Christian Olearius
Christian Olearius war lange Zeit in Hamburg ein einflussreicher Mann / dpa

Christian Olearius - Der Schatten des Kanzlers

Am Freitag tagt der parlamentarische Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft zur Cum-Ex-Affäre in Hamburg. Eine Schlüsselfunktion bei der Aufklärung kommt den Tagebucheinträgen des Warburg-Bankiers Christian Olearius zu. Er galt an der Elbe als einflussreiche Persönlichkeit, weshalb auch Olaf Scholz wiederholt seine Nähe suchte. Die Treffen allerdings verschwieg er.

Ulrich Thiele

Autoreninfo

Ulrich Thiele ist Redaktionsmitglied bei Cicero und lebt in Hamburg. Auf Twitter ist er als @ul_thi zu finden. Threema-ID: 82PEBDW9

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Christian Olearius schreibt Tagebuch, schon seit Jahrzehnten. Nahezu jeden Abend setzt sich der Bankier hin und hält in krakeliger Handschrift die Ereignisse des Tages fest. Akribisch notiert er in den mit schwarzem Leder eingeschlagenen Kladden, deren Vorderseite die Initialen CO zieren, private und berufliche Details.

Der Eindruck liegt nahe, dass der langjährige Mitinhaber der Warburg Bank, Hamburgs ältester Privatbank, seinem Leben eine Thomas-Mann-hafte Bedeutungsschwere zuschreiben will. Bedeutungsschwer sind die Tagebücher in der Tat – allerdings wegen ihrer Schlüsselfunktion in jener Steueraffäre, die den Kanzler in Bedrängnis bringt. Wer ist der Mann, dessen Name auftaucht, wenn von Olaf Scholz’ Verstrickung in den Cum-Ex-Skandal die Rede ist?

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Manfred Bühring | Fr., 16. September 2022 - 11:26

Der Cicero kann sich noch so abmühen; gegen einen Politiker mit soviel weggrinsenden Erinnerungslücken, der damit selbst ex Kanzler Kohl in den Schatten stellt, ist das vergebliche Mühe. In früheren Zeiten, als noch Anstand bei Politikern herrschte, wäre ein Rücktritt obligatorisch gewesen. Das Problem der SPD wäre allerdings in dem Fall, wer es dann richten sollte. Also Augen zu und durch.

Christa Wallau | Fr., 16. September 2022 - 12:16

seine Mitmenschen herabblickt" ...
Herr Olearius befindet sich da in bester Gesellschaft.
Als ob die meisten Politiker, Manager, Medienbosse usw. anders wären!!!

Natürlich hüten sie sich, ihre Verachtung offen zu zeigen. Im Gegenteil: Sie überschlagen sich darin, immer wieder zu beteuern, daß es ihnen ausschließlich um das Wohl ihrer Mitbüger geht, die sie alle im Auge haben, jeden Einzelnen von ihnen, besonders die weniger Begünstigten.

Ab und zu aber brechen ihre wahren Gefühle aus ihnen heraus und sie verlieren ihre Maske.
Dann erfährt man, was sie wirklich vom gemeinen Volk halten. Begiffe wie "Pack" und
"Schädlinge" stehen dann auf einmal im Raum. Und sie rüsten sich durch frühzeitige Ankündigungen, daß sie im Zweifelsfall mit Polizeigewalt gegen das Pack, welches aus "Aufwieglern, Demokratiefeinden, Idioten und Nazis" besteht, in aller Härte vorgehen wird.

Ach ja, Herr Olearius, Sie und Herr Scholz sind eben ein Kaliber! Deshalb klappte das so gut mit Ihrer Verständigung.

Heinz Erhard würde zum heutigen Auftritt des parlamentarischen Untersuch-ungsausschuß der Bürgerschaft zur Cum-Ex-Affäre einfach sagen: "Und noch
ein Witz (orig. Gedicht). Wir erleben eine Justiz ohne Gedächtnis ganz im Ge-schmack Scholzen´s.

"Was darf vom Auftritt im Untersuchungsausschuß erwartet werden" fragt sich LTO Legal Tribune in einem Gastbeitrag von Dr. Max Schwerdtfeger, Strafvertei-
diger Hamburg. Vielleicht, vielleicht wird der Auftritt schöner als der verregnete Wies´nbeginn in München.
Ein wunderschönes Wochenende,
Ihre Brigitte Simon

Christopher Jahn | Fr., 16. September 2022 - 13:05

Sollte die Affäre Scholz um sein Amt bringen, wäre es keineswegs schade um diesen durch und durch überforderten Kanzler, zumal er dann auch noch zusätzlich eines absoluten Mangels an cahrakterlicher Eignung überführt wäre.

Sollte DIESE Affäre wenigstens
dazu führen, das Gedächtnis von O.S. aufzufrischen,
ob er bei dem sicher unprotokollierten Gespräch mit Putin zusicherte, die Waffenlieferungen an die Ukraine zumindest zu verzögern,

so wäre uns zumindest doch schon einmal gedient !

Ernst-Günther Konrad | Fr., 16. September 2022 - 15:16

Wir sollten uns alle auf das einstellen, was wir in vielen Themenbereichen schon leidvoll erfahren haben. Ja, die Lügen kommen kurz über lang heraus, aber wirklich Konsequenzen für die Täter wird es nicht haben. Die Pandemielüge wird bis heute nicht aufgearbeitet. Was als Lüge und Verschwörung galt, wird heute am Rande so präsentiert als wäre es schon immer so gewesen. Frau Wallau hat recht. Scholz und Olearius sind ein Kaliber. Gleich und gleich gesellt sich gern. Mag man sich noch so anstrengen, Scholz wird strafrechtlich nichts zu beweisen sein, wenn nicht irgendein Zeuge tatsächlich beweisunumstößlich Aussagen macht. Ob der dann noch lange lebt? Und mal ehrlich. Wer soll ihn denn strafrechtlich verfolgen? Eine weisungsgebundene selbst im höchsten Amt durch die SPD besetzte Staatsanwaltschaft? Selbst der Souverän -der Wähler- hat kein Interesse und ihn trotz Verdachtslage gewählt. Bei aller Mühe lieber Cicero. Das reicht, um sich hier im Forum Luft zu verschaffen, aber nicht mehr.

Klaus Ramelow | Sa., 17. September 2022 - 17:35

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

da bin ich skeptisch, dass bei dem bei uns "geübten RECHTSSTAATLICHEN(?)
Praxis" überhaupt diese weisungsgebundene Staatsanwaltschaft tätig werden KANN ?
Wenn solches bei Ungarn bemängelt wird, bedeutet dieses nicht:
WENN ZWEI DAS GLEICHE TUN, IST DOCH NICHT DASSELBE !

Warum wird gegen Deutschland keine "Rechtsstaats-Verfahren" eingeleitet ?
- ist es wegen der zahlreichen "Leichen im Keller" ? -

Tomas Poth | Sa., 17. September 2022 - 21:16

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

... Hr. Konrad, die Brust etwas frei bekommen, es reicht aber nicht, Änderungen müssen her und das geht nur mit Parteien wie Schwedendemokraten, Fratelli in Italien, Rassemblement in Frankreich ... und und und, auch Deutschland hat eine demokratische Partei die nicht dem Kollektivismus verfallen ist, leider nur eine. Die FDP taumelt ja auch in den Kollektivismus.

Bernhard Homa | Fr., 16. September 2022 - 23:22

die seit Monaten mit präzisen Recherchen die Abläufe und Strukturen in dieser Sache offenlegen. Denn es geht nicht (nur) um die Person des Kanzlers, sondern um das gesamte System von politischen Gefälligkeiten, das mutmaßlich zur Deckung krimineller Aktivitäten führte.
Die sind freilich so komplex, dass die breite Öffentlichkeit sie kaum verstehen dürfte und aktuell ohnehin mit anderem beschäftigt ist - trotzdem: dranbleiben, damit es für die betroffenen Seilschaften schön ungemütlich bleibt ...

Sabine Lehmann | Sa., 17. September 2022 - 03:50

Heute habe ich mich mit Olaf getroffen. Wir haben besprochen, wie man 80 Millionen Euro an der Steuer vorbei schleusen kann. Am Ende der Unterhaltung konnte sich der Olaf leider nicht mehr an den Anfang des Gesprächs erinnern. Ich glaube, es geht ihm heute nicht so gut. Hoffentlich weiß er wenigstens noch wofür der schwarze Koffer ist, den ich in seinem Büro „vergessen“ habe.
Gleich schreibe ich noch einen Brief an den Peter. Sicher ist sicher, nicht dass der auch noch so vergesslich ist. Nachher verstecke ich dich noch in meinem Geheimversteck in meinem Schreibtisch, liebes Tagebuch. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt dich zu fälschen, die Olearius- Tagebücher…. Da gab es schon mal eine Geschichte….,
Dein Christian“

Gunther Freiherr von Künsberg | Di., 27. September 2022 - 15:18

merkwürdig: Heute ist der 27.9.2022. Über den Cum Ex-Untersuchungsausschuss herrscht offensichtlich absolutes Stillschweigen. Außer von Scholzsche Coronainfektion hört man relativ wenig, jedenfalls aber nichts von Cum Ex. Ist dies ein beredtes Schweigen?