Syrien - Der große Verrat an den Kurden

Mit seinem Abzug aus Syrien zeigt Donald Trump, dass er einem von Erdogan geplanten türkischen Einmarsch nichts entgegensetzt. So verrät der Westen seine treuesten Verbündeten im Kampf gegen den Islamischen Staat – mit Folgen auch für Deutschland und die EU

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Türkischer Panzer nahe der syrischen Grenze (2014) / picture alliance

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Jan Jessen leitet die Politikredaktion der Neuen Ruhrzeitung und reist regelmäßig in die kurdischen Gebiete.

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Im Norden Syriens, im Distrikt Derbashia nahe der türkischen Grenze, liegt Jinwar, das Dorf der freien Frauen. Ein Projekt, das in der Region seinesgleichen sucht. 30 Häuser, errichtet mit Ziegeln aus Lehm und Stroh, eine Krankenstation, eine Schule. Hier leben zwei Dutzend alleinstehende Frauen mit ihren Kindern, selbstbestimmt und selbstbewusst. Die Befreiung der Frau aus den traditionellen patriarchalen Strukturen in der Region ist eines der wichtigsten Anliegen der Revolution, die den Norden Syriens in den vergangenen Jahren umgewälzt hat.

Jetzt aber ist Jinwar in seiner Existenz bedroht und mit ihm all das, was Kurden gemeinsam mit progressiven Arabern und Aramäern aufgebaut haben. Die bereits mehrfach angedrohte Invasion der türkischen Armee scheint unmittelbar bevorzustehen. Die USA haben angekündigt, einem Einmarsch nicht im Wege zu stehen und ihre im Norden Syriens stationierten Truppen abzuziehen.

Erdogan will kurdische Autonomie um jeden Preis verhindern

In der Nacht zu Montag verschickte das Weiße Haus eine dürre Pressemitteilung. Wohl selten wurde ein Verrat mit derart klinischen Worten angekündigt. Die US-Streitkräfte würden eine türkische Militäroperation nicht unterstützen oder in sie involviert sein, und die Streitkräfte würden die Region nach ihrem Sieg über das IS-Kalifat verlassen, hieß es in der Mitteilung.

Was das Weiße Haus unterschlägt: Wesentlich zur Zerschlagung des Terror-Kalifats haben die kurdisch dominierten Streitkräfte Syriens (SDF) beigetragen, die bislang als engster Verbündeter des Westens in der Region galten. Für den Nato-Partner Türkei sind die kurdischen Milizen YPG und YPJ allerdings Terror-Organisationen. Ankara wirft ihnen vor, das syrische Pendant zur kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein. Ein kurdisches Autonomiegebiet unter Kontrolle dieser Milizen will die Türkei verhindern, weswegen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder einen Einmarsch androhte.

2018 eroberte die Türkei Afrin

Dass dies keine leeren Drohungen sind, zeigte sich Anfang vergangenen Jahres, als die türkische Armee gemeinsam mit verbündeten islamistischen Milizen in die Region Afrin im Nordwesten Syriens einfiel und dort ein Besatzungsregime errichtete. Die Besatzung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, willkürlichen Hinrichtungen, Entführungen, Vertreibungen und der Auslöschung der kurdischen Identität der Region.

Jetzt haben sich zum Angriff auf die weiter östlich gelegenen hauptsächlich von Kurden bewohnten Gebiete die von der Türkei unterstützten syrischen Milizen-Bündnisse Syrische Nationalarmee (SNA) und die Nationale Befreiungsfront (NFL) zusammengeschlossen, in deren Reihen nahezu ausschließlich Islamisten und Salafisten kämpfen. Die Türkei hat an der Grenze Panzer und Artilleriegeschütze zusammengezogen. Erdogan hat bereits angekündigt, in den kurdischen Siedlungsgebieten zwei Millionen arabisch-syrische Flüchtlinge ansiedeln zu wollen, die derzeit noch in der Türkei leben.

Der Westen schaut weg

Von den Nato-Partnern der Türkei ist wenig Widerstand gegen die bevorstehende Invasion zu erwarten. Zwar warnte die Bundesregierung pflichtgemäß vor einer „weiteren Eskalation in Syrien“, tatsächlich wird sie sich einem Einmarsch nicht entgegenstellen. Auch in Afrin hat Berlin lediglich zugeschaut, wie Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion in einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg involviert waren. Die Bundesregierung hat sich mit dem Flüchtlingspakt erpressbar gemacht und ist handlungsunfähig, ähnliches gilt für sämtliche EU-Länder. In jeder europäischen Hauptstadt ist die Angst gewaltig, ein Szenario wie 2015 könne sich wiederholen.

In den USA kämpft ein erratischer, außenpolitischer Naivling innenpolitisch um seine Macht. Für Donald Trump ist der Rückzug der US-Truppen lediglich der Versuch, sich die kriegsmüde öffentliche Meinung in den USA wohlgesonnen zu machen. Hatte er der Türkei noch im Dezember mit wirtschaftlicher Vernichtung gedroht, sollte sie die mit den USA verbündeten Kurden angreifen, lässt er Ankara jetzt freie Bahn, und das gegen den erklärten Rat seiner Generäle und Außenpolitiker.

Wiederholter Verrat an den Kurden

Für die syrischen Kurden ist der Zug des US-Präsidenten ein Schock. Ihnen seien von den USA Sicherheiten versprochen worden, die YPG und YPJ hatten sich bereits darauf eingelassen, aus bestimmten grenznahen Bereichen abzuziehen. Dass Washington der Türkei nun freie Hand gibt, empfinden sie als „Dolchstoß“, wie ein Sprecher der Demokratischen Streitkräfte Syriens sagte. Die Kurden müssen einmal mehr die bittere Erfahrung machen, dass auf den Westen kein Verlass ist. Wie in Afrin, wie 1991, als die USA die irakischen Kurden zum Aufstand gegen Saddam Hussein animierten und sie dann im Stich ließen, als der Diktator ihre Revolte zusammenschießen ließ.

Nun ist Moral keine Währung, mit der Nationen in ihrer Außenpolitik zahlen. Es geht stets um Interessen. Doch auch ganz nüchtern betrachtet ist der Verrat des Westens an den Kurden töricht. Ein von islamistischen Kräften sekundierter türkischer Einmarsch in Nord-Syrien wird den Feinden des Westens in die Karten spielen.

Türkischer Einmarsch destabilisiert die Region

Der, anders als es Donald Trump verkündet, noch längst nicht besiegte sogenannte „Islamische Staat“ hat in den vergangenen Wochen immer wieder bewiesen, dass seine Milizionäre zu koordinierten militärischen Operationen in der Lage ist. Die Kurden werden zur Verteidigung ihrer Heimat Kräfte abziehen müssen, die derzeit noch die diversen Gefängnisse und Lager bewachen, in denen insgesamt rund 100.000 IS-Gefangene inhaftiert sind, darunter Tausende brandgefährliche Ausländer. IS-Anführer Abu Bakr al Baghdadi hatte in seiner jüngsten Audio-Botschaft zur Befreiung dieser Gefangenen aufgerufen. Fiele ein Lager wie Al Hol im Südosten Syriens, in dem allein 70.000 teils ultraradikale Angehörige von IS-Kämpfern untergebracht sind, in die Hände des IS, würde das der Terrororganisation propagandistisch wie militärisch einen enormen Aufschwung geben – womit sich auch die Sicherheitslage in Europa drastisch verschlechtern würde.

Zweitens bleibt den Kurden in der derzeitigen Situation keine andere Wahl, als sich dem syrischen Regime und damit auch dessen Verbündeten Russland und Iran anzunähern. In den vergangenen Jahren war dieses Verhältnis trotz der brutalen Unterdrückung der Kurden durch das Assad-Regime in der Zeit vor dem Ausbruch des Krieges von Pragmatismus geprägt.

Es gab eine Art militärisches Stillhalteabkommen und wirtschaftliche Beziehungen. Kommt es nun zu einer weitergehenden Kooperation, gar einem gemeinsamen militärischen Vorgehen, wird das die Position Assads stärken und damit auch den iranischen Einfluss in der Region zementieren – samt der damit verbundenen wachsenden Bedrohung Israels. Die Selbstverwaltungsstrukturen hätten dann zwar keine Zukunft mehr, es gäbe aber zumindest die Chance, dass ein Bevölkerungsaustausch, wie ihn Erdogan derzeit plant, vermieden würde, und die Kurden perspektivisch in ihren Siedlungsgebieten bleiben könnten.

Kurden militärisch chancenlos

Drittens wird ein türkischer Angriff eine erneute Flüchtlingswelle auslösen. Bereits der Angriff auf die kurdische Enklave Afrin Anfang vergangenen Jahres trieb bis zu 120.000 Menschen in die Flucht. Diesmal werden sich deutlich mehr Menschen zu retten versuchen, ihr Ziel wird die kurdische Autonomieregion im benachbarten Irak sein. Dort leben bereits Hunderttausende Flüchtlinge, teils syrische Kurden, teils irakische Binnenflüchtlinge aus der Zeit der IS-Terrorherrschaft. Die irakische Kurdenregion mit ihren ursprünglich fünf Millionen Einwohnern gilt noch als ein Hort der Stabilität in einer unruhigen Region. Das könnte sich ändern, wenn die Aufnahmekapazitäten Irakisch-Kurdistans überdehnt werden.

Die syrischen Kurden und ihre Verbündeten bereiten sich jetzt auf den türkischen Angriff vor. Sie werden ihm nicht viel entgegensetzen können, trotz aller Kampferfahrung, die sie in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Ihnen fehlt schweres Gerät und eine Luftwaffe. In Jinwar, dem Dorf der freien Frauen an der Grenze, hatte Nudschin, eine Deutsche, die dort lebt, bereits vor einem Jahr gesagt: „Es kann sein, dass es uns bald nicht mehr gibt. Aber hier gibt es unglaublich viel Hoffnung.“ Diese Hoffnung stirbt jetzt.

Romuald Veselic | Mo, 7. Oktober 2019 - 18:26

ein Land wie die Türkei, als Verbündeten betrachten.
Die Türkei als Aggressor, hat den nördlichen Teil von Zypern (EU-Mitglied) besetzt, okkupiert und seit 1974 eine Marionettenregierung errichtet. Nordzypern ist ein türkisches Protektorat und in Dt. wird Debatte über Israels Vorgehen nach gewonnen Kriegen thematisiert, als systematische Menschenrechtsverletzung. Nordzypern ohne Dt. Duldung würde niemals als Staats- u. Wirtschaftsgebiet existieren können.
Deshalb Dt. Medien/Politiker/Immerbesserwisser sollten sich selbst an der Nase fassen, bevor sie andere belehren und ungebeten Lösungsrezepte nach deutschem Gusto anderen vorschreiben wollen.
Deutschland (Politiker & Co.)trägt die gleiche Schuld am Verrat der Kurden durchs Nichtstun/Weggucken.
Wenn Trump ein Naivling ist, was ist dann Angela M? Sie ist in ihrer Feigheit, kein Millimeter besser als Trump.

Cecilia Mohn | Mo, 7. Oktober 2019 - 18:55

So hieß ein Buch von Karl May, das ich als Kind gern gelesen habe. Wie realistisch oder nicht es darin auch zugehen mag, der Freiheitsdrang der Kurden wird sehr sympathisch beschrieben.
Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass die Kurden als Kämpfer gegen den IS genutzt oder benutzt wurden, und man sie jetzt fallen lässt bzw. der "Realpolitik" opfert.
Mit allen unangenehmen Folgen auch für uns in Europa, die der Autor Jan Jessen treffend beschreibt.
"Der Fluch der bösen Tat" heißt ein anderes Buch, das die Region im Nahen Osten zum Inhalt hat und der Autor heißt Peter Scholl-Latour. Der böse Täter ist hier gebrandmarkt als der Westen in der Tat - und der Fluch .... es hat immer Folgen, wenn man derart verlogen und verantwortungslos handelt. Ehemalige Verbündete im Stich lassen.... wie erbärmlich. Es wäre aber ganz nett, wenn der Fluch den Täter direkt ins Herz trifft. Und nicht auf an der bösen Tat Unschuldige zielt.

Klaus Peitzmeier | Mo, 7. Oktober 2019 - 19:35

Für das Verhalten der US-Amerikaner und der Erdogan Anhänger muß man sich "fremdschämen". Eigentlich für die gesamte immerwährende Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und moralischem Handeln des Westens. Kein westlicher Politiker zeigt dem mörderischen Despoten Erdogan mal seine Grenzen auf. Einfach widerlich, feige und abstossend. Wenn ich Kurde wäre, käme ich ganz sicher auch auf terroristische Gedanken. Worauf sonst? Wenn die AKP eine terroristische Vereinigung sein soll, was ist dann eigentlich die türkische Armee Erdogans?

In der Tat, Trumps Verhalten ist widerlich. Aber so kennt man ihn. Verbündete attackiert er, oder, wie im Fall der Kurden, verrät sie. Dafür kungelt er lieber mit (anderen) Autokraten oder Diktatoren. Verstand sich (bislang) mit Erdogan ganz gut, wollte Putin an den Tisch der G7 zurückholen, verhalf den fundamentalistischen Saudis zu Rekordwaffenkäufen. Sein liebster Gesprächspartner scheint der nordkoreanische Dikatator Kim Jong-Un zu sein. Brüstet sich damit, man dränge ihm den Friedensnobelpreis förmlich auf. Bescheinigt sich selbst unermessliche Weisheit. Ein Mann wie Trump wäre im Zivilleben wahrscheinlich ein Fall für die Psychatrie. Und wird trotzdem, auch in Deutschland, noch bejubelt.

Herr Lenz. Was mir aber zu kurz kommt bei den Betrachtungen über Trump zu dieser Entscheidung: Nimmt man sie einmal einfach so als solche, erscheint sie mir nicht falsch, wohl aber, wenn man bedenkt, welche Folgen das haben wird. Ich sehe den eigentlichen "Übeltäter" aber in Erdogan. Würde der nicht so Ungeheuerliches ankündigen, gäbe es das Problem wohl nicht. Die Berater Trumps haben ihn sicher darauf hingewiesen, man lässt Verbündete nicht im Stich. Weshalb beruft er sich auf seine "Weisheit"? Alle anderen sind blöd? Ich denke, er wurde nur gewählt, weil die Alternative noch schlimmer war und weil der Mensch auf Besserung hofft, gern alles glauben möchte.

Herr Lenz, eine Anmerkung.
Es war nicht Donald Trump welcher die US-Boys in the middle east implementierte.
Und Donald Trump hatte im Wahlkampf angekündigt die "Jungs" von dort abzuziehen.
Im Übrigen gibt es nicht "die Kurden" als homogene Masse, vielmehr sind sie ein gespaltenes Volk. Im Kampf gegen die Türken, also gegen Erdogan" sind sie natürlich "vereint".
Das ist ja auch für die türkisch-kurdischen Einwohner dieses unseres Landes politischer Sprengstoff.

Gisela Fimiani | Mo, 7. Oktober 2019 - 20:25

Trumps Entscheidung ist in den USA umstritten und das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen. Anstatt sich aber nur auf ihn zu kaprizieren, sollte man der Wahrheit die Ehre geben und sämtlichen NATO-Partnern, sowie Russland, als auch der UNO vorwerfen, ausschließlich den eigenen Interessen (oder Nicht-Interesse) zu folgen und dies mit leeren Floskeln zu kaschieren.

Henning Magirius | Mo, 7. Oktober 2019 - 20:49

„Die Kurden müssen einmal mehr die bittere Erfahrung machen, dass auf den Westen kein Verlass ist.“ Ja, sehr geehrter Herr Jessen, der „W e s t e n“ - das ist eben nicht nur die USA, das ist auch Europa, das ist auch Deutschland. Wo ist denn die Bundeswehr im sofortigen Einsatz in Syrien, um die Kurden zu schützen? Schweigen hierzu von Ihnen, Herr Jessen, genauso wie von der Bundesregierung. AKK ist stattdessen im Niger um die BW dort zu verstärken. Welche Interessen haben wir dort? Mit dem Abzug der US-Truppen in Syrien droht eine neue Flüchtlingswelle - da ist die BW gefragt, das sind unsere Interessen. - Auch bei diesem Beitrag zeigt sich mal wieder, wie lohnenswert es ist, das Original zu lesen - Trumps Twitternachrichten: Die USA habe null Interessen in Syrien, dafür lohne es sich nicht auch ein einziges Leben eines US-Soldaten auf‘s Spiel zu setzen. Sollte der IS in die Nähe der USA kommen, werde man sofort reagieren. Jetzt seien die Anderen (Europa?) gefordert.

Berthold Gross | Mo, 7. Oktober 2019 - 23:57

Noch ist Erdogan nicht auf syrischem Gebiet.

Mir ist völlig unklar, wie sich Putin verhält. Lässt er Erdogan freien Lauf und und fordert Assad und die iranischen Elitetruppen auf, sich um die Türken auf syrischem Gebiet zu "kümmern"? Dann kann er Erdogan gegenüber sagen, er hielte sich raus aus dem Konflikt.
Oder hat er Erdogan heimlich gesagt, er solle sich raus halten, sonst würden die Russen eingreifen?

Zuerst müssen sich die Kurden auf syrischem Gebiet wieder mit Assad vertragen, was nicht unmöglich erscheint, weil sie schon lange dort in Frieden gelebt haben.

Will Putin vielleicht Druck auf die Kurden ausüben, damit sie sich wieder mit Assad vertragen? Dann ist es klug, zunächst keine Stellung zu den Vorgängen zu nehmen. Er lässt Erdogan die Kurden einschüchtern, damit sie verhandlungsbereiter werden.

Eine äußerst interessante Lage und ein ideales Beispiel als Studienobjekt an jeder Diplomatenschule.

Ernst-Günther Konrad | Di, 8. Oktober 2019 - 09:39

Das mag alles richtig sein Herr Jessen. Nur eine Frage haben Sie ausgeklammert, vergessen oder vielleicht einfach nicht auf dem Schirm. Was passiert mit den hier lebenden Kurden? Wenn die Türkei das wahr macht, was sie androht, ich habe da keine Zweifel, sehe ich ein erhöhtes Konfliktpotenial zwischen den hier lebenden Türken - teilweise Erdogananhängern - und hier lebenden Kurden, die sich in den letzten Jahren als weitestgehend friedlich erwiesen haben. Was, wenn die vertriebenen Kurden ihren Weg nach D suchen? Was, wenn hier in D lebende Kurden sich aufgrund ihrer berechtigter Annahme, sie seien verraten worden von den USA und dem Westen schlechthin, radikalisieren und ein offener Konflikt zwischen Erdogantürken und Kurden hier ausbricht? Ganze Familien türkischer und kurdischer Herkunft, die hier vermischt leben, sie könnten in Streit geraten, Anfeindungen würden wieder aufblühen oder erst erzeugt. Das passiert dann nicht weit weg, sondern hier vor unserer Haustür. Wahnsinn oder?

Gut, Sie möchten (mal wieder) eine Gelegenheit nutzen, angesichts des sich abzeichnenden Dramas in Syrien das Bild des durch und durch radikalisierten Flüchtlings in Deutschland zu zeichnen. Damit verbunden, wenn auch nicht ausgesprochen, steht natürlich die von Ihnen fast täglich stattfindende Werbung für die AfD im Raum.
Tatsache ist: Sie, und auch einige andere haben hier wann immer es möglich war Trump in höchsten Tönen gelobt, ohne auch nur geringste Spuren von Kritik.
Einen Trump, der jetzt diejenigen, die für ihn den Kopf hinhielten, im Stich lässt. Denn Trump ist ja nur an sich selbst interessiert - wie beschrieb er sich in einen seiner letzten Tweets? "In meiner "unvergleichlichen Weisheit..." Durchgeknallt eben...Aber Trump greift ja hart durch gegen Flüchtlinge und bezeichnet Neonazis schon mal gerne als "fine people" (Charlottsville). Dadurch wird er natürlich automatisch für Sie zur Lichtgestalt. So wie die AfD sich einen Trump für Deutschland wünschte.

Tja, lieber Herr Konrad, es ist eben eine unumstößliche Wahrheit, das die Kontrahenten (aller Couleur) aus den gegnerischen Lagern der Welt, sich in Europa (speziell DE) wiedertreffen.Und ihre politischen Aktivitäten weiterverfolgen. Etwa drei Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund und eine Million Kurden in DE, wo sich auch Deutsche fragen dürften, auf welcher Seite sie stehen. Radikalisierung zwischen Kurden und Türken sind nur schwer zu bändigen. Und ein schlechter Befund über den Stand der Integration, wenn die Emotionen wegen ferner Nationalkonflikte in DE ausgetragen werden.

Es ist abscheulich und nicht zu akzeptieren: erst bewaffnet man die Kurden, um für die Mutlosen die Kohlen aus dem Feuer zu holen, dann lässt man sie fallen? Hauptsächlich den Kurden ist es zu verdanken, dass der IS zerstört und vertrieben wurde! Nun schaut man zu, wenn ein islamistischer Kurdenhasser Erdogan die Kurden vernichten will … dazu sicherlich noch mit deutschen Waffen? Merkels beredtes Schweigen ist ekelhaft und bezeichnend,obwohl sie ja sonst zu jedem Schwachsinn (Greta/Klimapanikmache) ihren Senf dazu geben muss ... ! Ich hoffe nur, dass Putin bei diesem bösen Spiel nicht zuschaut, sondern dem Diktator und IS-Freund deutlich auf seine islamistischen Pfoten klopft! Trumps Verhalten verstehe ich nicht ...

Ernst-Günther Konrad | Di, 8. Oktober 2019 - 09:51

Ich halte die Entscheidung von Trump für falsch. Nur frage ich mich, was macht eigentlich die UNO? Warum wird da nicht eine entmilitarisierte Zone eingerichtet und den Kurden und den syrischen Flüchtlingen jeweils ein Gebiet in Absprache mit ihnen zugewiesen? Wo ist die klare Aussage an die Türkei, dass Völkermord und Vertreibung nicht wieder - wie vailant die Vernichtung der Aramäer 1915-1917 - durch türkisches Militär geduldet wird?
Ja, die EU hat sich mit dem Flüchtlingsdeal abhängig gemacht, da ist sie aber selbst schuld daran. Grenzen der EU dicht machen, Erdogan sanktionieren und ggfls. aus der Nato werfen, auch wenn er dann zu Putin läuft. Damit liebäugelt er doch jetzt schon. Ich sehe wieder Blockaden auf den Autobahnen, sich anzündende kurdische Märtyrer auf Plätzen für ihre Sache kämpfen. Gerade D wird ein Dreh- und Angelpunkt solcher Konflikte werden, es leben genug bei uns, die politisiert und aufgestachelt in Moscheen und Kundgebung, sowie dem Internet zum Kampf aufrufen.

Christoph Kuhlmann | Di, 8. Oktober 2019 - 10:03

Erst gestern hat der amerikanische Präsident wieder mit der Vernichtung der türkischen Wirtschaft gedroht, falls die Türkei die Kurden vertreibt. Wenn das keine Garantie ist ... Jedenfalls hat Trump jetzt Druck aus den eigenen Reihen. Darauf muss er reagieren. Am Besten er bündelt das mit den Airbus Zöllen und erzwingt einen Importstop für europäische PKW. Bis er merkt, dass diese bereits in den USA oder Mexiko gebaut werden, darf Europa Boing mit Milliardenzöllen belegen und stellt fest, dass Airbus gar nicht soviel liefern kann um die Boings zu ersetzen. Das kann die EU dann als Beitrag zum Umweltschutz verkaufen und Sondertopf für Macron einrichten, dessen Aufgabe darin besteht, vom Handelskrieg benachteiligte Gruppen zu unterstützen. Die französischen Winzer zum Beispiel oder Louis Vuitton. Die Frage bleibt, was für Handtaschen haben die First Lady und die First Daughter? Wenn die kurz vor der Wahl mit Mode aus Europa erwischt werden kann das kriegs ... äh wahlentscheidend sein.

Boing heißt Boeing und baut s. ungefähr 100 Flugzeuge etc...
Boeing wurde von einem Mann der deutschen Nachfahren gegründet. Genauso wie Trump deutsche Nachfahren hat u. keiner hier in D. darauf stolz ist, außer mich.
Airbus würde nie existieren, wäre FJ Strauß nicht am Werk.

Heidemarie Heim | Di, 8. Oktober 2019 - 12:00

Was hören wir von unseren Politikern, der NATO, der UN usw. seit Jahrzehnten weshalb diese und jene militärische Intervention in Afghanistan, Mali, Ex-Jugoslawien und das jahrelange Verbleiben unserer Truppenkontingente dort essentiell und alternativlos wäre? Unter anderem in unserem Parlament, wenn es um finanzielle Unterstützungsleistungen sowie unabdingbare Mandatsverlängerungen geht? Das Zauberwort bzw. der Haupt-trigger Point "Stabilität der Region" "Schutz der Bevölkerung" vor "völkerrechtswidrigen Angriffen" wie die Übernahme der Krim oder sonstige "Eingriffe in die territoriale Integrität eines anderen Staates" OHNE Mandat! Und zu genau diesem Unterfangen schickt sich nun auch noch ausgerechnet ein NATO-Verbündeter an, der im Fall einer hier zwar äußerst unwahrscheinlichen drohenden Niederlage gegen die syrischen Kurden, um Bündnishilfe ersuchen kann? Denn für den auch oben gen. Fall neuer Bündnisse mit Russen,Assad,Iran und Freilassung der IS-Terrortruppe wird's eng NATOs!

Juliana Keppelen | Di, 8. Oktober 2019 - 12:23

sind es syrische Kurden? Wen ja wieso kämpften diese Kurden nicht zusammen mit der syrischen Regierung gegen den IS? Was haben die Türkei und die USA in Syrien zu suchen? Fazit dieser von außen angeleierter Krieg ist ein weiterer blutiger Meilenstein in der Geopolitik des "Westens". Und ich kann es nur begrüßen wenn Herr Trump diese blutigen endlosen Kriege bei denen es nie um Menschen, Demokratie und Freiheit geht von seiner Seite aus beenden will.

Juliana Keppelen | Di, 8. Oktober 2019 - 12:28

die syrischen Frauen hatten mehr Freiheiten als alle anderen Frauen in den muslimischen Anrainerstaaten. Also die Behauptung die kurdischen Frauen kämpfen für ihre Freiheit halte ich für ein vorgeschobenes Argument (wie einige der im Bericht erwähnten Argumente).

Marianne Bernstein | Di, 8. Oktober 2019 - 13:23

wollen ihren eigenen Staat. Das Problem ist, dass dieser "Staat" sich heute in verschiedenen Ländern befindet: Türkei, Syrien und Irak.
Deshalb sind die Kurden sowohl Auslöser als auch Opfer verschiedener Konflikte in der Region.
Eigentlich wollen sie weder mit der Türkei noch mit Assad kooperieren und gegen den IS sind sie, weil er gegen sie ist. Letzlich wird ihnen aber nichts anderes übrig bleiben als sich mit Assad zu arrangieren und damit den status quo zu erhalten, vom Westen ist nichts zu erwarten. Es zeigt sich wieder einmal, dass man gerne Sonntagsreden hält, wenn es aber darauf ankommt ist man aber nicht zu finden.
Die Türkei wird ihre Sicherheitszone einrichten und die Kurden werden dem nichts entgegensetzen können. Eine aktive Vertreibung der Kurden durch die Türkei wird es vermutlich aber auch nicht geben.

Jürgen Waldmann | Di, 8. Oktober 2019 - 15:52

In reply to by Marianne Bernstein

Sehr geehrte Frau Bernstein , den Iran dürfen sie in ihrer Aufzählung nicht vergessen ! Der Iran zieht im Hintergrund an den Fäden und will auch kein Kurdistan , denn sehr viele Kurden leben auf dem iranischen Staatsgebiet . Die Kurden werden sich mit Assad arrangieren müssen , das ist aber nicht neu für die Kurden .
Die Türkei , Syrien , Iran und Irak werden eingebunden werden müssen , was den USA besonders schwer fällt , denn gerade den Iran versucht man vom Spielfeld zu nehmen . Aber um das zu erreichen , müssten die Amerikaner bleiben ! Wie sich Trump aus dieser Situation heraus halten kann , das wird spannend für alle . Mit dem Abzug der Truppen hat er seine Einflussnahme reduziert !

Eckhard Hanseat | Di, 8. Oktober 2019 - 16:04

Die Kurden sind vielleicht militärisch schwach, aber in Zeiten asymtrischer Kriegsführung ist dies (leider) relativ. Der Krieg ist dann ganz schnell in den türkischen Metropolen.

Tomas Poth | Di, 8. Oktober 2019 - 18:38

Wie in einer Region Frieden schaffen, deren Bewohner sich seit ewig bekämpfen?
Die Kurden wurden schon mit Ende des 1. Weltkrieges von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Türkei verraten, Autonomie wurde ihnen zugesichert aber nicht gewährt.
Nehmen wir die EWG/EG/EU als Beispiel, müßte sich diese Region (ohne Türkei und Iran) nicht zu einer Arabischen Republik formieren? Alle sprechen arabisch (außer den Kurden) zwar mit unterschiedlichen Dialekten, aber immerhin der gleiche Sprachstamm, ganz im Gegensatz zur EU mit ihrer Sprachenvielfalt.
Liegt es dann doch am Islam, in seiner unterschiedlichen Ausprägung, der für Hass und Konflikte sorgt?
Die arabische Halbinsel ist nun mal muslimisch geprägt, auch wen dort Juden und Christen leben.
Kurdische Siedlungsgebiete gehen über Türkei, Armenien, Iran, Irak und Syrien.
Frieden erscheint mir dort eine unlösbare Aufgabe zu sein.
Nah-Mittel-Ost a pain in the ass unserer Welt oder?