Führungskrise - Die CDU muss sich erneuern, bevor sie implodiert

Die CDU befindet sich in einer existenziellen Krise. Wenn sie als Volkspartei überleben will, muss sie sich nicht nur personell, sondern auch inhaltlich und mental erneuern. Die Alternative liegt in einer Implosion – mit ungewissem Ausgang.

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Bei der Krise der CDU geht es um die politische Gestalt der Bundesrepublik, wie wir sie kennen / picture alliance

Autoreninfo

Andreas Rödder ist Professor für Neueste Geschichte an der Universität Mainz und Mitglied der CDU. Der 52-Jährige ist Vordenker eines modernen Konservatismus und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Voriges Jahr erschien von ihm „Konservativ 21.0“ (C. H. Beck) (Foto: dpa)

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Andreas Rödder

Krisen haben keinen guten Ruf. Krise klingt wie Krätze, und keiner will sie haben. Auch die CDU nicht. Dabei ist die eigentliche Bedeutung des Begriffs gar nicht so negativ. „Krise“ kommt vom griechischen „krinein“, zu Deutsch „trennen“ oder „unterscheiden“. Eine Krise ist eine Entscheidungssituation, in der sich die Dinge zum Guten oder zum Schlechten wenden können. In der Tat: Beides ist möglich.

Die Gefahr liegt darin, dass die CDU implodiert. Wenn Glaubwürdigkeit verloren geht, können stabile Strukturen, die lange Zeit Bestand hatten, sehr viel schneller kollabieren, als man noch am Vorabend dachte. Das haben nicht nur die DDR im Herbst 1989 oder die italienische Democrazia Cristiana 1994 erlebt. Daher haben alle, die nun die üblichen Versatzstücke von Geschlossenheitsappellen und Hinterzimmerdiplomatie bemühen, den Ernst der Lage nicht verstanden.

Die Chance hingegen liegt darin, dass die CDU einen Neuanfang schafft, neue Stärke gewinnt und damit auch die kriselnde, sich polarisierende bundesdeutsche Parteiendemokratie wiederbelebt. Es geht um mehr als nur die Personalie eines Parteivorsitzes oder auch das Schicksal einer einzelnen Partei. Wie keine andere politische Kraft hat die CDU das Gesicht der Bundesrepublik geprägt. Es geht um die politische Gestalt der Bundesrepublik, wie wir sie kennen.

Während der Ära Angela Merkels hat sich die CDU für gesellschaftliche Schichten geöffnet, die ihr zuvor verschlossen waren. Andererseits hat die Politik der Alternativlosigkeit und der abrupten Wenden die Partei in eine inhaltliche Erschöpfung geführt und eine Repräsentationslücke auf der politischen Rechten eröffnet, in der sich die AfD etabliert hat. Die große Aufgabe für die neue CDU-Führung wird darin bestehen, die Offenheit der Partei zu bewahren und zugleich eigene und unterscheidbare Antworten auf die großen politischen Fragen zu formulieren. Der Nachfolger Kramp-Karrenbauers und Merkels muss die Partei integrieren, sie profilieren und mit persönlicher Autorität führen. Dann hat er die Chance, sie wieder in die politische Offensive zu bringen und die AfD substanziell zu reduzieren.

Integration 

Seit ihrem Ludwigshafener Parteiprogramm von 1978 spricht die CDU von ihren „drei Wurzeln“: der sozialen, der liberalen und der konservativen. Das wirkte einerseits integrativ. Zugleich aber führte es dazu, dass die drei Begriffe nebeneinander- und in letzter Zeit sogar zunehmend gegeneinanderstanden: Wer zum liberalen Flügel zählte, war in dieser Logik nicht sozial, und wer auf dem konservativen Flügel stand, demzufolge nicht liberal.

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Andreas Zimmermann | Di, 3. März 2020 - 13:51

Chancen und Risiken teile ich umfänglich. Aber! Mit welchem Personal wollen Sie das gute Ende für die CDU einläuten? Die Kandidatenfrage wird von Ihnen ja elegant umschifft, indem Sie von "den Nachfolger Merkels und Kramp-Karrenbauers" sprechen. Es scheint fast so als würde keiner der momentanen Aspiranten dieser von Ihnen benannten Aufgabe gewachsen sein. Es scheint auch an der Parteibasis kräftig zu rumoren. Zudem hat die CDU das Satzungsproblem dass es die Möglichkeit einer Direktwahl eines Kandidaten durch die Mitglieder (wie bei der SPD) gar nicht gibt. Die Chancen dass die 10 Minuten Klatscher-Delegierten wieder den Bock zum Gärtner machen sind also sehr hoch. Weiterhin haben wir hier noch gar nicht besprochen, wie viel Porzellan die CDU bei den Wählern in den letzten Jahren zerdeppert hat. Bei vielen (mich eingeschlossen) ist da nichts mehr zu machen. Die Zeit wird dafür einfach nicht reichen alle Wunden zu heilen und es werden ja ständig neue geschlagen. Es ist eben Endspiel!

dieter schimanek | Di, 3. März 2020 - 14:08

...wie man es besser machen könnte, wenn man wollte. Nur Mutti will eben nicht. Mir ist das eigentlich völlig gleichgültig, da ich noch nie CDU gewählt habe. Trotzdem hätte ich einen Gegenentwurf. Solange man nicht ganz unten angekommen ist und ich meine auch ganz unten, ist eine Regeneration nicht möglich. Ich bin sicher, Merkel schafft das bis 2021. Mit Hilfe ihrer Vollzugsgehilfen bei den dafür bekannten Medien gar kein Problem.

Markus Michaelis | Di, 3. März 2020 - 15:43

Ich glaube nicht, dass die CDU das noch alleine kann. Die bürgerliche Orientierung ist am Schlingern, das Bürgertum zunehmend gespalten, Deutschland ist bunter geworden. Da kann die CDU erstmal beschließen, was sie will. Merkel scheint ja zu tieferen Einsichten gekommen zu sein, dass die Welt nicht ewig so bleibt wie in der Uckermark, und treibt das jetzt voran. Warum sollte es in der "neuen Welt", in der so vieles anders ist, gerade noch eine CDU brauchen?

Heidemarie Heim | Di, 3. März 2020 - 15:43

Und wer soll den "Profiler" wie wir es aus der Kriminalistik kennen machen werter Herr Rödder!
Was Sie an Vergangenem, dem Wähler und Bürger nicht oder falsch Kommuniziertem aufgreifen, hat z.B. CDU-Profiler Merz in einem Satz, einem Wort hingekriegt: "Grottenschlecht!" Um so dann, der gleichen Fehlannahme zu erliegen, was die Rückkehr bzw. Motivation von Wanderwählern betrifft. Doch starke Worte der Eigenkritik, zumal diese ein sofortiges Echo der Empörung in der Partei hervorriefen wie bei Herrn Günther untergraben jede Absicht und Glaubwürdigkeit, die der von Ihnen geforderte "Leader" versucht an den Tag zu legen im Namen der Partei. Auch unerwähnt blieb die Tatsache, das alles Bestreben nach Erneuerung, sei es programminhaltlich oder auch der Versuch des Zusammenführens polarisierter Flügel so lange vergeblich bleibt, wie der/die Urheber*in nicht den Platz geräumt hat um Raum für Zukunftsträchtiges zu schaffen.
Also momentan höchst suboptimale Voraussetzungen würde ich meinen.MfG

Gisela Fimiani | Di, 3. März 2020 - 16:40

Nicht nur die CDU, Herr Rödder, das gesamte Land und vor allem unsere freiheitlich bürgerliche Demokratie befinden sich in einer existentiellen Krise. Die Partei muss sich erneuern, vor allem auch personell. Das ist ebenso zutreffend, wie manch andere Darlegung in Ihrem Beitrag. Dennoch ist die „Implosion“ einer Partei, die dieses Land mit ihrer Kanzlerin an den Abgrund geführt hat, wünschenswert. Nur dann kann sich etwas ent-scheiden. Eine wirkliche Erneuerung benötigt Zeit, ein neues und tiefes Bewusstsein von „Demokratie“ und vor allem: glaubwürdiges, mutiges, verantwortungsbewusstes Personal. Wären die Feiglinge und Opportunisten nicht in der großen Mehrheit, stünden wir weder vor der Menge, noch der Größe derzeitiger Probleme. Nicht die CDU, unser Land bedarf der Rettung. „Den Ernst der Lage“ verstanden zu haben, bedeutet die Gefahr, in der sich unsere Demokratie befindet, zu verstehen. Wenn Sie aber Macrons „zentristisches Modell“ für eine mögliche Konsequenz halten,(weiter....)

Prima, Frau Fimiani, was sagte doch AI WEIWEI (Cicero 03/2020): "Ich mag die Liberalen nicht, die nur so tun, als seien sie liberal. Aber tief drinnen haben sie die Nazi-Kultur verinnerlicht.". Oder "Ich mag keine Staaten oder Kulturen, die derart autoritätshörig sind.". Die Intervention Merkels zur Thüringenwahl und die Reaktion der "Altparteien" inclusive der Mainstreammedien darauf zeigen die Weitsicht des chinesischen Künstlers. Nancy Fraser hat es etwas anders beschrieben (6/ 2018 Philosophie Magazin). Sie schreibt, die offene freie Gesellschaft wurde von den Linken und Linksliberalen selbst zerstört! Sie sind die Fassade und die Büttel des "progressiven neoliberalen Kapitals" und sie schützen deren Raubzüge. Und das die CDU auf der linken/ linksliberalen Seite angelangt ist, wird wohl niemand bestreiten.

H. Stellbruch | Di, 3. März 2020 - 17:35

Die Enttäuschung über die bereitwillige Aufgabe ehrenwerter konservativer und liberaler Positionen durch Union und FDP ist bei vielen nachhaltig. Es wird einige Zeit und mehr als eine gute Parteitagsrede brauchen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Vor allem braucht es entschlossene und weitblickende Politik, die sich nicht nur um die Zustimmung der politisch einseitigen Medien, sondern um die der Bevölkerung sorgt. Die Union steht nicht mehr für Konservatismus, sondern mit ihrem konsequnten Linkskurs für Medienpopulismus, Beliebigkeit, mangelndes Rückgrat, Schönfärberei und Konzeptlosigkeit. Dazu passt, dass sie demnächst in Thüringen einem Politiker der ehemaligen SED in den Thron helfen wird, während sie den demokratisch gewählten Liberalen Kemmerisch auf Geheiß der Kanzlerin zum Rücktritt zwingt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 3. März 2020 - 17:36

Herrn Prof. Rödder.
Ich verstehe aber nicht, wie er den Zusammenbruch der DDR mit dem furchtbaren Niedergang der italienischen DC vergleichen kann.
Eigentlich habe ich damals Kultur in Europa gänzlich abgeschrieben, bei aller Zuwendung zu unterschiedlichen kulturellen Auffassungen.
Mein früher sehr negatives Bild von den Konservativen habe ich trotz Merkel, genaugenommen durch die Reaktionen auf sie, korrigiert.
Bald beginnt die Passionszeit, ich mag politisch sein, ich lebe aber auch nach dem Kirchenjahr und dem Mondkalender.
Und da bin ich gewissermassen weniger pragmatisch als spirituell.
"Herr, Deine Augen sehen auf den Glauben".
Richtet uns das nicht aus?

Ich komme vielleicht von krinein zu Kriterium aber zu Krise?
Da liegt doch das Wort kreissen viel näher?
Eine Krise ist m.E. keine Entscheidung, eher eine Überhitzung, eine äußerste Anspannung, weshalb dann eine Geburt naheliegend ist oder das Scheitern am Problem, Sein oder Nichtsein.
Ich habe Achtung vor Frau Merkels Aufwand, ich glaube nur nicht, dass sie eine Lösung für Probleme überhaupt oder der CDU darstellt.
Sie wurde evtl. z.B. von Hern Geissler nach vorne gebracht, weil der die Krise im Anwachsen der Sozialdemokratie, den Grünen, dann den Linken durch den Fall der Mauer sah, während Herr Kohl als evtl. "geistesverwandt" sofort bemerkte, dass Frau Merkel politisch gesehen evtl. """heisse Luft""" war?
Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass die Konservativen als Kultur- und Staatsbildende jemals in eine Krise kommen können.
Konservative sind nicht mächtig, sondern man trägt ihnen im Glauben an deren KRAFT ZU LÖSUNGEN die politische Macht an.
Bietet Lösungen an, die auch welche sind.

einer Kanzlerin Merkel, glaube ich doch, dass das einzige Problem der CDU Frau Merkel war und ist.
Der arme Herr Mohring bei Phoenix/Youtube, er konnte sich doch abstrampeln wie er will, wenn das eigentliche Problem sein könnte, dass zwar noch viele die CDU aus Treue/Machtsicherung wählen, aber Problemlösungen in weite Ferne gerückt sind, seit Politik in der CDU nicht mehr von Hern Schäuble, Lammert oder Bosbach ff. gemacht wird.
Asymmetrische Mobilisierung bedeutet evtl., Frau Merkel hat keine Konzepte, aber bitte, wer welche hat, fast egal in welcher Partei und auch noch dafür gewählt wird, möge Frau Merkel das Plätzchen an der Sonne gönnen und ansonsten die Politik für sie machen.
Herr Kohl konnte Frau Merkel einschätzen, weil sie evtl. unter seiner Krone existieren konnte, ihm aber "nicht das Wasser reichen konnte", wie man so sagt?
Er drückte verzweifelt den Hilfeschrei aus, fällt nicht mich, eine "hundertjährige Eiche", damit ein "Grashalm" mehr Sonne bekommt?
Fasse Mut CDU etc

So wie man - grob gesagt - den Grünen in Bezug auf die Natur vertrauen möchte - wirklich vertrauen tue ich nur Sachverstand -, der SPD in Bezug auf die Gesellschaft, der FDP bzgl. der Wirtschaft, so ist das Wort konservativ gedanklich nicht weit weg von dem der Stete, verstetigen bis hin zu Staat.
Die CDU könnte also für so etwas wie die Bildung/Pflege eines Staates besonders befähigt betrachtet werden, dazu angerufen werden.
Alles andere braucht man ebenso, vieles wird aber schwerer ohne einen Staat, auch Ordnung Frau KGE.
"Ich freue mich drauf" oder jetzt ist es mal so, das waren keine vertrauenserweckenden Äusserungen für mich.
Politiker dürfen sich freuen, aber Wähler freuen sich auch, wenn etwas koordiniert, gesteuert und organisiert werden kann?
Okay, bei den Grünen vielleicht nicht?
Ich habe Frau Merkel nicht nur aus persönlichen Erwägungen oft kritisiert, sondern auch, weil ich als SPD-Mitglied weiss, warum ich in dieser Partei bin, Solidarität mit Sachverstand und Kompetenz.

Lisa Werle | Di, 3. März 2020 - 17:39

Ich möchte nicht so weit gehen wie einige meiner Vor-Kommentatoren und jetzt schon von Aussichtslosigkeit und Endspiel für die CDU sprechen. Aber sehr sehr skeptisch bin ich auch. Deshalb schaue ich gespannt auf Türkei-Griechenland und darauf, ob die CDU in der Lage ist, den ständigen moralisierenden Querschüssen von Grünen, Linken und SPD konsequent zu widersprechen und Widerstand zu leisten. Lässt die CDU sich aber auf deren erbärmlich-emotionalisierendes linksgrünes Geschwätz ein und konterkariert durch deutsches Vorpreschen (zur Übernahme gewalttätiger Migranten - ob 500 oder 5000) wieder einmal eine gemeinsame europäische Lösung, dann ist es vorbei mit der CDU.

Gisela Fimiani | Di, 3. März 2020 - 17:45

.....widersprechen Sie Ihren eigenen CDU Grundsätzen. Dann hört man den CDU Mann, dem es eher um die die eigene Partei, als um das Land geht. Dafür spricht auch Ihre Diktion vom „zynischen Machtspiel“ der AfD, von der „Verachtung der parlamentarischen Demokratie“. Den Sündenbock haben auch Sie ausgemacht. Auch „wissen“ Sie offenbar, was bürgerliche Protestwähler wollen. Womöglich wollen diese vor allem die Partei die Linke abgewählt sehen. Zu nichts mehr hat die AfD beigetragen. Es hätte sie nicht in Regierungsverantwortung gebracht. So geht demokratischer Parlamentarismus, auch wenn er nicht gefällt. Sie sprechen von „Pragmatismus“, aber.....?Daraus schließe ich, dass Sie Herrn Ramelow mit CDU Stimmen als MP gewählt sehen möchten? Ihr Beitrag ist für mich nicht schlüssig, denn Ihre Forderungen finden keine konsequente Handlungs-Umsetzung.

gerhard hellriegel | Di, 3. März 2020 - 17:47

Das sind alles schöne worte, kaum ein positiv besetzter politischer begriff, den der autor nicht für die cdu vereinnahmt. Nur, das einzige, was mir klar wird, sind ein paar punkte, die abgelehnt werden. Gut, in jedem "dagegen" steckt auch ein kleines "dafür". Aber welche konkreten ziele hat sie denn nun? Das einzige, was ich da bisher gehört habe, ist die auskunft von herrn merz: aufbruch und erneuerung. Prima, ist hier jemand dagegen? Vielleicht ist das eigentliche problem der partei, dass sie eine volkspartei sein möchte. Ich jedenfalls habe den eindruck, die eigentliche botschaft sei business as usual, uns geht es gut, keine experimente. Das spricht für eine reine verwaltungspartei und in schönwetterzeiten ist dagegen nichts einzuwenden. Aber wenn dunkle wolken nahen, dann reicht das vielleicht nicht mehr aus.

Horst Kessler | Di, 3. März 2020 - 17:50

Unter Merkel ist die CDU immer weiter nach links abgedriftet um der SPD das Wasser abzugraben und um in der linken Medienlandschaft gut dazustehen.Am Ende haben beide großen Parteien zur Freude der Grünen verloren.Linker als die SPD zu sein ist schief gegangen.Herrn Laschet traue ich zu die CDU grüner als die Grünen machen zu wollen.Die CDU muss endlich den Mut haben sich nicht in die linke Medienlanschaft einbinden zu lassen in meinen Augen ist Merz derjenige der das kann.

Hubert Sieweke | Di, 3. März 2020 - 18:48

"zynischem Machtspiel" in Sachen Thüringen meint, dass er der AFD einfach "mir nichts Dir nichts" unterstellt, würde ich gerne wissen. CDU, FDP UND AfD haben dort gewählt, einen FDP MP. Was soll denn daran zynisch sein, wenn die AFD statt des Linken einen FDP Mann wählt?
Solange solche sachlich nicht begründbare Signale gesendet werden, bringt "schön reden" gar nichts.
Auch der Autor versäumt es, Tacheles zu reden, wie derzeit so viele in der CDU, aber nur hinter vorgehaltener Hand.
Keiner hat es seit 2015 offen gewagt, der Kanzlerin berechtigte Kritik ernsthaft entgegenzubringen. Alle reden um den heißen Brei. Nee, so wird das nichts. Man muss das Übel erst beim Namen nennen, bevor man daran geht, große Veränderungen herbeizuführen.
Der fatale Linkskurs der Kanzlerin - sie hat keine neuen Wählerschichten erreicht, sondern nahezu alle Wahlen seit 2010 verloren - hat die CDU um ihre Konservativen gebracht, die nun ausgegrenzt werden sollen. Laschet will keine Änderung. Denn man tau!

Stefan Bosel | Di, 3. März 2020 - 19:03

Die CDU benimmt sich wie ein unbelehrbares Kind. Man muss sie nun plumsen lassen. Der Brunnen wartet schon, wo sie hineinfällt. Es wird bitter nach den Merkeljahren. Keiner ist dieser Frau in den Arm gefallen, als sie noch Wahlen gewann. Niemand hat irgendetwas hinterfragt, dabei hätte es viel zu fragen gegeben. Nun warten alle ab. Man wartet auf ein Wunder, das es nicht geben wird. Die CDU geht den Weg ihrer italienischen Schwesterpartei. In ein paar Jahren ist sie nur noch eine Fußnote. Selber schuld, kann man sagen. Wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. Sie haben doch schon immer alles gewusst, die Tauber & Co. Nun ist es zu spät. Ich würde, wäre ich in einem englischen Wettbüro, auf diese Partei keinen Cent setzen. Sie ist ein toter Gaul.

Anton Gollinger | Di, 3. März 2020 - 19:10

Als ich das Wort Islamophobie gelesen habe, habe ich aufgehört zu lesen. Ist ja fast noch schlimmer als Christophobie. Überall dieser anti-muslimische und anti-christliche Rassismus... Zeit für eine säkulare Republik!

Urban Will | Di, 3. März 2020 - 20:10

Herr Rödder.

Aber warum so sehr um den heißen Brei herum reden?
„Bürgerfreiheit“, sich auf seine „Kernaufgaben“ konzentrierende EU, „nationalstaatliche Kooperation“, „rechtsstaatlich – konsequente Migrationspolitik“ und schließlich „bürgergesellschaftliche Leitkultur“.

Da findet man vieles, was, konsequent angegangen, mit neuem Elan, in einer neuen, nicht linken Regierung tatsächlich so etwas wie einen neuen Aufbruch für dieses Land bedeuten könnte.

Und die mehrfach erwähnte „substanzielle Reduktion“ der AfD bedeutet nun mal nichts anderes, gerade im Hinblick auf das, was oben steht, dass man auf sie zugehen und die gemäßigten Kräfte einbinden muss.

Die +/- 16 % „Stammwähler“ dort (mich eingeschlossen) erreichen Sie noch lange nicht mit ihren Worten, daher müssen sie den Humbug beenden mit diesem „Unvereinbarkeitsgedöns“ und auf der „richtigen“ Seite nach neuen Verbündeten suchen.

D braucht wieder zwei klar unterscheidbare Lager, das sagen Sie ja selbst.

Türk Neubert | Di, 3. März 2020 - 20:25

Allerspätestens als bei der BT-Wahl 2017 1 Millionen Union-Wähler zur AfD gewandert sind hätten bei der CDU/CSU alle Alarmglocken läuten müssen.
Zu diesem Zeitpunkt war Kanzlerin Merkel, zumindest nominal, Vorsitzende der CDU. Was passierte? Nichts, rein gar nichts!
Aber was sollte sich eine Welt-Politikerin vom Format einer Frau Merkel mit solchen Petitessen
beschäftigen?
Es war doch nur deutsche Innenpolitik!
Ich war jahrzehntelang CDU-Wähler und bin 2017
bewusst mit zur AfD gewandert.
Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben?
Nein, im Gegenteil.
Es tut mir leid um Deutschland aber nicht mehr um die CDU.
Die CDU hat ihre Zukunft hinter sich.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 4. März 2020 - 07:05

Ich las hier viele aus meiner Sicht richtige und auch gute Analysen zum Krankheitsbild der CDU. Auch ihr Beitrag gehört dazu. Nur, der Name Merkel kommt in nur unverfänglicher Formulierung vor. Wenige haben den Mut, außer einigen aufrechten Journalisten hier beim Cicero und anderen angefeindeten Medien, die Machenschaften der Unberührbaren und ihrer Fans mal klar und unmissverständlich zu benennen und die Verantwortlichen öffentlich zum Rücktritt aufzufordern. Ich sehe nur eine Chance für die CDU. Implodieren, neu ordnen, neues Personal, Opposition und eigen Werte neu formulieren und mit standhaften Politikern dem Souverän präsentieren. Was derzeit bei der CDU läuft lächerlich. Die bekommen richtig Stress, wenn heute bei der Wahl in TH einige CDUler "heimlich" rot oder blau wählen. Dann kracht es im Karton.
Da Ramelow sein Amt lt. BILD das letzte mal mit der Stimme eines AFD-Überläufers in die SPD erlangt hat wird er im Falle einer Mehrheit heute, natürlich das Amt annehmen.

Hans Schäfer | Mi, 4. März 2020 - 10:34

Und, wir sind mittendrin. Eine Möglichkeit dieser zu entkommen gibt es nicht, solange die Schuldige mit Pattex auf ihrem Stuhl festgeklebt ist.
Art 20 (2) GG: Alle Macht geht vom Volke aus. Ich frage mich nur wo sie hingegangen ist. Sie ist weg!
Das bedeutet weitere 18 Monate Stillstand. Das die de jure Volksvertreter, die de facto Parteienvertreter sind, diesen Spuk nach Art. 67 in Verbindung mit § 97 GO-BT ein Ende bereiten, damit ist nicht zu rechnen. Die kleben nämlich auch fest. So sieht unsere Macht aus. Nach der nächsten Wahl ändert sich auch nix.
Prof Rödder schreibt: Ein Nachfolger an der CDU-Spitze, <<muss die Partei integrieren, sie profilieren und mit persönlicher Autorität führen. Dann hat er die Chance, sie wieder in die politische Offensive zu bringen und die AfD substanziell zu reduzieren. >>
Eine Chance, die AfD substanziell zu reduzieren, hat man nur, wenn man Politik zum Wohle des Volkes macht, nicht für den eigenen Machterhalt. Nicht zu fassen!

Christoph Kuhlmann | Mi, 4. März 2020 - 10:46

Eine Regierung hat in erster Linie den Interessen des Landes und des Volkes zu dienen. Diese Selbstverständlichkeit ist heute bereits geeignet Menschen als Rechtsextrem zu diskreditieren. Solange in der CDU desorientierte Personen im Namen der Partei in das multikulturelle Crescendo mit einstimmen, Frau Merkel auf Sicht fährt und notfalls den Kopf in den Sand steckt, solange wird es mit der CDU bergab gehen.

Michael Andreas | Mi, 4. März 2020 - 13:17

"Vordenker eines modernen Konservatismus". Sehr schön, sind wir halt nicht mehr konservativ, sind wir stattdessen konservat.

"mental erneuern". Sehr schön. In alten Zeiten, bevor es "The Mentalist" im Buntfernsehen gab und man noch nicht besinnungslos (oder mentallos?) dem peinigenden Denglisch frönte, sagte man einfach "geistig".
Andererseits, Helmut Kohl hätte in den 1980er Jahren mit einer propagierten mental-moralischen Wende sicher Wahlen gewinnen können!