Ökonomisiertes Gesundheitswesen - Überdosis Gesundheit

In Krankenhäusern sollen Kranke gesund werden. Denkt man. Tatsächlich müssen moderne Kliniken inzwischen vor allem Kasse machen. Dafür schaden sie Patienten manchmal sogar – besonders am Lebensende

Illustration Arzt, der Skalpell und Geldschein in den Händen hält
Krankenhäuser wollen mit ihren Patienten in die schwarzen Zahlen kommen – und verstoßen gegen ethische Grundsätze / Moritz Wienert

Autoreninfo

Susanne Donner schreibt zu Themen aus Medizin, Gesell-schaft und Ökonomie. Dazu ist sie mehrmals im Jahr in verschie­denen Krankenhäusern unterwegs. Wie stark Krankenhäuser auf Profit ausgelegt sind, hatte sie zuvor nicht erwartet. Sollte sie mal in einer Klinik landen, will sie eine unbequeme Patientin sein

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Porträt Susanne Donner

Katrin R. hatte das Krankenhaus gerade erst verlassen. In zufriedenstellendem Allgemeinzustand, wie die Ärzte schrieben. Zwei Jahre zuvor war sie zwar an Blasenkrebs erkrankt. Aber dieser schien besiegt. Nur: Die 74-Jährige kann kaum essen. Immer wieder ist ihr übel. Sie wiegt nur noch 50 Kilogramm bei 1,70 Metern Körpergröße. Ein niedergelassener Arzt, der die zarte Frau deshalb untersucht, ist bestürzt: In den Beinen und im Bauch staut sich Wasser. Die Arztpraxis ruft sofort den Notarzt.

So kommt Katrin R. wieder in dasselbe Klinikum, das sie etliche Wochen zuvor entlassen hat. Und jetzt finden die Ärzte doch tatsächlich etwas: Angeblich Eierstockkrebs, der bereits bis in den Bauch gestreut hat. Das erklärt den massiven Gewichtsverlust. Katrin R. und ihre Familie sind geschockt. Wie konnte dieser Krebs so plötzlich und so rasant wachsen? Ihr geht es im Krankenhaus von Tag zu Tag schlechter. Sie hat starke Schmerzen, erbricht sich pausenlos und ringt um Luft. Heilen könne man sie nicht mehr, gestehen die Ärzte. Aber der Chefarzt schlägt vor: Mit einer ganz leichten Chemotherapie, die sie kaum spüren werde, könne man ihr noch eine gute Zeit zu Hause, bis zu einem halben Jahr verschaffen.

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Karin Zeitz | Di, 3. Juli 2018 - 21:46

scheint zu sein: “ein gesunder Patient braucht keinen Arzt und ein toter Patient braucht keinen mehr; beide sind der ökonomischen Seite des Arztberufes abträglich. Am Besten halte man die Patienten in der Schwebe.

Jürgen Friedrich | Mi, 4. Juli 2018 - 15:21

Der Umgang des Menschen mit Globus Erde gleicht einer kollektiven Krankheit. Der Patient ist nicht etwa die Erde, sondern das "Kollektiv Menschheit". Solange diese Menschheit mehr verbraucht, als sie der Erde zurück gibt, führt die jeweils lebende Generation Krieg gegen das LEBEN zukünftiger Generationen von Mensch, Tier und Pflanzenwelt.
DAS zu ignorieren ist ein Krankheitsbild besonderer Art. Insbesondere der Medien.

Yvonne Walden | Mi, 4. Juli 2018 - 15:22

Es stellt sich die Frage: Weshalb sollten Krankenhäuser (Kliniken) überhaupt privatisiert werden?
Um den Privatinvestoren möglichst hohe Gewinne zu verschaffen?
Wenn dies so ist, sollten Privatkliniken schnellstens wieder sozialisiert werden (allenfalls als gGmbH geführt werden).
Dafür sollen sich alle, die Interesse an einer baldigen Gesundung unseres Gesundheitswesens haben, stark machen, auch und insbesondere unsere gesetzlichen Krankenkassen, die alles tun sollten, um unser Geld nicht gewinnbringend in Kliniken anzulegen, sondern für unsere Gesundheit zu sorgen, insbesondere präventiv.

Günter Fischer | Mi, 4. Juli 2018 - 16:30

Der Wahlspruch “ein gesunder Patient braucht keinen Arzt und ein toter Patient braucht keinen mehr; beide sind der ökonomischen Seite des Arztberufes abträglich." ist nicht falsch. Ich möchte jadoch die Ärzte grundsätzlich rausnahmen, die sich schwer mit den Krankheiten direkt auseinandersetzen und das Augenmerk auf die Krankenhäuser lenken, denen alles Mögliche aus unerfindlichen Gründen gestrichen wird.
Ich komme soeben in den Genuss der Auswirkungen während meines aktuellen Krankenhausaufenthaltes.

Es sind die Eigentümer der Institute, die sich auf Kostenerhöhungen berufen,

Ob der Herr Span dabei abhelfen kann???

Thorsten Roschè | Mi, 4. Juli 2018 - 16:55

Ärzte sowie die gesamte Gesundheitsindustrie sind Geschäftsleute. Solange man das Objekt am Leben hält kann man daran verdienen. Ähnlich wie eine Autowerkstatt, die werden einem auch nicht empfehlen das Auto verschrotten, solange es über den TÜV geht. Ein Bekannter ist Arzt, hat jetzt eine Praxis eröffnet und hat aktuell ca. 400 000 !!! Euro Schulden für die Ausstattung. Der kann es sich kaum leisten KUNDEN zu verlieren, egal auf welche Art und Weise.