Öffentlich-rechtlicher Rundfunk - Schöner denken verlernen mit der ARD

Um das eigene Image aufzupolieren, hat die ARD bei einer Sprachwissenschaftlerin ein Strategiepapier bestellt. Sie empfiehlt, negativ konnotierte Begriffe wie „Manipulation" durch positiv besetzte wie „Teilhabe" zu ersetzen

Rundfunkbeitrag
Rundfunkbeitrag heißt jetzt „Beteiligung der Bürger am gemeinsamen Rundfunk“ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Rundfunkgebühren sind eine ärgerliche Sache, zumal wenn sie zwangsweise erhoben werden. Viel netter klingt es da, von einem Rundfunkbeitrag zu sprechen. Wer leistet schließlich nicht gern seinen Beitrag? Andererseits: Auch Beitrag klingt immer noch zu defätistisch und zu wenig positiv. Deutlich besser wäre es daher, von einer „Beteiligung der Bürger am gemeinsamen Rundfunk“ zu sprechen.

Realsatire? Ein zynischer Scherz? Eine Persiflage auf die PR-Branche? Schön wär’s. Tatsächlich stammt diese Idee aus einem von der ARD bestellten Strategiepapier, das den bizarren Titel „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ trägt und von dem Berkeley International Framing Institut verfasst wurde. (Veröffentlicht wurde das 69-Seiten lange Papier inzwischen von den Machern der Webseite netzpolitik.org) Das wird geleitet von der deutschen Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling. Es erforscht sprachlich vermittelte Deutungs- und Interpretationsmuster – das sogenannte „Framing“.

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gabriele bondzio | Sa, 16. Februar 2019 - 12:48

Auch Beitrag klingt immer noch zu defätistisch und zu wenig positiv."... paradox, welche Worte werden noch kreiert um das Denken zu beeinflussen. „Gemeinwohlorientierter Rundfunk"ist doch geradezu eine Verar... der Gebührenzahler. Das Gemeinwohl beschränkt sich wohl eher auf die Nutznießer (Akteure Rundfunk/Politik). Der zahlende Bürger kann sich lang nicht mehr auf unparteiische Berichte und Themen, welche zur freien Meinungsbildung führen verlassen. Meidet aus diesem Grund politisch-thematisierte Sendungen. Schaut also weniger in die Glotze, soll aber immer mehr bezahlen.
Hier helfen auch "schönere" Worte nicht, diese Diskrepanz zu lösen.

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 16. Februar 2019 - 13:04

Ein großartiger Beitrag für eigenständiges Denken. Was machen denn die beiden öffentlichen Anstalten? Sie erfüllen ihren Auftrag, den Sie gut beschrieben haben: „Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und privater Rundfunk sind der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung sowie der Meinungsvielfalt verpflichtet“. Sie arbeiten intensiv mit dem Framing an der „richtigen“ Meinung in der Bevölkerung. Dabei bleibt die Vielfalt, an anderer Stelle gefordert, leider auf der Strecke.
Dem interessierten Bürger fällt auf, dass er durch das „Framing“ in der Berichterstattung manipuliert werden soll, die „gesellschaftlich richtige Meinung“ zu vertreten. Das kann sowohl durch fehlende wie auch einseitige Berichterstattung geschehen. Diese Menschen verlieren durch derartige Beeinflussung jedoch das Vertrauen in den Journalismus allgemein, sehr zum Schaden unserer Demokratie. Damit sinkt auch das Vertrauen in die Parteien als weitere Säule der Meinungsbildung nach dem GG.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 16. Februar 2019 - 14:00

Sie haben es mal wieder erfasst. Back to the roots, das würde der ARD und auch dem ZDF reichen. Die Zeichen würden hier nicht reichen, soviel könnte ich zu diesem Thma schreiben. Sie haben es aber wie immer auf den Punkt gebracht Herr Grau. Ich empfehle jedem den Vortrag von dem Medienproffessor Norbert BOLz von der TU Berlin, veröffentlicht bei der Wissenschaftsmanufaktur. Er erklärt dort exakt, wie es um die Medienwelt steht und wer mit welchen Mitteln dort operiert. Er bestätigt ergänzend Ihre Ansichten.

Christa Wallau | Sa, 16. Februar 2019 - 16:36

Sprache erwächst aus dem Denken und Fühlen -
normalerweise. So verläuft der natürliche Prozeß.

Wenn eine bestimmte Sprache v o r g e g e b e n wird, wie dies bei den öffentlich-rechtlichen Medien bereits jetzt der Fall ist und nun offenbar noch unverfrorener betrieben werden soll, dann verläuft dieser Vorgang umgekehrt.
D. h.: Eine gewisse Sprache steuert das Denken u. Fühlen der Menschen, die diesem Sprachgebrauch fortwährend ausgesetzt sind.
Das nennt man M a n i p u l a t i o n.
Im Grunde soll das eigenständige Denken der Individuen abgeschaltet werden. Orwell schreibt zutreffend:
"Die richtige Gesinnung zu haben, bedeutet, daß man nicht denkt, nicht zu denken braucht.
Die richtige Gesinnung ist unbewußt."
Wir leben inzwischen in einem Staat, dessen Politiker die Bürger fortgesetzt und mit voller Absicht entmündigen. Wir werden bevormundet, reglementiert und überwacht. Dafür sollen wir dann zum Ausgleich aber auch alle eine Grundrente bekommen.
Die DDR läßt grüßen!

Bernd Muhlack | Sa, 16. Februar 2019 - 17:02

Also beim städtischen Schwimmbad bezahle ich ein Entrée, also juristisch gesehen eine Gebühr. Eine Gebühr ist der Preis für die Inanspruchnahme einer konkreten Gegenleistung; selbst als Nichtschwimmer kann ich ein Schwimmbad und dessen Angebote nutzen, nicht wahr?
OHA! Ich habe diese Frau Wehling und ihren Thinktank gegugelt und sage schlicht: das alles ist nur noch brandgefährlich!
Es ist mir egal, ob diese "Beratung" mit GEZ-Mitteln finanziert wurde, selbst die Summen geht mir am...
Das Schlimme, das Krasse, das wahrhaft Unfassbare ist doch, dass dieser "gemeinwohlorientierte Rundfunk" sich erdreistet, eine solche Wortkosmetik-Studie überhaupt in Auftrag zu geben!
Am SO läuft Anne Will (kann aber nicht!) und sämtliche "Geladenen" werden sich gegenseitig auf die Schultern klopfen: "Mein Gott, sind WIR toll!" Diese Gästeliste ist schlicht unerträglich, hat mit der "Grundversorgung" gar nichts zu tun!
"Hallo liebe Zuschauer, das ist MEINE Sendung!
& Hier ist eure Anne!" - AUS!

Günter Johannsen | Sa, 16. Februar 2019 - 17:30

wie das Ding genannt wird, ist unwichtig, wenn der Inhalt stimmt. Wenn aber der Staat die hand drauf hat, sollte es Staatsfernsehen oder Staatsrundfunk heißen. Das Ding muss einen zutreffenden Namen haben, Ales andere ist Lug und Trug!
Hofnachtrichten im Stil der DDR-Medien will in einer Demokratie kein Mensch … und bezahlen schon gar nicht. Also: streiten wir nicht um den Namen, sondern um den ehrlichen und nicht manipulierten, propagandafreien Inhalt!

Jürgen Keil | So, 17. Februar 2019 - 10:18

Ich bin kein Kritiker des Öffentlich- rechtlichen Rundfunks, nein, ich sehe nur nach, ob der verlängerte Arm des Bürgers auch eine saubere Hand hat. Ich bin auch kein Kritiker der Regierung, ich bin ein, in guter Absicht helfend Hinweisender. Natürlich bin ich auch kein Klimaleugner, sondern ein fragend, aufklärender, wissenschaftlich eineindeutige Beweise bevorzugender Menschenfreund.

Ingo Kampf | So, 17. Februar 2019 - 21:41

Neulich wurde über das TV-Gerät eines an sich liebenswerten Nachbarn getratscht. Einer fragte, weil er dies wohl für eine Mietwohnung als zu groß empfand, welche Größe denn das Gerät wohl habe. Darauf die Antwort eines Anderen: „Format Hartz IV“ ! Allgemeines Gelächter. Aber genau jene schauen eben den Privatfunk. Nur noch einsame Alte ohne Internetanschluss oder gezielt Konsumierende von ARTE, Phoenix oder ZFDinfo nutzen noch die ARD. Angesichts der demografischen und technischen Entwicklung (G5) muss den Verantwortlichen von ARD und ZDF trotz verfassungsmäßiger Garantie der Angstsschweiss auf der Stirn stehen. Wenn niemand mehr schaut, dann hilft auf Dauer auch Karlsruhe nicht mehr. Dazu kommt, dass die AFD in den östlichen Bundeländern Einfluss und Einblick gewinnt. Was macht die ARD, wenn der Osten die Gebührenerhöhung verweigert? Vor diesem Hintergrund kommen solche Sprachverwaschungen aufs Tapet. Im Volksmund hieß der WDR mal Rotfunk. Jetzt wird daraus „unser guter Volksfunk“!

Günter Johannsen | Mo, 18. Februar 2019 - 09:30

Darf ich die meinen Eindruck noch öffentlich sagen? Die ÖR vermitteln mir etwas Anderes!
Durch Weglassen oder Steuerung werden Tatsachen ins Gegenteil verdreht, verharmlost oder vertuscht, wie inn DDR-Zeiten. Das lässt bei mir die Frage aufkommen: wer dreht in unserem Land am Rad, oder: wer hat im Hintergrund die "Richtlinienkompetenz"? Diese Fragen drängen sich mir zwangläufig auf, weil ich aus 40 Jahren DDR-Erfahrung weiß, wie sich zensur-gelenkte Medien anfühlen! GEZ-Therapie: Mein linker Arm schläft ein … mein rechter Arm schläft ein … ich schlafe ein! Ich muss für diese ungewollte GEZ-Hypnose viel Geld bezahlen für nicht von mir kaum bis gar nicht mehr genutzte Kanäle der sogenannten Öffentlich Rechtlichen (ARD & ZDF), die ständig mieser werden und Staatspropaganda betreiben. Nein, das will ich nicht mehr!

Lisa Werle | Mo, 18. Februar 2019 - 15:45

Ich konnte diese Berichte zuerst gar nicht glauben, habe mir dann aber dieses Pamphlet heruntergeladen – und konnte nachlesen, was Alexander Grau zitiert und noch vieles andere mehr. Die ARD möchte „Gemeinwohlsender“ genannt werden und das böse Wort der ‚Zwangsabgabe‘ soll nun erklärt werden mit: „Tatsächlich aber „nimmt“ die ARD kein Geld „ein“, sondern verwaltet schlichtweg das Rundfunkkapital der Bürger, die sich in Deutschland seit jeher auf diese Weise ihren gemeinsamen, freien Rundfunk ARD ermöglichen.“ Ist das zu fassen? An welche Diktaturen erinnert mich das nur?
Halten ARD und Politik die Bürger dieses Landes wirklich für so dämlich? Denn das in der Politik schon seit längerem ‚geframt‘ wird, was das Zeug hält, zeigen so Begriffe wie „Schutzsuchende“ und „Schutzberechtigte“. Ich frage mich nur, wie man denn in korrektem Framing nun den Begriff „Staatsversagen“ benennt, wenn offensichtlich wird, dass 30-40 % der abgewiesenen ‚Asylbewerber‘ wieder und wieder einreisen.