Kennedy und Chruschtschow 1961
Von Chruschtschows Atomdrohungen hat sich John F. Kennedy seinerzeit nicht „kirre machen“ lassen / dpa

Krisenmanagement im Konflikt mit Russland - Stabilität, nukleare Abschreckung, Nichtentgrenzung

Wunschdenken in sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen können wir uns spätestens seit Putins kaum verhohlener Drohung mit Atomwaffen nicht länger erlauben. Wichtig sind glaubwürdige Abschreckung durch die Nato, ein Bewusstsein für machtpolitische Realitäten und Akzeptanz der im Atomzeitalter unausweichlich gewordenen Einsicht, dass Konflikte auch aus normativen Gründen begrenzt werden müssen.

Autoreninfo

Dr. Andreas Lutsch ist seit Juni 2019 Juniorprofessor für nachrichtendienstliche Analyse (Intelligence Analysis) an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung.

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Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat ein politisches Erdbeben ausgelöst. Dauer und Resultate dieses Erdbebens sind aktuell nicht recht absehbar. Das Ausmaß diverser Veränderungen und Brüche erscheint bereits jetzt als fundamental, wenn nicht radikal.

Deutlich geworden ist auch, dass im russischen Krisenmanagement Kernwaffen eine besondere Rolle spielen. Bis vor Kurzem galt nukleare Abschreckung vor allem in Deutschland weithin als ein „virtuelles“ oder „unwirkliches“ Thema, von dem man nach der gefährlichen Zeit des Kalten Krieges am liebsten gar nichts mehr hören oder wissen wollte. Mit voller Wucht sind nun in wenigen Tagen ganze Gesellschaften aufgerüttelt worden. Die Erkenntnis sinkt ein, dass wir es nicht mit einem „Konstrukt“, sondern mit einer Realität zu tun haben. Praktisch über Nacht zerbröselte auch die weitverbreitete Fixierung auf abstrakte Ideen wie das Ziel einer Welt ohne Kernwaffen.

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Reinhardt Cornelius-Hahn | Mo, 7. März 2022 - 11:29

Das Gewinnen oder auch das Siegen genannt, gehört mit zu den ethischen Grundverhalten menschlicher Natur. Ob es Olympiaden, Kriege , man kann das Siegen auch mit Stolz und Ehre umschreiben.
Weniger bekannt ist das Verlieren oder besser, das Loslassen oder Kapitulieren, man kann es auch mit dem "Nein!" umschreiben. Es ist der Königsweg der Wege, doch wer übt schon gern Verzicht oder beugt sich der Einsicht.
Die Verantwortung über die derzeitige, momentane Situation liegt nicht allein bei dem ukrainischen Präsidenten, sein Verhalten wird sehr wesentlich von der Kriegsmacht Russlands, konkret von Präsidenten Putin bestimmt. Es wäre richtig gedacht und gehandelt von Präsident Selenskyj, augenblicklich von der Führung oder auch von der Macht innerhalb der Ukraine loszulassen. Es entwickelt sich sonst grenzenloses und unendliches Leid.
Eine nicht unbekannte Größe ist der Ausbruch eines III. Weltkrieges. 50 MegaKt. minus 5-8 Grad, ab 300 MegaKt. minus 20-25 Grad. Lagerung derzeit 6.000 MKt

Whau - Danke.

VERZICHT - LOSLASSEN - KAPITULIEREN - NICHT DER NABEL DER WELT SEIN -

So eine absolute menschliche Schwache. Als Kind z.B. habe ich mich bei Mensch ärgere dich nicht fast immer geärgert. Meine Mutter hat es immer an meiner Nasenspitze angesehen, obwohl ich nach außen hin immer ruhiger wurde.

"Der Klügere gibt nach" hieß es früher in meiner Kindheit.

Ich glaube, dieser Spruch mit seinem Inhalt mit dem Wegfall des göttlichen Glaubens verloren gegangen.

Was nützt einem das Recht, wenn man dies nicht einklagen kann. Wir bösen Ost-Bubis kennen dieses Gefühl noch zur Genüge.

Urban Will | Mo, 7. März 2022 - 11:49

„Geopolitische Realitäten“ sind „zur Kenntnis zu nehmen“ und genau deshalb hatte die Ukraine leider eben nicht die „Möglichkeit, ihre Bindung frei zu wählen“. Oder anders gesagt: für ihre Entscheidung, das Recht souveräner Staaten wahrzunehmen, Bindungen nach eigenem Willen einzugehen, zahlt es jetzt den Preis. Das ist zynisch und ein Schlag ins Gesicht der Ukrainer, das weiß ich, aber es ist nun mal leider die Realität.
Ebenso wie Putin niemals einen atomaren Erstschlag gg d Nato machen wird, solange sich diese raushält.
Die Wirtschaftssanktionen sind kein militärischer Akt, damit hat er gerechnet. Sollten sie aber die Russen so stark treffen, dass eine Revolution gg Putin droht, dann wird es unberechenbar. Wollen wir das?
Die selbstverliebten Europäer haben sich im hier gut beschriebenen „magical thinking“ verfangen. Sie handeln dumm und ziehen den Krieg unnötig in die Länge. Man kann nur hoffen, dass im Hintergrund die USA eine Lösung vorbereiten.
China als Vermittler. Hoffentlich.

Eine gute, ja eigentlich entscheidende Frage, lieber Herr Will.
Ich bin überzeugt davon, daß bei einer (faktisch unmöglichen) Volksabstimmung in Deutschland, Europa und selbst der Ukraine die überwiegende Mehrheit der Menschen sich d a g e g e n aussprechen würde, die Drohungen gegen Putin zu verschärfen und damit eine Ausweitung des Krieges zu riskieren. Diejenigen, die ihn mit Leib und Leben bezahlen müssen,
wollen jeden Krieg lieber heute als morgen beenden.

Aber die "selbstverliebten" europäischen Regierungschefs, besonders auch die
abgehobenen, im virtuellen Geld schwimmenden Potentaten bei der EU
achten ja schon lange nicht mehr auf den Willen ihrer Bürger, sondern ziehen ihre zum großen Teil idiotischen Spielchen durch.

Ja, ich hoffe auch darauf, daß die USA und China einen Weg finden, diesen Brandherd austreten, bevor die Welt in Flammen steht; denn diese beiden Großmächte kennen die "geopolitischen Realitäten" und ihre eigenen Risiken und Chancen darin sehr genau.

Eine Revolte gegen Putin? Die möglicherweise sein Ende an der Regierung bedeutet?

Sie, Herr Will, scheinen das nicht zu wollen. Vielleicht, weil Sie denken, eine solche Revolte wäre hoffnungslos - als wäre Putin "unbezwingbar". Vielleicht auch, weil Sie das, was Sie mit der Person "Putin" verbinden, nicht verlieren wollen. Denn aus etlichen Ihrer Kommentare, wie auch aus denen anderer Forist*innen weiss ich, dass Putin für Sie bis vor kurzem durchaus eine Vorbildfunktion hatte. Und die Verbindungen und guten Kontakte Ihrer AfD nach Moskau sind ja nun bestens bekannt.

Es ist allerdings dreist, mal wieder - wie das ständig die Foristin macht, die auf ihren Kommentar geantwortet hat - für die Länge des Krieges die Europäer verantwortlich zu machen, für die sie nur Häme ("selbstverliebt") übrig haben.

Sie fordern, Rücksicht auf die Unberechenbarkeit eines Putins zu nehmen - nicht aber, dieser solle den Krieg beenden.

Es sind seine Truppen, keine europäischen, vor Kiew!

Urban Will | Di, 8. März 2022 - 08:55

In reply to by Gerhard Lenz

Auch wenn ich dieses hier wohl mal wieder vergeblich schreibe. Vermutlich verstehe ich Putin besser als Sie meine Kommentare...
Ich bewundere Putin nicht, wie kommen Sie auf sowas?
Gute Kontakte nach Moskau hatten auch Merkel und viele SPDler, bzw. Linke.
Also bitte ein wenig objektiv bleiben.

Und dass man einen Krieg dadurch in die Länge zieht, indem man einer Seite Waffen liefert, etc, sollten auch Sie wissen. Zumindest weiß das jedes Kind.

Ich bin gewiss kein Anhänger von Putins Kriegstreiberei, schaue aber mit etwas Realismus auf diese Sache.
Sollte Putin stürzen, dann bin ich gewiss nicht traurig, aber ich gehöre nicht zu denen, die blind von einem Tag in den nächsten hüpfen.
Bevor Putin fällt, fallen viele ukrainische und russische Soldaten, fallen viele Städte in Schutt und Asche. Das könnte man verhindern, indem man endlich Politik macht und auf Putin zugeht. Nie und nimmer wird er von seinen Kernforderungen (u.a. Krim, Ukr. neutral) abweichen.
Wie lange wollen Sie den Krieg?

Herr Will, dass Sie Putin nicht verstehen - oder nicht verstehen wollen.

Sie, wie auch andere Forist*innen fordern vom Westen, den Krieg zu beenden. Gerade so, als wäre der Westen in die Ukraine einmarschiert.

Sie wissen doch genau, dass nach derzeitigem Stand Putin - wenn überhaupt - seine Aggressionen nur dann beendet, wenn die Ukraine und der gesamte Westen seinen Forderungen nachgibt.

Wollen Sie das?

Kriege werden nicht dadurch gewonnen oder gerechter oder moralischer, indem man den vermeintlichen oder offensichtlichen Verlierer animiert oder fördert, bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen. Das kennen wir vom Ende des WK II. Die Ukraine sollte sich ergeben und Putin den Frieden "machen" lassen. Es wird ihm schwerer als der Krieg und er wird dabei seine letzten Freunde in der Ukraine verlieren. Der Klügere gibt nach und bringt damit seinen Feind in Schwierigkeiten. Aber Klugheit, Herr Lenz, ist für Sie ein Fremdwort. Jeder Satz von Ihnen beweist das. Gerade hat der große Biden den nächsten Fehler gemacht. Er will aus Russland kein Öl mehr kaufen. Die Chinesen wird es freuen, andere auch. Glaubt man in Washington im Ernst, der Putin bliebe auf seinen Öl sitzen?? Alles nur blödsinnige Symbolpolitik. Und die Weltwirtschaft geht dabei vor die Hunde. Benzin wird unerschwinglich. Wie lange glauben Sie werden das die Amis durchhalten? Die USA - das Land der Autofahrer. Ein Lacher!

Joachim Kopic | Mo, 7. März 2022 - 13:31

... sich dieses Bild und dazu eines von "Reagan&Gorbatschow" täglich 5 Minuten anzuschauen ... vielleicht dämmerts bei einem oder im besten Falle bei beiden (klingt ja wie "Biden" ;)

Ernst-Günther Konrad | Mo, 7. März 2022 - 17:13

Sie schreiben: ....."wenn nicht der sachliche Blick dominiert,...
und
"Spekulationen, Alarmismus, Panikstimmung und Autosuggestion waren und sind nicht angesagt und betreiben das Geschäft der Gegenseite, sofern sie die Öffentlichkeit beeinflussen." Derzeit fehlt es an einem realen Blick auf die Geschehnisse und die möglichen Gründe, die zu diesem Krieg führten. Die Europäer sind derzeit nicht in der Lage Vernunft gesteuerte Lösungen zu suchen, sondern suhlen sich in ihrer Empörung und gehen damit einem Putin erneut auf den Leim. Wer Lösungen finden will, muss die Gegenseite verstehen, nicht akzeptieren und vor allem die eigene Kriegsrethorik zurücknehmen. Davon sind wir derzeit leider weit entfernt. Es rollte nicht ein Panzer weniger, es wird nicht ein Menschenopfer verhindert, durch Sanktionen und lautes Geschrei. Ruhe, Besonnenheit, eine reale Bewertung der Situation und der Wille, Lösungen zu finden beenden diesen Krieg. Da fehlt es aber offenkundig an Fähigkeiten im Ampel Land.

Gisela Fimiani | Mi, 9. März 2022 - 13:04

Haltet ein!!! Wo sind die Stimmen der Vernunft und wie hier angemerkt des „Verstehens“? Ein durch-hysterisierter Meinungskonformismus beherrscht das Klima. Nach Klima und Corona erprobte Sündenböcke, ist der neue Sündenbock nun „der Russe“. Die wohlfeile, rechtgläubige Gesinnungs- Zurschaustellung, ein rigoroser Moralismus, der keine andere Seite mehr kennt, lösen Schrecken und Bestürzung aus. Wo geopolitische Herausforderungen mit selbstgerechter Attitüde, bis hin zum Hass auf den ausgemachten Feind bewältigt werden wollen, haben wir den Boden der Realität, die Vernunft, den gesunden Menschenverstand verloren. Es steht zu hoffen, dass Menschen mit mit gerütteltem Maß an Verständnis für geopolitische Komplexität Gehör finden, um zu verhindern, dass schlafwandlerische unsachliche Rechthaberei uns in die Katastrophe manövriert. Erkennen wir die Grautöne und werfen unsere Menschlichkeit nicht von uns, indem wir nur noch das uns Genehme gelten lassen - die Demut muß den Hochmut ersetzen.