Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Berlin / dpa

Ukrainischer Botschafter Melnyk - „Euch bleiben nur wenige Stunden“

Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Berlin, behauptet über Bundesfinanzminister Christian Lindner, dieser habe ihm unmittelbar nach der russischen Invasion geraten, die Niederlage der Ukraine zu akzeptieren. Lindner selbst will nun im Nachhinein diesem Eindruck entgegentreten, doch seine Argumente sind wenig stichhaltig. Die ganze Geschichte steht in einer unglückseligen Appeasement-Tradition, gespeist von deutscher Befindlichkeit.

Autoreninfo

Jens Peter Paul war Zeitungsredakteur, Politischer Korrespondent für den Hessischen Rundfunk in Bonn und Berlin, und ist seit 2004 TV-Produzent in Berlin. Er promovierte zur Entstehungsgeschichte des Euro: Bilanz einer gescheiterten Kommunikation.

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Es gibt Situationen, da genügen wenige Zeilen, um das Ansehen eines Politikers, den man bis dahin mit einem gewissen Wohlwollen beobachtet hatte, mindestens aber mit Interesse, in Gefahr zu bringen, sogar zu ruinieren. Livia Gerster, 31 Jahre alt, Politikredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat solche Zeilen vor einer Woche geschrieben und am Samstag veröffentlicht in einem Porträt des Botschafters der Ukraine. 

Andrij Melnyk, so ihr Text, sei vielen deutschen Politikern regelrecht verhasst. Denn er sage ihnen „die Wahrheit ungeschminkt ins Gesicht“. Und dann zitiert sie Herrn Melnyk mit der Schilderung eines Gesprächs mit Christian Lindner, das sich zugetragen habe kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor fünf Wochen.

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Christoph Kuhlmann | Do, 31. März 2022 - 15:33

Ich will Lindner jetzt nicht verteidigen obwohl ich ihn gewählt habe. Nur, das Bild von der Ukraine war in Deutschland stark von 2014 geprägt. Also ein korruptes Land´, dessen Generale die Waffen auf dem Schwarzmarkt verkaufen und die Offizierspatente meistbietend verhökert. Korruptionsindex aktuell 122 von 180. Niemand hat erwartet das die Ukraine ernsthaft Widerstand leistet; selbst Putin nicht. Wir sind eines Besseren belehrt worden und sollten auch dem Finanzminister Gelegenheit geben seine revidierte Meinung zu äußern.

Tomas Poth | Do, 31. März 2022 - 16:19

In reply to by Christoph Kuhlmann

Daran hat sich nichts geändert, die Ukraine ist weiterhin von den Oligarchen und ihren politischen Figuren gesteuert.
Selenskij ist von dem Oligarchen Kolomoisky gesponsert. Gemäß Pandora Papers soll Selenksij über ein nennenswertes Millionen Off Shore Vermögen verfügen, Kolomoisky ist darin mit verwickelt.
Es wird keine Demokratie in der Ukraine verteidigt, sondern ein korruptes System. Für die Ukrainer, den Bürgern die aus dieser Umklammerung heraus wollen, ist das schmerzhaft, sie kämpfen herzerweichend, ihre Leben wird zerbombt, aber letztendlich nur für den alten korrupten Laden. Welch eine Tragödie.

Petra Horn | Sa, 2. April 2022 - 07:52

In reply to by Tomas Poth

Aber das Dauerfeuer von Medien und Propaganda insbesondere mit dem allgegenwärtigen Selinkskij ist im Westen sehr wirkungsvoll.
Und diese Wirkmächtigkeit ist frustrierend.
Mit einer objektiven Presse und Medien wäre das anders, aber genaudeswegen gibt es praktisch keine kritischen Stimmen.

Klaus Funke | Do, 31. März 2022 - 15:38

Herr Melnik ist kein Brausekopf oder ein Irrer wie manche sagen. Nein, er vertritt die extrem Rechte der Ukraine. Insofern ist er konsequent. Dass er, wiewohl guten Aussehens, ein Unsympath ist, steht für mich außer Zweifel. Trotzdem vergisst er - und da hat Herr Lindner im Grunde recht - dass seine Amtszeit jäh zu Ende gehen könnte. Und da meine ich nicht, dass die Ukraine komplett vernichtet würde, nein, eine neue ukrainische Regierung wird sich so einen wie Herrn Melnik nicht mehr lange leisten können. Er mag für Kriegszeiten gut sein, im Frieden taugt er nichts. Schade, dass unser außenpolitisches Personal oder gar unsere Journalisten ihm nicht mit gleicher Münze antworten. Sie sind zu schlecht vorbereitet und außerdem zu feige, Herrn Melnik mal richtig in die Parade zu fahren. Bei dem Konzert des BP hat er nun wirklich die Hosen heruntergelassen und gezeigt, wes Geistes Kind er ist. Einfach jämmerlich. Aber das muss ihm mal einer sagen. Selensky wird das nicht sein.

Das war mir nicht so bewusst, aber es sieht tatsächlich ganz danach aus. Herr Paul, beachten Sie seine Verehrung für Bandera und die Verteidigung des Asow-Regiments gegen den Zeit-Artikel (https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-03/asow-regiment-ukraine-recht…)

Herr Paul, verlassen Sie sich nicht auf solche Zeitgenossen! Lassen Sie sich nicht von außen gegen das eigene Land instrumentalisieren!

Paul Hulot | Fr, 1. April 2022 - 20:41

In reply to by Jochen Rollwagen

@ Jochen Rollwagen

ihrer Meinung nach ist das Azow Regiment also schon erledigt? Wieviel Stunden haben sie denn der Ukraine am 24.02. gegeben?

Werter Herr Funke, ich entnehme Ihren Worten, dass Sie mal wieder vollständig mit der Kreml-Propaganda "auf Linie sind".

Es ist schon richtig, dass Melnik rechtslastig zu sein scheint - allerdings haben Sie doch sonst nichts dagegen einzuwenden: Bei Ihnen fängt die politische Mitte doch "rechtsaussen" an!

Davon abgesehen stimmt natürlich: Melnik wird nicht mehr in einer zukünftigen Regierung vertreten sein. Aber das trifft auf alle Regierungsmitglieder zu, einschliesslich des Juden Selensky. Denn die wurden ja kurzerhand von Putin zu Nazis erklärt.

Schon irgendwie kurios: Der Held einiger verbliebener Sowjet-Nostalgiker ganz links sowie von Neo-Nazis und Rechtsextremisten will Nazis vertreiben! Und die neue ukrainische Regierung wird nach der "Angleichung" natürlich ausnahmslos aus Putin-Marionetten bestehen.

Aber der Kreml-Schlächter selbst steht natürlich bei Ihnen außerhalb jeglicher Kritik.

„Am 7. Februar 2019 verankerte das Parlament mit einer Mehrheit von 334 der 450 Abgeordneten in der Verfassung eine „strategische Orientierung der Ukraine zum vollständigen Beitritt zur EU und der NATO.“

Nach ca. 5 Wochen sinnlosem Sterben und verheerenden Zerstörungen in der Ukraine:

"Die ukrainische Regierung bekräftigte nach dem Treffen ihre grundsätzliche Bereitschaft, einen Vertrag über einen neutralen, block- und atomwaffenfreien Status zu schließen."

Für was, Herr Lenz, sind die Menschen in der Ukraine denn nun gestorben? Ihre Verbalinjurien Andersdenkende als „Putin - Versteher“ zu diffamieren entsprechen den Stereotypen die wir bereits aus zahllosen Posts von Ihnen kennen. Besorgte Bürger, Covidioten, AFD – Sympathisanten etc. etc. Originell wäre mal eine eigene Wortschöpfung mit der Sie dann Teile des Forums belegen könnten ohne auf offizielle Propagandaausdrücke zurück greifen zu müssen.

Hier trollt es aber schon ziemlich. Ich bin immer wieder erstaunt, wie selbst plumpe Propaganda sich in einigen Gemütern festzusetzen scheint. Aber ist ja auch ne tolle Vorlage und funktioniert hier seit Jahren trefflich. Bezeichne Deinen Gegner als Nazi ( selbst wenn er Jude ist) und schon ist alles erlaubt. Man kann selbst Städte ausradieren nebst Nazi Frauen und Kindern. Mein lieber Herr Funke, Ihr Kompass scheint etwas durcheinander. Sollte Deutschland von Russland angegriffen werden, wird vermutlich von Ihnen allenfalls ein „Selber schuld“ zu hören sein. Der Autor dieses Artikels hat eine treffliche Analyse deutscher Scheinheiligkeit und Krokodilstränen geliefert. Einige Stellungnahmen hier bestätigen das.

Walter Bühler | Do, 31. März 2022 - 15:38

wenn Sie meine Kommentare ansehen, werden Sie feststellen, dass ich kein Bewunderer der jetzigen Regierungskoalition bin.

Aber dass Sie sich so zum willenlosen Sprachrohr eines ausländischen Botschafters gegen die eigene Regierung machen lassen, das finde ich völlig falsch.

Melnyk verachtet unser Land und die Menschen, die hier leben. Alles, was wir für die Ukraine getan haben und tun, wird verachtet. Er fordert bbedingungslose Unterstützung von Deutschland, aber ich bin sicher, in der EU wird er zusammen mit Kaczinski den Weg von Boris Johnson einschlagen und die EU für sein Land ausbeuten, so lange es gut geht.

Und die Identifikation mit Israels Opferrolle wird er nur solange machen, wie es der nationalistischen Regierung in der Ukraine nützt.

Lieber Herr Paul, der deutsche Selbsthass, den Melnyk melken will, muss nicht von deutschen Journalisten unterstützt werden. Nur 10% von dem Nationalgefühl, das Herr Melnyk hat, sollte auch bei uns vorhanden sein. Das würde schon reichen.

Tomas Poth | Do, 31. März 2022 - 16:24

In reply to by Walter Bühler

Dieser Einwand ist zu verstehen, man kann so argumentieren, aber soll deswegen wichtige Informationen vorenthalten werden.
Natürlich muß auch die Gegenrede von unserem FinanzMini zu Worte kommen.
Melnyk ist in meinen Augen ein scharfer Hund, seine Worte und Argumentationen empfinde ich mehr als grenzwertig.

Thomas Hechinger | Do, 31. März 2022 - 17:05

In reply to by Walter Bühler

Das sehe ich ganz anders. Botschafter Melnyk ist das Beste, was der Ukraine - Quatsch! - was Deutschland passieren konnte. Weil er so geradeheraus die Verlogenheit und Verkommenheit der deutschen Politik aufdeckt. Natürlich hassen sie ihn alle. Wer läßt sich schon gerne als Heuchler entlarven! Und wäre er kein ausländischer Diplomat, sondern ein deutscher Politiker, der sich ähnlich äußert, wäre er schon längst weggecancelt. Ein rechter Spinner, Verschwörungsschwurbler oder so ähnlich. Die ganz große Putin-Koalition von Gauland über Steinmeier bis Dağdelen wollte nicht sehen, was ist, und will nicht sehen, was ist. Im Augenblick müssen sich die Damen und Herren rhetorisch zurückhalten, weil zu offensichtlich ist, was Putin treibt, aber ihre wahre Haltung haben sie nicht geändert. Leider befürchte ich, daß Herr Paul recht hat, und sich Botschafter Melnyk bereits einmal darauf einstellen darf, daß „die deutschen Appelle im Geiste schon geschrieben sind“.

Christa Wallau | Do, 31. März 2022 - 17:13

In reply to by Walter Bühler

Ich hätte nicht besser ausdrücken können als Sie, welchem kapitalen Irrtum Herr
Paul hier unterliegt:
Die täglich erkennbare, unverschämte Nachdrücklichkeit, die Herrn Melnyk immer wieder zur deutschen Regierung treibt u. mit der er absolute Unterstützung fordert, erwächst nicht aus Respekt (oder gar Liebe) für unser Volk, sondern aus dem richtigen Bewußtsein heraus, daß bei uns viel zu "holen" ist bzw. daß D so erpreßbar ist wie kein anderes Land auf der Welt.
Deshalb verachtet Melnyk uns Deutsche auch zutiefst!
Der flammende, ungeschminkte Nationalismus, der sich seinen Augen u. Worten spiegelt, hätte bei jedem deutschen Politiker mit ähnlicher, offen gezeigter Geisteshaltung löngst zur Verfolgung durch den VS geführt, u. die Medien wären über ihn hergefallen wie über einen Massenmörder.
Die Regierung Selenski strebt in erster Linie in die Arme der USA, von denen sie ja
gestützt wird (daher will sie in die NATO). Europa ist nur so lange wichtig, wie von dort auch Geld fließt.

... was von ukrainischen (und amerikanischen?) Politikern gefordert wird ... hoffentlich sieht man schon in den nächsten Wochen, wohin das geführt hat ... die nächsten Wahlen stehen an!
Ich frag mich dieser Tage öfter mal, ob "die mit dem Drachen-Viereck" genauso gehandelt hätte ... es steht zu befürchten: JA.

Romuald Veselic | Do, 31. März 2022 - 15:59

200 km/h auf A8 zw München und Salzburg.😆

Wenn Faschisten etwas entnazifizieren wollen! Dieser Idiotenverein. Nächste Ausfahrt: Faschokommunismus.
Was ist dann Lukaschenko, wenn Selenskyj ein Nazi ist?

D ist Paradebeispiel für das Fressen & Moral. Der fliegende Holländer im Europa-Teich, der Trojanische Gäule herumschippert u. an Land bringen will.
Mich widert diese Polit-Kamarilla dermaßen an u. mich bestätigen ließ, dass hier, ein (ehemals) tolles Land, zu "Country of the Assholes" transformiert wurde.

Dann soll es so sein. Wie die Wähler, so die Regierung. Und sie tun mir nicht leid. 😈

Urban Will | Do, 31. März 2022 - 16:12

verspotten.
Man kann es aber auch akzeptieren, als Folge dessen, was für die Jungen zwar schon ferne Geschichte ist, aber manchen noch gut in Erinnerung.
Man kann aber auch in die Geschichtsbücher schauen, sich informieren über den Volkssturm, als Minderjährige und Greise in den Tod geschickt wurden. Als Fanatiker den sicheren Untergang negierten und weiter den Kampf anheizten (den zu kämpfen sie anderen überließen)
Und nun: Studenten, militärisch komplett Unerfahrene, die in den Kampf zu ziehen sich anschicken.
Und bitte jetzt nicht hier lamentieren, ich würde die Ukraine mit dem untergehenden Großdeutschen Reich gleichsetzen.
Ich setze die Realitäten gleich, die damals vorlagen und zu Beginn dieses Krieges vorzuliegen schienen.
Die Ukraine möchte weiter kämpfen. Ihr mehr als „gutes Recht“. Möge sie Erfolg haben.
Nicht aber gibt es ein Anrecht auf Waffenlieferungen von außen und somit kein Recht, dies anzuklagen.
Das mag zynisch klingen, ist aber Fakt.
Frieden erfordert Einsehen.

Martin Falter | Do, 31. März 2022 - 16:14

das die Ukraine es wagt gegen Putin und seine Kriegsverbrecher Bande zu kämpfen.

Das stört doch nur das gute Geschäft und zerstört das Putin Bild von der AFD bis Linkspartei.

Wie erbärmlich kann man eigen sein, den Ukrainern ihr Selbstbestimmungsrecht abzusprechen.

Die Ukraine kämpft für uns, oder will einer der rechten oder linken Friedensapostel unter Putin und seiner Diktatur leben?

Weil das so ist, steht der Ukraine unsere gesamte Hilfsbereitschaft zu.

ist in der Ukraine herzlich willkommen. Also den Stahlhelm vom Opa aus dem Keller holen und auf gehts zum heren Kampf um unsere Freiheit ach und Demokratie und Menschenrechte und was nicht alles noch herhalten muss um genug Dumme zu finden und zu aktivieren. Onkel Sam in Übersee freuds der reibt sich die Hände hat mal wieder geklapppt die Europäer haben den Schlamassel und wir sind weit weg und werden unser dreckiges Frackinggas dazu noch zu einem guten Preis los dazu die traumhaften Renditen der Waffenverkäufe besser könnte es nicht laufen. Wer wollte bei solchen Aussichten den Krieg beenden? (Zumal es genug Dumme gibt die diesen heren Kampf ja führen wollen bis zum Endsieg und für Waffen wird gesorgt(.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 31. März 2022 - 16:29

als Finanzminister, überhaupt als führender Politiker der FDP, einem Botschafter gegenüber eine solche Blöße geben?
Auch als Politiker sollte man sich nicht einfach so mit einer Sache oder Personen gemein machen, auch nicht mit je guten.
Das einzige, das ich mir vorstellen kann ist, dass Lindner glaubte, dass Russland die Ukraine überrollen würde.
Selbst wenn, ist doch nicht ausgemacht, ob so etwas funktioniert.
Ich dachte eher, dass Russland nur den Donbas militärisch absichert.
Stimmte auch nicht.
Gehofft hatte ich, dass Putin gar nicht angreift.
Die Sache der Ukraine geht mir sehr nah, völlig unabhängig von deren derzeitigen politischen Führern.
Hoffentlich ist dieser Artikel nur ein böser Traum.

Bernd Windisch | Do, 31. März 2022 - 17:27

Was soll die servie Leisetreterei gegenüber einer der beiden Kriegsparteien? Lindner hat im Kern völlig Recht.

„Am 7 Februar 2019 verankerte das Parlament der Ukraine in seine Verfassung eine „strategische Orientierung zum vollständigen Beitritt zur EU und der NATO.“

Nach ca. 5 Wochen sinnlosem Sterben und verheerenden Zerstörungen in der Ukraine:

"Die ukrainische Regierung bekräftigte nach dem Treffen ihre grundsätzliche Bereitschaft, einen Vertrag über einen neutralen, block- und atomwaffenfreien Status zu schließen."

Das Geschwurbel über die angeblichen Putin Versteher ist einer seriösen Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht würdig.

Deutschland hat völlig recht, wenn es sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lässt.

Die Influencer Vitaliy Kim und Wolodymyr Selenskyj haben längst jede Verhältnismäßigkeit gegenüber ihren Landsleuten in Bezug auf sinnlose Opfergänge verloren. Arroganz und Größenwahn brauchen sich die Deutschen von dieser Seite nicht vorwerfen zu lassen.

"Deutschland hat völlig recht, wenn es sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lässt."- das hat unser Wirtschaftsminister gestern Abend im Heute Journal gegenüber Frau Slomka allerdings anders gesehen, nach seinen Worten sind wir bereits Kriegsteilnehmer.
Ich vermisse den medialen Aufschrei hierzu. Aber was soll man auch erwarten, wenn die FAZ die Twittermeldungen des Azov-Regimentes teilt... Nachdenkliche Seiten teilten heute im größten sozialen Medium einen Lagebericht eines Schweizer Militärs als PDF, das klang ganz anders als in unseren Medien. Mit einer Bemerkung haben die Floristen hier allerdings recht, die Scheinheiligkeit und Doppelmoral unserer Politiker ist nur noch sehr schwer erträglich.

Wo wenig wie das Sterben der Franzosen, Engländer, Russen, Amerikaner und Angehörigen anderer Nationen im Zweiten Weltkrieg pauschal umsonst war, so wenig ist das Sterben der Ukrainer pauschal umsonst. Was würden Sie machen, wenn Putins Schergen in Ihrer Stadt oder Ihrem Dorf wüten?

Sie haben vollkommen Recht, werter Herr Windish und viele andere in diesem Forum.
Ich finde die Forderungen von Herrn Selenkij und seine Botschafter einfach unverschämt! Gerade habe ich gelesen, dass Selenskij Norwegen vorschreiben möchte wen sie in in ihren Hafen läßt. Inzwischen hat er so gut wie die ganze Welt herausgefordert, die Ukraine zu unterstützen, Waffen liefern, am besten in den Krieg einsteigen, die eigene Wirtschaft kaputt machen usw. Mit welchem Recht bitte schön? Seit er am Macht ist wurden die Minderheitsrechten in seinem Land ignoriert, er hat die Parteien der Opposition sowie sämtliche Medien verboten: wenn Orban das gemacht hätte wäre die UN schon einmarschiert!
Aber bei ihm kuschen alle und lassen sich beleidigen. Wann wird endlich mal ein westlicher Politiker Rückgrat haben und ihm fragen wann das sinnlose Sterben zu Ende ist und er bereit ist wirklich zu verhandeln? Auch die im gerechten Krieg gestorbenen Leute sind tot…

Ihre Gnadenlosigkeit gegenüber der Ukraine ist schon beachtlich. Da fällt ein großes und viel stärkeres Land über sein Nachbarland her, weil es ihm das Recht abspricht, selber zu entscheiden, was es will - und Sie verurteilen nicht etwa den Vergewaltiger, sondern das Opfer. Es soll sich gefälligst unterwerfen und sich nicht sinnlos wehren. Wie sonst sollte man Ihre Phrase verstehen: „Nach ca. 5 Wochen sinnlosem Sterben und verheerenden Zerstörungen in der Ukraine“?
Das ist nicht nur unterlassene Hilfeleistung, was schon schlimm genug wäre. Das ist sogar eine Verhöhnung des Opfers: Selber schuld, wenn es sich wehrt. Soll es sich dem „Vergewohltätiger“ hingeben. Ist doch nur zu seinem Besten.
Manche meiner Mitmenschen lassen mich fassungslos zurück.

Gisela Hachenberg | Do, 31. März 2022 - 23:43

In reply to by Thomas Hechinger

Mir geht es genauso wie Ihnen, werter Herr Hechinger. „Manche meiner Mitmenschen lassen mich fassungslos zurück“. Leider sind wir heute bei den Mitforisten mit unserer Meinung in der Minderzahl. Schade! Es zeigt mir wieder, wie saturiert viele Deutsche sind. Lieber den Schwanz einziehen. Für Freiheit kämpfen? Wie bitte! Es könnte ja sein, dass uns unsere Bequemlichkeit abhanden kommt. Ich zumindest bewundere den Mut der Ukrainer. Und dass Selenski vorher Komiker war, geschenkt. Jetzt kämpft er für sein Land. Ich wünschte mir, einer unserer Politiker oder Politikerinnen hätte nur einen Bruchteil seiner Standhaftigkeit und Mutes.
Herr Paul, wieder ein toller Artikel, der heute wohl nur bei einigen wenigen „ankommt“.
Aufgrund der Kaltschnäuzigkeit einiger Foristen, die mich regelrecht erschreckt, werde ich heute Nacht nicht gut schlafen.

Leider nicht nur was die Saturiertheit der explizit (Bio)-Deutschen betrifft geehrte Frau Hachenberg! Wenn es wenigstens nur bei dieser Gleichgültigkeit bliebe. Aber leider musste ich in meinem engsten Freundeskreis die Feststellung treffen, dass trotz selbst erlebter Unterdrückung und einem schweren Leben in der damaligen Sowjetunion eine "Überzeugung" pro Putin und Russland stattfindet, die sich meinem persönlichen Begreifen entzieht. Und so niederschmetternd meine Erkenntnis auch war, versuchen wir uns an einem Art Waffenstillstand, besser bekannt als Totschweigen des Themas. Wie lange es hält kann ich momentan nicht sagen, aber es ist verdammt schwer mit dieser menschlichen Enttäuschung fertig zu werden zumal ich sonst recht abrupter Natur bin was Zwischenmenschliches betrifft. Unsere Politik sollte besser diese nicht geringe Anhängerschaft ebenfalls auf der Rechnung haben. Zumal man schon die Folgen bei Erdogan und seinen hiesigen Befürwortern geflissentlich ignorierte. MfG

Heidemarie Heim | Do, 31. März 2022 - 18:08

Wenn ich Ihren Beitrag richtig verstanden habe lieber Herr Paul, werden Sie auch hier im Forum Einigen davon galoppieren müssen;)! Ich habe hin und her überlegt mit was die von Ihnen beschriebenen Reaktionen von Politikern und leider auch die in etwa selben Ansichten von Menschen in meinem näheren Umfeld zu vergleichen wären. Für mich fühlt es sich ähnlich an wie die berühmte Täter-Opferumkehr, wo man je länger sich ein Prozess hinzieht die eigentliche Tat in einem anderen Licht erscheint, der Tatverdächtige eine schwere Jugend hatte und sein Opfer nachweislich ja auch kein Kind von Traurigkeit war, gern feierte, was in meiner Jugend vor Gericht als sogenannte Promiskuität bezeichnet dem Fall bzw. der Tat eine gewisse Wendung geben konnte. Oder ein Freispruch aufgrund von Verfahrensfehlern oder infolge schnöder Verjährungsfrist. Da man dafür keinerlei befriedigende Erklärung findet, dreht man den Spieß entweder um oder bezieht sich auf Gesetze. No NATO, no EU, no... MfG

Wilhelm Herbst | Do, 31. März 2022 - 18:37

Da empfand ich angesichts der wenige Wochen vorher verkündeteten deutschen "Zeitenwende" Erleichterung und hatte gehofft, die Peinlichkeit der 5000 Helme umfassenden Unterstützung wäre ausgemerzt. Je weiter seitdem die Tage fortschreiten, um so mehr reibe ich mir Augen, weil es mir dämmert, wie verwurzelt der Appeasement-um-jeden-Preis-Gedanke immer noch verwurzelt ist in den Köpfen von Politikern wie Lindner (von dem man es nicht erwartete) oder Kommentatoren wie Alexander Grau. Putin muss maßvoll widerstanden werden. Wie im zitierten FAZ-Artikel und in Ihrem Artikel geschehen, muss eine Geisteshaltung à la Steinmeier und Co. sowie vielleicht Scholz entlarvt werden. Das nervt viele. Machen Sie weiter so! Es muss "geistig gerungen" und bei den besseren Argumenten gesiegt werden (Sorry für das Pathos!), damit politisches Handeln beeinflusst wird. Entlarven Sie also weiterhin das zögerliche Handeln von Teilen der deutschen Regierung!

Juliana Keppelen | Do, 31. März 2022 - 18:45

dieser unverschämte Mensch benutzt unsere Regierung (ob man sie nun mag oder nicht) als Fussabtreter und bekommt auch noch Zustimmung. Diese Kiewer Hasardeure und Selbstdarsteller sie sonnen sich in ihrer Pseudo-Wichtigkeit kennen nur den Wert von Geld und Waffen dafür ziehen sie alle Register, denen geht ihr Volk in der Ukraine am A...... vorbei es wird Zeit auch diesen Herrschaften ihre Grenzen aufzuzeigen irgendwann muss man sich die Solidarität auch verdienen und nicht nur fordern. Das ukrainische Volk hätte wahrhaft eine weitsichtigere Führung verdient als solche selbstverliebte Großmäuler. Und wegen derer sollen wir frieren und Opfer bringen.

gabriele bondzio | Do, 31. März 2022 - 19:06

hat bei mir, sämtliche Restsympathien eingebüßt, als er das Konzert beim BP abgelehnt hat, weil u.a. russische Künstler mitspielten. Es spielten aber Musiker aus der Ukraine, aus Russland, Belarus und Deutschland gemeinsam.

Wenn er als Diplomat, so wenig Diplomatie vertritt ist er fehl am Platz.

Jochen Rollwagen | Do, 31. März 2022 - 21:18

Diskret, vertrauenswürdig, professionell, diplomatisch, verschwiegen. Mit so einem kann man auch bedenkenlos unter vier Augen unter Betschwestern Wichtiges besprechen. Damit reiht er sich nahtlos in die Riege der sonstigen ukrainischen Voll-Profis ein, kein Wunder mit dem Chef, einem ehemaligen Clown der in seiner Show Witze auf Schützenfest-Niveau gerissen hat

Die Ukraine muß unbedingt in die EU ! Dann wird's da richtig lustig.

Klaus D. Lubjuhn | Do, 31. März 2022 - 21:40

Die deutsche Regierung hat sich schon unter den Schlägen Erdogans weggeduckt - das kann man sich- angesichts der damaligen Abhängigkeit - als pragmatisch schönreden.
Jetzt ist es ein ukrainischer Botschafter, der die deutsche Innenpolitik aufmischt. Auch jetzt traut sich die deutsche Regierung nicht, Melnik die botschafterlichen Grenzen aufzuzeigen.
Im Gegenteil: Wir suchen alle Schuld bei uns. Und wer lange genug sucht, findet sie auch.
Wer in der Geschichte weit genug zurückgeht, findet sie auch auf Seiten der Ukraine, mehrfach. Melnik greift Lindner an wegen dessen naheliegend klugen Rat: Russland und die Ukraine werden auch nach diesem Krieg miteinander als Nachbarn klarkommen müssen.
In Westeuropa ist dieser Weg nach dem 2. WK erfolgreich beschritten worden.
Nach dem Ukrainekrieg ist ein solcher Weg in weiter Ferne.
Einem ukrainischen Botschafter, der sich aber in deutscher Innenpolitik verirrt, sollte ein Warnschild aufgestellt werden: Hier beginnt deutsches Territorium.

Petra Horn | Do, 31. März 2022 - 23:22

kann doch gar nicht beurteilen, wie die Lage in der Ukraine wirklich ist. Woher soll er sein Wissen nehmen?
Aus den stakkato-artigen Anklagen und Beschimpfungen von Selenskij und dem Botschafter. Hat dieser nicht auf Twitter einem Fragenden geantwortet, daß sein Job ist, sein Land zu unterstützen, egal mit welchen Methoden. Ob sich Deutsche oder andere beleidigt fühlen, interessiert ihn überhaupt nicht.
Zumindest im Hinblick auf seine klaren Prioritäten beneide ich die Ukraine um diesen eigentlich unerträglichen Botschafter.

Clara Schwarze | Fr, 1. April 2022 - 00:21

Dem Cicero würde mal etwas mehr Abstand zu Ukraine ganz gut tun. Man lässt sich ein bisschen arg von Leuten wie Melnyk einspannen.
Dabei muss man zwei Dinge wirklich mal sagen.
Erstens - Lindtner hat nichts getan, als die Position der NATO wieder zu geben. Alle dachten, die Ukraine hält nur ein paar Tage durch.
Zweitens - die Ukraine spielt auch ihr Spiel. Und dieses Spiel ist im Wesentlicen darauf ausgerichtet, den Westen reinzuholen. Das ist auch ganz bekanntes Spiel - schon im Jugoslawien wurden für etwas PR-Agenturen eingeschaltet.
Ob man damit der Bevölkerung wirklich dient, ist übrigens nicht immer klar. Und ob das überhaupt klug ist, kann man erst am Ende beurteilen. So oder so täten wir ganz gut, uns da nicht vollständig einspannen zu lassen.

Jens Böhme | Fr, 1. April 2022 - 01:10

Deutschland schickt Helme und Flugabwehrraketen, wenn auch nur als Sondermüll an einen der beiden Kriegsteilnehmer. Desweiteren wird der andere Kriegsteilnehmer mit Wirtschafts- und Finanzsanktionen überschüttet. Deutschland befindet sich nicht im Krieg? Ich kann Melnyk verstehen und auch Lawrow mit ihren entsprechenden Fingerzeigen Richtung Deutschland. Ob man die Ukraine als Vorhof oder Hinterhof Russlands oder der EU beschreibt oder sieht, spielt keine Rolle. Derzeit ist es das Polen, welches zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion lag.

Armin Latell | Fr, 1. April 2022 - 09:14

Melnyk, Selenskyi und seine Schergen möchten um jeden Preis den Rest der Welt mit in den Abgrund reißen. Heute in der Welt:
„Nicht effektiv“ - Selenskyj beruft Botschafter in Georgien und Marokko ab
Die haben dort nicht genug Waffen beschafft.
Nein, Herr Paul, die ukrainische Führungsclique ist absolut unseriös, das Land, das Volk, seine Menschen werden bedingungslos geopfert. Leider gibt es auch bei Ihnen nicht den Ansatz einer Erklärung, wie es so weit kommen konnte. Und so gibt es auch nur einen einzigen Schuldigen für diese menschengemachte Katastrophe.

F.G. Alte | Fr, 1. April 2022 - 11:21

Ich frage mich, warum Melnyk, der 2015 in einem Tweet über einen Herrn Bandera diesen als "our hero" bezeichnet hat, in Deutschland überhaupt noch gehört wird. Banderas Truppen, die OUN-B(andera), haben einst mit Wehrmacht und SS kollaboriert und viele Juden in Progromen getötet. Politiker, die mit Melnyk, dem Bandera-Verehrer, überhaupt noch reden, sind kompromittiert. Ihre politischen Statements gegen "Rechts" sind ungalubwürdig.

Robert Hans Stein | Fr, 1. April 2022 - 11:49

Keine Ahnung, wo Herr Melnyk im politischen Spektrum zu verorten ist. Vielleicht steht er weit "rechts", vielleicht auch nicht. Nawalni wird das übrigens auch nachgesagt. Ist aber egal, denn Putintrolle werden jeden Gegner Putins mit allen möglichen und unmöglichen Beschimpfungen belegen, die sie für diskreditierend genaug halten. Ich, erklärter Putingegner seit seinem Auftauchen, finde Herrn Melnyk nicht nur klarsichtig, sondern auch sympathisch, und das v.a. wegen der offenen und direkten Art, mit der er dem sich windenden Michel den Spiegel vor das angstverzerrte Gesicht hält. Und ich teile weitgehend (wie fast immer) die Meinung von Herrn Paul. Zum traditionellen russischen Imperialismus gibt es auch einen sehr informativen Artikel von Eric Gujer in der heutigen NZZ. Mir ist unverständlich, wie Leuten, die sich 1989/90 mit Begeisterung der DDR und der russischen Besatzung entzogen, nicht bewusst gewesen sein soll, dass das eine Entscheidung für eine Westbindung war.

Sabine Jung | Fr, 1. April 2022 - 11:55

um die Ukraine, besonders hier um den Botschafter nicht mehr hören. Herr Selenskyj fordert nur noch und das in der ganzen Welt. Seine Botschafter weltweit müssen in den Ländern, wo sie stationiert sind, Waffen und Geld besorgen, machen sie das nicht, fliegen sie raus. Und der Botschafter bei uns in Deutschland, nun ich würde ihn schlichtweg als arrogant, frech und unrühmlich bezeichnen. Aber er muss so sein aufgrund seines Chefs, sonst fliegt er auch raus.
Ich bin gegen jeden Krieg, egal wo auf der Welt, es ist immer Elend und Not. Die leittragenden sind immer die Zivilisten. Aber dieser Krieg in der Ukraine hat irgendwie "Geschmäckle" bedingt durch die teilnehmenden Personen Putin, Selenskyj und der Herr Botschafter Melnyk

Ernst-Günther Konrad | Fr, 1. April 2022 - 11:59

Nach der EU-Geldrettungspolitik, dem Migrationsdesaster, dem Corona Wahnsinn treibt sich ein weiterer Keil ins deutsche Volk. Selbst hier im Forum überwiegen die emotionalen, teils persönlichen Angriffe, gegenüber den nüchternen sachlichen Argumenten, von denen natürlich jeder ganz persönlich der Meinung ist, das seine Argumente die richtigen sind. Ja, Putins Krieg hat auch mich überrascht. Und nein, er hatte dazu kein Recht, auch wenn es etliche Erklärungen dafür gibt, warum er es gemacht hat. Und ja, die Ukraine hat das Recht, ob nun Nationalisten, Patrioten oder was auch immer in diesem Land reagieren, sich gegen einen Angriff zu verteidigen und für sich gesehen alle Register zu ziehen, ihr Ziel einer Besatzung entgegenzuwirken. Uns steht allen nicht zu, die Ukrainer dahingehend zu belehren, ob Widerstand sinn- oder zwecklos ist. Was wir aber zu entscheiden haben, ob und wie wir Hilfe leisten und ob und wie wir uns hineinziehen lassen. Und da gilt nur eines. Keinen III. Weltkrieg.

Brigitte Simon | Fr, 1. April 2022 - 15:34

"Selten wurde seit 1945 so oft unsere deutsche Vergangenheit wie von Selenskyi und Melnyk aufgegriffen, über deren Erkenntniswert gestritten werden kann und muß. Von S. und M. werden schiefe und voller Absicht falsche Analogien konstruiert", schreibt heute die Süddeutsche Zeitung. "Spätestens dieser Umstand zeigt, Geschichte läßt sich als poli-tische Waffe benützen". Bereits vor dem Krieg regierte S. lieber mit Dekreten, nach Absetzung der gesamten Opposition. Mit seinem Talent, Geschichtsmoral als Moralgeschichte zu prä-sentieren, setzt S. Politik und Öffentlichkeit in bis dahin ungekannter Weise unter Zugzwang. Es wird Zeit für unsere Regierung, für den Bundes-präsidenten hier Klarstellung zu beziehen. Deutschland hilft aufopfernd - sich selbst vergessend - wächst über sich hinaus.

So betrachtet überrascht mich Peter Pauls Sichtweise. Steinmeiers vorgesehenes, zusammenführendes Konzert mit ukrainischen und russischen Musikern besetzt. Die Einladung wurde krass von M. boykottiert

Wenn Sie, sehr geehrte Frau Simon, die Süddeutsche Zeitung zitieren, weiß man doch, „woher der Wind weht“, oder? In meinen Augen war das „zusammenführende“ Konzert vom Bundespräsidenten wieder mal nicht wirklich glücklich. Gewollt, aber nicht einigend. Herr Paul bringt im Übrigen in diesem Kommentar seine Sichtweise zum Ausdruck, die nicht mit Ihrer - pardon - übereinstimmen muss. Das muss man aushalten!
Man sieht ja bei diesem sehr sensiblen und emotionalen Thema, wie unterschiedlich die Meinungen der Leser sind. Ich finde den Text von Herrn Paul sehr gut, akzeptiere jedoch, dass Sie anderer Meinung sind.

W.D. Hohe | Sa, 2. April 2022 - 00:12

dass der inhaltlich, denklogisch und nicht zuletzt sprachlich anspruchsvolle Kommentar Herrn Paul`s soviel gewalttätige, gegen Personen gerichtete Emotionen, geradezu Hass und Agression hervorruft; gleichzeitig Ursache und Wirkung schwerkraftlos herum jonglierend. Einigen, aus diesem Momentum heraus, agierenden "Kämpfer*innen" womöglich auch im Nachhinain nicht bewusst wird, dass exakt diese "Bewegungen" zu dem führen was bei physischer Ausübung mindestens versuchtem Totschlag nahekommt. Im Falle vieler Teilnehmer Krieg benannt.
Dieses Thema ist, wie weiter oben Herr Konrad und auch ich "romantischer" Weise glauben möchten, kein weiterer Keil der in diese Gesellschaft getrieben wird, . Ich fürchte, dass in dieser Gesellschaft so viele Keile dicht unter der Grasnarbe stecken, dass es nahezu unmöglich ist nicht auf einen zu treten.
Überwachsen von sanftem Gras.
Schließlich soll sie niemand schon von außen sehen können.
Um ggfls. absichtlich drauf zu treten.

Markus Michaelis | Sa, 2. April 2022 - 02:00

Ich stimme dem Artikel in vielem zu. Was ich anders sehe, ist dies: "... andernfalls man ihn finanziell und wirtschaftlich endgültig fertigmachen und totrüsten werde."

Einerseits sollte Putin wohl einsehen, dass Russland demographisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht mehr die Kraft hat in der "ersten Liga" mitzuspielen. Das musste das britische Empire einsehen, Frankreich, Deutschland mit seinen kurzen Weltträumen und viele andere davor. Das macht auch nichts, es lebt sich auch auf den anderen Plätzen - oft besser. Putin sollte auch einsehen, dass Millionen Menschen wirklich von allen möglichen Werten des Westens überzeugt sind - das kann man nicht wegfantasieren.

Andererseits gilt aber auch umgekehrt, dass es große Teile der Welt gibt, auch mit vielen und fähigen Menschen, die vielen Ideen und einer Dominanz des Westens sehr skeptisch gegenüber stehen. Auch das kann man nicht wegfantasieren. Man sollte realistisch seine Stärke einschätzen und für wen man wirklich spricht.

Jolanta Kunicki | Sa, 2. April 2022 - 11:00

wie lange, und wie oft muss hierzulande der wichtige Aspekt wiederholt werden? Wir haben uns in den letzten Jahren in die Abhängigkeit von Russland begeben, jetzt brauchen wir Leute, die uns aufrütteln. Welche/r Politiker/in kann das? Herr Melnyk, Sie machen Ihren Job hervorragend! Übrigens, China ist die nächste Etappe, die uns noch erwartet.