Krise der Union - Die Selbstzerstörung der CDU

Trotz Wechsels an der Parteispitze geht die Talfahrt der Christdemokraten weiter – der interne Stellungskrieg zwischen Konservativen und Modernisierern wird sie sogar noch beschleunigen. Es droht das Schicksal der SPD

Zerstörtes Wahlplakat der CDU von 2017
Zerstörtes CDU-Wahlplakat von 2017: Es folgt die Selbstzerstörung / picture alliance

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Es bedarf wahrlich keines Influencers mit blauer Haartolle, um die CDU zu „zerstören“, wie es in feinster Youtube-Diktion heißt. Denn ob „Rezo“ mit seinem knapp einstündigen Videomanifest den Christdemokraten tatsächlich geschadet hat, ist mehr als fraglich. Ganz so doof dürften die meisten Wähler nämlich kaum sein, um sich von der unerwarteten Aufwallung eines Internet-Unterhalters in ihrem Stimmverhalten beeinflussen zu lassen.

Dass die populistische Wutrede eines 26-Jährigen dennoch so viel Öffentlichkeit fand, liegt vielmehr am verheerenden Zustand der beschimpften Partei: Wenn die CDU nicht so unfassbar schwach wäre, könnte ein politischer Nobody wie Rezo mit seinem beherzten Tritt in den Hintern kaum für derartige Verunsicherung sorgen. Spektakulär war nicht das Video selbst, sondern wie hilflos die Parteiführung darauf reagierte. Man könnte auch sagen: Die CDU verhält sich zu Rezo wie die SPD zu Kevin Kühnert.

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Christa Wallau | So, 23. Juni 2019 - 16:29

Das kommt dabei heraus, wenn man ein ganzes Jahrzehnt lang alles über Bord wirft, was einmal
den Markenkern der CDU ausmachte.
Merkel und alle, die ihr willig(fast besinnungslos) folgten, haben diese Partei bis zur Unkenntlichkeit an den sog. Zeitgeist angepaßt (entstellt), indem sie immer das taten, was gerade opportun erschien.
Ganz nebenher nahmen sie dabei der SPD alle Themen weg und trugen damit auch zum Niedergang dieser Partei nicht unwesentlich bei.
J e t z t ist auf einmal guter Rat teuer; denn die
Methode ist ausgereizt.

WER steht nun eigentlich noch für "die" CDU???
Merkel sicher nicht. Aber auch rundherum ist
kaum jemand auszumachen, der die Partei verkörpert. Folgendes kann man feststellen: Es gibt einen gewissen Anteil Rest-Konservativer in der CDU, dann einen stark wirtschaftspolitisch orientierten Teil und die Merkelianer (bestes Beispiel: der wegen Krankheit aus dem Amt geschiedene Tauber). Mir scheint: Mit diesem Haufen ist kein Staat mehr zu machen!

Die Talsohle der CDU dürfte noch längst nicht erreicht sein. Die CDU ist nicht mehr die Partei, die sie noch vor 20 Jahren gewesen ist. Und dies hat hauptsächlich etwas mit der Politik und der Person von Angela Merkel zu tun. Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich von dieser Partei nicht mehr mit- und von der Kanzlerin nicht mehr ernst genommen fühlen. Hauptsächlich in den großstädtischen „Hipster-Milieus“ findet man hingegen noch zahlreiche Menschen, die viel Positives über Merkel sagen. Merkels lange Regierungszeit hat die CDU personell und programmatisch ausgezehrt. Wer jedoch jahrelang allein auf dem Thron sitzt, der hebt irgendwann ab und verliert das Gefühl für die Leute unten an der Basis. Zunehmend viele Bürger haben den Eindruck, dass Merkel in ihrem Kanzleramt sitzt, im Präsidialstil regiert, aber schon lange nicht mehr mitbekommt, was die Menschen wirklich umtreibt.

Markus Michaelis | So, 23. Juni 2019 - 18:58

Schon öfters von mir angemerkt, aber trotzdem glaube ich auch hier richtig: verheerend ist nicht der Zustand der CDU, sondern des bisherigen tonangebenden Bürgertums (mit Theater, Medien, Kirchen, Unis, vielen Normalbürgern etc.). Man hat sich über Jahrzehnte des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs in einem Glauben an eine Wahrheit eingerichtet, die jetzt mit einer näher kommenden doch erheblich bunteren und sich verändernden Welt konfrontiert wird. Da knirscht es und das wird nicht ohne Blessuren gehen. Die CDU (und vorab die SPD) sind da nur korrekte Spiegel dieser Gesellschaft.

Ich gebe Ihnen absolut recht was Ihre Anmerkungen zum Bürgertum betrifft, werter Herr Michaelis. Auch die Blessuren werden und sind schon ersichtlich, so man sie sehen möchte. Was aber die "Spiegelung" durch die Parteien betrifft, hege ich Zweifel.
Da sind inzwischen bestimmte Zerrbilder aufgetreten. Denn was geschieht, wenn ich von dem von mir gewählten "Spieglein an der Wand" auf meine Fragen nur noch unzureichende Antworten bekomme oder bei dringlichen Nachfragen zu hören bekomme, das er diese nicht nur nicht goutiert, sondern mir die Freundschaft/Vertretung aufkündigt wegen ungebührlichem Verhaltens meinerseits!? Der aktuelle Blick in den politischen Spiegel ist so eingetrübt wie betrüblich. Alles Gute! MfG

Christoph Kuhlmann | So, 23. Juni 2019 - 19:08

Merkel selbst steht in den Umfragen unangefochten an der Spitze. Möglicherweise sind das aber 60% von den 70% welche die Union nicht wählen und auch niemals wählen würden. Die Kanzlerin ist die personalisierte Koalition, egal mit wem egal für was, die Umfragen weisen den Weg. ... ist inzwischen erstmal etwas entschieden dann wird nicht mehr gewendet bis die CSU mit der Verfassungsklage droht. Das kann auch beginnender Altersstarrsinn sein. Egal, eine Partei die das Füherinnenprinzip derart als Programmersatz verinnerlicht hat, muss erstmal dieFronten klären. Hat die Merkelkamarilla überhaupt Mehrheiten an der Basis oder besetzen die nur die medienwirksamen Positionen? ... und wenn doch, warum sind die nicht längst bei den Grünen oder sonstwo? Aber wer weiß schon was in den Köpfen der Sprachrohre der Herrschenden vor sich geht. Insbesondere bei der CDU, die Partei ist ja total opak, seit es keine kernigen Ministerpräsidenten mehr gibt. Nichts gegen Herrn Laschet ...

Hans Page | So, 23. Juni 2019 - 23:45

Nach der Wahl 2017 hat die Entscheidung eine erneute Koalition mit der SPD einzugehen den Wählern gezeigt dass man Merkel nicht los werden kann außer man wählt eines der Extreme. Jede moderate Stimme hält Merkel und ihre Politik weiter im Amt und das wollte 2017 die Mehrheit der Wähler offensichtlich nicht. Deshalb verlieren SPD und CDU gleichzeitig; wie sonst kann man beiden Parteien klar machen dass die Wähler eine Merkel GroKo nicht wollen. Erst wenn Merkel komplett ausgeschaltet ist gibt es eine Chance den rapiden Wählerverlust für die CDU zu bremsen. Die SPD dagegen wird sich auf Niedrigstniveau stabilisieren, eine Rückkehr zu alter Größe scheint ausgeschlossen, außer die SPD geht den dänischen Weg aber dafür fehlt ein starker Vorsitzender.

Urban Will | Mo, 24. Juni 2019 - 00:45

säuft die CDU nun auch bald ab.
Man kann es ihr und vor allem dem Land nur wünschen.
Für zukünftige Generationen.
Als schlechtes Beispiel,
wohin sture Machtgier und duckmäuserische Unterwürfigkeit führen können.

Zwei Phänomene, für mich persönlich lange vor 2015 klar erkennbar und unbegreiflich.

1. Eine ewige Merkel, die bei genauer Betrachtung so gut wie nichts aufzuweisen hat, was man „staatsmännisch“ („staatsweibisch“ kenne ich nicht als Teil unserer Sprache) nennen könnte.

2. Eine CDU, die sich von ihr „flachlegen“, personell ausdünsten, im maximal Mittelmäßigen dahin vegetieren. ließ. Ohne eine Spur der Gegenwehr.

Die Tatsache der noch schlechter und dümmer agierenden Konkurrenz SPD hielt sie an der Macht.
Sozusagen „alternativlos“.

Das war fatal.
Das ist jetzt vorbei.

Die neue Konkurrenz agiert schlauer.
Neue Pole bilden sich heraus und gäbe es allgemein unabhängige Medien, wäre das schon viel deutlicher wahrnehmbar.

Dieter Erkelenz | Mo, 24. Juni 2019 - 06:22

Dass die CDU gleich wie die SPD erodiert dürfte nicht nur an Merkel liegen, sondern mehr noch an das mangelhafte , grundschlechte Management der Regierungsmannschaft. Da ist kein Minister von Format im Amte! Wann wird und überhaupt dieses bodenlose Interregnum beendet?

Norbert Heyer | Mo, 24. Juni 2019 - 08:12

Der jetzt langsam Fahrt aufnehmende Niedergang der Union hat einen Namen, den man überhaupt nicht mehr nennen muss. Politik in großer Koalition über viele Jahre birgt immer die Gefahr, dass der „Markenkern“ der beteiligten Parteien bis zur Unkenntlichkeit geschliffen wird. Wenn jetzt Politiker wie Herr Tauber und Herr Maaßen Aussagen tätigen oder Empfehlungen geben, wird das die Union weiter spalten. Die Konservativen in der CDU sind schon lange unzufrieden, aber die Wahlergebnisse stimmten.
Jetzt geht es rasant abwärts und die Politiker bangen um ihren gutgepolsterten Sessel. Frau Merkel wollte die Grünen als neuen CO-Partner - mit etwas Glück werden sie vielleicht selbst diese Position einnehmen (müssen). Was jahrelang gut gegangen ist, bricht manchmal schneller zusammen, als erwartet. Politik gegen die eigenen Wähler und für die gewünschte Richtung führt dann eben zu diesem möglichen Dilemma. Deutschland befindet sich in einer ernsten Parteien-Krise und keiner kennt den Ausweg.

Inge Meier | Mo, 24. Juni 2019 - 11:26

Die CDU ringt um ein attraktives Image und dabei ist das Adjektiv „konservativ “ medienmäßig vielleicht nicht gerade günstig. Unter konservativ wird im allgemeinen verstanden für Mittelstand und eine starke Wirtschaft einzutreten und vielleicht auch noch für eine Kontrolle der Zuwanderung zu sein. Und das ist mit einer in den Medien stark vertretenen links-urbanen Lifestylehaltung schlecht verträglich um nicht zu sagen schlicht uncool.
So wird ein Spagat zwischen Werteunion und Öffnung nach links mit Grüntönung versucht.

Wichtig wäre es eine feste eigenständige Position einzunehmen ,die Trennendes und Gemeinsames mit anderen politischen Gruppierungen klar definiert und sich nicht davor fürchtete vielleicht einmal in den Medien nicht als „modern und fortschrittlich“ etikettiert zu werden.

Gemeinsames klar aufzeigen, Trennendes ebenso klar benennen und danach handeln. Umfassend, dem Wähler erklärte Kompromisse sind hierbei nicht ausgenommen, sollten jedoch um Ergebnisse zu erzielen als Ausnahme und nicht zur Regel dienen!
Wem liebe Frau Meier würden Sie solch eine "Re-Positionierung" heute noch abnehmen im Sinne von Glaubwürdigkeit der Parteien und ihrer immer gleichen Köpfe? Da hilft auch ein noch so geschmeidiger Spagat bei Überdehnung allen noch vorhandenen politischen Sehnenmaterials nicht mehr;-) Das Kampfrichterpublikum ist scheinbar aus der Kaffeepause zurück und wertet ungleich strenger! Alles Gute! MfG

Hubert Sieweke | Mo, 24. Juni 2019 - 14:21

Lage ist, Frau Merkel zu verjagen, wird es schlimmer werden. Erst vor der nächsten Wahl, wenn die CDU viele Listenplätze einbüßen wird, beginnt das öffentlich jagen. Die Werteunion lässt sich nicht mehr zurückdrehen, der PKM sowie die MIT auch nicht. Allesamt gegen Merkel und für Merz.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 24. Juni 2019 - 14:49

AKK steht in Verdacht, ihr Namenskürzel stehe für "Angelas Kleine Kopie". Sie kann die Flügel in der CDU nicht zusammenführen. Sie hat sich für den für sie leichteren Weg entschieden, lieber AM zu folgen, auch wenn sie an der ein oder anderen Stelle konservativ denken möchte. Jetzt zieht sie alle Register, um am Ende die Rolle des Sündebocks oskarverdächtig zu erfüllen. Sie spaltet die CDU und droht den dortigen Konsverativen also mit Exkommunikation. Erst hat Merkel das Land gespalten und jetzt die CDU. Treibt sie damit die Konservativen womöglich in eine eigene Parteigründung oder in die Arme der AFD, weil dort eben auch konservative CDUler Gründungsmitglieder sind und dort eine neue politische Heimat gefunden haben? Beide Alternativen machen die CDU deshalb für die enttäuschten Ex-Wähler nicht unbedingt attraktiver. Sie folgt dann aber der SPD, wo es ja Bestrebungen gibt die "wahre SPD" oder so ähnlich zu gründen.
Eine CDU unter 20 % brauch dann auch keine Kanzlerfrage mehr denken

Hans-Juergen Schulze | Mo, 24. Juni 2019 - 17:01

Die CDU, der Tanz auf dem Drahtseil ist unter A.Merkel bisher fast störungsfrei verlaufen. Die Mitglieder waren größtenteils auf ihrer Seite,diese waren Ihre Balancierhilfen.
Seit dem 23.06.2019 in der Sendung A.Will die nachfolge Kandidatin AKK, eine Vollgenschwere entscheidende Meinung äußerte: "nie mit der AFD" eine noch so kleine Gemeinsamkeit eingehen kann und möchte. Ein vermutlich großer Fehler, fehlen Ihr doch die oben genannten Bal.-hilfen.
Eine nicht zu übersehende Anzahl von "Getreuen" ist doch schon weg gebrochen. Die befehlsartige Anweisung bei der berüchtigten "Parteistange"zu bleiben ist nicht 100 % zu erwarten. Mit dieser Entscheidung hat sie sogar die Wahlurnen für die AFD weit geöffnet. Aber wie nach jeder Wahl kommt das Zetern gleich nach Bekanntgabe des Ergebnisses.
Auch die vermutlichen Koalitionsgespräche mit Ihrem Wunschpartner "die Grünen" werden in die bekanntlichen Hosen gehen. Denn wer mit "Grün" koaliert der stets verliert. Gut merken!!
Beste Grüße HJS

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