Bilanz des Staatsbesuchs von Erdogan - Die Selbstermächtigung

Während seiner Deutschlandreise hat der türkische Staatschef klar gemacht, wer seiner Ansicht nach Herr im Haus ist: Nicht der Bundespräsident, und auch nicht Kölns Oberbürgermeisterin. Sondern er selbst. Die neue Ditib-Moschee ist das Symbol seines Machtanspruchs

Recep Tayyip Erdogan
Recep Tayyip Erdogan: Den politischen Islam gibt es wirklich. In aller Pracht auf deutschem Boden / picture alliance

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Jetzt war er also da. Nach der ganzen Aufregung vor und während dem Besuch des türkischen Staatspräsidenten sowie der Frage, wer am Staatsbankett mit Recep Tayyip Erdogan teilnimmt oder nicht und aus welchen Gründen, hat sich der Rauch inzwischen gelegt. Man sieht klarer – und erkennt ein Trümmerfeld. Ob es unter den bekannten Umständen angemessen war, Erdogan mit militärischen Ehren zu empfangen, sei einmal dahingestellt. Fakt bleibt, dass es sinnvoll ist, das Gespräch mit dem Alleinherrscher aus Ankara zu suchen. Nicht nur wegen der vielen geopolitischen Fragen im Nahen Osten, der Nato-Mitgliedschaft oder der Migrationsproblematik. Sondern auch vor dem Hintergrund einer millionenstarken türkischstämmigen Community in der Bundesrepublik. Der pompöse Rahmen dafür erscheint in der Rückschau allerdings nicht nur unangemessen, sondern erbärmlich devot. Hinterher ist man eben immer schlauer. So viel dazu.

Erdogan spaltet, wo er hinkommt

Was Erdogan aus seiner Visite gemacht hat, ist jedenfalls schlicht desaströs. Der Mann muss schon einen sehr starken Trumpf in der Hand halten, wenn er glaubt, sich trotz seiner heimatlichen Wirtschaftsmisere in der Bundesrepublik aufführen zu können, als sei er nicht Gast, sondern der eigentliche Herr im Haus. In seiner Aneinanderreihung von Vorwürfen und Unterstellungen – angefangen bei einer angeblichen Terroristenbeherbergung bis hin zum weitergesponnenen Opfermythos in Sachen Mesut Özil – hat Erdogan tatsächlich nichts ausgelassen, um Staatsoberhaupt und Bundesregierung vor den Kopf zu stoßen. Wenn diese künftig der deutschen Bevölkerung noch erklären sollen, dass ein Entgegenkommen auch weiterhin den eigenen Interessen diene, grenzt das an Selbstverleugnung. So spaltet der türkische Präsident, wo auch immer er hinkommt. Diese Charaktereigenschaft ist allerdings nicht neu. Insofern war im Hause Steinmeier die Hoffnung offenbar doch größer als der Sinn für Realitäten. Jetzt ist der Schaden da.

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Joachim Wittenbecher | Mo, 1. Oktober 2018 - 18:31

Danke, Herr Marguier, für diesen Artikel. Den Tatsachenbeschreibungen ist nichts hinzuzufügen. Es bleibt die Frage, wie eine deutsche Staatsführung dazu kommt, im eigenen Land einen solchen Auftritt samt allen Zumutungen zuzulassen? Mein Eindruck: Man hat vor der Türkei Angst. Warum eigentlich? Es geht um das Flüchtlingsabkommen und das Wahl- und Wohlverhalten einer bestimmten (bei weitem nicht der ganzen) türkischen Klientel. Man glaubt, erpressbar zu sein. Dem ist aber nicht so. Der ganze Vorgang ist ein Verstoß gegen die nationale Würde, der Frau Merkel zugeschrieben werden muss. Positiv erwähnt werden muss Herr Özdemir von den Grünen, er hat sich als deutscher Demokrat gezeigt. Letztlich muss der gesamte verdeckte Staatseinfluss der Türkei in Deutschland beendet werden; ebenso die EU-Beitrittsverhandlungen und langfristig das gemeinsame Militärbündnis. Erst dann können auf Augenhöhe neue gute Beziehungen aufgebaut werden.

Die hat Merkel doch schon lange beseitigt. Man muss Deutschland nur übelst seit Jahren beleidigen, Bundesbürger ohne Grund einsperren, um den roten Teppich von Merkel und Steinmeier zum Staatsempfang ausgelegt zu bekommen. Merkel ist die Wegbereiterin zur Islamisierung Deutschlands, und wir unterstützen DITIP und andere moslemische Organisationen auch noch mit Steuergeldern...

Michaela Diederichs | Mo, 1. Oktober 2018 - 18:38

Das Bild ist nun wirklich grandios ausgewählt. Aber das nur am Rande. Unseren Politikern ist der Realitätssinn schon lange abhanden gekommen. Warnungen, Mahnungen bezüglich Ditib gab und gibt es seit geraumer Zeit. Aber man lässt alles laufen, sitzt es aus, hält es für folkloristisch und sehr harmlos. Meinen letzten Jahreswechsel hatte ich in Istanbul. Dort bekamen wir jede Menge "Fingerzeige". Nur von deutschen Politiker*innen werden diese nicht verstanden. Es ist ehrbärmlich.

Fritz Gessler | Mo, 1. Oktober 2018 - 18:55

wen oder was hättet ihr denn lieber, liebe CICERONI :))?
eine türkei im bürgerkrieg zwischen gülenisten erdoganisten und türkisch-kurdistan im offenen aufstand unter führung der PKK? einen geglücktrn militärputsch a la ägypten mit ein paar tausend toten, 10tausenden im gefängnis und 100tausenden echten asylsuchenden in der EU? oder gleich den kalifatsstaat a la saudi-arabien?
erdogan ist der garant dafür, dass nicht weitere 2 millionen migranten pro jahr via griechenland in die BRD marschieren... schon vergessen?
erdogan ist türkischer nationalist und moslem. na, und? sein gutes recht. erdogan verritt die interessen der TÜRKEI. soll er lakai der EU (und christ) sein, nur weil die deutschen nicht imstande sind, eine regierung zu bilden, die die interessen deutschlands vertritt?
und sein satz @ 'terroristen auf freiem fuss in der BRD' - 100% richtig: sowohl salafistische amokläufer, leibwächter bin ladens wie PKK-kämpfer en masse wohlgelitten hierzulande.

Natürlich kann Erdogan in seinem Land nach Wunsch schalten und walten und die Interessen seines Landes wahren, wenn es denn nicht primär seine eigenen sind. Aber als Alternative Bürgerkrieg vorzuschlagen... Wie wäre es schlicht mit Frieden, ohne all die Verhaftungen und Entlassungen und ohne den Wahn, sich überall von Terroristen verfolgt zu sehen? Leute mit wirtschaftlichem Sachverstand walten zu lassen? Vor allem aber ohne seinen Expansionswillen in unser Land! Ein Grund mehr, die doppelte Staatsbürgerschaft zurück zu nehmen und wieder einzustellen.
Lieb wäre mir, für jeden türkischen Bürger, der hier um Asyl nachsucht, mindestens eine Familie, die hier lebt, aber dem Sultan huldigt, auszutauschen. Das sollte doch ohne weiteres möglich sein; eigentlich sogar ein Selbstgänger.

@ Herr Gessler - Ein wahrlich guter Beitrag von Ihnen! Ja, ich stimme Ihnen teilweise zu. Wissen Sie, bei ihrem Posting fiel mir sofort Libyen und die "Entsorgung" von Muamar al Ghadafi ein => angeblich waren es die US-Boys sowie die Engländer (the 51. state of america)- Ja, es gab den Deal zwischen FRA, ITA und Libyen => ICH, Ghadafi, halte euch (ca veut dire: europe!) den Rücken frei, dafür lasst ihr mein Libyen in Ruhe, okay?! - Ein sog. "regime-change" hat noch nie "geklappt", dazu bedarf es nämlich mehr als der Entsorgung des Regimes => man muss/sollte Pläne für "danach" haben, nicht wahr? - Herr Gessler, es gibt keine Politiker mehr, welche Pläne "für danach" haben => es wird lediglich noch im Nebel rumgestochert, nicht einmal die Fahrt auf Sicht ist möglich, machbar!
Eines noch: Herr Gessler, ich hatte mir dunnemals diesen "Putsch" des Nächtens qua Internet um die Ohren geschlagen => ja wie jetzt, wat soll dat? Das war der totale FAKE!!! … und jetzt nen Döner!

Christa Wallau | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:07

Jeden Satz Ihres Textes kann ich nur dick unterstreichen.
Welche Beweise braucht es eigentlich noch dafür, daß wir hier in Deutschland eine - weitgehend
s e l b s t v e r s c h u l d e t e - Annektion unseres Landes durch den politischen Islam erleben?
Was Erdogan und seine Anhänger (organisiert u. a. in der Ditib) vor unser aller Augen veranstalten, ist ein Schlag ins Gesicht jedes aufrechten, freiheitsliebenden Demokraten. Politiker, die eine solche Demütigung zulässen, gehören abgewählt.
Doch was geschieht stattdessen in Deutschland?
Man "h o f f t" weiter auf Einsicht bei dem
Autokraten! Lächerlicher geht es nicht.

Und: Keine einzige Bitte um Enschuldigung habe ich bisher vernommen gegenüber den Leuten, die vor dem Moscheebau gewarnt und den schleimig-trügerischen Worten vom "Begegnungsort" mitten in Köln nicht geglaubt haben.
Warum geht man nicht wenigstens j e t z t auf
Gruppierungen wie "pro köln" zu und betrachtet sie als gleichrangige Gesprächspartner?

Heiner Hannappel | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:09

Die Griechen platzierten ihr Holzpferd vor Troja, um diese Stadt einzunehmen.
Die Banken platzierten die Griechen mit getürkten Bilanzen in die Eurozone zur Eliminierung der NO BaIL OUT Klausel! Der selbst ernannte türkische Sultan Erdogan baut, finanziert und beeinflusst bei uns Moscheen! Warum wohl? Die Moscheen sind sein politisches trojanisches Pferd und die naive Kanzlerin lässt über 2 Millionen überwiegend Muslime zu den schon hier ansässigen Millionen Türken ins Land, lässt die Tore an den Grenzen weit offen und verbietet dem Ressortminister Seehofer entgegen unserer Gesetzeslage mit Androhung ihrer Richtlinienkompetenz diese zu kontrollieren. Dümmer geht es doch nicht mehr. Was den Sultanen vor Wien mit mehreren Versuchen 1529 - 1683 nicht gelang, sich das christliche Abendland untertan zu machen, versucht Sultan Erdogan mithilfe einer realitätsfremd gewordenen vor ihm mit Kratzfüssen buckelnden Bundesregierung.Unglaublich! Die AfD freut sich über diese Wahlkampfhilfe?

Heidemarie Heim | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:11

Auch wenn Sie unsere (von mir nicht gewählte) Regierung blamiert haben bis auf die Knochen, so schätze ich dennoch Ihre Ehrlichkeit und Chuzpe, die Sie im Interesse ihrer Wähler schonungslos an den Tag legten. Zeigten die Vorgänge doch, was der ,(hässliches Wort!) biodeutsche Bürger wie auch unsere/ Ihre Mitbürger vom weiteren Vorgehen deutscher Politik erwarten können. Nochmals lieben Dank für diesen heilsamen Stress-Test in Sachen Demokratie , verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen! H.Heim

Heinrich Niklaus | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:20

Alexander Maguier: „Es gibt nämlich jenseits allen opportunen Appeasements auch noch übergeordnete Interessen der Bundesrepublik. Dass diese von den politischen Repräsentanten Deutschlands aber auch klar und deutlich verteidigt werden, erwarten die Bürger zurecht.“

Nein, Herr Maguier, von dieser Regierung erwartet man das nicht mehr. Sie hat die Interessen der Bundesrepublik schon so oft missachtet, dass es ein Wunder wäre, wenn sie es nun täte.

Norbert Gerth | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:25

Ihr bekommt das was Ihr euch seit dreißig Jahren gewählt habt. Glückwunsch

Günther Gaida | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:31

wie weit wird sich die Angela Merkel BRD noch erniedrigen.Das Köln ein rechtsfreier Raum ist
war seit Sylvester 15/16 klar.(Polizisten als Gaffer)
Türkische Bodyguards maßen sich Polizeigewalt an.
Das Zeigen der Muslimbrüderschaft mit der Hand ist legitim,aber das Heben des rechten Arms durch Deutsche ist kriminell?
Es sind beide Richtungen verfassungsfeindlich.
Es wird nicht lange dauern und eine zweite grüne
Partei sitzt im BT.(grün die Farbe des Islam)

Norbert Heyer | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:32

Es muss eine heimliche Bewunderung von deutschen Politikern für Herrn Erdogan geben. Dieser Mensch lässt jegliche Etikette und Diplomatie fallen und benimmt sich wie die Axt im Wald. Unsere Politiker lassen sich ein solches Verhalten ohne jede Reaktion im eigenen Land bieten! Wie weit geht die Unterwerfung gegenüber diesem Zerstörer jeglicher Integration?Er will sich die starke türkische Gemeinde als heimliche Armee im Feindesland erhalten. Zusammen mit dem Druckmittel der Grenzöffnung für die Flüchtlinge in der Türkei hat er zwei starke Erpressungsfaktoren gegenüber Deutschland. Selbst wenn er jetzt noch weiterhin gegen Deutschland pöbelt, werden unsere Politiker ihm weiterhin treu zur Seite stehen. Anders gesagt, warum soll Herr Erdogan sein Verhalten gegenüber Deutschland ändern, wenn er alles erreicht, was er sich vornimmt? Gerade solche Despoten verstehen nur klare Aussagen und Standpunkte, ständiges Einknicken erreicht nur das Gegenteil vom Gewüschten.

Benjamin Beldea | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:44

Sehr geehrter Herr Marguier, Ihr hervorragender Artikel spricht aus, was jeder Bürger mit verbliebenem Hausverstand nach dem Erdogan-Besuch denkt.
Aber hoffen Sie nicht auf irgendein Umdenken bei den Appeasement- und Vielfaltsapologeten: Das wird es nicht geben; dazu ist deren insgeheime Bewunderung despotischer Macht zu groß.
Was es hingegen geben wird, sind Aufrufe zur weiteren Intensivierung des Kampfes gegen Rechts, gegen die Instrumentalisierung dieses Erdogan-Besuchs durch "Nazis" und für die bunte, offene Gesellschaft, in der, frei nach Ex-Ministerin Özoguz, das Zusammenleben jeden Tag neu ausgehandelt wird werden müssen.

Gregor Kühn | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:51

"Es gibt nämlich jenseits allen opportunen Appeasements auch noch übergeordnete Interessen der Bundesrepublik. Dass diese von den politischen Repräsentanten Deutschlands aber auch klar und deutlich verteidigt werden, erwarten die Bürger zurecht". Von diesere Regierung erwarte ich schon lange nicht mehr, dass sie die Interessen der Bürger vertritt. Sie sollte es tun, aber sie tut es spätestens seit der Grenzöffnung willentlich nicht.
Im Gegenteil, sie schädigt bewusst das eigene Volk.
Herr Marguier, ich hielte es für angebracht zu erwähnen, dass die AFD die einzige Partei im Bt ist, die die Gefährlichkeit des politischen Islam klar erkennt und noch klarer beim Namen nennt und dafür regelmäßig in die rassistische Ecke gestellt wird. Ist der Schatten zu breit? Der Auftritt Erdogans wird im Denken eines Laschet, Steinmeier, Merkel usw. nichts ändern. Sie werden umso heftiger auf die AFD eindreschen, um von ihrer völligen und umfassenden Unfähigkeit abzulenken.

Manfred Gimmler | Mo, 1. Oktober 2018 - 22:39

Das Denken, Verhalten und Handeln der Erdogans, Putins und Trumps dieser Welt wird auch weiterhin außerhalb der Vorstellungswelt unserer „Schneeflöckchen“ sowie deren „Helikopter-Eltern“ liegen – leider zum Nachteil unserer noch stabilen, solidarischen Demokratie.
Noch ist die Kölner Moschee ein Vorposten Erdogans. Bald wird sie dessen Kaserne sein.

Michaela Diederichs | Mo, 1. Oktober 2018 - 23:17

Erdogan hat viele Trümpfe in der Hand. Eine Community in Deutschland, die ihm bedingungslos folgt und Deutschland geschickt unterwandert. Millionen Syrer im eigenen Land, die er nur los schicken muss, eine extrem schwache deutsche Regierung, die völlig hilflos auf ihn reagiert. Die halten sich mit Respekt und Anstand auf. Als hätte Moral je eine Rolle gespielt in der Weltpolitik. Naiver, dümmer, alberner hat sich noch nie in der Geschichte der Menschheit eine politische Kaste aufgespielt. Mit weiblichem Püh und Nase rümpfen kann man solchen Typen nicht Paroli bieten.

Bernd Muhlack | Di, 2. Oktober 2018 - 12:45

In reply to by Michaela Diederichs

@ Frau Diederichs, ich lese Ihre Beiträge immer sehr gerne, und möchte Sie ob des letzten Satzes Ihres Postings (das weibliche Püh und Nase rümpfen) an Frau Maggy Thatcher erinnern. The iron Lady rümpfte weder die Nase noch intonierte sie ein "Püh!", denn sie hatte immer ihre gefürchteten Handtaschen bei sich. H. D. Genscher sagte einmal, dass er sich bei Konferenzen immer in hinreichendem Abstand von Thatcher hielt, quasi eine "Handtaschenlänge" Abstand; solche charismatischen Zeitgenossen sind uns ja leider total abhanden gekommen, nicht wahr? --- ("Wir pühen das, ja wir pühen das!"

und Golda Mair aus Israel hatte auch so ein Trumm dabei. Beides gestandene Frauen.Da fällt mir ein :Hat man Frau Merkel schon mal mit Handtasche gesehen?

Markus Michaelis | Di, 2. Oktober 2018 - 01:02

Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich unsere Politiker als begossene Pudel fühlen und den Besuch genauso einschätzen wie dieser Artikel. Es gab kritische Worte und ein paar Anregungen, dass man sich in Zukunft ein paar Dinge anders wünscht. Aber im Wesentlichen scheint man die gemeinsamen Interessen und die tiefe Verbundenheit zu betonen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man da eine gangbare oder wünschenswerte Alternative sieht.

Walter Ranft | Di, 2. Oktober 2018 - 03:03

Sie sind nicht allein mit Ihrer Beurteillung. Eine Reihe Journalisten haben sich heute ähnlich geäußert. Ich teile Ihre nüchterne Analyse in jedem Punkt. Im Eingangsteil fällt der Satz "Hinterher ist man eben immer schlauer." - Ich frage mich, ob angesichts einer Regierung, die sich derart vorführen läßt, dieses "Hinterher" - jetzt - endlich - erwartbar wäre. Ich bin da nicht sehr hoffnungsvoll.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 2. Oktober 2018 - 08:54

aus dem Film "Miss Undercover" zu zitieren "WELTFRIEDEN".
Wichtige Schritte auf dem Wege dorthin ist bilaterale Verständigung/Konfliktlösung im Rahmen schon ausgearbeiteter Vernetzung.
Sogesehen konnte man schlicht nicht Erdogan nicht einladen.
Auch hier finde ich es ratsam auf das zu schauen, was ohnehin ansteht, bessere Integration von Türken in UNSER Land, UNSERE Gesellschaftsordnung.
Wie aber, wenn frühzeitig, m.E. durch Merkel jedenfalls gestützt, Integration als Leistung der aufnehmenden Gesellschaft "definiert" wurde?
Und vermutlich schon auf ein sehr großes Ganzes ausgelegt ist, das Verschmelzen von Europa/Nahem Osten und Afrika.
Europa ist lächerlich klein gemessen an diesem Großen, also wozu dahinein integrieren und sich assimilieren, wenn es ohnehin nicht von Bestand sein wird?
Wir sollten aufhören in alten Konfliktlinien zu denken.
Da ist ein ganz großes "Spiel" an dessen Stelle getreten?
Erdogan schlägt nur schon mal seine Pflöcke ein, könnte ich mir denken...

ingrid dietz | Di, 2. Oktober 2018 - 09:10

der BRD bzw. der ganzen Welt gezeigt, wo's lang geht !

Ich prophezeie jetzt schon, dass diese Ditib-Zentrale für den politischen Islam als Mittelpunkt für Europa agieren wird !

Die medienwirksame Eröffnung der Ditib-Zentrale in Köln wird hoffentlich so manchen naiven und sozialromantischen (dtsch) Politiker zu denken geben bzw. endlich wach werden lässt !

Denn:
Erdogan und Ditib werden dafür sorgen, dass
Multi-Kulti in der BRD nicht funktionieren wird !

Für mich gilt nach wie vor:
der Islam gehört nicht zu Deutschland !

@Frau Dietz => Sie haben Recht: der Islam gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Okay, es gibt in der Tat viele liberale, demokratische Muslime in diesem unserem Lande, jedoch hat das nichts mit der Ideologie des Islam zu tun; ein liberaler, demokratische Werte achtender Islam ist ein Oxymoron = Islam und Demokratie sind unvereinbar, das eine schließt das andere aus, also inkompatibel!

Leider ist ja unser Welterklärer Peter Scholl-Latour abhanden gekommen; okay, diese selbstherrlichen öffentlich-rechtlichen Talkdamen haben ihn ja sowieso gemieden wie ein Nichtschwimmer das "tiefe Becken"; gleichwohl wäre ein solcher "Mahner und Nestor" im heutigen Deutschland enorm wichtig. Nein, er wäre sicherlich kein Sympathisant der AfD, jedoch würde er sie nicht sinnfrei verteufeln, wie es en vogue ist, n´est-ce pas?

Wolfgang Tröbner | Di, 2. Oktober 2018 - 09:26

"Hinterher ist man eben immer schlauer". Nein, das konnte man schon vorher wissen. Wenn man ein wenig die Politik der letzten Jahre verfolgt hat, z.B. die vorherigen Treffen von Merkel mit Erdogan und die der SPD-Außenminister Gabriel und Maas mit ihrem türkischen Amtskollegen, konnte man wissen, dass Erdogan nicht als Bittsteller auftritt, sondern als "Herr im Haus". Das hat er schon vorher mehrfach getan, und zwar ohne Protest der deutschen Regierung. Man denke nur an seine wüsten Beschimpfungen Deutschlands, die ziemlich folgenlos blieben. Es war klar, dass die Bundeskanzlerin und die deutsche Regierung ihn auch dieses Mal stillschweigend gewähren lassen. Die Ereignisse rund um die Eröffnung der Moschee in Köln haben das nur nachdrücklich bestätigt. Interessant ist, dass über die Ergebnisse dieses Besuchs kaum etwas veröffentlicht wurde. Beispielsweise ob und in welcher Höhe ihm finanzielle Hilfen versprochen wurden. Die deutsche Regierung muss uns eben nichts mehr erklären ....

Gabriele Bondzio | Di, 2. Oktober 2018 - 09:45

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, dass solche Dinge passieren. Allerdings bleibt dahingestellt, ob die Umstände von Erdogans-Besuch, so wie von Ihnen (Herr Marguier), dargestellt. Auch in den Köpfen der politisch-Verantwortlichen angekommen sind. Aber immerhin dürften sie die schlecht gekitteten Risse zum politischen Islam (da hatte ich nie Zweifel, dass es ihn gibt) öffentlich aufgerissen haben. Nun darf man gespannt sein was nachfolgt.

nichts! Die Regierenden sind froh, dass der Besuch abgereist ist. Wie hoch die Geldgeschenke an den “Gast“ tatsächlich waren werden wir nie erfahren. Erdogan kann seine Trümpfe als strategisch wichtiger NATO-Partner, Hüter der syrischen Flüchtlinge und Befehlshaber der in Deutschland lebenden Türken weiterhin voll ausspielen, ohne dass ihn jemand daran hindern wird. Das Leben Erdogan-kritischer Menschen wird in manchen Gegenden unseres Landes zunehmend gefährlicher werden.

Harro Meyer | Di, 2. Oktober 2018 - 16:53

Die Türkei demokratisch zu regieren geht nicht. Ein ehrliche Demokratie widerspricht der religiösen Grundeinstellung des türkischen Volkes. Man kann die Grenzen natürlich bis zur Unkenntlichkeit auf Kosten der Ehrlichkeit auflösen. Aber das wollen die Türken nicht.
Was ist denn daran so falsch?
Da sollten die Christen hier ihr Verhältnis zu Gott mal klarstellen

Norbert Löhn | Di, 2. Oktober 2018 - 18:55

In reply to by Harro Meyer

Ein Weltbild, das in einer politischen Diskussion eine ganze Nation von Deutschen zu "Christen" erklär, ist so irrational wie Religionen irrational sind. Der Glaube an eine übernatürliche Macht auf der Grundlage von Phantasien ehemaliger Hirtenvölkern ist nicht die Erklärung für unsere Welt im Universum. Mit der Aufklärung haben wir in Europa die Dogmen des Christentums überwunden und nunmehr müssen wir als Europäer den Allmachtphantasien des politisch-ideologischen Islam entgegentreten.

Sylvia Zarnack | Di, 2. Oktober 2018 - 22:20

Es sollte nicht unterschlagen werden, dass bei der Eröffnung der Kölner Moschee kein deutscher Politiker "wie ein begossener Pudel" dastand, sondern es war schlicht un ergreifend keiner erschienen! Nicht zuletzt dehalb, weil Erdogan sie nicht hätte reden lassen, blieben sie weg. Das ist doch immerhin eine Haltung.

Wolfram Fischer | Di, 2. Oktober 2018 - 22:35

Vieles ist richtig, Herr Marguier, auch die Gründe, warum "wir" mit der Türkei, d.h. Ihrem abgrundtief arroganten Despoten-Präsidenten im Gespräch bleiben müssen. Ein Punkt fehlt - vielleicht der Wichtigste.
Die Türkei hat einen Großteil Ihres Wirtschaftswunders zurückliegender Jahre auf Pump finanziert. Ein großer (der Größte?) Handelspartner war dabei Deutschland. Na... da ist es doch klar, daß unsere Banken milliardenschwere Kredite - halt der Gegenwert der von der Türkei nicht bezahlten, auf Pump gekauften Waren - jetzt im Feuer haben, nachdem die Türkei wirtschaftlich abstürzt!
Das Ganze ist - m.E. in allererster Linie - schlicht das nächste Benkenrettungsprogramm! Darum geht es! Darum muss die wirtschaftliche Zusammenarbeit weiterlaufen, koste es was es wolle, auch die eigene Souveränität, die eigene Würde, die eigene Selbstachtung. Erst in übelster Rüpelmanier beschimpfen lassen, und dann mit höchsten Ehren zum Staatsempfang laden. Mehr Selbstverleugnung geht nicht!

Theresia Scheffel | Mi, 3. Oktober 2018 - 16:26

Ich kann nur hoffen, dass Merkel Cicero liest und mindestens versucht zu verstehen, was für Schaden ihre ehrlose Haltung gegnüber Erdogan einrichtet.
Ich denke, kein Deutscher versteht, worum es ihr geht, und die Türken wundern sich (und lachen sich tot) - sie haben Deutschland für einen starken Staat gehalten.