Lange Schlange vor der Münchner Tafel / dpa

Gender Pension Gap - Armut bei Renteneintritt

Trotz gleichstellungspolitischer Reformen haben sich die grundsätzlichen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern nicht zu Gunsten von erwerbstätigen Frauen geändert. In der Folge sind Frauen weit häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Was tun?

Autoreninfo

Ilgin Seren Evisen schreibt als freiberufliche Journalistin über die politischen Entwicklungen in der Türkei und im Nahen Osten sowie über tagesaktuelle Politik in Deutschland. 

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Am Ende eines langen Erwerbslebens freuen sich viele auf die Rentenzeit. Eine Zeit, in der sie reisen, ihre Enkelkinder häufiger sehen, unbeschwert ihren Hobbys nachgehen können – kurzum: darauf, das nachzuholen, wofür sie im  Arbeitsalltag keine oder nur wenig Zeit hatten. Doch viele dieser Träume scheitern für zahlreiche Senioren an einer zu geringen Rente, die häufig nicht ausreicht, um den aus der Erwerbszeit gewohnten Lebensstandard zu finanzieren.

Besonders hart trifft es häufig Rentnerinnen in Westdeutschland, die im Gegensatz zu ostdeutschen Frauen nur Teilzeitbeschäftigungen nachgingen und daher geringere Rentenansprüche haben. Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2021 lag die durchschnittliche Altersrente von Frauen bei circa 807 Euro, bei Männern betrug sie 1227 Euro. Somit bekamen Rentnerinnen im Durchschnitt nur zwei Drittel von dem, was Rentner an Altersrente bezogen. 

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Hans Jürgen Wienroth | Do., 19. Januar 2023 - 14:18

Die Gleichstellung ist erst abgeschlossen, wenn auch die Männer Kinder gebären können und wir sind Dank Ampel auf gutem Weg dorthin.
Ansonsten scheint der Vermehrungsvorgang ausschließlich zu erfolgen, um dem Staat in nächster Generation Steuerzahler zu bringen. Ein rein wirtschaftlicher Vorgang. Das sich Eltern um die Kinder kümmern, sie betreuen, ihnen Geborgenheit, Liebe und Wärme gerade in der ersten Zeit des Lebens zu geben, das scheint unmodern. Moderne Eltern geben den Nachwuchs morgens in der staatl. Betreuung ab und holen sie nach ihrem 8 h Job dort ab, um sie ins Bettchen zu legen.
Wir wundern uns, dass Kinder wenig Empathie mitbringen und ggf. zu Gewalt neigen, dass es Ihnen an Gemeinsinn mangelt? Warum sind die „Familienbande“ in Kulturkreisen, über die die Autorin noch berichtet, viel intensiver? Ist dort der Full-Time-Job bei Frauen auch üblich?
Vielleicht gibt es andere Lösungen für das Einkommensproblem des Staates als die Abschaffung der Steuerklasse V.

Scheinbar ist es nicht gewollt, das Mütter oder auch Väter zu Hause bleiben, Kinder erziehen und sich um Familie kümmern. Deren Einsatz zu Hause wird und wurde nie ausreichend honoriert, sondern wenn sie ins Rentenalter kommen, mit deutlich weniger Rente auch noch bestraft. Es mag ja die Zeit gegeben haben, wo Frauen zu Hause blieben, die Kinder in die Kita brachten und den Morgen genossen beim Tennis spielen. Das fand aber nur dort statt, wo der Mann ordentlich, um nicht zu sagen viel Geld verdiente. Die meisten Frauen blieben deshalb zu Hause, weil sie dort 24/7 den "Laden" schmissen. Putzen, Kochen, Bügeln, Einkaufen u.v.m. Ein Vollzeitjob, den die heutigen grünen Feministinnen nicht kennen, allenfalls noch selbst als Kinder erfahren durften. Inzwischen müssen beide arbeiten gehen, weil ein Alleinverdienst nicht reicht. Da hätte man viel früher ansetzen müssen und einen Ausgleich im Alter gerade für die zu Hause gebliebenen Frauen schaffen müssen.

Woran liegt es, dass uns EIN Einkommen für den Familienunterhalt nicht mehr genügt? Warum schaffen es die Familien mit Migrationshintergrund, warum gelingt es in anderen Ländern? Das hat sicher mit unserem Anspruch zu tun, damit dass uns ein Urlaub nicht reicht. Es ist auch ein Problem unserer schrumpfenden Gesellschaft, vielleicht auch nur der „Werktätigen“ oder Gehaltshöhe. Nur: Welche Familie will ein Kind groß ziehen, um das sich andere kümmern?
Zum anderen ist es unser raffgieriger Staat, der uns immer mehr Geld abnimmt, um es (oder einem Teil) über Wohltaten zurückzugeben. Nehmen wir die Kosten für die Kinderbetreuung von Gebäude über Nebenkosten und Lohn der Erzieherinnen. Letzteres mit Steuern, Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Da kommt schon etwas für den Staat (der wir alle sind) zusammen.
Auf der anderen Seite: Warum reichte früher eine Rente für Zwei, warum hatten manche Witwen (mit eigener Rente) sehr viel Geld zum Leben? Warum gibt es so wenig Rente (max. 48%?)?

Enka Hein | Do., 19. Januar 2023 - 14:36

...als F,I,Gr und andere.
Andere gehen früher in Rente und haben auch noch mehr.
Österreich steht auch besser da.
Man hatte auch Mal die politischen Verursacher nennen müssen. An erster Stelle die SPD.
Unter deren Ägide wurde die BU Rente, gerade für die jüngere Generation rapide gekürzt.
Die Rente wurde immer mehr eingedampft, auch unter abnicken der Gewerkschaften.
Aber Hauptsache deren oberen Akteuren sind bestens versorgt.
Riester und Rürup waren Geldvernichtungsmaschinen.
Politisch gewollt von links.
Aber das hat vermutlich auch damit zu tun das die Lobbyarbeit der Versicherungswirtschaft auf völlige Analphabeten der Ökonomie in der Politik trifft.
Da sieht es nicht besser aus, wie in den Schulen.
Abiturienten können nicht Mal einen CV schreiben, geschweige Ökonomisches Verständnis aufbringen.
Gendern ist ja wichtiger. Auch wieder von SPD gefördert.
Außerdem ist es linkspolitisch gewollt.
Blödheit verwaltet sich besser.
Dank SPD und Grünen Vollversagern.
1000 Zeichen Zuwenig.

Maximilian Müller | Do., 19. Januar 2023 - 16:35

Ich kann es nur immer wieder betonen: Gleichstellung ist das GEGENTEIL von Gleichberechtigung. Wenn Frau das Gleiche bekommt, obwohl sie unterschiedliches arbeitet, ist das Sexismus pur. Insofern verstehe ich auch nicht, weshalb die weibliche Wahl der Teilzeitarbeit (und der damit einhergehende bequeme Lebensstil) im Rentenalter plötzlich unfair sein sollte und ausgeglichenwerden muss. Das ist eine bewusste Wahl: Weniger Arbeit, mehr Freizeit, weniger Rente. Wer gibt den Männern denn die Lebenszeit zurück, die sie mit schweren Arbeiten verbracht haben? Richtig, niemand. Ich bin der Überzeugung, dass irgendwer mal anfangen muss, der Opfer- und Selbstbedienungsmentalität der Feministen einen Riegel vorzuschieben. Feminismus ist (höflich gesagt) schlecht und der Fluch der westlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Wer anderes behauptet, versteht ihn nicht.

Birgit | Do., 19. Januar 2023 - 17:29

Antwort auf von Maximilian Müller

Ständig werden auxh bei diesem Thema Äpfel mit Birnen verglichen.
Die hiesige Rentenanwartschaft beruht nun einmal auf Beitragszahlungen im Rahmen einer sozislversicherungspflichtigen Arbeit oder auf freiwilligen Beitragszahlungen. Warum soll es ungerecht sein, wenn Frauen solches nicht oder nur in geringem Umfang tun? Warum.l.entieren, wenn zahllose Frsuen das 450 Euro Modell bevorzugen unter genauer Kenntnis der Folgen und der Gesetzgeber das auch millionenfach zulässt?

Im Übrigen ist es ein Märchen, dass Frauen nur wegen fehlender Kinderbetreuung Teilzeit oder gar nicht arbeiten! Sie wollen es so! Man braucht schließlich neben dennKindern auch Zeit für das Fitnessstudio, den Friseur, das Shoppen und das Nagelstudio. Und auch zum chillen mit den Freunden. Ich kenne jede Menge davon, die denken im Traum nicht an Vollzeit Arbeit.

Norbert B. | Do., 19. Januar 2023 - 22:45

Keine Steuerklasse hat Einfluss auf Größe der Sozialabgaben, also kein Einfluss auf die Höhe der Rente.
In z.B. Steuerklasse V werden erst mal verschieden hohe Steuern, nicht Sozialabgaben, abgezogen, um bei der Jahressteuererklärung die korrekte Steuer festzustellen.
Leider wird gerne von Wahlkämpfern, wie ich selbst bei einer SPDveranstaltung erlebt habe, ein falscher Eindruck erweckt, dass das vom Steuersplitting verursacht wird.

Albert Josef Schultheis | Fr., 20. Januar 2023 - 13:15

Warum erklärt sich eine benachteiligte Frau nicht einfach zum Mann? Dann wären doch alle Probleme aufgehoben. Männer werden ja auch über Nacht zur Frau und greifen alle Vorzuge und Privilegien des Frauseins ab. Das dürfte doch heute kein Thema mehr sein. Man kann sogar sein Geschlecht mehrmals am Tag ändern, wie wir gerade erfahren haben, je nach Lage der Privilegien, die es gilt abzugreifen. Fragen Sie im Familienministerium nach, bei Frau Paus! Früher hatte der Staat einmal die Aufgabe, die verletzlichste und gleicherweise wichtigste Urzelle des Staates und der Gesellschaft, sprich: die Familie, zu schützen und zu unterstützen. Deshalb war auch der Stand der Ehe in der Gesellschaft besonders geschützt, weil dort zwei heterosexuelle Menschen sich zusammengefunden hatten mit der Absicht, eine Familie zu gründen - mit allen Risiken, Sorgen, Ängsten und Freuden. Und besonders zu schützen war die Frau, die Mutter und insbesondere eine Schwangere. Ich weiß, das klingt Nazi - aber so war's!