Mikro-Chips - Baustein der Globalisierung

Weltweit sind Mikrochips knapp. Der Mangel macht vielen Herstellern zu schaffen. Denn die kleinen Elektrobauteile stecken überall: in Kühlschränken ebenso wie in Autos. Europa will nun die verloren gegangene Chipindustrie neu aufbauen. Aber lässt sich die globale Arbeitsteilung wirklich zurückdrehen?

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Mikro-Chips werden immer wichtiger; und seltener / Getty Images

Autoreninfo

Felix Lill ist als Journalist und Autor spezialisiert auf Ostasien.

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Jetzt befinden wir uns im Reinraum“, erklärt Martin Steinlehner fast andächtig und lenkt die Kamera vorsichtig in die neue Anlage. „Menschen sehen Sie hier nur noch wenige. Die Fertigung ist vollautomatisch.“ Der Unternehmenssprecher deutet durch die Halle. Unter der Raumdecke hängt ein Schienensystem, zum Komponententransport von einer Maschine zur nächsten. Hier ein „Real-Time-Dispatcher“, da ein „Ionen­implanter“, ein Stück weiter warten „Nassbänke zum Reinigen der Wafer“. Und alle Anlagen denken mit.

„Wir nennen das hier AIOT“, erklärt Martin Steinlehner über sein Headset. Die Abkürzung steht für Artificial Intelligence Internet of Things, also die Anwendung künstlicher Intelligenz auf das Internet der Dinge. Einfacher ausgedrückt: Die Gegenstände hier sind miteinander vernetzt und optimieren ihre Prozesse ständig selbst. „Mit dieser intelligenten Fabrik gehören wir weltweit zur Benchmark“, heißt es. Kurz darauf folgt ein Werbefilm. Es fallen Worte wie „Weltmarktführer“, „Silicon Saxony“, „Superkräfte“. Dann der Slogan: „Die Zukunft gebaut von Bosch.“

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Karl-Heinz Weiß | Do, 15. Juli 2021 - 09:10

Bosch ist ein gutes Beispiel für die fehlgeleitete europäische Förderpolitik. Die Firma war einst auch in der Telekommunikation und Solartechnik führend, musste wegen der massiven Subventionierung der asiatischen Konkurrenz aufgeben. Das nächste Desaster droht bei der Medikamentenversorgung. Das öffentliche Gesundheitswesen drückte die Preise-und schon war die Produktion in Indien.

Ernst-Günther Konrad | Do, 15. Juli 2021 - 09:22

Ja, wo sind sie denn die vielen Chips? Liegen sie auf Halde und werden handelspolitisch als Druckmittel benutzt? Oder stimmt es doch, dass sie in den neuen Impfstoffen gebraucht werden? Oder fehlen einfach die irdenen Zutaten?
Muss jedes Gerät inzwischen mittels einem oder mehrerer Chips gefertigt werden? Wann kommt der Sensor im Geschirrspültuch, der mir sagt, dass es zu nass zum Abtrocknen ist und ich ein neues nehmen muss? Was, wenn die irdenen Zutaten (Kobolde) aufgebraucht sind? Wäre es nicht nachhaltiger im Sinne einer ökologisch sinnvollen Nutzung, Gebrauchsgegenstände zu fertigen, die ohne diese Chips auskommen und ganz einfach mechanisch funktionieren ohne Sollbruchstelle technischen Versagens, damit der Handel in Schwung bleibt? Wie weit wollen es die Menschen noch treiben, mit ihrem Größenwahn, alles schneller, größer und effizienter zu machen?
Ich lehne technischen Fortschritt nicht ab. Aber brauche ich einen Ölstands Warner im Pkw, wenn
es einen Ölmessstab gibt?

Herr Konrad, auch ich liebe Dampflokomotiven und Ferienhäuser, in denen man morgens den Ofen anzünden kann. Es stimmt: Ein schönes und erfülltes Leben war auch unseren Vorfahren möglich, ohne die elektronisch ausgereizte Technik. Mit Wehmut denke ich an den alten Rechenstab zurück, der früher in der Brusttasche eines jeden Technikers steckte. Wer träumt im Urlaub nicht vom wunderbar einfachen Robinson-Leben in der Südsee?

Träume sind wichtig, und es ist auch wichtig, an ihnen festzuhalten und unseren Enkeln davon zu erzählen.

Aber unsere europäischen Träume sind nicht mehr identisch mit den Träumen der Menschheit. Die technologische Entwicklung findet kaum noch bei uns statt. Wenn wir uns gänzlich abkoppeln, können wir nicht damit rechnen, dass "die Menschheit" uns folgen wird, zumal dadurch nicht nur unsere Versorgung mit Lebensmittel, sondern unsere gesamte wirtschaftliche Situation unsicher wird. Warum sollen sich dann die anderen um uns romantische Hilfsbedürftige kümmern?

eine alte Waschmaschine ohne jeden Chip lief über Jahrzehnte und konnte gegebenfalls repariert werden- eine "moderne" Chipwaschmaschine ist heute nur ein "Wegwerfartikel"- wenn man Pech hat schon nach drei Jahren. Da hilft es nicht, die teuerste Marke zu kaufen, denn auch dort fliesst der Erlös ins Marketing und nicht in die Forschung wie man unabhängig werden könnte von all den sinnlosen Chip- Waschprogrammen, die niemand nutzt.
Es scheint heute allerdings wirklich Menschen zu geben, denen irgendein Chip sagen muss, dass das Handtuch nass ist und der Waschlappen gewechselt werden sollte, weil die Keimbelastung zu hoch ist. Vielleicht ist das ja der wahre Grund für Corona- uns fehlen weltweit die Chipwaschlappen, die uns sagen, dass wir "nicht ganz sauber sind". Wie um Himmels Willen hat die Menschheit nur vor noch 40 Jahren gelebt- sicher muss die Geschichte umgeschrieben werden, die Menschheit kann es nämlich ohne diese Chip"nachhaltigkeit" gar nicht gegeben haben

Ja, werter Herr Konrad, es geht mir da ähnlich.
Zu dem Ölmessstab nur Folgendes.

Mit Erstaunen musste ich, schon vor einigen Jahren, z. Kts nehmen, dass es immer mehr Junge (auch Männer) gibt, die kaum wissen wo sich dieser Messstab befindet.
Die fahren Auto ohne je dessen Haube geöffnet zu haben.

Ich vermisse heute noch, auch wenn ich der Marke trotzdem treu geblieben bin, den guten Öldruckmesser im Armaturenbrett (war beim /8er schon Serie.
In scharfen Kurven zeigte der einem schon an, dass man etwas nachfüllen musste.
Und bei m. Motorrädern habe ich den Ölstand am kalten Motorlauf er-hören können.
Aber wer kennt sich heute noch mit solchen Feinheiten aus?

Hans Jürgen Wienroth | Do, 15. Juli 2021 - 09:48

Das ist ein gutes Beispiel für die Abhängigkeit Europas von Asien und den USA. Wie wird sich die Chip-Versorgung ändern, wenn China sich Taiwan einverleibt hat? Ich rechne fest damit. Wer könnte dieses Land bei der derzeitigen Abhängigkeit der Welt von bestimmten Warenlieferungen daran hindern? China verkauft lieber Geräte als einzelne Chips, schließlich hat die Pandemie mit Home-Office und -Scooling einen wahren Schub an verkauften Laptops und anderen Geräten gebracht, wie dieser Artikel richtig zeigt. China – DER Pandemie-Gewinner!
Wie sieht eigentlich der Energiebedarf bei der Chip-Herstellung aus? Heute Morgen war bei Funke-Medien zu lesen, dass China bis 2030 den Höchststand an CO2-Emissionen erreichen wird, während die EU ihre bis dahin um 55% senken will. Können wir eine eigene High-Tech Chip-Produktion zu „Weltmarktpreisen“ unter den teuren Bedingungen des Klimaschutzes überhaupt noch realisieren?

Andre Möller | Do, 15. Juli 2021 - 09:56

hatte 1989 auch die DDR. Das aufzuholen ist illusorisch. Einmal weg - immer weg. So ist das mit Fähigkeiten, die man freiwillig aufgibt - vgl. Bundeswehr, innere Sicherheit, Verwaltung, Logistik etc.. Außerdem sind Genderthemen, Pseudo-Rassismus und der Kampf gegen Rechts viel viel wichtiger und zukunftsorientierter. Und das bringt auch die Wirtschaft in Schwung. Vorwärts Richtung Regenbogen... Warum begreift man im Westen nicht, dass es längst Zeit ist, das Akkumulationsmodell und die Prioritäten zu ändern? Aber bei dem Personal.... Asien ist das neue Europa.

Rob Schuberth | Do, 15. Juli 2021 - 13:52

Ja, diese kleinen Chips stecken mittlerweile nahezu überall drin.

Nur will sie an vielen Stellen niemand wirklich haben.
Ich brauche keinen Toaster oder Kühlschrank, der mit dem I-Net verbunden ist.
Das ließe sich problemlos auf sehr viele Anwendungsgebiete ausweiten.

Übrigens halte ich auch nichts von der Vision (für mich eher Utopie) eines fa/führerlosen Verkehrs auf unseren Straßen.

Davon träumen nur die, die sich daran eine goldene Nase verdienen wollen.
Ich will keine Auto, dass irgendwelchen Leuten/Konzernen ständig MEINE Daten sendet.

Daher finde ich es auch ganz ok diese Knappheit zu erleben, denn nur dann können verantwortliche Leute auch umdenken, ob dieser Weg wirklich der richtige ist.
Ich empfinden diesen Weg als Irrweg.

Helmut Sandmann | Fr, 16. Juli 2021 - 08:18

Die Zukunft liegt in Asien, jede Kultur hat irgendwann den Hoechststand erreicht, und dann geht es abwaerts, in Deutschland schon seit Jahren. Was den Deutschen so wichtig ist wie z.B. Gendern, das zusaetzliche Geschlecht Divers im Pass, Rassismus, darueber macht man sich in Asien keine Gedanken.