Armin Laschet
Armin Laschet am Dienstag im Bundestag / dpa

Nach der Bundestagswahl - Laschets letzte Tage?

Die Union versucht, die FDP aus der rot-grünen Umarmung zu lösen, um doch noch an die Macht zu kommen. Aber selbst wenn das gelingen sollte: Armin Laschets politische Zukunft ist unsicher.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Es war ein denkwürdiges Bild: Einem Denkmal gleich saß Angela Merkel am gestrigen Abend im rosa Blazer auf der Regierungsbank unter der Reichstagskuppel, so wie sie es in den 16 Jahren zuvor getan hatte. Aber teilnahmslos, mal mit dem Handy beschäftigt, mal mit dem Tablet, folgte sie dem Spektakel, das sich rund um sie abspielte. Wie viel hat das, was sich nach der historischen Niederlage in der Union abspielt, mit ihrem Festhalten am Kanzleramt zu tun? Wäre alles anders gekommen, hätte sie rechtzeitig an Armin Laschet übergeben? In den Pausen kommen alte und neue Abgeordnete, um mit ihr letzte Erinnerungsfotos zu schießen. Die Union muss jetzt wieder laufen lernen, Merkel ist Vergangenheit.

Schräg hinter ihr reibt sich ein sichtlich ermüdeter Armin Laschet die Augen. Die Fraktion hat sich wegen Corona im Plenarsaal des Bundestags versammelt, deshalb sitzt der Kanzlerkandidat, der die Wahl verloren hat, dort, wo eigentlich Kanzler und Minister sitzen. Die Chancen, dass er noch öfter auf der Regierungsbank sitzen wird, stehen 1 zu 10.

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Rob Schuberth | Mi., 29. September 2021 - 13:20

Sorry, aber Laschets politische Laufbahn ist bereits beendet.

Er weigert sich nur das einzusehen.

Schuld daran sind m. E. auch diejenigen die seine angeblichen Steher-Qualitäten u. sein sprichwörtliches Aussitzen, einen euphemistischen Anstrich verpassen.

Spätestens wenn diese Stimmen der Journaille verstummen, ist es offiziell aus mit Laschet.

M. Tipp:
Er wird dieses WoE politisch nicht überleben.

Ingo Kampf | Mi., 29. September 2021 - 13:21

Was die Einschätzung von Männern betrifft, höre ich auch auf meine Frau. Die ist im allgemeinen sehr ruhig, privat zur Milde und beruflich zur Härte sozialisiert. Bei Laschet‘s Wortgirlanden am Wahlabend ist sie geradezu „explodiert“, wie ich sie selten so erlebt habe. Der ganze Frust über diesen sich zum Schaden der CDU selbst überschätzenden Mann, kam kurz aus ihr heraus.
Laschet hat kein Standing und keine wirkliche Empathie. Die glücklose Kraft mit ihrer Chaostruppe hat ihm in NRW geholfen. Laschet sitzt jetzt zwischen allen Stühlen. Er kann die CDU nur noch belasten. Das Einzige, was der CDU/CSU noch helfen könnte, wäre ein veritabler Skandal im Zusammenhang mit den Hamburger CUM-ex-Geschäften im Umfeld der lokalen SPD. So ganz ist der schweigsame und vergessliche Scholz an Schmitz Backes vorbei. Das könnte die Grünen und vor allem die FDP irritieren.

Enka Hein | Mi., 29. September 2021 - 13:27

...ganz einfach.
Berlin enteignet doch die Wohnungskonzerne.
Und die dann gemeinnützigen Wohnungen, muss ja irgendein abgehalfterter Politiker dann endgültig in finalen Tod begleiten.
Da kann man dann quasi eine „Neue Heimat“ für die Öcher Printe (Aachener Printe) machen.
Das Totenglöckchen läutet doch sowieso schon über ihm.

Hans Jürgen Wienroth | Mi., 29. September 2021 - 13:52

Ist es richtig, diese „vergeigte Wahl“ Armin Laschet anzulasten? Wäre der Erfolg mit Söder oder Merz anders verlaufen? Einem Merz, der die Delegierten mit seiner Rede nicht begeistern konnte oder einem Söder, der grün-gewendet die Bäume umarmt und kaum von den Grünen zu unterscheiden ist? Hat nicht Söder einen Hauptanteil am CDU-Absturz und soll jetzt mit der Kanzlerschaft belohnt werden?
Wer in der Riege (Brinkhaus, Röttgen, Spahn usw.) steht für einen Politikwechsel? Alle sind mit angeblichen Umfragen beeinflussbar und damit für Manipulationen anfällig, die Medien bestimmen, was geschieht? Jene Medien, die massiv gegen die CDU und Laschet intrigiert haben und jetzt kräftig einen Wechsel an der Spitze herbei schreiben, um die Ampel abzusichern?
Wenn die CDU wirklich einen Neuanfang will, dann muss die komplette Riege spätestens in 6 Monaten aus der ersten Reihe entfernt werden, damit sich neue, kompetente Leute positionieren können.

Peter Lutz | Mi., 29. September 2021 - 14:26

Eine Ampel kann ich mir nicht wirklich vorstellen! Die FDP müsste gegenüber (der SPD und) den Grünen zu viel von ihren Positionen aufgeben.
Sondierungsgespräche zwischen Linke und der AFD wären nach meiner Meinung voraussichtlich Zielführender.
Ich denke auch, das es bald Gespräche zwischen CDU/CSU und FDP geben wird, natürlich OHNE Laschet, der wird vorher in die Wüste geschickt. Hier müssten dann aber die Grünen zu viel Federn lassen. Also kann es auch keinen Söder als Kanzler geben. Als dank dafür das FDP und die großen Verlierer CDU/CSU in der Regierung sind und größtenteils ihre Positionen zum Zuge kommen, bekommen die Grünen das Kanzleramt.
Natürlich nicht Frau Baerbock, nein.
Das macht dann Robert Habeck!
Damit wären dann auch alle (Jungen) Grünen und deren Wähler mehr als zufrieden gestellt.

Zugegeben, ein gewagtes Hirngespinst! Aber nichts scheint unmöglich.
Warten wirs mal ab.

Schönen Tag noch

Bert Dufaux | Mi., 29. September 2021 - 14:28

"Man versucht jetzt zu retten, was zu retten ist, hört man aus Bayern", das stimmt ja so nicht ganz. Söders Plan ist es, Laschet um jeden Preis zu verhindern, damit er in 4 Jahren, wenn Scholz dann abgewählt wird, als Kanzelkandiat endlich ran darf. Sollte Laschet aber jetzt Bundeskanzler werden, könnte er beim nächsten Mal einen Anspruch auf den Posten natürlich vergessen. Der Amtsinhaber bliebe dann ja gesetzt, außer er will nicht mehr. Außerdem hat der Bayer noch eine Rechnung mit dem CDU-Chef offen. Deswegen ist Söders Devise: Knüppel zwischen die Beine, oder besser gesagt, Steine in den Weg der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP/Grüne legen, wo immer es geht. Die Partei ist im völlig egal, nur er selbst und seine Karriere sind wichtig. Söder will seine Chancen auf die Kanzlerschaft beim nächsten Mal retten, sonst nichts.

Heidemarie Heim | Mi., 29. September 2021 - 14:54

"Mein Gott, sind die aber groß geworden!", wird sich so mancher aus der Verwandtschaft fragen. "Ja, und sie können sogar schon ohne Hand laufen". Diese Begeisterung bezüglich flügge werdendem Nachwuchs, wird angesichts dieses selfies nicht von allen so enthusiastisch geteilt worden sein. Hatten die nicht nächtlichen Hausarrest;)? Das hat man nun davon, von dieser antiautoritären Erziehung oder wie das heißt;(.
Also umso länger ich mir die trauten Vier so anschaue, desto wahrscheinlicher wird es, dass Ihre Prognosen zutreffen könnten lieber Herr Gathmann! Vor allem Herr Wissing, der die Zusammenarbeit mit einer intern als knallhart bekannten Malu Dreyer in einer RLP-Ampel kennt, scheint mir gerade zur Hochform aufzulaufen und das Image der Ein-Mann-Lindner-Partei ordentlich aufzupolieren. Habe gerade bei seiner PK reingeschaut und muss zugeben, das er sehr souverän mit der natürlich insistierenden Presse umging! Der Mann behält die Ruhe und hats im Griff! MfG

Ingofrank | Mi., 29. September 2021 - 15:04

und immer kommt der gleiche Text den man nachmurmelt. Davon wird‘s auch nicht besser, aber es beruhigt.
So in etwa ist das Verhalten der CDU samt des Kanzlerkandidaten, der die Wahl verloren hat. Laschet ergreift den Strohalm wie es die alten Bonzen des DDR Regime 1989 taten. Krenz wollte den Sozialismus reformieren, Mielke liebte plötzlich „Alle“. Aber eines hatten sie alle gemeinsam bis zur vorletzten Minute. Alles loyale Anhänger Honeckers und dem Sozialismus huldigend bis 1 Minute v. 12.00. Das alles empfand ich damals derart lächerlich, dass ich heute noch den Kopf schüttele. So und genau so empfinde ich das Verhalten Laschets und der gesamten CDU + CSU. Ein Glas klarer Schnitt muß her: programmatisch , strukturell und personell und nicht zuletzt ein unverstellter Blick auf die, dem eine Regierung zu dienen hat, dem Volk! So wird ein Schuh daraus, und nicht umgekehrt!

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Karl Kuhn | Mi., 29. September 2021 - 15:09

"Armin Laschet bliebe dann noch der Posten des glücklosen CDU-Vorsitzenden"

Nun ja, das ist einer der wichtigsten politischen Posten in diesem Land. Und vielleicht ist Laschet dort auch sowohl gut aufgehoben, der richtige Mann zur richtigen Zeit, versorgt und auch ausgelastet. So gesehen verstehe ich nicht, warum er seinen Verzicht auf den ganzen Rest nicht jetzt schon freiwillig anbietet, das würde viel Schaden von der CDU abwenden.

Maria Fischer | Mi., 29. September 2021 - 15:22

Laschet als Hero oder Helena?
Abwarten.
Die Zeit spielt eher gegen Scholz.
Der SPD Finanzskandal in Hamburg wird Scholz nicht überstehen.
I love Shakespeare.

Dirk Neuhardt | Mi., 29. September 2021 - 17:36

gewählt haben?
Das waren doch nicht ein paar Kungeleien. Er hat gegen Merz gewonnen obwohl jedem bei Verstand klar gewesen sein muß, dass Laschet weder zum Vorsitzenden noch zum Kanzler taugt.
Eigentlich müssten die Deligierten, die ihn gewählt haben jeweils aus ihren Ämtern und Funktionen zurücktreten.
Zusätzlich das gesamte Präsidium. Zusätzlich der Bundesvorstand.

Nach meinem Verständnis sind nicht diejenigen Schuld, die Blödsinn erzählen, sondern diejenigen, die diesen Blödsinn dann auch noch zur Mehrheit zu Tagesordnungspunkten etc verhelfen.

Ich bin vollkommen Ihrer Meinung Herr Neuhardt!
Die Deligierten haben ihn gewählt weil sie Merz nicht wollten.
Die Basis hätte Merz gewählt.
Was das schlimme daran ist, diese Leute haben ihren eigenen Mann und dessen Familie dadurch öffentlich hingerichtet.
Zur Strafe sollen alle in die Opposition.
Und das am besten für die nächsten 16 Jahre.
Was für ein wiederliches Schauspiel.

Dr.Andreas Oltmann | Mi., 29. September 2021 - 21:10

Volle Zustimmung, Herr Neuhardt!
Die Wähler haben der CDU und ihrer Mannschaft eine grandiose und historisch einmalige Niederlage verpasst. Alle, von Merkel ins Amt gebrachte und Protegierte sind daran beteiligt. Die logische Konsequenz muss eigentlich sein, dass alle, die in Amt und Würden waren, ihr Versagen eingestehen und zurücktreten. Laschet, Altmeier, Spahn, Braun, Breinkhaus und auch Röttgen und alle CDU-Minister. Das wäre demokratisch und anständig. Stattdessen kleben sie an ihren Posten und spielen ihre Machtspiele in Hinterzimmern, wie von Merkel gelernt. Daraus wird kein Neuanfang, der Abstieg wird weitergehen. Und die Parteibasis grummelt, aber traut sich auch nicht, den Stall auszumisten.
Überheblichkeit kommt vor dem Sturz -hoffentlich!

Sabine Lehmann | Mi., 29. September 2021 - 23:42

Wie wir alle ja leidvoll erfahren mussten in den letzten 10 Jahren, spielen die ÖR stark an der linken Außenlinie. Wer die letzten zwei Tage aufmerksam(wenn auch widerwillig) die entsprechenden Gesinnungskanäle eingeschaltet hat, der kam nicht umhin feststellen zu müssen, dass ARD, ZDF und auch die RTL- und SAT1-Gruppe das Ampel-Orchester schon in mehreren Ouvertüren durch haben.
Aktuell sitzen z.B. gerade eine Dame von der FDP und C. Roth von den Grünen zum Plausch bei Sandra Maischberger, die mit rhetorischem Stöckchen dirigiert und die beiden brav drüber springen lässt. Ganz im Sinne bekannter Erziehungs- und Gesinnungsmuster. Der Bürger muss ja jetzt auf die nächste unheilvolle Ära vorbereitet werden. Bei dem Geschwafel der FDP Politikerin wurde mir schon mal schwindelig, und ich staunte darüber, wie viele Ausweichformulierungen die deutsche Sprache liefert, um nicht klar sagen zu müssen: wir machen alles mit, Hauptsache wir regieren mit! Mir schwant nichts Gutes, echt nicht…

dass das mit der deutschsprachigen Version von Russia Today wohl nichts mehr wird. Auch wenn Putin jetzt im Kreis springt. Und wenn doch, dann höchstens irgendwo versteckt in den Tiefen des Internets, auf keinen Fall aber im örtlichen Kabelnetz, und nicht mal mehr bei YouTube. Gut so.

Ersatzweise haben Sie ja noch irgendwelche bizarren, selbstgebastelten Video-Kanälchen, Oder zahlreiche "neutrale" Kläffer-Blogs", auf denen Erleuchtete und Wissende dank scharfsinniger Analyse den Anfälligen und Naiven über die fortwährende Manipulation des Durchschnittsmichels aufklären.

Entsprechende Ergebnisse sind, wie man sieht, zu erwarten.

Satire Ende.

Liegen bekanntlich nah beieinander. Gerne hätte ich Ihre Antwort verstanden und für mich einordnen können, aber leider konnte ich weder den satirischen Ansatz erkennen(und ich stehe auf Satire), noch vermochte ich nachzuvollziehen, woher diese Angriffslust kommt.
Auch mit dem kausalen Kontext zu Herrn Putin komme ich nicht zurecht, aber vielleicht stehe ja heute auch auf der sprichwörtlichen Leitung. Es gibt da ja manchmal so Tage…..sie wissen, was ich meine: da will einem so gar nichts gelingen;-)

Ernst-Günther Konrad | Do., 30. September 2021 - 11:13

Was wir jetzt erleben, bildet das ab, was einige von uns schon haben kommen sehen. Laschet wird zum Sündenbock in der Hoffnung, man könne sich selbst aus der Schusslinie nehmen. Opfern wir Laschet lenkt das von den Delegierten ab, die wider besseren Wissens, entgegen dem Willen der Parteibasis, einen Merkelianer zum CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten ausriefen. Insofern bin ich da völlig der Meinung von Herr Neuhardt und Herr Wergen. Jetzt fordern alle "Erneuerung" und schonungslose Analyse. Netter Versuch über das eigentliche Problem hinweg zu täuschen. Solange die jetzigen Unionisten weiter werkeln, die in ihrer Gesamtheit dieses Desaster ermöglicht haben, wird sich da nichts ändern. Laschet wird noch als Köder gebraucht, falls GRÜN/GELB doch Jamaika anstrebt. Lindner kann wohl gut mit Laschet. Und noch immer ist diese Regierung im Amt, bleibt es auch, später geschäftsführend und Merkel macht weiter und ihre Vasallen ebenso. Laschet wird derzeit nur politisch invasiv beatmet.