New York Times über Angela Merkel - Warum die Kanzlerin gehen muss

Ein Kolumnist der „New York Times“ bezeichnet Angela Merkel als „Wirrkopf“ und stuft sie als Risiko für Europa ein. Brexit, Asylkrise und Aufstieg der Anti-Demokraten: Zu viel stehe auf dem Spiel

Angela Merkel
Angela Merkel: Teil der Lösung oder Teil des Problems? / picture alliance

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Noch vor nicht allzu langer Zeit machte die New York Times Angela Merkel zur „Anführerin der freien Welt“. Jetzt fordert Kolumnist Bret Stephens in derselben Zeitung offen ihren Rücktritt. Es sei das Versagen der Kanzlerin, dass sie aufgehört habe, konservativ zu sein. Noch immer gelte sie unter ihren Bewunderern als Europas „last lion“, also als letzte Löwin, doch eingehen in die Geschichte könnte sie als Europas „unwissende Zerstörerin“. Wie Stephens zu diesem Schluss gelangt und was getan werden muss, um die EU zu retten, erfahren Sie in seinem lesenswerten Kommentar.

Mit unseren „Fundstücken“ wollen wir in loser Folge auf außergewöhnliche Standpunkte aus dem Netz und anderswo hinweisen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 13. Juli 2018 - 12:18

kluge Männer.
Vielleicht begreift Stephens so langsam, wie man wieder zu verlässlicher Politik zwischen den USA und Europa zurückkommen kann.
Man sollte tunlichst keinen Umweg über die DDR machen und sich einmal überlegen, was die Liebe von Hillary Clinton zu Merkel wohl bedeuten kann.
Trump ist meines Erachtens nicht die größte Gefahr für die USA.
Die USA sollten eine verfasste politische Gesellschaft bleiben und damit berechenbarer für Europa.
Putin steht für genau das in Russland.
EUROPA IST SOUVERÄN.
Did You get it, both of You?

Hallo Frau Sehrt-Irrek,

ich unterstreiche jedes Wort Ihres Kommentars.
Hätte Clinton (auch nicht der beste Charakter!)
gewonnen, wir stünden auf einer anderen Art und
Weise schlecht da. Die Vorstellung Clinton + May+
Merkel in einem Boot, wäre für mich das perfekte
"Trio Infernal" gewesen.
LbG. Brigitte Simon

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 13. Juli 2018 - 12:29

noch eine Scheibe von abschneiden?
Trump hat entschieden zuwenig von solchen Leuten um sich.
Berater in international affairs wäre etwas für Herrn Stephens.
Warum nicht gleich zur UNO?
Die wird immer wichtiger.

Bernd Wollmann | Fr, 13. Juli 2018 - 12:43

Merkel stand noch nie für irgendwas, außer für ihren Machterhalt. Sie hat aus einer (auch) konservativen Partei ein Merkelwahlverein gemacht. In der grünen Wählerschaft hat sie die größte Unterstützung, das sagt doch alles...

Sie haben Recht Herr Wollmann. Merkel stand immer nur für sich.
Kohl war katholisch, konservativ aus Überzeugung. Ergo zeigte sie
sich für Kohl und Karriere streng konservativ und verleugnete ihre
"Linkslastigkeit" der DDR-Herkunft. Sie entledigte Kohl, sie entle-
digte den Konservatismus, das Rückgrat Deutschlands.
Was machte sie aus Deutschland? Einen linksgrünen Dschungel.
Einen Dschungel, der uns umschlingt, erdrückt. Wir kennen keinen
Ausweg. Ein Deutschland u n t e r Merkel ist kein Ausweg.

Hauke Zumstrull | Fr, 13. Juli 2018 - 12:46

Ein Kanzler oder eine Kanzlerin die freiwillig abtritt, nicht in Deutschland. Adenauer, Erhard, Schmidt, Kohl, Schröder. Alle mussten gezwungen werden zu gehen, Brandt war ne halbe Ausnahme, aber auch er musste sich davor zwei Jahre Gehässigkeiten aus der SPD gefallen lassen.
Ein Rücktritt Merkels ist und bleibt ein Traum des konservativen Deutschlands.

Ich stimme Ihnen ja zu Herr Zumstrull, nur wären die von Ihnen genannten Kanzler m. E. alle zurückgetreten, hätten sie derart hohe Wählerstimmenverluste erzeugt.

Darin sehe ich genau die UNart Merkels.

Die sagte ja dazu: " Ich wüsste nicht was ich anders hätte machen sollen".

Nur weil sie sämtliche ernsthaften Mitbewerber um die Kanzlerschaft "entsorgt" hat, ist niemand da, der sie zum Abtreten zwingt. Und das nutzt sie eben aus.

Macht hat sie kaum noch. Das weiß sie m. E. auch. Nur weiß sie eben auch, dass die anderen noch viel schwächer sind als sie.
Und über die GRÜNEN holt sie sich ihr positives Feedback. Wähnt sich der Gunst "vieler" Wähler. Was für ein Märchen aber auch fatales Desaster für unser Land, dass die Medien (selbst oft derart politisch gefärbt) dies weiterhin befeuern.

Woher sonst kommt es denn, dass man kaum kritische Stimmen gegen die BK liest und hört.

Norbert Heyer | Fr, 13. Juli 2018 - 13:31

Niemand hat es besser verstanden, alle Wendungen in der Politik derartig für sich zu nutzen, wie Frau Merkel. Auf der Strecke dabei ist geblieben die CDU, die SPD und die Rechtsstaatlichkeit. Griechenlandrettung, Eurorettung, Bürgschaften und Rettungsschirme, Target-Konten, Energiewende und als Sahnehäubchen die Flüchtlingskrise. Mit allen Staaten haben wir es uns verscherzt - nach ja, vielleicht nicht mit Luxemburg. Kaum ein Politiker hatte jemals eine derart katastrophale Bilanz seines politischen Lebens vorzuweisen. Wenn nach dem großen Knall der Pulverrauch dann verzogen ist, werden sich alle Mitläufer und Befürworter ihrer Politik äußern müssen, das wird bestimmt sehr spannend. Frau Merkel hat uns in eine gefährliche Situation gebracht, hoffentlich geht das noch glimpflich aus.

Ich behaupte: NEIN!

Die Schäden sind j e t z t bereits immens.
Da kann von "glimpflich" schon lange keine Rede mehr sein.
Zerstörte Gebäude lassen sich wieder aufbauen, Wohlstand läßt sich mit
eisernem Willen und viel Fleiß neu erwerben, aber eine total veränderte
Gesellschaft ist nicht rückgängig zu machen. Da brauchte man dann schon einen
Diktator für. In unserer Demokratie ist der Zug nun einmal in die falsche Richtung abgefahren, und nicht einmal ein Halt (striktes: STOP!) ist offenbar durch Neuwahlen möglich. Von einem Wendemanöver ganz zu schweigen.

Das Reiseziel (= eine vermischte Gesellschaft ohne einheitliches Selbstbewußtsein/Identität in einem zentral regierten Europa) liegt nicht mehr fern - jedenfalls, was Deutschland anbetrifft. Die Deutschen in ihrer Mehrheit
haben dies so gewollt oder sie waren zu dumm, das Ziel zu erkennen,
was ich eher vermute.
Sie schaffen sich selber ab - wie Sarrazin es zutreffend ausgedrückt hat.

mit wem und in welcher Zeit, sollte jedenfalls nicht jetzt schon von Frau Merkel für die nächsten Jahrhunderte festgezurrt werden.
Eine Demokrate funktioniert nicht als Planwirtschaft von oben, auch ncht in religiösen Fragen oder als Ergebnis einseitiger moralischer Nötigung.
Frau Merkel hat sicher immer innerhalb irgendwelcher Beschlüsse bewegt, ohne sie aber zu benennen oder ihre Konfliktzonen zu beachten.
"Sie kann also Karten lesen und roadmaps verinnerlichen", ein Händchen für Politik hat sie nicht.

Fleiß, Pünktlichkeit, Akkuratesse, Erfindergeist, Ordnungsliebe und Gestaltungswille sind nach meiner Beobachtung in der heutigen jungen Generation - auch bei deinen Jugendlichen - nicht mehr in dem Maße verbreitet wie in früheren Jahren. Es zeigt sich immer wieder, dass schlechte Beispiele die guten Sitten verderben.

Dimitri Gales | Fr, 13. Juli 2018 - 15:44

das trifft den Nagel auf den Kopf. Auch in der Migrantenfrage hat Merkel 2015 eigenmächtig gehandelt, wo doch gerade dieses für Deutschland und Europa schwerwiegende, einschneidende Ereignis Voraussicht und Verantwortungsgefühl brauchte. Merkel must go, das ist für meine Umgebung und mich alternativlos. Dass es sich bei den "mandarins in Brussels" um "sleepwalker" handelt, glaube ich nicht. Wer die Interessengeflechte in Brüssel-Europa und insbesondere im Europa-Palast kennt, weiss, dass da um knallharte Interessensphären geht, persönliche Interessen wie lobbybezogene. Allerdings gibt es dort auch eine Masse bürgerferner technokratischer Theoretiker.

Jacqueline Gafner | Fr, 13. Juli 2018 - 16:24

Das Erfrischende an US-Medien - oder zumindest am Merkel-kritischen Kommentar von Bret Stevens in der "New York Times" - ist, dass man noch vor dem Lesen eines Artikels erfährt, womit man es zu tun hat. Da stellt sich einer direkt unter der fett ausgefertigten Schlagzeile mit Namen und Funktion vor, und das unzweideutig: "Opinion Columnist". Wann hätte man so etwas schon je in einem x-beliebigen europäischen Medium gesehen? Zwar verstehen sich die meisten hiesigen Medienschaffenden durchaus auch als Meinungsmacher, doch schwarz auf weiss würden sie das nie transparent machen. Wo käme man auch hin, hätte man nicht den Anspruch, die Wahrheit und nichts als die Prawda zu verkünden, so man das geneigte Publikum auf die richtige Spur führen möchte? Die Meinung von Bret Stevens zur "Causa Merkel" kann man teilen, oder auch nicht. Er präsentiert seine Sicht der Dinge, begründet sie und überlässt es dem Urteil der Leserschaft, ob sie überzeugt oder nicht. Glückliches Amerika, meine ich dazu.

Meine Zweifel, ob Merkels Abgang irgendwas erledigt sind gross. Das sie geht, scheint wohl längst entschieden. Nur der Zeitpunkt steht in den Sternen.
Schröder hat letztlich diskutiert, wer es machen könnte. Diese Diskussion in Cicero wäre doch interessant.

Mathias Trostdorf | Fr, 13. Juli 2018 - 21:13

Ich fändees wirklich spannend zu erfahren, ob Merkel inzwischen ihre gravierenden Fehler, insbesondere ihre für mich nicht nachzuvollziehende Einladung an die Welt, nach Europa zu kommen, eingesehn hat, und nur nicht weiß, wie sie ohne Gesichtsverlust da wieder rauskommt.
Oder ob sie (und ihre Strippenzieherlnnen) doch beharrlich einen großen- für mich nicht zu durchschaubaren- Plan verfolgt, und immer weiter großen Schaden zu Lasten der westeuropäischen Gesellschaften anrichten wird.

Christoph Ernst | Fr, 13. Juli 2018 - 23:11

Stephens ist sehr sanft in seinem Urteil über Merkel. Zudem ordnet er ihre zerstörerische Migrationspolitik wohlwollend als "humanitär" ein. Das tue ich nicht mehr.
Vor Merkel ist es noch keinem deutschen Kanzler gelungen, in Friedenszeiten so viel nachhaltigen Schaden für das Land und seine Nachbarn zu anzurichten.
Ich halte ihre Bilanz für verheerend.

Rob Schuberth | Sa, 14. Juli 2018 - 13:12

Leider traut sich in unseren sogn. Leit-Medien niemand zu diesem richtigen Fazit.
Und selbst wenn (wer weiß schon was gedacht wird), so wird es doch nicht gedruckt..leider.

Aber immerhin haben wir dank CICERO eine ehrbare Ausnahme.

Schade, dass es den meisten von uns nicht möglich sein wird, nachzulesen, wie Historiker diese Zeit, in z. B. 50 Jahren, bewerten werden.

Dirk Nowotsch | So, 15. Juli 2018 - 16:12

Ich empfinde Frau Merkel, gegenüber Trump, als das kleinere Übel! (In puncto Zerstörung) Auch wenn ich Sie nicht gewählt habe, erkenne ich die demokratische Wahl an, die zu einer erneuten Kanzlerschaft geführt hat. Eine tragfähige Mehrheit der deutschen Bevölkerung, hat wieder die GroKo gewählt! Frage an den vermeintlichen Ammi da oben in den Kommentaren: Wurde Trump auch mit einer echten Mehrheit und einer demokratischen Wahl ins Amt berufen? Daher mein Tip: Um die Welt besser zu machen, muss Trump gehen! Greetings

Alexander Mazurek | So, 15. Juli 2018 - 22:53

… und morgen etwas anderes. Die NYT hat in einem Artikel vom 12.11.2016 Merkel als "letzte Verteidigerin des liberalen Europa" gefeiert. Am 5.12.2018 dann "Merkel must go". Warum nur? Die Frau mit ihren Grünen Leibwächtern ist doch so was von liberal, wie die NYT und inzwischen auch Washington comPost.

Romuald Veselic | Mo, 16. Juli 2018 - 08:51

Keiner kann Prophet sein in seinem eigenen Haus.