten, wird das Projekt EU, das von der aufrichtigen Partnerschaft von uns Europäern lebt, bald insgesamt scheitern.

Die deutschen Historiker wissen alle, welche historische Bedeutung die deutsch-französische Zusammenarbeit für Europa hat.

Es wäre schön, wenn auch die Politologen, die Parteifunktionäre und Journalisten in Deutschland das begreifen würden.

Tomas Poth | So., 22. Januar 2023 - 12:28

Es gab immerhin unter Karl dem Großen/Charlemagne ein gemeinsames Kaiserreich!
Reaktion der Transatlantiker/Nordatlantiker:
Hier erkennt man die alte angelsächsische Politik (England /USA). Es darf keine Kontinentalmacht auf dem eurasischen Kontinent entstehen!
Dafür betreibt man Spaltung auf dem Kontinent, provoziert und führt auch Kriege.

Es gilt das angelsächsische Joch abzulegen.

Christa Wallau | So., 22. Januar 2023 - 14:25

Antwort auf von Tomas Poth

Aber zur Zeit geschieht gerade das Gegenteil von dem, was Sie fordern:
Das angelsächsische Joch wurde bereits vor Ausbruch des Krieges klamm-heimlich erheblich verstärkt und dann - nach Kriegsbeginn - in aller Härte den Europäern erneut auferlegt. Putin hat es ermöglicht, daß die USA sich wieder als unangreifbare Ordnungsmacht in Europa etablieren u. entsprechend handeln können.
Eine "Kontinentalmacht" (= Europäisches Staatenbündnis unter Einbeziehung von Rußland), vor der die USA immer die größte Angst hatten, ist damit für absehbare Zeit endgültig vom Tisch.
Die Amerikaner versprechen sich davon v. a. einen gewaltigen Anschub ihrer Wirtschaft durch ein rasches Aufblühen ihrer Waffen-Industrie, weil ja demnächst - da die alten Waffen hintereinander in der Ukraine alle verbraucht werden - ganz Europa (besonders Deutschland bei versprochener Einhaltung des 2%-Kriteriums) jede Menge neuer Waffen anschaffen muß.
Für die USA u. das ihm zuneigte Großbritannien läuft also alles nach Plan!

Ronald Lehmann | So., 22. Januar 2023 - 13:27

Und dies in der kleinsten bis größten Lebenszelle.
Ja, wir brauchen ein neu aufgestelltes Europa, was den Anforderungen & unterschiedlichsten Wünschen auf den kleinsten Nenner bringt,
& dies!!!
transparent für alle EU-Bürger, denn alles & wirklich ALLES muss für JEDEN nachvollziehbar sein
Unabhängig von politischen Cliquen/Mafia-Strukturen, wo Souverän der EU-Völker Einfluss auf große Entscheidungen genommen werden
In GB wurde z.B. durch den Brexit eindeutig gezeigt, dass dieses Land schon immer mehr mit der USA/CA verbunden war wie mit EU.
Mit KLAREN Regeln & Ansagen & einen Stufen-Optionen, damit ein etappenweiser Angleich/Ausgleich erfolgen kann.
Stellwerker können nur die in EU werden, die bis auf politische Wissenschaft ein abgeschlossenes Wissenschaftsstudium haben & in einen strengen, öffentlichen Auswahlverfahren gewährleistet wird, dass nur die Besten der Besten unsere Kapitäne sind, vom Herz(Visionäre) & Verstand.

Aber die Kaiser/Königs-Frösche werden den Sumpf NICHT .....

Gerhard Lenz | So., 22. Januar 2023 - 13:34

geistiger Schrott in den Köpfen.

Die Franzosen sahen sich als Großmacht, die Deutschen als aufstrebende Wirtschaftskraft. Und hüben wie gab es tiefsitzendes Mißtrauen: Es gab genug Franzosen, für die es in Deutschland noch immer vor Nazis nur so wimmelte. Dem Deutschen konnte man doch nicht trauen!
Andererseits drückte sich gerade in der Adenauer-Zeit Deutschland um eine umfassende Aufarbeitung der Nazi-Zeit. Und für viele waren Franzosen eben Feinde, die dabei mithalfen (im Kampf gegen den Nazi-Wahn) Deutschland in Schutt und Asche zu legen.

Wenn in diesen Tagen in diesem Forum zu lesen ist, dass die Alliierten noch immer unsere Feinde sind, ist nur zu offensichtlich, dass das Freund-Feind-Denken der Nazis noch immer nicht verschwunden ist.

Glücklicherweise ist es nur eine Minderheit, die dermaßen politisch desorientiert, dem Westen, der EU oder der NATO zutiefst mißtraut, und beispielsweise in einem Faschisten wie Putin einen natürlichen Verbündeten Deutschlands sieht.

... dass heute in manchen Köpfen weitaus mehr Schrott lagert als in den Köpfen von 1962?

Ab 1962 habe ich jedenfalls - wie zum Glück Millionen von Deutschen - möglichst viel dafür getan, dass das "tiefsitzende Mißtrauen" auf beiden Seiten des Rheins immer mehr abgebaut wurde.

Heute wächst die Gleichgültigkeit gegenüber unseren Nachbarländern wieder dramatisch an, z. B. im Unterricht der Fremdsprachen.

Ja, Herr Lenz, Französisch ist für Berliner Kinder viel zu schwer, genau wie Mathematisch oder Polnisch - DEnglisch ("Backshop") ist eben einfacher und stressfreier. Also weg mit dem Schrott! Aber ich schweife ab ...

Dieses Denken ist doch bei den Alliierten, den heutigen Natomitgliedern genauso verbreitet, wie es schon immer in der Politik war und immer noch ist.
Denken Sie nur an Merkel, die ganz explizit sagte Russland sei unserer Feind!
Sie verdrehen mit ihren Worten die Realität und schieben es immer wieder gerne jenen in die Schuhe, die für Ausgleich und Respekt stehen. Wie so oft in Ihren Beiträgen, unterschwellige Hetze.

Brigitte Simon | Mo., 23. Januar 2023 - 17:31

Antwort auf von Elfriede Puhvogel

Für das Feind-Freund-Denken pflegte Merkel Julius Caesars Weisheit anzuwenden: "Halte Deinen Freund nahe bei Dir, aber Deine Feinde noch näher bei Dir. Bei Putin wäre Caesar´ Weisheit angebracht gewesen.

Karl-Heinz Weiß | So., 22. Januar 2023 - 14:07

Das Lavieren zwischen den USA und der Russischen Föderation, gepflegt in den Zeiten von Schröder und Merkel, ist am 24.2.22 endgültig gescheitert. Deutschland und Frankreich werden in der 27-Staaten-EU niemals als Führungsmächte anerkannt. Griechenland, Ungarn und Bulgarien liebäugeln bereits mit der VR China. Illusionisten, bitte aufwachen!

Ernst-Günther Konrad | Mo., 23. Januar 2023 - 08:12

Dieser Vertrag hat auch die EWG ermöglicht und gerade Italien und die Beneluxstaaten wirtschaftlich vorangebracht. Diesen Ruhm, die beiden Feindstaaten zu versöhnen, egal ob im Detail alles richtig und gut lief, kann den beiden Granden niemand nehmen. Außer links-grüne Politiker ohne Bildung, die an Frankreichs Grenzen wieder eine DDR 2.0 errichten wollen. Ob Baerbock überhaupt weiß, wer die beiden Politiker waren? Ja, Frankreich waren Zugpferde einer dann folgenden EWG, die vieles gut gedacht, aber mit der Ausweitung der Mitgliedsstaaten einiges schlecht gemacht haben. Bei allen unterschiedlichen Interessen zwischen F und D, sollte nie vergessen werden, dass im Alltag viele echte Freundschaften, ich erinnere nur an die vielen Städtepartnerschaften, entstanden sind. Wenn jemand den Hegemonialansprüchen der USA/GB wiederstehen kann, dann wären es diese beiden Staaten. Nein, nicht als fast gemeinsame Staaten wie es De Gaulle dachte, aber mit Respekt vor dem Grundgedanken dieses Vertrages

Wolfgang Ludwig | Mo., 23. Januar 2023 - 11:30

Bis heute hat die französische Deutschlandpolitik als einziges Ziel die Schwächung Deutschlands
Zur Erinnerung:
Die französische Zeitung Le Figaro jubelte zur Einführung des Euros: "Jetzt müssen Sie zahlen"

Brigitte Simon | Di., 24. Januar 2023 - 11:49

Antwort auf von Wolfgang Ludwig

Das war schon immer so lieber Herr Ludwig. Ein Blick zurück nach dem zweiten Weltkrieg. Winston Churchill wollte sofort "Die Vereinigten Staaten von Europa" gründen. In ihrer Wirkung als Startschuß zur Einigung. Dabei ging es ihm zu-
vorderst um die Rettung des Empire. Was erleben wir heute mit der EU? Einen Startschuß zu Lasten Deutschlands.