Fußball-WM in Katar - Spielfeld für Streit

Katar ist seinen Nachbarn im Nahen Osten militärisch klar unterlegen. Als Ausgleich verfolgt das kleine Emirat seit Jahren eine aufwendige Strategie der Soft Power. Mit Investitionen in Wissenschaft, Kultur und vor allem – in Fußball. In zwei Jahren findet dort die WM statt.

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Ausländische Arbeiter für die WM 2022 in Katar / dpa

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Ronny Blaschke hat fünf Bücher über politische Hintergründe im Fußball geschrieben.

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Im Januar 2019 findet das wichtigste Fußballturnier Asiens in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt, in einer der wohlhabenden Öl-Monarchien am Persischen Golf. Das Nationalteam des Nachbarn Katar muss auf der kurzen Anreise in Kuwait zwischenlanden. Fans aus Katar dürfen nicht einreisen. Dennoch stürmt ihre Mannschaft ins Halbfinale der Asienmeisterschaft und trifft dort auf den Gastgeber, die VAE.

In der Hauptstadt Abu Dhabi verteilt die Sportbehörde Tickets nur an heimische Fans. Meldungen kursieren, wonach eine Unterstützung für Katar juristisch bestraft werden könne. Das katarische Team gewinnt 4:0. Zuschauer des Gastgebers werfen Flaschen und Schuhe auf den Rasen; in der arabischen Welt: ein Zeichen tiefer Abneigung. Drei Tage später gewinnt Katar auch das Finale gegen Japan und ist erstmals Asienmeister. Politiker und Sportfunktionäre der gastgebenden VAE boykottieren die Siegerehrung.

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Albert Schultheis | Mo, 28. Dezember 2020 - 12:26

Seitdem feststeht, dass die Fußball-WM in Katar ausgetragen wird, ist für mich der Fußball - hab früher selber aktiv gespielt, Jugend trainiert und gepfiffen - gestorben, zumindest was das Interesse für internationale Wettbewerbe angeht. Es sind die unsäglichen, religiös-patriarchalen, unmenschlichen Bedingungen in den arabischen Emiraten, die ich so abstoßend finde, dass sie eigentlich jede wirtschaftliche und zumal spielerische Zusammenarbeit verbieten müssten. Aber sowohl in Wirtschaft und Sport ging es immer hauptsächlich um viel Geld, weshalb sich dort die korrupte Halbwelt immer schon tummelte und nach vorne drängte. Daran wird sich auch nichts ändern, solange wir nicht bereit sind, einfach abzuschalten, uns auszuklinken, keinen Pfennig mehr dafür locker zu machen. Aber das ist wohl Wunschdenken.

Hikmet Hodzic | Di, 29. Dezember 2020 - 09:09

In reply to by Albert Schultheis

Na, da schreibt einer etwas über Qatar und weiß gar nichts von diesem Land! Qatar gehört nicht zu den arabischen Emiraten!
Bevor man so etwas schreibt, sollten man sich richtig informieren. Ich, als deutscher Staatsbürger, lebe und arbeite seit 13 Jahren in Qatar. Bis jetzt hat mich noch nie jemand in die Ketten gelegt!
Es gibt religiose komplexe, die der Stadt Qatar gebaut hat und dort können alle nicht Muslime ihre Religion frei ausüben. Die Lebensbedingungen bzw. Unterkünfte der Arbeiter die auf FIFA Projekten arbeiten haben höheren Standards als die von den deutschen Plantagen und Fleischindustrie Arbeiter. Dort werden die Menschen ausgebeutet!
Und für alle die die eine WM immer nur mit Alkohol verbinden gibt es auch gute Nachrichten! Es gibt Alkohol im Überfluss und die können im Alkohol ertrinken.
Deswegen zuerst vor der eigenen Haustür saubermachen und dann auf die andere mit dem Finger zeigen!

helmut armbruster | Mo, 28. Dezember 2020 - 12:31

geholfen haben die WM nach Katar zu bringen.
Fifa-Funktionäre weltweit dürften sich gefreut haben. Ich will mit dieser Aussage niemand persönlich verdächtigen, ich habe nur ausgesprochen, was in der Luft liegt.
Der Weltfußball hat seither bei vielen an Bedeutung verloren. So auch bei mir. Die ehrliche Begeisterung von einst, als man für die Nationalmannschaft immer gezittert und gehofft hatte, ist vorbei.
Die einst vorhandene emotionale Bindung ist zerrissen. Es ist mir inzwischen gleichgültig wie sie spielen, ob sie gewinnen oder verlieren und wo und mit wem sie spielen.
So vergeht der Ruhm der Welt...

Sie sprechen mir so aus der Seele! Was habe ich noch bei der WM in Brasilien 2014 mitgefiebert. Vorbei! Ich hoffe,dass sich nur wenige Fans auf den Weg dorthin machen. Wenn kein Alkohol erlaubt ist, werden schon mal die Engländer mit Abwesenheit glänzen.

Romuald Veselic | Mo, 28. Dezember 2020 - 13:19

Iran oder Sau DiArabien. Ganz im Gegenteil. Sie widern mich an.
Artikelzitat: "Mit Investitionen in Wissenschaft, Kultur und vor allem – in Fußball."
Die wenigsten Wissenschaftler spielen in ihrer Freizeit, wenn ich zurück, bis zum Newton oder Copernicus Zeit denke. Klar, damals gab es keinen Fußball. Damals war Schachspiel en vogue. Es ist eine Beleidigung über Wissenschaft auf dem Katar Niveau zu scripten/reden, wenn die Frauen dort keine Selbstbestimmung ausüben dürfen. Wissenschaft in einem Land, wo Ehebruch, nichteheliches Sexualleben mit Steinigung/Todesstrafe geahndet werden, ist der abstruseste Antipode einer Wissenschaft auf dem zivilisatorischen Level. Bekleidungsregel, wo Frau den halben Wert eines Mannes nach Scharia innehat, genau das Land ist/sei, die ich nie bewundern, achten, geschweige denn, als Tourist besuchen werde. Katar und Fußball haben so viel gemeinsam wie der Straßenpflasterer mit einem Uhrmacher. Katar besitzt null wissenschaftliches Potenzial.

Bernd Muhlack | Mo, 28. Dezember 2020 - 15:34

"Also i hob dort drunten niemand in Fesseln oder jemand mit Peitschen gsehn, na!"
Franz Beckenbauer damals zum Vorwurf katastrophaler Arbeitsbedingungen beim Bau der WM-Stadien.
Nun, ich denke, dass Korruption inzw. allerorts üblich ist - Bakshish eben, do ut des.

Die Herren Blatter und Infantini sind insoweit "perfekte Perfektionisten", dazu das übliche (Politiker)-Grinsen - "ICH habe nichts unredliches getan, ich weiß das alles nicht!"

Nach der Vergabe an Katar, hieß es hier, dass man die WM 22 eben auf dem Weihnachtsmarkt bei Glühwein sehen wird; selbst das ist mittlerweile nicht mehr sicher!
Im Übrigen, wer interessiert sich noch für Fußball?
Hauptsache meine Schalker steigen nicht ab!

Die VAR, Katar, SA müssen sehen, wie sie sich vom Erdöl lösen können - das ist zumindest als Brennstoff irgendwann obsolet.
Demokratie, "westliche, humane Werte?"
Das ruft nur ein mitleidiges Lächeln hervor!
Im Zweifel werden Kritiker in Säure aufgelöst, vgl. Kashoggi.

WM 22?
schaun mer mal ...

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