Eine weiß gekleidete Justitia während einer Corona-Demonstration im September in Hannover / dpa

John Rawls zum 100. - Gerechtigkeit sticht Identität

Heute wäre John Rawls 100 Jahre alt geworden. Vor Jahrzehnten hat uns der große Philosoph der Gerechtigkeit noch ganz selbstverständlich eine Fähigkeit zugetraut, die uns in identitätspolitisch zersplitterten Zeiten verloren zu gehen droht: dass wir gemeinsam unter Gleichen, von Unterschieden absehend, die Gesellschaft verbessern.

Autoreninfo

Jens Nordalm leitete bis August 2020 die Ressorts Salon und Literaturen bei Cicero.

So erreichen Sie Jens Nordalm:

Heute wäre Rawls, der große Philosoph der Gerechtigkeit, 100 Jahre alt geworden. John Rawls, der 1921 in Baltimore geboren wurde, ist einer der wichtigsten Theoretiker politischer Gerechtigkeit im 20. Jahrhundert. Seine Frage war: Wann ist eine gesellschaftliche, eine politisch-soziale Ordnung gerecht eingerichtet? Wann sind Regeln, die in ihr gelten sollen, oder Praktiken, die in ihr herrschen, gerecht?

„Das sieht doch jeder anders!“ – war nicht seine Antwort. Rawls hat über diese Fragen eines der berühmtesten philosophischen Bücher des vergangenen Jahrhunderts geschrieben, das magischerweise ebenfalls Geburtstag hat, fünfzigjährigen, es ist 1971 erschienen: „A Theory of Justice“, „Eine Theorie der Gerechtigkeit“.

Cicero Plus weiterlesen

  • Monatsabo
    0,00 €
    Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden. Der erste Monat ist gratis, danach 9,80€/Monat. Service und FAQs
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
  • Ohne Abo lesen
    Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Ernst-Günther Konrad | So., 21. Februar 2021 - 16:29

Kenne diesen "Philosophen" nicht. Das wenige, was Sie über ihn schreiben mag ich so subsumieren. Kenne ich nicht, brauche ich nicht, kann weg. Nun er ist gestorben, meine letzte Aussage damit obsolet.

Manfred Sonntag | So., 21. Februar 2021 - 17:30

Herr Rawls war ein kluger Mensch und hat ein hervorragendes Werk geschrieben, wie Sie Herr Nordalm, hier ausgezeichnet darlegen. Aber was nutzt es heute? So lange wie ich in ein Gespräch mit anderen Menschen kommen kann, ist die Rawls'sche Theorie hervoerragend. Beide Seiten können sich arrangieren. Aber was passiert heute? Es wird von Beginn an alles blockiert was zu einem Gespächsangebot außerhalb der pseudolinksliberalen Blase führen könnte. Viele Bürger unseres Landes werden ausgegrenzt. Es reichen blose Verdachtsmomente um die Lebensgrundlagen der Menschen zu entziehen. Auf Fragen gibt es keine Antworten. Egal ob der Herr Reitschuster bei der Bundespresselonferenz oder der Herr Sonntag im Leserbeirat bei der Sächsischen Zeitung Fragen stellt, sie werden ignoriert oder gar mit scheinheiligen Argumenten blockiert. Und da sind wir schon bei den unterstützenden Aktionen der Mainstream-Medien bei der Entwicklung totalitärer Herrschaftsinstrumente. Weit weg von Mr. Rawls Idealen.

Heidemarie Heim | So., 21. Februar 2021 - 17:52

Dies praktizierte ich wohl unbewusst als Kind und Jugendliche zur Bewältigung verschiedenster Krisensituationen. Oder wie meine Eltern mir ohne Erziehungsratgeber vermittelten, dass es immer einen gibt, dem es schlechter ergeht als mir und meinem momentanen Problem. Und nicht wenige Probleme hatte ich mit einem mir eigenen Sinn für Gerechtigkeit, den ich auch von den Erwachsenen erwartete bzw. vehement einforderte;). Ich ließ mich da schon ungern abspeisen mit Bemerkungen wie "Das war schon immer so" oder "Daran lässt sich halt nix ändern". Doch ich hatte glücklicherweise immer auch lebensnahe Vorbilder, die mich in richtige Bahnen lenkten, aber auch meine bisweilen eigenschädliche Empathie für alles und Jeden auf ein Normalmaß reduzierten. Das gab mir eine gute Grundlage für ein zufriedenes Leben und wie ich dachte auch für das meiner Mitmenschen, mit denen ich diese Voraussetzungen und Chancen gleichwohl teilte. Leider nur noch ein Trugbild der heute angesagten Identitätsvernagelung.

Bernd Muhlack | So., 21. Februar 2021 - 19:11

John Rawls? Wiki: ein sehr beeindruckender Lebenslauf.
Ich habe sofort obiges Buch bestellt.

Hätte es 1971 twitter, Gedöns gegeben wäre wohl ein shitstorm ob dieses Buches entbrannt.
Die üblichen Verdächtigen finden bekanntlich immer einen Grund!
Sie müssten das Buch nicht einmal lesen, allein das Äußerliche des Prof. Rawls ist (war) bezeichnend: gar ein WASP?

Ja, jeder sollte die gleichen Chancen haben.
Jedoch hat nicht jeder die notwendigen Voraussetzungen um das Angebot zu nutzen; sei es qua geistiger, körperlicher oder sonstiger "Mängel".
Dann kommen die Zauberworte "Inklusion, Diskrie etc" - Unsinn!

BLM - alte weiße Männer - Klimarettung - LGBTQ....

Und dann kam Polly, äh Corona!
Nein! Ich bin kein VT, C-Leugner!
Jedoch taucht vermehrt der Begriff "Great Reset" auf: die Kanzlerin beim WEF, Brinkhaus heute im WO-Interview, Dr. Schäuble ebenfalls.
"Die Corona-Krise ist eine große Chance. Der Widerstand gegen Veränderung wird in der Krise geringer"
Aha, soso - 50,35,0 - minus 10

Markus Michaelis | So., 21. Februar 2021 - 19:13

aber haben, zu unserem Erstaunen, nicht die letzten Jahre gezeigt, dass dieser Gerechtigkeitsbegriff ein Trugschluss war, der letztlich schon voraussetzt, dass alle ähnlich denken.

Menschen sind heute zutiefst von allen möglichen Dingen emotional getroffen, die mit diesem Schema nicht erklärbar sind.

Für mich liegt der Grundfehler im heutigen Ansatz unserer Gesellschaft, der plakativ gesprochen von Merkel mit "multilateral und Vielfalt (innerhalb einer Gesellschaft)" vertreten wird. Ich denke, das geht letztlich von einem westlichen Weltbild aus, in dem doch alle irgendwie gleich, und zwar wie wir denken.

Meinem Gefühl nach gibt es zumindest Stand heute soviel Vielfalt, dass wir uns mehr darum bemühen müssen, wo man Grenzen zwischen verschiedenen Gesellschaften zieht, so dass alle ohne zuviele emotionale Schmerzen ihre eigenen Weltsichten und gesellschaftlichen Ansätze haben können.

Bezüglich der emotionalen Schmerzen innerhalb einer Gesellschaft bin ich eher ratlos.

Wo bleibt die Fairness? Man kann Ihr Bild auch stärker fokussiert betrachten. Der Eine bemüht sich "etwas" zu erreichen, indem er sich anstrengt, lernt und arbeitet. Der Andere bleibt lieber lange im Bett und verträumt seine Zeit. Wenn nun beide das Gleiche erreichen, der Eine durch Fleiß, der Andere wird von der Allgemeinheit gesponsert, ist das evtl. gerecht, fair ist es nicht. Wenn sich die Einen für bunte Vielfalt und Zuwanderung aussprechen, die Anderen aber als Nachbarn oder Eltern mit dieser für sie evtl. schwierigen Vielfalt leben müssen, ist das gerecht? Und wo bleibt die Fairness?

Gerhard Hellriegel | Mo., 22. Februar 2021 - 08:44

In meinem Elternhaus waren alle Kinder unterschiedlich. Sehr unterschiedlich. Das wurde ganz selbstverständlich berücksichtigt. Trotzdem bekamen alle das Gleiche zu essen. Das prägt.