AfD-Wahlkampf im Osten - „Wer ‘Lügenpresse!‘ geschrien hätte, wäre im Stasi-Knast gelandet“

Die AfD nutzt vor den Landtagswahlen im Osten viele Vokabeln der DDR-Bürgerrechtler von 1989. Einer von ihnen ist Uwe Schwabe, er wurde von der Stasi überwacht. Was er über DDR-Vergleiche denkt und über den Slogan „Vollende die Wende!“

Montagsdemo für Menschenrechte in Leipizig (Uwe Schwab ist der dritte von rechts)
Wegbereiter der Wende: Mit anderen ging Uwe Schwabe (3. von rechts) für Menschenrechte auf die Straße / Armin Wich, ABL

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Uwe Schwabe ist einer von vielen DDR-Bürgerrechtlern, die einst unter dem Dach der evangelischen Nikolai-Kirche in Leipzig für Umweltschutz und Menschenrechte demonstriert hatten. Gemeinsam mit 100 anderen ehemaligen Engagierten hat er als Erstunterzeichner die Erklärung „Nicht mit uns: Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf“ unterschrieben. Für sein Engagement wurde er zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet. Heute arbeitet der gelernte Instandhaltungsmechaniker im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.

Herr Schwabe, Thüringens AfD-Chef Björn Höcke hat die BRD in einer Wahlkampfrede mit der DDR verglichen. Er sagt Sätze wie: „Es fühle sich schon wieder an wie 1989.“ Oder: „Dafür haben wir nicht die friedliche Revolution gemacht.“ Sie waren einer der Organisatoren der Montagsdemos in Leipzig. Teilen Sie seine Einschätzung?
Nein, die BRD hat nichts, aber auch gar nichts mit der DDR gemein. Wer sie mit dieser DDR vergleicht, und zu dem Ergebnis kommt, es sei genauso schlimm wie damals, verharmlost die kommunistische Diktatur, die aus meiner Sicht vor allem geprägt war von Verfolgung, Bespitzelung durch die Stasi und durch Morde an der innerdeutschen Grenze.

Höcke ist – wie die meisten anderen Mitglieder der AfD-Spitze auch – im Westen aufgewachsen. Er hat all das nie persönlich erlebt. Wie kommt er dazu, auf diese Weise die Erinnerung an diesen Unrechtsstaat zu beschwören?
Weil man Menschen am besten dort  emotional erreichen kann, wo sie sich zurückgesetzt fühlen. AfD-Politiker wie Björn Höcke oder Andreas Kalbitz missbrauchen den Begriff der friedlichen Revolution, um ihre Wähler hinters Licht zu führen. Wer sonst nicht viel zu bieten hat, außer Spaltung, Hass und Hetze, muss wohl auf starke Symbole zurückgreifen. Ich denke, das ist ein riesengroßer Fehler.

Warum?
Weil man die Menschen damit in dem Glauben bestärkt: Der Staat muss meine Probleme lösen. Früher hat das die PDS gemacht, heute hat die AfD dieses Feld besetzt, weil die Linke in vielen Parlamenten als Oppositionspartei vertreten ist und nicht mehr als Protestpartei wahrgenommen wird.

Sie meinen, Bürger fallen auf Parteien rein, die einfache Lösungen versprechen?
Genau. Im Fall der AfD  hinterfragen die Wähler nicht mal, woher Politiker wie Björn Höcke oder Andreas Kalbitz kommen. Die glauben, was man ihnen erzählt.

Die AfD macht im Osten mit dem Slogan Wahlkampf: „Vollende die Wende“. Was würde es bedeuten, wenn sie an die Regierung käme und diesen Slogan umsetzen müsste?
Ach, der Slogen ist doch nur heiße Luft. Die AfD will damit die Protestwähler dort abholen wo sie schon Anfang der 1990 Jahre gestanden haben. Wir brauchen aber keine „Vollendung der Wende“. Was wir brauchen, ist die Selbstbefreiung aus einer Bevormundung und die Selbstermächtigung zum Handeln.

Sie sind in den achtziger Jahren für Grundrechte wie Meinungsfreiheit auf die Straße gegangen. Wie finden Sie es, dass Anhänger der AfD oder vom Leipziger Pegida-Ableger Legida diese Freiheit heute nutzen, um „ein Ende des Kriegsschuldkultes“ zu fordern oder um gegen Muslime zu hetzen?
Furchtbar. Aber wir müssen das jetzt aushalten. Es ist eine in Deutschland zugelassene Partei. Wir kommen nicht drumherum, uns mit diesen Leuten ernsthaft und hart auseinanderzusetzen. Sonst sind sie für die Demokratie verloren.

Aber Meinungsfreiheit bedeutet doch, sagen zu dürfen, was man denkt – egal, ob anderen das passt oder nicht.
Das schon. Das Problem ist aber, dass diese Leute auf einer Stufe stehenbleiben. Man erreicht aber nichts durch Schimpfen, Meckern und die Erwartungshaltung: Der Staat muss das für mich regeln. Die Leute müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Demokratie lebt vom Mitgestalten. Das ist natürlich viel schwieriger, als auf die Straße zu gehen, um seinen Frust loszuwerden und Ausländer dafür verantwortlich zu machen

Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) sagt, viele Menschen im Osten stellten sich die Demokratie wie einen Pizzabringdienst vor. Und wenn sie nicht das bekommen, was sie „bestellt haben, wählten sie aus Protest eben die AfD. Woher rührt die Erwartung, der Staat müsse ihre Probleme lösen?
Ich denke, es hängt mit den Verletzungen zusammen, die es in der DDR-Zeit gegeben hat. Was macht es mit Menschen, die 40, 30 oder 20  Jahre in einer Diktatur gelebt haben? Diese Frage wird heute zu wenig berücksichtigt.

Und, was macht es mit den Menschen?
Angst vor Fremden. Diese Kultur des Streites, der offenen Auseinandersetzung, das ist etwas, was die meisten Menschen im Osten nicht gelernt haben.

Der Mauerfall ist jetzt 30 Jahre her. Braucht das nicht auch Zeit?
Natürlich, nach 1990 waren viele mit sich selbst beschäftigt. Für viele war das eine wahnsinnige Zäsur – die Arbeitsstelle zu verlieren und sich jahrelang mit ABM-Stellen über Wasser zu halten. Das sind alles Verletzungen, die jetzt erst aufbrechen. Und das nutzt die AfD aus.

Warum gerade jetzt?
Es ist auch eine Reaktion auf die Flüchtlinge. Es steht außer Frage, dass Ängste bei Menschen entstehen, wenn sie um ihren sozioökonomischen Status fürchten. Menschen, die selbst schon eher am Rande des Existenzminimums leben, verunsichert dies. Aber meistens haben Gefühle nichts mit der wahren Realität zu tun.

Uwe Schwabe
Uwe Schwabe/ picture alliance

Die Menschen erleben jetzt eine Kanzlerin, die bald genauso lange im Amt ist wie der ehemalige Staatschef Erich Honecker. Sie erleben eine Regierung, die mit sich selbst beschäftigt ist und dringende Probleme wie die Zuwanderung oder die Rentenpolitik verschleppt. Frustriert Sie das gar nicht? 
Doch, und ich kann den Frust der Menschen im Osten ja zum Teil verstehen. Aber wenn man etwas ändern will, muss man selber in eine Partei eintreten oder selber eine Initiative gründen. Die Leute müssen erkennen, dass sie mitverantwortlich sind für das, was in diesem Land passiert. Leider haben die etablierten Parteien keine Antworten auf diese Probleme. Alle Versuche von Versprechungen kurz vor der Wahl betrachten die Bürger als Ausdruck von reiner Hilflosigkeit.

Sind die sozialen Netzwerke bei der Entwicklung eines demokratischen Bewusstseins förderlich?
Nein, im Gegenteil. Sie sind ein großes Problem. Wir sind auf die Neuen Medien überhaupt nicht vorbereitet. Sie bestätigen die Menschen in ihrer eingeschränkten Wahrnehmung, indem sie sie im Sekundentakt mit Push-Meldungen versorgen, die sie in ihrer Meinung bestätigen. Die Menschen stecken in so einer Filterblase mit Gleichgesinnten. Ein Dialog oder eine Auseinandersetzung findet da nicht mehr statt. Und die Medien verstärken diesen Effekt noch.

Inwiefern?
Viele stellen diese Menschen alle in eine rechte Ecke und behaupten, das seien alles Nazis. Damit erreichen sie aber das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen. Die Leute fühlen sich in ihrer Wut bestätigt und rücken als Masse noch näher zusammen.

Aber woher rührt der Vorwurf der AfD, es gäbe keine Meinungsfreiheit?  
Ich glaube, er rührt daher, dass man in den sozialen Netzwerk seine Meinung nicht artikulieren kann, ohne dass sie sofort kommentiert oder bewertet wird – und das, ohne dass einem das Gegenüber in die Augen schaut, ohne dass es sich vorher mit der eigenen Person auseiandergesetzt hat. Das ist eine Auseinandersetzung, die viel kaputt macht.

Brandenburgs AfD-Chef Kalbitz behauptet, wer heute anders denke, werde genauso unterdrückt, wie es einst die Stasi tat. Sie wurden selber jahrelang von der Stasi überwacht. Ist das vergleichbar?
Das ist überhaupt nicht vergleichbar. Wenn man zu DDR-Zeiten auf die Straße gegangen und „Lügenpresse!“ geschrien hätte, wäre man im Stasi-Knast oder in Bautzen gelandet. Heute kann das jeder ungestraft tun. Ich habe schon Plakate gesehen, die die Kanzlerin an einem Galgen gezeigt haben.

Was hat Ihren Widerstandsgeist in der DDR geweckt?
Zum Beispiel, dass ich nicht darüber entscheiden konnte, welche Bücher ich lesen durfte, wo ich meinen Urlaub verbringe, oder ob ich studieren darf oder nicht. Es war dieser Eingriff in meine persönlichen Rechte – und das „Leben in der Lüge“, wie Vaclav Havel es nennt.

Was meint er damit?  
Man hat zu Hause etwas Anderes erzählt als in der Schule oder auf der Arbeit, weil man immer Angst haben musste, dass man bespitzelt wird. Das hat mich total genervt. Deshalb hab ich mir Gleichgesinnte gesucht. Ich habe sie unter dem Dach der Evangelischen Kirche gefunden. Ich bin zwar kein Christ, aber ich habe dort gelernt, wie Demokratie funktioniert. Dort hat man sich mit der Meinung Anderer auseinandergesetzt. Das war eine wunderbare Schule.

Sie haben einen hohen Preis bezahlt für Ihr politisches Engagement. Die Staatssicherheit hat Sie rund um die Uhr überwacht. Hat sie das nicht eingeschüchtert?
Sagen wir so: Ich war ständig auf der Hut. Es gab zwei Methoden der Einschüchterung. Auf der einen Seite hat die Stasi meine Post überwacht und das Gerücht gestreut, ich sei inoffizieller Mitarbeiter der Stasi – ein IM. Auf der anderen Seite war die Wut auf das System so groß, dass ich keine Angst mehr hatte.

Ist das spurlos an Ihnen vorbeigegangen?
Ich habe Glück gehabt, dass ich in einer Zeit politisch aktiv war, wo man für das Verteilen von Flugblättern nicht mehr in sibirischen Lagern vernichtet wurde. Aber spurlos geht so etwas an keinem vorbei. Nach der Friedlichen Revolution stand irgendwann mal ein Beamter vom Arbeitsamt vor meiner Tür, der seinen Ausweis zückte. Ich dachte, Scheiße, jetzt steht die Stasi wieder vor der Tür.

Ein Flash-Back?
Genau, und solche Momente gibt es immer noch. Das Leben in der Lüge hat viele traumatisiert, auch mich. Andere sind von der Bildfläche verschwunden. Sie leiden still. Mich hat es eher motiviert, mich politisch zu engagieren und gegen Menschenrechtsverletzungen zu protestieren.

Mit der AfD sympathisieren auch ehemalige DDR-Bürgerrechtler wie Vera Lengsfeld, die auch das Narrativ verbreitet, die BRD sei die „DDR 2.0“. Ist das schizophren?
Ja, aber im Fall von Vera Lengsfeld hängt es auch mit ihrer persönlichen Geschichte zusammen. Sie ist jahrelang von ihrem eigenen Mann für die Stasi bespitzelt worden. Das ist eine ganz tragische Geschichte. Außer ihr und Angelika Barbe fallen mir auch gar nicht so viele Bürgerrechtler ein, die heute in der AfD mitmischen. Aber das sind zwei von tausend Bürgerrechtlern, die es in der DDR gegeben hat. Die Wege die Bürgerrechtler nach 1989 sind sehr unterschiedlich. Ich kenne auch viele, die heute sehr weit links stehen.  

Ist an der Radikalisierung nicht auch die Bundesregierung Schuld, die es nicht geschafft hat, den Bürgern im Osten das Gefühl zu vermitteln, sie seien gleichberechtigt?
Doch, es gab viele Versäumnisse seit 1989. Man muss aber auch sehen, bei der ersten Volkskammerwahl 1990 wurden die Partei gewählt, die die schnelle Wiedervereinigung versprochen haben – allen voran die CDU. Die Leute wollten damals eine schnelle Wirtschaft- und Währungsunion. Ich war damals im Neuen Forum aktiv. Wir haben davor gewarnt. Aber wenn wir gesagt haben, „Ein Betrieb aus der Bundesrepublik  wird versuchen, die Konkurrenz im Osten plattzumachen“, wurden wir ausgepfiffen.

Was wäre die Alternative gewesen?
Schwere Frage. Die Bundesregierung hatte wenig Zeit, um zu regieren. Da sind Fehler gemacht worden, die bis heute nachwirken. Das Renteniveau im Osten ist noch immer niedriger als im Westen. Das ist eine Frage, die die Politik unbedingt regeln muss.

Wenn Sie als Bürgerrechtler Bilanz ziehen: Hat sich der Kampf trotzdem gelohnt?
Keine Frage. Den Rechtsstaat. Gewaltenteilung. Freie Medien. Demonstrationsfreiheit. Die Möglichkeit, eigene Zeitungen herauszugeben. Das alles haben wir erreicht. Dass das Leben trotzdem kein Paradies ist, wissen wir.

Wolfgang Tröbner | Di, 20. August 2019 - 09:57

wie Herrn Schwabe, sondern vor allem durch die vielen Bürger, die mit den Füßen abgestimmt haben, also gegangen sind. Diese Massenflucht hat das DDR-System extrem unter Druck gesetzt und letztendlich die Bürger, die sich bis dahin nie öffentlich geäußert haben, auf die Straße gebracht. Aus heutiger Sicht wird die Rolle der Bürgerrechtler ziemlich überschätzt. Sie hatten ja kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Die Rolle derjenigen aber, die geflohen sind, wird jedoch total unterschätzt. Herr Schwabe hat insofern recht, wenn er anmerkt, dass Demokratie vom Mitgestalten lebt und die Leute ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssen. Genau das war das Anliegen aller, die an der Wende beteiligt waren. Nicht nur der Bürgerrechtler, sondern auch auch derjenigen, die geflohen sind. Weil es aber genau dieses Anliegen war, ist die Enttäuschung heutzutage sehr groß. Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung hat der Bürger denn außer der Teilnahme an Wahlen? Die Parteien machen doch, was sie wollen ...

"Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung hat der Bürger denn außer der Teilnahme an Wahlen? Die Parteien machen doch, was sie wollen..."
In der früheren DDR waren es "die Partei" und das "Politbüro".
In der BRD waren es von Beginn an die "Drahtzieher des Großkapitals", unterstützt von US-Investoren, die nur eines im Sinn hatten bzw. immer noch haben: Gewinnmaximierung.
Nicht die Bundeskanzlerin bestimmt - wie im Grundgesetz steht - die "Richtlinien der Politik", sondern die Lobbyisten der Großindustrie und der Finanzwirtschaft.
In vielen kapitalismus-kritischen Büchern lassen sich die wirtschaftlichen Fakten nachlesen, u. a. auch bei Dirk Müller "Machtbeben - Hintergründe, Risiken, Chancen" (inzwischen auch als Taschenbuch erhältlich).
Die sogenannten "staatstragenden" Parteien werden also durch wirtschaftsstarke Kreise gelenkt und gesteuert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Insbesondere nach dem Mauerfall ist sicherlich auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus - etwa unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung - erforderlich.

Allerdings: Aus Ihrer Argumentation folgt zwingend die "alternativlose" Bankrotterklärung deutscher Politik und zugleich die Reinwaschung der Kanzlerin. Kein aufmerksamer Beobachter deutscher Politik wird Ihnen auf diesem Weg folgen wollen; denn kein Kanzler hat es jemals auf solch ruinöse Weise an dem notwendigen Weitblick fehlen lassen (eben die Dinge vom Ende her denken) und den offenkundigen Substanzverzehr zur eigenen Gesichtswahrung skrupellos in Kauf genommen.

Ich wollte gerade einen Kommentar zu Frau Walden schreiben. Nachdem ich aber den Ihren gelesen habe, muss ich mich nicht wiederholen. Ich kann Ihrer Argumentation nämlich voll und ganz zustimmen. Nur noch einige Zusatzanmerkungen: Es ist kaum vorstellbar, dass die so entschlossen von der Kanzlerin vorgenommene Energiewende von der Industrie gesteuert gewesen sein sollte, ebensowenig ihre bis auf den heutigen Tag andauernde Migrationspolitik. Und wo sollte etwa die Industrie ein Interesse daran gehabt haben, dass weder die Digitalisierung noch die Verbesserung der Infrastruktur sträflich vernachlässigt wurde? Das ergibt alles keinen Sinn, weil es doch gerade der von Frau Walden so gescholtenen Industrie Schaden zufügt. Monokausale Erklärungen vermochten noch nie die Realität zu erklären. Mit monokausalen Erklärungen haben sich auch die Nazis an der Realität vorbeigemogelt, ebenso die Sozialisten der DDR. Die Grünen haben ebenfalls eine solche Schlagseite in diese Richtung.

ist denn die AfD da anders? Wohl kaum, eher dürfte das Gegenteil der Fall sein. Mit dem Slogan "Wir sind das Volk" werden Plätze und Hallen beschallt, zuweilen an der Seite von Pegida oder anderen Rechtsextremisten,. Dabei vertritt man bundesweit nicht mal 15% der Wähler. Und jetzt will die AfD, dominiert von Wende-Unverdächtigen (den Wessis Hoecke und Kalbitz) im Osten pünktlich zu den Landtagswahlen genau diese Wende vollenden. Fragt man sich nur - wohin? Wie soll denn das "gewendete Deutschland" aussehen? Darüber hüllt man sich bei der AfD in Schweigen. Man darf aber annehmen: Ein AfD-dominiertes Deutschland wäre kaum demokratischer als das der SED. Insofern baut die AfD tatsächlich auf Traditionen - nur eben nicht auf freiheitliche und demokratische. Denn die AfD hat so wenig mit der Wende zu tun, wie sie "das Volk" vertritt. Aber "wahr in blau" ist nicht das, was stimmt, sondern was der Partei nutzt. Weswegen die AfD ja auch den ÖR schleunigst entsorgen möchte.

Und woher wissen Sie, wie die AfD ist oder wie sie regiert? Meiner Kenntnis nach haben in Bund und Ländern bisher nur (in wechselnden Konstellationen) CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke (formerly known as SED) regiert. Bringen Sie also Belege für Ihre Behauptungen bei oder lassen Sie es. Und noch was. Mir erschließt sich nicht ganz, was das Ganze jetzt auch mit der AfD zu tun haben soll. Haben Sie eigentlich kein anderes Thema? Reichlich einseitig, finden Sie nicht?

..macht ja genug von sich reden. Sammlungen von Zitaten finden Sie überall, und die werben nicht unbedingt für diese "Partei". Und das betrifft nicht nur besonders "laute" Leute, wie ein Hoecke oder eine Weidel.
Warum ich die AfD in dem Zusammenhang überhaupt erwähne? Ich rate Ihnen, das Interview nochmal zu lesen. Darin geht es nämlich um die AfD.
Sie finden meine Reaktion(en) einseitig? Nun gut, die Bedrohung unserer Demokratie ist nun mal, zumindest in der Gegenwart, einseitig - d.h. sie kommt von einer Seite, von "Rechts". Kann man da überhaupt jemals genug schreiben?

Georg Czech | Di, 20. August 2019 - 19:41

In reply to by Gerhard Lenz

D.h. die konservative korrektive Partei ausschließen? Ist das Demokratie?
Man hat die Bürger mit Versprechungen und Moralpolitik in die Falle gelockt und jetzt muss man aufpassen, dass sie politisch nicht ausbüxen und vor lauter Alternativlosigkeit woanders hinlaufen.
Mal im Ernst, vielleicht sollten Sie Ihr Trauma (Entstehung AfD) mal an der verlogenen Politik von Merkel & Co. abarbeiten, denn sie hat die AfD stark gemacht. Stattdessen versuchen Sie hier ständig Ihre Traumabewältigung an einzelnen Foristen auszuführen und erreichen doch das Gegenteil.

..werden ja gerne persönlich, wenn es um politischen Streit sind, auch Sie sind da keine Ausnahme.
Zwischen der AfD eines Bernd Luckes und der heutigen rechtspopulistischen Partei mit starken rechtsextremistischen Zügen (eine solche Sicht ist sogar gerichtlich bestätigt) klaffen Lichtjahre.
Wer eine Partei, die wohl demnächst vollständig vom Verfassungsschutz überwacht wird, als konservatives Korrektiv schön malt hat entweder nicht verstanden, um was es der AfD geht, oder unterstützt vermutlich sogar deren Ideen.

Die Sendezeiten des ÖR werden auf die einzelnen gewählten Parteien so verteilt, dass ein jeder in den Genuss von bestimmten Voraussetzungen kommt. Es wäre doch gerecht, oder? Und bestimmte Personen von anderer Parteien ihre Meinung anzuhören, kann ja auch nicht schaden, nicht wahr, Herr Lenz. Das fördert den Weitblick.

Ein weiterer Fortschritt wäre, dass Leitungspositionen innerhalb der Parteien & des Staates maximal 8 Jahre beinhalten, denn Sie kennen ja den Spruch:
"neue Besen kehren gut".
Und damit die Moschelei der Parteien & Interessengruppen ein Ende hat, wird ein neues Rechtswesen inklusiv Rechtssprechung eingeführt, wo klar & verständlich für jeden Bürger über ein Losverfahren wie im alten Griechenland Richter & Verteidiger gewählt werden. Ich würde so gar noch weiter gehen, dass über eine Qualifizierung ein jeder die Möglichkeit hat. .... Ich höre jetzt schon den Aufschrei von Ihnen & der Justitz. Als würde ich der Kirche ihre Finanzmittel nehmen ;>)
Weiterträumen MFG

was H.Tröbner schreibt, kann ich nur bestätigen. Im Juni 89 sprach ich mit einem Kombinatsdirektor, der sich darüber beklagte, daß ihn schon zwei Sekretärinnen, beide schienen ihm bis dahin sehr loyal, ohne eine Andeutung die Flucht über Ungarn angetreten hätten. Und überhaupt die besten Kräfte grübelten, ob sie nicht auch eine Ungarnreise wagen sollten. Ich glaube, er selbst grübelte auch.
Diese Flüchtlinge waren wahrscheinlich weniger mutig als die Bürgerrechtler, aber in Summe ziemlich effektiv. Das hat die damalige DDR Gesellschaft schon sehr zersetzt.

Das ist die falsche Frage, Herr Peitzmeier. Mut mussten nicht nur die Bürgerrrechtler aufbringen. Auch die, die beispielsweise im August 1989 über Ungarn geflohen sind. Ich habe selbst erlebt, wie Leute, die in der DDR den Zug mit dem Ziel Ungarn bestiegen, aus dem Zug heraus verhaftet wurden. Und glauben Sie wirklich, dass es diesen Menschen leicht gefallen ist, die gesamte Existenz (Familie, Beruf etc.) aufs Spiel zu setzen? Im Bewußtsein, dass man die nächsten 10-20 Jahre wahrscheinlich nie wieder zurück kann? Und nur mit leichtem Handgepäck in die Bundesrepublik einzureisen, ohne zu wissen, was einen morgen erwartet? Die 100 DM Begrüßungsgeld waren da nur ein schwacher Trost. Aber: Man hat gelernt, sich durchzubeißen und sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber denen, die in der DDR geblieben waren, weil die eben nicht diesen Mut aufbrachten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 21. August 2019 - 13:43

In reply to by Wolfgang Tröbner

insgesamt war da ein ungeheurer Mut, der vielleicht auch jetzt die """Wut""" erklärt, die nun wirklich in etwa zivilisiert nach vorne getragen wird.
Diesen Mut mußte in der alten Bundesrepublik niemand aufbringen, nicht einmal KPD´ler, denn die wurden immer noch umfasst von dem Bestreben, eine Gesellschaft auch für die Zukunft wieder zusammenzuführen.
Und wenn man so den Ausspruch von Gorbatschow erinnert über das "Zuspätkommen", ging die "größte Gefahr" evtl. nicht einmal von den Sowjets aus, sondern von denen, die gut und evtl. gerne in der DDR gelebt hatten.
Mein einziger Gedanke war, bloss keinen Bürgerkrieg...
und empfinde es immer mehr - anfangs war ich sehr genervt durch die Plötzlichkeit des massenhaften Auftauchens von Menschen, die für mich so aussahen, als hätten sie in einer komplett anderen Welt gelebt, um hier nicht deutlicher zu werden - wir gehören zusammen!
Kritik äussere ich also in einem uns alle umfassenden Rahmen der Bundesrepublik Deutschland.
Vivat

hat der Bürger denn außer der Teilnahme an Wahlen? Die Parteien machen doch, was sie wollen ..."...die Frage stellt sich mir auch. Wobei nicht mal mehr Wahlen etwas ändern. Es wird von den Alt- Partein so hingetrixt, mit Ablehnung, Propaganda (man zitiert und beschwört immer das Schlechteste vom Gegner). Und schafft durch Minderheits-Koalitionen das Schlechteste für die Gesellschaft. Weil die Koalitionspartner kaum Berührungspunkte haben und vor lauter Dauerkonflikten, das Regieren bzw. Reagieren hinten an stellen müssen.

Die 3 Millionen, die die DDR gen Westen verlassen haben, haben damit eindeutig dokumentiert, was sie von den verbrecherischen Ideen des Marxismus hielten. Das strahlte auch auf die in der DDR Verbliebenen aus. Der Antikommunismus war weit verbreitet. Deshalb konnten Linke wie Christa Wolf oder Schorlemmer mit ihren Ideen zur Weiterexistenz der DDR nicht durchdringen.

Ernst-Günther Konrad | Di, 20. August 2019 - 09:59

Herr Schwabe. Es sei Ihnen unbenommen, ihre Sichtweise der Dinge damals und heute darzustellen. Was Ihre Bewertungen anbetrifft, lese ich auch andere Sichtweisen hier im Forum von den Menschen, die das Regime auch erlebt haben. Aha, sie wollen diskutieren, weil das Gefühl der Menschen nicht der Realität entspricht. Nun, sodann führen Sie wortgewaltig aus, was Ihre Realität ist und warum das Gefühl unserer Landsleute, die ebenso wie Sie hautnah den Unrechtsstaat erlebt haben, falsch sei.
Sorry, ich lese da viel Einseitigkeit in Ihrer Wahrnehmung. Sie versuchen irgendwie die Quadratur des Kreises.
Geradezu merkwürdig ist Ihre Aussage, jeder soll selbst politisch aktiv werden, wenn er etwas ändern will.
Ich frage mich, wer die vielen politisch Aktiven bezahlt und wer dann noch arbeiten gehen soll? Sich über Politik informieren und selber denken. Ja. Nur das Leben besteht eben nicht nur aus Politik. Die Menschen müssen den Gewählten vertrauen können, das sie Wählerwillen umsetzen.

Nicht Herr Schwabe verucht die Quadratur des Kreises - Sie machen das. Sie wollen, dass die Menschen jemand vertrauen, von dem sie nur sehr oberflächlich wissen, was der macht und will.
Weiterhin werfen Sie Einseitigkeit vor - belegen das aber nicht weiter.
Ihre Vorgehensweise ist noch nicht mal einseitig - sie ist 0-seitig.

Da ich in der DDR aufgewachsen, kann ich die Sicht von Herrn Konrad bestätigen.
Ich vertraue lieber erst mal Jemanden der einen Ausweg (nur) aufzeigt, als Solchen die sich immer nur im Kreis bewegen und Probleme bewußt klein reden oder sie gar nicht erst disskutieren wollen. Den das Letztere war eine sehr augenscheinliche Überlebensstrategie der DDR-Staatsführung. Probleme zu ignorieren und Meinungen zu bekämpfen.

Günter Johannsen | Di, 20. August 2019 - 10:02

„Wer ‘Lügenpresse‘ geschrien hätte, wäre im Stasi-Knast gelandet“. Richtig. Aber was ist schlimmer: das man im Knast landet, oder wenn Menschen mit eigener Meinung mit Rufmord, Berufsverbot, Ächtung (wie es die Victoria-Stiftung fordert!) und Verfolgung durch verhetzte Antifa-Jünger bis vors eigene Haus belegt wird? Gar nicht zu sprechen von den tätlichen Angriffen auf AfD-Politiker, die nur selten von den Sicherheitsbehörden erfolgreich geahndet werden. Man könnte eine Absicht dahinter vermuten, wenn man kein Vertrauen mehr in das System Merkel hat?!

Danke, Herr Johannsen. Wie immer präzise & alles dazu als christlicher Ossi gesagt.
Als Info für die Leser: Ab ca. Ende der 60-ziger Jahre spaltete sich die Kirche in beiden Konventionen(aber ich würde auch behaupten, im Osten wie im Westen) nach Konservativen & einer "links gerichteten (sozialistischen) Kirche" auf. Deshalb bin ich auch persönlich als betender & als an Jesus Christus "Glaubender" (wenn auch oftmals "zweifelnder", der oftmals die Aussagen von Menschen bezweifelt, denn selbst die Bibel ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte, die Kaiser Konstanz sehr geprägt hatte) Mensch, der aus der EKD ausgetreten ist. Und dies nicht, weil ich an Gott & Jesus Christus zweifle, sondern an denen, die eigentlich das Wort Gottes verkünden sollen.
Ich hege keinen Groll auf andere Ansichtsweisen ( was ich erst im Alter gelernt habe), aber ich werde immer wieder bestimmte Themen in Erinnerung bringen, damit sus einem A kein Z gemacht wird. MFG & einen inneren Spiegel ;-)

Ich wundere mich immer wieder, wie hier von einigen Kommentatoren unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung als „System Merkel“ verunglimpft und mit dem Unrechtssystem in der DDR verglichen wird. Und dann noch die Afd als „Alternative zu den Altparteien...“
Ich möchte nicht hoffen, dass die Afd unterstützt von ihren Geldgebern im Kreml politische Macht erringen. Denn dann haben wir ein System wie gegenwärtig in Russland, wo Oligarchenwillkür und Nepotismus herrscht - aber keine freiheitliche Grundordnung mehr. Dann ist es allerdings zu spät

Christa Wallau | Di, 20. August 2019 - 10:08

Es ist wichtig u. verdienstvoll, Interviews mit Zeugen der "Wende" zu führen, die damals selbst aktiv am Geschehen beteiligt waren.
Wie unterschiedlich diese Leute dabei auf die heutige Lage in D schauen, machen diese Aussagen von U. Schwabe deutlich. Wir brauchen uns nur auf dem Forum hier umzuschauen: Viele Kommentatoren, die aus den östlichen Bundesländern stammen, sehen die Situation nicht so positiv wie er, wenn er schreibt: Wir bekamen "Den Rechtsstaat. Gewaltenteilung. Freie Medien. Demonstrationsfreiheit."
Ja, auf dem Papier.
Und es muß auch (bisher) niemand ins Gefängnis, wenn er der Regierungsmeinung widerspricht.
Aber: Wir sind auf dem besten Wege dorthin!
Die gesellschaftlichen u. beruflichen Konsequenzen
des freien Denkens spüren viele Deutsche heute schon, und es wird fleißig daran gearbeitet, Gesetze zu schaffen, die nur noch ganz bestimmte
Meinungen (Anschauungen) zulassen.

Das kann es doch wohl nicht sein, was die mutigen Deutschen 1989 erreichen wollten, oder?

...Und es muß auch (bisher) niemand ins Gefängnis, wenn er der Regierungsmeinung widerspricht.
Wir sind auf dem besten Wege dorthin!

Können Sie Ihre Aussage auch belegen? Oder ist das wieder typisch AfD....Hauptsache Stimmungsmache?
Und da beklagen Sie sich permanent, dass niemand mit der AfD zu tun haben will?

Vor dem Gefängnis steht das Berufsverbot und die Zerstörung der 'Karriere'. Nehmen Sie den Fall der Bibliotheksleiterin der Dresdener Kunsthochschule. Sie hat bei den Kommunalwahlen für eine legale, demokratische Partei kandidiert. Sie ist nie straffällig geworden bzw. gewesen (im Gegensatz zu mehreren Grünen MDB; Polizisten-Prügler Fischer). Trotzdem muß sie jetzt Angst um ihre Arbeit haben.
Nehmen Sie den Fall der jungen Ruderin Nadja Drygalla. Sie hat niemandem etwas Böses getan. Sie war / ist(?) unpolitisch. Ihr Pech: Die Liebe! Sie hatte sich 'eingelassen' (ein perfides und gehässiges Wort aus dem NS-Sprachschatz LTI). Ihr Liebster war Aktivist und - zeitweise - NPD oder JN Funktionär.
Nehmen Sie Frau Schellenberger. Sie hat sich viele Jahre - überwiegend ehrenamtlich - um die Fans des CFC Chemnitz gekümmert und lokal engagiert (Stadträtin, SPD). Sie wurde gezwungen, beide Aktivitäten aufzugeben - weil sie den trauernden Angehörigen eines Fans ('Nazi'-Hool) kondoliert hatte.

der angeblichen Willkürherrschaft, in dem es in dem ursprünglichen Kommentar geht, gibt es denn? Keine. Die Dresdner Bibliotheksleiterin ist nach wie vor im Amt. Die deutsche Ruderin hat sich mit einem "bekennenden" Neo-Nazi eingelassen. Wie wohl die Reaktion wäre, wenn sie mit einem militanten Islamisten liiert wäre?
Die Chemnitzern war mitverantwortlich dafür, einen verstorbenen Neo-Nazi quasi offiziell, von Vereinsseite, zu ehren. Einem gewaltbereiten Neo-Nazi, der zuvor den Verein "HooNaRa" (Hooligans-Nazis-Rassisten) anführte.
Wer sich mit Extremisten einlässt - die ihrerseits nicht müde werden, ständig das "verhasste System" zu attackieren, sollte kein Verständnis von Seiten dieses "Systems" erwarten. Manche Ehrenämter und Funktionen lassen sich damit nun mal nicht vereinbaren. Das betrifft natürlich auch Teile der AfD - die demokratisch gewählt ist, aber deswegen noch lange keine demokratische Partei ist. Und wer wurde jetzt für seine blosse Meinungsäußerung eingesperrt?

Reden wir doch mal von beruflichen Nachteilen: Fordert die AfD nicht schon Schulkinder auf, Lehrer zu denunzieren (an wen erinnert das)?
Fordert die AfD nicht beinahe wöchentlich die Ablösung von irgendwelchen unliebsamen Journalisten?
Forderte die AfD nicht gerade erst die Entlassung eines Bundeswehr-Generals?
Gab es nicht bereits hier und da Vorschläge, "anti-deutsches" Verhalten als Gesetzesverstoß festzuschreiben? Drohen Einzelne in der AfD nicht Oppositionellen und Journalisten mit der Abrechnung, die am Tag X stattfinden soll?
Kurz: Wer die AfD kritisiert, soll den Mund halten!
Und was Frau Barbe angeht, die Sie hier als "Beispiel" nennen möchten: Die ist sich nicht mal mehr zu schade, vor Rechtsextremisten völkisches Gedankengut auszubreiten, ist alles andere als repräsentativ für diejenigen, die damals in der DDR ihren Hlas riskierten - Leute wie Hoecke oder Kalbitz, die heute die Wende vollenden möchten, saßen da noch bequem auf ihren sicheren Pöstchen im Westen.

Eine sinnvolle Ergänzung zum - wichtigen - Beitrag von Uwe Schwabe, ist einer meist gelesenen Cicero-Texte des Jahres 2017. Die DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe schrieb über (empfundene) Rechtsbrüche, fehlende politische (Debatten-) Kultur und Erfahrungen bei der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen.
Ich verlinke auf Barbes Cicero-Beitrag vom Oktober 2017.

https://www.cicero.de/innenpolitik/offener-brief-an-wolf-biermann-von-p…

Wer verstehen und abwägen möchte, bevor er/sie urteilt, sollte diese Text noch einmal lesen. Ungewöhnlich auch die sehr hohe Anzahl der Leser-Kommenare (fast 200). Barbes Geschichte(n) haben die Herzen von Cicero-Lesern berührt.

bitte nennen Sie mir ein konkretes Gesetzesvorhaben, das die Meinungsfreiheit einschränken und gar mit Gefängnis ahnden soll? Sind es nicht gerade rechte Regierungen, wie in Polen oder Ungarn, die die Hoheit über die Justiz und die Medien mit undemokratischen Aktionen für sich beanspruchen?t
Vielmehr ist es doch so, dass gerade von AfD-Anhängern sanktionsfrei jeder Unsinn gepostet und herabwürdigend über Menschen, die andere Meinungen haben, hergezogen wird.
Ich habe Unfreiheit selbst erlebt, bin aus religiösen und politischen Gründen an meiner beruflichen Entwicklung gehindert worden. Mir dreht sich der Magen um, wenn Menschen wie Höcke, die dies nicht aus eigenem Erleben können, die Parolen der friedlichen Revolution mißbrauchen, um Stimmung zu machen. Traurig bin ich über jeden, der darauf hereinfällt und eigenes Denken nicht mehr kennt.

Wilfried Nauck | Di, 20. August 2019 - 10:11

Zunächst: Vera Lengsfeld ist nach meiner Kenntnis immer noch Mitglied der CDU. Ich habe viele Artikel von ihr gelesen, eine Stellungnahme für die AfD kann ich nicht erkennen. Es gibt in der BRD Tendenzen, die DDR-Bürger an vergangene Zeiten erinnern: Die lange einseitige Zustimmung der Medien zu Merkels Migrationspolitik, das weitgehende Aussperren von AfD-Politikern aus den Runden der Staatsmedien, die unsachlichen Äußerungen von Regierungsvertretern zur angeblichen "Hetzjagd" in Chemnitz , die Anklänge an Blockpartei-Zeiten bei der Bürgermeisterwahl in Görlitz, die Vorgänge vor der Wahl in Sachsen, der Widerspruch zwischen Fraktionszwang und Gewissensentscheidung bei Abgeordneten, der Widerspruch zwischen Grundgesetz Artikel 16a und der Entscheidung des EU-Gerichtshofs, der Widerspruch zwischen der Nichthaftungsklausel bez. Euro und Draghis Aufkaufpolitik. All das sind Fakten, die die Vorschläge des Bürgerrechtlers etwas naiv erscheinen lassen.

Es ist mittlerweile wirklich schwierig, mit Menschen zu kommunizieren, die sich gedanklich in eine vermeintliche DDR 2.0 eingemauert haben.
Speziell die "Vorgänge vor der Wahl in Sachsen" sollen zur Mythenbildung beitragen und sind jedoch nichts, was dafür taugt, weil hier keine politische Partei geschnitten wurde, sondern eine Partei es nicht schafft regelkonform eine Liste zu erstellen. Alle Parteien, selbst die Partei "Die Partei" haben es geschafft. Die AfD hat das nicht hinbekommen. Warum auch immer...
Es ist klar geregelt, dass ein Wahlverfahren für die gesamte Liste genutzt werden muss und das alles in einer Sitzung, die durchaus auch fortgesetzt werden kann, geregelt werden muss. Bei der AfD war nicht erkennbar, dass es eine Fortsetzungssitzung war, weil u.a. auch eine andere Sitzungsleitung bestimmt wurde und, noch viel gravierender, ab Listenplatz 31 das Wahlverfahren geändert wurde. Wer Rechtsstaatspartei sein will, sollte auch nach Recht und Gesetz handeln...

Gerhard Lenz | Di, 20. August 2019 - 12:53

In reply to by Frederik Tröndlin

Die Geschehnisse um die parteiinternen Schlampigkeiten werden dem Wähler bereits als "Verschwörung" verkauft.

Sollte die AfD rein rechnerisch mehr Mandate erringen, als sie Kandidaten aufstellen darf, wird sie sich mal wieder wolllüstig als Opfer eines höchst verlogenen und betrügerischen Systems darstellen.

Ansonsten gilt - als Standardentschuldigung: Die AfD ist ja noch eine junge Partei...Seltsamerweise wird hier ständig von den Qualitäten der AfD-Mandatsträger geschwärmt. Nur mit der regelkonformen Aufstellung einer Kandidatenliste ist man scheinbar überfordert. Nun gut, wer dermassen "dilettiert", ist natürlich für höher Aufgaben zur Rettung von Volk und Vaterland absolut geeignet....

Wilfried Düring | Di, 20. August 2019 - 15:00

In reply to by Gerhard Lenz

AfD: 'parteiinternen Schlampigkeiten' '... mit regelkonformen Aufstellung... scheinbar überfordert'.

Belesen wie Sie sind, kennen Sie doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die - viel beachtete - Stellungnahme der Staatsrechtlerin Frau Professor Dr. Schönberger auf verfassungsblog.de .
Wenn sich hochgeachtete Juristen und Staatsrechtler - 'Hochkaräter' - darüber streiten, ob die AfD oder/und der sächsische Landeswahlausschuß Fehler gemacht haben, sollten sie EINE MÖGLICHE Theorie hier nicht als unumstößliche Tatsache darstellen und 'framen'. Das eigentlich Schlimme ist: Sie sind intelligent und belesen - und äußern sich in diesem Post WIDER BESSERES Wissen. Mit Blick zurück auf die DDR muß ich sagen - das hat bei einigen Linken auch eine unangenehme Tradition.

Und da sie diese ja auch gelesen haben, wissen Sie, dass Frau Schönberger lediglich Zweifel hegt - da es sich um ein Novum handelt, da in der Regel solche Regelwidrigkeiten - wie von der AfD zweifellos begangen - erst nach der Wahl behandelt werden.
Da müssen Sie mir nicht irgendwas Ihrer Denke in den Mund legen...

Wolfgang Tröbner | Di, 20. August 2019 - 13:03

In reply to by Frederik Tröndlin

Es ist eben nicht geregelt, wie die Parteien die Listen zu erstellen haben. Lesen Sie doch einfach mal den Artikel "Parteienrechtlerin sieht Entscheidung über verkürzte AfD-Wahlliste kritisch", in dem der gewiss nicht AfD-freundliche Herr Kamann schreibt: " Denn die renommierte Parteienrechtlerin Sophie Schönberger von der Universität Düsseldorf hat durchaus Zweifel, dass die AfD-Liste wirklich auf nur 30 Kandidaten gekürzt werden kann. „Inhaltlich überzeugt mich das Urteil nicht so ganz“, sagte Schönberger WELT. Zwar sei es „gut und richtig“, dass die vom Ausschuss vorgenommene Kürzung auf 18 Kandidaten vom Gericht zurückgewiesen wurde. „Aber ich habe Zweifel“, so die Leiterin des Düsseldorfer Instituts für Deutsches und Internationales Parteienrecht, „ob die jetzt vorgenommene Kürzung auf nunmehr 30 Kandidaten wegen des Wechsels beim Wahlverfahren während der AfD-Parteitage rechtlich Bestand haben kann.“ Also keine Spur von rechter Hysterie!

Frau Schönberger äussert in dem betreffenden Welt-Interview lediglich, dass das Urteil sie inhaltlich "nicht so ganz" überzeugt. Sie begründet ihre Aussage u.A. damit, dass es sich bei der Entscheidung um ein "Novum" handelt - üblich ist es wohl eher, nach der Wahl zu prüfen. Das wiederum hätte möglicherweise zur Annullierung der Wahl und Neuwahl geführt - auf Kosten des Steuerzahlers.
Alle Parteien haben die gleichen Voraussetzungen zu erfüllen, sie sind durchweg an bestimmte Verfahren gebunden. Aber, Überraschung, lediglich die AfD ist betroffen. Wenn die es nicht schafft, Verfahren zu beachten, oder sie diese Verfahren nicht kennt, braucht die Partei offensichtlich Nachhilfe.

Ronald Lehmann | Di, 20. August 2019 - 13:55

In reply to by Frederik Tröndlin

Wer ist der dritte "Lachende"?
Lassen Sie sich nicht aufs Glatteis verführen & die meisten Töne sind die Grau-Töne & nicht die schwarz-weißen. Denn jede Betrachtungsweise ist relativ. Abhänig von den gemachten Erfahrungen (wie zB. Herr Nauck so treffend schrieb) & wie man im Familienbund aufgewachsen ist.
Hysterie ist keine Parteiaffinität, wenn auch im Extremistischen Lagern (links wie rechts) diese zu finden sind.
Wessen Geist der Herr Schwabe zählt, sieht man an diesen beiden Aussagen:
1.AFD=Lüge, die anderen sind die Wahrheit, wie zB. unser Frühlingsbote - ah ha. ÷(
2. WIR !!!! sind nicht auf die modernen Medien vorbereitet [ & ich dachte schon, es geht um Inhalte ;-) ]
3. Angst vor Fremden & ...im Osten nicht gelernt zu haben. Horch....
Entschuldigung, liebe Linke. Ich möchte aber selbst bestimmen, wer Gast in meinem Hause ist & wie lange. Und wenn man mich dann noch in die"rotbraunen Suppe" schmeißt, ...dicker Hals
ALLES ANDERE SEHE ICH ALS PERSÖNLICHE NÖTIGUNG!!!!
MFG

dieter schimanek | Di, 20. August 2019 - 10:37

Vera Lengsfeld ist Mitglied der CDU, nicht bei der AFD. Sie ist auch nicht für die AFD aktiv. Es ist die übliche Methode Kritiker zu diskreditieren. Wer nicht ins eigene Bild paßt ist bei der AFD und probagiert einfache Lösungen. Warum denn einfach, wenn es auch umständlich geht?

Sie haben Recht. Vera Lengsfeld ist zwar noch einfaches Mitglied der CDU. Als Initiatorin der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ und Autorin für die Junge Freiheit, Achse des Guten und Tichys Einblick sympathisiert sie jedoch offen mit Forderungen der neuen Rechten. Sie hat schon vor einer Rückkehr der „DDR 2.0“ gewarnt  und die „Schikane Andersdenkender“ kritisiert, bevor die AfD diese Terminologie für sich im Wahlkampf benutzt hat. 

 

Mit freundlichen Grüßen 

Cicero Online 

"... zwar noch einfaches Mitglied..."? Liebe online- Redaktion, Ihr Satz wäre sachlicher, wenn Sie auf das "zwar noch" verzichtet hätten. Achse des Guten und Tichys Einblick, Forderungen der neuen Rechten? Klingt für meine Ohren auch ein klein wenig wie "pfui Teufel", oder? Ich habe schon oft gefragt, wo geht politisch Rechts los und wo hört es auf, und was ist neu an diesen "neuen Rechten"?

Lieber Cicero,
wasch mich aber mach mich nicht nass, funktioniert nun mal nicht. Sobald im Cicero sachlich und objektiv über deutsche Politik geschrieben wird, ist das Ergebnis oft deckungsgleich mit der Achse des Guten oder Tichys Einblick. Was ist nun rechts, was ist neu? Das freie Denken? Oder ist der Begriff frei schon rechts oder gar neu.
Neulich traf ich mich mit einem Klassenkameraden, heute Rechtsanwalt. in der Schule fiel er stets mit vernünftigen, reflektierten Statements auf. Niemals, so sagte er, wäre er damals auf die Idee gekommen mit Vernunft und Kompetenz sich heute am Rand der Gesellschaft fühlen und sich als Rechter (immer gemeint rechtspopulistisch) beschimpfen lassen zu müssen. Also lieber Cicero, geh mal in Dich.

Die genannten alternativen Medien sind natürlich ein Stachel im Fleisch der Merkel Politik. Ich bin gespannt wann die CDU einen Parteiausschluß gegen eine Bundesverdienstkreuz Trägerin anstrengt. Das hat sie allerdings nicht von Steinmeier bekommen.

Liebe Cicero Redaktion,

die von Ihnen gemachten Einlassungen habe ich an Herrn Broder weitergeleitet. Diese sind völlig unnötig weil Sie sich selbst damit diskreditieren. Unterlassen Sie das bitte in Zukunft.

Herzlichen Dank,
Karsten-W. Paulsen

Chris Groll | Di, 20. August 2019 - 19:35

In reply to by Karsten Paulsen

Herr Paulsen, stimme Ihnen zu. Auch der Cicero und die NZZ wurden schon den "neuen Rechten" zugeordnet. Alles, was nicht stramm links ist, ist eben "Neurechts".

'Als ... Autorin für ... Achse des Guten und Tichys Einblick sympathisiert sie (Lengsfeld) ... offen mit Forderungen der neuen Rechten.'

Liebe Cicero-Redaktion, das ist nicht Ihr Ernst; oder ? Als Ostler bin ich betroffen und verletzt und von Ihnen auch persönlich enttäuscht. Wenn Sie ernsthaft der Meinung sind, daß schon eine Autorenschaft bei Tichys Einblick oder der Achse des Guten (Broder, Maxeiner, Wolfram Weimer, Cora Stephan, Sabine Drewes, 'Bürgerrechtler' Peter Grimm, Gunther Weißgerber (Ex-SPD), Chaim Noll) bedeutet, 'offen mit Forderungen der neuen Rechten zu sympathisieren' - dann bestätigen Sie das Gefühl, daß unser Deutschland der DDR immer ähnlicher wird. In der DDR waren Kirchgänger 'dumm' oder 'Feinde' - (ist mir mit 15 Jahren (!) persönlich so gesagt worden), wer DLF, BBC, RIAS oder RTL hörte, ließ sich 'von Feindsendern verhetzen' und war 'gegen den Frieden'. Heute wie damals geht und ging es darum, Menschen zu brandmarken: als dumm, schmutzig, verdorben und böse!

Vertreter der genannten "Medien" weilten vor kurzem auf einem "Medienkongreß" der AfD.
Da wurde ganz offensichtlich nach politischer Gefälligkeit ausgesucht.
Natürlich handelt es sich um "stramm rechte" Blätter - das wird beim Blick auf das Titelbild (TE) oder die Internetseite sogar jedem Blinden sofort klar.

Oder sollte der dort zu findende rechte Populismus plötzlich den "Mainstream" repräsentieren? Dann hätte der rechte Rand ja keinen Grund mehr zum Meckern.

Wilfried Düring | Di, 20. August 2019 - 16:36

In reply to by Gerhard Lenz

'Da wurde ganz offensichtlich nach politischer Gefälligkeit ausgesucht.'

Es gibt halt Veranstaltungen, wo die 'Aktivisten' gerne 'unter sich' sind. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der 'rechten Presse' oder 'rechten Szene'.
Als die Buchhändlerin Susanne Dagen von einer (öffentlichen) Verstaltung im Hause der (öffentlich geförderten) Kahane-Stiftung ausgeschlossen wurde, habe ich von Ihnen keine Kritik bzgl. 'nach politischer Gefälligkeit ausgesucht' gehört ... . Aber, die ist ja auch eine 'Rächtz-Populistin', mit der 'man nicht redet'.
Da darf 'man' das ...

Wie schwierig es ist miteinander zu reden (im Sinne von Aus-Tausch und Nach-Denken), zeigt unser Diskurs im Cicero.
Meistens argumentieren wir nebeneinander her ...

...wenn Sie meinen, Aktivisten sind gerne unter sich. Anders ausgedrückt: Ideologisch Gleichgesinnte bleiben gerne unter sich.

Und das war der Fall, als die genannten Medien - nebst anderen rechtsorientierten Blättern und Internetbetreibern - von der AfD zu einem "Kongreß" eingeladen wurde. Dieser wurde dann als Kongreß neutraler oder alternativer Medien in der Öffentlichkeit gepriesen - als wenn rechtes bis rechtsextremes Gedankengut unverfänglich wäre.
Tatsächlich wurde dort wohl mit "einer Stimme" gesprochen.

Was die Zugehörigkeit dieser Medien zum rechten Lager unterstreicht.

Herr Düring, ich kann, nein, ich muss Ihren Beitrag zu 100% unterstützen. Das verteufeln Andersdenkender ist in diesem Land furchtbar geworden. Woher nimmt die Online Redaktion die absolute Gewissheit, dass nur Ihre Meinung richtig ist und alle anderen Perspektiven zu Rechtsradikalen, Rassisten oder Faschisten passen? Bisher war Cicero pluralistisch. Soll hier ein Wandel hin zum Mainstreammedium eingeläutet werden? Es wäre sehr schade. Die meisten anderen überregionalen Zeitungen, egal ob Papier oder Online, könnten sich doch heute schon unter der Marke "Neues Deutschland" zusammenschließen. Spart Geld und Kosten. Im Fernsehen läuft auch schon ständig der schwarze Kanal. Ich hoffe Cicero überlegt es sich noch, beim Korpskonzert mit zu tröten.

Lengsfeld ist noch CDU, aber Ihre politischen Einstellungen sind bestens bekannt. Auch Maaßen ist noch CDU, Sarrazin noch SPD.

Und Hoecke und Kalbitz, beide AfD Spitzenfunktionäre, Westdeutsche, die für sich in Anspruch nehmen, die "Wende", mit der sie im Grunde gar nichts zu tun haben, zu vollenden.

Hauptsache, der anfällige Wähler glaubt's und schluckts....Aber es ist ja "für Deutschland".

Bettina Jung | Di, 20. August 2019 - 12:46

Ich bin zwar im Westen geboren und aufgewachsen, aber was sagt der Autor zu den von Links-Grün Ideologen genutzten Vokabeln: Hass, Hetze, Haltung, um nur einige zu nennen?

Urban Will | Di, 20. August 2019 - 13:27

Ich kenne einige Fälle, wo Menschen in der Tat Angst haben, sich zur AfD zu bekennen.
Soziale Netzwerke innerhalb meiner Firma (recht groß) rufen auf, AfD-Sympathisanten zu „melden“ und fordern offen, diese auszuschließen.
„DDR 2.0“ ist ein wenig überzogen, aber wer „überzieht“ denn nicht heutzutage?

Natürlich droht niemandem Knast oder staatlich angeordnete Gängelei, wenn er diese Partei wählt, aber die „Anti – AfD – Polemik“ ist definitiv überzogen und in vielen, historisch eher wenig bewanderten Köpfen spukt der Geist einer „neuen“ NSDAP.
Ich vergesse nie, als man mich fragte, wie ich denn eine Partei wählen könne, die meinen behinderten Sohn umbringen würde... Unfassbar.

Wenn Herr Schwabe fordert, dass man selber in eine Partei eintreten oder eine Initiative starten soll, um Dinge zu verändern, dann ist das etwas viel verlangt. Nicht jeder hat hierfür Zeit oder die Energie.

Es gibt genügend Parteien und man kann auch per Wahlzettel Dinge verändern.

dass man die Begründung, man sei nur in die SED eingetreten, um von innen etwas zu verändern, sehr oft nach der Wende von ehemaligen Mitgliedern dieser Partei hörte.

Kurt Walther | Di, 20. August 2019 - 13:39

Insgesamt ein schwierig zu bewertender Artikel von Herrn Uwe Schwabe. Die DDR-Bürgerrechtler stehen offenbar bei den Medien immer noch hoch im Kurs. Ihre Rolle zum Abgang der DDR wurde aus meiner Sicht immer überbewertet. Die Zeit war 1989 einfach reif. Wichtig: Die Panzer der Roten Armee blieben 1989/90 in den Kasernen. Die Ost-Deutschen stellten sich den neuen Verhältnissen ab 1990, nahmen viele Härten, auch manche Demütigung hin, wählten aber im Prinzip ähnlich wie die Westdeutschen. Es kam und kommt ja viel Hilfe aus dem Westen.
Seit 2010 gibt es jedoch in DE Tendenzen, die DDR-Bürger an vergangene Zeiten erinnern. Herr W. Nauk hat etliche davon oben beschrieben. Die AfD startete als Euro-Gegner, entwickelte sich zur einzigen wirklichen Oppositionspartei gegen alle großen Entscheidungen der GroKo. Fast alle Entscheidungen A. Merkels halte ich für falsch: Eurorettung, Energiewende, offene Grenzen / Flüchtlingspolitik, Sicherheit. Deshalb AfD am 1. Sept., klare Kante.

Monika Templin | Di, 20. August 2019 - 19:07

In reply to by Kurt Walther

Lieber Herr Walther, Ihren Kommentar finde ich einfach klasse, Sie sprechen bzw. schreiben mir aus dem Herzen. Kein Westdeutscher Mitbürger kann nachvollziehen, was die Menschen in der DDR und in der Wendezeit erlebt haben. Was es heißt, friedlich zu demonstrieren für eine bessere Zeit ohne Bevormundung und Gängelung. Und dass die AfD so großen Zuspruch erhält, liegt ganz allein am Politikversagen der jetzigen Regierung. Leider sind sie nach wie vor uneinsichtig - voran die Kanzlerin - einzugestehen, dass sie Fehler gemacht haben. Außerdem wäre es an der Zeit, die AfD an einer Regierungsbildung zu beteiligen. Wie will man sonst feststellen, ob sie einhalten kann, was sie verspricht. Zur Aussage des Herrn Schwab, die Ostdeutschen hätten Angst vor Ausländern, kann ich nur bemerken: auch in der DDR gab es Ausländer, die in den Betrieben arbeiteten, lernten und dann oftmals wieder in ihre Heimat zurückgegangen sind. Man hat kaum etwas Negatives von diesen "Ausländern" gehört.

Tomas Poth | Di, 20. August 2019 - 13:52

Glauben bestärkt: Der Staat muss meine Probleme lösen. -
Aber genau das ist doch rot-grüne Politik!
Sogar für alle beladenen dieser Welt. Wo bleibt die Eigenverantwortung?
Hat der Hr. Schwab hier etwas durcheinander bekommen?

Maria Fischer | Di, 20. August 2019 - 14:20

Wer interessiert sich für Höcke in der derzeitigen Diskussion zur Meinungsfreiheit in Deutschland?
Ich glaube die meistens interessieren sich in diesem Zusammenhang eher für Aussagen wie die von Herrn Tauber:
„Wer hier nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen.“,
politische Interessen vor Rechtsstaat, Gesinnungsethik vor Verantwortungsethik (siehe Steinmeier / NZZ «Der andere Blick»: Der hässliche Deutsche trägt keinen Stahlhelm mehr – er belehrt die Welt moralisch von Eric Gujer 5.7.2019)

Gerhard Lenz | Di, 20. August 2019 - 15:45

In reply to by Maria Fischer

...kann durchaus auch Hoecke heissen, und ebenfalls versuchen, "sein Volk" auf den rechten Weg zu führen.
Oder belehrt Herr Hoecke die Menschen nicht darüber, was richtig und falsch ist?

Natürlich kann er auch Hoecke heißen, oder Müller, Meier oder Frühling. Ich bin doch immer wieder erstaunt, dass so viele Menschen sich noch zu der sozialistisch/ kommunistischen Ideologie hingezogen fühlen. Lt. Aussagen des französischen Historikers Stéphane Courtois, ( er veröffnetliche "Das Schwarzbuch des Kommunismus am 6. November 1997, dem 80. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917, als erste weltweite Gesamtbilanz von 80 Jahren Kommunismus). Die von ihm recherchierte Gesamtopferzahl dieser Verbrechen bezifferte er mit 100 Millionen Menschen. (lt. Wikipedia) Also weiter so mit Sozialismus/Kommunismus.

Klaus Peitzmeier | Di, 20. August 2019 - 15:46

Als ich das Grundsatzprogramm (Kurzform) der AfD laß, habe ich an ganz vielen Stellen gedacht: genau meine Meinung. Programmatisch steht mir keine Partei näher. Was aber in dem Programm keine Erwähnung findet ist der Hinweis, daß Personen die den Hitlergruß zeigen, völkisch Hinterwäldlerisches Nazi-Gehabe pflegen, Judenhass u Rassismus verbreiten, durchaus in der AfD oder dessen Dunstkreis willkommen sind. Wähler, die ganz offensichtlich zur Wahl stehenden Neonazis ihre Stimme geben, machen sich schuldig. Diese Neonazis haben mit dem Grundsatzprogramm der AfD gar nichts zu tun. Eher mit dem der NSDAP. Die träumen ganz offen von 1933 u glauben an ihre erneute Chance. Wer die wählt, hat seine politische Unschuld für immer verwirkt und darf sich nicht wundern später als naiv, dumm und unbelehrbar gescholten zu werden. Egal ob in Ost o West. An ausreichender Aufklärung, was diese braunen Verbrecher anrichteten können, hat es nicht gelegen.

Die Radikalen sind tatsächlich ein Problem für die AFD .Kritiker differenzieren nicht die AFD wurde in Vergangenheit in den Medien und von Politikern anderer Parteien auf übelte weise angegriffen dies hat vor allem Junge AFD Anhänger radikalisiert.Wer mit Hass und Verachtung mit diesen Menschen umgegangen ist braucht sich nicht zu wundern wenn diese Menschen geradezu zur AFD getrieben werden.Die AFD ist keine Nazipartei sie ist eine Junge Partei wie damals die Grünen und die Linke die hatten viel Zulauf von Extremisten,der damalige Hessische Ministerpräsident wollte mit Dachlatten auf diese Leute einprügeln.Die AFD ist kein unerklärliches Phänomän sondern das Ergebnis einer Entwicklung in Deutschland die viele Menschen nicht wollen.Die Nazi und Rassistenkeule ist die schärfste Waffe der vermeintlichen Demokratieverteidiger

In aller Sachlichkeit, Herr Peitzmeier, natürlich will keiner Neonazis wählen, ich bestimmt nicht. Ist Höcke ein Neonazi? Das was ich von ihm gelesen habe (Nicht zweimal im selben Fluß, Hennig/ Höcke 2018), dort hat er zu den meisten politischen Fragen und Vorwürfen Stellung bezogen, läßt mich diese Frage verneinen. Bis auf einige für mich missverständliche Formulierungen im Zusammenhang mit dem, u.a. im Buch diskutierten Szenario des Zerfalls der Nationalstaaten (gallische Wehrdörfer, Beseitigung der Schutthalden der Moderne) konnte ich nichts finden, was sachlich mit der wissenschaftlichen Definition des Begriffes Nationalsozialismus beschrieben werden könnte. Höcke ist meiner Meinung nach ein nationalromantischer, ja, volksreligiöser Konservativer, der nicht frei von Eitelkeit und Geltungsbedürfnis ist. Das muss man nicht gut finden, aber eine Demokratie sollte das aushalten. Er wird aus Taktik von außer- und innerhalb der AFD zum gefährlichen rechten Popanz aufgeblasen.

Lieber Herr Keil, Herr Höcke äfft Adolf nach und Kalbitz Himmler. Sowohl äußerlich als auch sprachlich. Und die Aufmärsche am Kyffhäuser sollen doch 1:1 an Naziaufmärsche erinnern. Da machen die doch gar keinen Hehl draus. Mit ihren verniedlichenden Begriffen "Nationalromantiker" u "volksreligiöser Konservativer" kann ich überhaupt nichts anfangen.
Wer in erster Reihe mit allen bekannten Neonazis kuschelt und sich in keinster Weise von "Heil Hitler" Schreiern u Hitlergruß zeigenden Personen distanziert, ist für mich selbst ein Nazi. Und wer solche Leute wählt, macht sich nach meiner Meinung an der deutschen Vergangenheit u Zukunft schuldig. Deren Wahn hat uns das halbe Land u zig-Millionen Menschenleben gekostet. Wie kann man denen nur wieder die Spur einer Chance geben?

Petra Horn | Di, 20. August 2019 - 19:06

Nur weil wir noch nicht ganz zurück in der DDR sind, heißt nicht, daß wir nicht auf dem Weg dorthin sind.
Wehret den Anfängen!

Wolfgang Brauns | Mi, 21. August 2019 - 14:43

In reply to by Petra Horn

und richtig auf den Punkt gebracht, liebe Frau Horn!
Und das können in der Regel die "Zweisprachler" (also Menschen mit wenigstens einer teilweisen Ost-Biographie) einfach besser beurteilen. Merkt man in dieser speziellen Diskussion ganz deutlich.
Und wenn Menschen mit der "Gnade der späten Geburt" über die NS-Zeit reflektieren, ist das ohne Geschichtsstudium ohnehin "kalter Kaffee".

Gerhard Schwedes | Di, 20. August 2019 - 20:32

Aus Platzmangel beschränke ich mich auf die Hinterfragung der Metapher von der merkelschen BRD als DDR 2.0. Zu Anfang erst meine Hypothese: Was wir heute erleben, ist nur der modifizierte, ranzig gewordene Geist der 68-er. Als älteres Semester hatte ich das "Vergnügen", die 68-er hautnah mit all ihren Untugenden mitzuerleben. Konkrete plastische Beispiele: Hasserfülltes Niederbrüllen anderer Meinungen; Mikrofon aus der Hand reißen; Polizisten als Bullenschweine bezeichnen; klammheimliche Freude über den Mord an Schleyer äußern (eine Äußerung, die ich selbst von harmlosen Studenten vernommen habe); Verehrung von Massenmördern und Diktatoren wie Mao, Ho Chi Minh, Lenin und Trotzki; die DDR immerhin als den auf der Zick-Zack-Entwicklung hin zur Befeiung vom Kapitalismus fortschrittlicheren Staat betrachten; alle anders Gesinnten als Nazis oder zumindest als faschistoid bezeichnen usw. Als liberal denkender Mensch war ich damals in meinem studentischen Umfeld völlig diskriminiert (ff.)

Ganz vielen Dank Herr Schwedes! Ich fühle mich verstanden.
Und jetzt müssen wir versuchen, noch eine Frage zu beantworten.
Aus 'heutiger Sicht' war es nicht gut in der SED zu sein. Manche SED-ler waren ideologisch vernagelt; viele auch einfach opportunistisch.
Unterm Strich sollen sich Ostler nach 30 Jahren für eine - zugegeben nicht blütenweisse - 'Vergangenheit' rechtfertigen. Viele Ossis stinkt das an - obwohl sachliche Fragen mit dem Ziel 'zu verstehen' durchaus berechtigt sind.
Fragen an ehemalige 68-er halte ich für ebenso berechtigt (siehe ihr Text oben). Vom Cicero abgesehen, werden DIESE Fragen nirgendwo gestellt - schon gar nicht bei den 'Tages-Märchen' oder beim 'Zweiten Deutschen Fakesehen'. In der BRD konnte in Politik und Medien offenbar nichts werden, wer nicht 68-er war. Und wenn ich mir die rechtskonservative JF kaufe, warte(te)n auf mich Beiträge von Matthias Matussek und Bernd Rabehl etc. ... !
Ich kann verstehen, daß sich Ex-SED'ler da verarscht vorkommen.

Danke für Ihr Eingehen auf meinen Beitrag. Sie haben mir mit Ihrem indirekten Vergleich von Mitläufern und Mitgestaltern des DDR-Regimes und jenen, die in der BRD der Ideologie der 68-er gefolgt sind, eine neue Sichtweise erschlossen. Selbstverständlich lassen sich diese beiden Gruppen miteinander vergleichen. Nur konnten glücklicherweise die 68-er ihre verschrumpelten Ideen niemals in eine politische Wirklichkeit umsetzen. Hätten Sie es gekonnt, wären ihre Wahnideen nur in einer Diktatur möglich gewesen. Außerdem wäre die Wirtschaft der BRD blitzschnell in sich zusammengebrochen. Tröstlich, dass diese verirrten Wirrköpfe auch niemals eine Chance gehabt hätten, sich durchzusetzten, weder mit Gewalt - siehe RAF - noch über Wahlen. Die Arbeiterklasse, für die sie vorgaben, die Avantgarde zu sein, hätte ihnen jedenfalls kräftig die Köpfe geschoren. So ist es auch heute kein Zufall, dass sich hauptsächlich die Malocher vom heutigen Alt-68-er-Verschnitt der SPD angewidert abwenden.

Wolfgang Brauns | Mi, 21. August 2019 - 15:00

In reply to by Gerhard Schwedes

Lieber Herr Schwedes, Ihr Text zu den 68-ern ist eine gute Ergänzung der bisherigen Diskussion. Ich kann darin fast jede Aussage manchmal fast körperlich nachempfinden.
Völlig anderer Meinung bin ich aber über Ihre Ableitung ab: ...Nur konnten glücklicherweise die 68-er ihre verschrumpelten Ideen niemals in eine politische Wirklichkeit umsetzen...
Dazu muss man gar nicht auf den "Weg durch die Institutionen" verweisen, denn Sie schreiben ja vollkommen richtig: "...wären ihre Wahnideen nur in einer Diktatur möglich gewesen."
Und genau davor habe ich gegenwärtig echte Angst. Aber nicht Angst infolge einer Diktatur wegen AfD-Regierungsbeteiligung, sondern wegen der Fortsetzung der momentanen Entwicklung gerade ohne dieselbe.

Wilfried Düring | Mi, 21. August 2019 - 16:59

In reply to by Gerhard Schwedes

Bzgl. 'Anpassung' und 'Verweigerung' in der DDR würde ich gern eine Aussage von Roland Jahn (Bürgerrechtler und aktueller Chef der 'Gauck'-Behörde) mit Ihnen teilen. Zitat:
'Niemand war nur Rebell oder nur Angepasster. Oft war man beides in einem.'

Dazu sollte man folgenden Hintergrund kennen:
Jahn (geb. 1953) war Ende der 70-er und Anfang der 80-er ein 'Aktivist' der Opposition und extremer 'Rebell' in Jena. Mehrfach wegen politischer Vergehen inhaftiert und verurteilt, wurde er im Juni 1983 zwangs-ausgebürgert. Ab 1985 lebte er als Journalist und Publizist in West-Berlin und unterstützte von dort seine Kameraden der DDR-Bürgerrechtsbewegung.
Einen hohen Preis bezahlte Jahns Vater.
Walter Jahn war beim FC Carl-Zeiss Jena für die Nachwuchsarbeit verantwortlich und ein regionaler Fußballfunktionär. Weil er sich weigerte, sich von seinem Sohn - dem 'Republik-Feind' - 'zu distanzieren'; verlor er seine Arbeit, wurde überwacht und bespitzelt. Das war Sippenhaft ala DDR!

Ingo Kampf | Di, 20. August 2019 - 20:55

Ich weiß, daß viele Mitarbeiter der Polizei, der Arbeitsverwaltung und der Bundeswehr die AFD wählen werden, dies aber im Betrieb auf keinen Fall sagen. Jede Beamtenkarriere ist im Eimer, wenn man sich in der aktiven Zeit zur AfD bekennt.
Nicht durch staatlichen Zwang aber durch jahrelange Einstellpraxis in den Medien, insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien ist in den Redaktionen ein Linksdrall vorhanden.
Das wirkt natürlich. So ist es erstaunlich, daß die Vertreter der SED-Nachfolgepartei ein höheres Renommee haben, als die AFD. Aufgefallen ist mir das 2014 bei Maybritt Illner, die den sehr gebildeten Bernd Lucke immer und immer wieder in penetrantester Weise mit dem von ihm gebrauchten Begriff „entartet“ konfrontierte und ihm keine Chance ließ einen Gedanken zu Ende zu führen. Bartsch von der LINKE bekam Zeit und Ruhe. Klar Illner und er kamen aus dem gleichen SED-Stall. Lucke ist ja viel zu vornehm und keine Rampensau, sonst hätte er Illner fertig machen können.

Gerhard Schwedes | Di, 20. August 2019 - 21:06

Und heute? Heute erkenne ich Parallelen zu dieser Zeit, nur mit dem Unterschied, dass der von den 68-ern angekündigte Marsch durch die Institutionen offensichtlich gelungen scheint. Etliche der maßgeblichen Funktionsträger sind noch Altachtundsechziger oder deren Nachfolger. Viele von ihnen finden sich an den Unis, in den Gewerkschaften, in den Schulämtern, den Redaktionsstuben, den Kirchen und leider auch in der Politik. Die Zeiten haben sich natürlich geändert, der Ton hat sich etwas modifiziert und ist subtiler geworden, aber der alte rote oder in Grün gemauserte Geist ist dennoch geblieben. Man ist tendenziell immer noch antikapitalistisch, übt sich noch immer in Schwarz-Weiß-Malerei, gebraucht immer noch das inflationäre Vokabular der Nazi- und Faschismusbeschuldigungen, um den Gegner mundtot zu machen, ist noch immer auf dem linken Auge blind für die Linksradikalen, flunkert sich immer noch mit utopistischen Heilsformeln an den nackten Gegebenheiten der Realität vorbei. (ff.)

Gerhard Hecht | Mi, 21. August 2019 - 10:40

Früher gab es (60+70+80iger Jahre) im Fernsehen Diskussionen mit den Chefredakteuren der einzeln Sendeanstalten. Da waren einige ganz stramm links, andere, heute würde man die als stramm NAZI deklarieren. (WDR u. Radio Bremen links, BR + SFB rechts ). Das waren damals hoch interessante Diskussionen mit einem hohen intellektuellen Niveau von allen Seiten. Ein Genuss für den Zuschauer. So was gibt es heute nicht mehr. Eine einzige doofe Pampe wird uns vorgesetzt. Merkel ist der Nullpunkt des Koordinatensystems und rechts davon ist der Zahlenstrahl zu Ende. PUNKT

Gerhard Schwedes | Mi, 21. August 2019 - 10:40

Erst einmal meinen allergrößten Respekt für Ihre Zivilcourage in der damaligen DDR. Ein solches Verhalten vermögen nur starke Persönlichkeiten aufzubringen. Und ich weiß als Wessi nicht, ob ich den Mut dazu gefunden hätte.
Dazu bin ich dann doch ein viel zu großer Angsthase, der schnell um seine Unversehrtheit bangt. Ein Mitläufer wäre ich mit Sicherheit nicht gewesen, aber ängstlich weggeduckt hätte ich mich vermutlich schon. Man nennt so etwas wohl innere Migration. Nun aber zur Kritik an Ihnen. Sie verteufeln die AfD und wollen die Tatsache des goßen Zulaufs zu dieser Partei rein pathologisch und ökonomisch erklären. Das ist völlig daneben. Hätten Sie Ihre Argumentation richtig gewichtet, dann wäre es Ihre Pflicht gewesen, erst einmal mit der haarsträubenden Migrationspolitik einer haarsträubenden Kanzlerin zu beginnen. Wer sich genauer informiert, weiß, dass es in der AfD eine große Zahl aufrechter Demokraten gibt, die Kopf und Kragen für Ihre politischen Überzeugungen riskiert.

Bernd Muhlack | Mi, 21. August 2019 - 16:45

Immer wieder!
Ich kannte und kenne kaum jemand aus den "jungen Bundesländern" (Theo Waigel), hatte damit nie etwas zu tun, war auch nie "drüben".
Okay man kennt natürlich den ein oder anderen "Übergesiedelten".
Meine Frage: was soll an diesen Zeitgenossen, diesem unserem Landesteil "anders" sein, dass es gar eines Ostbeauftragten, so eine Art Betreuer oder Fürsorger, Anleiter braucht?
Ich begreife es schlicht nicht!

Wenn ich einem meiner Mitarbeiter quasi täglich sage: "du kannst es einfach nicht, du bist blöd und hast falsche Ansichten" dann ist das wie eine self-fullfilling prophecy, isnt´it?
Dann hält er sich eben eines Tages wirklich für unnütz und störend, nicht akzeptiert!

Abschließend: nach den Wahlen wird es erst so richtig krass werden!
Dann ist die allseits herbeigeredete, fast gewünschte Spaltung nämlich amtlich dokumentiert!
Es gibt nur EIN Deutschland!
Hoffentlich kriegen WIR noch die Kurve!

Hubert Sieweke | Mi, 21. August 2019 - 17:27

Lieber Herr Lenz, versuchen Sie doch bitte, die AFD aus eigener Anschauung und Erfahrung zu beurteilen und nicht aus zusammengeschnippelten Kritiken der Tagespresse.
Natürlich sehen die bisherigen Parteien die AFD als ihren Feind an, der ihnen Mandate, Pfründe, Jobs - die eigentlichen Triebfedern jedes Politikers - und vieles mehr wegnimmt. Die vielen Ausgrenzungen und Beleidigungen seitens der Linken, der Antifa und vieler "etablierter" Politiker führen weiterhin nicht zum Erfolg. Der Bürger ist schlauer, denn er erinnert sich gut an die CDU 2010 und früher, deren Programm die AFD nun auflegt und er erinnert auch die DDR, deren Stasis heute noch immer Unwesen treiben.
Politische Mitgestaltung der AFD - dazu wird es kommen, wetten? - wird gerade nicht zur DDR 2,0 kommen, denn dahin führen uns die vielen Koalitionen.
Die Haudrauf Argumente und die Stigmatisierungen einzelner Personen - zufällig die Spitzenkandidaten in den Wahlländern - sind doch primitiv und für dumme Wähler.

Hans Schäfer | Mi, 21. August 2019 - 17:50

Werter Herr Lenz,

Hass macht nicht nur hässlich, er trübt auch die Wahrnehmung. Beim lesen Ihrer Kommentare muss ich feststellen, dass Sie nicht in der Lage sind hassfrei zu diskutieren.

Wenn ein Hoecke sein Volk belehren will was richtig und falsch ist, wollen Sie Andere belehren welche Partei die richtige bzw. falsche ist. Sie werfen AfD`lern vor persönlich zu werden wenn es um "politischen Streit" gehtund merken nicht, dass Sie ohne auf den politischen Streit einzugehen PERSÖLICH werden. Jede Medaille hat zwei Seiten bei Ihnen nur eine Negarive. Dass widerspricht meiner Lebenserfahrung und hängt wohl mit der Trübung der Wahrnehmung zusammen. Aber Wahrscheinlich sprechen Sie mir jetzt eine Lebenserfahrung ab.
Nichts für ungut! In vielen Dingen haben Sie "Meiner subjektiven Meinung nach" recht. Aber nicht in ALLEN!!!!