Mario Draghi - Retter & Räuber

Whatever it takes: Seit zehn Jahren verhindert EZB-Chef Mario Draghi mit billigem Geld und Niedrigzinsen den großen Finanzknall in Europa und enteignet dabei schleichend die Sparer. Die Politik schaut weiter tatenlos zu und verschenkt die Zeit, die Draghi teuer erkauft hat

Mario Draghi als Meister Hora: Hat die Politik die Zeit genutzt, die er ihr erkauft hat? / Søren Kunz

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein neues Buch „Das Märchen vom reichen Land – Wie die Politik uns ruiniert“ ist ein Spiegel-Bestseller.

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Die Bundesregierung sagt am heutigen Tag (...) den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ So verkündeten es Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück am 5. Oktober 2008. An diesem Sonntag im Herbst 2008 kam die Finanzkrise im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit an. Schon zuvor hatten die Aufmerksamen unter den Sparern Angst um ihr Geld bekommen und angefangen, in großem Stil das Geld bei der Bank abzuheben. Bilder von langen Schlangen vor Banken aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise waren unbewusst wieder präsent. Die Gefahr, dass es zu einem erneuten Run auf die Banken kommt, war real. Einen Run, der in unserem Geldwesen, in dem rund 90 Prozent allen Geldes von Banken geschaffen werden und damit nur auf dem Papier stehen, immer eine Bankenkrise zur Folge hat. Ohne Vertrauen der Einleger ist keine Bank der Welt überlebensfähig.

Deshalb war es richtig, dass Merkel und Steinbrück damals gelogen haben. Die Bundesrepublik hätte es finanziell nicht stemmen können, für alle Einlagen der Deutschen einzustehen. Das war aber auch nicht nötig. Es genügte, das Vertrauen wiederherzustellen. Gibt es keinen Run, gibt es auch keine Bankenkrise, egal wie gut es um die Banken in Wahrheit bestellt ist.

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Willy Ehrlich | Do, 27. September 2018 - 15:44

Rechnerisch stimmt das zwar alles, aber 5% Habenzinsen und 7% Inflation - wie in früheren Jahren - führen zum gleichen Ergebnis.

Norbert Schmidt | Do, 27. September 2018 - 18:55

Unsere "Volksvertreter" haben mein Vertrauen verspielt. Beispielshaft ist auch(!) die schleichende Enteignung der deutschen Sparer. Jahrzehntelang wurden wir aufgefordert zu sparen, für das Alter vorzusorgen etc. Und dann auf einmal gibt man die Geld-und Währungspolitik aus der Hand, lässt Herrn Draghi schalten und walten, und Frau Merkel und Co schauen zu, unternehmen nichts, rein gar nichts, um den deutschen Sparer zu schützen. Warum sollte ich noch zur Wahl gehen, wenn man so brutal mein Vertrauen zerstört. Und zur aktuellen Lage: Jahrelang wurde uns erzählt, die Null-Zinspolitik würde beendet sein, wenn das Inflationsziel von 2 Prozent wieder erreicht ist. Da ich immer noch jeden Tag durch die Inflation von derzeit 2 Prozent Geld von meinem Ersparten verliere, fühle ich mich weiterhin betrogen. Frau Merkel ist dies offensichtlich egal. Und in den derzeitigen Wahlkämpfen in Bayern und Hessen scheint die Sparerenteignung auch kein Thema zu sein.

Michaela Diederichs | Fr, 28. September 2018 - 22:17

In reply to by Norbert Schmidt

Was war zuerst da - die Henne oder das Ei? Seit ca. 10 Jahren steigen die Preise für Immobilien ins unermessliche. Warum? Wer konnte und kann hat sein Geld in Immobilien (Betongold) angelegt und tut es noch - manchmal findet sich noch ein Schnäppchen. Und klar, wer gekauft hat, will eine anständige Rendite. Wer muss zahlen? Diejenigen, die sich keine Immobilie leisten können und zur Miete wohnen. Wer clever gespart und in Aktien und Immobilien investiert hat, gewinnt. Der so genannte "kleine Mann" mit seinem Sparbuch und seiner Riesterrente ist der Verlierer, er wird entspart. Politisch wird nicht gegengesteuert. Zu besichtigen sind in allen Metropolen der EU: ganze Wohnblocks in Toplage, allabendlich dunkel. Sie sind ausschließlich Investitionsobjekte und sonst nichts. Macht der Investor Verlust, kann er diesen m. W. auch noch bei der Steuer geltend machen und Geld sparen. Die Schere zwischen arm und reich und der Verdruss wird immer größer. Politisch offenbar unwichtig.

Ich mag die Inflation nicht ganz glauben. Außer dem Strom ist bei mir alles geblieben. Trotzdem wähle ich diese Staatsform in dieser Ausführung ab. Die schaffen es nicht.

Frank Grundmann | Fr, 28. September 2018 - 16:34

Ob Graf Draghila tatsächlich den großen Finanzknall in der EU verhindert hat, oder ob andere parallel existierende Parameter die Eruption vorerst unterdrückt haben ist für den Deutschen Sparer nahezu Einerlei. Fakt ist, dass dieser Bandit und die ihm unterstellten Wegelagerer den Sparer um unzählige Milliarden erleichtert haben und der Raubzug ist noch nicht beendet. So etwas hätte es ohne diese unheilbringende EU und die verheerende Währungsunion nicht gegeben. Aber wen interessiert noch das Wohlergehen der Menschen dieses Landes, seit es die paneuropäische Ideologie in den Marmorpalästen Brüssels gibt?

Michaela Diederichs | Fr, 28. September 2018 - 22:35

Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit in Deutschland haben sich seit Generationen tief in den Köpfen der Menschen eingegraben. Aktien und Immobilien halfen dem "kleinen Mann" damals auch nicht. Die großen Gauner waren die Profiteure. Sie sitzen - wie immer - dort wo Gauner bekanntlich sitzen: an den Schalthebeln der Macht. Täglich werden uns die tollsten Wirtschaftsdaten, die niedrigste Arbeitslosigkeit regelrecht eingehämmert. Nie ging es uns besser als heute - und besser, es denkt niemand über morgen nach. Die Masse der Menschen lässt sich einschläfern - noch.

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