Problemfall Sachsen - Schaut nur hin auf diese Menschen

Nach den Bundestagswahlen wurden die Ostdeutschen zum Problem erklärt. Doch weder ist es verboten, die AfD zu wählen, noch darf Demokratie zum Gunstbeweis der Regierenden werden. Ein Appell zur neuen Lage

Trabbi, der den Bundesadler mit einer Gaswolke bedeckt
„Der Hass, der sich über die Sachsen ergoss, fiele eigentlich unter den Tatbestand des Rassismus“ / Christine Rösch

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Monika Maron ist Schriftstellerin. Ihr neuer Roman „Munin oder Chaos im Kopf“ erscheint im Februar.

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Monika Maron

Nach der letzten Bundestagswahl mit den 13,2 Prozent Wählerstimmen für die AfD hallte mediale Empörung durch die Republik. Der Osten hatte die Wahl versaut, mehr als 20 Prozent hatten die AfD gewählt, im finsteren Sachsen hatte man ihr sogar zur Mehrheit verholfen. Nach 28 Jahren war also immer noch nicht zusammengewachsen, was angeblich zusammengehörte. Der Osten war demokratieunfähig, naziunterwan­dert, besonders die Männer, stand in den Zeitungen, ungebildet, arbeitslos, von den Ostfrauen verlassen, abgehängt eben.

Ich frage mich übrigens schon lange, warum die korrekten, genderbewussten Sprachverwalter, die bedenkenlos die deutsche Sprache massakrieren, um sie ihrer Vorstellung von der Welt anzupassen, warum diese Experten für sensible Sprache kein Gefühl haben für das Verächtliche und Gemeine, das dem Wort „abgehängt“ innewohnt. Während jeder illegale Einwanderer vor der Silbe „-ling“ bewahrt werden muss, weil sie ihn als irgendetwas diskriminiert, das ich nicht verstehe, und er darum als Geflüchteter oder Schutzsuchender bezeichnet werden muss, dürfen Millionen Amerikaner, Briten, Deutsche, wahrscheinlich auch Die Abgehängten im Osten also haben, wenn auch überwiegend aus Protest, die AfD gewählt und damit bewiesen, dass die Grenze immer noch verläuft, wo sie einmal stand, obwohl zwei Drittel der AfD-Stimmen aus dem Westen kamen, wo vier Fünftel aller Deutschen leben, von denen durchschnittlich auch 10 Prozent die AfD gewählt haben, aber eben nicht 20.

Hass auf die Sachsen

Der Hass, der sich tagelang über die Ostdeutschen, insbesondere die Sachsen ergoss, fiele nach den sonst üblichen Maßstäben eigentlich unter den Tatbestand des Rassismus. Jutta Ditfurth erklärte, es sei ein Fehler gewesen, Dresden wieder aufzubauen. Spiegel-Autor Hasnain Kazim twitterte: „Höre, ich solle Ostdeutsche ernst nehmen. Ihr kamt 1990 mit dem Trabi angeknattert und wählt heute AfD – wie soll ich euch ernst nehmen?“ Ansgar Mayer, Kommunikationsdirektor des Erzbistums Köln, schrieb: „Tschechien, wie wär’s: Wir nehmen euren Atommüll, ihr nehmt Sachsen?“ Die Beispiele ließen sich fortführen.

Nun ist die Frage, warum doppelt so viele Ostdeutsche eine nationalkonser­vative, an ihrem rechten Rand zum Extremismus neigende Partei wählen, ja berechtigt. Aber warum geben ausgerechnet Leute, die sonst so vehement für Vielfalt, sogar für Toleranz gegenüber mittelalterlichen religiösen Sitten und gegen Diskriminierung und Hass streiten, sich so wenig Mühe, eine Antwort zu finden, die mehr wäre als die mittlerweile inhaltslose Parole „Kampf gegen rechts“?

Vielleicht muss man zurückblicken auf die ersten Jahre unserer neuen deutschen Einheit, in denen sich das westdeutsche Bild vom Ostdeutschen geformt hat. Damals entstand das Bild vom Jammerossi, flankiert vom Ostdeutschen in seiner hässlichsten Gestalt, dem kahlköpfigen Neonazi. Wenn über die Ostdeutschen gesprochen oder geschrieben wurde, dann meistens über die 30 Prozent PDS-Wähler, nicht über die sonnabendlichen Autoschlangen auf allen Autobahnen von Ost nach West, wenn die Pendler zu ihren Arbeitsplätzen nach Bayern und Baden-Württemberg aufbrachen, nicht über die waghalsigen Neugründer oder die Akademikerinnen, die erst mal bei der Post die Päckchen sortierten. Statt sich mit jener Hälfte der Ostdeutschen zu verbünden, der die gewonnene Freiheit das Opfer wert war, das sie kostete, buhlte man um die hartleibigsten Anhänger und Nutznießer der Diktatur, spreizten sich Egon Krenz, Hermann Kant und Gregor Gysi in den Talkshows und forderten ihr demokratisch garantiertes Rederecht ein. Während Erich Mielke nicht für die Verbrechen als Minister für Staatssicherheit belangt werden konnte, sondern nur für einen 60 Jahre zuvor begangenen Polizistenmord, jagte man den kleinsten und erbärmlichsten Stasispitzel, der das Bild vom Ostdeutschen komplettierte: Jammerossi, Neonazi, Stasispitzel.

Die Karikatur, die der Westen vom Osten zeichnet

Im Rest sah man Opfer: Opfer der Treuhand, Opfer von Kohl, Opfer der eigenen Leichtgläubigkeit. Die Westdeutschen kamen in den Osten als Politiker, Professoren, Spekulanten, Richter, Investoren, in jedem Fall als Erwachsene. In den Ostdeutschen sahen sie Menschen, denen man helfen musste oder die man übers Ohr hauen konnte, die man belehren oder bekehren oder bestrafen musste, auf jeden Fall Unterlegene. Das war der Humus, auf dem etwas wuchs, das es vorher nicht gegeben hatte: die DDR-Identität und mit ihr die DDR-Nostalgie, die lächerlich und peinlich war, aber der erste lebendige Reflex auf die Karikatur, die der Westen vom Osten gezeichnet hatte.

Inzwischen ist mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen. Es sind noch einmal drei Millionen Ostdeutsche gen Westen gezogen, wo sie, wenn nicht ihr Dialekt sie verrät, womöglich gar nicht als solche auffallen, was nebenbei zur Frage führt, was der über Facharbeitermangel klagende Westen ohne die gut ausgebildeten Ostdeutschen gemacht hätte. Es gab in den vergangenen Jahren viele empörende Äußerungen über den Osten, zu den absurdesten gehört die Gleichsetzung der Flüchtlinge mit den Ostdeutschen, die auch in die Bundesrepublik irgendwie eingewandert seien. Als hätten nicht die Ostdeutschen 40 Jahre lang die Strafe für die gemeinsame deutsche Geschichte abgesessen, als sprächen sie nicht die gleiche Sprache und hätten nicht die gleichen Märchen gelesen, als hätten sie nicht ihr ganzes Land, ihre Häuser, Wohnungen und Berufe mitgebracht.

Hier spätestens muss von den westdeutschen Linken gesprochen werden, den leidenschaftlichsten Gegnern der deutschen Einheit. Oskar Lafontaine war sie zu teuer, andere malten das Gespenst von „Großdeutschland“ an die Wand, jeder Zweite erklärte mir damals, mit jedem Italiener oder Franzosen verbinde ihn mehr als mit diesen Ostdeutschen, was ich zuweilen sogar verstehen konnte, weil ich selbst ja gerade noch froh gewesen war, dieses miefige Land hinter mir gelassen zu haben. Und nun war sie plötzlich wieder da, die unelegante, kleinbürgerlich-proletarische Alltagswelt der DDR. Wenn die Behauptung von der Diktatur des Proletariats mehr war als ein verlogener Trost für die eingemauerte Arbeiter- und Bauernklasse, dann nur in Bezug auf den herrschenden Geschmack, die rudimentären Umgangsformen und die Verachtung der Intellektualität.

Blasiertes Bildungsbürgertum

Das Bildungsbürgertum und damit seine geschmacksbildende Funktion war zum großen Teil vor dem Mauerbau abgewandert. Auf den proletarisch geprägten Rest traf die westdeutsche polyglotte bürgerliche Elite, die immerhin genügend Anstand besaß, diesen zurückgelassenen Teil Deutschlands als Aufgabe zu begreifen. Die Linke, deren nicht geringer Teil zuvor in der DDR noch das bessere Deutschland erkannt hatte, gönnte den 17 Millionen die gewonnene Freiheit, schlug die Verwandtschaft mit diesen einheitsbesoffenen, westmarksüchtigen und fremdenfeindlichen Kleinbürgern aber aus. Vielleicht erinnerten die sie an die eigene, überwundene Vergangenheit, an die fünfziger und sechziger Jahre, als die eigenen Eltern die Italiener noch Spaghettifresser und alle Türken Ali genannt haben.

Vielleicht dachten sie auch daran, wie sie, ehe sie ihren Marsch durch die Institutionen antraten, als junge Marxisten, Maoisten oder Trotzkisten morgens vor den Werktoren ihre Flugblätter an die revolutionsunwilligen Arbeiter verteilt und bestenfalls ein abfälliges Lächeln geerntet haben. 1990 hatten sie den Marsch durch die Institutionen hinter sich. Sie waren Professoren, Lehrer, Minister, Journalisten, Lektoren, Intendanten, sie hatten eine ganze Generation in ihrem Sinne erzogen. In den unerzogenen Ostdeutschen mögen sie ihr altes Feindbild wiedererkannt haben, die feige, vom Nationalsozialismus entwürdigte Elterngeneration, auferstanden in den ebenso feigen, von der sozialistischen Diktatur entwürdigten Ostdeutschen. So ließe sich die immer wieder aufflammende, von keiner Selbstkritik gebändigte Verachtung erklären, die sich in den Medien über „den Ostdeutschen“ ergießt, sobald im Osten etwas geschieht, was sich der meinungsführende Westen nicht erklären kann.

Im Herbst 2014, als die Flüchtlingskrise sich schon andeutete und die AfD ein Jahr alt war, begannen in Dresden die Pegida-Demonstrationen gegen die Islamisierung Europas. Ehe überhaupt klar war, wer wogegen jeden Montag auf die Straße ging, woher der Unmut und die Wut kamen, die sich in den Parolen „Lügenpresse! Lügenpresse“ und „Wir sind das Volk“ entluden, war sich die mediale Öffentlichkeit einig, dass es sich nur um einen Abschaum aus Rassisten, Fremdenfeinden, wahrscheinlich Nazis handeln konnte. Ich bin dann einmal nach Dresden gefahren. Eine sympathische Veranstaltung war es nicht, auch weil grölende Menschenmassen nie sympathisch sind. Es war aber auch keine Naziversammlung, eher der Querschnitt durch die nichtakademische Bevölkerung, die im Schutz der Masse ihren Protest behauptete, wozu der Einzelne vielleicht den Mut nicht fand.

Die Ostdeutschen spüren die Meinungsmacht

Die Ostdeutschen hatten bis 1989 mit der Demokratie eine einzige Erfahrung gemacht: Man konnte eine Regierung verjagen, indem man auf die Straße ging. Sie waren ungeübt in der öffentlichen Rede, hatten keine Erfahrung in dem, was man im Westen demokratische Basisarbeit nennt. Aber sie waren 1989 auf die Straße gegangen, riefen „wir sind das Volk“, und die Geschichte gab ihnen recht. Die Ignoranz gegenüber der Stimmung, die sich in der Pegida-Bewegung laut und auch grob Luft verschaffte, die arrogante Diffamierung, mit der die Unzufriedenheit zurückgewiesen wurde, trieb der Pegida die Anhänger zu und trug zur Radikalisierung bei.

Die Ostdeutschen waren froh, von der peinlichen Bezeichnung „DDR-Bürger“ erlöst und endlich einfach Deutsche in Deutschland zu sein. Auch das unterschied sie von den westdeutschen Linken, die eher Sympathie für Sprüche wie „Deutschland verrecke!“ oder „Nie wieder Deutschland“ aufbrachten als für deutsche Heimatliebe; die offenbar eine größere Nähe zu Hunderttausenden von einer frauenverachtenden, antisemitischen Religion geprägten jungen Männern empfanden als zu ihren ungehobelten, atheistischen Landsleuten, die durch diese anschwellende und fordernde Religion bedroht sahen, was sie gerade gewonnen hatten.

Dann kam der Sommer 2015, und Deutschland wurde vom Willkommenswahn befallen. In jenem Jahr saß ich an einem Spätsommerabend mit Freunden unter dem vorpommerschen Himmel und gestand, dass ich zum ersten Mal seit dem Mauerfall von einem Gefühl heimgesucht wurde, wie ich es nur aus meinem Leben in der DDR in Erinnerung hatte, eine wütende Ohnmacht gegenüber einer diktatorischen Meinungsmacht, die jedem Widerspruch die Feindschaft erklärte. Mit dem Gefühl war ich an diesem Abend und auch später nicht allein. Den Ostdeutschen mag es an demokratischer Erfahrung mangeln, an Erfahrung mit einer Diktatur aber nicht.

Sie sind empfindlich, wenn ihnen wieder Sprachregelungen vorgeschrieben werden, wenn Meinungen nicht verboten sind, aber als unaussprechlich gelten, wenn man sich wieder vorsichtig des anderen vergewissert, ehe man offen spricht. Wenn sie lesen, dass einer zugelassenen Partei die Versammlungsräume verweigert werden, ihren Funktionären die Autos abgefackelt und sie selbst zusammengeschlagen werden, schrillen die angerosteten Alarmglocken. Und wenn sie sehen, dass die Parteien einander zum Verwechseln ähnlich werden, die Opposition im Bundestag als Verstärker der regierenden Mehrheit dient, wenn die Abgeordneten wie in der Volkskammer die Arme heben statt zu debattieren, dann fällt ihnen das Wort Einheitspartei wieder ein. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten zwei Jahren gestöhnt habe: Mein Gott, hier geht’s ja zu wie im Osten.

Misstrauen gegenüber ideologischer Bevormundung

Die letzte Wahl war eine Zumutung für jeden, der nicht noch einmal vier Merkel-Jahre erleben wollte, denn egal welche Partei man wählte, am Ende würde man Merkel gewählt haben. Merkel aber stand für eine kastrierte CDU, die in den wichtigsten Themen, Einwanderung, Energie, Euro, dem links-grünen Mainstream keinen Widerstand bot, sondern sich in Gestalt ihrer Vorsitzenden an dessen Spitze gestellt hatte. Wer gegen diese von den Parteien verschuldete Alternativlosigkeit protestieren wollte und sich von den extremistischen Parolen mancher ihrer Mitglieder nicht abschrecken ließ, wählte die AfD, die einzige Partei, mit der die CDU nicht koalieren würde. Der Protest galt der unkontrollierten Immigration, dem rücksichtslosen Windrad­ausbau, der Verödung ländlicher Gegenden, vor allem aber der Ignoranz und Verachtung gegenüber denen, die man „die Abgehängten“ nennt, die nur zu blöd sind, um die Folgen der Globalisierung zu verstehen, deren Nutznießer sie nicht sind, weil sie die Sesshaften sind, gebunden an ihre Berufe und Familien, von denen aber alle, auch die polyglotten Eliten leben, von den Handwerkern, Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Eisenbahnern, Landwirten.

Dass im Osten doppelt so viele Menschen die AfD gewählt haben, liegt auch an der proletarischen Vergangenheit und einem alten Misstrauen gegenüber ideologischer Bevormundung. Vielleicht sind die Ostdeutschen allmählich abgestumpft gegen den Vorwurf des Rechtsradikalismus und der Fremdenfeindlichkeit, weil ganz Sachsen oder sogar der ganze Osten in Haftung genommen wird, sobald wirkliche Neonazis ein Flüchtlingsheim angezündet oder pöbelnde Mengen die Kanzlerin niedergebrüllt haben.

Selbst Angela Merkels diktatorischer, rhinozeroshäutiger Regierungsstil wird ihrer DDR-Herkunft zugeschrieben, als hätte die CDU sie nicht über ein Jahrzehnt wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Sind deren Mitglieder alle aus dem Osten? Was ist mit den Bayern und den grün-schwarz regierten Baden-Württembergern, die trotz ihres Wohlstands mit über 12 Prozent AfD gewählt haben? Was mit den Millionen Überläufern von CDU, SPD und Linken zur AfD? Alles Nazis, alles Fremdenfeinde?

Wer die Ursachen für die versaute Wahl nur im Osten sucht, wird die richtige Antwort nicht finden; und auf Jamaika, so ist zu befürchten, auch nicht.

Cicero Titel Dezember 2017Dies ist ein Artikel aus der Dezemberausgabe des Cicero. Erhältlich am Kiosk und in unserem Onlineshop.










 

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 26. November 2017 - 15:26

und wenn ich mir so die Presse im Land anschauen würde, wahrscheinlich aus einer anderen Welt.
Da er für sich spricht kann ich schweigen.

Markus Michaelis | So, 26. November 2017 - 17:54

Stimmt, wie das westliche Bildungsbürgertum in den Anfängen auf Pegida reagiert hat, war kein demokratisches Ruhmesblatt. Man war (und ist z.T. noch) trotz einer sich verändernden Welt fest in alten deutschen rechts-links Denkmustern gefangen. Das heißt nicht, dass alles an Pegida in den Anfängen toll war, aber in der Kritik eben auch nicht, und die saß in den Machtpositionen.

Anstatt Anregungen von Pegida zu nutzen, um Diskussionen zu führen, die ohnehin geführt werden mussten, hat man es zu simpel verteufelt. Und sich damit zum Teil erst das erzeugt, vor dem man gewarnt hatte.

Wolfgang Schuckmann | So, 26. November 2017 - 18:06

Zuerst ein großes Kompliment an die Autorin dieses hervorragenden Aufsatzes. Um zum Kern der Dinge vorzustoßen bedarf es den Beteiligten in der Politszene mehr als Menschenbeschimpfung zum Notausgang für eigene Unehrlichkeit zu machen. Ja, natürlich geht um eine schonungslose Offenlegung der eigentlichen Ursachen dieses Wahlergebnisses vom 24.9. Daran haben weder die Wähler der AFD eine "Schuld" als auch die Wähler der FDP. Die Wahlen waren der Wink mit dem Zaunpfahl. Was aber fehlt bei den Verantwortlichen, ist der Mut sich dem Wählerwillen zu öffnen. Im Gegenteil, es werden Verrenkungen gemacht, das einem beim Zuschauen schon schlecht wird. Ich habe nicht einen einzigen dieser "Verantwortungsträger" unseres Staates davon sprechen hören, dass die überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung den Kurs bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht mitträgt. Das ist Fakt.Und der diskutierte Nachzug für Angehörige ist der nächste Fehler u. der ist noch schlimmer. Die lernens nie ! W.S.

Axel Kreissl | So, 26. November 2017 - 19:02

Heißt es nicht: Die letzten werden die ersten sein und die (selbsternannten) ersten die letzten! Ich bin mir fast sicher, daß es so kommt!

Torsten Knecht | Sa, 9. Dezember 2017 - 11:55

In reply to by Axel Kreissl

... ist irreführend und beleidigend.

"Abgehängt" drückt Passivität - durch Eigen- oder Fremdbestimmung - und Abwertung aus. Abwertung, weil "abhängen" hier nicht objektbezogen bezeichnet ist sondern Menschen in sozialen, finanziellen und politischen Kontexten charakterisiert. Es müsste objektiv AUSGRENZUNG heißen und nicht abhängen.

Die aktiven AUSGEGRENZTEN haben bei der BTW mit ihrer AfD-Wahl ein Ausrufezeichen gesetzt. Aber die passiven Ausgegrenzten sind erst gar nicht wählen gegangen. Schade!

Dieter Erkelenz | Mo, 27. November 2017 - 07:29

"Ich frage mich übrigens schon lange, warum die korrekten, genderbewussten Sprachverwalter, die bedenkenlos die deutsche Sprache massakrieren, um sie ihrer
Vorstellung von der Welt anzupassen,..."
Verehrte Frau Maron, das frage ich mich schon lange!
Den Hauptübeltäter sehe ich in einem verantwortungslosen, sensationslüsternen Journalismus, dessen Sprachverwalter! (bis auf wenige Ausnahmen) ihr Besserwisserisches und aufdringlich Oberlehrerhafte unter das vermeindlich dumbe Volk bringen.

Gerd Risse | Mo, 27. November 2017 - 08:01

Wir haben eine Parteien-und Mediendemokratie, was der Wähler so vor sich hin brabbelt, interessiert doch diese vermeintliche Elite nicht. Politik wird im Kanzleramt und im "Presseclub" am Sonntag gegen 12:00 Uhr gemacht, "mit Frau Mikisch".

Da kommen alle Seiten zu Wort. Die Besetzung ist meist ausgeglichen. Natürlich sind auch Prantl und die taz dabei. Schwennicke aber auch. Und weitere gute Leute. Insgesamt professionelles Niveau. Dagegen können sie die üblichen Talkshows vergessen. Zu Frau Mikich fällt mir spontan nichts negatives ein. Schoenenborn ist aber für mich in D eine positive journalistische Rarität. Man muss nicht allem zustimmen. Aber solche Qualität ist leider nur noch selten anzutreffen - soweit ich das von den Sendungen her beurteilen kann. Sachlich, völlig ohne Polemik und offen und intelligent (und ziemlich entspannt). Herr Risse, bitte einfach dabei bleiben. Mir gefällt natürlich auch nicht jede Sendung. Aber Prantl finde ich immer köstlich (auch wenn ich ihm nur selten zustimme).

Christa Wallau | Mo, 27. November 2017 - 11:36

Ihre Einschätzung der Lage in Deutschland hebt sich wohltuend ab von den falschen Darstellungen in den Medien, von Politikern und anderen, die sich zur geistigen "Elite" unseres Landes zählen, u. a. auch viele Ihrer Schriftstellerkollegen und -kolleginnen.

Es ist traurig und beschämend, wie viele Deutsche sich dazu herablassen, von eigenen Landsleuten als
dumpfe, beschränkte Masse ("Dunkeldeutschland"/ehem. Bundespräsident Gauck!) zu sprechen, die man als "Pack" (Gabriel!) abtun kann, während man jeden beliebigen Fremden (alle Migranten - ausnahmslos!) zunächst einmal als ehrlichen Menschen betrachtet, dem man die verbrieften Grund-Rechte eines deutschen Bürgers zubilligt. Durch alle Instanzen dürfen sie
ihre Rechte einklagen.

Es ist - wie Sie richtig schreiben,liebe Frau Maron -
eine Art von Rassismus gegen die eigenen Mibürger. Und das von Leuten, die sonst
alle fünf MInuten gegen Rassismus wettern.
Wie tief sind wir in D gesunken, was Vernunft und
Debattenkultur anbetrifft!

Rolf Pohl | Mo, 27. November 2017 - 16:29

In reply to by Christa Wallau

... Dank an Sie Frau Wallau.
Was in der Sache nötig war haben Sie aufgeschrieben. Also, bleibt mir mehr Zeit für andere Dinge denn, ich hab nix hinzuzufügen. ;-)
Weiter so Frau Wallau!

Thomas Kuhn | Mo, 27. November 2017 - 13:08

Eins sei an dieser Stelle allerdings ergänzt:

In unserer Medienwelt verwechseln wir zunehmend den Begriff "Rassismus" mit "Chauvinismus".
Ich kenne niemanden, der bei der verdeckten Armutseinwanderung "rassischen bedenken" hat ,
eher schon chauvinistisches herübergucken, auf Menschen ohne Kompetenzen...
Das verwässert den klarten Blick.

Karin Zeitz | Mo, 27. November 2017 - 13:30

seine Heimat zu lieben und die christlichen Traditionen zu pflegen. Genau das ist das Anliegen der Mehrheit der Dresdner Montagsspaziergänger, die von Anfang an von Presse, Funk und Fernsehen diskreditiert worden sind. Wer gewarnt hatte, dass die unbegrenzten und chaotischen Migrantenströme eine Gefahr für die innere Sicherheit Deutschlands und das deutsche Sozialsystem bedeuten, musste und muss sich noch immer als Nazi beschimpfen lassen. Zwischenzeitlich lassen sich allerdings die Auswirkungen auf die innere Sicherheit nicht mehr bestreiten. Auswirkungen auf das Sozialsystem werden später zum Problem, wenn der wirtschaftliche Boom beendet ist und die Steuereinnahmen zurückgehen. Dann ist mit weiteren Unruhen zu rechnen. Bereits jetzt zeigt es sich, dass viele Migranten unzufrieden sind, weil ihre Erwartungen bzw. die ihnen gemachten Versprechungen an ihren Lebensstandard in Deutschland nicht erfüllt werden können.

Heidemarie Heim | Mo, 27. November 2017 - 18:18

Ein wunderbar wie analytisch großartiges Plädoyer
für einen unserer schöneren Landesteile und dessen Bewohnern, sowie deren Befindlichkeiten. Selbst vollständig westlich sozialisiert, wunderte ich mich beim Lesen der Ausführungen Frau Marons deshalb nicht mehr darüber, das ich mich bei meinen leider erst zweimaligen Aufenthalten im Osten unserer Republik, insbesondere Sachsen, auf Anhieb sehr wohl fühlte. Und seither im hiesigen Freundeskreis "Augenrollen" ernte wenn ich laut Überlegungen anstelle, nach Rentenbeginn in den Osten umzusiedeln. Die robuste, aber für mich ehrlichere Art der politischen wie sonstigen Anschauungen was gesellschaftliche Entwicklungen betrifft, sowie die "Antennen" dafür, sprechen mich irgendwie an. Auch da ich gerne wo immer ich weile eine direkte Ansprache pflege, konnten mich dort die offene Art und der besondere Humor der Leute überzeugen. Wahrscheinlich ist es einfach so, das dort die "Uhren der Zeit" für mich momentan kompatibler sind. MfG

Rudolf Bosse | Mo, 27. November 2017 - 20:12

Danke Frau Maron, Sie haben im Gegegnsatz zur Masse der Hofschreiber die Realität genau beschrieben.

Hans Page | Di, 28. November 2017 - 07:52

Ich verfolge die deutsche Mediendiskussion vom Ausland über die verschiedenen Online Medien und habe über die letzten 5-6 Jahre eine zunehmende Radikalisierung und Brutalisierung der Sprache vor allem in den Online Medien und eine Filterung der Nachrichten in den ÖR konstatiert. Die Feindbilder wechselten aber man hatte den Eindruck, dass die ersten Kampagnen (Brüderle/Wulff) der Einübung dienten für das was dann kam: Sotschi/Putin, Sarrazin, EURO Diskussion, Griechenland, Pegida, AfD, Flüchtlinge/Migration, dann die Sachsen/AfD und jetzt Lindner/FDP wobei die Merkel Regierung immer unbehelligt blieb. Das ist was an diesen ganzen Kampagnen erstaunt, Merkel mit ihren massiven Fehlleistungen steht immer darüber. Es ist schon schwierig nicht zu glauben dass das nicht gelenkt ist; dennoch die hemmungslosen Kampagnen um Menschen medial zu vernichten sind erschreckend. Früher machte sowas der Schwarze Kanal mit Edouard Schnitzler.

und meinte in Herrn Soros einen Mann gefunden zu haben, der so etwas auch finanzieren würde, aber das erklärte es dennoch nicht ausreichend.
Ich vermute jetzt eigentlich mehr, dass die sich so äußernden Leute auch so denken, man muss sie nicht erst dazu anleiten.
Bei immer wieder genannten Personen hatte ich auch früher Probleme, weil ich deren Beiträge nicht für durchdacht hielt.
Jetzt erkenne ich sie in ihren Beiträgen.
Sie sind weit nach vorne gekommen in unseren Gesellschaften und das ist doch auch eine Merkel?
Kritik ist zulässig, aber keine wie auch immer geartete Aggressivität.
Das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist auch nicht das des "hire and fire", insofern ist man evtl. lange mit den Leuten konfrontiert.
Ich sage, allemal besser als das System des "hire and fire".
Allerdings darf man vom ÖRR eine Art Ausgewogenheit verlangen und das Reagieren auf das Sinken von Einschaltquoten oder Kritik.
Die Privaten müssen ohnehin reagieren, sehr viel schneller.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 28. November 2017 - 12:50

Broder schreibt in der Welt, alles was bei drei nicht auf dem Baum ist, ist 'rechts', besonders die 'Sprachpolizei' sei gewaltig aktiv,auch, wenn er überspitzt, unrecht hat er nicht. Ihre erheblichen Anteile zu diesem 'Verhalten' haben auch die Medien; da wird jetzt aus den gescheiterten Jamaika-Gesprächen eine Stunde Null 'herbeigelabert', (als ob wir den 29.1.1933 hätten)da ist die Rede von Staatskrisen, da ist die Rede vom Zusammenbruch usw. Auf der anderen Seite verlangen gerade diejenigen, die solchen 'Müll' absondern, von uns allen politische Korrektheit bis zum Exzess. Man hat das Gefühl, wenn man mal vergisst, meine 'Damen' und Herren zu sagen, mit einer Zivilklage überzogen zu werden. Oder wann man eine Minute nach 12 noch 'Guten Morgen' sagt, vor einem Gericht in den USA auf 10 Mio. $ Schadensersatz verklagt zu werden. Gleichwohl 'verdreht sind unsere Zeiten schon, denn, wenn schon die Grünen(Deutschland verrecke) verlogen vom Patriotismus schwärmen, dann kriege ich die Krise

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 28. November 2017 - 15:02

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

ob diese Leute je verstanden haben, was sie lernten und anwendeten.
Sie sind glaubwürdig betroffen, weshalb ich eben überlege.

Karl Kuhn | Di, 28. November 2017 - 14:15

"Während jeder illegale Einwanderer vor der Silbe „-ling“ bewahrt werden muss, weil sie ihn als irgendetwas diskriminiert, das ich nicht verstehe, und er darum als Geflüchteter oder Schutzsuchender bezeichnet werden muss, dürfen Millionen Amerikaner, Briten, Deutsche, wahrscheinlich auch Die Abgehängten im Osten also haben, wenn auch überwiegend aus Protest, die AfD gewählt und damit bewiesen, dass die Grenze immer noch verläuft, wo sie einmal stand, obwohl zwei Drittel der AfD-Stimmen aus dem Westen kamen, wo vier Fünftel aller Deutschen leben, von denen durchschnittlich auch 10 Prozent die AfD gewählt haben, aber eben nicht 20."

Bitte an die Redaktion: der erste Teil dieses Satzes bricht irgendwann inhaltlich ab und geht bei "also haben, wenn auch überwiegend aus Protest," in etwas anderes über, das mit dem ersten Teil nichts zu tun hat!

wolfgang spremberg | Di, 28. November 2017 - 15:43

Sachsen ? Ich denke da eher an NRW, Bremen, Berlin...
Unterdurchschnittlich gebildet,
überdurchschnittlich kriminell, verschuldet, von Zuwendungen anderer abhängig, oft arbeitslos obwohl Fachkräfte dringend gesucht werden, um nicht selbst arbeiten zu müssen, wollen sie mehr Zuwanderung, also auch noch überdurchschnittlich faul....ach ja und politisch wenig flexibel, geradezu lernresistent...
Stimmt doch, oder ?
Spott zum Grusse

Claudia Martin | Di, 28. November 2017 - 21:26

In reply to by wolfgang spremberg

Hier bei Cicero können wir noch eine Weile der Nostalgie frönen. Ändern wird sich an der Abwärtsspirale nix mehr. Ich komme gerade aus den USA zurück. Dort leben ja wirklich viele deutschstämmige Menschen. Ihre Vorfahren hatten alle einen Grund D zu verlassen. Wir bald auch.

Ja...wir bald auch, spätestens dann, wenn WIR nicht mehr vor lauter Fremden WIR sei können und dürfen, wenn uns die Merkel CDU/SPD und Grünen zu Sozialhelfern für Afrika machen wollen. Man muss sich wehren, als erstes MUSS der Asylartikel ersatzlos gestrichen werden, den Niemand hat einen Rechtsanspruch darauf bei uns zu leben, ausser wir Deutschen, die Autochthonen. Wenn ich die weiteren zwangsweise folgenden Schritte hier erwähne, wird Cicero meinen Kommentar nicht veröffentlichen. Eins nur, die Maßnahmen werden rigoros werden, der notwendige Selbstbehautungswillen wird sich auch in den noch so von Gutmenschen durchtränkten Ländern der EU wieder etablieren. Und dann wir die EU es nicht mehr zulassen, dass millionenfache Flüchtlingsströme zu uns einsetzen.

Torsten Knecht | Sa, 9. Dezember 2017 - 11:17

In reply to by wolfgang spremberg

... nicht Sachsen ist das "Problem" sondern Sachsen kriegt Probleme mit dem "Weiter so" der unkontrollierten Einwanderung ohne Ende.

Die Sachsen wollen keine Islamisierung Sachsens. Viele aus Sachsen u. Ostdeutschland kennen die Auswirkungen von Multikulti in Westdeutschland als Berufspendler. Der Osten Deutschlands will keine Verhältnisse wie in FFM-Griesheim, wo die Grundschule einen Ausländeranteil von ca. 95% hat. Was soll das? Welcher einheimische Bürger will das? Warum auch?

Warum werden denn die einheimischen Familien u. Gering- wie Normalverdiener nicht entlastet, damit mehr einheimische Kinder zur Welt kommen? Stattdessen größter Niedriglohnsektor und illegale Zuwanderung ausländischer Kulturen in die Sozialsysteme!

Was soll das?

Die "Weiter so" Politik ist m. E. inländerfeindlich und antidemokratisch!

Winfried Sautter | Di, 28. November 2017 - 16:02

Hervorragender Artikel. Seit Jahrhunderten wird gerne zitiert, das Licht käme aus dem Osten: Ex oriente lux. Die eigentlich höher stehenden, jahrtausendealten Kulturen und Zivilisationen, von denen der "Westen" nur zu lernen hätte. Und die 2015ff. uns neu Geschenkten werden auch als Erben dieser edlen Tradition gefeiert und verklärt. Nur die "Ossis" sind die grosse Ausnahme dieser Beschwörung des Ost-West-Diwans. Wenn man/frau das mal nicht falsch sieht.

Karin Zeitz | Di, 28. November 2017 - 20:17

"bedenkenlos massakriert von korrekten, genderbewussten Sprachverwaltern" - zutreffender Ausdruck. Wenn selbst traditionelle Bezeichnungen nicht mehr verwendet werden, z.B. aus Weihnachtsmärkten jetzt in manchen Kommunen "Wintermärkte" werden, werden die Ostdeutschen zu ihrem Befremden wieder an die "geflügelten Jahresendfiguren"- die offizielle DDR-spezifische Bezeichnung für Weihnachtsengel - erinnert . Der Verrat der Eliten an der kulturellen Idendität eines Landes beginnt bei der Verbiegung und Verwahrlosung der Sprache.

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