Psychologie des Hamsterns - Warum ist Klopapier ausverkauft, Frau Gilan?

In Zeiten der Coronakrise ist Klopapier Mangelware. Die Nachfrage ist so groß, dass der Einzelhandel die Zahl der Packungen pro Käufer schon rationieren musste. Die Psychologin Donya Gilan über einen Trend, der auch etwas über das Verhältnis der Bürger zur Politik verrät.

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Friedliche Klo-Existenz mit ausreichend Papiervorrat / dpa

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Donya Gilan ist wissenschaftliche Leiterin des Bereichs „Resilienz & Gesellschaft“ im Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz. Sie forscht zu der Frage, wie sich psychische Gesundheit aufrechterhalten lässt, wenn etwas Einschneidendes im Leben geschieht.  

Frau Gilan, haben Sie zu Hause schon Klopapier für schlechtere Zeiten zurückgelegt?
Nein, ich habe keine größeren Vorratskäufe getätigt. Ich habe zwei Packungen da, damit komme ich, glaub ich, erstmal gut über die Runden.

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Bettina Jung | Mo, 23. März 2020 - 19:53

Der Volksmund sagt, wir sind im Arxxx. Kloopapier is King

Barbara Piele | Di, 24. März 2020 - 09:58

In reply to by Gast

Heute früh im Stern:
Oligarchen kaufen Beatmungsgeräte auf und werben Ärzte ab

Noch ist Russland vom Coronavirus vergleichsweise verschont geblieben. Doch die Reichen des Landes sorgen vor und bauen auf ihren Anwesen private Kliniken auf. Für das russische Gesundheitssystem könnte dieses Verhalten gravierende Folgen haben.

Dagegen ist Klopapier inzwischen ein Schei...Dreck. Im wahrsten Sinne. -- Das sind wir kleinen Menschlein im Supermarkt.

Barbara Piele | Di, 24. März 2020 - 10:01

In reply to by Gast

Heute früh im Stern:
Oligarchen kaufen Beatmungsgeräte auf und werben Ärzte ab

Noch ist Russland vom Coronavirus vergleichsweise verschont geblieben. Doch die Reichen des Landes sorgen vor und bauen auf ihren Anwesen private Kliniken auf. Für das russische Gesundheitssystem könnte dieses Verhalten gravierende Folgen haben.

Dagegen ist Klopapier inzwischen ein Schei...Dreck. Im wahrsten Sinne. -- Das sind wir kleinen Menschlein im Supermarkt.

Das glauben höchstens Putin-Fans. Wie viele Tests hat man denn bislang durchgeführt? Ein paar Dutzend?

Da könnte man doch glatt einen Chuck-Norris-Witz reaktivieren:

Warum kommt Covid-19 nicht nach Russland? Antwort: Weil es Putin fürchtet.

Vor Donald Trump hatte es übrigens keine Angst. Aber der bekämpft seine Gegner ja hauptsächlich mit Twitter-Poesie. Da hat das Virus nichts zu fürchten.

Ronald Llehmann | Mi, 25. März 2020 - 18:13

In reply to by Gast

Egal, um welches Produkt sich handelt, welches man in Krisenzeiten benötigt!
Wir Menschen haben aus Erfahrung heraus wie etliche Tiere eine Vorratswirtschaft betrieben, um auch einmal "Dürrezeiten" zu überleben.
Und da spielt es keine Rolle, um welchen Anlass es sich handelt. Für die Betroffenen war es egal, ob es sich um Stromausfall, Brand, Hochwasser geht oder ein Virus sich austobt. Wichtig war & ist es, dass man gewappnet ist. Egal, ob es früher Konservengläser waren oder gekacktes Holz vor der Hütte. Als ich als kleines Kind mal gefragt habe, warum wir so viel Holz hacken müssen, wurde mir berichtet, das man lt. einer alten Bauernregel mindestens für 6 Monate sich an Holz bevorraten soll. Den Unterschied kann ich heutzutage in der Bekanntschaft & Verwandtschaft zwischen 2 Generationen wunderbar erleben. Während die jüngere Generation oftmals mehrere Fertiggerichte & Pizzen stapelt, hat die ältere Generation die Grundmittel wie Mehl (am besten mehrere Sorten) im H.

Bernd Muhlack | Mo, 23. März 2020 - 19:56

Die Jungs aus Kölle!
Ist sicherlich hier nur Wenigen ein Begriff.

"Auf dem Klo auf dem Klo, sind alle Menschen froh
ob arm oder reich, Neger, Jude, Scheich -
hier sind alle Menschen gleich."

Der Song stammt aus den 80ern; "Neger" käme heut zu Tage "natürlich" auf den Index.

Nein, das ist keine germanische, theutsche Besonderheit: auch Türken, Italiener und was sonst noch so im Angebot ist, packen die Wägelchen mit Klopapier bis zum Kollabieren der Rädchen voll!
Da muss man schon zu zweit schieben, ziehen!

Quarantäne-Koller?
Zeitgenossen welche eher asketisch-eremitisch ihr Dasein fristen, können mit diesem Wort natürlich nichts anfangen.
Ich gehöre nicht zu diesem elitären Personenkreis, komme aber in selbst auferlegter Quarantäne sehr gut zu Recht; mit meinen "Vorbelastungen" bleibe ich lieber zu Hause.
Garten, Terrasse reichen aus.
Freundliche Nachbarn sind sehr wichtig.
Außer Klopapier können sie mir alles besorgen!
DANKE!

Ich liebe solche Artikel!

& Leibniz war kein Keks

dieter schimanek | Di, 24. März 2020 - 05:37

Ein Freund aus dem Nachbarort rief mich an und erzählte mir von seiner vergeblichen Suche nach Klopapier. Ich weiß daß er ein Schnäppchenjäger ist und deshalb als Einkaufsmöglichkeit nur Aldi, Lidl und Co in Frage kommt. In meinem Laden gab es keinen Mangel. Das Einzige was fehlte waren Bananen. In einem anderen Geschäft in dem ich gelegentlich einkaufe gab es jede Menge Klopapier, ich kaufte also für meinen Freund ein XXL Pack mit 16 Rollen. Mein Fazit, "Geiz ist geil" um 50 Cent zu sparen rennen alle zu den Discountern und die sind natürlich ausverkauft.

Claudia Obermann | Di, 24. März 2020 - 06:05

Während sich die Deutschen offensichtlich vor lauter Angst vor dem Virus beinah in die Hosen machen, spülen die Franzosen ihre Ängste und Sorgen lieber mit einem guten Glas Rotwein runter.
An der Wahl der Mittel in einer Krisensituation offenbart sich scheinbar auch der Charakter einer ganzen Bevölkerung.
Sollte diese These stimmen, ist Frankreich jedenfalls im Ländervergleich zu Deutschland und den USA mit Sicherheit das Land mit der sympathischsten Außendarstellung!

Ja, interessant, Frau Obermann. Wir gehen z.B. gern in ein 50-er Jahre Kino, in dem auch alte Werbung läuft. Z.B. "Tampax" -Monatsgygiene für Frauen. Während im Filmchen die Frauen in Paris rauchend in den Strassencafes sitzen und sich augenzwinkernd das Wort "Tampax" zuraunen, gehen die Italienerinnen in Rimini fröhlich im Bikini am Strand entlang und blicken sich wissend an,- sie haben ja "Tampax". Dann der Schwenk nach Deutschland: Vor einer interessierten Frauengruppe referiert eine Krankenschwester mit gestärktem Häubchen und schärft in eindringlichem Ton ihren Zuhörerinnen ein: "vor allem hygienisch, sicher und.... sauber!!!." Scheinbar hat sich der Hang zur Hygiene, Sauberkeit und Sicherheit, vor allem anderen, bis heute erhalten.

gabriele bondzio | Di, 24. März 2020 - 08:03

Mir leuchtet von allen Aussagen zum Klopapier-Hamsterkauf, der Vertrauensverlust gegenüber der Politik ein. Auch Bilder von leeren Regalen können hier Wirkung entfalten. Wobei Klopapier bei mir nicht im Vordergrund stände. Ich ärgere mich eher darüber, dass Desinfektionsmittel vergriffen sind.
Sie dünken mir wichtiger, als Unmengen eingelagertes Klopapier.
Im Allgemeinen könnte man sagen, dass Menschen sich mit irgend einer aktiven Reaktion gegen das Ausgeliefert-Sein wehren wollen.

Christoph Kuhlmann | Di, 24. März 2020 - 08:19

Entscheidend schein dabei die Verkehrsanbindung und das Einkommen der umliegenden Bevölkerung zu sein. Währen verzweifelt Leute nach einer einzigen Packung Klopapier fragen. Vielleicht sollte man Bezugsscheine einführen. Klopapier ist Volumenfracht und im Transport liegt der Engpass. Der Mangel wird sich so lange nicht beheben lassen solange die Nachfrage anhaltend hoch ist und die Fahrer knapp. Leider ist dieser Berufszweig nicht gewerkschaftlich organisiert aber wenn die Arbeitslosigkeit wegen einer Pleitewelle steigt müsste sich die Lage entspannen. Auch Dosen mit Eintopf und ähnlichem gibt es nicht mehr. Die Vorgabe, nicht mehr als einen Einkaufswagen scheint die Versorgungslage eher zu verschlimmern. Nun hamstern auch viele Menschen, die sonst nur das Nötigste kauften. Außerdem kann es an den Einkaufswagen zu Schmierinfektionen kommen. Insofern sollten alle Maßnahmen in der Korona-Krise darauf überprüft werden, ob sie nicht das Gegenteil bewirken.

Achim Koester | Di, 24. März 2020 - 09:51

Die vermeintliche Knappheit wird der Handel wahrscheinlich nicht durch erhöhte Produktionszahlen ausgleichen, denn tatsächlich ist ja kein Mehrbedarf zu verzeichnen. Die Leute, die gehamstert haben, werden für die nächsten Monate kein Toilettenpapier kaufen, sondern erst die Vorräte aufbrauchen. Ein Ankurbeln der Produktion würde nur zu überhöhten Lagerbeständen bei den Herstellern führen, zumal die Lagerhallen bei den Discountern nach wie vor gut gefüllt sind.

... den "Hamstern" ab der zweiten Packung eine hohe Extra-Gebühr abzuverlangen - aber noch mehr freut mich, dass die Öffentlich-Rechtlichen vor lauter Corona-Hype dem Bashing gegen Konservativ-Denkende (den Rest ignorier ich mal wie die Medien es auf der linken Seite tun ;) nicht mehr in ihrem Sinne nachkommen können.
Endlich mal Nachrichten-Sendungen, wo man nicht nach spätestens 5 Minuten irgend ein derartiges Konstrukt aufgetischt bekommt :)

gerhard hellriegel | Di, 24. März 2020 - 09:57

Wenn es um panikreaktionen geht, sollte uns die börsenpanik mehr sorgen machen als die, die sich klopapier in die backentaschen stopfen. Dort ist die panikreaktion methode, in der software fest installiert.

Die geht mir ehrlich gesagt an dem Teil vorbei, an dem normalerweise Klopapier zum Einsatz kommt, wenn ich denn welches bekomme.
Wenn der Deutsche zum Hamster mutiert, im Supermarkt Artikel des täglichen Bedarfs verschwinden und mitterweile eine ganze Woche nicht verfügbar sind, sorgt mich das viel mehr.
Jetzt rächt sich wohl, dass ich im Vergleich zum Alt-Ossi mit Mangelwirtschaft keine Erfahrungen habe.
Was die Börse angeht, sind meine Gefühle eher ambivalent. Natürlich reflektiert die Börse auch die wirtschaftliche Entwicklung; andererseits ist selber Schuld, wer meinte, er könne durch den Aktienhandel ordentlich verdienen, und jetzt in die Röhre schaut. Untenehmerisches Risiko, es gibt keine Garantien auf ordentliche Profit. Wer den Schaden hat, hat jetzt die Erfahrung.

Jürgen Keil | Di, 24. März 2020 - 17:13

In reply to by Gast

Herr Lenz, wenn ich mich einiger Ihrer Antworten auf Kommentare (selbst kommentieren Sie ja kaum einen Beitrag direkt) erinnere, muss ich feststellen, dass Sie nicht nur mit der Mangelwirtschaft der DDR keine Erfahrungen haben, sondern das Ihnen auch andere Erfahrungen mit den Schwierigkeiten und Problemen des realsozialistischen Alltags fehlen. Als Altwessi kann man Ihnen dafür nur schwer einen Vorwurf machen. Manchmal wünschte ich aber, Sie hätten den Realsozialismus auch hautnah erlebt.

Jürgen Keil | Di, 24. März 2020 - 11:19

Witze überspitzten, aber treffen ! Paul und Fred spazieren durch die Erfurter Innenstadt. Sie treffen einen freundlich dreinblickenden Herren im grauen Anzug, Krawatte und Aktentasche. Er lächelt, gibt Paul die Hand, wünscht einen schönen Tag und läuft weiter. Paul greift sogleich in seine Jackentasche, zieht seinen linken Ärmel hoch und sagt erleichtert, "Alles noch da". "Ja kennst Du den?", fragt Fred. "Ja, das ist der Chef vom Finanzamt".

Heidemarie Heim | Di, 24. März 2020 - 17:04

In Mitteleuropa kommt der mäuseartige Wühler meist als Feldhamster vor. Seine inneren Backentaschen nutzt er zum Transport seiner Nahrung usw. (Quelle Wikipedia) Hatte früher auch so ein nachtaktives Wesen, das seine Nagezähne die halbe Nacht an den Gitterstäben trotz Wetzstein nutzte um Konzerte zu geben;)Zing zong zing! D. Düsentrieb, so sein Name war auch Klopapierfetischist. Besonders das dreilagige
hatte es ihm angetan. Er polsterte damit exklusiv sein Eigenheim aus. Vielleicht sind kunstvoll gestapelte Klorollen aber auch der neueste Trend im Interieur deutscher Wohnkultur? Jedenfalls ein amüsantes Interview in Quarantänezeiten liebe Frau Hildebrandt! Ihnen und Frau Gilan alles Gute!
MfG

Norbert Heyer | Mi, 25. März 2020 - 03:37

Mein Großvater pflegte täglich die von ihm gelesenen Zeitungen zu zerschneiden und in handgerechter Form in der Toilette für hinterlistige Zwecke zu deponieren. Zur Desinfektion in Erkältungszeiten wurde Essig, Schmierseife und Wasser vermischt und die Toilette nach Benutzung damit desinfiziert. Heute ein fast unbekanntes Handeln. Meine Frau und ich gehen ganz früh zum Einkaufen und erwerben soviel, wie wir für 3-4 Tage benötigen. Einige Dauerkonserven haben wir zusätzlich mitgenommen, aus unserem Trinkwasser machen wir mit dem Sprudelgerät Trinkwasser. Damit haben wir bis jetzt problemlos alles gemeistert. Belastend ist nur, dass wir zum bevorstehenden Osterfest unsere Kinder und Enkel nur telefonisch kontakten können. Hinter unserm Haus befindet sich ein großer Garten und das empfinden wir als ganz großes Privileg, ermöglicht er doch den sozialen Kontakt zu unseren Nachbarn mit dem erforderlichen notwendigen Abstand. Hoffentlich wird es bald wieder für alle „normale“ Zeiten geben ...