Markt in Jerusalem
Nur wenige tragen in der Öffentlichkeit noch Masken: Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem / dpa

Israel und die Corona-Pandemie - Die Regierung hat den Kampf gegen Omikron aufgegeben

Israel war das erste Land, das eine umfassende Impfkampagne startete. Doch den anfänglichen Erfolgen ist Ernüchterung gefolgt. Trotz Rekordinzidenzen durch die Omikron-Variante wollen die Israelis von Corona nichts mehr wissen und leben wieder ihr Leben. Auch die Regierung hat sich insgeheim von der Pandemie-Bekämpfung verabschiedet.

Autoreninfo

Rafael Seligmann, 74, ist Politologe und Schriftsteller. Er lehrte an der Ludwig-Maximilian-Universität Strategie und Sicherheitspolitik. Vor kurzem ist sein biographischer Roman „Rafi, Judenbub“ im LangenMüller-Verlag erschienen.

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Den Israelis ergeht es gegenwärtig wie einem notorischen Musterschüler. Lange hat er eifrig alles richtig gemacht und ist mit den besten Zensuren belohnt worden. Man konnte den Klassenprimus nicht ausstehen. Er indessen begann an die eigene Genialität zu glauben. Als der Schlaumeier aber schließlich scheiterte, mochten die Klassenkameraden ihre Schadenfreude nicht verhehlen.  

Anfang 2020 erfuhr der damalige Premierminister Benjamin Netanjahu von der aufkommenden Corona-Pandemie. Sogleich erkannte der naturwissenschaftlich Ausgebildete, vor allem aber als „politisches Tier“, welche Chance sich ihm bot: „In meinem Statistikseminar lernte ich, was exponentielles Wachstum bedeutet.“ „Bibi“ hatte es über Jahrzehnte nicht vergessen. Er konnte sich im Gegensatz zu den meisten seiner Amtskollegen, die Politische Wissenschaften oder ähnlich nutzlosen Tand studiert hatten, die Entwicklung ausrechnen. Ohne Gegenmaßnahmen würden die Infektionszahlen ungehindert in die Höhe schnellen.

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Gerhard Lenz | So, 16. Januar 2022 - 16:36

als habe Israel beschlossen, Corona nicht mehr als ernsthafte Pandemie zu werten.

Was überhaupt nicht der Fall ist.

"Da Omikron so ansteckend ist, sind unsere Bemühungen, seine Ausbreitung zu stoppen, wahrscheinlich ziemlich aussichtslos", sagte etwa der Vorsitzende der israelischen Vereinigung der Ärzte für öffentliche Gesundheit, Hagai Levine, der Tageszeitung Jerusalem Post.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-01/israel-omikron-corona-polit…

Was bedeutet: Israel bekommt Omnikron nicht in den Griff.

Die Folgen? Ungewiss.

Aber wir können davon nur lernen.

Was Impfungen angeht: Wenn eine Abschwächung der ernsten Erkrankungen ein Resultat der Impfungen ist - und daran zweifelt kein ernsthafter Wissenschaftler - muss natürlich weiterhin geimpft werden!

Sonst könnte möglicherweise selbst eine weniger gefährliche Mutante eine gesundheitspolitsche Katastrophe auslösen!

"Was Impfungen angeht: Wenn eine Abschwächung der ernsten Erkrankungen ein Resultat der Impfungen ist - daran zweifelt kein ernsthafter Wissenschaftler - muss natürlich weiterhin geimpft werden!"

Richtig Herr Lenz!
Da ansonsten bzgl. des Nutzens, der (Neben)-Wirkung von Impfungen keine belastbaren Analysen bekannt sind (bekannt sein können) ist doch eigentlich jedwede Diskussion müßig, obsolet, nicht wahr?

All diese Diskussionen, Berichte sind zum Selbstzweck mutiert.
"Experten" sprießen wie Pilze aus einem feuchten Waldboden.
Wer ist jetzt ER/SIE/ES?
Gedöns-Uni in Dingeskirchen - aha, soso.

Wenn Ungeimpfte nirgends mehr hin/rein dürfen (außer Supermarkt, Apotheke, Tankstelle), wieso sollen dann Geimpfte/Geboosterte zusätzlich einen Test vorweisen?
Wie lange soll das so weiter gehen?

Viele Zeitgenossen interessieren keine int. Zahlen: es gilt das HIER u JETZT!
Wie sieht es eigentlich in Madagaskar oder dem Vatikan aus?

Schöne Woche!
in nomini patre et filii et spiritus omikron ✌

Ernst-Günther Konrad | So, 16. Januar 2022 - 17:13

Netter Artikel Herr Seligman. Es kann so sein, muss aber nicht so sein. Sie vermuten Aufgabe, ich vermute versteckte und verschwiegene Einsicht und damit verbunden die Hoffnung, dass Volk wird, schon vergessen, was man mit ihm gemacht hat und wer verantwortlich ist. Es könnte auch gut so, dass eben das "geknechtete" Volk so eingeschätzt wird, das sollte weiterhin Panik, Angst, Druck und Unterdrückung fortbestehen, die Politiker sämtlich aus dem Amt gejagt werden. Leider schreiben Sie nichts darüber, dass trotz gestiegener Inzidenz, wie viele Menschen Symptome haben? Wie viele nur wegen Corona ohne Notfall oder Vorerkrankung hospitalisiert werden müssen, wie lange dort bleiben? Wer deswegen beatmet wird und gar verstirbt? Wieviel davon wie oft geimpft wurden? Glaubt jemand wirklich, die Zahlen in Israel wären nicht genauso falsch, wie im Rest der Welt, wo jeder seine eigenen Rechenarten kreierte. Mir kommt es eher so vor, das die Politik dort den Prozess des "Vergessens" eingeläutet hat

Karla Vetter | So, 16. Januar 2022 - 18:32

Das sich fügen in das Unabwendbare kann durchaus ein Akt der Vernunft und der Befreiung sein.Auch wenn bei uns der Paniklevel hoch gehalten wird,andere Staaten handhaben es anders.Die Aussicht sich alle 3-4 Monate einer genbasierten Behandlung zu unterziehen, scheint für viele keine Option zu sein.Selbst für die EMA nicht,auch dort kommen Zweifel auf.Wenn wir bei jeder Grippewelle die Inzidenz ermittelt hätten,wir wären wohl bei 2000 oder höher gelandet,sagte mir kürzlich ein befreundeter Arzt.Da sind in den 4 Grippemonaten schon mal bei uns bis zu 10 Milionen Menschen infiziert.Nun bietet Omikron die Chance auf einen Paradigmenwechsel. Abstand, Hygiene und eingeschränkte Kontakte sind zu Erkältungszeiten sowieso nicht ganz unnütz.

Sabine Lehmann | So, 16. Januar 2022 - 19:45

Zumindest in Deutschland, da bin ich ganz sicher. Als der Regelungswahn und die Verbote groteske Züge annahmen, stellte ich im Bekanntenkreis die These auf, dass Deutschland (und n u r Deutschland!) sich niemals von Maßnahmen verabschieden wird. Zumindest nicht freiwillig. Beenden würde das nur ein Putsch oder ein Bürgerkrieg. Wer die devote Beamtenseele der deutschen Mentalität kennt, weiß wie wahrscheinlich das ist.
Wir werden auch ganz sicher das erste und einzige Land weltweit sein, dass eine völlig sinnlose Impfpflicht einführen wird(Ausnahmen: Tadschikistan und Turkmenistan). Der Rest der relativ vernünftigen freien Welt denkt stattdessen über Aufhebung von Maßnahmen nach, in Deutschland hingegen wird weiter verboten und geregelt was der "Instrumentenkasten" autoritärer Systeme zu bieten hat.
Gibt es bald einen Impfstoff gegen Realitätsverlust? Dann bitte Impfpflicht für Politiker.

Urban Will | So, 16. Januar 2022 - 20:12

„Aufgeben“ ist das falsche Wort.
Wie Sie sagen: Wer Hitler, Arafat, KZ's, Kriege u feindliche Raketen überlebt hat, den kann man nicht mit Angst und Panik wegen eines Virus einschüchtern.
Das hat die Regierung wohl erkannt. Ebenso wie sie erkannt hat, was unsere nicht kapieren möchte.
Omikron schert sich einen „Dr...“ um die Impfungen. Es verbreitet sich nach Lust und Laune. Nur die deutschen Schlafmützen glauben noch daran, dass ihre dämlichen Maßnahmen etwas bewirken.
Man fährt weiter auf Panik.
Dass Schwerstverläufe bei Geimpften tatsächlich seltener auftreten, mag sein, ich glaube keinen Zahlen mehr.
Ich bewundere die Israelis, ihren Humor und ihre Lebensfreude. Sie werden ihren Weg gehen und am Ende der Welt beweisen, was viele eh schon wissen.
Das Leben mit dem Virus ist unausweichlich und die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben extrem gering.
Letzteres ist es nicht wert, auf Dauer unter einem Joch zu leben.
Auch wir Panik – Fritzen werden das noch kapieren.

F. Zimmermann | Mo, 17. Januar 2022 - 01:18

" Wer Hitler, Arafat, KZs, Kriege und feindliche Raketen überlebt hat, lässt sich auch von einem dahergeflogenen Virus nicht einschüchtern. "

Das ist die einzig sinnvolle Einstellung zu einer Krankheit mit dem bekannten Risiko-Profil,
etwa der großen Anzahl asymptomatischer Fälle.

Durch etwas Abstraktion kann man auch anderswo zu ganz ähnlichen Schlüssen kommen.

H. Stellbruch | Mo, 17. Januar 2022 - 09:24

Dem ""Aufgeben" dürfte die Erkenntnis zugrunde liegen, dass der Kampf gegen die Durchseuchung mit Omikron bereits verloren ist. Es ist offensichtlich auch keine Katastrophe, und die vierte Impfung scheint viel weniger zu bringen als gehofft. Also ausreichend (dreimal) impfen und sich dann dem Virus stellen, das ist die jetzt vernünftigste Strategie. Ganz anders Deutschland, wo man immer der Meinung ist, nicht von der Welt lernen zu müssen, sondern die Welt von Deutschland lernen zu lassen.
In Israel gibt es einen Witz: "Wenn Du einmal absolut nicht weiter weißt, frag die Deutschen ... und mach das Gegenteil davon."
Sie werden es erneut besser machen als wir.

heißt bekanntlich, eine Sache um ihrer selbst Willen tun. Eine Handlungsmaxime, die sich bei Klimaschutz und Migration schon so bewärt hat, kann doch bei der Bekämpfung von Covid 19 nicht falsch sein....

M. Bernstein | Mo, 17. Januar 2022 - 12:40

Probleme gibt es nicht mit dem Virus sondern durch die Maßnahmen dagegen. Auch in Israel wird man dazu übergehen Covid-19 wie eine Grippe zu sehen und zu behandeln. Also endlich auch den Erkrankten Medikamente möglichst frühzeitig geben.

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