Kiew
Einfahrt in die ukrainische Hauptstadt Ende März / Moritz Gathmann

Ukraine - Ein vaterländischer Krieg Teil 1 - Mitschuld des Westens

Der Krieg in der Ukraine hat sich im dritten Monat verändert. Der Widerstandsgeist der Ukrainer ist geblieben, ihr Hass auf die Russen jedoch gewachsen. Groß ist aber auch die Wut auf den Westen, weil er nicht genug Waffen liefere. Die Ukrainer treibt die Überzeugung an, dass der jetzige Krieg ein Existenzkampf ist.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Der 29. März, ein Dienstag, ist ein Frühlingstag. Wie in den Tagen zuvor soll die Temperatur im südukrainischen Mykolajiw deutlich über zehn Grad liegen, Sonnenschein ist für den ganzen Tag angekündigt. Am Vortag konnte man im Stadtzentrum Kinder auf Rollschuhen sehen, spazierende Menschen, eine aufatmende Stadtbevölkerung. Aufatmend nach den ersten Kriegswochen, als die Stadt, die auf dem Landweg zwischen der Krim und der Stadt Odessa liegt, mitten im Kriegsgeschehen lag und einige Tage kurz vor der Eroberung zu stehen schien.

Aber schon in der Nacht, gegen vier Uhr, dröhnen zwei Donnerschläge durch das völlig verdunkelte Mykolajiw und wecken die Bewohner der 500.000-Einwohner-Stadt. Es sind Raketen, die Streumunition über einem Wohnviertel im Süden verteilen. Am Nachmittag kann man Sprengstoffexperten beobachten, die die kleinen Sprengkörper aus den Vorgärten der Menschen tragen und sie kontrolliert zur Explosion bringen. Dutzende der kleinen Metallkapseln, die nicht explodiert sind, liegen hier verteilt. Es ist Munition, die viele Länder der Welt schon vor Jahren geächtet haben. Russland nicht

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Albert Schultheis | So, 15. Mai 2022 - 12:39

Was geht uns die Wut der ukrainischen Scharfmacher an? Sie schicken uns Botschafter und Außenminister, die hier Politiker anpi**en und ihnen Vorschriften machen, als wären sie die Vormünder von Scholz und Annalena. Sie sind Bittsteller! Humanitäre Hilfe natürlich - aber deutsche Waffen in die Hände dieser Hazardeure zu geben, ist unverantwortlich. Es sind die von den USA zu einem erfolgreichen, gewaltsamen Umsturz gedrängten Sons-of-Bitches, die mit demokratischen Standards nicht das Mindeste gemeinhaben, aber die Ziele ihrer neuen Freunde in Washington (zeitweise) teilen: So wie einst die Taliban in Afghanistan und die über Nacht "gemäßigten" ehemaligen IS-Terroristen in Syrien. Solange es gegen Russland geht, ist den imperialistischen Geostrategen in USA jeder hergelaufene Faschist oder Terrorist recht, solange er die nötige ideologische Abgebrühtheit und Brutalität mitbringt. Nein, die Russen sind nicht unbedingt besser, aber sie sind erfahren und gleichermaßen abgebrüht im K. Krieg

Könnte es sein, dass Sie sich auf Ihrer Landkarte ein wenig verlaufen haben?

Nach Ihrer ganz offensichtlich durch jede Menge Verständnis für Putin geformten Überzeugung führt die USA wohl gerade einen Krieg gegen Russland?

Und dieser Krieg, oder diese "militärische Spezialoperation" wird dadurch sichtbar, dass der Westen, und eben besonders die USA, den von Russland überfallenen Ukrainern hilft?

Selbst wenn in der Ukraine bei den letzten Wahlen Nationalisten 2,14% der Stimmen erhielten, so ist der Versuch, Putins Argumentation von den Nazis im Nachbarland zu übernehmen, nicht mehr als geschmacklos.

Und so hilflos, wie der sich ständig wiederholende Versuch, die - zweifellos vorhandenen - US-Sünden der Vergangenheit zur Verharmlosung von Putins Mordbrennerei heranzuziehen.

Mal wieder der Versuch, das Feindbild "Ukraine" ordentlich zu stärken.

Zur Freude des Kremls.

Denn in der "Alternative für Putin" fällt es nach wie vor schwer, Fehlerhaftes an Putins Verhalten zu finden.

Ich bin mit den geostrategischen Gegebenheiten Eurasiens der US-amerikanischen Chef-Strategen einigermaßen vertraut - was mich keineswegs zum USA-Hasser gemacht hat, trotz deren himmelschreienden "US-Sünden der Vergangenheit". Ich habe in den USA studiert und habe dort gute Freunde. Und ich stehe weder in Diensten von "Alternativen" noch von Alternativlosen! Ich spreche - offenbar im Gegensatz zu Ihnen - ausschließlich für mich. Nur, was macht Sie so gewiss, dass die USA ihre "Sünden der Verhangenheit" nicht einfach so bruchlos fortschreiben? Vielleicht darf ich erinnern: Die Sowjetunion hatte mit ihrer Vergangenheit 1989 radikal gebrochen, dem Westen die offene Hand ausgestreckt, Deutschland kompensationslos die Wiedervereinigung gewährt (gegen den Willen unserer ziemlich besten Freunde im Westen), die Ukrainer ziehen lassen. Sie fälschen das Narrativ, verkehren Ursache und Wirkung: "die USA kamen den von Russland überfallenen zuhilfe" - ja, aber bereits 10 Jahre vor Ihrem "Überfall"!

Marc Schulze | So, 15. Mai 2022 - 13:21

Wie kann man nur glauben, ein 40 Mio Volk durch Terror zum Aufgeben bewegen zu können. Man erzeugt nur Hass, der einem irgendwann selber ins Gesicht fliegt. Das muss doch auch dem letzten weltfremden Politiker in seiner goldenen Kemenate klar sein. Welch grausame Mund schreckliche Dummheit.

Gerhard Weißenberger | So, 15. Mai 2022 - 13:45

an Selbstbewusstsein bis zum Größenwahn hat es den ukrainischen Ultra-Nationalisten nie gemangelt seit sie nach langer endlich erfolgreicher Agitation der EU und USA 2014 an die Macht gekommen sind.
NATO- und EU-Beitritt sowie Wiedereroberung der Krim fest im Auge wurden die Russischsprachigen aus Mariupol gemobbt und Januar das Russich landesweit verboten.
Nach provoziertem Kriegseintritt spielt man abwechselnd das Unschuldslämmchen und den Verteidiger des Abendlandes. Die Trottel aus Europa werden es schon richten.

Christoph Kuhlmann | So, 15. Mai 2022 - 14:00

Doch sind die deutsch-russischen Öl- und Gasgeschäfte wesentlich älter als die Staatlichkeit der Ukraine. Das Erdgas-Röhren-Geschäft wurde 1970 abgeschlossen. Es hat wesentlich zur Entspannung beigetragen. Ohne ein Ende des kalten Krieges, in dem in erster Linie deutsches Geld Russland die Finanzierung einer gesichtswahrenden, friedlichen Lösung zum Ausstieg bot, gäbe es die Ukraine gar nicht. Niemand weiß, was passiert wäre wenn Russland damals bankrott gegangen wäre, weder Soldaten, noch Beamte, noch die Arbeiter in den Staatsbetrieben bezahlt worden wären. Die Ukraine war durch den Euro- Maidan 2013 immer ein leuchtendes Beispiel für den Kampf eines Volkes für die Freiheit. Sie war aber auch immer ein Fass ohne Boden mit einer eklatanten Korruption. Große Teile der Arsenale der Armee landeten auf dem Schwarzmarkt, 2014 war das Militär nicht einsatzfähig. Deutschland hat mit Sanktionen der Ukraine 8 Jahre Zeit verschafft sich zu demokratisieren. Da ist kein Blut an unseren Händen!

Peter Sommerhalder | So, 15. Mai 2022 - 14:10

man diesen Krieg vermeiden können?

Die einten Putinversteher sagen ja, die anderen Putinversteher sagen nein.

Man sollte Putin direkt fragen können...

Da dies aber nicht möglich ist, werden wir es nie wirklich erfahren...

Walter Bühler | So, 15. Mai 2022 - 14:44

Vier hochgestellte Anhänger Selinskis kommen zu Wort, darunter der russischsprachige Gouverneur Kim und der Georgier Mamulaschwili. Alle vier vertreten die Positionen der ukrainischen Regierung.

Gathmann (=G.) betont dazu, dass jedermann ukrainischer Patriot sein könne, unabhängig von seiner Sprache.

Im letzten Abschnitt räumt G. ein, dass die furchtbare Verrohung im Kriege nicht mehr nur die russische Separatisten und die Russen betrifft, sondern zunehmend auch bei regierungstreuen Ukrainern und Milizionären auftritt.

Offenbar gibt es bei den Interviewpartnern von G. keine Dankbarkeit dafür, dass D viele Flüchtlinge aufgenommen hat und die Ukraine wirtschaftliche unterstützt hat. G. übernimmt die These von der "Mitschuld des Westens" sogar in den Titel.

Wie der anonyme Verwaltungsangestellte sagt, klebt das Blut der Ukrainer auch an unseren Händen.

Jeder mag sich damit ausmalen, was mit der EU geschehen wird, wenn die Regierung Selinski dort mitwirkt.

Hoffen wir auf Frieden!

Petra Horn | So, 15. Mai 2022 - 14:50

Mir scheint hier wurden ganz gezielt Ukrainer für die Befragung herausgepickt. Den normalen Ukrainern geht es bereits seit mehr als zehn Jahren viel schlechter als allen Bürgern in den Nachbarländern, inkl. den Russen. Den Oligarchen geht es natürlich prächtig. Kein Wunder, denn die beliefern ja die halbe Welt mit Getreide, Sonnenblumenöl und Dünger. Daß die Ukrainern sich diesen Zustand unter mutmaßlicher Aufgabe ihres Lebens erhalten wollen, erschließt sich mir nicht.

Bernd Windisch | So, 15. Mai 2022 - 14:57

Krieg ohne Ende

"Aus Sicht des nationalen Sicherheitsrats in Kiew kann Russland den Krieg nicht mit einem Friedensabkommen, sondern nur mit einer Kapitulation beenden."

Der Sekretär des Rates, Olexij Danilow, äußerte sich überzeugt, der Krieg werde nicht mit einem Friedensabkommen, sondern mit einer Kapitulation des Angreifers enden. „Mit Russland können wir nur dessen Kapitulation unterzeichnen“, sagte Danilow am Montag im ukrainischen Fernsehen.

FAZ vom 03.05.2022.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass zumindest einige Scharfmacher dem von Herrn Gathmann beschriebenen Leiden nicht nur relativ gleichgültig gegenüberstehen sondern durchaus weiter eskalieren wollen. Die ukrainischen Helden Klitsckko, Danilow, Melnyk, Selenskyj und vor allem Kim haben jedenfalls bisher keinen Kartzer davongetragen.

Die gemäßigten "Feiglinge" im europäischen Westen tun jedenfalls gut daran den radikalen Kräften in der Ukraine nicht blind zu folgen!

W.D. Hohe | So, 15. Mai 2022 - 15:06

Deutschland gehört nicht dazu.
Daran ändern auch das Ablesen in Auftrag gegebener Texte nichts. Texte, die
a) vom Vorleser selbst weder gedacht noch bezahlt werden
b) für die nächste Talkshow,
c) für den innenpolitischen Gegner =
e) das nächste Mikrofon konzipiert sind
Weshalb wurde Rom vom Kaiser selbst angezündet
Menschen wie sie leiben & leben -
dafür die Grundlagen ihres erdischen Seins zerstören
Eitelkeit- nichts als Eitelkeit.
Plus ein paar Triebe der verhängnisvollen Art
Fing schon mit Kain an.
Dessen Bruder weder Milliardär noch "Verfüger" über 99 Frauen war,
was er ihm "männlich/menschlicher"weise naürlich missgönnt hätte.
Mehr ist nicht
Soviele Talente des Menschen.
Unter Kontrolle der niedersten.
Immer und überall.
Was habe ich selbst hier bei einigen Kommentatoren nicht schon in diesen Rubriken einordnen *dürfen gemusst.*
Tastatur-Waffen Reichweite unbgrenzt
Danke für Ihre einprägsam dichte Wiedergabe dieser Ist-Zeit,
dieses Alptraums Herr Gathman.

Martin Falter | So, 15. Mai 2022 - 15:58

an dem was da passiert in der Ukraine.

Schuld hat nur ein Wahnsinniger der das Zahrenreich noch mal erleben will.

Der Westen hilft wo er kann und muss natürlich aufpassen, das er nicht in einen neuen Weltkrieg hineingezogen wird.

Natürlich müssen auch wir unsere Versorgungssicherheit im Blick haben.

Was würde ein dysfunktionaler Westen der Ukraine helfen?

Pudolf hat schon alles verloren, bloß er weiß es noch nicht.

Klaus Funke | So, 15. Mai 2022 - 17:35

Wer die Forderung nach mehr Waffen und schwereren Waffen unterstützt, kann nur ein Ignorant sein, denn noch nie haben mehr Waffen zu einem schnelleren Ende eines Krieges oder gar zum Frieden geführt. Und wir wollen doch alle den Frieden?? Oder?? Oder wollen wir etwa einen ukrainischen Sieg? Ein David, der einen Goliath besiegt, gibt es nur in der Legende. Im speziellen Fall: Herr Gathmann sollte mal recherchieren - da wäre er ein wirklich guter Journalist - wie viele der Westwaffen das Kampfgebiet überhaupt erreichen, wie viele tatsächlich im Einsatz waren und bedient werden konnten und welche militärischen Erfolge damit verbunden sind. Kann man eine derartige Recherche von Herrn Gathmann erwarten? Ich beantworte die Frage und sage: Nein! Alles andere wäre beinahe ein Wunder.

Jochen Rollwagen | Mo, 16. Mai 2022 - 16:51

Für die Ukraine geht es nicht um ihre Existenz. Das ist Blödsinn. Die Ukrainer haben sich mit der unfähigen, korrupten Regierung des peinlichen Blödelbarden Zelensky arrangiert und werden das mit jeder Regierung wieder tun. Im Zweifelsfall ist Kiev weit weg und die Ukraine ein großes Land. Die slawische Schlitzohrigkeit hat zwei Weltkriege überlebt. Dagegen ist das Donbass nix. Für den Westen, der weiter ohne Exit-Strategie Milliarden in das schwarze Loch Ukraine pumpt wird es jetzt hingegen langsam wirklich existenz-bedrohend. Die Ukraine ist für Geld das, was ein schwarzes Loch für Materie ist: sie geht rein und verschwindet dann einfach. Weiter so. Das schwarze Loch freut's.

Sabine Lehmann | Mo, 16. Mai 2022 - 21:37

Lieber Herr Gathmann, bleiben Sie dran und berichten Sie weiter über diesen schrecklichen russischen Angriffskrieg. Dieser ist durch nichts zu relativieren oder gar zu rechtfertigen. Das Recht und das Bedürfnis sich mit Hilfe und Solidarität aus dem Ausland verteidigen zu können, um wieder in Frieden und vor allem Freiheit leben zu dürfen, ist nicht verhandelbar. Dass man sich nicht mit Teebeutel und schönen Worten wehren kann, welchen Deppen muss man d a s eigentlich noch erläutern?
Aber Sie sehen, werter Herr Gathmann, Ignoranz und Dummheit sterben nicht aus, dagegen ist kein Kraut gewachsen. Aber wir haben ja Meinungsfreiheit in Deutschland. Das, wofür in der Ukraine jeden Tag gestorben wird. Der Horizont einiger wohlstandsverwahrloster "Sesselpupser" in diesem Forum reicht leider nicht aus um diesen Umstand, und einiges andere, mental zu erfassen. Alles Gute, Herr Gathmann.