Eurokrise - Das Problem ist der Euro selbst

Seit die Angst vor einem EU-Austritt Italiens umgeht, ist die Eurokrise plötzlich wieder in aller Munde. Dabei können Alles-in-Butter-Sprachregelungen der EZB und der EU nicht darüber hinwegtäuschen: Das System funktioniert schon lange nicht mehr. Von Alexander Grau

Mehrere 50-Euro-Geldscheine sind am 20.02.2017 in Bamberg (Bayern) zu sehen
Kein Garant für die Zukunft Europas: Der Euro / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Na Donnerwetter, da steht doch tatsächlich ein alter Bekannter vor der Tür: Die Euro-Krise ist wieder da! Oder droht zurückzukehren. Wer hätte das für möglich gehalten? Wenn man sich in diesen Tagen durch den Blätterwald arbeitet oder ein Radio beziehungsweise einen Fernseher anschaltet, muss man den Eindruck gewinnen, dass die Euro-Krise wie aus dem heiteren Wirtschaftshimmel plötzlich wieder über uns zu kommen droht. War denn nicht alles prima? Wirtschaftswachstum überall? Entspannung und Gesundung, egal wohin man schaut? Sogar Griechenland und Spanien auf dem rechten Weg?

Schön wär’s. Aber genau das ist nicht der Fall und war es nie. Es reicht ein Blick in die Zahlen. Der ist zwar unpopulär und macht den Wenigsten Spaß, ist aber mitunter hilfreich. Da ist zunächst die Industrieproduktion. Nimmt man das Jahr 2000 zum Ausgangspunkt, so sank die Industrieproduktion bis 2017 in Frankreich um 11,8 Prozent, in Italien um 20,2 und in Griechenland um 21,8 Prozent. Noch ärger sind die Zahlen, wenn man als Vergleichswert die Daten vor dem Crash von 2008 zu Grunde legt. Überhaupt fällt auf, dass trotz der äußerst expansiven Geldpolitik der EZB weder die EU-Länder noch die Euro-Zone nach der Krise von 2008 einen nennenswerten Aufschwung erlebt haben. Das ist äußerst ungewöhnlich und ein Alarmzeichen.  Bei der Bauproduktion sieht es übrigens – anderslautenden Gerüchten zum Trotz – nicht besser aus.   

Die Alles-in-Butter-Sprachreglung von EZB und EU 

Ähnlich katastrophal entwickelte sich die Arbeitslosenquote. Die stieg in Italien im Zeitraum von 2008 bis 2017 von 6,5 auf 11,8 Prozent, in Spanien von 9,3 auf 19,6 Prozent und in Griechenland von 8,4 auf 23,3 Prozent.

So verwundert es nicht, dass Wirtschaftswachstum im Euroraum praktisch nicht stattfindet – insbesondere, wenn man Deutschland herausrechnet. In Italien ist die Lage verhängnisvoll. Und die in den Medien freudig verkündeten Zahlen aus Spanien und Griechenland sind vor dem Hintergrund der gigantischen Einbrüche der letzten Jahre lachhaft: 1,35 Prozent (Wachstum BIP Griechenland 2017) von nichts ist eben wenig.

Aber diese Banalitäten wurden auch in den Medien in den letzten Monaten überwiegend ignoriert, man folgte lieber der Alles-ist-in-Butter-Sprachregelung seitens der EZB und der EU. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Allzu sehr hat man sich auch in den Kesselräumen der Medienmaschine die einfältige Gleichung zu eigen gemacht, wonach der Euro gleich EU und die EU gleich Europa ist und daher im Umkehrschluss nur der Euro die Zukunft Europas garantiert. Wenn man sich da mal nicht täuscht.

Deutschland ist erpressbar

Dabei ist der Schlamassel der alte: Eigentlich müsste Italien abwerten, was aber – dem Euro sei Dank – nicht geht. Alternativ könnte man noch die Produkte Italiens günstiger machen, etwa indem man die Löhne halbiert – eine absurde Vorstellung. Und auch die Variante, deutsche Produkte über Steuern oder drastische Lohnerhöhungen zu verteuern, will nicht überzeugen. Bleibt nur die vierte Möglichkeit, um die Spannungen im Währungsgefüge auszugleichen: Geld muss fließen.

Nun klingt die Rhetorik der neuen italienischen Regierung diplomatischer und versöhnlicher als die des ersten Kabinettsbildungsversuchs Anfang der Woche. Doch in Rom weiß man natürlich genau: Deutschland ist erpressbar. Ein Austritt Italiens aus dem Euro wäre vor dem Hintergrund der italienischen Verbindlichkeiten verhängnisvoll. Insgesamt steht Italien bei Deutschen Instituten mit 90,5 Milliarden Euro in der Kreide. Was das im Falle eines Ausstiegs Italiens aus dem Euro und einer abgewerteten Neu-Lira bedeuten würde, ist klar: Rettungs-Steuergelder für deutsche Banken.

Wahl zwischen Niedergang und harter Rezession

Noch ärger ist die Situation in Frankreich, dessen Banken mit 310,8 Milliarden Euro in Italien engagiert sind. Das bedeutet: Frankreich wird politisch alles tun, um Italien im Euro zu halten. Egal was Italien fordert: Schuldenerlass, Lockerung der Stabilitätsauflagen, ein explodierendes Defizit durch Steuersenkung plus höhere Sozialausgaben – Italien wird es bekommen, aller Berliner Austeritätsrhetorik zum Trotz.

Denn das Problem ist der Euro selbst. Eine erträgliche Lösung kann es in seinem Rahmen und aufgrund der vorgegebenen Bedingungen nicht geben. Im Grunde hat man nur die Wahl zwischen einem dauerhaften wirtschaftlichen Niedergang und einer plötzlichen harten Rezession im Falle des Euro-Kollaps. Keine besonders attraktiven Alternativen.Und es ist nur allzu menschlich, dass man in Berlin lieber einen Schrecken ohne Ende wählt als ein Ende mit Schrecken. Zumal sich der Schrecken zurzeit noch gut anfühlt, da Deutschland sich über das Target-System erfolgreich seine eigenen Produkte abkauft. Wie lange das gut geht, darüber darf spekuliert werden.

Renate Brunner | Sa, 2. Juni 2018 - 11:39

Wer andere Zeitungen und Informationsquellen liest und EZB-Infos bzw. EU-Aussagen skeptisch gegenüber steht, war nie der Meinung, dass die Euro-Krise vorbei wäre. Die Arbeitslosenzahlen, die Auswanderungsquote in den südlichen Ländern spricht Bände. Die monetäre Strangulierung Griechenlands (IWF, Privatisierungen etc. etc.), der extrem niedere Lebensstandard, wusste das seit Anbeginn an.
Wer Hans-Werner Sinn öfters hört oder liest (hörte, gelesen hat), wusste auch Bescheid. Er hat schon vor drei bis vier Jahren (oder noch länger) "Italien" richtig eingeschätzt und vieles andere mehr. Aber es ist gut, dass dieser Artikel wieder einmal auf das Euro-Desaster hinweist. Warum hat denn Frankreich unbedingt den Euro wollen? Weil es permanent auf- und abwerten musste und das war
Mitterands Pfand in der Hand für die Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Heiner Regenschacht | Sa, 2. Juni 2018 - 11:45

In der obigen journalistischen "Grauzone" wird Klartext geschrieben. Ein Widerspruch in sich, aber exakt spiegelbildlich zu den Main Fake Medien in Sachen Brüssel-Europa: Da wird Hochglanz aufgetischt und die Inhalte sind absolut verrottet.
Per Saldo eine tragisch verkehrte Welt mit immensen Folgelasten.

Christa Wallau | Sa, 2. Juni 2018 - 11:45

Ein Haus, das auf Sand gebaut ist, wird eines Tages
zusammenstürzen, so sehr man auch immer wieder mit teuersten Maßnahmen bemüht ist, es abzustützen.
Genau so ist es mit dem Euro. Er beruht auf
falschen Voraussetzungen. Dies haben kluge
Menschen schon bei seiner Einführung gesagt, viele vernünftige Leute predigen dies seit Jahren und verlangen einschneidende Änderungen. Doch sie werden verteufelt, wie z. B. 2013 Prof. Lucke und seine Mannschaft, die aus Verzweiflung über Unbelehrbarkeit und Arroganz der herrschenden Politikerklasse eine neue Partei gründeten.
H e u t e erkennen viel mehr Menschen, daß
Lucke Recht hatte. Aber niemand kommt auch nur auf die Idee, Leute wie ihn und andere Realisten zu rufen, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Wie kleine Kinder hält man sich lieber die Augen zu
und singt sich immer wieder die gleichen Wiegenlieder zur Beruhigung vor.
Dasselbe törichte Verhalten legt man auch in der Migrationspolitik an den Tag.
Armes, dummes Deutschland!

Hans Herzberger | Sa, 2. Juni 2018 - 12:18

Sehr gute Analyse Herr Grau, doch dürften viele Ihrer Merkel-Mainstream Kollegen diesen Artikel verwerfen und abwerten. Ich denke, es wird nicht gut gehen und das ganze Gefüge wird in sich zusammenbrechen auch wenn Herr Draghi die bereits heiß gelaufene Druckerpresse noch schneller laufen läßt. Jede strapazierte Maschine gibt irgendwann ihren Geist auf und wird verschrottet. So wird es auch unsere EU erleben !

Peter Lieser | Sa, 2. Juni 2018 - 12:30

Ergänzung : Es hat noch nie funktioniert ! Die vereinigten Medien als Erfüllungsgehilfen der Politik haben versucht es uns ein zu reden und die meisten Wähler haben es geglaubt.

Sepp Kneip | Sa, 2. Juni 2018 - 12:30

"Das Problem ist der Euro selbst" Die Überschrift des Artikels bringt es auf den Punkt. Der Euro war von Anfang an eine Mißgeburt. Dem Euro ist es zu "verdanken", dass in den Ländern, die schon bei ihrem Beitritt zum Euro Problemländer waren, die nötigen Reformen unterblieben. Der Zwang hierzu fehlte, da es keine Wechselkrsschwankungen mehr gab, die die übrige Welt darauf aufmerksam gemacht hätten, dass mit diversen Ländern etwas nicht stimmt. Ein Weiteres steuerte die EZB zu dieser Misere bei, die die Probleme dieser Länder mit frisch gedrucktem, billigem und nicht gedecktem Geld zukleisterte und weiter zukleistert.

Wenn dann die Gläubigerländer wie Deutschland erpresst werden, ihre Forderungen nicht fällig zu stellen, kann sowas noch eine Weilr gut gehen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem den Gläubigern mittels Bürgschaft für alle Euro-Schulden noch mehr abverlangt wird und das ganze System kollabiert.

Stirbt der Euro, stirbt Europa. Nein, der Euro lässt Europa sterben. Bitter!

Lena Martin | Sa, 2. Juni 2018 - 12:39

Wie wahr, wie wahr..., der Euro ist DAS Problem !!!
Von der Einführung des € hat die Bevölkerung in keinem €-Mitgliedsstaat profitiert !!! Mit etwas gesundem Menschenverstand waren die Risiken und fatalen Folgen einer gemeinsamen Währung klar zu erkennen. Ich war strikt gegen den € !!!
Ohne Euro hätten wir in Deutschland auch keine
Altersarmut, die jetzt in aller Munde ist. Mit 1.600,00 DM monatlich konnte man zwar nicht üppig, aber sehr anständig leben und sich auch ab und zu einen bescheidenen Luxus leisten. Mit 800,00 € sieht das ganz anders aus. Schon kurz nach €-Umstellung haben sich die Kosten (Preise) von früher DM auf € 1:1 angepaßt, unser Gehalt bzw. Rente sind uns aber halbiert worden und in der Folge nur minimal gestiegen. Kein Wunder, dass man mit 800,00€ monatlich nicht mehr über "die Runden" kommen kann. Ich denke, ich bin nicht die einzige, die diese Feststellung gemacht hat.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 2. Juni 2018 - 13:02

Herr Grau,das Problem ist nicht der Euro, sondern dass vor allem die südeuropäischen Länder ihn benutzen, um sich billig verschulden zu können.
Ich hoffe auf eine klärende Aussprache durch die nord/osteuropäischen Länder, denn weder Italien noch Frankreich können es sich leisten, aus dem Euro auszutreten -> Kapitalflucht.
Ich hätte gerne Polen drin und irgendwann auch wieder England in der EU und gerne auch "im" Euro, was aber problematisch ist, solange das britische Pfund als Weltwährung günstiger für sie ist?
Ich frage als Laie.

Konrad Schiemert | Sa, 2. Juni 2018 - 13:38

Damals, vor der Einführung des Euros, hat Bolko Hoffmann uns alle gewarnt: "Der Euro-Wahn macht uns zum Sozialfall". Kein führender Politiker hat ihn ernstgenommen. Die Idee der Einheitswährung war wirklich schön und vielversprechend, leider aber falsch. Und jetzt ist guter Rat sehr-sehr teuer.

Daniel Wischer | Sa, 2. Juni 2018 - 13:54

Ob der Euro das Problem ist, bleibt zweifelhaft.
Fest steht: die D-Mark war stabil und hoch angesehen in der Welt, die griechische Drachme oder die ital. Lira eher nicht. Will man völlig unterschiedliche Volkswirtschaften in das enge Korsett einer Gemeinschaftswährung zwängen, geht dies auf Dauer wohl nur mit einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik, in welcher die erfolgreichen Länder die weniger erfolgreichen unterstützen. Zudem wurden bereits bei der Euro-Einführung die eigenen Stabilitätskriterien nicht ernst genommen und seither immer weiter aufgeweicht. Da eine Umkehr (noch?) nicht vom EU-Establishment zu erwarten ist, wird es auf weitere Transfers oder Anhäufung gigantischer Schulden hinauslaufen, die irgendwann entweder fällig oder abgeschrieben werden. Schlimm nur, dass viele jungen Menschen in den betreffenden Ländern wie Italien trotz dieser Geldpolitik arbeitslos sind. Auf Dauer wird an währungspolitischen EU-Reformen kein Weg vorbeiführen. Wer wird die Zeche zahlen

Martin Lederer | Sa, 2. Juni 2018 - 13:55

Was für eine tolle Erkenntnis. Mir wurde das leider erst klar, als es mit der "Eurorettung" begann. Andere wußten es schon vor der Euro-Einführung. Ich leider nicht. Ich war damals einer der Lemminge, die das Mediengedöns nachplapperten.

Winke Nolte | Sa, 2. Juni 2018 - 14:26

Mir kommt das alles vor, wie bei dem Mann, der vom achtzigsten Stockwerk eines Hochhauses aus dem Fenster stürzt.
Als er im Fallen am fünfzigsten Stockwerk ankommt, denkt er sich: „Bis jetzt ist ja noch alles gut gegangen.“

Joachim Wittenbecher | Sa, 2. Juni 2018 - 15:36

Die EU muss einen Modus finden, der einzelnen Ländern ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Euro erlaubt, ohne aus der EU austreten zu müssen. Auf diese Weise könnte nach einigen Jahren der Kreis der Euro-Länder auf den Bereich schrumpfen, der "wirtschaftlich mithalten" kann. Ist dieser Fall eingetreten, konnten sich z.B. Tschechien und Polen an den Euro anschließen. "Wirtschaftlich mithalten" würde bedeuten, entweder die betreffenden Länder besitzen ausreichend Wirtschaftsstärke oder sie sind bereit zur "inneren Abwertung", d.h. Lohnsenkung und Preissenkung der eigenen Wirtschaft. Dies hat aber fatale soziale Verwerfungen zur Folge - die Nord-Süd-Spaltung wäre auf jeden Fall zementiert.
Die Alternative wäre eine einvernehmliche und vollständige Auflösung der Euro-Zone. Dies dürfte aber gerade bei den Bevölkerungen, deren Länder auf einem vergleichbaren Niveau sind (z.B. D/NL/A/F(?)/B(?)) auf wenig Gegenliebe stoßen. Es wird schwierig bleiben.

Bernhard K. Kopp | Sa, 2. Juni 2018 - 16:22

Tatsächlich verstehen nur sehr wenige was es mit einer Währung, einem Geldsystem usw. so auf sich hat. Zum Euro gibt es schon seit Maastricht die begründeten Warnungen der Ökonomen und Währungsfachleute. Da die meisten Politiker es selbst nicht verstehen, und Geld für Bimbes halten, wird ohne Feuer am Dach nichts getan, um eine unvollständige Architektur zu verbessernm und es wird sogar sehr viel Schädliches getan, wie Italien und Griechenland. In der Krise, 2010, wird dann nur mehr gelogen und betrogen. Die allermeisten verstehen es ohnedies nicht, selbst wenn ein sachkundiger Bundespräsident zurücktritt, und ein Gauweiler gelegentlich in Karlsruhe klagt. Es gibt keine einigermassen sachkundige Opposition (ausser Sinn, Lucke, Henkel, Starbatty & Co)und keine ausreichend überzeugende, kritische Presse. Der Euro ist wie er ist, das Problem sind die gewissenlosen Politiker seit Maatricht.

ingrid Dietz | Sa, 2. Juni 2018 - 17:36

werden von der Populistin Merkel und ihr "wir schaffen das" um Längen übertrumpft !

Zur Erinnerung:
die EZB ist garantiert nicht dafür da, Pleite-Staaten zu retten !

Paul J. Meier | Sa, 2. Juni 2018 - 17:58

Man hat die Wahl zwischen Skylla und Charybdis, ein langsames dahinsiechen, das bittere Ende vor Augen, ist imho nicht weniger schmerzlich. Bei einem harten Crash hätte man die Möglichkeit notwendige Maßnahmen schnell umzusetzen und so schneller wieder auf die Beine zu kommen. Aber ich denke sie haben recht, wir werden noch lange gequält werden, von immer abenteuerlicheren "Innovationen", zu welchem Ziel Target führt liegt in der Natur der Sache.

toni röder | Sa, 2. Juni 2018 - 18:27

Italien könnte sehr wohl auch innerhalb des Euro-Systems abwerten. Dazu müsste lediglich die Mehrwertsteuer erhöht werden und somit die Kaufkraft des Euro innerhalb Italiens verringert werden. Dem steht jedoch die laxe Steuermoral entgegen. Für Griechenland gilt übrigens beides ebenfalls. Verschärfte Steuerkontrollen sind jedoch bei den dort Regierenden zu unpopulär. In Italien hatte (wenn ich mich nicht irre) der Steuerartist Berlusconi unter dem Applaus der Bevölkerung und der Gastronomen z.B. die "Scontrino-Pflicht" wieder abgeschafft. Steuermoral war nunmal nicht mit seinem persönlichen moralischen Kompas in Übereinstimmung zu bringen.
Dass es grundsätzlich funktioniert, hat die 1. große Koalition unter Merkel 2007 gezeigt: Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte (um den Regierungsumzug zu finanzieren).
Auch durch diesen Schachzug ist Deutschland so exportstark.

Christian Dirk Bähr | Sa, 2. Juni 2018 - 18:50

Dafür, dass nicht länger an der Sache vorbeigeredet bzw. -geschrieben wird, Herr Grau!
Die impliziten Garantien/ Bürgenschaften, von Deutschland durch das EURO-Abenteuer eingegangen und übernommen, belaufen sich auf weit über 3 Billionen Euro.

Norbert Heyer | Sa, 2. Juni 2018 - 19:00

Deutschland ist erpressbar und wird alles akzeptieren, um den EURO zu retten. Unsere Regierung weiß nur noch nicht, wie sie diese Sache den Bürgern verkauft und wie groß deren Toleranz ist, bevor es hier ungemütlich wird.

Dimitri Gales | Sa, 2. Juni 2018 - 20:01

werden die Probleme andauern. Seit dem Altertum weiss man, dass das Recht auf die eigene Währung zur Souveränität eines Staates gehört. Zwar gab es in vor dem 1. Weltkrieg in Festland-Europa eine Art Zweitwährung, die Lateinische Münzunion, aber die war auf Golddeckung aufgebaut - die Welt war damals noch etwas einfacher als heute.
Anfänglich waren die Menschen in Italien und Griechenland euphorisch, den Euro einzuführen, denn nun sollte es Geld regnen, Europa ist reich, wirtschaftlich mächtig....... Das Problem ist nur, dass Kredite müssen zurückgezahlt werden müssen und der Euro kann in Italien keine wirtschaftlichen Wunder bewirken. Diese Kunstwährung ist auf Länder wie Deutschland zugeschnitten, gilt auch als Fortsetzung der DM, aber für Länder wie Italien eher ungeeignet. Aber wie der Artikel richtig bemerkt: sie sitzen alle in der Euro-Falle, und für Deutschland könnte es richtig teuer werden.

Norbert Rosendahl | Sa, 2. Juni 2018 - 20:08

Ich möchte gar keine Debatte lostreten sondern mich bei Herrn Grau (und Cicero) lediglich für den Artikel bedanken.

Achim Dubois | Sa, 2. Juni 2018 - 22:56

Wir werden von einer „Scheinelite“ regiert, die um ihr Scheitern hinauszuzögern, nicht vor Manipulationen, bis hin zu Rechtsverstössen (Maastricht) zurückschreckt. Dabei nehmen sie, die elitären Volksverdummer, die Gefährdung unseres Staatswesens in Kauf. Wo ist der Aufstand ? Hat man vor der Parteiendiktatur bereits kapituliert ? Ausser dem aufrechten Prof. H.W. Sinn, der versucht, den deutschen Michel aufzuklären und aus seiner Lethargie zu reissen, fallen mir nur wenige fachlich renommierte Verfechter kluger Analysen ein. Immerhin hat die AfD in Gestalt von Herrn Meuthen oder Frau Weidel kompetente Stimmen im Bundestag.

Michael Sauer | So, 3. Juni 2018 - 01:43

Hut ab, das ein Doktor der Philosophie so klar erkennt,wo das Problem liegt. Nein, Spaß beiseite, Dr. Graus Beiträge sind immer prägnant und scharfsinnig. Was sollen wir jetzt machen? Alles verkaufen und dann wohin? Es ist zu Heulen, was die Politiker angerichtet haben und wir haben es zugelassen!

Christoph Kuhlmann | So, 3. Juni 2018 - 07:32

Es sind jetzt schlappe zwei Billionen Target Außenstände. Da es weder Zahltag noch Zinsen gibt, kann man das Problem beliebig aussitzen, bis es die sehnlich erwartete Inflation praktisch verschwinden lässt. Warum sonst sollte Draghi das Geld zum Nullzins in sklerotische Bankensysteme pumpen? Wir brauchen endlich eine Marktbereinigung. Banken, die ohne realistische Risikoanalyse Geld verleihen und dann den Staat anbetteln müssen endlich geschlossen werden. Deutschland ist sowieso "overbanked".

Schabert Albert | So, 3. Juni 2018 - 10:32

Das hochindustriealisierte und mit weitgehend automatisierten Anlagen augestattete Deuschland ging mit mit damals schon hochverschuldeten oder unterentwickelten Ländern eine Währungsunion ein.Die Hoffnung,es würde ein Ausgleich der Lebensbedingungen stattfinden,hat sich nicht erfüllt.Die Reallöhne in Deutschland sind gesunken,der Globalisierung sei Dank.Die anderen EURO-Länder sehen zurecht den Grund für ihre
Abwärtsentwinglung im EURO.
Von der unterschiedlichen Mentalität und vom Klima(wer will bei 45 Grad schon arbeiten) ganz zu schweigen.Deutschlands Reichtum ist Regen-bei schlechtem Wetter arbeiten wir lieber.

Jacqueline Gafner | So, 3. Juni 2018 - 10:32

sie wäre vorab am Widerstand von Frankreich gescheitert - schon vergessen?
Das ändert allerdings nichts daran, dass man der Analyse des Artikelverfassers nur zustimmen kann. Auf Dauer lässt sich weder als Privatperson noch als Staat über die eigenen Verhältnisse leben, ohne dass der Konkurs je weit weg wäre, sei es der des Schuldners oder der seiner Gläubiger. Das ist die simple Wahrheit, die nicht nur hinter der Euro-Krise steckt, die zeitweilig aus den Schlagzeilen verschwunden war, aber bis heute nicht annähernd bewältigt ist, sondern auch hinter der Krise der EU insgesamt. So richtig Solidarität in einer akuten Krisensituation sein mag, so falsch ist sie als vermeintliche Dauerlösung, da sie die "Zwangssolidarischen" überfordert und zudem keinerlei Anreiz für die Empfänger des leistungslosen Geldsegens setzt, die Ausgaben den realistischerweise aus eigener Kraft erzielbaren Einnahmen anzupassen. Die exzessive Schuldenmacherei ist keine Lösung, sondern das eigentliche Grundübel.

Klaus Schmid | So, 3. Juni 2018 - 10:44

... wird noch so lange "gut" gehen wie die deutschen "Leitmedien" es als gut bezeichnen werden. Die Geschichte lehrt uns dass die riesengroße Mehrheit der Deutschen gnadenlos obrigkeitshörig ist und nur durch riesengroßen Schaden klug wird. Leider.

Michael Murmurachi | So, 3. Juni 2018 - 11:59

Herr Grau, sachlich fundiert beschreiben Sie den Weg der EU in die größte vorstellbare Katastrophe. Ebenso sachlich beschreiben Sie die Ausweglosigkeit, weil sich EU Politiker über 2 Jahrzehnte unabänderlichen ökonomischen Realitäten verweigerten. Sie glaubten der Scheinrealität, die Claudia Roth von sich gab, wenn sie von einem politischen Friedensprojekt schwadronierte.

Das unrühmliche Ende der Lateinischen Münzunion wäre eine bessere Grundannahme für die Einführung des € gewesen. Dazu hätte gehört, zu erkennen, dass die Lateinische Münzunion der historische Vorläufer des € und einer Europäischen Union war (Konrad Putzier, 2012).

Eine reale Analyse des Scheiterns der Münzunion hätte jedem verantwortungsvollen Politiker gezeigt, dass die Einführung des € zum Scheitern verurteilt ist, wenn verabredete Regeln nicht von einer unabhängigen Instanz überwacht und Verletzungen nicht mit harschen und unausweichlichen Strafen belegt werden.

Maja Schneider | So, 3. Juni 2018 - 12:33

Schon zu Beginn der Euro-Krise 2008 und erst recht während der immer noch andauernden Griechenland-Krise hat es genügend Vorschläge von wirklich kompetenten Fachleuten - u.a. Hans Werner Sinn - gegeben, wie man die dramatische Finanzsituation noch rechtzeitig hätte entschärfen können, aber der Euro-Rettungswahn von Frau Merkel und ihrer Gefolgschaft hat das leider verhindert und das Ganze noch eskalieren lassen, Ende (sicher kein gutes)offen.

Ron Barker | So, 3. Juni 2018 - 12:39

Voll Treffer! Wer kennt das Ponzi-Schema am besten? Oder, wer wird am Schluss der Dumme sein?

Johann Kowalski | So, 3. Juni 2018 - 12:44

... Instituten mit 90,5 Milliarden Euro in der Kreide?
Deutschland zählt zu den sehr soliden Gläubigern in Europa. Fast eine Billion offener Target-Forderungen haben sich bei der Bundesbank angesammelt. Diese zinslosen, ungesicherten und unlimitierten Kredite an die anderen Zentralbanken im Euro-System schwächt die deutsche Verhandlungsposition massiv. Im System ist allein Italien mit 444 Milliarden Euro bei den Partnerländern verschuldet.
So zeichnet sich bereits ab, dass die neuen Machthaber Deutschland vor die Wahl stellen werden: Entweder die Bundesregierung verzichtet auf Rückforderung der Target-Kredite – oder sie stimmt der Vergemeinschaftung der faulen Kredite in den italienischen Bankbilanzen von brutto über 350 Milliarden Euro zu. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wolfgang Selig | So, 3. Juni 2018 - 14:05

Die wahrscheinlichste Variante ist, dass die EZB ihr Anleihenkaufprogramm über den September hinaus ausdehnt. Darum ist ja Herr Draghi morgen bei Frau Merkel. Geht doch viel besser als sich jetzt im Bundestag mit irgendwelchen Debatten wegen lächerlicher Summen rumzuschlagen. Die sind schon für die EU nach dem Brexit verplant.

Holger Busekros | So, 3. Juni 2018 - 17:39

Die Befürworter des Kapitalismus behaupten, dieser würde den Wohlstand in der Welt mehren. Wenn ich mir anschaue wie viele Menschen in den letzten zwanzig Jahren durch den Kapitalismus ärmer geworden sind im Vergleich zu den wenigen die immer reicher werden, frage ich mich, ob die Idee des Kapitalismus unsäglich gescheitert ist. Leider kümmert das keinen der Befürworter, da sie zu den Gewinnern zählen oder unheimlich dumm sind und als Mitläufer auch Mittäter werden.

Ralph Lewenhardt | Mo, 4. Juni 2018 - 09:35

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, die EU zu retten. entweder Entschuldung der zu schwachen Länder und raus mit ihnen aus dem Euro oder Deutschland und Frankreich raus aus dem Euro. Alles andere verschlimmert die Schuldenlage immer weiter-betrieben durch die EZB.

Wolfgang Lang | Mo, 4. Juni 2018 - 10:33

Der große Crash kann jeden Tag kommen. Das wissen die Granden der EU. Genau diese Wahrheit müssen sie dem europäischen Volk verschleiern. Dazu muss die Presse auf Linie gebracht werden. Und deshalb ständig der billige Taschenspielertrick EU = Europa. Aber es gilt der Satz von Jan Hus: “Die Wahrheit siegt.“